‘Abdu’l-Bahá | Die Verkündigung des Weltfriedens
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71:10
Und so sprachen sie in schändlicher Weise über Ihn.
71:11
Da nun die Juden im Meer überkommener Nachahmungen versunken waren, konnten sie die Bedeutung dieser Prophezeiungen nicht verstehen. All die Worte der Propheten waren erfüllt, aber da die Juden hartnäckig an überlieferten Auslegungen festhielten, verstanden sie die tieferen Bedeutungen der Heiligen Schrift nicht; darum wiesen sie Jesus Christus, den Messias, zurück. Der Sinn der prophetischen Worte lag nicht in der äußeren oder wörtlichen Bedeutung, sondern in der inneren symbolischen Bedeutung. Es wurde ja zum Beispiel vorausgesagt, dass der Messias von einem unbekannten Ort kommen sollte. Dies bezog sich nicht auf den Ort der körperlichen Geburt Jesu. Es bezieht sich auf das Wesen Christi, das heißt, dass die Wirklichkeit Christi aus dem unsichtbaren Reich erscheinen sollte; denn die göttliche Wirklichkeit Christi ist erhaben und geheiligt über jeden Ort.
71:12
Sein Schwert sollte ein eisernes Schwert sein. Das bezog sich auf Seine Zunge, die Wahres von Falschem scheiden sollte; mit diesem mächtigen Schwert sollte Er das Reich der Herzen erobern. Er eroberte nicht durch die physische Kraft eines eisernen Stabes – Er eroberte den Osten und den Westen mit dem Schwert Seiner Rede.
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Er saß auf dem Throne Davids, aber Seine Herrschaft war weder die Herrschaft eines Napoleon noch das vergängliche Reich eines Pharao. Das Königreich Christi war unvergänglich und ewig im Himmel des göttlichen Willens.
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Mit der Verkündigung der Gesetze der Bibel war die Wahrheit des mosaischen Gesetzes gemeint. Das Gesetz des Sinai ist die Grundlage der christlichen Wahrheit. Christus verkündete es und verlieh ihm eine höhere, geistige Ausprägung.
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Er eroberte und unterwarf den Osten und den Westen. Seine Eroberung erfolgte durch den Odem des Heiligen Geistes, der alle Grenzen beseitigte und von allen Horizonten erstrahlte.
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Gemäß der Prophezeiung sollten an Seinem Tag Wolf und Lamm aus derselben Quelle trinken. Das wurde in Christus verwirklicht. Die Quelle, auf die Bezug genommen wurde, war das Evangelium, aus dem das Wasser des Lebens sprudelt. Wolf und Lamm sind gegensätzliche und verfeindete Völker, die durch diese Tiere symbolisiert werden. Ein Zusammenschluss und Umgang miteinander waren unmöglich; aber als sie an Jesus Christus glaubten, wurden sie, die früher wie Wölfe und Lämmer waren, durch die Worte des Evangeliums vereint.
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Damit ist klar, dass der Sinn aller Prophezeiungen komplett erfüllt wurde; aber weil die Juden in überlieferten Nachahmungen gefangen waren und die wirkliche Bedeutung dieser Worte nicht verstanden, wiesen sie Christus zurück, ja, sie gingen so weit, Ihn zu kreuzigen. Sehen Sie nur, wie schädlich Nachahmung ist. Weil die Juden an diesen von Vätern und Vorfahren überlieferten Auslegungen festhielten, blieben sie ausgeschlossen.
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Es ist also klar, dass wir alle derartigen Nachahmungen und Glaubensvorstellungen aufgeben müssen, damit wir diesen Fehler nicht wiederholen. Wir müssen die Wahrheit erforschen, selbstsüchtige Vorstellungen ablegen und Gerüchte aus unserem Denken verbannen. Die Juden betrachten Christus als Moses Feind, während Christus im Gegenteil Moses Wort vorangebracht hat. Er verbreitete den Namen Moses überall in Ost und West. Er verkündete Moses Lehren. Wäre Christus nicht gewesen, ihr hättet den Namen Moses niemals gehört, und wäre die messianische Offenbarung nicht in Christus erschienen, hätten wir das Alte Testament nicht erhalten.
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Die Wahrheit ist, dass Christus das mosaische Gesetz erfüllt und Moses in jeder Hinsicht anerkannt hat; aber die Juden, verblendet von Nachahmungen und Vorurteilen, betrachteten Ihn als Moses Feind.
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Zu den großen religiösen Systemen der Welt gehört der Islám. Etwa dreihundert Millionen Menschen gehören ihm an. Seit über tausend Jahren gibt es Feindschaft und Streit zwischen Muslimen und Christen aufgrund von Missverständnissen und geistiger Blindheit. Wenn Vorurteile und Verfälschungen aufgegeben würden, gäbe es keinerlei Feindschaft zwischen ihnen, und diese hunderte Millionen zerstrittenen Religionsanhänger würden die Menschenwelt mit ihrer Einheit schmücken.
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Ich möchte Sie jetzt auf einen sehr wichtigen Punkt aufmerksam machen. Alle Anhänger des Islám betrachten den Qur’án als das Wort Gottes. In diesem heiligen Buch findet man eindeutige Texte – keine bloßen Überlieferungen –, die besagen, dass Christus das Wort Gottes war, dass Er der Geist Gottes war, dass Jesus Christus durch den lebensspendenden Odem des Heiligen Geistes in diese Welt kam und dass Maria, Seine Mutter, rein und heilig war. Im Qur’án ist ein ganzes Kapitel der Geschichte Jesu gewidmet. Dort wird berichtet, dass Er in Seiner Jugend im Tempel in Jerusalem Gott anbetete, dass Manna vom Himmel fiel, um Ihn zu speisen, und dass Er schon unmittelbar nach Seiner Geburt einige Worte sprach. Kurzum, im Qur’án gibt es eine Lobpreisung und Huldigung Christi, wie ihr sie im Evangelium nicht findet. Das Evangelium berichtet nicht, dass das Kind Jesus gleich nach der Geburt sprach oder dass Gott für Ihn Nahrung vom Himmel fallen ließ, aber im Qur’án wird wiederholt dargetan, dass Gott Ihm Tag für Tag Manna als Speise herabsandte. Ferner ist es sehr bezeichnend und aufschlussreich, dass Muḥammad, als Er Sein Werk und Seine Sendung verkündete, Seinen eigenen Anhängern als erstes entgegenhielt: »Warum habt ihr nicht an Jesus Christus geglaubt? Warum habt ihr das Evangelium nicht angenommen? Warum habt ihr nicht an Moses geglaubt? Warum habt ihr die Vorschriften des Alten Testaments nicht befolgt? Warum habt ihr die Propheten Israels nicht verstanden? Warum habt ihr den Jüngern Christi nicht geglaubt? Die erste Pflicht, o Araber, die euch obliegt, ist es, all das anzunehmen und daran zu glauben. Ihr müsst Moses als Propheten ansehen. Ihr müsst Jesus Christus als das Wort Gottes annehmen. Ihr müsst das Alte und das Neue Testament als Wort Gottes anerkennen. Ihr müsst an Jesus Christus als Frucht des Heiligen Geistes glauben.« Sein Volk antwortete: »O Muḥammad! Wir wollen Gläubige werden, obwohl unsere Väter und Vorfahren Ungläubige waren und wir auf sie stolz sind. Sage uns, was aus ihnen wird.« Muḥammad antwortete: »Ich sage euch, sie haben ihren Platz in der tiefsten Hölle, weil sie nicht an Moses und Christus glaubten und weil sie die Bibel nicht annahmen; und obwohl sie Meine eigenen Vorfahren sind, befinden sie sich in der Trostlosigkeit der Hölle.« So steht es im Qur’án; das ist keine Geschichte oder Überlieferung, sondern aus dem Qur’án selbst, den die Menschen in Händen halten. Somit ist klar, dass Unwissenheit und Missverständnisse so viel Krieg und Streit zwischen Christen und Muslimen verursachten. Wenn beide Seiten die ihren religiösen Überzeugungen zugrunde liegende Wahrheit erforschten, ergäben sich Einheit und Übereinstimmung; Streit und Erbitterung würden ein für alle Mal vergehen und die Menschheit würde Ruhe und Frieden finden. Man muss bedenken, dass es zweihundertfünfzig Millionen Christen und dreihundert Millionen Muslime gibt. Wie viel Blut ist in ihren Kriegen geflossen! Wie viele Länder wurden zerstört! Wie viele Kinder verloren ihren Vater! Wie viele Väter und Mütter beweinten den Verlust ihrer Kinder und Lieben! All das geschah aufgrund von Vorurteilen, Missverständnissen und dem Nachahmen überkommener Vorstellungen, ohne dass je die Wahrheit erforscht wurde. Wären die Heiligen Bücher richtig verstanden worden, es hätte weder diese Zwietracht noch diesen Kummer gegeben; stattdessen hätten Liebe und Gemeinschaft geherrscht. Das gilt auch für alle anderen Religionen. Die Umstände, die ich schilderte, treffen gleichermaßen auf alle zu. Der wesentliche Zweck der Religion Gottes ist, Einheit zwischen den Menschen zu schaffen. Die göttlichen Manifestationen schufen die Mittel und Wege für Gemeinschaft und Liebe. Sie kamen nicht, um Zwietracht, Streit und Hass in der Welt zu stiften. Die Religion Gottes ist die Ursache von Liebe, aber wenn sie zur Quelle von Feindschaft und Blutvergießen gemacht wird, ist ihr Nichtvorhandensein sicherlich ihrem Vorhandensein vorzuziehen, denn dann wird sie satanisch, schädlich und ein Hindernis für die Menschenwelt.
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Im Orient befanden sich die verschiedenen Völker und Nationen in einem Zustand von Feindschaft und Streit und begegneten einander mit größter Feindseligkeit und Hass. Dunkelheit umfing die Menschenwelt. In einer solchen Zeit kam Bahá’u’lláh. Er beseitigte all die Nachahmungen und Vorurteile, die zu Trennung und Missverständnissen geführt hatten, und legte den Grundstein für die eine Religion Gottes. Als dies erreicht war, schlossen sich Muslime, Christen, Juden, Zoroastrier und Buddhisten in wahrer Gemeinschaft und Liebe zusammen. Die Anhänger Bahá’u’lláhs, gleich aus welchem Land, sind wie eine Familie geworden, leben in Einklang und Einigkeit und sind bereit, füreinander ihr Leben hinzugeben. Der Muslim wird sein Leben für den Christen geben, der Christ für den Juden und beide ihr Leben für den Zoroastrier. Sie leben in Liebe, Freundschaft und Einheit zusammen. Sie sind zur Wiedergeburt im Geiste Gottes gelangt. Sie wurden durch den Odem des Heiligen Geistes wiederbelebt und neu erschaffen. Preis sei Gott! Dieses Licht ist aus dem Osten gekommen und irgendwann wird es im Orient keine Zwietracht und keine Feindschaft mehr geben. Durch die Macht Bahá’u’lláhs werden alle vereint sein. Er hisste dieses Banner der Einheit der Menschheit im Gefängnis. Von zwei Königen in die Verbannung gezwungen, auf der Flucht vor Feinden aus allen Völkern, schrieb Er während Seiner langen Gefangenschaft mit Worten von wunderbarer Sprachgewalt an die Könige und Herrscher der Welt. Er tadelte sie aufs Schärfste und rief sie zum göttlichen Grundsatz der Einheit und Gerechtigkeit auf. Er ermahnte sie zum Frieden und zu internationaler Einigung und gebot ihnen, ein internationales Schiedsgericht zu schaffen: Von allen Nationen und Regierungen der Welt sollten Delegierte für einen Kongress der Nationen gewählt werden, der einen universellen Schiedsgerichtshof einsetzen sollte, um internationale Konflikte beizulegen. Er schrieb an Königin Victoria von Großbritannien, an den russischen Zaren, an den deutschen Kaiser, an Napoleon III. von Frankreich und andere und forderte sie zu Welteinheit und Frieden auf. Durch himmlische Macht war Er in der Lage, diese Ideale im Orient zu verbreiten. Könige konnten Ihn nicht daran hindern. Sie trachteten danach, Sein Licht auszulöschen, bewirkten aber nur, dass dessen Intensität und Leuchtkraft wuchsen. Im Gefängnis stellte Er sich gegen den Sháh von Persien und den Sulṭán der Türkei und verkündete Seine Lehren, bis Er das Banner der Wahrheit und die Einheit der Menschheit fest verankert hatte. Ich war vierzig Jahre lang mit Ihm gefangen, bis die Jungtürken des Komitees für Einheit und Fortschritt den Despoten ‘Abdu’l-Ḥamíd stürzten, ihn entthronten und die Freiheit ausriefen. Dieses Komitee befreite mich aus Tyrannei und Unterdrückung; sonst hätte ich bis ans Ende meiner Tage im Gefängnis bleiben sollen. Mit anderen Worten: Im Gefängnis war Bahá’u’lláh imstande, die Grundlagen des Friedens zu verkünden und zu verankern, obwohl zwei despotische Könige Seine Feinde und Unterdrücker waren. Der persische König, Náṣiri’d-Dín Sháh, ließ zwanzigtausend Bahá’í töten, Märtyrer, die absolut losgelöst, bereitwillig und freudig ihr Leben für ihren Glauben hingaben. Diese beiden mächtigen und tyrannischen Könige waren unfähig, einen Gefangenen aufzuhalten; dieser Gefangene hielt das Banner der Mitmenschlichkeit hoch und führte die Menschen des Orients zu Einvernehmen und Einheit. Im Osten leben heute nur diejenigen in Opposition und Feindschaft, die Bahá’u’lláh nicht gefolgt sind. Die Menschen, die Ihn als das Banner göttlicher Führung anerkannt haben, erfreuen sich in ihren Völkern eines Zustands wahrer Freundschaft und Liebe. Wenn Sie an einer Versammlung im Osten teilnehmen sollten, könnten Sie nicht zwischen Christen und Muslimen unterscheiden; Sie würden nicht wissen, wer Jude, Zoroastrier oder Buddhist war, so vollständig haben sie sich vereint und ihren religiösen Streit beigelegt. Sie verkehren miteinander in größter Liebe und in einer geistigen Atmosphäre, als gehörten sie zu einer einzigen Familie, als wären sie ein einziges Volk.
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17. Juni 1912
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Ansprache in der 309 West Seventy-Eighth Street, New York
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Aufzeichnungen von Emma C. Melick
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Wir alle sollten die Kranken besuchen. Wenn sie bekümmert sind und leiden, tut es ihnen ausgesprochen gut, von einem Freund besucht zu werden. Freude ist ein großartiges Heilmittel für die Kranken. Im Osten ist es üblich, den Patienten häufig aufzusuchen und ihn persönlich zu treffen. Die Menschen im Orient bringen Kranken und Leidenden größte Freundlichkeit und Mitgefühl entgegen. Das hat eine größere Wirkung als das Heilmittel selbst. Ihr müsst immer diese Gedanken der Liebe und Zuneigung hegen, wenn ihr die Kranken und Leidenden besucht.
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Mit der Menschenwelt ist es wie mit einem einzelnen Menschen; auch sie hat ihre Krankheiten und Gebrechen. Bei einem Patienten muss ein fähiger Arzt die Diagnose stellen. Die Propheten Gottes sind die wahren Ärzte. Zu welcher Zeit auch immer Sie erscheinen – Sie verordnen, was die menschlichen Lebensumstände erfordern. Sie kennen die Krankheiten, Sie erkennen ihre verborgenen Ursachen und verordnen das nötige Heilmittel. Wer immer durch dieses Mittel geheilt wird, erlangt ewige Gesundheit. Am Tag Jesu Christi zum Beispiel wurde die Menschenwelt von verschiedenen Krankheiten geplagt. Jesus Christus war der wahre Arzt. Er erschien, erkannte die Symptome und verschrieb das richtige Heilmittel. Was war dieses Mittel? Es war die von Ihm offenbarte Lehre, die besonders für jenes Zeitalter galt. Später traten viele neue Missstände und Störungen in der Gesellschaft auf. Die Welt erkrankte und weitere ernste Missstände zeigten sich, insbesondere auf der arabischen Halbinsel. Dort offenbarte Gott Muḥammad. Er kam und verordnete, was die Umstände erforderten, sodass die Araber dieser Zeit gesund, widerstandsfähig und stark wurden.
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Heutzutage ist die Menschenwelt von schweren Krankheiten und gravierenden Störungen befallen, die ihr Leben gefährden. Darum ist Bahá’u’lláh erschienen. Er ist der wahre Arzt, Der der Menschenwelt göttliche Arznei und Heilung bringt. Für jedes Gebrechen hat Er Lehren offenbart – die Verborgenen Worte, Ishráqát, Ṭarázát, Tajallíyát, Worte des Paradieses, Frohe Botschaften usw. Diese heiligen Worte und Lehren sind das Heilmittel für die Gesellschaft, das göttliche Rezept und die richtige Behandlung für die Störungen, die die Welt plagen. Darum müssen wir diese heilende Arznei annehmen und anwenden, um eine vollständige Genesung zu gewährleisten. Jede Seele, die nach den Lehren Bahá’u’lláhs lebt, ist frei von den Krankheiten und Unpässlichkeiten, die überall in der Menschenwelt vorherrschen; wenn sie nicht so lebt, wird sie von selbstsüchtigen Störungen, intellektuellen und spirituellen Übeln, von Unvollkommenheiten und Lastern befallen, und sie wird die lebensspendenden Gaben Gottes nicht empfangen.
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Bahá’u’lláh ist der wahre Arzt. Er hat die Krankheiten der Menschen diagnostiziert und die erforderliche Behandlung aufgezeigt. Die wesentlichen Prinzipien Seiner Heilmittel sind die Erkenntnis Gottes und die Liebe zu Ihm, Loslösung von allem außer Gott, aufrichtige Hinwendung zum Königreich Gottes, vorbehaltloser Glaube, Festigkeit und Treue, liebevolle Freundlichkeit gegenüber allen Geschöpfen und Aneignung der göttlichen Tugenden, die für die Menschenwelt vorgesehen sind. Das sind die Grundprinzipien für Fortschritt, Zivilisation, internationalen Frieden und die Einheit der Menschheit. Das sind die grundlegenden Lehren Bahá’u’lláhs, das Geheimnis ewiger Gesundheit, das Heilmittel und die Heilung für den Menschen.
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Ich hoffe, dass ihr dazu beitragen könnt, durch diese Lehren den kranken Körper der Welt zu heilen, damit ewiger Glanz alle Völker der Welt erleuchte.
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18. Juni 1912
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Ansprache in der 309 West Seventy-Eighth Street, New York
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Aufzeichnungen von Emma C. Melick
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Wie weit die Menschheit auch in der materiellen Zivilisation fortschreiten mag, so bedarf sie doch der im Evangelium erwähnten geistigen Entwicklung. Die Vorzüge der materiellen Welt sind begrenzt, während die göttlichen Tugenden grenzenlos sind. So begrenzt die materiellen Vorzüge sind, so grenzenlos ist der Bedarf des Menschen an der Vollkommenheit der göttlichen Welt.
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Obwohl menschliche Tugenden im Lauf der Menschheitsgeschichte mehrmals einen wahren Höhepunkt erreichten, waren sie doch begrenzt, während göttliche Errungenschaften immer grenzenlos und unendlich waren. Das Begrenzte braucht immer das Unbegrenzte. Das Materielle muss mit dem Geistigen zusammenwirken. Das Materielle mag mit dem Körper verglichen werden, aber göttliche Tugenden sind der Odem des Heiligen Geistes selbst. Der Körper ist ohne den Geist zu keiner echten Leistung fähig. Mag er auch überaus schön und vortrefflich sein, braucht er dennoch den Geist. Das Lampenglas mag perfekt poliert sein, es braucht dennoch das Licht. Ohne Licht kann die Lampe oder Kerze nichts beleuchten. Ohne den Geist kann der Körper nichts erreichen. Die Möglichkeiten des Lehrers materieller Prinzipien sind eingeschränkt. Die Philosophen, die beanspruchten, Lehrer und Erzieher der Menschheit zu sein, waren höchstens fähig, sich selbst zu erziehen. Wenn sie andere erzogen haben, geschah das innerhalb eines begrenzten Umfeldes. Sie versagten dabei, allgemeine Bildung und Entwicklung zu vermitteln. Diese wurden der Menschheit durch die Kraft des Heiligen Geistes zuteil.
73:3
Christus zum Beispiel hat die Menschheit universell erzogen und gefördert. Er errettete Völker und Nationen aus der Knechtschaft von Aberglauben und Götzendienst. Er forderte sie auf, die Einheit Gottes zu erkennen. Sie waren umnachtet und wurden erleuchtet; sie waren materialistisch und wurden geistig; weltlich waren sie und wurden himmlisch. Er brachte Licht in die Welt der Ethik. Die Kraft der Philosophie kann keine allgemeingültige und umfassende Entwicklung bewirken. Das vermag allein der durchdringende Einfluss des Heiligen Geistes. Darum versagt die Menschheit, wie weit sie auch vorankommen mag, dabei, ihre höchste Stufe zu erklimmen, solange sie nicht durch die Erziehung und göttlichen Gaben des Heiligen Geistes belebt wird. Das garantiert menschlichen Fortschritt und Wohlstand.
73:4
Deshalb rufe ich euch dazu auf, euch eurer geistigen Entwicklung zu widmen. Im gleichen Maß, in dem ihr euch auf materiellem Gebiet bemüht und eine hohe Stufe an weltlichem Fortschritt erreicht habt, könntet ihr auch in eurer Erkenntnis Gottes gefestigt und kundig werden. Möge die Aufnahmefähigkeit für das Göttliche erweckt werden und wachsen; möge sich eure Hingabe an das himmlische Königreich vertiefen und verstärken. Möget ihr Empfänger der Impulse des Heiligen Geistes werden, möget ihr auf dem Gebiet der Ethik unterstützt werden und vollendete Leistungen erbringen, auf dass die erhabene Stufe des Menschen in euch sichtbar werden möge. So möget ihr höchste Glückseligkeit, ewiges Leben, immerwährende Herrlichkeit, die zweite Geburt erlangen und zu Offenbarungen der Gaben Gottes werden.
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20. Juni 1912
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Ansprache in der 309 West Seventy-Eighth Street, New York
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Aufzeichnungen von Howard MacNutt
74:1
Ich bin dabei, die Stadt zu verlassen, um mich ein paar Tage in Montclair zu erholen. Wenn ich zurückkomme, möchte ich ein großes Einigkeitsfest ausrichten. Der richtige Ort dafür wurde noch nicht gefunden. Es muss draußen unter den Bäumen sein, an einem Ort abseits des Stadtlärms – wie in einem persischen Garten. Es wird persisches Essen geben. Sobald der Ort feststeht, werden alle informiert, und wir werden ein Treffen für alle abhalten, bei dem die Herzen verbunden, die Seelen vereint werden und ein neues Fundament der Einheit gelegt wird. Alle Freunde werden kommen. Sie werden meine Gäste sein. Sie werden wie die Teile und Glieder eines einzigen Körpers sein. Der Geist des Lebens, der sich in diesem Körper zeigt, wird ein einziger Geist sein. Das Fundament dieses Tempels der Einheit wird ein einziges Fundament sein. Jeder wird ein Stein in diesem Fundament sein, fest und mit den anderen verbunden. Jeder wird wie ein Blatt, eine Blüte oder eine Frucht eines einzigen Baumes sein. Der Freundschaft und Einheit zuliebe wünsche ich mir dieses Fest, diese geistige Versammlung.
74:2
Alles, was zur Einheit beiträgt, ist eine Gnade und entspringt der göttlichen Freigebigkeit. Jede Angelegenheit, die alle umfasst, ist göttlich. Alles, was zu Trennung und Entfremdung führt, ist teuflisch, weil es selbstsüchtigen Absichten entspringt. Bedenkt, wie klar die Schöpfung aufzeigt, dass die Ursache des Daseins Einheit und Zusammenhalt ist und die Ursache des Nichtseins Trennung und Uneinigkeit. Durch göttliche Schöpferkraft entsteht die Anziehung, die die Elemente verbindet, und das Ergebnis ist ein zusammengesetztes Sein. Einige dieser Elemente haben sich so verbunden, dass der Mensch entstanden ist. Bestimmte andere Kombinationen bringen Pflanzen und Tiere hervor. Folglich ist diese Anziehung der unbelebten Elemente die Ursache für Leben und Sein. Durch ihre Vermischung wird somit menschliche Verbundenheit, Liebe und Gemeinschaft ermöglicht. Wären die Elemente nicht durch diese Anziehung verbunden, um den Körper des Menschen hervorzubringen, könnten die höheren Verstandeskräfte nicht im Körper sichtbar werden. Aber wenn diese Elemente sich trennen, wenn ihre Anziehung und ihr Zusammenhalt wegfallen, folgen unweigerlich Tod und Auflösung des Körpers, den sie aufgebaut haben. Daher bedeuten Anziehung und Einheit eben dieser materiellen Elemente Leben für den Körper des Menschen, und ihre Zwietracht und Unvereinbarkeit bedeuten Tod. In der gesamten Schöpfung, in allen Reichen besteht dieses Gesetz: Liebe und Anziehung sind die Ursache von Leben, und Zwietracht und Trennung führen zum Tod.
74:3
Betrachtet die Körper aller natürlichen Organismen. Bestimmte Elemente treffen aufeinander und verbinden sich durch chemische Anziehung. Der Baum, der Mensch und der Fisch basieren auf dieser Anziehungskraft und dem Zusammenhalt, durch die die Elemente zusammengebracht wurden. Eine Komposition, ein zusammengesetztes Sein, ist daraus entstanden. Das Ergebnis einer bestimmten atomaren Anordnung ist beispielsweise ein Spiegel, ein Tisch oder eine Uhr, weil eine Verbindungskraft die Anziehung dieser Atome bewirkt und sie miteinander verbunden hat. Wenn diese Anziehungskraft wegfällt, folgen Auflösung und Zerfall; kein Spiegel, kein Tisch, keine Uhr bleiben zurück – keine Spur, kein Dasein. Darum bringt die Vermischung von Atomen Sein hervor, während ihre Auflösung oder Zerstreuung gleichbedeutend ist mit Nichtsein.
74:4
Untersucht das Gesetz der Anziehung auch bei den Haustieren. Sie leben gemeinschaftlich in Herden zusammen; die Liebe zur Gemeinschaft ist bei ihnen offensichtlich. Wir sehen, dass Vögel einen natürlichen Sinn für Verbundenheit und Liebe zu besitzen scheinen. Aber die Raubtiere und Raubvögel sind das genaue Gegenteil der Haustiere. Schafe, Kühe und Pferde grasen einträchtig und einvernehmlich miteinander, aber Raubtiere sieht man nie in Liebe und Verbundenheit zusammen. Jedes lebt für sich allein oder mit einem einzigen Partner. Wenn sie einander sehen, gebärden sie sich überaus wild. Hunde stürzen sich auf Hunde; Wölfe, Tiger, Löwen toben, knurren und kämpfen auf Leben und Tod. Ihre Wildheit ist instinktgesteuert. Dafür gibt es in der Schöpfung einen Grund. Raubvögel wie Adler und Falken leben einzeln und bauen ihre Nester weit voneinander entfernt, aber Tauben fliegen in Schwärmen und nisten auf denselben Bäumen. Wenn ein Adler einen anderen Adler trifft, gibt es einen heftigen Kampf. Das Treffen zweier Tauben ist ein Friedenstreffen. Daher ist klar, dass bei den Geschöpfen eines niedrigeren Reiches sowohl diese gesegneten Eigenschaften als auch ihr Gegenteil anzutreffen sind.
74:5
Die meisten Menschen legen keine wirkliche Liebe und Gemeinschaft an den Tag. Die in Liebe und Einheit miteinander leben, gehören zu den erlesensten Menschen. Vor Gott haben sie Vorrang, weil sich bereits die göttlichen Eigenschaften in ihnen zeigen. Die höchste Liebe und Einheit offenbart sich in den göttlichen Manifestationen. Die Einheit zwischen Ihnen ist unauflöslich, unveränderlich, ewig und dauerhaft. Jede spricht für alle und vertritt alle. Wenn wir eine der Manifestationen Gottes ablehnen, so lehnen wir alle ab. Eine zu verfolgen, heißt auch, die anderen zu verfolgen. Auf allen Stufen des Seins preist und heiligt Jede die Anderen. Jede von Ihnen hält das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschheit aufrecht und unterstützt die Einheit der Menschenherzen. Nach den göttlichen Manifestationen kommen als Nächstes die Gläubigen, in denen sich die Merkmale der Einigkeit, der Gemeinschaft und der Liebe zeigen. Die Bahá’í-Freunde in Persien erlangten eine solche Eintracht und Liebe, dass es regelrecht zu einem Hindernis in materiellen Angelegenheiten wurde. Jeder, der in eines der Häuser der Freunde kam, empfand sich selbst gewissermaßen als Eigentümer des Hauses. Bei ihren persönlichen Interessen und in ihrer Liebe bestand kein Gegensatz, sondern völlige Übereinstimmung. Ein Freund, der zu Besuch kam, hätte bedenkenlos den Vorratsschrank öffnen und so viele Nahrungsmittel herausnehmen können, wie er brauchte. Bei Bedarf trugen sie die Kleidung des anderen, als wäre es ihre eigene. Wenn sie einen Hut oder Mantel brauchten, nahmen und trugen sie ihn. Der Besitzer der Kleidung freute sich und war dankbar, dass das Kleidungsstück benutzt wurde. Wenn er nach Hause zurückkam, wurde ihm vielleicht gesagt: »Soundso war hier und hat deinen Mantel mitgenommen.« Er hätte geantwortet: »Gelobt sei Gott! Ich bin ihm so dankbar. Preis sei Gott! Ich freue mich so, dass ich diese Gelegenheit hatte, ihm meine Liebe zu zeigen.« Diese Liebe und Gemeinschaft wurden in einem so außergewöhnlichen Ausmaß zum Ausdruck gebracht, dass Bahá’u’lláh gebot, niemand dürfe etwas vom Besitz eines anderen an sich nehmen, wenn es ihm nicht geschenkt würde. Diese Schilderung soll zeigen, welch großes Maß an Einheit und Liebe unter den Bahá’í-Freunden im Osten herrschte.
74:6
Ich hoffe, dass hier in gleichem Ausmaß und gleicher Intensität Liebe offenkundig und greifbar werden möge; dass der Geist Gottes eure Herzen so durchdringe, dass jeder der Geliebten Gottes als eins mit allen betrachtet werde; dass jeder zur Ursache von Einheit und zu einem Mittelpunkt des Einklangs werde und die ganze Menschheit sich in wahrer Gemeinschaft und Liebe miteinander verbinden möge.
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