‘Abdu’l-Bahá | Die Verkündigung des Weltfriedens
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5:5
Der Mensch braucht zwei Flügel. Der eine Flügel besteht aus körperlicher Kraft und materieller Zivilisation; der andere besteht aus geistiger Kraft und göttlicher Kultur. Mit nur einem Flügel ist das Fliegen unmöglich. Zwei Flügel sind notwendig. Deshalb kann die materielle Zivilisation, wie sehr sie auch voranschreitet, nur durch den Aufschwung der geistigen Kultur zur Vollkommenheit gelangen.
5:6
Alle Propheten sind gekommen, um göttliche Gaben zu verbreiten, um eine geistige Kultur zu stiften und ethische Grundsätze zu lehren. Wir müssen uns darum mit ganzer Kraft bemühen, dass geistige Einflüsse den Sieg erringen mögen. Denn materielle Kräfte haben die Menschheit angegriffen. Die Menschenwelt ist in einem Meer des Materialismus versunken. Die Strahlen der Sonne der Wahrheit werden wie durch trübe Gläser nur schwach und dunkel wahrgenommen. Die durchdringende Kraft der göttlichen Gnade offenbart sich nicht vollständig.
5:7
In Persien gab es zwischen den verschiedenen Religionen und Sekten heftige Differenzen. Bahá’u’lláh erschien in jenem Land und stiftete eine geistige Kultur. Er stellte die Verbindung zwischen den verschiedenen Völkern her, förderte die Einheit der Menschheit und entfaltete das Banner des Größten Friedens. Er schrieb besondere Sendbriefe über diese Zusammenhänge an alle Könige und Herrscher der Völker. Vor sechzig Jahren übermittelte Er den politischen Führern und den hohen geistlichen Würdenträgern der Welt Seine Botschaft. Daher schreitet die geistige Kultur im Orient voran und Schritt für Schritt werden die Einheit der Menschheit und der Frieden zwischen den Völkern erreicht. Jetzt sehe ich, dass von Amerika eine starke Bewegung für den Weltfrieden ausgeht. Ich hoffe, dass dieses Banner der Einheit der Menschheit mit äußerster Entschlossenheit gehisst wird, sodass Orient und Okzident vollständig versöhnt werden und in eine vollendete Wechselbeziehung treten; dass die Herzen im Osten und im Westen vereint und zueinander hingezogen werden; dass sich echte Einheit offenbart; dass das Licht der Führung scheint; dass der göttliche Strahlenglanz Tag für Tag zu sehen ist, damit die Menschheit völlige Ruhe findet; dass das immerwährende Glück des Menschen offenbar wird und die Herzen der Völker der Welt wie Spiegel werden, die die Strahlen der Sonne der Wahrheit wiedergeben. Daher meine Bitte, dass durch Ihr Bemühen das Licht der Wahrheit leuchte und die ewige Glückseligkeit der Menschenwelt sichtbar werde.
5:8
Ich werde für Sie beten, dass Sie dieses ewig währende Glück erlangen. Als ich in dieser Stadt ankam, war ich sehr glücklich, denn ich nahm wahr, dass die Menschen hier für göttliche Gaben empfänglich und der himmlischen Kultur würdig sind. Ich bete darum, dass Sie in den Genuss aller barmherzigen Gaben gelangen mögen.
5:9
O Allmächtiger! O Gott! O Du Mitleidvoller! Dein Diener ist aus den fernen Gegenden des Ostens in die Regionen des Westens geeilt, damit der Duft Deiner Gaben hier alle Sinne umschmeichelt; damit die Brise des Rosengartens der Führung über diese Städte weht; damit die Menschen die Fähigkeit erlangen, Deine Gunst zu empfangen; damit die Herzen sich an Deiner frohen Botschaft erfreuen; damit die Augen das Licht der Wahrheit erblicken; damit die Ohren auf den Ruf des Königreichs hören. O Allmächtiger! Erleuchte die Herzen. O gütiger Gott! Lass jeden Rosengarten und jede Aue diese Seelen beneiden. O unvergleichlicher Geliebter! Lass den Wohlgeruch Deiner Gaben herbeiwehen. Lass das Licht des Mitgefühls erstrahlen, damit die Herzen gereinigt und geläutert werden und damit sie Deiner Ermutigung teilhaftig werden. Wahrlich, diese Versammlung strebt nach Deinem Pfad, sucht Dein Geheimnis, erblickt Dein Antlitz und sehnt sich danach, durch Deine Eigenschaften gekennzeichnet zu werden.
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O Allmächtiger! Gewähre uns grenzenlose Gaben. Verleihe uns Deinen unerschöpflichen Schatz, sodass diese Hilflosen stark werden.
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Wahrlich, du bist der Gütige. Du bist der Freigebige. Du bist der Allwissende, der Allmächtige.
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14. April 1912
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Ansprache beim Unionstreffen des Advanced Thought Centers
Carnegie Lyceum
West Fifty-seventh Street, New York
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Aufzeichnungen von Mountfort Mills und Howard MacNutt
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Ich bin aus fernen Landen gekommen, um Treffen und Versammlungen in diesem Land zu besuchen. Bei jedem Treffen sehe ich, wie sich Menschen versammeln, die einander lieben; darüber bin ich sehr froh. Das Band der Einheit zeigt sich heute in dieser Versammlung, in der die Macht Gottes diejenigen in Glaube, Einigkeit und Eintracht zusammengeführt hat, die sich für die Fortentwicklung der Menschheit einsetzen. Ich hoffe, die gesamte Menschheit wird in gleicher Weise durch das Band der Liebe und Eintracht vereint. Einheit ist der Ausdruck der liebevollen Macht Gottes und spiegelt die Wirklichkeit des Göttlichen wider. Sie erstrahlt an diesem Tag durch das Licht, das der Menschheit geschenkt wird.
6:2
Überall im Universum erstrahlt die göttliche Macht in unendlichen Formen und Ausdrucksweisen. Die Schöpfung, die Menschenwelt, kann mit der Erde selbst verglichen werden, und die göttliche Kraft entspricht der Sonne. Diese Sonne scheint auf die ganze Menschheit. In der endlosen Vielfalt ihres Widerscheins manifestiert sich der göttliche Wille. Bedenken Sie, wie alle die Freigebigkeit derselben Sonne empfangen. Allenfalls gibt es einen Unterschied in der Intensität, denn das Strahlen ist ein einziges Strahlen – das eine Licht, das aus der Sonne hervorgeht. Dies wird die Einheit der Menschheit zum Ausdruck bringen. Der Staat, also die gesellschaftliche Einheit der Menschenwelt, kann mit einem Ozean verglichen werden, und jeder Teil, jede Einzelperson ist wie eine Welle dieses Ozeans.
6:3
Das Licht der Sonne erscheint in jedem Objekt entsprechend seiner Aufnahmefähigkeit. Der Unterschied liegt einfach in der Intensität und in der Empfänglichkeit. Der Stein kann nur begrenzt Empfänger sein, während etwas anderes Erschaffenes wie ein Spiegel sein kann, in dem die Sonne vollständig reflektiert wird – doch auf beide scheint dasselbe Licht.
6:4
Das Wichtigste ist, die Spiegel der Herzen so zu polieren, dass sie erleuchtet und für das göttliche Licht empfänglich werden. Das eine Herz mag die Fähigkeit des polierten Spiegels besitzen, ein anderes vom Staub und Schmutz dieser Welt bedeckt und trüb sein. Obwohl dieselbe Sonne auf beide scheint, kann man in dem polierten, reinen und geheiligten Spiegel die Sonne in ihrer ganzen Fülle, Herrlichkeit und Macht erblicken, wie sie ihre Majestät und ihren Strahlenglanz offenbart. Aber ein rostiger, trüber Spiegel hat kein Reflexionsvermögen, obwohl die Sonne selbst keineswegs schwächer oder eingeschränkt auf ihn scheint. Darum müssen wir danach trachten, die Spiegel unserer Herzen zu polieren, damit wir dieses Licht reflektieren und Empfänger der göttlichen Gnadengaben werden, die sich so gänzlich offenbaren können.
6:5
Dies bedeutet die Einheit der Menschenwelt. Das heißt, wenn dieses menschliche Staatswesen einen Zustand völliger Einheit erreicht, wird der Glanz der ewigen Sonne die ganze Fülle ihres Lichtes und ihrer Wärme offenbaren. Darum dürfen wir keine Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedern der Menschheitsfamilie machen. Wir dürfen niemanden als nutzlos oder unzulänglich betrachten. Wir haben die Pflicht, für die Bildung und Erziehung der Menschen zu sorgen, sodass die Sonne der Gaben Gottes in ihnen erstrahlt, und dies wird durch die Macht der Einheit der Menschheit möglich. Je mehr Liebe unter den Menschen zum Ausdruck kommt und je stärker die Macht der Einheit ist, desto umfassender wird diese Spiegelung und Offenbarung sein, denn die größte Gabe Gottes ist die Liebe. Liebe ist der Ursprung aller Gaben Gottes. Solange die Liebe nicht vom Herzen Besitz ergreift, kann sich keine andere göttliche Gabe darin offenbaren.
6:6
Alle Propheten setzten sich dafür ein, in den Herzen der Menschen Liebe entstehen zu lassen. Jesus Christus strebte danach, diese Liebe in den Herzen hervorzubringen. Er ertrug alle Schwierigkeiten und Qualen, damit des Menschen Herz zur Quelle der Liebe werde. Darum sollten auch wir mit ganzem Herzen und ganzer Seele danach streben, dass diese Liebe von uns Besitz ergreift, sodass die ganze Menschheit, ob im Osten oder Westen, durch dieses Band göttlicher Liebe verbunden wird, denn wir alle sind die Wellen eines einzigen Meeres. Wir wurden alle durch dieselbe Gabe erschaffen und werden vom selben Mittelpunkt beschenkt. Die irdischen Lichter sind alle annehmbar, aber der Mittelpunkt des Glanzes ist die Sonne, und wir müssen unseren Blick auf die Sonne richten. Gott ist der alles überragende Mittelpunkt. Je mehr wir uns diesem Mittelpunkt des Lichtes zuwenden, desto größer wird unsere Aufnahmefähigkeit sein.
6:7
Im Orient gab es große Unterschiede zwischen Völkern verschiedener Hautfarbe und Herkunft. Sie hassten einander, und sie pflegten keinen Umgang miteinander. Etliche Sekten standen einander feindlich und unversöhnlich gegenüber. Die verschiedenen Menschen befanden sich in ständigem Krieg und Streit. Vor ungefähr sechzig Jahren erschien Bahá’u’lláh im Orient. Er sorgte dafür, dass sich Liebe und Einheit zwischen diesen verfeindeten Völkern zeigten. Er einte sie mit dem Band der Liebe. Ihr früherer Hass und ihre Feindseligkeit legten sich, stattdessen herrschten Liebe und Einheit. Die Welt war dunkel – nun begann sie zu strahlen. Ein neuer Frühling erschien durch Ihn, denn die Sonne der Wahrheit war wieder aufgegangen. Auf den Feldern und Wiesen der Menschenherzen erblühten bunte Blumen innerer Bedeutung und die guten Früchte des Reiches Gottes wurden offenbar.
6:8
Ich bin mit folgendem Auftrag hierhergekommen: Durch Ihre Bemühungen, durch Ihre himmlische Ethik, durch Ihre hingebungsvollen Bemühungen möge ein vollkommenes Band der Einheit und Liebe zwischen dem Osten und dem Westen geknüpft werden, sodass die Gaben Gottes auf alle herabkommen und alle als Teil desselben Baumes angesehen werden mögen – des großen Baumes der menschlichen Familie. Denn die Menschheit kann mit den Zweigen, Blättern, Blüten und Früchten dieses Baumes verglichen werden.
6:9
Die Gunstbezeigungen Gottes sind unendlich und grenzenlos. Endlose Gnadengaben umgeben die Welt. Wir müssen den Gaben Gottes nacheifern, und so wie jede von ihnen – wie etwa die Gabe des Lebens – alle umgibt und umfasst, müssen auch wir verbunden und miteinander verwoben sein, bis jeder Teil zum Ausdruck des Ganzen wird.
6:10
Stellen Sie sich vor, wir pflanzen einen Samen. Daraus entsteht ein vollständiger und vollkommener Baum, und aus jedem Samen dieses Baumes kann ein weiterer Baum entstehen. Darum ist der Teil ein Ausdruck des Ganzen, denn dieser Same war ein Teil des Baumes, aber darin war der ganze Baum als Möglichkeit vorhanden. So kann jeder von uns die Fülle der Gaben des Lebens für die Menschheit sichtbar machen und verkörpern. Das ist die Einheit der Menschheit. Das ist die Gabe Gottes. Das ist das Glück der Menschenwelt und die Offenbarung göttlicher Gunst.
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15. April 1912
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Ansprache im Haus von Mountfort Mills
327 West End Avenue, New York
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Zusammengestellt aus stenografischen Notizen von Howard MacNutt
7:1
Vor einigen Tagen kam ich direkt aus Alexandria nach New York. Eine frühere Reise führte mich nach Europa, wo ich Paris und London besuchte. Paris ist der äußeren Erscheinung nach überaus schön. Die materielle Zivilisation ist dort sehr stark ausgeprägt, aber die geistige Kultur liegt weit zurück. Ich sah die Bewohner dieser Stadt in einem Meer des Materialismus versunken und darin ertrinken. Ihre Gespräche und Diskussionen drehten sich nur um natürliche und physikalische Phänomene, die Erwähnung Gottes spielte dabei keine Rolle. Ich war sehr erstaunt. Die meisten Gelehrten, Professoren und Gebildeten erwiesen sich als Materialisten. Ich sagte zu ihnen: »Ich bin überrascht und erstaunt, dass Menschen mit solchem Scharfblick und offensichtlichem Wissen immer noch Gefangene der Natur sind und die offensichtliche Wahrheit nicht erkennen.«
7:2
Die Erscheinungswelt unterliegt vollständig der Herrschaft und Kontrolle der Naturgesetze. Diese Myriaden von Sonnen, Planeten und Himmelskörpern im endlosen Raum sind alle Gefangene der Natur. In keinem Punkt oder Bereich können sie von den unveränderlichen Gesetzen abweichen, die das stoffliche Universum regieren. Die Sonne in ihrer gewaltigen Größe, der Ozean in seiner Weite sind nicht in der Lage, diesen universellen Gesetzen zuwiderzuhandeln. Alle Wesen in der Erscheinungswelt – die Pflanzen in ihrem Reich, sogar die Tiere trotz ihrer Intelligenz – sind der Natur untergeben und ihr ausgeliefert. Alle leben innerhalb der Grenzen der Naturgesetze, und die Natur ist Herrscher über alles, mit Ausnahme des Menschen. Der Mensch ist kein Gefangener der Natur, denn obwohl er nach dem Naturgesetz ein Lebewesen der Erde ist, führt er Schiffe über den Ozean, fliegt in Flugzeugen durch die Luft und taucht mit U-Booten hinab. Er hat also die Naturgesetze überwunden und sie seinen Wünschen unterworfen. Er schließt zum Beispiel in eine Glühlampe die unbegrenzte Naturenergie ein, die wir Elektrizität nennen – eine materielle Kraft, die Berge spalten kann – und gebietet ihr, ihm Licht zu geben. Er nimmt die menschliche Stimme zu seinem Nutzen und Vergnügen im Phonographen auf. Seinem natürlichen Leistungsvermögen zufolge sollte der Mensch nur über eine geringe Entfernung kommunizieren können, aber indem er die Beschränkungen der Natur überwindet, kann er räumliche Entfernungen aufheben und telefonische Nachrichten über Tausende von Kilometern senden. Alle Wissenschaften, Künste und Entdeckungen waren Naturgeheimnisse und nach dem Naturgesetz sollten diese Geheimnisse versteckt und verborgen bleiben, aber dem Menschen ist es gelungen, dieses Gesetz auszuhebeln, sich von dieser Regel zu befreien und alles in das Reich des Sichtbaren zu holen. Er ist also der Herrscher und Befehlshaber der Natur. Der Mensch besitzt Verstand – die Natur nicht. Der Mensch besitzt Willen – die Natur nicht. Der Mensch besitzt Erinnerungsvermögen – die Natur nicht. Der Mensch besitzt Denkvermögen – die Natur ist davon ausgeschlossen. Der Mensch besitzt die Wahrnehmungsfähigkeit – die Natur kann nicht wahrnehmen. Es ist also klar bewiesen, dass der Mensch erhabener als die Natur ist.
7:3
Wenn wir der Annahme zustimmen, dass der Mensch lediglich ein Teil der Natur ist, müssen wir uns mit einer unlogischen Aussage auseinandersetzen, denn dies wäre gleichbedeutend mit der Behauptung, ein Teil könne Eigenschaften besitzen, die dem Ganzen fehlen. Denn der Mensch, der ein Teil der Natur ist, besitzt Wahrnehmung, Intelligenz, Gedächtnis, bewusstes Nachdenken und Empfänglichkeit, während die Natur selbst keine dieser Eigenschaften besitzt. Wie ist es dem Teil möglich, Eigenschaften oder Fähigkeiten zu besitzen, die dem Ganzen fehlen? Die Wahrheit ist, dass Gott dem Menschen gewisse Kräfte gegeben hat, die über die Naturgesetze hinausreichen. Wie kann dann der Mensch als Gefangener der Natur angesehen werden? Beherrscht und kontrolliert er die Natur nicht zunehmend zu seinem eigenen Nutzen? Ist er nicht nahezu göttlich in Bezug auf die Natur? Könnten wir sagen, die Natur sei blind, die Natur könne nicht wahrnehmen, die Natur habe keinen Willen und sei nicht lebendig, und dann den Menschen auf die Natur und ihre Begrenzungen herabstufen? Wie können wir auf diese Frage antworten? Wie werden die Materialisten und gelehrten Atheisten eine solche Annahme beweisen und unterstützen? Tatsächlich unterwerfen sie selbst die Naturgesetze ihren eigenen Wünschen und Zielen. Damit ist der Nachweis erbracht, dass es im Menschen eine Fähigkeit gibt, die jenseits der Grenzen der Natur liegt, und diese Fähigkeit ist eine Gabe Gottes.
7:4
In New York treffe ich auf Menschen mit größerer geistiger Empfänglichkeit. Sie sind nicht bloß Gefangene unter der Herrschaft der Natur; sie erheben sich über die Fesseln und die Last der Gefangenschaft. Aus diesem Grund bin ich sehr glücklich und hoffnungsvoll, dass die menschlichen Tugenden, so Gott will, in diesem bevölkerungsreichen Land, auf diesem riesigen Kontinent des Westens erstrahlen, dass die weltumspannende Macht der menschlichen Einheit, die Liebe Gottes, die Herzen entzündet, und dass der internationale Frieden seine Banner hisst und von hier aus alle anderen Regionen und Länder beeinflusst. Das ist meine Hoffnung.
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16. April 1912
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Ansprache im Hotel Ansonia vor Bahá’í-Freunden aus New Jersey.
Broadway and Seventy-third Street, New York
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Aufzeichnungen von Aḥmad Sohráb
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Menschen aus Ost und West wurden hier durch die Macht des Heiligen Geistes zusammengebracht. Durch materielle Mittel allein wäre eine solche Versammlung unmöglich. Ein solches Treffen hat es in New York noch nie gegeben, denn hier sind heute Abend Menschen aus fernen Weltgegenden mit den Menschen Amerikas in größter Liebe und geistiger Einheit verbunden. Das ist nur durch die Macht Gottes möglich. Vor neunzehnhundert Jahren erschien Christus in dieser Welt, um Bande der Einheit und Liebe zwischen den verschiedenen Völkern und unterschiedlichen Gemeinschaften zu knüpfen. Er verschmolz das Wissen Roms mit der Pracht griechischer Kultur. Er erreichte auch den Zusammenschluss des Assyrischen Reiches mit der Macht Ägyptens. Diese Völker in Einheit, Liebe und Eintracht zusammenzuführen, war unmöglich gewesen, aber Christus hat dies durch göttliche Macht zwischen den Menschenkindern vollbracht.
8:2
Heute begegnen wir viel größeren Schwierigkeiten, wenn wir versuchen, die Einheit von Orient und Okzident herzustellen. Bahá’u’lláh hat durch die Macht des Himmels den Osten und den Westen zusammengebracht. Schon bald werden wir erkennen, dass sie durch die Macht Gottes fest miteinander verbunden sind. Die Einheit der Menschheit wird das Banner der Eroberung ersetzen und alle Gemeinschaften der Erde werden sich in ihrem Schutz versammeln. Es wird kein Land mehr geben, das so trennende und einschränkende Grenzen wie etwa Persien hat. Die Vereinigten Staaten von Amerika werden nur noch als Name bekannt sein. Deutschland, Frankreich, England, die Türkei, Arabien – alle diese verschiedenen Nationen werden in Einheit verbunden sein. Wenn die Menschen in der Zukunft gefragt werden: »Zu welchem Land gehörst du?« wird die Antwort lauten: »Zum Land der Menschheit. Ich lebe unter dem Schatten Bahá’u’lláhs. Ich bin der Diener Bahá’u’lláhs. Ich gehöre zur Armee des Größten Friedens.« Die Menschen der Zukunft werden nicht sagen: »Ich gehöre dem englischen, französischen oder persischen Volk an«; denn alle werden Angehörige einer weltumfassenden Nation sein – dieser einen Familie, dieses einen Landes, dieser einen Menschheit – und dann werden Kriege, Hass und Streit vergehen.
8:3
Bahá’u’lláh erschien in einem Land, das Mittelpunkt von Vorurteilen war. In diesem Land gab es viele verschiedene Gemeinschaften, Religionen, Sekten und Konfessionen. Zwischen ihnen herrschten alle erdenklichen Feindseligkeiten vergangener Jahrhunderte. Sie waren bereit, einander zu töten. Sie betrachteten das Töten Andersgläubiger als einen Akt des Gottesdienstes. Bahá’u’lláh stellte derartige Einheit und Eintracht zwischen diesen verschiedenen Gemeinschaften her, dass wir jetzt die größte Liebe und Freundschaft zwischen ihnen erleben.
8:4
Heute sehnen sich die Bahá’í des Ostens aus tiefstem Herzen danach, euch von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Ihre größte Hoffnung und ihr größter Wunsch ist, dass der Tag komme, an dem sie sich mit euch an einem Ort versammeln. Bedenkt die Kraft, die diesen wunderbaren Wandel vollbracht hat.
8:5
Der Körper der Menschheit ist krank. Seine Arznei und Heilung wird die Einheit der Menschheit sein. Sein Leben ist der Größte Frieden. Seine Erleuchtung und Belebung ist die Liebe. Sein Glück ist das Erlangen geistiger Vollkommenheit. Es ist mein Wunsch und meine Hoffnung, dass wir in den Gaben und Gunstbezeugungen der Gesegneten Vollkommenheit neues Leben finden, daraus neue Kraft schöpfen und Zugang zu einer wunderbaren, überragenden Energiequelle erhalten, sodass der gottgewollte größte Frieden auf Grundlage der Verbundenheit der Menschheit mit Gott errichtet wird. Möge die Liebe Gottes von dieser Stadt, von diesem Treffen aus in alle umliegenden Länder verbreitet werden. Nein, möge Amerika zu einem Mittelpunkt werden, von dem aus sich die geistige Erleuchtung verbreitet und die ganze Welt diesen himmlischen Segen empfängt! Denn Amerika hat größere und wunderbarere Kräfte und Fähigkeiten entwickelt als andere Nationen. Es stimmt zwar, dass dieses Volk eine wunderbare materielle Zivilisation aufgebaut hat, aber ich hoffe, dass geistige Kräfte diesen großen Staatskörper beleben und eine entsprechende geistige Kultur hervorbringen werden. Mögen die Bewohner dieses Landes wie Engel des Himmels werden, deren Antlitz fortwährend auf Gott gerichtet ist. Mögen sie alle zu Dienern des Allmächtigen werden. Mögen sie sich über ihre gegenwärtigen materiellen Errungenschaften hinaus zu solchen Höhen erheben, dass aus diesem Mittelpunkt allen Völkern der Welt himmlische Erleuchtung zuströmt.
8:6
Das göttliche Jerusalem ist vom Himmel herabgekommen. Die Braut Zions ist erschienen. Die Stimme des Reiches Gottes wurde erhoben. Möget ihr höchste Befähigung und magnetische Anziehungskraft in diesem Reich der Macht und Kraft erlangen. Möget ihr neue Energie und wunderbare Ergebnisse hervorbringen, denn Gott ist euer Beistand und Helfer. Der Odem des Heiligen Geistes ist euer Tröster, und die Engel des Himmels umgeben euch. Ich wünsche euch diese Kraft. Seid versichert, dass diese himmlischen Gnadengaben euch jetzt beschirmen.
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