‘Abdu’l-Bahá | Die Verkündigung des Weltfriedens
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Betrachtet die Körper aller natürlichen Organismen. Bestimmte Elemente treffen aufeinander und verbinden sich durch chemische Anziehung. Der Baum, der Mensch und der Fisch basieren auf dieser Anziehungskraft und dem Zusammenhalt, durch die die Elemente zusammengebracht wurden. Eine Komposition, ein zusammengesetztes Sein, ist daraus entstanden. Das Ergebnis einer bestimmten atomaren Anordnung ist beispielsweise ein Spiegel, ein Tisch oder eine Uhr, weil eine Verbindungskraft die Anziehung dieser Atome bewirkt und sie miteinander verbunden hat. Wenn diese Anziehungskraft wegfällt, folgen Auflösung und Zerfall; kein Spiegel, kein Tisch, keine Uhr bleiben zurück – keine Spur, kein Dasein. Darum bringt die Vermischung von Atomen Sein hervor, während ihre Auflösung oder Zerstreuung gleichbedeutend ist mit Nichtsein.
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Untersucht das Gesetz der Anziehung auch bei den Haustieren. Sie leben gemeinschaftlich in Herden zusammen; die Liebe zur Gemeinschaft ist bei ihnen offensichtlich. Wir sehen, dass Vögel einen natürlichen Sinn für Verbundenheit und Liebe zu besitzen scheinen. Aber die Raubtiere und Raubvögel sind das genaue Gegenteil der Haustiere. Schafe, Kühe und Pferde grasen einträchtig und einvernehmlich miteinander, aber Raubtiere sieht man nie in Liebe und Verbundenheit zusammen. Jedes lebt für sich allein oder mit einem einzigen Partner. Wenn sie einander sehen, gebärden sie sich überaus wild. Hunde stürzen sich auf Hunde; Wölfe, Tiger, Löwen toben, knurren und kämpfen auf Leben und Tod. Ihre Wildheit ist instinktgesteuert. Dafür gibt es in der Schöpfung einen Grund. Raubvögel wie Adler und Falken leben einzeln und bauen ihre Nester weit voneinander entfernt, aber Tauben fliegen in Schwärmen und nisten auf denselben Bäumen. Wenn ein Adler einen anderen Adler trifft, gibt es einen heftigen Kampf. Das Treffen zweier Tauben ist ein Friedenstreffen. Daher ist klar, dass bei den Geschöpfen eines niedrigeren Reiches sowohl diese gesegneten Eigenschaften als auch ihr Gegenteil anzutreffen sind.
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Die meisten Menschen legen keine wirkliche Liebe und Gemeinschaft an den Tag. Die in Liebe und Einheit miteinander leben, gehören zu den erlesensten Menschen. Vor Gott haben sie Vorrang, weil sich bereits die göttlichen Eigenschaften in ihnen zeigen. Die höchste Liebe und Einheit offenbart sich in den göttlichen Manifestationen. Die Einheit zwischen Ihnen ist unauflöslich, unveränderlich, ewig und dauerhaft. Jede spricht für alle und vertritt alle. Wenn wir eine der Manifestationen Gottes ablehnen, so lehnen wir alle ab. Eine zu verfolgen, heißt auch, die anderen zu verfolgen. Auf allen Stufen des Seins preist und heiligt Jede die Anderen. Jede von Ihnen hält das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschheit aufrecht und unterstützt die Einheit der Menschenherzen. Nach den göttlichen Manifestationen kommen als Nächstes die Gläubigen, in denen sich die Merkmale der Einigkeit, der Gemeinschaft und der Liebe zeigen. Die Bahá’í-Freunde in Persien erlangten eine solche Eintracht und Liebe, dass es regelrecht zu einem Hindernis in materiellen Angelegenheiten wurde. Jeder, der in eines der Häuser der Freunde kam, empfand sich selbst gewissermaßen als Eigentümer des Hauses. Bei ihren persönlichen Interessen und in ihrer Liebe bestand kein Gegensatz, sondern völlige Übereinstimmung. Ein Freund, der zu Besuch kam, hätte bedenkenlos den Vorratsschrank öffnen und so viele Nahrungsmittel herausnehmen können, wie er brauchte. Bei Bedarf trugen sie die Kleidung des anderen, als wäre es ihre eigene. Wenn sie einen Hut oder Mantel brauchten, nahmen und trugen sie ihn. Der Besitzer der Kleidung freute sich und war dankbar, dass das Kleidungsstück benutzt wurde. Wenn er nach Hause zurückkam, wurde ihm vielleicht gesagt: »Soundso war hier und hat deinen Mantel mitgenommen.« Er hätte geantwortet: »Gelobt sei Gott! Ich bin ihm so dankbar. Preis sei Gott! Ich freue mich so, dass ich diese Gelegenheit hatte, ihm meine Liebe zu zeigen.« Diese Liebe und Gemeinschaft wurden in einem so außergewöhnlichen Ausmaß zum Ausdruck gebracht, dass Bahá’u’lláh gebot, niemand dürfe etwas vom Besitz eines anderen an sich nehmen, wenn es ihm nicht geschenkt würde. Diese Schilderung soll zeigen, welch großes Maß an Einheit und Liebe unter den Bahá’í-Freunden im Osten herrschte.
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Ich hoffe, dass hier in gleichem Ausmaß und gleicher Intensität Liebe offenkundig und greifbar werden möge; dass der Geist Gottes eure Herzen so durchdringe, dass jeder der Geliebten Gottes als eins mit allen betrachtet werde; dass jeder zur Ursache von Einheit und zu einem Mittelpunkt des Einklangs werde und die ganze Menschheit sich in wahrer Gemeinschaft und Liebe miteinander verbinden möge.
Ansprachen ‘Abdu’l-Bahás in Montclair und West Englewood, New Jersey23. bis 29. Juni 1912– 75 –
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23. Juni 1912
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Ansprache in Montclair, New Jersey
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Aufzeichnungen von Frank E. Osborne
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‘Abdu’l-Bahá: Ihr lächelt immer.
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Herr Osborne: Gewiss sollten bei dieser Begegnung unsere Gesichter vor Freude strahlen.
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‘Abdu’l-Bahá: Ja! Dies ist der Tag Bahá’u’lláhs, das Zeitalter der Gesegneten Vollkommenheit, der Zyklus des Größten Namens. Wenn ihr jetzt nicht lächelt, wie lange wollt ihr noch warten und welches größere Glück könnt ihr noch erhoffen? Dies ist die Frühlingszeit der Offenbarung. Aus den Wolken göttlicher Barmherzigkeit kommt der Frühlingsregen herab; die lebensspendende Brise des Heiligen Geistes verbreitet ihren Blütenduft. Von Wiesen und Feldern erhebt sich ein Dufthauch der Dankbarkeit wie reiner Weihrauch, der zum Thron Gottes aufsteigt. Die Welt ist eine neue Welt geworden, die Seelen sind belebt, der Geist ist erneuert und erfrischt. Es ist wahrhaftig eine Zeit des Glücks.
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(Zu Leuten, die hereinkommen:)
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Herzlich willkommen! Herzlich willkommen! Ihr seid höchst willkommen!
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(Die Kirchenglocken beginnen zu läuten.)
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Heute Morgen ging es mir nicht gut, sonst wäre ich in die Kirche gegangen. Überall hören wir den Ruf der geistigen Welt und in allem sehen wir die Werke Gottes. Die Kirchenglocken läuten zum Gedenken an Jesus Christus, obwohl über neunzehnhundert Jahre vergangen sind, seit Er auf Erden lebte. Das geschieht durch die Macht des Geistes. Keine irdische Macht könnte das bewirken. Und doch lehnen Menschen in ihrer Blindheit Christus ab und versuchen, ihre Namen durch weltliche Taten zu verewigen. Jeder möchte, dass man sich an ihn erinnert. Durch irdische und materielle Leistungen wird man kaum neun Jahre lang im Gedächtnis der Menschen bleiben, während das Angedenken und der Ruhm Christi weiterbestehen, obwohl neunzehnhundert Jahre vergangen sind. Denn Sein Name und Ruhm sind ewig und unvergänglich. Daher sollte der Mensch mit aufmerksamem Ohr auf den Ruf der geistigen Welt hören und zuerst das Reich Gottes und seine Vollkommenheit suchen. Das ist ewiges Leben; das ist immerwährendes Gedenken.
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Wie groß ist der Unterschied zwischen dem Ruhm Christi und dem Ruhm eines irdischen Eroberers! Von Historikern wird berichtet, Napoleon Bonaparte I. sei heimlich bei Nacht mit dem Schiff von Ägypten aus aufgebrochen. Sein Ziel war Frankreich. Während seines Palästina-Feldzugs war die Revolution ausgebrochen und die Heimatregierung war in ernste Schwierigkeiten geraten. Christliche Gottesdienste waren von den Revolutionären verboten worden. Die christlichen Priester waren in Panik geflohen. Frankreich war atheistisch geworden und es herrschte Anarchie. Das Schiff segelte in die mondhelle Nacht hinaus. Napoleon ging auf Deck auf und ab. Seine Offiziere saßen beieinander und plauderten. Einer von ihnen sprach von der Ähnlichkeit zwischen Bonaparte und Christus. Napoleon blieb stehen und sagte grimmig: »Glaubt ihr, ich gehe zurück nach Frankreich, um die Religion wieder einzusetzen?«
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Jesus Christus stiftete die Religion Gottes durch Liebe. Seine Herrschaft währt ewig. Napoleon stürzte Regierungen durch Krieg und Blutvergießen. Seine Herrschaft verging, er selbst wurde abgesetzt. Bonaparte zerstörte menschliches Leben; Christus war ein Erretter. Bonaparte beherrschte die Körper der Menschen; Christus eroberte die Menschenherzen. Keiner der Propheten Gottes war ein berühmter Mann, aber Ihre geistige Macht war einzigartig. Liebe ist ewige Herrschaft. Liebe ist die Macht Gottes. Durch sie werden alle Könige der Erde gestürzt und bezwungen. Welchen größeren Beweis könnte es dafür geben als das, was Bahá’u’lláh bewirkt hat? Er erhob sich im Osten und wurde verbannt. Er wurde in das Gefängnis von ‘Akká in Palästina geworfen. Zwei mächtige, despotische Könige erhoben sich gegen Ihn. In Seiner Verbannung und Gefangenschaft schrieb Er gebieterische Sendschreiben an die Könige und Herrscher der Welt, in denen Er ihnen Seine geistige Herrschaft verkündete, die Religion Gottes stiftete und das himmlische Banner der Sache Gottes hisste. Eines dieser Sendschreiben wurde an Frankreichs Kaiser Napoleon III. gesandt. Dieser empfing es mit Geringschätzung und warf es beiseite. Bahá’u’lláh richtete ein zweites Sendschreiben an ihn, das diese Worte enthielt: »Wären deine Worte aufrichtig gewesen, so hättest du das Buch Gottes nicht beiseite geworfen, als es dir übermittelt wurde. … Wir haben dich damit geprüft und fanden dich anders, als du vorgibst. Mache dich auf und hole nach, was du versäumt hast. Binnen kurzem werden die Welt und all dein Besitz vergehen, und das Reich wird Gottes sein … Zur Strafe für das, was du getan, wird dein Reich in Verwirrung gestürzt werden, und die Herrschaft wird deinen Händen entgleiten. Dann wirst du erkennen, wie sehr du dich geirrt hast. … Dein Pomp … wird bald vergehen, es sei denn, du hältst dich an dieses starke Seil. Wir sehen Erniedrigung dich ereilen …« All das geschah genau so, wie von Bahá’u’lláh angekündigt. Napoleon III. wurde entthront und ins Exil geschickt. Sein Reich verging und existiert nicht mehr, während die Oberherrschaft und höchste Autorität Bahá’u’lláhs, des Gefangenen, durch die Unterstützung Gottes ewig währen wird. Das ist so offensichtlich wie das Sonnenlicht zur Mittagszeit – außer für jene, die geistig blind sind. Wenn wir erkältet sind, können wir die zarten Düfte nicht wahrnehmen, die vom Rosengarten des göttlichen Königreichs ausgehen.
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Kurzum, die Völker der Welt werden unter der Oberherrschaft des göttlichen Königreichs vereint werden. Ost und West umarmen sich hier und jetzt in Liebe und Zuneigung. Das ist keine kommerzielle oder politische Einheit, sondern die Einheit durch die Liebe Gottes. Wir haben das Meer überquert, um diese Liebe in Amerika zu verbreiten, den Ruf des Königreichs zu verkünden und die geistigen Grundlagen für den internationalen Frieden zu schaffen. Es kann zwar sein, dass Menschen sich gegen das Königreich auflehnen, aber die Oberherrschaft und höchste Autorität Gottes wird errichtet werden. Es ist ein ewiges Königreich, eine göttliche Oberherrschaft. Christus wurde zu Seiner Zeit Satan und Beelzebub genannt, aber hört, wie jetzt die Glocken für Ihn läuten! Er war das Wort Gottes und nicht Satan. Sie verspotteten Ihn, führten Ihn auf einem Esel durch die Stadt, krönten Ihn mit Dornen, spuckten in Sein gesegnetes Antlitz und kreuzigten Ihn, aber Er ist jetzt bei Gott und in Gott, weil Er das Wort und nicht Satan war. Vor fünfzig Jahren wollte in Persien niemand die christliche Bibel anfassen. Bahá’u’lláh kam und fragte: »Warum?« Sie sagten: »Es ist nicht das Wort Gottes.« Er sagte: »Ihr müsst sie mit Verständnis für ihre Bedeutung lesen, nicht wie jene, die nur ihre Worte rezitieren.« Jetzt lesen Bahá’í überall im Osten die Bibel und verstehen ihre geistige Lehre. Bahá’u’lláh verbreitete die Sache Christi und öffnete das Buch der Christen und der Juden. Er beseitigte die Beschränkungen durch Namen. Er bewies, dass alle göttlichen Propheten dieselbe Wahrheit lehrten und dass die Ablehnung des Einen auch die Ablehnung der Anderen bedeutet, denn alle sind in vollkommener Einheit mit Gott.
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In London sagten einige Christen, wir würden Christus ablehnen. Wir hingegen sagen, Christus ist das Wort Gottes. Wir sind heute Morgen hier versammelt, um Seiner zu gedenken. Die Glocken haben uns zur Liebe und Einheit zusammengerufen. Dieses Haus ist das Haus Gottes. Jeder ist willkommen! Herzlich willkommen!
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Frage: Wie sollen wir entscheiden, ob bestimmte Bibelinterpretationen wahr oder falsch sind, wie zum Beispiel die historisch-kritische Methode und andere moderne christliche Lehren?
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‘Abdu’l-Bahá: Diese Frage ist schwierig, aber wichtig. Eine vollständige Antwort würde viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich will aber kurz darauf eingehen. Der einzig wahre Erklärer des Buches Gottes ist der Heilige Geist, denn keine zwei Menschen haben gleiche Gedanken, keine zwei haben das gleiche Verständnis, keine zwei nutzen die gleichen Worte. Das heißt, allein vom menschlichen Standpunkt der Interpretation aus kann es weder Wahrheit noch Einigkeit geben.
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Frage: Stimmen Sie den neuen Ansichten zu, bei denen die Herrschaft des Geistes über die Materie das zentrale Prinzip ist?
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‘Abdu’l-Bahá: Philosophie entwickelt den Verstand. Christus und das Wort Gottes werden durch den Heiligen Geist offenbart. Platon sagt: »Die gedanklichen Schlussfolgerungen sind so und so.« Christus sagt: »Lass dich leiten durch den Geist.«
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Frage: Sollten Kinder wissenschaftliche Interpretationen der Bibel lesen dürfen?
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‘Abdu’l-Bahá: Zuerst und als Grundlage soll ihnen die Wahrheit der Religion vermittelt werden. In der katholischen Kirche wird dem Kind beispielsweise beigebracht, dass bei der Feier des Abendmahls das Brot und der Wein durch das Handeln des Priesters zum Fleisch und Blut Jesu Christi werden. Der Verstand kann das nicht akzeptieren. Dem Kind muss beigebracht werden, dass diese Transformation ein Symbol ist für die Wahrheit, dass Christus die Nahrung vom Himmel ist, die ewiges Leben bewirkt, wenn man sie isst. Die Juden hatten die Bibel auswendig gelernt, aber ihre Bedeutung nicht verstanden. Wenn sie die geistige Bedeutung der Schriften verstanden hätten, wären sie die ersten gewesen, die an Christus glaubten. Ihr gehört zu den ersten Gläubigen in diesem Land. Ihr seid die Kinder des Gottesreiches. Bahá’u’lláh hat euch die Wahrheit der Religion gelehrt. Es gibt viele Bahá’í-Freunde in Persien, die wir nicht kennen, aber wir kennen euch hier in Amerika. Wendet eure Gesichter der Sonne der Wahrheit zu. Diese Sonne ist immer im Osten aufgegangen. Findet die Antwort auf eure Fragen in eurem Herzen. Seid wie kleine Kinder. Solange der Boden nicht vorbereitet ist, nutzt es nichts, ihn zu bepflanzen.
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29. Juni 1912
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Ansprache beim Einigkeitsfest im Freien
West Englewood, New Jersey
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Aufzeichnungen von Esther Foster
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Dies ist eine wunderbare Versammlung. Ihr seid mit besten Absichten hierhergekommen, und das Ziel aller Anwesenden ist es, göttliche Tugenden zu erlangen. Euer Beweggrund ist, dass ihr vom göttlichen Königreich angezogen seid. Da alle sich nach Einheit und Einmütigkeit sehnen, wird dieses Treffen gewiss großartige Erfolge hervorbringen. Es wird neuen Segen anziehen, denn wir wenden uns dem Abhá-Königreich zu und erbitten die unendlichen Gnadengaben des Herrn. Dies ist ein neuer Tag, und diese Stunde, zu der wir zusammengekommen sind, ist eine neue Stunde. Sicher wird uns die Sonne der Wahrheit mit ihrem Strahlenglanz erleuchten, und das Dunkel der Uneinigkeit wird verschwinden. Innigste Liebe und Einheit werden das Ergebnis sein; die Gunst Gottes wird uns umfangen und der Pfad des Königreichs wird uns leicht gemacht. Das Licht göttlicher Führung wird diese Seelen wie Kerzen entzünden und erstrahlen lassen. Versammlungen wie diese haben in dieser Welt, in der Menschen durch äußere Motive oder zur Förderung materieller Interessen zueinander hingezogen werden, nicht ihresgleichen, denn dieses Treffen ist ein Urbild der inneren, gänzlich geistigen Verbindung in der ewigen Welt des Seins.
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Echte Bahá’í-Treffen sind Spiegel des Königreichs, die das Abbild der Höchsten Heerscharen wiedergeben. Das Licht der größten Führung ist in ihnen sichtbar. Sie verkünden die Botschaft des himmlischen Königreichs und lassen den Ruf der Engelscharen in jedem hörenden Ohr erklingen. Die Auswirkungen solcher Treffen sind über die Jahrhunderte hinweg zu spüren. Diese Versammlung hat einen Namen und eine Bedeutung, die für immer bestehen bleiben. Hunderttausende von Treffen werden abgehalten werden, um an dieses Ereignis zu erinnern, und die Worte, die ich heute zu euch spreche, werden bei diesen Treffen in kommenden Zeitaltern wiederholt werden. Darum freut euch, denn ihr steht unter dem Schutz der göttlichen Vorsehung. Seid glücklich und fröhlich, denn die Gaben Gottes sind euch bestimmt und der Lebensodem des Heiligen Geistes strömt euch zu.
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Freut euch, denn die himmlische Tafel ist für euch gedeckt.
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Freut euch, denn die Engel des Himmels sind euer Beistand und eure Helfer.
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Freut euch, denn der Blick der Gesegneten Schönheit Bahá’u’lláh ist auf euch gerichtet.
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Freut euch, denn Bahá’u’lláh ist euer Beschützer.
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Freut euch, denn immerwährende Herrlichkeit ist euch bestimmt.
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Freut euch, denn das ewige Leben erwartet euch.
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Wie viele gesegnete Seelen haben sich nach diesem strahlenden Jahrhundert gesehnt, ihre größten Hoffnungen und Wünsche auf das Glück und die Freude eines solchen Tages gerichtet. Viele Nächte verbrachten sie schlaflos und klagten bis in den Morgen in sehnsüchtiger Erwartung dieses Zeitalters und wünschten, auch nur eine Stunde dieser Zeit zu erleben. Gott hat euch in diesem Jahrhundert Seine Gunst erwiesen und euch für die Verwirklichung Seiner Segnungen auserkoren. Deshalb müsst ihr Gott mit Herz und Seele loben und preisen, voller Dankbarkeit für diese großartige Gelegenheit und für diese grenzenlosen Gaben – dafür, dass solche Türen vor euren Augen geöffnet wurden, dass solche Fülle aus den Wolken der Barmherzigkeit herabströmte und dass euch diese erfrischenden Brisen aus dem Paradies Abhá neu beleben. Ihr müsst eins werden in Herz, Geist und Empfindsamkeit. Möget ihr wie Wellen eines Meeres, Sterne desselben Himmels, Früchte desselben Baumes, Rosen eines Gartens werden, auf dass durch euch die Einheit der Menschheit ihren Tempel in der Menschenwelt errichten möge, denn ihr seid es, die berufen sind, der Sache der Einheit unter den Völkern auf Erden Auftrieb zu geben.
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