weiter nach oben ...
41:4Der Hauptzweck der göttlichen Religionen ist die Stiftung von Frieden und Einheit unter den Menschen. Ihre Wahrheit ist eine einzige; daher gibt es für sie nur eine einzige und allumfassende Erfüllung – sei es durch die wesentlichen oder die auf das Stoffliche bezogenen Gebote Gottes. Es gibt nur ein Licht der sichtbaren Sonne, einen Ozean, einen Regen, eine Atmosphäre. In ähnlicher Weise gibt es in der geistigen Welt eine einzige göttliche Wirklichkeit, die den Mittelpunkt und die allen gerecht werdende Grundlage für Frieden und Versöhnung zwischen verschiedenen und widerstreitenden Nationen und Völkern bildet. Betrachten Sie, wie das Römische Reich und Griechenland vor der Erscheinung Jesu Christi voller Feindschaft und Hass Krieg miteinander führten und wie die Feindseligkeiten Ägyptens und Assyriens, wenn auch weniger heftig, immer wieder zu Kriegen zwischen diesen im Niedergang befindlichen alten Völkern führten. Aber die Lehren Jesu Christi erwiesen sich als der Kitt, durch den sie verbunden wurden; der Krieg hörte auf, Streit und Hass vergingen, und diese kriegerischen Völker begegneten einander in Liebe und Freundschaft. Denn Streit und Krieg sind die wahren Zerstörer menschlicher Grundlagen, während Frieden und Freundschaft die Baumeister und Bewahrer menschlichen Wohlergehens sind. Ein Beispiel: Zwei Völker, die seit Jahrhunderten in Frieden lebten, erklären einander den Krieg. Welche Zerstörung und welcher Verlust widerfährt beiden in nur einem Jahr Kampf und Streit – Jahrhunderte werden zunichte. Wie dringend brauchen und fordern sie Frieden, mit seiner Ruhe und seinem Fortschritt, anstelle des Krieges, der die Grundlage aller menschlichen Errungenschaften sprengt und zerstört.41:5Der Staatskörper kann mit dem menschlichen Organismus verglichen werden. Solange die verschiedenen Glieder und Teile dieses Organismus aufeinander abgestimmt sind und in Harmonie zusammenarbeiten, haben wir als Ergebnis das blühendste Leben. Wenn diesen Gliedern Koordination und Harmonie fehlen, bekommen wir das Gegenteil; im menschlichen Organismus entspricht das Krankheit, Auflösung und Tod. Ebenso sind im Gemeinwesen der Menschheit Uneinigkeit, Zwietracht und Krieg stets zerstörerisch und unweigerlich todbringend. Alle erschaffenen Wesen sind auf Frieden und Zusammenwirken angewiesen, denn jedes abhängige irdische Wesen besteht aus verschiedenen Elementen. Solange zwischen diesen Bestandteilen Verbundenheit und Zusammenhalt bestehen, zeigen sich Stärke und Leben; aber wenn zwischen ihnen Zwietracht und Abstoßung auftreten, folgen Zerfall und Auflösung. Das beweist, dass Frieden und Freundschaft, die Gott Seinen Kindern bestimmt hat, die schützenden Faktoren für die menschliche Gesellschaft sind, während Krieg und Streit, die Seine Gesetze verletzen, die Ursache für Tod und Zerstörung sind. Deshalb hat Gott Seine Propheten gesandt, um der Menschenwelt die Botschaft des Wohlwollens, des Friedens und des Lebens zu verkünden.41:6Die grundlegende Wahrheit der Religionen ist nur eine einzige und ihre scheinbaren Widersprüche und vielfältigen Abweichungen sind nur ein Festhalten an hinzugekommenen Bräuchen und blinden Nachahmungen. Deshalb liegt es auf der Hand, dass diese Ursachen von Uneinigkeit und Meinungsverschiedenheiten aufgegeben werden müssen, damit die zugrundeliegende Wahrheit die Menschheit in ihrer Erleuchtung und ihrem Aufbau vereinen kann. Alle, die an dieser einen Wahrheit festhalten, werden in Einklang und Einheit miteinander leben. Dann werden die Religionen die Menschen zur Einheit der Menschheit und zu universeller Gerechtigkeit aufrufen; dann werden sie die Gleichheit der Rechte verkünden, die Menschen zur Tugend anspornen und zum Glauben an die liebende Barmherzigkeit Gottes führen. Die Grundlage der Religionen ist eine einzige; es gibt keinen wirklichen Unterschied zwischen ihnen. Wenn also die wesentlichen und grundlegenden Gebote der Religionen befolgt werden, wird es zu Frieden und Einheit kommen, und alle Unterschiede der Sekten und Konfessionen werden verschwinden.41:7Lassen Sie uns jetzt die vielfältigen Völker der Welt betrachten. Alle Völker – das amerikanische, britische, französische, deutsche, türkische, persische, arabische – sind Kinder desselben Adam, Mitglieder derselben menschlichen Familie. Warum sollte es Zwist zwischen ihnen geben? Die Erde ist eine einzige Heimat und diese Heimat ist für alle bestimmt. Gott hat weder Begrenzungen noch Rassenunterschiede festgelegt. Warum sollten eingebildete Grenzen, die Gott nie vorgesehen hat, zur Ursache von Streit gemacht werden? Gott hat alle erschaffen und für alle gesorgt. Er ist der Bewahrer aller, und alle sind eingetaucht in den Ozean Seiner Barmherzigkeit. Nicht eine einzige Seele ist davon ausgeschlossen. Wenn wir so einen liebenden Gott und Schöpfer haben, warum sollten wir dann einander bekriegen? Jetzt, da Sein Licht für alle scheint, warum sollten wir uns in Finsternis stürzen? Da Sein Tisch für alle Seine Kinder gedeckt ist, warum sollten wir uns gegenseitig diese Nahrung verwehren? Warum sollten wir im Schatten leben wollen, da doch Sein Glanz auf alle scheint? Es besteht kein Zweifel, dass die einzige Ursache Unwissenheit ist und das Ergebnis Verderben. Zwietracht beraubt die Menschheit der ewigen Gunst Gottes. Deshalb müssen wir alle eingebildeten Streitursachen vergessen und die wahren Grundlagen der göttlichen Religionen suchen, damit wir uns in vollkommener Liebe und Eintracht verbinden und das Menschengeschlecht als eine Familie, die Erde als ein einziges Land und Menschen jeglicher Herkunft als eine Menschheit ansehen. Mögen wir alle unter dem Schutz Gottes leben, immerwährendes Glück in dieser Welt und ewiges Leben in der kommenden Welt erlangen.41:8O Du gütiger Herr! Du hast die ganze Menschheit aus dem gleichen Stamm erschaffen. Du hast bestimmt, dass alle der gleichen Familie angehören. In Deiner heiligen Gegenwart sind sie alle Deine Diener, die ganze Menschheit findet Schutz in Deinem Heiligtum. Alle sind um Deinen Gabentisch versammelt; alle sind erleuchtet vom Lichte Deiner Vorsehung.41:9O Gott! Du bist gütig zu allen, Du sorgst für alle, Du beschützest alle, Du verleihst allen Leben. Du hast einen jeden mit Gaben und Fähigkeiten ausgestattet, und alle sind in das Meer Deines Erbarmens getaucht.41:10O Du gütiger Herr! Vereinige alle. Gib, dass die Religionen in Einklang kommen und vereinige die Völker, auf dass sie einander ansehen wie eine einzige Familie und die ganze Erde wie eine einzige Heimat. O dass sie doch in vollkommener Harmonie zusammenlebten!41:11O Gott! Erhebe das Banner der Einheit der Menschheit.41:12O Gott! Errichte den größten Frieden.41:13Schmiede Du, o Gott, die Herzen zusammen.41:14O Du gütiger Vater, Gott! Erfreue unsere Herzen durch den Duft Deiner Liebe. Erhelle unsere Augen durch das Licht Deiner Führung. Erquicke unsere Ohren mit dem Wohlklang Deines Wortes und beschütze uns alle in der Feste Deiner Vorsehung.41:15Du bist der Mächtige und der Kraftvolle, Du bist der Vergebende und Du bist der, Der die Mängel der ganzen Menschheit übersieht.Ansprachen ‘Abdu’l-Bahás in Cleveland 6. Mai 1912– 42 –42:0_1246. Mai 191242:0_125Ansprache in der Euclid Hall
Cleveland, Ohio42:0_126Nach einer stenografischen Mitschrift42:1Dies ist ein sehr beglückender Abend, ein Zeugnis der Möglichkeit, Ost und West zu vereinen – ein Mann aus dem Osten, der vor einer Versammlung von respektvollen westlichen Menschen auftritt. Der Osten und der Westen, der Orient und der Okzident sollen eine Einheit bilden. In der Geschichte werden wir keinen Bericht über ein solches Ereignis finden, bei dem jemand aus dem fernen Osten in den fernen Westen gereist ist, um zu einer Versammlung von so universellem Charakter zu sprechen. Das ist ein Wunder des zwanzigsten Jahrhunderts und beweist, dass das scheinbar Unmögliche in der Menschenwelt Wirklichkeit werden kann. Preis sei Gott! Die finsteren Zeiten sind dahin und das Zeitalter des Lichtes ist endlich gekommen. Die Sonne der Wahrheit ist aufgegangen und strahlt in voller Pracht, die Wirklichkeit aller Dinge wird erkennbar und erneuert, die verborgenen Geheimnisse wurden enthüllt, und bedeutende Erfindungen und Entdeckungen zeichnen diese Ära als ein höchst wundervolles Zeitalter aus.42:2Durch den Einfallsreichtum und die Erfindungen des Menschen ist es möglich, die großen Ozeane zu überqueren, durch die Luft zu fliegen und in die Meerestiefen zu reisen. Jederzeit können Orient und Okzident miteinander kommunizieren. Züge durchqueren die Kontinente. Die menschliche Stimme kann festgehalten und wiedergegeben werden, und jetzt kann der Mensch über große Entfernungen hinweg von jedem Punkt aus sprechen. Das sind einige der Kennzeichen dieses glorreichen Jahrhunderts. Dieser erwähnte große Fortschritt hat in der materiellen Welt stattgefunden. Bemerkenswerte Zeichen und Beweise sind zutage getreten. Verborgene Wirklichkeiten und Geheimnisse wurden enthüllt. Jetzt müssen die Menschen ihre größten Anstrengungen auf das Geistige richten. Die materielle Zivilisation hat ein hohes Niveau erreicht, und nun wird die geistige Kultur gebraucht. Die materielle Zivilisation allein wird nicht genügen; sie kann den Lebensumständen und Bedürfnissen des heutigen Zeitalters nicht gerecht werden; ihr Nutzen ist auf die materielle Welt begrenzt. Dem Geist des Menschen sind keine Grenzen gesetzt, denn der Geist selbst entwickelt sich weiter, und wenn die göttliche Kultur geschaffen ist, wird der Geist des Menschen voranschreiten. Jede neu entwickelte Empfänglichkeit wird die Leistungsfähigkeit des Menschen erhöhen. Es wird immer leichter fallen, die Wahrheit zu entdecken, und der Einfluss göttlicher Führung wird zunehmend verstanden und anerkannt werden. All dies trägt zur göttlichen Kultur bei. Das ist es, was die Bibel als die Herabkunft des Neuen Jerusalem bezeichnet. Das himmlische Jerusalem ist nichts anderes als die göttliche Kultur, und es ist jetzt soweit. Sie soll und wird errichtet werden, und das Einssein der Menschheit wird eine sichtbare Tatsache sein. Die Menschheit wird dann zu einer Einheit zusammengeführt. Die verschiedenen Religionen werden geeint sein, und Menschen verschiedener Herkunft und Hautfarbe werden als Angehörige der gleichen Familie erkannt. Orient und Okzident werden miteinander verbunden sein, und das Banner weltweiten Friedens wird entfaltet. Die Welt wird endlich Frieden finden, und Gleichberechtigung sowie Menschenrechte werden fest verankert sein. Die Leistungsfähigkeit der Menschheit wird erprobt, und es wird eine Stufe erreicht werden, auf der Gleichberechtigung verwirklicht ist.42:3Alle Völker der Welt werden gleich wichtig sein, und die Armen werden an den Annehmlichkeiten des Lebens teilhaben. So, wie die Reichen in Palästen von Luxus umgeben sind, werden die Armen zumindest ihre behagliche Wohnung haben; und so wie die Reichen eine Vielfalt an Nahrungsmitteln genießen, sollen die Bedürftigen alles Notwendige erhalten und nicht länger in Armut leben. Kurz gesagt, es wird eine Neuausrichtung der Wirtschaftsordnung geben, die göttliche Sohnschaft wird anziehend wirken, die Sonne der Wahrheit wird erstrahlen und alles sichtbare Sein wird seinen Anteil erhalten.42:4Überlegt: Was bringt die materielle Zivilisation heutzutage hervor? Hat sie nicht die Werkzeuge für Krieg und Zerstörung erzeugt? Die Kriegswaffe in alten Zeiten war das Schwert; heute ist es das rauchlose Gewehr. Vor einem Jahrhundert waren Segelschiffe die Kriegsschiffe; jetzt haben wir dampfgetriebene Schlachtschiffe. Menschengemachte Werkzeuge und Mittel zur Zerstörung haben sich in diesem Zeitalter materieller Zivilisation enorm vervielfacht. Wenn aber die materielle Zivilisation in Verbindung mit göttlicher Kultur gestaltet wird, wenn rechtschaffene und kluge Menschen mit vergeistigten Menschen für die Veredelung und Weiterentwicklung aller zusammenarbeiten, dann werden Glück und Fortschritt der Menschheit sichergestellt. Alle Völker der Welt werden kameradschaftlich und eng verbunden sein und die Religionen werden zu einer einzigen verschmelzen, da die göttliche Wahrheit in ihnen allen nur eine einzige Wahrheit ist. Abraham verkündete diese Wahrheit; Jesus verbreitete sie; alle Propheten, die in der Welt erschienen, gründeten darauf Ihre Lehren. Dadurch besitzen die Menschen diese eine wahre, unveränderliche Grundlage für Frieden und Verständigung, und der Krieg, der Tausende von Jahren wütete, wird vergehen.42:5Über Jahrhunderte hinweg war die Menschheit immer wieder in Kriege und Konflikte verwickelt. Als Vorwand für den Krieg diente mal die Religion, ein anderes Mal Patriotismus, Rassenvorurteile, nationalistische Politik, Gebietseroberung oder wirtschaftliche Expansion; kurz, die Menschheit lebte niemals während der gesamten bekannten Geschichte in Frieden. Wie viel Blut wurde vergossen! Wie viele Väter haben den Verlust von Söhnen betrauert; wie viele Söhne haben um ihre Väter geweint und wie viele Mütter um ihre Lieben! Menschen dienten als Kanonenfutter und Zielscheiben auf dem Schlachtfeld; Krieg und Streit waren das vorherrschende Thema und die historische Bürde. Menschen übertrafen in ihrer Wildheit sogar die Tiere. Für Löwe, Tiger, Bär und Wolf ist Wildheit eine Notwendigkeit. Wären sie nicht wild, roh und unerbittlich, würden sie verhungern. Der Löwe kann nicht grasen; seine Zähne eignen sich nur für fleischliche Nahrung. Das gilt auch für andere Raubtiere. Für sie ist Wildheit natürlich, weil sie damit ihr Überleben sichern. Aber die Grausamkeit des Menschen beruht auf Selbstsucht, Gier und Unterdrückung. Sie entspringt keiner natürlichen Notwendigkeit. Der Mensch tötet ohne Not tausend Mitmenschen, wird ein ›Held‹ und wird von der Nachwelt jahrhundertelang gepriesen. Eine große Stadt wird auf Befehl eines Generals an nur einem Tag zerstört. Wie dumm, wie widersprüchlich ist die Menschheit! Wenn ein Mann einen anderen tötet, brandmarken wir ihn als Mörder und Verbrecher und verurteilen ihn zum Tode. Tötet er jedoch hunderttausend Menschen, ist er ein militärisches Genie, eine große Berühmtheit, ein Napoleon, der von seinem Volk vergöttert wird. Wenn ein Mann einen Dollar stiehlt, wird er Dieb genannt und ins Gefängnis gesteckt; wenn er ein unschuldiges Land durch militärische Invasion in seine Gewalt bringt und plündert, wird er zum Helden gekrönt. Wie dumm ist die Menschheit! Grausamkeit gehört nicht ins Menschenreich. Der Mensch hat die Aufgabe, Leben zu schenken, nicht den Tod. Es ist seine Pflicht, sich für das Wohlergehen der Menschen einzusetzen. Dass er sich tierischer Wildheit rühmt, beweist, dass die göttliche Kultur noch nicht in der menschlichen Gesellschaft Fuß gefasst hat. Die materielle Zivilisation hat unverkennbare Fortschritte gemacht, aber da sie nicht mit der göttlichen Kultur verbunden ist, grassieren Unheil und Niedertracht. Wenn in alten Zeiten zwei Völker zwölf Monate lang gegeneinander Krieg führten, wurden vielleicht zwanzigtausend Männer getötet; inzwischen wurde die Tötungsmaschinerie derart ausgeweitet und perfektioniert, dass hunderttausend an einem Tag vernichtet werden können. Während des russisch-japanischen Kriegs fielen in drei Monaten eine Million Menschen. Das war in früheren Zeiten unvorstellbar. Die Ursache ist das Fehlen göttlicher Kultur.42:6Dieses verehrte amerikanische Volk zeigt Zeichen der Größe und Würde. Es ist meine Hoffnung, dass diese gerechte Regierung für den Frieden eintreten wird, damit der Krieg auf der ganzen Welt abgeschafft und die Banner der Einheit und Völkerverständigung gehisst werden. Das ist die größte Errungenschaft der Menschenwelt. Dieses amerikanische Volk ist ausgerüstet und befähigt, zu erreichen, was die Seiten der Geschichtsschreibung schmücken wird. Die Welt wird das amerikanische Volk beneiden und es wird in Ost und West wegen des Triumphes seiner Demokratie gerühmt werden. Ich bete dafür, dass dies eintreffen möge, und erbitte für Sie alle Gottes Segen. – 43 –43:0_1276. Mai 191243:0_128Ansprache im Sanatorium von Dr. C. M. Swingle,
Cleveland, Ohio43:0_129Aufzeichnungen von Sigel T. Brooks43:1Dies ist eine wunderschöne Stadt. Das Klima ist angenehm, die Aussicht bezaubernd. Alle Städte Amerikas wirken weitläufig und schön und es scheint den Menschen gutzugehen. Der amerikanische Kontinent weist sichtbare Zeichen für enormen Fortschritt auf; seine Zukunft ist noch vielversprechender, denn sein Einfluss und seine Ausstrahlung haben eine große Reichweite, und er wird alle Völker in geistiger Hinsicht anführen. Das Banner der Freiheit wurde hier entfaltet, aber der Wohlstand und der Fortschritt einer Stadt, das Glück und die Bedeutung eines Landes hängen davon ab, dass dort der Ruf Gottes gehört und befolgt wird. In ihm muss das Licht der Wahrheit leuchten und die göttliche Kultur aufgebaut werden; dann wird sich der Glanz des Königreichs verbreiten und himmlische Einflüsse werden alles umfangen. Die materielle Zivilisation gleicht dem Körper, während die göttliche Kultur der Geist in diesem Körper ist. Ein Körper ohne Geist ist tot; ein fruchtloser Baum ist wertlos. Jesus erklärt, dass einige Menschen geistige Fähigkeiten haben, denn nicht alle sind im Meer des Materialismus versunken. Sie suchen den göttlichen Geist; sie wenden sich Gott zu; sie sehnen sich nach dem Königreich. Ich hoffe, dass die verehrten Anwesenden sowohl materiellen als auch geistigen Fortschritt erzielen. So, wie sie sich in materieller Hinsicht wunderbar entwickelt haben, können sie auch in ihrer geistigen Entwicklung voranschreiten, bis der materielle Körper durch den Reichtum geistiger Möglichkeiten und geistiger Wirksamkeit veredelt und schön wird.43:2Preis sei Gott! Die Sonne der Wahrheit ist aufgegangen, und ihr Glanz erstrahlt an jedem Horizont. Die Zeichen Gottes leuchten, und die Lehren der himmlischen Boten werden verbreitet. Mögen die Herzen zum Reich Gottes geführt und durch die Wahrnehmung des Lichtes Gottes erleuchtet werden, sodass alle erschaffenen Wesen einen Anteil an den göttlichen Gnadengaben erhalten. Möge der Geist des Lebens durch die göttliche Gnade des Allmächtigen erneuert werden, und mögen Ost und West miteinander verbunden werden. Mögen Einheit und Harmonie überall verwirklicht werden. Mögen alle Menschen dieser Welt wie eine einzige Familie werden und diese unvergängliche Gabe erhalten. Mögen sich die Tore des Königreichs überall öffnen und der Lobpreis des Namens Abhá auf der ganzen Erde gehört werden. Ansprache ‘Abdu’l-Bahás in Pittsburgh7. Mai 1912– 44 –44:0_1307. Mai 191244:0_131Ansprache im Hotel Schenley
Pittsburgh, Pennsylvania44:0_132Aufzeichnungen von Suzanne Beatty44:1Ich bin aus dem Orient gekommen, um euer Land zu besuchen. Sicherlich ist dieser Kontinent in jeder Hinsicht lobenswert und überall gibt es Zeichen des Wohlstands. Die Menschen sind gesittet und es gibt sehr viele Anzeichen einer fortschrittlichen Kultur. Ich werde euch eine kurze Darlegung der Grundprinzipien der Lehren Bahá’u’lláhs geben, damit ihr Kenntnis über Natur und Bedeutung der Bahá’í-Bewegung erhaltet.44:2Vor ungefähr sechzig Jahren herrschten zwischen den verschiedenen Völkern und religiösen Konfessionen Persiens größte Feindschaft und Zwietracht. Überall auf der Welt nahmen Krieg und Auseinandersetzungen überhand. Zu dieser Zeit erschien Bahá’u’lláh in Persien und begann, sich der Förderung und Erziehung der Menschen zu widmen. Er vereinte unterschiedliche Sekten und Glaubensbekenntnisse, beseitigte religiöse, ethnische, patriotische und politische Vorurteile und knüpfte ein starkes Band der Einheit und Versöhnung zwischen den verschiedenen Schichten und Klassen der menschlichen Gesellschaft. Damals bestand eine so heftige und bittere Feindschaft zwischen den Menschen, dass selbst ein normaler Umgang nicht infrage kam. Weder trafen sie sich, noch berieten sie miteinander. Durch die Kraft der Lehren Bahá’u’lláhs kam es zu den wunderbarsten Erfolgen. Er beseitigte Vorurteile und Hass aus den Herzen der Menschen und verwandelte ihre Einstellung zueinander so sehr, dass heute in Persien vollkommenes Einvernehmen zwischen ehemals fanatischen Religionsanhängern, unterschiedlichen Sekten und verschiedenen Gesellschaftsschichten herrscht. Das war eine große Leistung, denn Bahá’u’lláh musste schwere Herausforderungen, große Schwierigkeiten und brutale Verfolgung erdulden. Er wurde ins Gefängnis gesperrt, gefoltert und schließlich aus Seinem Heimatland verbannt. Frohgemut ertrug Er jede Qual und alles, was Ihm zugefügt wurde. Während Er von Land zu Land verbannt wurde, war es Ihm bis zu Seinem Hinscheiden möglich, Seine Lehren zu verkünden, sogar aus dem Gefängnis. Wohin auch immer Seine Unterdrücker Ihn trieben, hisste Er die Standarte des Einsseins der Menschenwelt und verkündete die Prinzipien der Einheit der Menschheit. Einige dieser Prinzipien sind folgende: Erstens haben alle Menschen die Pflicht, die Wahrheit zu erforschen. Solchen Untersuchungen sollten alle zustimmen und einig sein, denn die Wahrheit, also die Wirklichkeit, ist nicht vielfach – sie ist nicht teilbar. Den verschiedenen Religionen liegt eine einzige Wahrheit zugrunde, deshalb ist ihre Wirklichkeit eine.44:3Jede der göttlichen Religionen enthält zweierlei Arten von Geboten. Die ersten betreffen die geistige Empfänglichkeit, die Entwicklung der ethischen Grundsätze und die Sensibilisierung des menschlichen Gewissens. Sie sind wesentlich und grundlegend, die gleichen in allen Religionen, unveränderlich und ewig – eine Wirklichkeit, die keiner Veränderung unterworfen ist. Abraham war der Vorbote dieser Wahrheit, Moses hat sie verkündet, und Jesus Christus hat sie in der Menschenwelt verankert. Alle göttlichen Propheten und Boten waren die Werkzeuge und Kanäle derselben ewigen, wesentlichen Wahrheit.44:4Die zweite Art von Geboten in den göttlichen Religionen bezieht sich auf die materiellen Belange der Menschheit. Sie sind die auf das Stoffliche bezogenen oder zweitrangigen Gesetze, die sich mit jeder neuen Offenbarung ändern können, entsprechend den Erfordernissen der Zeit, den Lebensbedingungen und der unterschiedlichen Aufnahmefähigkeit der Menschheit. Beispielsweise offenbarte Moses Seinerzeit zehn Gesetze hinsichtlich Mordes. Diese Gesetze standen im Einklang mit den Erfordernissen jener Zeit. Andere von Moses erlassene Gesetze sahen drastische Strafen vor – Auge um Auge, Zahn um Zahn. Die Strafe für Diebstahl war das Abtrennen der Hand. Diese Gesetze und Strafen entsprachen der Stufe des jüdischen Volkes, das zu jener Zeit in der Wildnis und der Wüste unter Bedingungen lebte, unter denen Strenge notwendig und gerechtfertigt war. Aber zur Zeit Jesu Christi war diese Art von Gesetzen nicht angebracht; darum hob Christus die Gebote von Moses auf und ersetzte sie.
weiter nach unten ...