‘Abdu’l-Bahá | Die Verkündigung des Weltfriedens
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Ansprache im Haus von Miss Juliet Thompson
48 West Tenth Street, New York
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Aufzeichnungen von Hooper Harris
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Ich habe in verschiedenen christlichen Kirchen und in Synagogen gesprochen, und in keiner Versammlung hat irgendjemand widersprochen. Alle haben zugehört und alle haben den überragenden Charakter der Lehren Bahá’u’lláhs anerkannt und eingeräumt, dass sie Wesen und Geist dieses neuen Zeitalters verkörpern und dass es keinen besseren Weg gibt, seine Ideale zu erreichen. Keine einzige Stimme erhob Einwände. Es gab lediglich einige wenige, die sich geweigert haben, die Sendung Bahá’u’lláhs anzuerkennen, obwohl selbst diese zugegeben haben, dass Er ein großer Lehrer, eine äußerst mächtige Seele und ein sehr bedeutender Mensch war. Einige, die keinen anderen Vorwand finden konnten, sagten: »Diese Lehren sind nicht neu, sie sind alt und bekannt. Wir haben sie schon früher gehört.« Deshalb werde ich über die besonderen Merkmale der Offenbarung Bahá’u’lláhs sprechen und beweisen, dass Seine Sache sich in jeder Hinsicht von allen anderen unterscheidet. Sie unterscheidet sich durch ihre Methodik und die Art der Darlegung, durch ihre praktischen Auswirkungen und ihre Anwendung auf die heutigen Verhältnisse in der Welt, vor allem aber durch ihre Verbreitung und ihren Fortschritt.
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Als Bahá’u’lláh in Persien erschien, erhoben sich alle religiösen Sekten und Glaubenssysteme der damaligen Zeit gegen Ihn. Seine Feinde waren Könige. Die Feinde Jesu Christi waren Juden und Pharisäer, aber die Feinde Bahá’u’lláhs waren Herrscher, die Armeen befehligten und über Hunderttausende von Soldaten verfügten. Diese Könige repräsentierten etwa fünfzig Millionen Menschen, die sich alle unter deren Einfluss und Herrschaft gegen Bahá’u’lláh wandten. So stand Bahá’u’lláh praktisch allein fünfzig Millionen Feinden gegenüber. Doch anstatt Ihn zu beherrschen, hatte diese große Masse Seiner wunderbaren Persönlichkeit und der Macht und dem Einfluss Seiner himmlischen Sache nichts entgegenzusetzen. Obwohl sie entschlossen waren, das Licht dieser strahlenden Leuchte auszulöschen, wurden sie schließlich besiegt und überwunden, und von Tag zu Tag erstrahlte Seine Herrlichkeit heller. Sie bemühten sich nach Kräften, Seine Größe zu schmälern, aber Sein Ruhm und Ansehen nahmen in dem Maße zu, wie sie sich bemühten, es zu schwächen. Umgeben von Feinden, die Ihm nach dem Leben trachteten, versuchte Er nie, Sich zu verbergen, tat nichts, um Sich zu schützen; im Gegenteil, in Seiner geistigen Kraft und Macht war Er jederzeit vor aller Augen sichtbar, leicht zu erreichen und hielt gelassen den Massen stand, die sich Ihm entgegenstellten. Zu guter Letzt wurde Sein Banner gehisst.
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Wenn wir die historischen Berichte studieren und Seite für Seite die heiligen Bücher durchgehen, stellen wir fest, dass keiner der Propheten der Vergangenheit von einem Gefängnis aus Seine Lehren verbreitete oder Seine Sache verkündete. Aber Bahá’u’lláh hielt das Banner der Sache Gottes hoch, während Er sich in einem Verlies befand. Aus Seiner Gefängniszelle heraus richtete Er sich an die Könige der Erde und verurteilte sie scharf wegen der Unterdrückung ihrer Untertanen und ihres Machtmissbrauchs. Den Brief, den Er unter solchen Umständen an den Sháh von Persien sandte, kann heute jeder lesen. Seine Briefe an den Sulṭán der Türkei, an Kaiser Napoleon III. von Frankreich und an die anderen Herrscher der Welt, darunter den Präsidenten der Vereinigten Staaten, sind ebenfalls in Umlauf und verfügbar. Das Buch mit diesen Briefen an die Könige wurde vor etwa dreißig Jahren in Indien veröffentlicht und ist als Súratu’l-Haykal bekannt. Alles, was in diesen Sendbriefen steht, ist eingetroffen. Einige der darin enthaltenen Prophezeiungen haben sich nach zwei Jahren erfüllt, andere nach fünf, zehn oder zwanzig Jahren. Höchst bedeutsame Prophezeiungen über Ereignisse auf dem Balkan gehen gegenwärtig in Erfüllung, obgleich sie schon vor langer Zeit niedergeschrieben wurden. Zum Beispiel sagte Bahá’u’lláh in Seinem Brief an den Sulṭán der Türkei den Krieg und die Geschehnisse voraus, die heute stattfinden. Diese Ereignisse wurden auch in dem Sendschreiben an die Stadt Konstantinopel prophezeit, sogar bezüglich der Einzelheiten der Ereignisse, die sich jetzt in dieser Stadt zutragen.
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Während Er sich an diese mächtigen Könige und Herrscher wandte, war Er ein Gefangener in einem türkischen Kerker. Bedenkt, wie erstaunlich es war, dass ein Gefangener in der Gewalt der Türken ausgerechnet den König, der für Seine Inhaftierung verantwortlich war, so kühn und schwer anklagte. Welche Macht zeigt sich hier! Welche Größe! Nirgends in der Geschichte wurde je etwas Derartiges überliefert. Der unerbittlichen, absoluten Herrschaft dieser Könige zum Trotz war es Seine Aufgabe, sich ihnen entgegenzustellen und Er war so unerschütterlich und standhaft, dass Er ihre Flaggen zu Fall brachte und Sein eigenes Banner erhoben wurde. Denn heute werden die Flaggen des persischen und des osmanischen Reiches durch den Schmutz gezogen, während das Banner Bahá’u’lláhs in der Welt sowohl im Osten als auch im Westen hochgehalten wird. Seht diese gewaltige Kraft! Welch schlüssiger Beweis! Obwohl Er ein Gefangener in einer Festung war, schenkte Er diesen Königen keine Aufmerksamkeit, achtete nicht auf ihre Macht über Leben und Tod, sondern im Gegenteil, Er wandte sich in klarer und furchtloser Sprache an sie und verkündete ausdrücklich, dass die Zeit kommen werde, in der ihre Regierungsgewalt gestürzt und Seine eigene Herrschaft errichtet werden würde.
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Er sagte sinngemäß: »Binnen kurzem werdet ihr euch in offensichtlichem Verlust befinden. Euer Herrschaftsgebiet wird verwüstet. Eure Reiche werden zu einer Wildnis und einem Trümmerhaufen. Fremde Heere werden in eure Länder einfallen und sie unterwerfen. Jammern und Wehklagen werden sich in euren Häusern erheben. Es wird weder Thron noch Krone, weder Palast noch Armeen mehr geben. Nein, alle diese Dinge werden vergehen, aber das Banner der Sache Gottes wird hochgehalten. Dann werdet ihr sehen, dass die Menschen in Scharen in die Sache Gottes eintreten und dass diese mächtige Offenbarung sich in der ganzen Welt verbreiten wird.« Lest die Prophezeiungen in der Súratu’l-Haykal und denkt sorgfältig darüber nach.
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Dies ist eines der Merkmale der Botschaft und Lehren Bahá’u’lláhs. Könnt ihr solche Ereignisse und Begebenheiten in irgendeiner anderen prophetischen Sendung finden? Wenn ja, in welchem Zyklus hat sich Ähnliches ereignet? Findet ihr solche genauen Prophezeiungen und deutlichen Aussagen über die Zukunft in den Heiligen Büchern der Vergangenheit? Vergleichen wir jetzt die Lehren Bahá’u’lláhs mit den heiligen Worten, die in früheren Zyklen herabgesandt wurden.
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Zu den erhabenen Prinzipien, die Er offenbarte, gehört erstens die Erforschung der Wahrheit. Das bedeutet, dass jeder einzelne Mensch aufgerufen und verpflichtet ist, Aberglauben, Überlieferungen und die blinde Nachahmung althergebrachter religiöser Bräuche abzulegen und selbstständig die Wahrheit zu erforschen. Da die grundlegende Wahrheit nur eine ist, werden alle Religionen und Völker der Welt vereint werden, indem sie die Wahrheit erforschen. Dieser Grundsatz wurde in keinem der heiligen Bücher der Vergangenheit verkündet.
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Ein zweiter Grundsatz, der die Lehren Bahá’u’lláhs auszeichnet, verlangt die Anerkennung der Einheit der Menschheit. Bahá’u’lláh wandte sich an die gesamte Menschheit mit den Worten: »Ihr seid alle die Blätter eines Baumes.« Vor Gott gibt es keine ethnischen Unterschiede zwischen euch. Vielmehr sind alle die Diener Gottes, und alle sind eingetaucht in das Meer Seiner Einheit. Keine einzige Seele ist davon ausgeschlossen. Im Gegenteil, alle sind Empfänger der Gnadengaben Gottes. Jedes menschliche Geschöpf hat Anteil an Seinen Segnungen und an der Ausstrahlung Seiner Wirklichkeit. Gott ist gütig zu allen. Alle Menschen sind Seine Schafe und Er ist ihr wahrer Hirte. Keine anderen Heiligen Schriften enthalten so ausführliche und umfassende Aussagen, keine andere Lehre verkündet diesen unzweideutigen Grundsatz menschlicher Zusammengehörigkeit. In Bezug auf mögliche Unterscheidungen ist das Äußerste, was Bahá’u’lláh sagt, dass die Lebensumstände der Menschen unterschiedlich sind, dass beispielsweise manche Bedingungen unzulänglich sind. Deshalb brauchen diese Menschen Bildung und Erziehung, um Vervollkommnung zu erreichen. Manche sind krank und leiden; sie müssen behandelt und gepflegt werden, bis sie geheilt sind. Manche schlafen; sie müssen erweckt werden. Manche sind unreif wie Kinder; ihnen sollte zur Reife verholfen werden. Aber alle müssen geliebt und geschätzt werden. Man darf ein Kind nicht ablehnen, bloß weil es ein Kind ist. Nein, vielmehr sollte es geduldig erzogen werden. Der Kranke darf nicht gemieden oder geringschätzig behandelt werden, nur weil er krank ist. Nein, vielmehr muss man sich voll Mitgefühl und Zuneigung um ihn kümmern und ihn behandeln, bis er geheilt ist. Die schlafende Seele darf nicht verachtet werden, sondern muss erweckt und ins Licht geleitet werden.
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Bahá’u’lláh lehrt, dass Religion mit Wissenschaft und Vernunft übereinstimmen muss. Wenn Glaube und religiöse Lehren der verstandesmäßigen Analyse und wissenschaftlichen Prinzipien widersprechen, verdienen sie es nicht, angenommen zu werden. Dieses Prinzip wurde in keinem der früheren göttlichen Lehrbücher offenbart.
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Eine weitere grundlegende Verkündigung Bahá’u’lláhs ist, dass die Religion die Quelle der Einheit und Gemeinschaft in der Welt sein muss. Wenn sie zu Feindschaft, Hass und Fanatismus führt, wäre es besser, es gäbe keine Religion. Das ist ein neues Offenbarungsprinzip, das nur in den Aussagen Bahá’u’lláhs zu finden ist.
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Weiter erklärt Bahá’u’lláh, dass alle Arten zwischenmenschlicher Vorurteile aufgegeben werden müssen und dass die Menschheit Frieden, Wohlstand und Ruhe weder finden wird noch finden kann, ehe die bestehenden Vorurteile völlig ausgeräumt sind. Dieser Grundsatz findet sich in keinem anderen heiligen Buch als in den Lehren Bahá’u’lláhs.
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Eine weitere Lehre ist die vollkommene Gleichberechtigung von Mann und Frau. Warum sollte der Mensch einen Unterschied erfinden, den Gott nicht gelten lässt? Auch in den Reichen der Schöpfung unterhalb des Menschen gibt es Geschlechter, aber der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Wesen hat weder unterdrückenden noch einschränkenden Charakter. Die Stute zum Beispiel ist genauso stark wie der Hengst und oft schneller. Im gesamten Tier- und Pflanzenreich herrscht völlige Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Diese Gleichberechtigung muss im Menschenreich genauso bestehen, und wessen Herz das reinste ist, wessen Lebensführung und Charakter die edelsten sind und dem göttlichen Maßstab am nächsten kommen, ist in den Augen Gottes höchst würdig und herausragend. Dies ist die einzige wahre und wirkliche Unterscheidung, egal ob es sich um Mann oder Frau handelt.
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Bahá’u’lláh hat die Notwendigkeit einer Weltsprache verkündet, die als Mittel der internationalen Verständigung dienen und so Missverständnisse und Schwierigkeiten beseitigen wird. Diese Lehre wird in dem vor fünfzig Jahren veröffentlichten Kitáb-i-Aqdas (Das Heiligste Buch) dargelegt.
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Auch hat Er den Grundsatz verkündet, dass alle Menschen Bildung und Erziehung erhalten sollen und dass es kein Analphabetentum mehr geben darf. Dieses praktische Heilmittel für die Nöte der Welt findet sich in keinem anderen der heiligen Bücher.
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Er lehrt, dass es die Pflicht eines jeden Menschen ist, ein nutzbringendes Gewerbe, Handwerk oder einen Beruf zur Sicherung des Lebensunterhaltes zu erlernen. Diese Arbeit sollte als Gottesdienst angesehen werden.
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Die Lehren Bahá’u’lláhs sind grenzenlos und ihr weitreichender, segensreicher Nutzen für die Menschheit kennt kein Ende. Sinn und Zweck unserer heutigen Ausführungen ist, zu zeigen, dass sie neu und in keinem der religiösen Bücher der Vergangenheit zu finden sind. Das beantwortet die Frage: »Was hat Bahá’u’lláh gebracht, das wir nicht schon früher gehört haben?« Es ist also klar und offensichtlich, dass sich die Manifestation Gottes an diesem Tag von allen früheren Manifestationen und Offenbarungen durch Ihre Majestät, Ihre Macht und die Wirksamkeit und Anwendbarkeit Ihres Wortes unterscheidet.
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Alle Propheten Gottes wurden verachtet und verfolgt. Denkt an Moses. Die Menschen nannten Ihn einen Mörder. Sie sagten: »Du hast einen Mann erschlagen und bist vor Strafe und Vergeltung geflohen. Ist es nach dem, was du getan hast, möglich, dass Du ein Prophet wirst?«
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Es gibt viele ähnliche Berichte über die heiligen, göttlichen Gesandten. Wie bitter und schwer war die Verfolgung, der Sie ausgesetzt waren! Bedenkt, wie die Menschen versuchten, Christus herabzusetzen und zu vernichten. Sie setzten eine Dornenkrone auf Sein Haupt, trieben Ihn durch die Straßen und Basare und spotteten: »Frieden sei mit dir, du König der Juden!« Manche zeigten Ihm ihr Hinterteil und höhnten: »Du König der Juden!«, oder »Herr der Herren, Frieden sei mit dir!« Wieder andere spuckten in Sein gesegnetes Antlitz. Kurzum, die Verfolgungen, die Christus während Seiner Sendung ertrug, werden in den Büchern des alten jüdischen, römischen oder griechischen Zyklus erwähnt. Kein Lobpreis wurde Ihm zuteil. Die einzige Anerkennung und Billigung erfuhr Er von Seinen Gläubigen und Jüngern. Petrus zum Beispiel war einer, der Ihn pries, und auch die anderen Jünger sprachen sich für Ihn aus. Viele Bücher wurden gegen Ihn geschrieben. In der Kirchengeschichte findet ihr Berichte über den Hass und die Feindseligkeit der römischen, griechischen und ägyptischen Philosophen, die Ihn verleumdeten und Ihm Unvollkommenheit unterstellten.
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Doch während der Offenbarung Bahá’u’lláhs, vom Tag Seines Erscheinens bis zu Seinem Hinscheiden, erkannten die Menschen aller Nationen Seine Größe an. Sogar Seine erbittertsten Feinde sagten über Ihn: »Dieser Mann war wirklich bedeutend, sein Einfluss war mächtig und wunderbar. Er war eine herausragende Persönlichkeit; seine Macht war gewaltig, seine Sprache ausdrucksvoll. Aber leider hat er das Volk in die Irre geführt.« Dies war die Essenz ihres Lobpreises, ihrer Würdigung und ihrer Ablehnung. Offensichtlich waren die Verfasser solcher Aussagen, auch wenn sie Seine Feinde waren, von Seiner Größe und Majestät tief beeindruckt. Einige Seiner Feinde haben sogar Gedichte über Ihn geschrieben, die zwar als Satire und sarkastische Anspielungen gedacht, aber in Wirklichkeit Lobpreisungen waren. Zum Beispiel schrieb ein Dichter, der Seiner Sache feindlich gegenüberstand: »Hütet euch! Hütet euch davor, euch dieser Person zu nähern; er besitzt eine solche Macht und eine so beredte Zunge – er ist ein Zauberer. Er betört die Menschen, er gibt ihnen Drogen, er hypnotisiert sie. Hütet euch! Hütet euch davor, sein Buch zu lesen, seinem Beispiel zu folgen und mit seinen Gefährten zu verkehren, denn sie besitzen enorme Macht und führen euch in die Irre.« Das heißt, dieser Dichter benutzte Beschreibungen, die er als Herabsetzung und Verunglimpfung ansah, ohne zu erkennen, dass es in Wirklichkeit Lobpreisungen waren. Denn ein weiser Mann würde nach der Lektüre einer solchen Warnung sagen: »Die Macht dieses Mannes muss sehr groß sein, wenn selbst seine Feinde sie anerkennen. Zweifellos ist eine solche Macht himmlischer Natur.« Das war einer der Gründe, warum sich so viele Menschen veranlasst fühlten, genauer nachzuforschen. Je mehr Seine Feinde gegen Ihn schrieben, desto stärker wurden die Leute angezogen und desto größer wurde die Zahl derer, die nach der Wahrheit suchten. Sie sagten: »Das ist bemerkenswert. Das ist ein großer Mann, und wir müssen das untersuchen. Wir müssen dieser Sache nachgehen, um herauszufinden, was das alles bedeutet, um ihre Absichten zu entdecken, ihre Beweise zu prüfen und selbst zu erfahren, was sie auszeichnet.« Auf diese Weise bewirkten die bösartigen und finsteren Aussagen Seiner Feinde, dass die Menschen freundlich wurden und sich der Sache näherten. Die Mullás in Persien gingen so weit, öffentlich von den Kanzeln herab gegen die Sache Bahá’u’lláhs zu hetzen. Sie warfen ihre Turbane zu Boden – ein Zeichen großer Empörung – und riefen: »O Volk! Dieser Bahá’u’lláh ist ein Zauberer, der euch zu hypnotisieren sucht. Er entfremdet euch von eurer eigenen Religion und macht euch zu seinen Anhängern. Hütet euch davor, sein Buch zu lesen! Hütet euch davor, mit seinen Freunden Umgang zu pflegen.«
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Bahá’u’lláh sagte speziell über jene, die Ihn angriffen und verleumdeten: »Sie sind Meine Herolde; sie sind diejenigen, die Meine Botschaft verkünden und Mein Wort verbreiten. Betet darum, dass sie sich vervielfachen, betet darum, dass ihre Zahl zunimmt und dass sie noch lauter herumschreien. Je mehr sie Mich durch ihre Worte schmähen, je größer ihre Empörung ist, desto stärker und mächtiger wird die Wirksamkeit der Sache Gottes, desto heller das Licht des Wortes und desto strahlender der Glanz der göttlichen Sonne. Und schließlich wird die düstere Finsternis der äußeren Welt vergehen, und das Licht der Wirklichkeit wird leuchten, bis die ganze Erde in seiner Herrlichkeit erstrahlt.«
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16. November 1912
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Ansprache in der 309 West Seventy-Eighth Street, New York
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Aufzeichnungen von Edna McKinney
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Wo immer Bahá’u’lláh erwähnt wird, ist das Paradies Abhá. Wo immer reine, losgelöste und erleuchtete Seelen sind, da ist das Paradies Bahá. Ṭihrán ist das Paradies Bahá’u’lláhs, weil dort Seelen leben, die man nicht mehr als menschlich bezeichnen kann. Es sind Engel. Die Bahá’í-Freunde in dieser Stadt gehören in Wirklichkeit zu den Himmlischen Heerscharen. Immer, wenn ich an sie denke, werde ich glücklich.
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Die Gesegnete Vollkommenheit ertrug unzählige Qualen und großes Elend, aber während Seines Lebens unterwies Er in allen Gegenden viele Seelen, die unvergleichlich waren. Der Zweck des Erscheinens der Manifestationen Gottes ist die Unterweisung der Menschen. Das ist die wesentliche Frucht Ihrer Mission, der wahre Erfolg. Das Ergebnis des ganzen Lebens Jesu war die Unterweisung von elf Jüngern und zwei Frauen. Warum erlitt Er Schwierigkeiten, Qualen und Elend? Um diese wenigen Anhänger zu unterweisen. Das war die Frucht Seines Lebens. Die Frucht des Lebens Christi waren nicht die Kirchen, sondern die erleuchteten Seelen derer, die an Ihn glaubten. Danach verbreiteten Sie Seine Lehren.
129:3
Ich hoffe, ihr werdet alle zu Früchten des Lebens Bahá’u’lláhs und zum Erfolg Seiner himmlischen Erziehung. Wenn die Leute euch fragen: »Was hat Bahá’u’lláh erreicht?« Dann antwortet ihnen: »Sein Werk sind wir. Er hat uns unterwiesen.«
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17. November 1912
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Ansprache in der Genealogical Hall
252 West Fifty-eighth Street, New York
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Aufzeichnungen von Edna McKinney
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Dies ist ein gesegnetes Treffen, denn diese geschätzten Seelen sind in völliger Einigkeit und klarer bewusster Absicht zusammengekommen. Es ist ein Ereignis, das mir große Freude bereitet. Vor mir sind Gesichter, aus denen die frohe Botschaft Gottes hervorstrahlt, Herzen, die im Feuer der Liebe Gottes erglühen, Ohren, die auf die Melodien des Königreichs eingestimmt sind, und Augen, die von den göttlichen Zeichen und Beweisen erleuchtet sind.
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Für alles Erschaffene gibt es eine Stufe der Reife. Im Leben eines Baumes beginnt die Reifezeit, wenn er Früchte trägt. Eine Pflanze hat ihre Reifezeit, wenn sie blüht. Das Tier erreicht eine Stufe, da es ausgewachsen und voll entwickelt ist, und der Mensch in seiner Welt erlangt seine Reife, wenn sein Geist in hellstem Licht erstrahlt und höchst entwickelt ist.
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Vom Anfang bis ans Ende seines Lebens durchlebt der Mensch Phasen oder Stufen, die jeweils durch ihre eigenen Lebensbedingungen gekennzeichnet sind. So entsprechen etwa der Zustand und die Anforderungen in der Kindheit dem jeweiligen Grad geistiger Entwicklung und Fassungskraft. Nach einiger Zeit beginnt die Jugendphase, in der die bisherigen Lebensumstände und Bedürfnisse gemäß seiner Entwicklung durch neue Rahmenbedingungen abgelöst werden. Seine Beobachtungsgabe erweitert und verfeinert sich; die Fähigkeiten des Verstandes werden geweckt und geschult; die Begrenzungen und das Umfeld der Kindheit schränken nicht länger seine Kräfte und sein Leistungsvermögen ein. Schließlich verlässt der Mensch die Jugendphase und tritt in das Stadium der Reife ein, was weiteren Wandel und einen entsprechenden Fortschritt in seinem Alltagsleben erfordert. Neue Kräfte und Einsichten bestimmen sein Leben, passend zu seiner Entwicklung nehmen nun Unterricht und Ausbildung seinen Verstand in Anspruch; besondere Gaben und Segnungen werden ihm entsprechend seiner wachsenden Fähigkeiten zuteil und die Lebensweise seiner bisherigen Jugendzeit passt nicht mehr zu seiner gereiften Sichtweise und Vorstellungskraft.
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Im Leben der Menschheit als Ganzes gibt es ähnliche Phasen und Stadien. Zunächst durchlief sie das Stadium der Kindheit, dann das ihrer Jugendzeit, aber nun ist sie in ihre lang verheißene Reifezeit eingetreten, deren Zeichen und Beweise überall sichtbar und offenkundig sind. Deshalb haben sich die Erfordernisse und Gegebenheiten vergangener Phasen gewandelt und sind in die Anforderungen übergegangen, die das gegenwärtige Zeitalter der Menschheit eindeutig kennzeichnen. Was den Bedürfnissen des Menschen in der Frühgeschichte angemessen war, kann den Anforderungen des heutigen Tages und dieser Zeit der Erneuerung und Vollendung weder entsprechen noch genügen. Die Menschheit ist ihrem früheren Zustand der Begrenztheit und der vorbereitenden Erziehung entwachsen. Jetzt müssen neue Tugenden und Kräfte, eine neue Ethik und neue Fähigkeiten den Menschen durchdringen. Neue Gnadengaben, Segnungen und Vollkommenheiten stehen bereit und umgeben ihn bereits. Waren die Gaben und Segnungen der Jugendzeit auch für die Zeit des Heranreifens der Menschheit angemessen und ausreichend, so können sie doch den Anforderungen ihrer jetzigen Reife nicht genügen. Das Spielzeug aus der Kindheit genügt dem Geist des Erwachsenen nicht länger und interessiert ihn nicht mehr.
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Die Menschheit erlebt in jeder Hinsicht eine Neugestaltung. Die Gesetze früherer Regierungen und Zivilisationen werden überarbeitet; wissenschaftliche Ideen und Theorien entwickeln und entfalten sich, um eine Reihe neuer Phänomene zu erklären; Erfindungen und Entdeckungen dringen in bisher unbekannte Bereiche vor und enthüllen neue Wunder und verborgene Geheimnisse des stofflichen Universums; Industriezweige sind in weit mehr Bereichen und mit höherer Produktivität tätig; überall befindet sich die Menschheit in evolutionären Geburtswehen, was darauf hindeutet, dass die bisherigen Verhältnisse sich ändern und das neue Zeitalter der Erneuerung anbricht. Alte Bäume tragen keine Früchte; alte Ansichten und Methoden sind jetzt überholt und wertlos. Alte ethische Normen, Moralvorstellungen und Lebensweisen der Vergangenheit sind für das gegenwärtige Zeitalter des Fortschritts und der Entwicklung nicht mehr ausreichend.
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Auch in der Religion ist dies das Zeitalter der Reife und Erneuerung. Dogmatische Nachahmungen überkommener Glaubensvorstellungen verschwinden. Sie waren die Achse, um die die Religion kreiste, tragen aber keine Früchte mehr. Im Gegenteil, heute sind sie die Ursache der Erniedrigung und Behinderung der Menschen. Engstirnigkeit und dogmatisches Festhalten an alten Überzeugungen sind zur Hauptquelle für Feindseligkeit unter den Menschen geworden, zum Hindernis für den Fortschritt der Menschheit, zur Ursache von Krieg und Streit. Sie zerstören Frieden, Ruhe und Wohlergehen in der Welt. Bedenkt die heutigen Zustände auf dem Balkan: Väter, Mütter, Kinder trauern und klagen. Durch die verheerenden Kriegsfolgen sind die Lebensgrundlagen zerstört, Städte verwüstet und fruchtbares Land verödet. Diese Zustände sind das Ergebnis von Feindschaft und Hass zwischen Nationen und religiösen Völkern, die Bräuche nachahmen, daran festhalten und somit Geist und Wirklichkeit der göttlichen Lehren verletzen.
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Das ist wahr und offensichtlich, doch es ist ebenso offenkundig, dass der Herr der Menschheit in diesem Jahrhundert der Reife und Vollendung der Welt unendliche Gnadengaben beschert hat. Das Meer göttlicher Barmherzigkeit wogt, die Frühlingsschauer kommen herab, die Sonne der Wahrheit scheint in Herrlichkeit. In diesem gnadenreichen Zeitalter wurden himmlische Lehren für die Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen offenbart. Diese Umgestaltung und Erneuerung der grundlegenden Wirklichkeit der Religion bildet den wahren und maßgeblichen Geist der Moderne, das unverkennbare Licht der Welt, den offenbaren Glanz des Wortes Gottes, das göttliche Heilmittel für alle menschlichen Leiden und die Gabe des ewigen Lebens für die ganze Menschheit.
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