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119:2Ich erbitte eure Aufmerksamkeit, insbesondere für diejenigen Aspekte dieses Krieges, die Bahá’u’lláh vor vierzig Jahren ausführlich vorausgesagt hat. Während Seines Exils und Seiner Gefangenschaft im Gefängnis von ‘Akká richtete Er einen Brief an den Sulṭán der Türkei. Er sandte auch Sendschreiben an Napoleon III. und an den Sháh von Persien. Alle Seine Briefe an die Könige und Herrscher auf Erden wurden zu einem Buch zusammengefasst, das vor 35 Jahren im indischen Bombay veröffentlicht wurde. Es gab mehrere Auflagen dieses Buches.119:3Ich habe ein Exemplar einer Ausgabe bei mir, die vor zweiundzwanzig Jahren veröffentlicht wurde. 1891 schrieb Professor E. G. Browne von der Universität Cambridge in England ein Buch über seinen Besuch in ‘Akká. Später gab es einen zweiten Band, in dem er aus den Sendschreiben Bahá’u’lláhs an die Könige und Herrscher zitierte. Übersetzungen einiger dieser Sendschreiben befinden sich auch in euren Bibliotheken. Wenn ihr sie zur Hand nehmt, könnt ihr die bemerkenswerten Aussagen Bahá’u’lláhs lesen.119:4Ich werde euch aus dem arabischen Text genau die Worte vorlesen, die Bahá’u’lláh in Seinem Brief an den Sulṭán der Türkei geschrieben hat. Sie werden für euch übersetzt, während ich lese. »O König! Du hast begangen, was Muḥammad, den Gesandten Gottes, im erhabenen Paradiese wehklagen ließ. Die Welt hat dich so stolz gemacht, dass du dich abkehrtest von dem Antlitz, durch dessen Glanz die Himmlischen Heerscharen erleuchtet werden. Bald wirst du offenkundigen Verlust erleiden. Du hast dich mit dem persischen Botschafter verschworen, Mir zu schaden, obwohl Ich von der Quelle der Majestät und Größe zu euch kam, mit einer Offenbarung, die die Augen der Gott Nahen tröstet. Bei Gott! Dies ist der Tag, an dem das unsterbliche Feuer aus dem Inneren aller erschaffenen Dinge ruft: ›Der Meistgeliebte der Welten ist gekommen!‹ Und vor einem jeden steht ein Moses, der dem Wort deines Herrn, des Allmächtigen, des Allwissenden, lauscht. … Dachtest du, du könntest das Feuer löschen, das Gott in der Schöpfung entfacht hat? Nein! Bei Ihm, der ewigen Wahrheit, wolltest du es doch erkennen. Es lodert auf durch das, was deine Hände getan, und brennt noch heftiger. Die ganze Erde und all ihre Bewohner wird es umfangen. So erging Gottes Befehl, und die Mächte von Erde und Himmel können ihn nicht vereiteln.119:5Der Tag naht, da das Land des Geheimnisses (Adrianopel) und die angrenzenden Lande vom Wandel erfasst werden. Sie werden den Händen des Herrschers entgleiten, Aufruhr wird herrschen, Wehklagen wird sich erheben und die Zeichen des Unheils werden allenthalben sichtbar sein. Verwirrung wird sich ausbreiten ob dessen, was diesen Gefangenen von den Heerscharen der Unterdrückung widerfahren ist. Die Verhältnisse werden sich ändern; sie werden so schlimm, dass selbst der Sand auf den Hügeln aufstöhnt und die Bäume auf den Bergen Tränen vergießen. Überall wird Blut fließen. Dann wirst du das Volk in großer Not sehen. … Stand es in der Macht des Pharao, Gott daran zu hindern, Seine Souveränität auszuüben, als er voll Willkür herrschte und frevelte im Land? Aus seinem eigenen Haus und gegen seinen Willen brachten wir den hervor, der mit Gott sprach (Moses). Wir sind mächtig und stark. Rufe dir ferner ins Gedächtnis, wie Nimrod das Feuer des Unglaubens entfachte, auf dass seine Flamme den Freund Gottes (Abraham) verzehre. Doch wir erlösten Ihn durch die Macht der Wahrheit und ergriffen Nimrod mit grimmigem Zorn. Sprich: Der Unterdrücker (der König von Persien) hat den Geliebten der Welten (den Báb) getötet, um das Licht Gottes unter den Menschen auszulöschen und sie vom Quell des ewigen Lebens fernzuhalten in den Tagen des Herrn, des Mächtigen, des Gütigen. Wir haben die Sache Gottes auf Erden offenbart und Sein Gedenken unter denen hochgehalten, die an Ihn glauben. Sprich: Dieser Jüngling ist erschienen, um die Welt zu beleben und alle, die auf Erden wohnen, zu vereinen. Was Gott will, wird geschehen, und du wirst sehen, wie die Erde in das herrlichste Paradies verwandelt wird. So wurde es von der Feder der Offenbarung auf einer erhabenen Tafel niedergeschrieben.«119:6Es gibt viele andere Prophezeiungen in diesem Buch, insbesondere im Sendschreiben an den Sháh von Persien und alle diese Prophezeiungen wurden erfüllt. Sie sind lang und wir haben nicht die Zeit, sie alle zu zitieren.119:7Diese Zitate sollen zeigen, dass Bahá’u’lláhs großartiges Bestreben im Osten darin bestand, die Menschheit zu vereinen, ihre Einigkeit und Versöhnung zu bewirken, dadurch die Einheit der Menschheit zu verwirklichen, den Weg für den Weltfrieden zu bereiten und die Grundlagen für Glück und Wohlstand zu schaffen. Aber die Völker haben nicht auf Seinen Ruf und Seine Botschaft gehört. Die persische und die türkische Regierung haben sich gegen Seine Sache erhoben, und das Ergebnis ist, dass beide Regierungen aufgelöst wurden und zerbrachen. Hätten sie Seine Gebote beachtet und Seine Ermahnungen angenommen, so wären sie in Sicherheit gewesen. Sie hätten sich des Glücks und Wohlstands erfreuen können. Sie wären in Freundschaft und Gemeinschaft miteinander verbunden gewesen, hätten sich die wunderbaren Gaben der Liebe und der Einheit zunutze machen und im herrlichen Paradies des göttlichen Königreiches verweilen können. Doch leider wurden die Gebote und die Führung des Gesegneten missachtet und verworfen. Tag für Tag sind sie ihren eigenen Ideen und Einbildungen gefolgt, bis hin in das rasende Toben des aktuellen Kriegsfeuers. – 120 –120:0_3577. November 1912120:0_358Ansprache im Haus von Herrn und Frau Arthur J. Parsons
1700 Eighteenth Street, NW, Washington, D.C.120:0_359Aufzeichnungen von Joseph H. Hannen120:1In der Natur sehen wir die Lebewesen in einem unaufhörlichen Kampf ums Überleben. Überall begegnen uns die Anzeichen für das körperliche Überleben der Stärksten. Gerade hier liegt die Quelle des Irrtums und der Fehleinschätzung in den Ansichten und Theorien der Menschen, die nicht erkennen, dass die Natur in ihrem Ursprung und in ihrem Ergebnis an sich unvollkommen ist und dass ihre Mängel durch Erziehung und Bildung beseitigt werden müssen. Nehmen wir etwa den Menschen selbst. Wenn wir die Urvölker Zentralafrikas studieren, die ganz nach den Gesetzen der Natur aufgewachsen sind, werden wir in der Tat feststellen, dass ihnen etwas fehlt. Sie haben keine religiöse Erziehung. Es gibt auch keine Anzeichen für kulturellen Fortschritt. Sie haben sich innerhalb der Grenzen der rohen Natur entwickelt. Sie verhalten sich so blutrünstig, hemmungslos und triebhaft, dass sie sich sogar gegenseitig töten und verspeisen. Die Natur ist ohne Hilfe also unvollkommen, denn auf dieser Ebene findet der Kampf um das körperliche Dasein statt.120:2Wenn wir ein Stück Land in seinem natürlichen Zustand belassen, werden Unkraut, Dornengestrüpp und Dschungelbäume darauf wachsen. Wenn wir jedoch dasselbe Stück Land kultivieren, wird es sich selbst von natürlichen Unvollkommenheiten befreien und in einen schönen Rosengarten oder einen Obstgarten mit fruchttragenden Bäumen verwandeln. Das beweist, wie unvollkommen die Natur ist. Die Gründung von Schulen und die weltweite Einrichtung von Bildungssystemen sollen helfen, die Mängel der Natur durch gute Eigenschaften und Vervollkommnung auszugleichen. Ohne Mängel gäbe es keinen Bedarf an Bildung, Kultur und Erziehung, aber die Tatsache, dass Kinder notwendigerweise erzogen und ausgebildet werden müssen, beweist, dass die Natur entwickelt werden muss. Vieles belegt dies eindeutig. Einer der grundlegenden Beweise ist das Überleben der Stärksten im Reich der Tiere, ihre Unwissenheit, ihre Triebhaftigkeit und ihre ungezügelten Instinkte und Leidenschaften. In der Welt der Natur bedarf es also eines Erziehers und Lehrers für die Menschheit. Er muss über allumfassende Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen. Es gibt zwei Arten von Lehrern: allumfassend befähigte und spezialisierte. Die allumfassend befähigten Lehrer sind die Propheten Gottes, und die spezialisierten Lehrer sind die Philosophen. Die Philosophen können einen begrenzten Kreis an Menschenseelen erziehen und ausbilden, wohingegen die heiligen, göttlichen Manifestationen der Menschheit allgemeingültige Bildung zukommen lassen. Sie erheben sich, um eine allumfassende ethische Bildung zu vermitteln. Zum Beispiel war Moses ein allumfassender Lehrer. Er lehrte und bildete das Volk Israel und befähigte es, sich aus dem tiefsten Abgrund der Verzweiflung und Unwissenheit zu befreien. Er führte es auf eine hohe Stufe des Wissens und des Fortschritts. Die Menschen waren Gefangene und Sklaven; durch Ihn kamen sie frei. Er führte sie aus Ägypten ins Heilige Land und öffnete ihnen die Tore für ihren Fortschritt zu einer höheren Zivilisation. Durch Seine Unterweisung gelang es diesem unterdrückten und geknechteten Volk, diesen Sklaven und Gefangenen der Pharaonen, den Glanz der salomonischen Herrschaft zu entfalten. Das ist ein Beispiel für einen allumfassenden Lehrer, einen allumfassenden Erzieher. Und denkt auch an Christus, wie diese wunderbare Verkörperung der Einheit den römischen, griechischen, ägyptischen, syrischen und assyrischen Völkern Bildung und ethische Orientierung vermittelte und sie zu einem dauerhaft und unauflöslich verbundenen Volk verschmolz. Diese Völker waren zuvor zerstritten und befanden sich in einem Zustand ständiger Feindschaft und Zwietracht. Er hat sie zusammengeführt, sie in Einklang gebracht, der Menschheit Ruhe verschafft und weltweit die Grundlagen für menschliches Wohlergehen geschaffen. Deshalb war Er ein wahrer Erzieher, der Lehrer der Wahrheit.120:3Wenn wir die Bedingungen im Osten vor dem Erscheinen des Propheten Arabiens betrachten, so stellen wir fest, dass unter den Bewohnern der gesamten arabischen Halbinsel tiefe geistige Finsternis und völlige Unwissenheit herrschten. Diese Stämme waren ständig in Kriege verwickelt, töteten und vergossen Blut, brandschatzten, plünderten die Häuser anderer und lebten unter Bedingungen äußerster Erniedrigung und Unmoral. Sie waren niedriger und bestialischer als Tiere. In einem solchen Volk ist Muḥammad als Prophet erschienen. Er unterrichtete diese barbarischen Stämme, erhob sie aus ihrer Unwissenheit und Grausamkeit und beendete den ständigen Streit und Hass, der unter ihnen herrschte. Er sorgte für Eintracht und Versöhnung zwischen ihnen, vereinigte sie und lehrte sie, einander wie Brüder zu betrachten. Durch Seine Anleitung kam es zu rascher Verbesserung ihres Ansehens und ihrer Kultur. Zuvor waren sie unwissend; sie wurden weise. Sie waren barbarisch; sie entwickelten sich zu einer verfeinerten und kultivierten Gesellschaft. Sie waren heruntergekommen und verroht; Er hat sie aufgerichtet und erhoben. Sie wurden gedemütigt und verachtet; Ihre Zivilisation und ihr Ansehen verbreiteten sich in der ganzen Welt. Das ist der schlüssige Beweis dafür, dass Muḥammad ein Erzieher und Lehrer war.120:4Im neunzehnten Jahrhundert herrschten unter den Menschen des Orients Feindschaft und Streit. Apathie und Unwissenheit kennzeichneten die Völker. Ihr Leben war wirklich trostlos und düster, gottvergessen und den niederen menschlichen Trieben und Leidenschaften verfallen. Der Kampf ums Dasein war heftig und allgegenwärtig. In dieser Zeit erschien Bahá’u’lláh unter ihnen wie ein Licht des Himmels. Er flutete den Osten mit Licht. Er verkündete neue Grundsätze und Lehren. Er legte den Grundstein für neue Institutionen, die den Geist der Moderne, das Licht der Welt, die Entwicklung des Staatswesens und ewige Ehre in sich bergen. Die Menschen im Orient, die auf diese Lehren hörten, sagten sich sofort vom Geist des Streites und der Feindseligkeit los und begannen, in Wohlwollen und Freundschaft miteinander zu verkehren. Von den Extremen der Feindseligkeit aus gelangten sie zum Gipfel der Liebe und Brüderlichkeit. Sie waren in Krieg und Streit verwickelt gewesen, aber nun wurden sie liebevoll und lebten in völliger Einheit und Eintracht zusammen. Heute findet man bei ihnen keine religiösen, politischen oder patriotischen Vorurteile. Sie sind freundlich, liebevoll und begegnen einander in größter Glückseligkeit. Sie haben keinen Anteil an den Kriegen und Streitereien, die heute im Osten stattfinden. Ihre Haltung gegenüber allen Menschen ist eine Haltung des Wohlwollens und der liebenden Güte. Ein Banner des Weltfriedens wurde unter ihnen entrollt. Das Licht der Führung hat ihre Seelen durchdrungen. Es ist Licht über Licht, Liebe über Liebe. Dies ist das Ergebnis der Erziehung und Schulung durch Bahá’u’lláh. Er hat die Menschen zu dieser Stufe geführt und ihnen Lehren gegeben, die ewige Erleuchtung sicherstellen. Jeder, der Seine Lehren gut kennt, wird sagen: »Wahrlich, ich erkläre, dass diese Worte die Grundlage für die Erleuchtung der Menschheit sind, dass dies die ewige Ehre ist, dass dies himmlische Gebote sind und die Ursache für das ewige Leben der Menschen.« – 121 –121:0_3608. November 1912121:0_361Ansprache in der Synagoge Eighth-Street-Temple
Washington, D. C.121:0_362Aufzeichnungen von Joseph H. Hannen121:1Es gibt nur einen Gott, es gibt nur einen Strahlenglanz Gottes, und alle Menschen sind die Diener dieses einen Gottes. Gott ist gütig zu allen. Er ist der Schöpfer aller, Er sorgt für alle, und alle stehen unter Seiner Fürsorge und Seinem Schutz. Die Sonne der Wahrheit, das Wort Gottes, scheint auf die ganze Menschheit. Aus der göttlichen Wolke fällt der kostbare Regen. Die sanften Frühlingsbrisen Seiner Gnade wehen, und die ganze Menschheit ist eingetaucht in das Meer Seiner ewigen Gerechtigkeit und liebevollen Güte. Gott hat die Menschen aus dem gleichen Stamm erschaffen, damit sie sich in Freundschaft zusammenschließen, einander Liebe erweisen und in Einheit und Brüderlichkeit zusammenleben. 121:2Aber wir haben gegen Gottes Willen und Wohlgefallen gehandelt. Wir haben Feindschaft und Zwietracht gesät. Wir haben uns entzweit und uns in Konflikten und Streit gegeneinander erhoben. Wie viele Kriege hat es zwischen den Völkern und Nationen gegeben! Wie viel Blut ist vergossen worden! Unzählige Städte und Häuser wurden verwüstet. All dies widerspricht dem Wohlgefallen Gottes, denn Er wünscht Liebe für die Menschheit. Er ist nachsichtig und barmherzig mit allen Seinen Geschöpfen. Er hat für die Menschen Freundschaft und Einvernehmlichkeit bestimmt.121:3Am bedauerlichsten sind jedoch die Unterschiede und Gegensätze, die wir im Namen der Religion untereinander geschaffen haben, weil wir uns einbilden, die Hauptpflicht unseres religiösen Handelns bestehe darin, uns voneinander zu distanzieren und zu entfremden, einander zu meiden und die anderen als irregeleitet und ungläubig anzusehen. In Wirklichkeit ist die Grundlage der göttlichen Religionen eine und dieselbe. Die Unterschiede, die zwischen uns aufgetaucht sind, haben ihre Ursache in der blinden Nachahmung dogmatischer Glaubenssätze und im Festhalten an überlieferten Formen des Gottesdienstes. Abraham legte den Grundstein für die Wahrheit. Moses, Christus und Muḥammad waren Verkörperungen der Wahrheit. Bahá’u’lláh war die Herrlichkeit der Wahrheit. Das ist nicht nur eine Behauptung; es soll bewiesen werden.121:4Ich bitte Sie um größte Aufmerksamkeit für dieses Thema. In den göttlichen Religionen gibt es zwei Arten von Verordnungen. Erstens solche, die aus den grundlegenden, also den geistigen Lehren des Wortes Gottes bestehen. Dies sind der Glaube an Gott, die Aneignung der Tugenden, die das vollkommene Menschsein kennzeichnen, lobenswerte Ethik, der Erwerb der Gaben und Segnungen, die dem göttlichen Strahlenglanz entspringen – kurz, die Gebote, die Moral und Ethik betreffen. Dies ist der grundlegende Aspekt der Religion Gottes, und dies ist von höchster Bedeutung, denn die Erkenntnis Gottes ist die Grundanforderung an den Menschen. Der Mensch muss die Einheit des Göttlichen begreifen. Er muss die Gebote Gottes erkennen, sie anerkennen und mit innerer Gewissheit verstehen, dass die ethische Entwicklung der Menschheit von der Religion abhängt. Er muss sich von allen Mängeln befreien und nach himmlischen Tugenden streben, damit er sich als Ebenbild Gottes erweist. In der Bibel heißt es: »Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.« Offensichtlich bezieht sich das erwähnte Ebenbild nicht auf Form und Gestalt des Menschen, denn die Wirklichkeit des Göttlichen ist nicht durch irgendeine Form oder Gestalt begrenzt. Nein, es geht vielmehr um die Eigenschaften und Merkmale Gottes. So, wie Gott gerecht genannt wird, muss auch der Mensch gerecht sein. Weil Gott liebevoll und gütig zu allen Menschen ist, muss auch der Mensch allen Menschen liebevolle Güte erweisen. Weil Gott getreu und wahrhaftig ist, muss der Mensch die gleichen Eigenschaften in der Menschenwelt zum Ausdruck bringen. Weil Gott barmherzig zu allen ist, muss auch der Mensch eine Verkörperung der Barmherzigkeit sein. Kurz gesagt: Das Ebenbild Gottes bezieht sich auf die göttlichen Tugenden, und der Mensch ist dazu bestimmt, der Empfänger des Strahlenglanzes göttlicher Eigenschaften zu werden. Dies ist die wesentliche Grundlage aller göttlichen Religionen, die Wahrheit selbst, die allen gemeinsam ist. Abraham hat es verkündet. Moses verbreitete es. Christus und alle Propheten vertraten diese Grundsätze und Merkmale göttlicher Religion.121:5Zweitens gibt es Gesetze und Verfügungen, die zeitgebunden und nicht wesentlich sind. Sie betreffen zwischenmenschliche Handlungen und Beziehungen. Sie sind nebensächlich und ändern sich je nach den Erfordernissen von Zeit und Ort. Diese Verfügungen sind weder dauerhaft noch grundlegend. So war es beispielsweise zur Zeit Noahs zweckdienlich, dass Meeresfrüchte als erlaubt angesehen wurden; deshalb befahl Gott Noah, von allen Meerestieren zu essen. Zu Moses Zeiten war dies für die Existenz Israels nicht erforderlich; deshalb wurde ein zweites Gebot offenbart, womit das Gesetz bezüglich der Meeresfrüchte teilweise aufgehoben wurde. Zu Abrahams Zeit – Frieden sei mit Ihm – galt Kamelmilch ebenso wie Kamelfleisch als erlaubte und annehmbare Speise; aber zu Zeiten Jakobs wurde dies wegen eines Gelübdes, das Er abgelegt hatte, verboten. Diese Gesetze sind nicht wesentlich und zeitgebunden. In der Heiligen Bibel gibt es bestimmte Gebote, die für jene vergangenen Zeiten genau den Zeitgeist und das Licht jener Epoche darstellten. So wurde etwa nach dem Gesetz der Thora einem Mann, der eine gewisse Summe gestohlen hatte, die Hand abgehackt. Ist es heute durchführbar und vernünftig, einem Mann für den Diebstahl eines Dollars die Hand abzuhacken? In der Thora gibt es zehn Gesetze in Bezug auf Mord. Könnten diese heute angewandt werden? Sicher nicht! Die Zeiten haben sich geändert. Nach dem ausdrücklichen Wortlaut der Bibel muss ein Mann, der das Sabbatgebot missachtet oder bricht oder am Sabbat ein Feuer anzündet, mit dem Tod bestraft werden. Heute sind solche Gesetze aufgehoben. Die Thora erklärt, dass ein Mensch zum Tode verurteilt werden sollte, wenn er respektlos mit seinem Vater spricht. Ist das heute noch durchsetzbar? Nein, die Lebensumstände der Menschen haben sich geändert. Auch zur Zeit Christi wurden einige weniger wichtige Verfügungen durchgesetzt, die der damaligen Zeit entsprachen.121:6Es wurde also schlüssig dargelegt, dass die Grundlage der Religion Gottes dauerhaft und unveränderlich bleibt. Diese festgelegte Grundlage sichert den Fortschritt und die Stabilität des Staates und die Erleuchtung der Menschheit. Sie ist seit jeher die Quelle der Liebe und Gerechtigkeit zwischen den Menschen. Sie dient wahrer Gemeinschaft und der Vereinigung aller Menschen, denn sie verändert sich nie und wird nie ersetzt. Die nebensächlichen oder unwesentlichen Gesetze, die soziale Belange und das tägliche Leben regeln, sind veränderbar und können aufgehoben werden.121:7Ich frage: Wozu gibt es das Prophetentum? Wozu hat Gott die Propheten gesandt? Offensichtlich sind die Propheten die Erzieher und Lehrer der Menschheit. Sie kommen, um den Menschen universelle Erziehung zu schenken, sie zu unterrichten, um die Menschheit aus den Abgründen der Verzweiflung und Trostlosigkeit zu erheben und um den Menschen zu befähigen, den Gipfel des Fortschritts und des Ruhmes zu erreichen. Die Völker befinden sich in der Finsternis; die Propheten führen sie in das Reich des Lichtes. Sie leben in größter Unvollkommenheit; die Propheten verleihen ihnen Vollkommenheit. Die Sendung der Propheten hat kein anderes Ziel als die Erziehung und Unterweisung der Menschen. Deshalb müssen wir aufmerksam sein und nach dem Menschen Ausschau halten, der diese Fähigkeit besitzt. Mit anderen Worten, die Seele, die sich als Erzieher der Menschen und Lehrer der Menschheit erweist, ist zweifellos der Prophet Seiner Epoche.121:8Betrachten wir zum Beispiel die Ereignisse zu Moses Zeit – Frieden sei mit Ihm! Er wohnte zu einer Zeit in Midian, als die Kinder Israels in Ägypten in Gefangenschaft und Knechtschaft lebten und schwerer Tyrannei und Unterdrückung ausgesetzt waren. Sie waren unwissende Analphabeten und mussten grausame Qualen durchleben. Sie waren so hilflos und schwach, dass ein damaliges Sprichwort besagte, ein Ägypter könne zehn Israeliten überwältigen. Zu einer solchen Zeit und unter solch unerträglichen Umständen erschien Moses und erstrahlte in himmlischem Glanz. Er rettete Israel aus der Knechtschaft des Pharao und erlöste es aus der Gefangenschaft. Er führte das Volk aus dem Lande Ägypten hinaus in das Heilige Land. Sie waren verstreut und gebrochen; Er hat sie geeint und erzogen, ihnen den Segen der Weisheit und der Erkenntnis verliehen. Sie waren Sklaven; Er machte sie zu Fürsten. Sie waren unwissend; Er macht sie zu Gelehrten. Sie waren unvollkommen; Er verhalf ihnen zur Vervollkommnung. Mit einem Wort, Er führte sie aus ihrer Hoffnungslosigkeit heraus auf die Ebene der Zuversicht und des Mutes. Sie wurden überall in der antiken Welt berühmt, bis sie schließlich auf dem Höhepunkt und im Glanz ihrer neuen Kultur zur Herrlichkeit der salomonischen Herrschaft gelangten. Durch Moses Führung und Erziehung wurden diese Sklaven und Gefangenen vorherrschend unter den Völkern. Sie waren nicht nur für ihre körperliche und militärische Überlegenheit berühmt, vielmehr verbreitete sich ihr Ruf auf allen Ebenen von Kunst, Literatur und Kultur. Sogar die berühmten Philosophen Griechenlands reisten nach Jerusalem, um bei den israelitischen Weisen zu studieren, und erhielten von ihnen zahlreiche Lektionen in Philosophie und Weisheit. Unter diesen Philosophen war auch der berühmte Sokrates. Er besuchte das Heilige Land und studierte bei den Propheten Israels, eignete sich die Grundsätze ihrer philosophischen Lehre an und erlangte Kenntnisse in ihren fortgeschrittenen Künsten und Wissenschaften. Nach seiner Rückkehr nach Griechenland entwickelte er ein Konzept, das als die Einheit Gottes bekannt ist. Das griechische Volk erhob sich gegen ihn, und schließlich wurde er in Gegenwart des Königs vergiftet. Hippokrates und viele andere griechische Philosophen saßen zu Füßen der gelehrten israelitischen Doktoren und verinnerlichten deren Darlegungen der Weisheit und inneren Wahrheit.121:9Da Moses die Israeliten durch den Einfluss Seiner großen Sendung aus tiefer Entwürdigung und Erniedrigung befreite, sie zu Ansehen und Ruhm führte, und sie erzog und unterrichtete, sollten wir ein gerechtes Urteil über einen so wunderbaren Lehrer fällen. Denn dieses große Werk hat Er ganz allein vollbracht. Hätte Er ohne die Billigung und den Beistand einer himmlischen Macht einen solchen Wandel bewirken und solche Lebensbedingungen für diese Menschen herbeiführen können? Hätte Er ohne heiligen und göttlichen Beistand ein ganzes Volk aus der Erniedrigung zum Ruhm führen können?121:10Nichts anderes als eine göttliche Macht hätte dies vollbringen können. Darin liegt der Beweis des Prophetentums, denn die Aufgabe eines Propheten ist die Erziehung des Menschengeschlechts, so wie diese Persönlichkeit sie vollführt hat, was Ihn als einen mächtigen Propheten unter den Propheten und Sein Buch als das wahre Buch Gottes ausweist. Das ist ein vernünftiger, direkter und vollkommener Beweis.121:11Kurzum, Moses – Frieden sei mit Ihm – führte das Gesetz Gottes ein, läuterte die Sitten des Volkes Israel und spornte es zu edleren und höheren Leistungen an. Aber nach Moses Hinscheiden und nachdem der Ruhm der salomonischen Ära vergangen war, erlebte das Volk unter der Herrschaft Jerobeams einen großen Wandel. Der hohe ethische Standard und die geistige Vollkommenheit schwanden dahin. Die Zustände und Sitten wurden korrumpiert, die Religion wurde entwürdigt, und die vollkommenen Grundlagen des mosaischen Gesetzes wurden durch Aberglauben und Vielgötterei unkenntlich. Krieg und Streit entbrannten zwischen den Stämmen, und ihre Einheit war zerstört. Die Anhänger Jerobeams sahen ihn als rechtmäßigen und gültigen Nachfolger des Königs, und die Anhänger Rehabeams erhoben den gleichen Anspruch. Schließlich wurden die Stämme durch Feindschaft und Hass auseinandergerissen, der Ruhm Israels wurde verfinstert, und der Niedergang war so vollständig, dass in der Stadt Tyrus ein goldenes Kalb zur Anbetung aufgestellt wurde. Daraufhin sandte Gott den Propheten Elias, der das Volk erlöste, das Gesetz Gottes erneuerte und ein Zeitalter neuen Lebens für Israel einleitete. Später in der Geschichte kam es zu einem weiteren Wechsel und Wandel, als auf diese Einheit und Solidarität eine erneute Zersplitterung der Stämme erfolgte. Der babylonische König Nebukadnezar fiel ins Heilige Land ein und führte siebzigtausend Israeliten als Gefangene nach Chaldäa, wo diese unglücklichen Menschen die größten Rückschläge, Heimsuchungen und Leiden erdulden mussten. Daraufhin reformierten die Propheten Gottes das Gesetz Gottes und setzten es wieder ein, und aus ihrer Demütigung heraus befolgten die Menschen es erneut. Das führte zu ihrer Befreiung und auf Anweisung des persischen Königs Kyros erfolgte eine Rückkehr in die Heilige Stadt. Jerusalem und der Tempel Salomons wurden wieder aufgebaut und Israels Ruhm wurde wiederhergestellt. Dies währte nur eine kurze Zeit. Sitten und Moral des Volkes verfielen und die Zustände erreichten ein extremes Ausmaß, bis der römische Feldherr Titus Jerusalem eroberte und es dem Erdboden gleichmachte. Plünderungen und Eroberungen vollendeten die Verzweiflung. Palästina wurde zur Wüste und Wildnis, und die Juden flohen aus dem Heiligen Land ihrer Vorfahren. Die Ursache für diesen Zerfall und diese Auflösung bestand darin, dass Israel sich von der Grundlage des Gesetzes Gottes, wie Moses es offenbart hatte, abgewandt hatte, namentlich vom Erwerb göttlicher Tugenden, von Ethik, Liebe, der Entwicklung von Künsten und Wissenschaften und vom Geist der Einheit der Menschheit.121:12Ich möchte nun, dass Sie einige Tatsachen und Feststellungen prüfen, die der Überlegung wert sind. Mein Ziel und meine Absicht dabei sind, religiöse Feindschaft und Hass, die die Menschen gefesselt haben, aus ihren Herzen zu entfernen, und alle Religionen zur Eintracht und Einheit zu führen. Da diese Feindschaft, dieser Hass, dieser Fanatismus und diese Unduldsamkeit durch Missverständnisse entstanden sind, wird die Wahrheit religiöser Einheit zum Vorschein kommen, sobald diese Missverständnisse ausgeräumt sind. Denn die Grundlage aller göttlichen Religionen ist nur eine einzige. Dies ist die Einheit der Offenbarung oder der Lehre. Aber leider haben wir uns von dieser Grundlage abgewandt und halten hartnäckig an verschiedenen Dogmen und blinder Nachahmung überlieferter Glaubenssätze fest. Das ist die wahre Ursache für Feindschaft, Hass und Blutvergießen in der Welt, der Grund für Abneigung und Entfremdung zwischen den Menschen. Deshalb wünsche ich, dass Sie in Ihrem Urteil über die folgenden Feststellungen sehr fair und gerecht sind.121:13In der Zeit, in der das Volk Israel von den erwähnten Zuständen bedrängt und geplagt wurde, erschien Jesus Christus dort. Jesus von Nazareth war Jude. Er war nur auf sich gestellt und ohne Unterstützung, allein und einzigartig. Er hatte keinen Helfer. Die Juden beschuldigten Ihn sofort, Moses Feind zu sein. Sie erklärten, Er sei der Zerstörer der mosaischen Gesetze und Gebote. Lassen Sie uns die vorliegenden Fakten untersuchen, prüfen wir die Wahrheit und die Wirklichkeit, um zu einer richtigen Ansicht und Schlussfolgerung zu gelangen. Um uns zu dieser Frage eine gerechte Meinung zu bilden, müssen wir alles, was wir wissen, beiseitelegen und unabhängig nachforschen. Diese Persönlichkeit, Jesus Christus, erklärte, Moses sei der Prophet Gottes gewesen, und bezeichnete alle Propheten Israels als von Gott gesandt. Er verkündete, die Thora sei das wahre Buch Gottes, und forderte alle auf, sich an ihre Gebote zu halten und ihren Lehren zu folgen. Es ist eine historische Tatsache, dass die Könige Israels fünfzehnhundert Jahre lang unfähig waren, die Religion des Judentums zu verbreiten. Ja, während dieses Zeitraums war das Wissen um Moses Namen und Geschichte auf die Grenzen Palästinas beschränkt, und die Thora war nur in diesem Land als Buch bekannt. Aber durch Christus, durch den Segen des Neuen Testaments Jesu Christi, wurde das Alte Testament, die Thora, in sechshundert verschiedene Sprachen übersetzt und weltweit verbreitet. Erst durch das Christentum gelangte die Thora nach Persien. Vor dieser Zeit gab es in diesem Land keine Kenntnis von einem solchen Buch, aber Christus bewirkte seine Verbreitung und Annahme. Durch Ihn wurde Moses Name geadelt und verehrt. Durch Ihn wurden die Namen und die Größe der israelitischen Propheten bekannt, und Er bewies der Welt, dass die Israeliten das Volk Gottes waren. Welcher der Könige Israels hätte dies erreichen können? Hätte die Bibel, die Thora, ohne Jesus Christus Amerika erreicht? Wäre Moses Name in der ganzen Welt verbreitet worden? Betrachten Sie die Geschichte. Jeder weiß, dass mit der Ausbreitung des Christentums zugleich das Wissen um das Judentum und die Thora verbreitet wurde. In ganz Persien gab es keine einzige Ausgabe des Alten Testaments, bis die Religion Jesu Christi dafür sorgte, dass es überall erschien, sodass heute die Bibel in jenem Land ein Alltagsgegenstand ist. Es ist also offensichtlich, dass Christus Moses Freund war, dass Er Moses liebte und an Ihn glaubte; sonst hätte Er Seinen Namen und Seine Prophetenschaft nicht erwähnt. Das ist selbsterklärend. Deshalb sollten Christen und Juden die größte Liebe füreinander hegen, denn die Stifter dieser beiden großen Religionen waren sich bezüglich des Buches und der Lehre vollkommen einig. Ihre Anhänger sollten es auch sein.121:14Wir haben bereits die stichhaltigen Beweise für Prophetenschaft genannt. Wir sehen, dass die eigentlichen Beweise für Moses Rechtmäßigkeit von Christus bezeugt und wiederholt wurden. Auch Christus war eine einzigartige Persönlichkeit, israelitischer Abstammung. Durch die Macht Seines Wortes konnte Er die Menschen der römischen, griechischen, mesopotamischen, ägyptischen und assyrischen Völker vereinen. Sie waren grausam, blutrünstig und feindselig gewesen, hatten einander getötet, ausgeplündert und gefangen genommen; aber Er schmiedete sie in einem vollkommenen Bund der Einheit und Liebe zusammen. Er sorgte für Eintracht und Versöhnung zwischen ihnen. Diese mächtigen Auswirkungen waren das Ergebnis der Manifestation einer einzigen Seele. Das beweist schlüssig, dass Christus von Gott unterstützt wurde. Heute bekennen und glauben alle Christen, dass Moses ein Prophet Gottes war. Sie erklären, dass Sein Buch das Buch Gottes war, dass die Propheten Israels echt und rechtmäßig waren und dass das Volk Israel das Volk Gottes bildete. Welcher Schaden ist dadurch entstanden? Welcher Schaden könnte entstehen, wenn die Juden erklären, dass Jesus auch eine Manifestation des Wortes Gottes gewesen ist? Haben die Christen durch ihren Glauben an Moses gelitten? Haben sie irgendeinen Verlust an religiöser Begeisterung erlitten oder eine Schwäche in ihrem religiösen Glauben gezeigt, indem sie erklärten, Moses sei ein Prophet Gottes gewesen, die Thora sei ein Buch Gottes und alle Propheten Israels seien Propheten Gottes? Es ist offensichtlich, dass daraus kein Verlust entsteht. Und jetzt ist es an der Zeit, dass die Juden erklären, dass Christus das Wort Gottes war, und dann wird diese Feindschaft zwischen zwei großen Religionen verschwinden. Diese Feindschaft und diese religiösen Vorurteile haben zweitausend Jahre lang angehalten. Blut wurde vergossen, Qualen wurden ertragen. Diese wenigen Worte werden die Schwierigkeit lösen und zwei große Religionen vereinen. Welcher Schaden kann entstehen, wenn auch die Juden des Namens Christi gedenken, Ihn zum Wort Gottes erklären und als einen der erwählten Gesandten Gottes ansehen, so wie die Christen den Namen Moses verherrlichen und preisen?121:15Einige Worte zum Qur’án und den Muslimen: Als Muḥammad erschien, sprach Er von Moses als dem großen Mann Gottes. Im Qur’án bezieht Er sich an sieben verschiedenen Stellen auf die Worte Moses, erklärt Ihn zum Propheten und Besitzer eines Buches, als Stifter des Gesetzes und als Geist Gottes. Er sagte: »Jeder, der an Ihn glaubt, ist vor Gott annehmbar, und jeder, der Ihn oder irgendeinen der Propheten verwirft, wird von Gott verworfen.« Abschließend spricht Er sogar Seine eigenen Verwandten an und sagt: »Warum habt ihr Moses verworfen und nicht an Ihn geglaubt? Warum habt ihr die Thora nicht anerkannt? Warum habt ihr nicht an die jüdischen Propheten geglaubt?« In einer bestimmten Sure des Qur’án erwähnt Er die Namen von achtundzwanzig Propheten Israels und lobt und preist sie alle. In solch hohem Maß hat Er die Propheten und die Religion Israels anerkannt und gelobt. Es geht um Folgendes: Muḥammad pries und verherrlichte Moses und erklärte das Judentum für rechtmäßig. Er verkündete, dass jeder, der Moses verleugnet, unrein ist, und selbst wenn er bereue, werde seine Reue nicht angenommen. Er nannte Seine eigenen Angehörigen ungläubig und unrein, weil sie die Propheten verleugnet hatten. Er sagte: »Weil ihr nicht an Christus geglaubt habt, weil ihr nicht an Moses geglaubt habt, weil ihr nicht an die Evangelien geglaubt habt, seid ihr Ungläubige und unrein.« Auf diese Weise pries Muḥammad die Thora, Moses, Christus und die Propheten der Vergangenheit. Er erschien bei den Arabern, die ein ungebildetes, barbarisches und blutrünstiges Nomadenvolk waren. Er führte und unterrichtete sie, bis sie einen hohen Entwicklungsstand erreichten. Durch Seine Erziehung und Schulung erhoben sie sich aus den Niederungen der Unwissenheit zu den Höhen des Wissens und wurden zu Meistern der Gelehrsamkeit und Philosophie. Wir sehen also, dass die Beweise, die für den einen Propheten gelten, gleichermaßen auf einen anderen anwendbar sind.121:16Die Schlussfolgerung lautet: Da die Propheten selbst, die Stifter, einander liebten, priesen und füreinander Zeugnis ablegten, warum nur sollten wir unterschiedlicher Meinung sein und uns voneinander entfremden? Es gibt nur einen Gott. Er ist der Hirte aller. Wir sind Seine Schafe und sollten daher in Liebe und Einheit miteinander leben. Wir sollten einander im Geiste der Gerechtigkeit und des Entgegenkommens begegnen. Werden wir das tun, oder werden wir einander verurteilen und verfluchen, nur uns selbst preisen und alle anderen verdammen? Was kann aus einer solchen Haltung und solchem Handeln an Gutem erwachsen? Im Gegenteil, nichts als Feindschaft und Hass, Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit können daraus entstehen. War das in der Vergangenheit nicht die Hauptursache für Blutvergießen, Elend und Drangsal?121:17Preis sei Gott! Sie leben in einem Land der Freiheit. Sie sind mit Gelehrten gesegnet, Menschen, die in vergleichenden Religionsstudien bewandert sind. Sie erkennen die Notwendigkeit der Einheit und wissen um die große Not, die durch Vorurteile und Aberglauben entsteht. Ich frage Sie: Sind Gemeinschaft und Freundschaft in Gesellschaft und Gemeinde nicht der Feindschaft und dem Hass vorzuziehen? Die Antwort ist selbsterklärend. Liebe und Gemeinschaft sind absolut notwendig, um das Wohlgefallen Gottes – das Ziel aller menschlichen Bemühungen – zu gewinnen. Wir müssen vereint sein. Wir müssen einander lieben. Wir müssen einander immer lobpreisen. Wir müssen alle Völker würdigen und so die Zwietracht und den Hass beseitigen, die die Menschen einander entfremdet haben. Sonst werden die Zustände der Vergangenheit fortdauern, wir werden uns selbst preisen und die anderen verdammen; die Religionskriege werden kein Ende nehmen, und die religiösen Vorurteile, Hauptursache der Zerstörung und Trübsal, werden zunehmen. Das muss aufhören, und der Weg dorthin ist die Erforschung der Wahrheit, die allen Religionen zugrunde liegt. Diese grundlegende Wahrheit ist die Liebe zur Menschheit. Denn es gibt nur einen Gott und eine Menschheit, und das einzige Bekenntnis der Propheten ist Liebe und Einheit. – 122 –122:0_3639. November 1912122:0_364Ansprache im Haus von Herrn und Frau Arthur J. Parsons
1700 Eighteenth Street, NW, Washington, D.C.122:0_365Aufzeichnungen von Joseph H. Hannen122:1Die Ansprache, die ich gestern Abend in der Synagoge gehalten habe, hat offensichtlich einige Leute verwirrt, darunter auch den verehrten Rabbi, der mich heute Nachmittag darauf angesprochen hat. Gemeinsam sind wir das Thema noch einmal durchgegangen, und ich wiederhole das jetzt zu eurem Nutzen.
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