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14:3Wenn zum Beispiel zwei Dörfer Kontakt miteinander pflegen und zusammenarbeiten, wird der Fortschritt jedes der beiden gesichert sein. Genauso werden zwei Städte davon profitieren und voranschreiten, wenn zwischen ihnen Austausch besteht. Und wenn eine Grundlage für gegenseitiges Verständnis zwischen zwei Ländern geschaffen wird, werden sie sich in ihren individuellen und gemeinsamen Belangen großartig entwickeln. Darum sehe ich in der Einheit dieser strahlenden Versammlung die Verbindung zwischen dem Orient und dem Okzident. Diese Einheit ist das Mittel und Instrument der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ländern des Ostens und des Westens. Man sieht also deutlich, dass die Ergebnisse, die auf grundlegender Übereinstimmung und Einvernehmen beruhen, zahllos und grenzenlos sind. Persien und Amerika werden dadurch gewiss reichlich Früchte ernten. Persien wird eine Blütezeit materiellen Fortschritts erleben und für den amerikanischen Handel werden die Türen weit geöffnet sein.14:4Darüber hinaus sollen große Liebe und ein Strom der Zuneigung diese beiden in großer Entfernung voneinander lebenden Völker verbinden und vereinen, denn Bahá’u’lláh hat der Welt die Solidarität der Völker und die Einheit der Menschheit verkündet. An die ganze Menschheit gewandt sagte Er: »Ihr seid alle die Blätter eines Baumes und die Tropfen eines Meeres.« Die Menschenwelt wurde von Ihm als eine Einheit bezeichnet, als eine Familie. Es ist daher zu hoffen, dass das amerikanische und das persische Volk in gegenseitiger Liebe verbunden und vereint werden. Mögen sie zu einem Volk werden, ausgestattet mit der gleichen Empfänglichkeit. Mögen diese Bande der Freundschaft und des Einvernehmens fest verankert werden.14:5Bahá’u’lláh verbrachte vierzig Jahre Seines Lebens in Gefängnis und Verbannung, um das Banner der Einheit der Menschheit zu erheben. Dafür ertrug Er all diese Qualen und Schwierigkeiten. Er war der Herrschaft ‘Abdu’l-Ḥamíds
Sultan des Osmanischen Reiches
A unterworfen. Auch ich war im Gefängnis ‘Abdu’l-Ḥamíds, bis das Komitee für Einheit und Fortschritt die Standarte der Freiheit hisste und meine Fesseln entfernt wurden. Sie erwiesen mir große Freundlichkeit und Liebe. Ich wurde befreit und konnte so in dieses Land reisen. Ohne das Zutun dieses Komitees wäre ich heute Abend nicht hier bei Ihnen. Darum sollten Sie alle Beistand und Ermutigung für dieses Komitee erbitten, durch das die Freiheit der Türkei ausgerufen wurde.14:6Kurzum, ich bin diese weite Strecke gereist, habe auf dem Weg zu diesem westlichen Kontinent den Atlantik überquert, in dem Wunsch und in der Hoffnung, dass das stärkste Band, das der Einheit, zwischen Amerika und Persien errichtet werde. Ich weiß, dass dies auch Ihr Wunsch und Ihre Absicht ist, und ich bin mir Ihrer Zusammenarbeit gewiss. Lassen Sie uns darum an der göttlichen Schwelle dafür beten, dass eine große Liebe die Herzen der Menschen ergreife und die Völker der Welt vereine. Wir werden beten, dass das Banner des Weltfriedens erhoben und die Einheit der Menschenwelt verwirklicht wird. Durch Ihre Bemühungen wird all dies möglich und durchführbar. Möge diese amerikanische Demokratie die erste Nation werden, die die Grundlage für eine internationale Einigung legt. Möge sie als erste Nation den alle umfassenden Charakter der Menschheitsfamilie verkünden. Möge sie die erste sein, die das Banner des Größten Friedens hisst, und möge diese demokratische Nation diese menschenfreundlichen Absichten und Lehren in der ganzen Welt verbreiten. Wahrlich, dies ist eine große und angesehene Nation. Hier hat die Freiheit ihren höchsten Grad erreicht. Die Absichten ihrer Bürger sind überaus lobenswert. Sie sind würdig, die Ersten zu sein, die das Thronzelt des Größten Friedens errichten und die Einheit der Menschheit verkünden. Ich flehe zu Gott, Sie zu ermutigen und Ihnen beizustehen. – 15 –15:0_4321. April 191215:0_44Ansprache im Studio Hall
1219 Connecticut Avenue, Washington D.C.15:0_45Aufzeichnungen von Joseph H. Hannen15:1Ich bin hierhergekommen, um euch zu besuchen. Mit größter Sehnsucht habe ich mir gewünscht, euch zu sehen. Als mir klar wurde, dass ihr nur sehr schwer zu mir kommen könntet und nur sehr wenige solch eine Reise unternehmen könnten, beschloss ich, zu euch zu kommen, damit sich alle über die Begegnung freuen können. Preis sei Gott! Ich bin hier und schaue in eure Gesichter – Gesichter, die vor innerer Schönheit strahlen, Herzen, die vom Königreich Abhá angezogen sind, und Seelen, die durch die frohen Botschaften Gottes beschwingt sind. Daher erlebe ich die größtmögliche Freude. Natürlich beruht diese Freude auf Gegenseitigkeit, denn unsere Herzen sind miteinander verbunden und von denselben Schwingungen erfüllt. Die Flamme und das Licht der Liebe spiegeln sich in allen. Jedes Herz ist erfüllt von geistigen Empfänglichkeiten und sehnlichen Wünschen. Selbst wenn wir in jedem Augenblick an der Schwelle Gottes hunderttausend Danksagungen für diese Liebe darbringen würden, die Orient und Okzident zusammengeführt hat, könnten wir unsere Dankbarkeit nicht angemessen zum Ausdruck bringen. Wenn alle Mächte der Erde versuchen sollten, diese Liebe zwischen Ost und West hervorzubringen, würden sie sich als unfähig erweisen. Diese Einheit zu errichten wäre ihnen unmöglich, selbst wenn sie es wollten. Aber durch die Macht des Heiligen Geistes hat Bahá’u’lláh beides vollbracht, und dieses Band der Liebe und Einheit ist unauflöslich. Es wird für alle Zeit bestehen bleiben, und von Tag zu Tag wird seine Macht zunehmen. Bald wird es die Welt umspannen, und schließlich werden die Herzen aller Völker der Welt durch seine feste Umarmung zusammengebracht werden. Die Menschenwelt wird zur Offenbarung des göttlichen Lichtes werden, und die Gaben Gottes werden alle umhüllen. Sowohl in der materiellen als auch in der geistigen Kultur werden wir außergewöhnliche Fortschritte und Entwicklungen erleben. Im gegenwärtigen Zyklus wird eine in der Geschichte beispiellose kulturelle Entwicklung stattfinden. Bisher befand sich die Menschheit im Kindheitsstadium; jetzt nähert sie sich der Reife. Der Mensch erlangt sein höchstes Maß an körperlicher Stärke und ausgereiften intellektuellen Fähigkeiten, sobald er das Alter der Reife erreicht. In nur einem Jahr dieser Reifezeit kann eine beispiellose Entwicklung beobachtet werden. In gleicher Weise wird die Menschenwelt in diesem Zyklus ihrer Vervollkommnung und Vollendung einen unermesslichen Aufschwung erleben. Die Fähigkeit zur Vollendung, die Gott, dieser überall wirkende Universelle Geist, in jedem Individuum angelegt hat, wird sich wie etwa die verstandesmäßigen Anlagen in unendlichen Stufen der Vervollkommnung offenbaren.15:2Danket deshalb Gott, dass ihr in diesem strahlenden Jahrhundert ins Dasein gekommen seid, in dem die Gaben Gottes aus allen Richtungen erscheinen, die Tore des Königreichs für euch geöffnet wurden, der Ruf Gottes verkündet wird und sich die Tugenden der menschlichen Welt fortlaufend entfalten. Der Tag ist gekommen, an dem alle Dunkelheit beseitigt werden und die Sonne der Wahrheit strahlend aufleuchten wird. Diese Zeit auf Erden kann man mit der Tagundnachtgleiche im Jahreszyklus vergleichen. Denn dies ist wahrlich die Frühlingszeit Gottes. In den Heiligen Büchern wurde verheißen, dass die Frühlingszeit Gottes sich offenbaren, die Heilige Stadt Jerusalem vom Himmel herniederkommen, dass Zion frohlocken und tanzen und das Heilige Land in das Meer göttlichen Strahlenglanzes eintauchen wird.15:3Zur Zeit der Frühlingstagundnachtgleiche kann man in der materiellen Welt im gesamten Pflanzenreich eine wunderbar pulsierende, belebende Energie beobachten. Das Tierreich und die Menschenwelt werden wiederbelebt und entwickeln sich mit neuem Antrieb weiter. Die ganze Welt wird neu geboren und auferweckt. Sanfte Frühlingsbrisen erheben sich, wehen und duften, Blumen und Bäume erblühen, die Luft ist mild und angenehm. Wie entzückend und schön werden die Berge, Wiesen und Auen. Ebenso beleben die geistigen Gaben und die Frühlingszeit Gottes die Menschenwelt mit einem neuen Geist und neuer Lebenskraft. Alle Tugenden, die im menschlichen Herzen als Möglichkeit angelegt sind, werden von dieser Wirklichkeit wie Blumen und Blüten göttlicher Gärten enthüllt. Es ist ein Tag der Freude, eine Zeit der Glückseligkeit, eine Phase geistigen Wachstums. Ich flehe zu Gott, dass diese geistige Kultur Gottes den höchsten Einfluss und die größte Wirkung auf euch haben möge. Möget ihr wie wachsende Pflanzen werden. Mögen die Bäume eurer Herzen neue Blätter und vielfältige Blüten hervorbringen. Mögen aus ihnen vollkommene Früchte hervorgehen, damit die Menschenwelt, die in der materiellen Zivilisation weit fortgeschritten und entwickelt ist, durch die Verwirklichung geistiger Ideale belebt werden kann. So wie der menschliche Verstand die Geheimnisse der Materie gelüftet und die Mysterien der Natur aus dem Bereich des Unsichtbaren hervorgeholt hat, mögen ebenso Geist und Seele des Menschen das Wissen um die göttlichen Wahrheiten erlangen und sich die Wirklichkeit des Königreichs in den Herzen der Menschen offenbaren. Dann wird die Welt zum Paradies Abhá, das Banner des Größten Friedens wird erhoben werden und die Einheit der Menschenwelt wird in ihrer ganzen Schönheit, Herrlichkeit und Bedeutsamkeit sichtbar werden. Und jetzt, da ich in eurer Gegenwart bin, möchte ich für euch beten. Richtet eure Herzen aufmerksam auf das Königreich Abhá.15:4Gebet auf Persisch15:5Ich hoffe, dass das Gebet, mit dem ich mich in eurem Namen an das Königreich Abhá gewandt habe, bald beantwortet wird und sich seine Ergebnisse und Wirkungen in euren Herzen und in eurem Leben zeigen. – 16 –16:0_4621. April 191216:0_47Ansprache in der Universalist Church
Thirteenth and L Streets, Washington, D.C.16:0_48Aufzeichnungen von Joseph H. Hannen16:1Die Lehren dieser Kirche und ihr Glaubensbekenntnis, von ihrem verehrten Pfarrer so treffend vorgebracht, sind wirklich zu begrüßen, geheiligt und des Lobes und der Verherrlichung wert, denn diese Grundsätze stehen im Gegensatz zu den tief verwurzelten religiösen Vorurteilen dieser Zeit. Vorurteile, die sich aus dem Festhalten an religiösen Bräuchen und der Nachahmung angestammter Glaubenssätze ergeben, haben offensichtlich den Fortschritt der Menschheit über Jahrtausende hinweg behindert. Wie viele Kriege und Schlachten wurden ausgetragen, wie viel Spaltung, Zwietracht und Hass entstanden durch solche Vorurteile! Da aber dieses Jahrhundert ein Jahrhundert der Offenbarung der Wahrheit ist, werden – Preis sei Gott – die Gedanken der Menschen auf die Wohlfahrt und Einheit der Menschheit gelenkt. Tag für Tag schwindet das Trugbild der Nachahmung dahin, und das Meer der Wahrheit brandet heftiger. Alle Völker hatten ursprünglich eine göttliche Grundlage der Wahrheit oder Wirklichkeit. Dadurch sollten Einheit und Eintracht der Menschheit gefördert werden, aber das Licht dieser Wahrheit wurde allmählich verdüstert. Die Dunkelheit des Aberglaubens und der Nachahmung trat an seine Stelle und schlug die Welt der Menschheit in Ketten und Fesseln der Unwissenheit. Feindschaft erhob sich unter den Menschen und wuchs zu solch einem Ausmaß, dass die Völker einander voller Hass und Gewalt bekämpften. Kriege wurden zum religiösen und politischen Menschheitserbe. 16:2Jetzt ist es genug! Wir müssen die Wahrheit erforschen. Wir müssen jeden Aberglauben beseitigen. Es ist eine offensichtliche Wahrheit, dass die ganze Menschheit Gottes Schöpfung ist. Alle sind Seine Diener und stehen unter Seinem Schutz. Alle sind Empfänger Seiner Gaben. Gott ist gütig zu allen Seinen Dienern. Allenfalls sind einige unwissend; sie brauchen Bildung, damit sie verständig werden. Manche sind unreif wie Kinder; sie brauchen Hilfe und Unterstützung, damit sie zur Reife gelangen. Einige sind krank und leiden; sie brauchen Heilung. Aber ein leidender Patient darf nicht durch eine falsche Behandlung belastet werden. Ein Kind darf in seiner Entwicklung nicht verbogen oder behindert werden. Ein Unwissender darf nicht durch Tadel und Kritik eingeschränkt werden. Wir müssen nach dem echten, wahren Heilmittel suchen.16:3Alle Propheten Gottes, einschließlich Jesus Christus, erschienen auf der Welt, um die Menschheit zu erziehen, unreifen Seelen zur Reife zu verhelfen, Unwissende in Wissende zu verwandeln und so durch göttliche Erziehung und Ausbildung Liebe und Einheit zu stiften. Die Propheten sind nicht gekommen, um Zwietracht und Feindseligkeit zu säen. Denn Gott wünscht für Seine Diener nur Gutes, und wer den Dienern Gottes Böses will, ist gegen Gott; er hat dem Willen Gottes nicht gehorcht und ist nicht Seinem Beispiel gefolgt, vielmehr folgt er teuflischen Weisungen und Wegen. Die Eigenschaften Gottes sind Liebe und Gnade. Die Eigenschaft des Teufels ist Hass. Daher zeigt derjenige, der barmherzig und gütig zu seinen Mitmenschen ist, göttliche Eigenschaften, und wer hasserfüllt und feindselig gegen ein Mitgeschöpf ist, ist teuflisch. Wie Jesus Christus erklärte, ist Gott vollkommene Liebe und der Teufel tiefster Hass. Seien Sie versichert, dass sich die Barmherzigkeit Gottes offenbart, wann immer Liebe sich zeigt. Wann immer Ihnen Hass und Feindschaft begegnet, seien Sie versichert, dass dies die Zeichen und Eigenschaften des Teufels sind. Die Propheten sind in dieser Welt mit dem Auftrag erschienen, dass die menschlichen Seelen zu Erscheinungen des Barmherzigen werden, dass sie erzogen werden und sich entwickeln, Liebe und Freundschaft erlangen und Frieden und Eintracht stiften.16:4In der Welt des Seins ist das Tier ein Gefangener der Natur. Sein Verhalten richtet sich nach den Zwängen und Bedingungen der Natur. Es hat weder Bewusstsein noch Verständnis für Gut und Böse. Es folgt einfach seinem natürlichen Instinkt und seiner Neigung. Die Propheten Gottes sind gekommen, um dem Menschen den Weg der Rechtschaffenheit zu zeigen, damit er nicht seinem natürlichen Trieb folgt, sondern sein Handeln vom Licht Ihrer Gebote und Ihres Beispiels leiten lässt. Entsprechend Ihrer Lehren sollte der Mensch das tun, was nach der Maßgabe der Vernunft und dem Urteil des Verstandes als lobenswert erachtet wird, selbst wenn es seiner natürlichen menschlichen Neigung widerspräche. Er sollte nichts tun, was nach diesem Maßstab für unwürdig befunden wird, auch wenn es seinem natürlichen Impuls und seinem Verlangen entspräche. Deshalb muss der Mensch den Eigenschaften des Barmherzigen folgen und sie verwirklichen.16:5Die unvollkommenen Mitglieder der Gesellschaft, die schwachen Seelen unter den Menschen, folgen ihrer natürlichen Neigung. Ihr Leben und Handeln stimmen mit ihren Neigungen überein; sie sind Gefangene ihrer körperlichen Bedürfnisse; sie stehen nicht in Verbindung und im Einklang mit den geistigen Gaben. Der Mensch hat zwei Seiten: die körperliche Seite, die der Natur unterstellt ist, und die barmherzige oder göttliche Seite, die mit Gott verbunden ist. Wenn die körperlichen oder natürlichen Anlagen im Menschen die Oberhand über die himmlischen und barmherzigen gewinnen, wird er zum niedrigsten aller tierischen Geschöpfe. Wenn jedoch das Göttliche und Geistige in ihm über die menschliche und natürliche Seite triumphiert, dann ist er wahrhaftig ein Engel. Die Propheten kommen in diese Welt, um die Menschheit zu führen und zu erziehen, damit die tierische Natur des Menschen schwinde und das Himmlische in seinen Kräften erweckt werde. Die göttliche Seite oder die geistige Natur besteht aus dem Odem des Heiligen Geistes. Die Wiedergeburt, von der Jesus sprach, bezieht sich auf das Erscheinen dieser himmlischen Natur im Menschen. Sie kommt in der Taufe mit dem Heiligen Geist zum Ausdruck, und wer mit dem Heiligen Geist getauft ist, ist eine wahre Offenbarung der göttlichen Barmherzigkeit für die Menschheit. Dann wird er gerecht und gütig gegenüber der ganzen Menschheit; niemandem begegnet er mit Vorurteilen oder bösem Willen und er verschmäht keine Nation und kein Volk.16:6Die Grundlagen der göttlichen Religionen sind eins. Wenn wir diese Grundlagen untersuchen, entdecken wir viel Nährboden für Übereinstimmung, aber wenn wir auf die Nachahmung von Bräuchen und überlieferten Glaubenssätzen schauen, finden wir manche Uneinigkeit und Spaltung, denn diese Nachahmungen unterscheiden sich voneinander, während Ursprung und Grundlagen der Religionen ein und dieselben sind. Das heißt, die Grundlagen fördern Einheit, Nachahmung jedoch bewirkt Uneinigkeit und Trennung. Wer die Menschheit nicht liebt oder einem Teil davon mit Hass und Fanatismus begegnet, verletzt die Grundlage und den Ursprung seines eigenen Glaubens und hält an Äußerlichkeiten und Nachahmungen fest. Jesus Christus erklärte, dass die Sonne auf die Schlechten und die Guten scheint und der Regen auf die Gerechten und die Ungerechten niedergeht – auf die ganze Menschheit ohne Unterschied. Christus war die göttliche Barmherzigkeit, die auf die ganze Menschheit schien. Er war der Mittler, durch den die Gaben Gottes herniederkamen. Und die Gaben Gottes überschreiten Bewusstsein und Erfahrung, sind unbeschränkt und allumfassend.16:7Der verehrte Pfarrer las aus den Worten des Evangeliums: »Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten.« Johannes 16,12-13A Das Jahrhundert ist angebrochen, in dem der Geist der Wahrheit der Menschheit diese Wahrheiten offenbaren kann; er kann dieses Wort verkünden, die wahren Grundlagen des Christentums begründen und die Nationen und Völker von den Fesseln äußerlicher Formen und Nachahmungen befreien. Die Ursachen von Zwietracht, Vorurteilen und Feindseligkeiten werden beseitigt und die Grundlagen für Liebe und Freundschaft gelegt. Deshalb müssen Sie alle mit Herz und Seele danach streben, dass Feindseligkeit gänzlich aufhört und Streit und Hass völlig aus der Mitte der Menschenwelt verschwinden. Sie müssen auf die Ermahnung dieses Geistes der Wahrheit hören. Sie müssen dem Beispiel und den Spuren Jesu Christi folgen. Lesen Sie die Evangelien. Jesus Christus war die Gnade selbst, war die Liebe selbst. Er betete sogar für Seine Henker – für diejenigen, die Ihn kreuzigten – mit den Worten: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!« Lukas 23,34A Wenn sie gewusst hätten, was sie tun, hätten sie es nicht getan. Bedenken Sie, wie gütig Jesus Christus war, dass Er selbst am Kreuz für Seine Unterdrücker betete. Wir müssen Seinem Beispiel folgen. Wir müssen den Propheten Gottes nacheifern. Wir müssen Jesus Christus folgen. Wir müssen uns von all den Nachahmungen befreien, die die Ursache für das Dunkel in dieser Welt sind.16:8Ich will Ihnen eine Frage stellen: Hat Gott uns für Liebe erschaffen oder für Feindseligkeit? Hat Er uns für Frieden erschaffen oder für Zwietracht? Natürlich hat Er uns für die Liebe erschaffen. Darum sollten wir in Übereinstimmung mit Seinem Willen leben. Hören Sie auf nichts, was einem Vorurteil entspringt, denn Eigennutz veranlasst Menschen, Vorurteilen nachzugeben. Sie verfolgen dann nur ihre eigenen Wünsche und Ziele. Sie leben und wandeln im Dunkeln. Bedenken Sie, wie viele verschiedene Völker und unterschiedliche religiöse Überzeugungen es gab, als Christus erschien. Es herrschte Feindschaft und Streit zwischen den Römern, Griechen, Assyrern, Ägyptern, sie alle bekämpften und bekriegten einander. Christus einte sie durch den Odem des Heiligen Geistes und verwandelte sie in eine Gemeinschaft, sodass keine Spur des Streites zurückblieb. Unter Seinem Banner wurden sie geeint und lebten dank Seiner Lehren in Frieden. Was ist vorzuziehen und löblicher? Dem Beispiel Jesu Christi zu folgen oder teuflische Neigungen an den Tag zu legen? Lassen Sie uns mit aller Kraft danach streben, den Osten und den Westen zu vereinen, sodass die Völker vorangebracht werden und alle nach der einen Grundlage der Religionen Gottes leben können. Der Wesenskern der göttlichen Religion besteht aus einer einzigen Wahrheit, unteilbar und nicht aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt. Sie ist eine Einzige. Und wenn wir das untersuchen und feststellen, dass sie eine einzige ist, haben wir eine Grundlage für die Einheit der Menschenwelt. Ich werde für Sie beten und um Ermutigung und Unterstützung für Sie bitten. – 17 –17:0_4922. April 191217:0_50Ansprache im Haus von Herrn und Frau Arthur J. Parsons
1700 Eighteenth Street, NW, Washington, D.C.17:0_51Aufzeichnungen von Joseph H. Hannen17:1Seht, wie gut Bahá’u’lláh zu uns ist, wie groß die Kraft Seines Wortes! Aus welch fernen Teilen der Welt hat Er uns in diesem Haus zusammengeführt und an diesem himmlischen Tisch zusammenkommen lassen, denn die Liebe hat ein Festmahl bereitet und ‘Abdu’l-Bahá gebeten, dieses in Seinem Namen stattfinden zu lassen. Welch eine Vereinigung der Herzen ist hier zwischen Ost und West entstanden und welch eine Bestärkung durch Bahá’u’lláh zeigt sich hier! Wie hat Seine Güte alle umfangen! Wie hat sich Seine Gunst für alle vollendet!17:2Als die Muslime Persien eroberten, ging der oberste zoroastrische Hohepriester zum Weintrinken. Gemäß islamischem Gesetz ist Wein verboten, und wer Wein trinkt, muss mit einundachtzig Peitschenhieben bestraft werden. Darum nahmen die Muslime den Hohenpriester fest und peitschten ihn aus. Zu jener Zeit standen die Araber bei den Persern in sehr niedrigem und geringem Ansehen und wurden kaum als Menschen betrachtet. Da Muḥammad Araber war, schauten die Perser mit Verachtung auf Ihn herab; als aber der Hohepriester die Beweise der Macht Muḥammads sah, von der diese verachteten Leute beherrscht wurden, rief er aus: »O du arabischer Muḥammad, wie hast du das gemacht? Was hast du gemacht, dass dein Volk den Obersten Hohepriester der Zoroastrier festnehmen ließ, weil er etwas begangen hat, was in deiner Religion ungesetzlich ist?« Durch diesen Umstand wurde das Vorurteil überwunden, dessentwegen der Zoroastrier die Muslime gemieden hatte, denn er erkannte in den Geschehnissen den großen Einfluss, den Muḥammad auf diese Menschen ausübte.17:3Das heutige Treffen ist ein Beweis dafür, wie Bahá’u’lláh durch die Macht der Liebe Gottes einen wunderbaren geistigen Einfluss auf die ganze Welt ausübt. Aus den entlegensten Regionen Persiens und des Orients hat Er Menschen an diesen Tisch kommen lassen, damit sie sich mit den Menschen des Westens in höchster Liebe und Zuneigung, Einheit und Harmonie treffen. Seht, wie die Macht Bahá’u’lláhs den Osten und den Westen zusammengebracht hat. Und ‘Abdu’l-Bahá steht bereit und dient euch. Es gibt weder Stock noch Schläge, weder Peitsche noch Schwert; allein die Macht der Liebe Gottes hat dies vollbracht.17:4In dieser Welt beurteilen wir eine Sache oder eine Bewegung nach ihrem Fortschritt und ihrer Entwicklung. Manche Bewegungen erscheinen, sind eine kurze Zeit lang aktiv und verschwinden dann wieder. Andere zeigen ein größeres Maß an Wachstum und Stärke, aber bevor ihre Entwicklung den Reifezustand erreicht, werden sie schwächer, lösen sich auf und fallen der Vergessenheit anheim. Keine der erwähnten Bewegungen ist fortschrittlich und dauerhaft.17:5Es gibt noch eine andere Art von Bewegung oder Sache, die von einem sehr kleinen, unauffälligen Anfang an mit sicherem und stetigem Fortschritt voranschreitet und sich allmählich verbreitet und ausweitet, bis sie weltweite Dimensionen angenommen hat. Die Bahá’í-Bewegung ist von dieser Art. Als Bahá’u’lláh beispielsweise mit ‘Abdu’l-Bahá und dem Rest Seiner Familie aus Persien verbannt wurde, reisten sie durch viele Städte und Dörfer den langen Weg von Teheran nach Baghdád. Während der gesamten Reise trafen sie auf dem weiten Weg nicht einen einzigen Gläubigen der Sache, um derentwillen sie verbannt worden waren. Zu jener Zeit war weltweit nur sehr wenig über diese Bewegung bekannt. Selbst in Baghdád gab es nur einen Gläubigen, der noch in Persien von Bahá’u’lláh Selbst gelehrt worden war. Später tauchten zwei oder drei weitere auf. Ihr seht also, dass die Sache Bahá’u’lláhs anfangs nahezu unbekannt war, aber weil sie eine göttliche Bewegung ist, wuchs und entwickelte sie sich bis heute mit unwiderstehlicher geistiger Kraft. Wohin ihr auch reist – gen Ost oder West – und in welches Land auch immer, ihr werdet auf Bahá’í-Räte und -Institutionen treffen. Das ist ein Beweis dafür, dass die Bahá’í die Segnungen der Einheit und der fortschrittlichen Entwicklung in der ganzen Welt unter göttlicher Führung und Zielsetzung verbreiten, während andere Bewegungen, deren Aktivitäten und Erfolge nur von kurzer Dauer sind, keine wirkliche, universelle Bedeutung haben. – 18 –18:0_5223. April 191218:0_53Ansprache an der Howard University
Washington, D.C.18:0_54Übersetzt von Amin Banani18:1Heute bin ich sehr glücklich, denn ich besuche hier eine Versammlung der Diener Gottes. Ich sehe Weiß und Schwarz zusammensitzen. Vor Gott gibt es keine Weißen und Schwarzen. Alle Farben sind eine, und das ist die Farbe der Dienstbarkeit für Gott. Duft und Farbe sind unwichtig. Das Herz ist wichtig. Wenn das Herz rein ist, spielen Weiß, Schwarz oder jegliche andere Farbe keine Rolle. Gott schaut nicht auf Farben, Er schaut auf die Herzen. Wessen Herz rein ist, der ist besser. Wessen Charakter besser ist, der ist wohlgefälliger. Wer sich stärker dem Königreiche Abhá zuwendet, der ist weiter fortgeschritten.18:2Im Reich des Daseins spielen Farben keine Rolle. Im Mineralreich führen Farben offensichtlich nicht zu Zwietracht. Im Pflanzenreich führen die Farben bunter Blumen nicht zu Zwietracht. Die Farben sorgen vielmehr für die Schönheit des Gartens, weil eine einzelne Farbe keinen Reiz hat. Aber wenn ihr viele bunte Blumen betrachtet, wirken sie reizvoll und prächtig.
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