‘Abdu’l-Bahá | Die Verkündigung des Weltfriedens
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Auch wenn wir an diesem Baum der Menschheit einen Ast oder ein Blatt fehlerhaft oder eine Blüte unvollkommen finden, gehören sie dennoch zu diesem Baum und nicht zu einem anderen. Deshalb ist es unsere Pflicht, diesen Baum zu schützen und zu pflegen, bis zu seiner Vollkommenheit. Wenn wir seine Früchte untersuchen und sie für unvollkommen halten, müssen wir uns bemühen, sie zu vervollkommnen. Es gibt unwissende Menschen in der Welt; wir müssen ihnen Wissen vermitteln. Einige Sprösslinge des Baumes sind schwach und krank; wir müssen ihnen helfen, sich zu erholen und gesund zu werden. Wenn sie noch wie heranwachsende Kinder sind, müssen wir uns ihrer annehmen, bis sie zur Reife gelangen. Wir sollten sie niemals verabscheuen oder sie meiden, weil wir sie als unangenehm und nichtswürdig empfinden. Wir müssen sie ehren, respektieren und freundlich zu ihnen sein, denn sie wurden von Gott geschaffen und nicht vom Teufel. Sie sind kein Ausdruck von Gottes Zorn, sondern Beweise Seiner göttlichen Gunst. Gott, der Schöpfer, hat sie mit körperlichen, geistigen und spirituellen Eigenschaften ausgestattet, damit sie danach streben, Seinen Willen zu erkennen und danach zu handeln; sie sind also keineswegs Gegenstand Seines Zornes und Seiner Verdammung. Kurz, alle Menschen müssen mit Liebe, Güte und Respekt betrachtet werden, denn was wir in ihnen erblicken, sind nichts anderes als die Zeichen und Spuren von Gott Selbst. Alle sind Zeichen Gottes; wie sollten wir da das Recht haben, sie zu erniedrigen und herabzusetzen, sie zu verfluchen und daran zu hindern, sich Seiner Barmherzigkeit zu nähern? Das ist Unwissenheit und Ungerechtigkeit, die Gott missfällt, denn in Seinen Augen sind alle Seine Diener.
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Ein weiterer Grund für Zwietracht und Streit ist die Tatsache, dass behauptet wurde, Religion stünde im Widerspruch zur Wissenschaft. Zwischen Wissenschaftlern und Religionsanhängern gab es immer Kontroversen und Streit, da letztere behaupteten, Religion sei der Wissenschaft übergeordnet und wissenschaftliche Aussagen stünden im Gegensatz zu den Lehren der Religion. Bahá’u’lláh erklärte, dass Religion mit Wissenschaft und Vernunft in völligem Einklang stehe. Wenn religiöse Glaubenssätze und Doktrinen der Vernunft widersprechen, entspringt das dem begrenzten Verständnis des Menschen und stammt nicht von Gott; es ist nicht wert, geglaubt zu werden, und verdient keine Beachtung; das Herz findet darin keine Ruhe, und echter Glaube ist unmöglich. Wie kann ein Mensch etwas glauben, von dem er weiß, dass es der Vernunft widerspricht? Ist das möglich? Kann das Herz akzeptieren, was die Vernunft ablehnt? Die Vernunft ist die erste Fähigkeit des Menschen und die Religion Gottes steht damit in Einklang. Bahá’u’lláh hat diese Art von Zwietracht und Streit unter den Menschen getilgt und Wissenschaft und Religion versöhnt, indem Er die unverfälschten Lehren der göttlichen Wahrheit offenbarte. Diese Errungenschaft ist Ihm allein an diesem Tag zu verdanken.
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Eine weitere Ursache für Zwietracht und Uneinigkeit war die Entstehung religiöser Sekten und Bekenntnisse. Bahá’u’lláh sagte, dass Gott die Religion mit dem Ziel gesandt hat, unter den Menschen Gemeinschaft zu stiften und nicht, um Streit und Zwietracht zu säen, denn jede Religion beruht auf der Liebe zur Menschheit. Abraham verkündete dieses Prinzip, Moses forderte alle auf, es anzuerkennen, Christus setzte es durch und Muḥammad führte die Menschheit zur Einhaltung dieses Prinzips. Das ist die wahre Religion. Wenn wir uns vom Hörensagen abwenden und die Wahrheit und innere Bedeutung der himmlischen Lehren erforschen, werden wir dieselbe göttliche Grundlage finden – die Liebe zur Menschheit. Der Sinn der Religion besteht darin, Einheit, Liebe und Gemeinschaft zu stiften, nicht Zwietracht, Feindschaft und Entfremdung. Der Mensch hat die Grundlage der göttlichen Religion aufgegeben und hält an blinder Nachahmung fest. Jedes Volk hat sich an seine eigenen Nachahmungen geklammert, und weil diese voneinander abweichen, folgten darauf Krieg, Blutvergießen und die Zerstörung des Fundaments der Menschheit. Wahre Religion gründet auf Liebe und Eintracht. Bahá’u’lláh hat gesagt: »Wenn Religion und Glaube zu Feindschaft und Aufruhr führen, ist es weit besser, nicht religiös zu sein, und das Fehlen von Religion wäre vorzuziehen; denn Wir wünschen, dass Religion die Ursache von Freundschaft und Gemeinschaft ist. Wenn Feindschaft und Hass bestehen, ist Religionslosigkeit vorzuziehen.« Und so verdanken wir Bahá’u’lláh die Beseitigung dieser Zwietracht, denn Religion ist das göttliche Heilmittel für menschliche Gegensätze und Zwist. Aber wenn wir das Heilmittel zur Ursache der Krankheit machen, wäre es besser, darauf zu verzichten.
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Andere Ursachen menschlicher Zwietracht sind politische, rassistische und patriotische Vorurteile. All dies hat Bahá’u’lláh abgeschafft. Er sagte – und untermauerte Seine Aussage mit rationalen Beweisen aus den Heiligen Schriften –, dass die Menschheit ein einziges Volk und die Erde ein gemeinsamer Wohnort ist; dass diese eingebildeten rassistischen Barrieren und politischen Grenzen keine Grundlage haben und unrechtmäßig sind. Der Mensch wird erniedrigt, wenn er der Gefangene seiner eigenen Trugbilder und Mutmaßungen wird. Die Erde ist eine einzige Erde und dieselbe Atmosphäre umgibt sie. Gott hat bei ihren menschlichen Bewohnern keinen Unterschied gemacht und niemanden bevorzugt; aber der Mensch hat die Grundlage für Vorurteile, Hass und Zwietracht zwischen seinen Mitmenschen gelegt, indem er der Staatsangehörigkeit unterschiedliche Bedeutung beimaß und der Hautfarbe unterschiedliche Rechte und Privilegien zuschrieb.
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Die Vielfalt der Sprachen war eine ergiebige Quelle für Unstimmigkeiten. Die Sprache dient dazu, Gedanken auszutauschen und Absichten zu übermitteln. Daher spielt es keine Rolle, welche Sprache der Mensch spricht oder verwendet. Vor sechzig Jahren forderte Bahá’u’lláh eine gemeinsame Sprache als wichtigstes Mittel für die Einheit und als Grundlage für internationale Konferenzen. Er schrieb an die Könige und Herrscher der verschiedenen Völker und empfahl, dass alle Regierungen eine gemeinsame Sprache auswählen und annehmen sollten. In diesem Sinne sollte sich jedes Volk zusätzlich zu seiner Muttersprache die Weltsprache aneignen. Auf der Welt würde dann ein enger Austausch gepflegt, Beratung wäre der Standard und Meinungsverschiedenheiten aufgrund von Sprachenvielfalt würden beseitigt werden.
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Eine weitere Lehre Bahá’u’lláhs bezieht sich auf den Weltfrieden: Die gesamte Menschheit muss wachgerüttelt werden und sich bewusst werden, wie unheilvoll Kriege sind; sie sollte dazu gebracht werden, die Vorteile des Friedens zu erkennen und zu wissen, dass Frieden von Gott, Krieg jedoch teuflisch ist. Der Mensch muss sich den barmherzigen Gott zum Vorbild nehmen, er muss sich von teuflischen Einflüssen abwenden, damit alle nach Frieden, Liebe und Einheit streben und die Zwietracht des Krieges verschwindet.
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Fehlende Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ebenfalls eine Ursache der Uneinigkeit zwischen Menschen. Bahá’u’lláh nannte dies einen wesentlichen Auslöser von Zwietracht und Spaltung, denn solange in der Menschheit Rechte und Befugnisse von Mann und Frau ungleich verteilt sind, kann keine Einheit geschaffen werden. In einem vollkommenen menschlichen Körper ist es unmöglich, dass ein Organ vollständig und ein anderes unzulänglich ist. Im großen Gesellschaftskörper der Menschheit ist es unmöglich, Einheit und Zusammenarbeit zu erreichen, wenn ein Teil als vollkommen und der andere als unvollkommen angesehen wird. Wenn beide Teile vollständig funktionieren, wird ein harmonisches Gleichgewicht herrschen. Gott hat Mann und Frau mit gleichen Fähigkeiten geschaffen. Er hat zwischen ihnen keinen Unterschied gemacht. Die Frau hat bei ihren Leistungen nicht den Stand des Mannes erreicht, weil ihr Möglichkeiten und Bildung fehlten. Wenn vergleichbare Bildungschancen geschaffen würden, würden beide Geschlechter, Mann und Frau, gleiche Leistungen erzielen. Gott hat keinen Unterschied zwischen ihnen gewollt, der zu Unfrieden führen könnte. Er hat alle mit menschlichen Fähigkeiten ausgestattet, und alle sind Ausdruck Seiner Barmherzigkeit. Wenn wir sagen würden, Mann und Frau seien von der Schöpfung in unterschiedlichem Grad mit Gaben ausgestattet worden, würde das der Absicht und der Gerechtigkeit Gottes widersprechen. Beide sind Menschen. Wenn Gott ein Geschlecht vollkommen und das andere unzulänglich erschaffen hätte, wäre Er ungerecht. Aber Gott ist gerecht: Alle sind vollkommen entsprechend Seiner Absicht und Schöpfungsgabe. Wenn wir annehmen, das Geschöpf sei unvollkommen, dann bedeutet das die Unvollkommenheit des Schöpfers. Wer sich auszeichnet durch die Erlangung Seiner Eigenschaften und Seiner Gnadengaben, ist vor Gott höchst willkommen.
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Schauen wir nun auf den göttlichen Plan zur Versöhnung der religiösen Systeme der Welt. Bahá’u’lláh sagte: Wenn aus jedem der verschiedenen religiösen Systeme ein einsichtsvolles Mitglied gewählt würde und diese Repräsentanten zusammenkämen, um die zugrunde liegende Wahrheit der Religion zu erforschen, würden sie ein interreligiöses Gremium bilden, dem alle Streitfragen und Glaubensunterschiede zur Prüfung und Schlichtung vorgelegt werden könnten. Solche Fragen könnten dann vom Standpunkt der Wahrheit aus erwogen und geprüft werden, und jede verfälschende Nachahmung könnte verworfen werden. Wenn man nach dieser Methode verfährt, würden alle Sekten, Konfessionen und religiösen Systeme vereint werden.
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Zweifeln Sie nicht an der Machbarkeit all dessen und wundern Sie sich nicht. In Persien wurde es schon erfolgreich zustande gebracht. In diesem Land haben sich die Anhänger verschiedener Religionen zusammengetan, um die Wahrheit zu untersuchen, und sie haben sich in vollkommener Gemeinschaft und Liebe vereint. Jetzt gibt es bei ihnen keine Spur mehr von Zwietracht oder Meinungsverschiedenheiten; stattdessen zeigen sich Wohlwollen und Verbundenheit. Sie leben in Harmonie und Eintracht zusammen wie eine einzige Familie. Gegensätze und Streit sind verschwunden; an die Stelle von Hass und Feindseligkeit sind Liebe und Einigkeit getreten. Jene, die Bahá’u’lláh gefolgt sind und solche Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit erreicht haben, waren Muslime, Juden, Christen, Zoroastrier, Buddhisten, Nestorianer, Sunniten, Schiiten und andere. Unter ihnen gibt es keine Zwietracht. Das beweist die Möglichkeit, dass sich die Angehörigen der Religionen der Welt durch praktische Mittel zusammenschließen. Nachahmungen und Vorurteile, die die Menschen voneinander trennten, wurden abgelegt, und die religiöse Wahrheit umhüllt sie, sodass sie völlig einig sind. Wenn Wahrheit die Seele des Menschen umhüllt, ist Liebe möglich. Die göttliche Absicht in der Religion ist reine Liebe und Einigkeit. Die Propheten Gottes verkörperten vollkommene Liebe zu allen. Jeder von Ihnen verkündete die frohe Botschaft vom Kommen Seines Nachfolgers, und jeder Nachfolgende bestätigte die Lehren und Prophezeiungen des Propheten, Der Ihm voranging. In den wesentlichen Teilen Ihrer Lehre und Sendung gab es weder Widerspruch noch Abweichungen. Zwietracht entstand unter denen Ihrer Anhänger, die den Blick für die Wahrheit verloren hatten und sich an blinde Nachahmungen klammerten. Wenn solche Nachahmungen überwunden werden und die strahlend leuchtende Wahrheit in den Seelen der Menschen erwacht, werden Liebe und Einigkeit herrschen. So wird die Menschheit aus dem Streit und den Kriegen errettet werden, die schon tausende von Jahren geherrscht haben; Zwietracht wird vergehen und das Licht der Einheit wird heraufdämmern. Man bedenke, wie alle Propheten Gottes verfolgt wurden und welche Not Sie ertrugen. Jesus Christus ertrug Leid und nahm den Märtyrertod am Kreuz auf Sich, um die Menschheit zur Einheit und Liebe zu rufen. Welches Opfer könnte größer sein? Er brachte die Religion der Liebe und Gemeinschaft in die Welt. Sollen wir sie etwa nutzen, um Zwietracht, Gewalt und Hass unter den Menschen zu schüren?
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Moses wurde verfolgt und in die Wüste getrieben, Abraham wurde verbannt, Muḥammad suchte Zuflucht in Höhlen, der Báb wurde getötet und Bahá’u’lláh wurde vierzig Jahre lang verbannt und eingekerkert. Aber Sie alle wünschten Gemeinschaft und Liebe unter den Menschen. Sie ertrugen Notlagen, erlitten Verfolgung und Tod um unseretwillen, damit wir lernen, einander zu lieben und geeint und verbunden zu sein, statt uneins und zerstritten. Genug der langen Jahrhunderte, die durch Streit und Hass so viel Unglück und Not in die Welt brachten. Lassen Sie uns nun in diesem strahlenden Jahrhundert versuchen, nach Gottes Willen zu handeln, damit wir vor all diesen dunklen Dingen gerettet werden und in das grenzenlose Licht des Himmels gelangen, Spaltung vermeiden und die göttliche Einheit der Menschheit willkommen heißen. So Gott will, kann diese irdische Welt zu einem Spiegelbild des Himmels werden, in dem wir das Abbild der Spuren des Göttlichen sehen können, und die wesentlichen Eigenschaften einer neuen Schöpfung mögen von der wahren Liebe, die in den Herzen der Menschen leuchtet, widergespiegelt werden. Mögen das Licht und der Widerschein Gottes in uns tatsächlich beweisen und bezeugen, dass Gott den Menschen nach Seinem eigenen Bild und Gleichnis geschaffen hat.
82:18
O mein Gott! O mein Gott! Wahrlich, ich rufe Dich an und flehe an Deiner Schwelle, lass alle Deine Gnadengaben auf diese Seelen herabkommen. Mache sie empfänglich für Deine Gunst und Deine Wahrheit.
82:19
O Herr! Vereinige und verbinde die Herzen, bringe alle Seelen in Einklang und erheitere die Gemüter mit den Zeichen Deiner Heiligkeit und Einheit. O Herr! Lass diese Gesichter strahlen im Lichte Deiner Einheit. Stärke die Lenden Deiner Diener im Dienst an Deinem Königreich.
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O Herr, Du Besitzer unendlicher Gnade! O Du Herr der Versöhnung und des Verzeihens! Vergib unsere Sünden, verzeih unsere Schwächen und lenke uns zum Königreich Deiner Milde, das Reich der Kraft und Macht anrufend, demütig an Deinem Schrein, ergeben vor der Herrlichkeit Deiner Beweise.
82:21
O Herr, unser Gott! Lass uns wie die Wogen eines Meeres und die Blumen eines Gartens vereint und einig sein durch die Freigebigkeit Deiner Liebe. O Herr! Weite unsere Herzen mit den Zeichen Deiner Einheit und lass die ganze Menschheit zu Sternen werden, die vom selben Himmel der Herrlichkeit herniederstrahlen, zu vollkommenen Früchten, die an Deinem Lebensbaume wachsen.
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Wahrlich, Du bist der Allmächtige, der Selbstbestehende, der Geber, der Verzeihende, der Vergebende, der Allwissende, der Eine Schöpfer.
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15. Juli 1912
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Ansprache im Haus von Dr. Florian Krug und Frau
830 Park Avenue, New York
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Aufzeichnungen von Howard MacNutt
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Es freut mich sehr, euch zu sehen. Eure Herzen sind vom Lichte Bahás erleuchtet. Dieses Treffen ist eine wahrhaft göttliche, himmlische Versammlung und steht in Gottes Gunst, denn wir haben kein anderes Ziel, als Gott zu preisen und Ihm zu begegnen. Das Gebet, das gerade dargeboten wurde, ist ein Dankgebet.
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Es gibt verschiedene Arten von Dankbarkeit. Es gibt das Danken mit Worten, das auf das bloße Aussprechen des Danks beschränkt ist. Das ist ohne Belang, denn es kann sein, dass die Zunge dankt, während das Herz davon unberührt bleibt. Viele danken Gott auf diese Art, ihr Geist und ihr Herz werden von der Danksagung nicht berührt. Das ist bloße Gewohnheit, wie wenn wir bei einem Treffen ein Geschenk erhalten und Danke sagen, den Worten aber keine Bedeutung verleihen. Jemand kann tausendfach Danke sagen, ohne dass er im Herzen Dank verspürt. Darum ist Dank mit bloßen Worten wirkungslos. Aber echte Dankbarkeit ist ein aufrichtiger Dank, der von Herzen kommt. Wenn der Mensch infolge der Gunstbeweise Gottes ein empfindsames Gewissen entwickelt, dann ist das Herz glücklich, der Geist beschwingt. Diese geistige Empfänglichkeit ist die ideale Dankbarkeit.
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Es gibt auch ein aufrichtiges Danken, das sich in den Taten und Handlungen eines Menschen ausdrückt, wenn sein Herz mit Dankbarkeit erfüllt ist. Zum Beispiel hat Gott dem Menschen Führung gewährt, und seine Dankbarkeit für diese große Gabe sollte er mit bestimmten Taten zeigen. Um seine Dankbarkeit für Gottes Gunstbeweise auszudrücken, muss der Mensch lobenswerte Taten vollbringen. Als Antwort auf diese Gaben muss er gute Werke vollbringen, aufopferungsvoll sein, die Diener Gottes lieben, ja sein Leben für sie hingeben und allen Geschöpfen liebevolle Güte erweisen. Er muss sich von der Welt lösen, vom Reiche Abhá angezogen sein, mit strahlendem Antlitz, beredter Zunge und aufmerksamem Ohr Tag und Nacht danach streben, das Wohlgefallen Gottes zu erlangen. Alles, was er tun möchte, muss mit dem Wohlgefallen Gottes im Einklang stehen. Er muss den Willen Gottes erkennen, beachten und entsprechend handeln. Zweifellos zeigen solche lobenswerten Taten unsere Dankbarkeit für Gottes Gunstbeweise.
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Denkt daran, wie dankbar jemand ist, wenn er von einer Krankheit geheilt wird, wenn er von einem anderen freundlich behandelt wird oder wenn ein anderer ihm einen Dienst erweist, wie geringfügig dieser auch sein mag. Wenn wir solche Gunstbezeigungen nicht beachten, ist das ein Zeichen von Undank. Dann wird man sagen: Uns wurde liebevolle Güte erwiesen, aber wir sind undankbar und wissen diese Liebe und Gunst nicht zu schätzen. Körperlich und geistig sind wir in das Meer der Gunst Gottes getaucht. Er hat für Essen, Trinken und unsere übrigen Bedürfnisse gesorgt; Seine Gunst umgibt uns von allen Seiten. Die Versorgung des Menschen ist ein Segen. Das Sehen, das Hören und alle seine Fähigkeiten sind wunderbare Geschenke. Diese Segnungen sind zahllos; egal wie viele erwähnt werden, es bleiben noch unendlich mehr. Geistige Segnungen sind ebenso zahllos – Geist, Bewusstsein, Denken, Gedächtnis, Wahrnehmung, Vorstellungsvermögen und andere Begabungen. Durch sie hat Er uns geführt, und wir betreten Sein Königreich. Er hat vor unseren Augen die Tore zu allem Guten geöffnet. Er hat uns ewige Herrlichkeit gewährt. Er hat uns ins himmlische Reich geladen. Er hat uns durch Seine Gaben reich gemacht. Jeden Tag hat Er neue frohe Botschaften verkündet. Jede Stunde kommen neue Gaben herab.
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Seht, wie all diese Menschen schlafen, ihr aber seid wach. Sie sind tot, ihr aber lebt durch den Odem des Heiligen Geistes. Sie sind blind, während ihr mit Einsicht und Erkenntnis begabt seid. Sie sind der Liebe Gottes bar, aber in euren Herzen lebt und leuchtet sie. Denkt über diese Gnadengaben und Gunstbeweise nach.
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Aus Dankbarkeit für all das müsst ihr deshalb gemäß den Lehren Bahá’u’lláhs handeln. Ihr müsst die Schriften lesen – die Verborgenen Worte, Ishráqát, die Frohen Botschaften –, alle heiligen Äußerungen, und entsprechend handeln. Das ist echte Dankbarkeit, nach diesen Aussagen zu leben. Das ist wahre Dankbarkeit und die göttliche Gabe. Das ist Danksagung und Verherrlichung Gottes.
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Ich hoffe, ihr alle könnt das erreichen, könnt immer dieser Gnadengaben Gottes gewahr und achtsam sein. Ich hoffe, dass ich New York mit einem glücklichen Herzen verlassen kann, und mein Herz ist glücklich, wenn die Freunde Gottes einander lieben, wenn sie gegenüber allen Menschen Gottes Barmherzigkeit bekunden. Wenn ich das sehe, kann ich mich glücklich verabschieden.
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Seid gegrüßt!
Ansprachen ‘Abdu’l-Bahás in Boston23. bis 25. Juli 1912– 84 –
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23. Juli 1912
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Ansprache im Hotel Victoria
Boston, Massachusetts
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Aufzeichnungen von Edna McKinney
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Die Bahá’í dürfen sich nicht an politischen Bewegungen beteiligen, die zu Unruhen führen. Sie müssen ihre Aufmerksamkeit auf Bewegungen richten, die die öffentliche Ordnung stärken. Im heutigen Persien beteiligen sich die Bahá’í nicht an den revolutionären Unruhen, die in Gesetzlosigkeit und Rebellion endeten. Dennoch kann ein Bahá’í ein politisches Amt bekleiden und an der richtigen Art von Politik interessiert sein. Minister, Staatsbeamte und Generalgouverneure in Persien sind Bahá’í und es gibt viele andere Bahá’í in Regierungspositionen; aber nirgends auf der Welt sollten sich die Anhänger Bahá’u’lláhs an aufrührerischen Bewegungen beteiligen. Wenn es zum Beispiel hier in Amerika einen Aufstand geben sollte, der darauf abzielt, eine despotische Regierung zu errichten, sollten die Bahá’í nicht daran beteiligt sein.
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Die Bahá’í-Sache behandelt in ihren Gesetzen und Prinzipien alle wirtschaftlichen und sozialen Fragen. Das Wesen des Bahá’í-Geistes ist: Um eine bessere soziale Ordnung und eine bessere Wirtschaftslage zu erreichen, muss man sich an die Gesetze und Grundsätze der Regierung halten. Sozialisten können nach den Gesetzen, die die Welt regieren sollen, zu Recht Menschenrechte einfordern, jedoch ohne Gewaltanwendung. Die Regierungen werden diese Gesetze erlassen und eine gerechte Justiz und Wirtschaft einführen, damit die gesamte Menschheit in den vollen Genuss von Wohlstand und Privilegien kommt; doch wird dies stets rechtlich abgesichert und mit legalen Mitteln erfolgen. Ohne gesetzliche Grundlagen scheitern Rechte und Ansprüche, und das Wohl des Volkes kann nicht gewährleistet werden. Gegenwärtig setzen Menschen Streiks und Gewalt ein, um ihre Forderungen durchzusetzen; das ist offensichtlich falsch und schadet den Grundlagen der Menschlichkeit. Berechtigte Ansprüche und Forderungen müssen in Gesetzen und Verordnungen verankert sein.
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Während Tausende über diese Fragen nachdenken, verfolgen wir wichtigere Ziele. Die Grundlage der gesamten Ökonomie ist göttlicher Natur und eng verbunden mit der Welt des Herzens und des Geistes. Das wird in den Bahá’í-Lehren umfassend dargelegt, und ohne Kenntnis dieser Grundsätze kann die wirtschaftliche Situation nicht verbessert werden. Die Bahá’í werden diese Verbesserungen herbeiführen, aber nicht durch Aufruhr und rohe Gewalt, nicht durch Krieg, sondern durch Wohltätigkeit. Die Herzen müssen so verbunden sein, die Liebe so ausgeprägt, dass der Reiche bereitwillig dem Armen hilft und Maßnahmen ergreift, diese wirtschaftlichen Anpassungen dauerhaft zu verankern. Wenn es auf diese Weise erreicht wird, ist es höchst lobenswert, denn dann geschieht es um Gottes Willen und auf dem Pfad Seines Dienstes. Es wäre beispielsweise so, wie wenn die reichen Bewohner einer Stadt sagten: »Es ist weder gerecht noch gesetzmäßig, dass wir großen Reichtum besitzen, während es in dieser Gemeinde bittere Armut gibt«, und dann bereitwillig ihren Reichtum mit den Armen teilen und nur so viel behalten, dass sie angenehm leben können.
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Strebt deshalb danach, Liebe in den Herzen zu erwecken und sie zum Glühen und Strahlen zu bringen. Wenn diese Liebe leuchtet, wird sie andere Herzen durchdringen, so wie dieses elektrische Licht seine Umgebung erhellt. Wenn die Liebe zu Gott gefestigt ist, wird auch alles andere verwirklicht werden. Dies ist die wahre Grundlage jeder Ökonomie. Denkt darüber nach. Bemüht euch, die Seelen anzuziehen, nicht darum, das Denken in bestimmte Bahnen zu zwingen. Zeigt den Menschen, was echte Ökonomie ist. Zeigt ihnen, was Liebe, was Güte, was echte Loslösung und Großzügigkeit sind. Es ist wichtig, das zu tun. Handelt in Übereinstimmung mit den Lehren Bahá’u’lláhs. Alle Seine Bücher werden übersetzt werden. Jetzt ist die Zeit, nach Seinen Worten zu leben. Lasst eure Taten die richtige Übersetzung ihrer Bedeutung sein. Fragen der Ökonomie werden die Herzen nicht anziehen. Allein die Liebe zu Gott zieht sie an. Fragen der Ökonomie sind sehr interessant, aber die Kraft, die die Herzen der Menschen bewegt, leitet und anzieht, ist die Liebe zu Gott.
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24. Juli 1912
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Ansprache vor der Theosophischen Gesellschaft
The Kensington
Exeter und Boylston Streets, Boston, Massachusetts
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