‘Abdu’l-Bahá | Die Verkündigung des Weltfriedens
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Bedenken Sie zum Beispiel, dass sich der Mensch in Übereinstimmung mit den Naturgesetzen auf der Erdoberfläche aufhalten sollte. Indem er dieses Gesetz und diese Einschränkung überwindet, segelt er auf Schiffen über den Ozean, erhebt sich in Flugzeugen in den Himmel und taucht in Unterseebooten in die Tiefen des Meeres hinab. Das steht dem Befehl der Natur entgegen und ist ein Verstoß gegen ihre Oberherrschaft. Die Gesetze und Methoden der Natur, die verborgenen Geheimnisse und Rätsel des Universums, die menschlichen Erfindungen und Entdeckungen, all unsere wissenschaftlichen Errungenschaften sollten naturgemäß eigentlich verborgen und unentdeckt bleiben, aber der Mensch macht sie durch seinen Scharfsinn im Unsichtbaren ausfindig, zieht sie in den Bereich des Sichtbaren, enthüllt und erklärt sie. So ist etwa die Elektrizität ein Geheimnis der Natur. Gemäß der Natur sollte diese Kraft, diese Energie ungenutzt und verborgen bleiben, aber der Mensch durchdringt mit Hilfe der Wissenschaft genau diese Naturgesetze, nimmt sie in Gewahrsam und hält sie zu seinem Gebrauch in seiner Gewalt.
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Kurz, durch den Besitz dieser geistigen Fähigkeit zur wissenschaftlichen Forschung ragt der Mensch aus allen Geschöpfen heraus, ist der Herrscher über die Natur. Er nimmt der Natur das Schwert aus der Hand und richtet es gegen sie. Gemäß dem Naturgesetz ist die Nacht eine Zeit der Dunkelheit und Finsternis, aber indem der Mensch die Elektrizität nutzt, indem er dieses elektrische Schwert schwingt, überwindet er die Finsternis und vertreibt das Dunkel. Der Mensch ist der Natur überlegen und lässt sie seinen Willen befolgen. Der Mensch ist ein fühlendes Wesen; die Natur ist ohne Empfindung. Der Mensch hat Gedächtnis und Verstand, die Natur nicht. Der Mensch ist aus der Natur herausgehoben. Er besitzt Kräfte, die die Natur nicht hat. Man mag behaupten, diese Kräfte stammten aus der Natur selbst und der Mensch sei ein Teil der Natur. Unsere Antwort auf diese Aussage ist: Wenn die Natur das Ganze und der Mensch ein Teil dieses Ganzen ist, wie kann es möglich sein, dass ein Teil Eigenschaften und Fähigkeiten besitzt, die dem Ganzen fehlen? Ein Teil muss doch zweifellos mit denselben Qualitäten und Eigenschaften ausgestattet sein wie das Ganze. Beispielsweise sind Haare Teil des menschlichen Körpers. Sie können keine Elemente enthalten, die sich nicht auch in anderen Teilen des Körpers finden, denn überall im Körper sind die Bestandteile gleich. Obwohl der Mensch körperlich ein Teil der Natur ist, besitzt er doch offenkundig und bewiesenermaßen in seinem Geiste eine Kraft, die über die Natur hinausreicht; denn wenn er bloß ein Teil der Natur und durch materielle Gesetze beschränkt wäre, könnte er nur die Dinge besitzen, die in der Natur verkörpert sind. Gott hat dem Menschen eine besondere zusätzliche Kraft verliehen – die Fähigkeit, mit dem Verstand die Geheimnisse der Schöpfung zu erforschen und höheres Wissen zu erlangen – deren größter Vorzug die wissenschaftliche Aufklärung ist.
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Diese Fähigkeit ist die rühmenswerteste Kraft des Menschen, denn durch ihren Einsatz und ihre Anwendung erfolgt die Besserung der Menschheit, wird die Entwicklung menschlicher Tugenden ermöglicht und der Geist Gottes und Seine Geheimnisse offenbaren sich. Daher freue ich mich besonders über meinen Besuch an dieser Universität. Preis sei Gott, dass es in diesem Land viele solche Bildungseinrichtungen gibt, in denen ohne Weiteres Wissenschaften und Künste gelernt werden können.
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So wie hier Naturwissenschaften gelehrt werden und sich ihr Kenntnisstand ständig erweitert, bin ich zuversichtlich, dass auch die geistige Entwicklung folgt und mit diesen äußeren Vorzügen Schritt hält. Wie das materielle Wissen die Menschen innerhalb der Mauern dieses großen Tempels der Gelehrsamkeit erleuchtet, so möge auch das Licht des Geistes, das innere göttliche Licht der wahren Philosophie, dieser Institution zum Ruhme gereichen. Das wichtigste Prinzip der göttlichen Philosophie ist das Einssein der Menschenwelt, die Einheit der Menschheit, der Bund, der Ost und West vereinigt, das Band der Liebe, das die Menschenherzen verbindet.
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Darum ist es unsere Pflicht, die größten Anstrengungen zu unternehmen und all unsere Energien aufzubieten, damit Bande der Einheit und des Einvernehmens innerhalb der Menschheit geknüpft werden können. Tausende von Jahren hatten wir Streit und Blutvergießen. Es ist genug, es reicht! Jetzt ist es an der Zeit, sich in Liebe und Harmonie zu verbinden. Seit Tausenden von Jahren haben wir Schwert und Krieg erprobt; die Menschheit soll wenigstens eine Zeit lang in Frieden leben. Betrachten Sie die Geschichte und bedenken Sie, wie viel Grausamkeit, wie viel Blutvergießen und Kampf die Welt erlebt hat. Es war entweder religiöser Krieg, politischer Krieg oder ein anderer Zusammenprall menschlicher Interessen. Die Menschheit hat nie den Segen des Weltfriedens genossen. Jahr für Jahr wurden Kriegsgeräte ausgebaut und perfektioniert. Denken Sie an die Kriege vergangener Jahrhunderte. Vielleicht wurden zehn-, fünfzehn- oder höchstens zwanzigtausend Menschen getötet. Aber jetzt ist es möglich, an einem einzigen Tag hunderttausend Menschen zu töten. In alten Zeiten wurde mit dem Schwert Krieg geführt; heute ist es das rauchlose Gewehr. Früher waren die Kriegsschiffe Segelschiffe; heute sind es Schlachtschiffe. Bedenken Sie die Zunahme und die Weiterentwicklung der Kriegswaffen. Gott hat uns alle als Menschen erschaffen und alle Länder der Welt sind Teile derselben Erde. Wir sind alle Seine Diener. Er ist gütig und gerecht zu allen. Warum sollten wir grausam und ungerecht zueinander sein? Er sorgt für alle. Warum sollten wir einander berauben? Er beschützt und bewahrt alle. Warum sollten wir unsere Mitgeschöpfe töten? Wenn Krieg und Streit um der Religion willen geführt werden, verletzt das offensichtlich den Geist und die Grundlage jeder Religion. Alle göttlichen Manifestationen haben die Einheit Gottes und die Einheit der Menschheit verkündet. Sie lehrten, dass die Menschen einander lieben und sich gegenseitig helfen müssen, um voranzuschreiten. Wenn nun diese Auffassung von Religion stimmt, ist ihr wesentliches Prinzip die Einheit der Menschheit. Die Grundwahrheit der Manifestationen ist Frieden. Dies liegt aller Religion und jeglicher Gerechtigkeit zugrunde. Der göttlichen Absicht gemäß sollten die Menschen in Einheit, Eintracht und Einklang leben und einander lieben. Denken Sie an die menschlichen Tugenden und werden Sie sich bewusst, dass sie alle auf der Einheit der Menschheit beruhen. Lesen Sie das Evangelium und die anderen Heiligen Bücher. Sie werden feststellen, dass ihre Grundsätze ein und dieselben sind. Einheit ist somit die wesentliche Wahrheit der Religion und wenn sie so verstanden wird, umfasst sie alle Tugenden der menschlichen Welt. Preis sei Gott! Dieses Wissen wurde verbreitet, die Augen wurden geöffnet und die Ohren wurden aufmerksam. Wir müssen uns also bemühen, die von allen Propheten gegründete Religion Gottes zu verbreiten und auszuüben. Und die Religion Gottes ist absolute Liebe und Einheit.
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19. April 1912
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Ansprache in der Bowery Mission
227 Bowery, New York
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Nach einer stenografischen Mitschrift
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Heute Abend bin ich sehr glücklich, denn ich bin hier, um meine Freunde zu treffen. Für mich seid ihr meine Verwandten, meine Begleiter, und ich bin euer Gefährte.
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Ihr solltet Gott dankbar sein, dass ihr arm seid, denn Jesus Christus hat gesagt: »Gesegnet sind die Armen.« Er sagte nie: »Gesegnet sind die Reichen.« Er sagte auch, dass das Königreich für die Armen ist und dass ein Kamel einfacher durch ein Nadelöhr gelangt, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt. Darum müsst ihr Gott dankbar sein, dass die Schätze Gottes in eurer Reichweite liegen, obwohl ihr in dieser Welt bedürftig seid, und dass ihr trotz eurer Armut in der materiellen Welt im Reich Gottes wertvoll seid. Jesus Selbst war arm. Er gehörte nicht zu den Reichen. Er verbrachte Seine Zeit in der Wüste, weilte unter den Armen und lebte von Feldfrüchten. Er hatte keinen Ort, um Sein Haupt zur Ruhe zu betten, kein Zuhause. Er war unter freiem Himmel Hitze, Kälte und Frost ausgesetzt – Wetterunbilden aller Art – und doch zog Er dieses Leben dem Reichtum vor. Wenn Reichtum als Ehre erachtet würde, hätte der Prophet Moses sich dafür entschieden; Jesus wäre ein reicher Mann gewesen. Als Jesus Christus erschien, erkannten Ihn zuerst die Armen an, nicht die Reichen. Deshalb seid ihr die Jünger Jesu Christi, Seine Gefährten, denn Er war äußerlich betrachtet arm, nicht reich. Nicht einmal auf dieser Erde hängt das Glück vom Reichtum ab. Viele Reiche sind Gefahren ausgesetzt und von Schwierigkeiten geplagt und auf dem Sterbebett bleibt in ihren letzten Augenblicken das Bedauern, dass sie sich von allem trennen müssen, an dem ihr Herz so hängt. Sie kommen nackt in diese Welt und müssen sie nackt wieder verlassen. Alles, was sie besitzen, müssen sie zurücklassen und einsam und allein dahinscheiden. Oft ist ihre Seele zum Todeszeitpunkt voller Reue; und das Schlimmste ist, dass ihre Hoffnung auf die Gnade Gottes geringer ist als unsere. Preis sei Gott! Unsere Hoffnung ruht auf der Barmherzigkeit Gottes, und es besteht kein Zweifel daran, dass den Armen das göttliche Mitgefühl zuteilwird. Jesus Christus sagte das und Bahá’u’lláh sagte das. Während Bahá’u’lláh in Baghdád war, besaß Er immer noch großen Reichtum; doch Er ließ seinen ganzen Besitz hinter sich, verließ die Stadt allein und lebte zwei Jahre unter den Armen. Sie waren Seine Gefährten. Er aß mit ihnen, übernachtete bei ihnen und freute sich, einer von ihnen zu sein. Als einen Seiner Beinamen wählte Er den Titel ›Der Arme‹ und bezeichnete sich in Seinen Schriften oft Selbst als ›Darvísh‹, was auf Persisch ›arm‹ bedeutet. Auf diesen Titel war Er sehr stolz. Er ermahnte uns alle, Diener der Armen zu sein, Helfer der Armen, uns der Sorgen der Armen bewusst zu sein, uns zu den Armen zu gesellen, denn dadurch können wir das Himmelreich erlangen. Gott sagte nicht, im Himmelreich seien Wohnungen für uns bereitet, wenn wir unsere Zeit in Gesellschaft der Reichen verbringen, sondern Er sagte, dass viele Wohnungen für die Diener der Armen bereitet seien, denn die Armen sind Gott sehr nahe. Gottes Gunst und Gnadengaben sind mit ihnen. Die Reichen sind größtenteils nachlässig, unaufmerksam, vom Weltlichen durchdrungen und von ihren Geldmitteln abhängig. Die Armen hingegen sind von Gott abhängig und verlassen sich auf Ihn und nicht auf sich selbst. Deshalb sind die Armen der Schwelle Gottes und Seinem Throne näher.
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Jesus war ein armer Mann. Eines Nachts, als Er draußen auf den Feldern war, begann es zu regnen. Er konnte nirgendwo Zuflucht finden, also hob Er den Blick zum Himmel und sprach: »O Vater! Den Vögeln des Himmels hast Du Nester erschaffen, den Schafen einen Pferch, den Tieren Höhlen, den Fischen Zufluchtsorte, aber Mir hast Du keinen Unterschlupf gewährt. Es gibt keinen Ort, an dem Ich Mein Haupt zur Ruhe betten könnte. Mein Bett ist der kalte Boden, Meine Lampen in der Nacht sind die Sterne, und Meine Nahrung ist das Gras auf dem Feld. Doch wer auf Erden ist reicher als Ich? Denn den größten Segen hast Du nicht den Reichen und Mächtigen gewährt, sondern Mir, denn Du hast Mir die Armen anvertraut. Mir hast Du diesen Segen gewährt. Sie sind Mein. Darum bin Ich der reichste Mensch auf Erden.«
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Also, meine Gefährten, ihr folgt den Spuren Jesu Christi. Eure Leben ähneln Seinem Leben; eure Haltung ist wie Seine; ihr ähnelt Ihm mehr als die Reichen. Deshalb lasst uns Gott danken, dass wir so mit wahrem Reichtum gesegnet wurden. Und so bitte ich euch zum Abschluss, ‘Abdu’l-Bahá als euren Diener anzunehmen.
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Am Ende dieses Treffens stand ‘Abdu’l-Bahá am Bowery Eingang vor der Missionshalle, schüttelte vier- oder fünfhundert Menschen die Hand und legte in jede Handfläche eine Silbermünze.
Ansprachen ‘Abdu’l-Bahás in Washington, D.C.20. bis 25. April 1912– 14 –
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20. April 1912
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Ansprache während der Konferenz zur Einheit des Ostens und des Westens
Saal der Öffentlichen Bibliothek, Washington, D.C.
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Aufzeichnungen von Joseph H. Hannen
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Ich bin überglücklich, heute Abend einem Publikum wie diesem zu begegnen. Ich komme aus dem Osten und bin in den Westen gereist, um die Menschen hier zu treffen. Preis sei Gott! In den Gesichtern der hier Versammelten nehme ich das Licht Gottes wahr. Ich sehe dies als einen Beweis für die Möglichkeit, den Osten und den Westen zu vereinen und eine perfekte Verbindung zwischen Persien und Amerika herzustellen – eines der Ziele dieser Konferenz. Für die Perser gibt es keine geeignetere Regierung als die der Vereinigten Staaten von Amerika, um zur Entwicklung ihrer natürlichen Ressourcen und zur Unterstützung bei ihren nationalen Bedürfnissen in einem wechselseitigen Bündnis beizutragen, und für die Amerikaner könnte es kein besseres industrielles Absatzgebiet und keinen besseren Markt geben als den noch nicht erschlossenen Wirtschaftsraum Persiens. Der Reichtum an Bodenschätzen in Persien ist immer noch unerschlossen und unberührt. Ich hoffe, dass die große amerikanische Demokratie entscheidend zur Erschließung dieser verborgenen Ressourcen beiträgt und dass zwischen der amerikanischen Republik und der Regierung Persiens ein Band der vollkommenen Freundschaft und Einheit geknüpft wird. Möge diese Verbindung, ob materiell oder geistig, gut gefestigt werden. Möge die materielle Zivilisation Amerikas sich in Persien zur vollen Wirksamkeit entfalten und verankern, und möge die geistige Kultur Persiens in Amerika Akzeptanz und Resonanz finden.
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Einige Lebewesen können abgeschieden und allein leben. Ein Baum etwa vermag ohne die Hilfe und Zusammenarbeit mit anderen Bäumen zu leben. Manche Tiere leben isoliert und fernab von ihren Artgenossen. Für den Menschen ist dies jedoch nicht möglich. Für sein Leben und Wesen sind Zusammenarbeit und Gemeinschaft unverzichtbar. Durch Gemeinschaft und Begegnung erfahren wir Glück und Entwicklung, einzeln und als Gesellschaft.
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Wenn zum Beispiel zwei Dörfer Kontakt miteinander pflegen und zusammenarbeiten, wird der Fortschritt jedes der beiden gesichert sein. Genauso werden zwei Städte davon profitieren und voranschreiten, wenn zwischen ihnen Austausch besteht. Und wenn eine Grundlage für gegenseitiges Verständnis zwischen zwei Ländern geschaffen wird, werden sie sich in ihren individuellen und gemeinsamen Belangen großartig entwickeln. Darum sehe ich in der Einheit dieser strahlenden Versammlung die Verbindung zwischen dem Orient und dem Okzident. Diese Einheit ist das Mittel und Instrument der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ländern des Ostens und des Westens. Man sieht also deutlich, dass die Ergebnisse, die auf grundlegender Übereinstimmung und Einvernehmen beruhen, zahllos und grenzenlos sind. Persien und Amerika werden dadurch gewiss reichlich Früchte ernten. Persien wird eine Blütezeit materiellen Fortschritts erleben und für den amerikanischen Handel werden die Türen weit geöffnet sein.
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Darüber hinaus sollen große Liebe und ein Strom der Zuneigung diese beiden in großer Entfernung voneinander lebenden Völker verbinden und vereinen, denn Bahá’u’lláh hat der Welt die Solidarität der Völker und die Einheit der Menschheit verkündet. An die ganze Menschheit gewandt sagte Er: »Ihr seid alle die Blätter eines Baumes und die Tropfen eines Meeres.« Die Menschenwelt wurde von Ihm als eine Einheit bezeichnet, als eine Familie. Es ist daher zu hoffen, dass das amerikanische und das persische Volk in gegenseitiger Liebe verbunden und vereint werden. Mögen sie zu einem Volk werden, ausgestattet mit der gleichen Empfänglichkeit. Mögen diese Bande der Freundschaft und des Einvernehmens fest verankert werden.
14:5
Bahá’u’lláh verbrachte vierzig Jahre Seines Lebens in Gefängnis und Verbannung, um das Banner der Einheit der Menschheit zu erheben. Dafür ertrug Er all diese Qualen und Schwierigkeiten. Er war der Herrschaft ‘Abdu’l-Ḥamíds Sultan des Osmanischen Reiches A unterworfen. Auch ich war im Gefängnis ‘Abdu’l-Ḥamíds, bis das Komitee für Einheit und Fortschritt die Standarte der Freiheit hisste und meine Fesseln entfernt wurden. Sie erwiesen mir große Freundlichkeit und Liebe. Ich wurde befreit und konnte so in dieses Land reisen. Ohne das Zutun dieses Komitees wäre ich heute Abend nicht hier bei Ihnen. Darum sollten Sie alle Beistand und Ermutigung für dieses Komitee erbitten, durch das die Freiheit der Türkei ausgerufen wurde.
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Kurzum, ich bin diese weite Strecke gereist, habe auf dem Weg zu diesem westlichen Kontinent den Atlantik überquert, in dem Wunsch und in der Hoffnung, dass das stärkste Band, das der Einheit, zwischen Amerika und Persien errichtet werde. Ich weiß, dass dies auch Ihr Wunsch und Ihre Absicht ist, und ich bin mir Ihrer Zusammenarbeit gewiss. Lassen Sie uns darum an der göttlichen Schwelle dafür beten, dass eine große Liebe die Herzen der Menschen ergreife und die Völker der Welt vereine. Wir werden beten, dass das Banner des Weltfriedens erhoben und die Einheit der Menschenwelt verwirklicht wird. Durch Ihre Bemühungen wird all dies möglich und durchführbar. Möge diese amerikanische Demokratie die erste Nation werden, die die Grundlage für eine internationale Einigung legt. Möge sie als erste Nation den alle umfassenden Charakter der Menschheitsfamilie verkünden. Möge sie die erste sein, die das Banner des Größten Friedens hisst, und möge diese demokratische Nation diese menschenfreundlichen Absichten und Lehren in der ganzen Welt verbreiten. Wahrlich, dies ist eine große und angesehene Nation. Hier hat die Freiheit ihren höchsten Grad erreicht. Die Absichten ihrer Bürger sind überaus lobenswert. Sie sind würdig, die Ersten zu sein, die das Thronzelt des Größten Friedens errichten und die Einheit der Menschheit verkünden. Ich flehe zu Gott, Sie zu ermutigen und Ihnen beizustehen.
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21. April 1912
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Ansprache im Studio Hall
1219 Connecticut Avenue, Washington D.C.
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Aufzeichnungen von Joseph H. Hannen
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Ich bin hierhergekommen, um euch zu besuchen. Mit größter Sehnsucht habe ich mir gewünscht, euch zu sehen. Als mir klar wurde, dass ihr nur sehr schwer zu mir kommen könntet und nur sehr wenige solch eine Reise unternehmen könnten, beschloss ich, zu euch zu kommen, damit sich alle über die Begegnung freuen können. Preis sei Gott! Ich bin hier und schaue in eure Gesichter – Gesichter, die vor innerer Schönheit strahlen, Herzen, die vom Königreich Abhá angezogen sind, und Seelen, die durch die frohen Botschaften Gottes beschwingt sind. Daher erlebe ich die größtmögliche Freude. Natürlich beruht diese Freude auf Gegenseitigkeit, denn unsere Herzen sind miteinander verbunden und von denselben Schwingungen erfüllt. Die Flamme und das Licht der Liebe spiegeln sich in allen. Jedes Herz ist erfüllt von geistigen Empfänglichkeiten und sehnlichen Wünschen. Selbst wenn wir in jedem Augenblick an der Schwelle Gottes hunderttausend Danksagungen für diese Liebe darbringen würden, die Orient und Okzident zusammengeführt hat, könnten wir unsere Dankbarkeit nicht angemessen zum Ausdruck bringen. Wenn alle Mächte der Erde versuchen sollten, diese Liebe zwischen Ost und West hervorzubringen, würden sie sich als unfähig erweisen. Diese Einheit zu errichten wäre ihnen unmöglich, selbst wenn sie es wollten. Aber durch die Macht des Heiligen Geistes hat Bahá’u’lláh beides vollbracht, und dieses Band der Liebe und Einheit ist unauflöslich. Es wird für alle Zeit bestehen bleiben, und von Tag zu Tag wird seine Macht zunehmen. Bald wird es die Welt umspannen, und schließlich werden die Herzen aller Völker der Welt durch seine feste Umarmung zusammengebracht werden. Die Menschenwelt wird zur Offenbarung des göttlichen Lichtes werden, und die Gaben Gottes werden alle umhüllen. Sowohl in der materiellen als auch in der geistigen Kultur werden wir außergewöhnliche Fortschritte und Entwicklungen erleben. Im gegenwärtigen Zyklus wird eine in der Geschichte beispiellose kulturelle Entwicklung stattfinden. Bisher befand sich die Menschheit im Kindheitsstadium; jetzt nähert sie sich der Reife. Der Mensch erlangt sein höchstes Maß an körperlicher Stärke und ausgereiften intellektuellen Fähigkeiten, sobald er das Alter der Reife erreicht. In nur einem Jahr dieser Reifezeit kann eine beispiellose Entwicklung beobachtet werden. In gleicher Weise wird die Menschenwelt in diesem Zyklus ihrer Vervollkommnung und Vollendung einen unermesslichen Aufschwung erleben. Die Fähigkeit zur Vollendung, die Gott, dieser überall wirkende Universelle Geist, in jedem Individuum angelegt hat, wird sich wie etwa die verstandesmäßigen Anlagen in unendlichen Stufen der Vervollkommnung offenbaren.
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Danket deshalb Gott, dass ihr in diesem strahlenden Jahrhundert ins Dasein gekommen seid, in dem die Gaben Gottes aus allen Richtungen erscheinen, die Tore des Königreichs für euch geöffnet wurden, der Ruf Gottes verkündet wird und sich die Tugenden der menschlichen Welt fortlaufend entfalten. Der Tag ist gekommen, an dem alle Dunkelheit beseitigt werden und die Sonne der Wahrheit strahlend aufleuchten wird. Diese Zeit auf Erden kann man mit der Tagundnachtgleiche im Jahreszyklus vergleichen. Denn dies ist wahrlich die Frühlingszeit Gottes. In den Heiligen Büchern wurde verheißen, dass die Frühlingszeit Gottes sich offenbaren, die Heilige Stadt Jerusalem vom Himmel herniederkommen, dass Zion frohlocken und tanzen und das Heilige Land in das Meer göttlichen Strahlenglanzes eintauchen wird.
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Zur Zeit der Frühlingstagundnachtgleiche kann man in der materiellen Welt im gesamten Pflanzenreich eine wunderbar pulsierende, belebende Energie beobachten. Das Tierreich und die Menschenwelt werden wiederbelebt und entwickeln sich mit neuem Antrieb weiter. Die ganze Welt wird neu geboren und auferweckt. Sanfte Frühlingsbrisen erheben sich, wehen und duften, Blumen und Bäume erblühen, die Luft ist mild und angenehm. Wie entzückend und schön werden die Berge, Wiesen und Auen. Ebenso beleben die geistigen Gaben und die Frühlingszeit Gottes die Menschenwelt mit einem neuen Geist und neuer Lebenskraft. Alle Tugenden, die im menschlichen Herzen als Möglichkeit angelegt sind, werden von dieser Wirklichkeit wie Blumen und Blüten göttlicher Gärten enthüllt. Es ist ein Tag der Freude, eine Zeit der Glückseligkeit, eine Phase geistigen Wachstums. Ich flehe zu Gott, dass diese geistige Kultur Gottes den höchsten Einfluss und die größte Wirkung auf euch haben möge. Möget ihr wie wachsende Pflanzen werden. Mögen die Bäume eurer Herzen neue Blätter und vielfältige Blüten hervorbringen. Mögen aus ihnen vollkommene Früchte hervorgehen, damit die Menschenwelt, die in der materiellen Zivilisation weit fortgeschritten und entwickelt ist, durch die Verwirklichung geistiger Ideale belebt werden kann. So wie der menschliche Verstand die Geheimnisse der Materie gelüftet und die Mysterien der Natur aus dem Bereich des Unsichtbaren hervorgeholt hat, mögen ebenso Geist und Seele des Menschen das Wissen um die göttlichen Wahrheiten erlangen und sich die Wirklichkeit des Königreichs in den Herzen der Menschen offenbaren. Dann wird die Welt zum Paradies Abhá, das Banner des Größten Friedens wird erhoben werden und die Einheit der Menschenwelt wird in ihrer ganzen Schönheit, Herrlichkeit und Bedeutsamkeit sichtbar werden. Und jetzt, da ich in eurer Gegenwart bin, möchte ich für euch beten. Richtet eure Herzen aufmerksam auf das Königreich Abhá.
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Gebet auf Persisch
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Ich hoffe, dass das Gebet, mit dem ich mich in eurem Namen an das Königreich Abhá gewandt habe, bald beantwortet wird und sich seine Ergebnisse und Wirkungen in euren Herzen und in eurem Leben zeigen.
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21. April 1912
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Ansprache in der Universalist Church
Thirteenth and L Streets, Washington, D.C.
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Aufzeichnungen von Joseph H. Hannen
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Die Lehren dieser Kirche und ihr Glaubensbekenntnis, von ihrem verehrten Pfarrer so treffend vorgebracht, sind wirklich zu begrüßen, geheiligt und des Lobes und der Verherrlichung wert, denn diese Grundsätze stehen im Gegensatz zu den tief verwurzelten religiösen Vorurteilen dieser Zeit. Vorurteile, die sich aus dem Festhalten an religiösen Bräuchen und der Nachahmung angestammter Glaubenssätze ergeben, haben offensichtlich den Fortschritt der Menschheit über Jahrtausende hinweg behindert. Wie viele Kriege und Schlachten wurden ausgetragen, wie viel Spaltung, Zwietracht und Hass entstanden durch solche Vorurteile! Da aber dieses Jahrhundert ein Jahrhundert der Offenbarung der Wahrheit ist, werden – Preis sei Gott – die Gedanken der Menschen auf die Wohlfahrt und Einheit der Menschheit gelenkt. Tag für Tag schwindet das Trugbild der Nachahmung dahin, und das Meer der Wahrheit brandet heftiger. Alle Völker hatten ursprünglich eine göttliche Grundlage der Wahrheit oder Wirklichkeit. Dadurch sollten Einheit und Eintracht der Menschheit gefördert werden, aber das Licht dieser Wahrheit wurde allmählich verdüstert. Die Dunkelheit des Aberglaubens und der Nachahmung trat an seine Stelle und schlug die Welt der Menschheit in Ketten und Fesseln der Unwissenheit. Feindschaft erhob sich unter den Menschen und wuchs zu solch einem Ausmaß, dass die Völker einander voller Hass und Gewalt bekämpften. Kriege wurden zum religiösen und politischen Menschheitserbe.
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