‘Abdu’l-Bahá | Die Verkündigung des Weltfriedens
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128:18
Es gibt viele ähnliche Berichte über die heiligen, göttlichen Gesandten. Wie bitter und schwer war die Verfolgung, der Sie ausgesetzt waren! Bedenkt, wie die Menschen versuchten, Christus herabzusetzen und zu vernichten. Sie setzten eine Dornenkrone auf Sein Haupt, trieben Ihn durch die Straßen und Basare und spotteten: »Frieden sei mit dir, du König der Juden!« Manche zeigten Ihm ihr Hinterteil und höhnten: »Du König der Juden!«, oder »Herr der Herren, Frieden sei mit dir!« Wieder andere spuckten in Sein gesegnetes Antlitz. Kurzum, die Verfolgungen, die Christus während Seiner Sendung ertrug, werden in den Büchern des alten jüdischen, römischen oder griechischen Zyklus erwähnt. Kein Lobpreis wurde Ihm zuteil. Die einzige Anerkennung und Billigung erfuhr Er von Seinen Gläubigen und Jüngern. Petrus zum Beispiel war einer, der Ihn pries, und auch die anderen Jünger sprachen sich für Ihn aus. Viele Bücher wurden gegen Ihn geschrieben. In der Kirchengeschichte findet ihr Berichte über den Hass und die Feindseligkeit der römischen, griechischen und ägyptischen Philosophen, die Ihn verleumdeten und Ihm Unvollkommenheit unterstellten.
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Doch während der Offenbarung Bahá’u’lláhs, vom Tag Seines Erscheinens bis zu Seinem Hinscheiden, erkannten die Menschen aller Nationen Seine Größe an. Sogar Seine erbittertsten Feinde sagten über Ihn: »Dieser Mann war wirklich bedeutend, sein Einfluss war mächtig und wunderbar. Er war eine herausragende Persönlichkeit; seine Macht war gewaltig, seine Sprache ausdrucksvoll. Aber leider hat er das Volk in die Irre geführt.« Dies war die Essenz ihres Lobpreises, ihrer Würdigung und ihrer Ablehnung. Offensichtlich waren die Verfasser solcher Aussagen, auch wenn sie Seine Feinde waren, von Seiner Größe und Majestät tief beeindruckt. Einige Seiner Feinde haben sogar Gedichte über Ihn geschrieben, die zwar als Satire und sarkastische Anspielungen gedacht, aber in Wirklichkeit Lobpreisungen waren. Zum Beispiel schrieb ein Dichter, der Seiner Sache feindlich gegenüberstand: »Hütet euch! Hütet euch davor, euch dieser Person zu nähern; er besitzt eine solche Macht und eine so beredte Zunge – er ist ein Zauberer. Er betört die Menschen, er gibt ihnen Drogen, er hypnotisiert sie. Hütet euch! Hütet euch davor, sein Buch zu lesen, seinem Beispiel zu folgen und mit seinen Gefährten zu verkehren, denn sie besitzen enorme Macht und führen euch in die Irre.« Das heißt, dieser Dichter benutzte Beschreibungen, die er als Herabsetzung und Verunglimpfung ansah, ohne zu erkennen, dass es in Wirklichkeit Lobpreisungen waren. Denn ein weiser Mann würde nach der Lektüre einer solchen Warnung sagen: »Die Macht dieses Mannes muss sehr groß sein, wenn selbst seine Feinde sie anerkennen. Zweifellos ist eine solche Macht himmlischer Natur.« Das war einer der Gründe, warum sich so viele Menschen veranlasst fühlten, genauer nachzuforschen. Je mehr Seine Feinde gegen Ihn schrieben, desto stärker wurden die Leute angezogen und desto größer wurde die Zahl derer, die nach der Wahrheit suchten. Sie sagten: »Das ist bemerkenswert. Das ist ein großer Mann, und wir müssen das untersuchen. Wir müssen dieser Sache nachgehen, um herauszufinden, was das alles bedeutet, um ihre Absichten zu entdecken, ihre Beweise zu prüfen und selbst zu erfahren, was sie auszeichnet.« Auf diese Weise bewirkten die bösartigen und finsteren Aussagen Seiner Feinde, dass die Menschen freundlich wurden und sich der Sache näherten. Die Mullás in Persien gingen so weit, öffentlich von den Kanzeln herab gegen die Sache Bahá’u’lláhs zu hetzen. Sie warfen ihre Turbane zu Boden – ein Zeichen großer Empörung – und riefen: »O Volk! Dieser Bahá’u’lláh ist ein Zauberer, der euch zu hypnotisieren sucht. Er entfremdet euch von eurer eigenen Religion und macht euch zu seinen Anhängern. Hütet euch davor, sein Buch zu lesen! Hütet euch davor, mit seinen Freunden Umgang zu pflegen.«
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Bahá’u’lláh sagte speziell über jene, die Ihn angriffen und verleumdeten: »Sie sind Meine Herolde; sie sind diejenigen, die Meine Botschaft verkünden und Mein Wort verbreiten. Betet darum, dass sie sich vervielfachen, betet darum, dass ihre Zahl zunimmt und dass sie noch lauter herumschreien. Je mehr sie Mich durch ihre Worte schmähen, je größer ihre Empörung ist, desto stärker und mächtiger wird die Wirksamkeit der Sache Gottes, desto heller das Licht des Wortes und desto strahlender der Glanz der göttlichen Sonne. Und schließlich wird die düstere Finsternis der äußeren Welt vergehen, und das Licht der Wirklichkeit wird leuchten, bis die ganze Erde in seiner Herrlichkeit erstrahlt.«
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16. November 1912
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Ansprache in der 309 West Seventy-Eighth Street, New York
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Aufzeichnungen von Edna McKinney
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Wo immer Bahá’u’lláh erwähnt wird, ist das Paradies Abhá. Wo immer reine, losgelöste und erleuchtete Seelen sind, da ist das Paradies Bahá. Ṭihrán ist das Paradies Bahá’u’lláhs, weil dort Seelen leben, die man nicht mehr als menschlich bezeichnen kann. Es sind Engel. Die Bahá’í-Freunde in dieser Stadt gehören in Wirklichkeit zu den Himmlischen Heerscharen. Immer, wenn ich an sie denke, werde ich glücklich.
129:2
Die Gesegnete Vollkommenheit ertrug unzählige Qualen und großes Elend, aber während Seines Lebens unterwies Er in allen Gegenden viele Seelen, die unvergleichlich waren. Der Zweck des Erscheinens der Manifestationen Gottes ist die Unterweisung der Menschen. Das ist die wesentliche Frucht Ihrer Mission, der wahre Erfolg. Das Ergebnis des ganzen Lebens Jesu war die Unterweisung von elf Jüngern und zwei Frauen. Warum erlitt Er Schwierigkeiten, Qualen und Elend? Um diese wenigen Anhänger zu unterweisen. Das war die Frucht Seines Lebens. Die Frucht des Lebens Christi waren nicht die Kirchen, sondern die erleuchteten Seelen derer, die an Ihn glaubten. Danach verbreiteten Sie Seine Lehren.
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Ich hoffe, ihr werdet alle zu Früchten des Lebens Bahá’u’lláhs und zum Erfolg Seiner himmlischen Erziehung. Wenn die Leute euch fragen: »Was hat Bahá’u’lláh erreicht?« Dann antwortet ihnen: »Sein Werk sind wir. Er hat uns unterwiesen.«
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17. November 1912
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Ansprache in der Genealogical Hall
252 West Fifty-eighth Street, New York
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Aufzeichnungen von Edna McKinney
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Dies ist ein gesegnetes Treffen, denn diese geschätzten Seelen sind in völliger Einigkeit und klarer bewusster Absicht zusammengekommen. Es ist ein Ereignis, das mir große Freude bereitet. Vor mir sind Gesichter, aus denen die frohe Botschaft Gottes hervorstrahlt, Herzen, die im Feuer der Liebe Gottes erglühen, Ohren, die auf die Melodien des Königreichs eingestimmt sind, und Augen, die von den göttlichen Zeichen und Beweisen erleuchtet sind.
130:2
Für alles Erschaffene gibt es eine Stufe der Reife. Im Leben eines Baumes beginnt die Reifezeit, wenn er Früchte trägt. Eine Pflanze hat ihre Reifezeit, wenn sie blüht. Das Tier erreicht eine Stufe, da es ausgewachsen und voll entwickelt ist, und der Mensch in seiner Welt erlangt seine Reife, wenn sein Geist in hellstem Licht erstrahlt und höchst entwickelt ist.
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Vom Anfang bis ans Ende seines Lebens durchlebt der Mensch Phasen oder Stufen, die jeweils durch ihre eigenen Lebensbedingungen gekennzeichnet sind. So entsprechen etwa der Zustand und die Anforderungen in der Kindheit dem jeweiligen Grad geistiger Entwicklung und Fassungskraft. Nach einiger Zeit beginnt die Jugendphase, in der die bisherigen Lebensumstände und Bedürfnisse gemäß seiner Entwicklung durch neue Rahmenbedingungen abgelöst werden. Seine Beobachtungsgabe erweitert und verfeinert sich; die Fähigkeiten des Verstandes werden geweckt und geschult; die Begrenzungen und das Umfeld der Kindheit schränken nicht länger seine Kräfte und sein Leistungsvermögen ein. Schließlich verlässt der Mensch die Jugendphase und tritt in das Stadium der Reife ein, was weiteren Wandel und einen entsprechenden Fortschritt in seinem Alltagsleben erfordert. Neue Kräfte und Einsichten bestimmen sein Leben, passend zu seiner Entwicklung nehmen nun Unterricht und Ausbildung seinen Verstand in Anspruch; besondere Gaben und Segnungen werden ihm entsprechend seiner wachsenden Fähigkeiten zuteil und die Lebensweise seiner bisherigen Jugendzeit passt nicht mehr zu seiner gereiften Sichtweise und Vorstellungskraft.
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Im Leben der Menschheit als Ganzes gibt es ähnliche Phasen und Stadien. Zunächst durchlief sie das Stadium der Kindheit, dann das ihrer Jugendzeit, aber nun ist sie in ihre lang verheißene Reifezeit eingetreten, deren Zeichen und Beweise überall sichtbar und offenkundig sind. Deshalb haben sich die Erfordernisse und Gegebenheiten vergangener Phasen gewandelt und sind in die Anforderungen übergegangen, die das gegenwärtige Zeitalter der Menschheit eindeutig kennzeichnen. Was den Bedürfnissen des Menschen in der Frühgeschichte angemessen war, kann den Anforderungen des heutigen Tages und dieser Zeit der Erneuerung und Vollendung weder entsprechen noch genügen. Die Menschheit ist ihrem früheren Zustand der Begrenztheit und der vorbereitenden Erziehung entwachsen. Jetzt müssen neue Tugenden und Kräfte, eine neue Ethik und neue Fähigkeiten den Menschen durchdringen. Neue Gnadengaben, Segnungen und Vollkommenheiten stehen bereit und umgeben ihn bereits. Waren die Gaben und Segnungen der Jugendzeit auch für die Zeit des Heranreifens der Menschheit angemessen und ausreichend, so können sie doch den Anforderungen ihrer jetzigen Reife nicht genügen. Das Spielzeug aus der Kindheit genügt dem Geist des Erwachsenen nicht länger und interessiert ihn nicht mehr.
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Die Menschheit erlebt in jeder Hinsicht eine Neugestaltung. Die Gesetze früherer Regierungen und Zivilisationen werden überarbeitet; wissenschaftliche Ideen und Theorien entwickeln und entfalten sich, um eine Reihe neuer Phänomene zu erklären; Erfindungen und Entdeckungen dringen in bisher unbekannte Bereiche vor und enthüllen neue Wunder und verborgene Geheimnisse des stofflichen Universums; Industriezweige sind in weit mehr Bereichen und mit höherer Produktivität tätig; überall befindet sich die Menschheit in evolutionären Geburtswehen, was darauf hindeutet, dass die bisherigen Verhältnisse sich ändern und das neue Zeitalter der Erneuerung anbricht. Alte Bäume tragen keine Früchte; alte Ansichten und Methoden sind jetzt überholt und wertlos. Alte ethische Normen, Moralvorstellungen und Lebensweisen der Vergangenheit sind für das gegenwärtige Zeitalter des Fortschritts und der Entwicklung nicht mehr ausreichend.
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Auch in der Religion ist dies das Zeitalter der Reife und Erneuerung. Dogmatische Nachahmungen überkommener Glaubensvorstellungen verschwinden. Sie waren die Achse, um die die Religion kreiste, tragen aber keine Früchte mehr. Im Gegenteil, heute sind sie die Ursache der Erniedrigung und Behinderung der Menschen. Engstirnigkeit und dogmatisches Festhalten an alten Überzeugungen sind zur Hauptquelle für Feindseligkeit unter den Menschen geworden, zum Hindernis für den Fortschritt der Menschheit, zur Ursache von Krieg und Streit. Sie zerstören Frieden, Ruhe und Wohlergehen in der Welt. Bedenkt die heutigen Zustände auf dem Balkan: Väter, Mütter, Kinder trauern und klagen. Durch die verheerenden Kriegsfolgen sind die Lebensgrundlagen zerstört, Städte verwüstet und fruchtbares Land verödet. Diese Zustände sind das Ergebnis von Feindschaft und Hass zwischen Nationen und religiösen Völkern, die Bräuche nachahmen, daran festhalten und somit Geist und Wirklichkeit der göttlichen Lehren verletzen.
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Das ist wahr und offensichtlich, doch es ist ebenso offenkundig, dass der Herr der Menschheit in diesem Jahrhundert der Reife und Vollendung der Welt unendliche Gnadengaben beschert hat. Das Meer göttlicher Barmherzigkeit wogt, die Frühlingsschauer kommen herab, die Sonne der Wahrheit scheint in Herrlichkeit. In diesem gnadenreichen Zeitalter wurden himmlische Lehren für die Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen offenbart. Diese Umgestaltung und Erneuerung der grundlegenden Wirklichkeit der Religion bildet den wahren und maßgeblichen Geist der Moderne, das unverkennbare Licht der Welt, den offenbaren Glanz des Wortes Gottes, das göttliche Heilmittel für alle menschlichen Leiden und die Gabe des ewigen Lebens für die ganze Menschheit.
130:8
Bahá’u’lláh, die Sonne der Wahrheit, ist am östlichen Horizont aufgegangen und hat alle Gebiete mit unvergänglichem Licht und Leben erfüllt. Seine Lehren, die den göttlichen Geist dieses Zeitalters verkörpern, zugeschnitten auf die Reifezeit im Leben der Menschheit, sind:
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Die Einheit der Menschheit.
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Schutz und Führung durch den Heiligen Geist.
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Die Grundlage aller Religionen ist eine einzige.
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Religion muss die Ursache der Einheit sein.
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Religion muss im Einklang mit Wissenschaft und Vernunft stehen.
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Die selbstständige Erforschung der Wahrheit.
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Gleichberechtigung von Mann und Frau.
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Die Aufgabe aller zwischenmenschlichen Vorurteile.
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Weltfrieden.
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Bildung für alle.
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Eine Weltsprache.
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Lösung der wirtschaftlichen Fragen.
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Ein internationaler Gerichtshof.
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Jeder, der aufrichtig sucht und gerecht denkt, wird zugeben, dass die derzeitigen Lehren, die rein menschlichen Quellen und menschlicher Autorität entspringen, zu Schwierigkeiten und Zwietracht unter den Menschen führen, ja die Menschheit zerstören. Die Lehren Bahá’u’lláhs hingegen sind das wahre Heilmittel für die kranke Welt, das Heilmittel für alle Bedürfnisse und Lebensumstände. In ihnen finden wir die Erfüllung allen Sehnens und Strebens, die Ursache des Glücks der Menschheit, die belebende Kraft und Erleuchtung des Geistes, den Anstoß zu Fortschritt und Höherentwicklung, die Grundlage der Einheit aller Völker, den Urquell der Liebe zwischen den Menschen, den Mittelpunkt der Übereinstimmung, das Werkzeug für Frieden und Einklang, das eine Band, das Ost und West vereinen wird.
130:23
Auf jede Nacht folgt ein neuer Morgen. Gottes höchste Weisheit bestimmt, dass immer dann, wenn die Dunkelheit religiösen Haders und Hasses, die Finsternis religiöser Unwissenheit, Aberglaube und blinde Nachahmung die Welt umfassen, die Sonne der Wahrheit aufgehen wird, der Geist der Wahrheit sich offenbart und in den Herzen der Menschen widerspiegelt. Zu einer solchen Zeit erschien Bahá’u’lláh am Horizont des Ostens. Fünfzig Jahre lang ertrug Er größte Entbehrungen und Qualen, während Er sich unentwegt bemühte, die Finsternis religiöser Verhältnisse zu zerstreuen, die Ursache für Feindschaft und Hass zu beseitigen und die Menschheit durch das Aufleuchten der herrlichen frohen Botschaft und durch den Posaunenschall des himmlischen Rufs vom Lager der Nachlässigkeit und der Achtlosigkeit zu erwecken. Der Verbreitung dieser Botschaft weihte Er Sein Leben und ertrug jeden Schicksalsschlag. … Immer drohte Ihm das Schwert – dennoch erhob Er das Banner göttlicher Lehren und erfüllte die Welt des Ostens mit strahlendem Glanz. Überall im Orient ist heute das Licht der himmlischen Frohen Botschaft sichtbar, ist der göttliche Ruf zu hören, leuchtet der Glanz der Sonne der Wahrheit, ergießt sich der kostbare Regen aus den Wolken der Barmherzigkeit und verleiht der Odem des Heiligen Geistes den Herzen der Menschen neues Leben. Bald wird die Dunkelheit gänzlich weichen, und die Regionen des Ostens werden vollständig erleuchtet sein. Feindschaft, Hass, Unwissenheit und Engstirnigkeit werden nicht länger bestehen. Die satanischen Mächte, die die Gleichheit der Menschen und die religiöse Einheit zerstören, werden entthront, und die Nationen werden in Frieden und Harmonie unter dem alles beschirmenden Banner der Einheit der Menschheit wohnen. Daher flehen wir zum Herrn, unserem Gott, und bitten mit aufrichtigem und reuigem Herzen um Hilfe und Beistand bei der Verwirklichung dieses gewaltigen Zieles: dass die Nationen im Wort Gottes vereint werden; dass Krieg, Feindschaft und Hass zwischen Völkern, Religionen, Heimatländern und Konfessionen verschwinden und für immer vergessen werden; und dass Völker und Nationen einander im unauflöslichen Band und der Macht der Liebe Gottes geistig umarmen werden. Dann wird die Menschenwelt erstrahlen, und die Menschheit wird sich in vollem Maße der Gunst göttlicher Gaben erfreuen. Solange religiöse Zwietracht und Feindschaft unter den Menschen fortdauern, wird die Menschheit weder Glück noch Erholung noch Ruhe finden.
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Betet zu Gott um Beistand bei diesem himmlischen Unterfangen, damit die Menschenwelt vor der Heimsuchung durch Unwissenheit, Blindheit und geistigen Tod bewahrt werde. Dann werdet ihr sehen, wie überall Licht über Licht, Freude über Freude und vollkommenes Glück herrschen, wie die Anhänger der Religionen in Harmonie und Glückseligkeit miteinander verkehren, diese Welt in ihrer Reife zum Spiegel des ewigen Königreichs und diese irdische Wohnstätte des Menschen wahrhaft zum Paradies Gottes wird. Betet dafür! Betet dafür!
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O mein Gott! O mein Gott! Wahrlich, Du siehst, wie sich alle, die hier versammelt sind, Dir zuwenden und auf Dich vertrauen. O mein Herr! O mein Herr! Erleuchte ihre Augen mit dem Licht der Liebe und entflamme ihre Herzen mit den Strahlen, die aus dem Reich der Himmlischen Heerscharen strömen. Gewähre ihnen, dass sie zu Zeichen Deiner Gnadengaben und zu Bannern Deiner Gunst unter den Menschen werden. O Herr! Mache die hier Anwesenden zu Heerscharen des Himmels, lass sie durch ihren Dienst zum Mittel werden, um die Herzen der Menschen zu erobern. Lass Deine erhabene Barmherzigkeit auf sie herabkommen und mache alle Deine Freunde siegreich. Führe sie, dass sie sich Deinem Reich der Barmherzigkeit zuwenden und Deinen Namen unter den Menschen verkünden. Mögen sie die Menschen zur Gnade Deiner größten Führung geleiten.
130:26
O Herr! O Herr! Wirf den Blick Deiner Barmherzigkeit auf sie alle.
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