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82:21O Herr, unser Gott! Lass uns wie die Wogen eines Meeres und die Blumen eines Gartens vereint und einig sein durch die Freigebigkeit Deiner Liebe. O Herr! Weite unsere Herzen mit den Zeichen Deiner Einheit und lass die ganze Menschheit zu Sternen werden, die vom selben Himmel der Herrlichkeit herniederstrahlen, zu vollkommenen Früchten, die an Deinem Lebensbaume wachsen.82:22Wahrlich, Du bist der Allmächtige, der Selbstbestehende, der Geber, der Verzeihende, der Vergebende, der Allwissende, der Eine Schöpfer. – 83 –83:0_24715. Juli 191283:0_248Ansprache im Haus von Dr. Florian Krug und Frau
830 Park Avenue, New York83:0_249Aufzeichnungen von Howard MacNutt83:1Es freut mich sehr, euch zu sehen. Eure Herzen sind vom Lichte Bahás erleuchtet. Dieses Treffen ist eine wahrhaft göttliche, himmlische Versammlung und steht in Gottes Gunst, denn wir haben kein anderes Ziel, als Gott zu preisen und Ihm zu begegnen. Das Gebet, das gerade dargeboten wurde, ist ein Dankgebet.83:2Es gibt verschiedene Arten von Dankbarkeit. Es gibt das Danken mit Worten, das auf das bloße Aussprechen des Danks beschränkt ist. Das ist ohne Belang, denn es kann sein, dass die Zunge dankt, während das Herz davon unberührt bleibt. Viele danken Gott auf diese Art, ihr Geist und ihr Herz werden von der Danksagung nicht berührt. Das ist bloße Gewohnheit, wie wenn wir bei einem Treffen ein Geschenk erhalten und Danke sagen, den Worten aber keine Bedeutung verleihen. Jemand kann tausendfach Danke sagen, ohne dass er im Herzen Dank verspürt. Darum ist Dank mit bloßen Worten wirkungslos. Aber echte Dankbarkeit ist ein aufrichtiger Dank, der von Herzen kommt. Wenn der Mensch infolge der Gunstbeweise Gottes ein empfindsames Gewissen entwickelt, dann ist das Herz glücklich, der Geist beschwingt. Diese geistige Empfänglichkeit ist die ideale Dankbarkeit.83:3Es gibt auch ein aufrichtiges Danken, das sich in den Taten und Handlungen eines Menschen ausdrückt, wenn sein Herz mit Dankbarkeit erfüllt ist. Zum Beispiel hat Gott dem Menschen Führung gewährt, und seine Dankbarkeit für diese große Gabe sollte er mit bestimmten Taten zeigen. Um seine Dankbarkeit für Gottes Gunstbeweise auszudrücken, muss der Mensch lobenswerte Taten vollbringen. Als Antwort auf diese Gaben muss er gute Werke vollbringen, aufopferungsvoll sein, die Diener Gottes lieben, ja sein Leben für sie hingeben und allen Geschöpfen liebevolle Güte erweisen. Er muss sich von der Welt lösen, vom Reiche Abhá angezogen sein, mit strahlendem Antlitz, beredter Zunge und aufmerksamem Ohr Tag und Nacht danach streben, das Wohlgefallen Gottes zu erlangen. Alles, was er tun möchte, muss mit dem Wohlgefallen Gottes im Einklang stehen. Er muss den Willen Gottes erkennen, beachten und entsprechend handeln. Zweifellos zeigen solche lobenswerten Taten unsere Dankbarkeit für Gottes Gunstbeweise.83:4Denkt daran, wie dankbar jemand ist, wenn er von einer Krankheit geheilt wird, wenn er von einem anderen freundlich behandelt wird oder wenn ein anderer ihm einen Dienst erweist, wie geringfügig dieser auch sein mag. Wenn wir solche Gunstbezeigungen nicht beachten, ist das ein Zeichen von Undank. Dann wird man sagen: Uns wurde liebevolle Güte erwiesen, aber wir sind undankbar und wissen diese Liebe und Gunst nicht zu schätzen. Körperlich und geistig sind wir in das Meer der Gunst Gottes getaucht. Er hat für Essen, Trinken und unsere übrigen Bedürfnisse gesorgt; Seine Gunst umgibt uns von allen Seiten. Die Versorgung des Menschen ist ein Segen. Das Sehen, das Hören und alle seine Fähigkeiten sind wunderbare Geschenke. Diese Segnungen sind zahllos; egal wie viele erwähnt werden, es bleiben noch unendlich mehr. Geistige Segnungen sind ebenso zahllos – Geist, Bewusstsein, Denken, Gedächtnis, Wahrnehmung, Vorstellungsvermögen und andere Begabungen. Durch sie hat Er uns geführt, und wir betreten Sein Königreich. Er hat vor unseren Augen die Tore zu allem Guten geöffnet. Er hat uns ewige Herrlichkeit gewährt. Er hat uns ins himmlische Reich geladen. Er hat uns durch Seine Gaben reich gemacht. Jeden Tag hat Er neue frohe Botschaften verkündet. Jede Stunde kommen neue Gaben herab.83:5Seht, wie all diese Menschen schlafen, ihr aber seid wach. Sie sind tot, ihr aber lebt durch den Odem des Heiligen Geistes. Sie sind blind, während ihr mit Einsicht und Erkenntnis begabt seid. Sie sind der Liebe Gottes bar, aber in euren Herzen lebt und leuchtet sie. Denkt über diese Gnadengaben und Gunstbeweise nach.83:6Aus Dankbarkeit für all das müsst ihr deshalb gemäß den Lehren Bahá’u’lláhs handeln. Ihr müsst die Schriften lesen – die Verborgenen Worte, Ishráqát, die Frohen Botschaften –, alle heiligen Äußerungen, und entsprechend handeln. Das ist echte Dankbarkeit, nach diesen Aussagen zu leben. Das ist wahre Dankbarkeit und die göttliche Gabe. Das ist Danksagung und Verherrlichung Gottes.83:7Ich hoffe, ihr alle könnt das erreichen, könnt immer dieser Gnadengaben Gottes gewahr und achtsam sein. Ich hoffe, dass ich New York mit einem glücklichen Herzen verlassen kann, und mein Herz ist glücklich, wenn die Freunde Gottes einander lieben, wenn sie gegenüber allen Menschen Gottes Barmherzigkeit bekunden. Wenn ich das sehe, kann ich mich glücklich verabschieden.83:8Seid gegrüßt! Ansprachen ‘Abdu’l-Bahás in Boston23. bis 25. Juli 1912– 84 –84:0_25023. Juli 191284:0_251Ansprache im Hotel Victoria
Boston, Massachusetts84:0_252Aufzeichnungen von Edna McKinney84:1Die Bahá’í dürfen sich nicht an politischen Bewegungen beteiligen, die zu Unruhen führen. Sie müssen ihre Aufmerksamkeit auf Bewegungen richten, die die öffentliche Ordnung stärken. Im heutigen Persien beteiligen sich die Bahá’í nicht an den revolutionären Unruhen, die in Gesetzlosigkeit und Rebellion endeten. Dennoch kann ein Bahá’í ein politisches Amt bekleiden und an der richtigen Art von Politik interessiert sein. Minister, Staatsbeamte und Generalgouverneure in Persien sind Bahá’í und es gibt viele andere Bahá’í in Regierungspositionen; aber nirgends auf der Welt sollten sich die Anhänger Bahá’u’lláhs an aufrührerischen Bewegungen beteiligen. Wenn es zum Beispiel hier in Amerika einen Aufstand geben sollte, der darauf abzielt, eine despotische Regierung zu errichten, sollten die Bahá’í nicht daran beteiligt sein.84:2Die Bahá’í-Sache behandelt in ihren Gesetzen und Prinzipien alle wirtschaftlichen und sozialen Fragen. Das Wesen des Bahá’í-Geistes ist: Um eine bessere soziale Ordnung und eine bessere Wirtschaftslage zu erreichen, muss man sich an die Gesetze und Grundsätze der Regierung halten. Sozialisten können nach den Gesetzen, die die Welt regieren sollen, zu Recht Menschenrechte einfordern, jedoch ohne Gewaltanwendung. Die Regierungen werden diese Gesetze erlassen und eine gerechte Justiz und Wirtschaft einführen, damit die gesamte Menschheit in den vollen Genuss von Wohlstand und Privilegien kommt; doch wird dies stets rechtlich abgesichert und mit legalen Mitteln erfolgen. Ohne gesetzliche Grundlagen scheitern Rechte und Ansprüche, und das Wohl des Volkes kann nicht gewährleistet werden. Gegenwärtig setzen Menschen Streiks und Gewalt ein, um ihre Forderungen durchzusetzen; das ist offensichtlich falsch und schadet den Grundlagen der Menschlichkeit. Berechtigte Ansprüche und Forderungen müssen in Gesetzen und Verordnungen verankert sein.84:3Während Tausende über diese Fragen nachdenken, verfolgen wir wichtigere Ziele. Die Grundlage der gesamten Ökonomie ist göttlicher Natur und eng verbunden mit der Welt des Herzens und des Geistes. Das wird in den Bahá’í-Lehren umfassend dargelegt, und ohne Kenntnis dieser Grundsätze kann die wirtschaftliche Situation nicht verbessert werden. Die Bahá’í werden diese Verbesserungen herbeiführen, aber nicht durch Aufruhr und rohe Gewalt, nicht durch Krieg, sondern durch Wohltätigkeit. Die Herzen müssen so verbunden sein, die Liebe so ausgeprägt, dass der Reiche bereitwillig dem Armen hilft und Maßnahmen ergreift, diese wirtschaftlichen Anpassungen dauerhaft zu verankern. Wenn es auf diese Weise erreicht wird, ist es höchst lobenswert, denn dann geschieht es um Gottes Willen und auf dem Pfad Seines Dienstes. Es wäre beispielsweise so, wie wenn die reichen Bewohner einer Stadt sagten: »Es ist weder gerecht noch gesetzmäßig, dass wir großen Reichtum besitzen, während es in dieser Gemeinde bittere Armut gibt«, und dann bereitwillig ihren Reichtum mit den Armen teilen und nur so viel behalten, dass sie angenehm leben können.84:4Strebt deshalb danach, Liebe in den Herzen zu erwecken und sie zum Glühen und Strahlen zu bringen. Wenn diese Liebe leuchtet, wird sie andere Herzen durchdringen, so wie dieses elektrische Licht seine Umgebung erhellt. Wenn die Liebe zu Gott gefestigt ist, wird auch alles andere verwirklicht werden. Dies ist die wahre Grundlage jeder Ökonomie. Denkt darüber nach. Bemüht euch, die Seelen anzuziehen, nicht darum, das Denken in bestimmte Bahnen zu zwingen. Zeigt den Menschen, was echte Ökonomie ist. Zeigt ihnen, was Liebe, was Güte, was echte Loslösung und Großzügigkeit sind. Es ist wichtig, das zu tun. Handelt in Übereinstimmung mit den Lehren Bahá’u’lláhs. Alle Seine Bücher werden übersetzt werden. Jetzt ist die Zeit, nach Seinen Worten zu leben. Lasst eure Taten die richtige Übersetzung ihrer Bedeutung sein. Fragen der Ökonomie werden die Herzen nicht anziehen. Allein die Liebe zu Gott zieht sie an. Fragen der Ökonomie sind sehr interessant, aber die Kraft, die die Herzen der Menschen bewegt, leitet und anzieht, ist die Liebe zu Gott. – 85 –85:0_25324. Juli 191285:0_254Ansprache vor der Theosophischen Gesellschaft
The Kensington
Exeter und Boylston Streets, Boston, Massachusetts85:0_255Aufzeichnungen von Edna McKinney85:1In der Welt des Daseins gibt es nichts Bedeutenderes als den Geist, nichts Wesentlicheres als den Geist des Menschen. Der Geist des Menschen ist die edelste aller Erscheinungen. Im Geist des Menschen begegnen sich Mensch und Gott. Der Geist des Menschen ist die treibende Kraft seines Lebens und das gemeinsame Zentrum aller menschlichen Tugenden. Der Geist des Menschen ist die Quelle der Erleuchtung dieser Welt. Die Welt mag mit dem Körper verglichen werden; der Mensch ist der Geist dieses Körpers, denn der menschliche Geist ist das Licht der Welt. Der Mensch ist das Leben der Welt, und das Leben des Menschen ist der Geist. Das Glück der Welt hängt vom Menschen ab, und das Glück des Menschen ist abhängig von seinem Geist. Die Welt kann mit dem Glas einer Lampe verglichen werden, während der Mensch das Licht ist. Der Mensch selbst kann mit der Lampe verglichen werden; das Licht in dieser Lampe ist sein Geist. Darum wollen wir über diesen Geist sprechen.85:2Es gibt zwei Arten von Philosophen in der Welt: Materialisten, die den Geist und seine Unsterblichkeit leugnen, und die göttlichen Philosophen, die Weisen Gottes, die wahren Erleuchteten, die an den Geist und seinen Fortbestand im Jenseits glauben. Die alten Philosophen lehrten, dass der Mensch bloß aus materiellen Elementen besteht, die seine Zellstruktur bilden, und dass das Leben des Menschen erlischt, sobald diese Struktur zerfällt. Sie argumentierten, der Mensch sei nur Körper und die Organe und ihre Funktionen, die Sinne, Fähigkeiten und Eigenschaften, die den Menschen charakterisieren, seien das Ergebnis der Zusammenstellung dieser Elemente und würden mit dem physischen Körper vollständig verschwinden. Das ist die Ansicht der meisten Materialisten.85:3Die göttlichen Philosophen verkünden hingegen, dass der Geist des Menschen fortdauert und ewig lebt, und wegen der Einwände der Materialisten bringen diese Weisen Gottes Vernunftbeweise vor, um die Gültigkeit ihrer Aussage zu untermauern. Da die materialistischen Philosophen die Bücher Gottes ablehnen, ist eine Beweisführung aus der Schrift für sie nicht stichhaltig, und materialistische Beweise sind notwendig. Die mit göttlichem Wissen ausgestattet sind, haben deshalb geantwortet, dass alle Erscheinungsformen in Kategorien oder Welten eingeteilt werden können, aufsteigend gruppiert in Mineralien, Pflanzen, Tiere und Menschen, und dass jede von ihnen ihr eigenes Maß an Funktionalität und Intelligenz aufweist. Wenn wir das Mineral betrachten, stellen wir fest, dass es existiert und die Kraft der Anziehung und der Bildung von Verbindungen besitzt. Die Pflanzen haben die Eigenschaften des Minerals und darüber hinaus die Fähigkeit, zu wachsen und sich zu vermehren. Es ist daher offensichtlich, dass das Pflanzenreich über dem Mineralreich steht. Die Tierwelt wiederum besitzt die Eigenschaften von Mineral und Pflanze und zusätzlich die fünf Sinne der Wahrnehmung, die den untergeordneten Reichen fehlen. Auch fehlt den niedrigeren Reichen das dem Tier eigene Erinnerungsvermögen.85:4So wie das Tier edler ist als Pflanze und Mineral, so steht der Mensch über dem Tier. Dem Tier fehlt das Vorstellungsvermögen, das heißt, es ist gefangen in der Welt der Natur und hat keinen Sinn für das, was in der Natur verborgen liegt oder was über sie hinausgeht; ihm fehlen die geistige Empfänglichkeit und die Anregungen des Bewusstseins, es weiß nichts von der Welt Gottes und es kann nie von den Naturgesetzen abweichen. Beim Menschen ist das anders. Der Mensch besitzt ein strahlendes Bewusstsein, Wahrnehmungsfähigkeit, Vorstellungsvermögen, und er ist fähig, die Geheimnisse des Universums zu entdecken. Alle Industriezweige, Erfindungen und Hilfsmittel, die uns im Alltag umgeben, waren einmal verborgen in der Natur, aber der Mensch durchdrang die Geheimnisse und nutzte sie für seine Ziele. Nach den Gesetzen der Natur hätten sie unsichtbar und verborgen bleiben sollen; aber der Mensch erhob sich über diese Gesetze, entdeckte diese Geheimnisse und brachte sie aus dem Reich des Unsichtbaren ins Reich des Bekannten und Sichtbaren. Wie wunderbar ist der Geist des Menschen! Eines dieser geheimnisvollen Naturphänomene ist die Elektrizität. Der Mensch hat diese unermessliche Kraft entdeckt und für sich nutzbar gemacht. Wie viele Geheimnisse der Natur sind schon ergründet und offenbart worden! Kolumbus entdeckte Amerika, als er noch in Spanien lebte. Der Mensch hat herausgefunden, dass die Sonne ortsgebunden ist, während die Erde sie umkreist. Das Tier ist dazu nicht in der Lage. Der Mensch erkennt in der Fata Morgana eine Sinnestäuschung. Das übersteigt die Fähigkeiten des Tieres. Das Tier kann nur durch Sinneseindrücke etwas erkennen, nicht aber intellektuelle Sachverhalte erfassen. Das Tier kann sich die Macht der Gedanken nicht vorstellen. Dies ist ein abstrakter, intellektueller Sachverhalt und nicht allein auf die Sinne beschränkt. Das Tier kann nicht erfassen, dass die Erde rund ist. Kurz, die Fähigkeit, abstrakte intellektuelle Phänomene zu erfassen, ist dem Menschen vorbehalten. Die gesamte Schöpfung unterhalb der menschlichen Stufe ist in der Natur gefangen; sie kann nicht im Geringsten von den Naturgesetzen abweichen. Aber der Mensch entreißt der Natur das Schwert der Herrschaft und setzt es ein, um sie zu beherrschen. Zum Beispiel muss der Mensch von Natur aus auf dem Erdboden leben, aber die Kraft des menschlichen Geistes überwindet diese Einschränkung und in Flugzeugen erhebt er sich in die Lüfte. Das widerspricht den Naturgesetzen und ihren Vorgaben. Mit hoher Geschwindigkeit befährt er die Meere und taucht in Unterseebooten unter deren Oberfläche. Er schließt die menschliche Stimme in einen Phonographen ein und kommuniziert innerhalb eines Augenblicks von Ost nach West. Das sind Dinge, von denen wir wissen, dass sie den Gesetzen der Natur und ihren Beschränkungen widersprechen. Der Mensch überschreitet die Grenzen der Natur, während Mineralien, Pflanzen und Tiere ihr machtlos ausgesetzt sind. Das kann nur die Kraft des Geistes erreichen, denn der Geist ist die Wirklichkeit.85:5Bezüglich der körperlichen Kräfte und Sinne sind Mensch und Tier jedoch ebenbürtig. Tatsächlich ist das Tier dem Menschen bei Sinneswahrnehmungen oft überlegen. Zum Beispiel sehen einige Tiere außerordentlich scharf und andere haben ein überaus feines Gehör. Denken Sie an den Spürsinn eines Hundes: Wie weit übertrifft er den eines Menschen. Aber obwohl das Tier alle körperlichen Fähigkeiten und Sinne mit dem Menschen gemein hat, ist der Mensch mit einer geistigen Kraft ausgestattet, die dem Tier fehlt. Das ist ein Beweis dafür, dass es im Menschen etwas gibt, das über die Begabung des Tieres hinausgeht – eine Fähigkeit und Eigenschaft, die dem Menschenreich vorbehalten ist und den niedrigeren Reichen des Daseins fehlt. Das ist der Geist des Menschen. All diese wunderbaren menschlichen Errungenschaften basieren auf der Wirksamkeit und der Durchdringungskraft des menschlichen Geistes. Wäre der Mensch ohne diesen Geist, wäre keine dieser Errungenschaften möglich gewesen. Das ist so offensichtlich wie die Sonne am Mittag.85:6Jeder Organismus der materiellen Schöpfung ist auf eine bestimmte Gestalt begrenzt. Das bedeutet, dass jedes erschaffene materielle Wesen eine Form besitzt; es kann nicht zwei Formen zugleich besitzen. Zum Beispiel kann ein Körper kugelförmig, dreieckig oder quadratisch sein; aber er kann unmöglich zwei dieser Formen gleichzeitig aufweisen. Er mag dreieckig sein, aber wenn er quadratisch werden sollte, muss er zuerst die dreieckige Form aufgeben. Es ist absolut unmöglich, beide Formen gleichzeitig zu haben. Es ist also klar, dass materielle Organismen nicht gleichzeitig verschiedene Formen besitzen können. Der Geist des Menschen hingegen kann sich alle geometrischen Figuren gleichzeitig vorstellen, während in der physischen Wirklichkeit eine Gestalt aufgegeben werden muss, damit eine andere möglich wird. Das ist das Gesetz von Wandel und Wechsel, und Wandel und Wechsel künden von der Sterblichkeit. Ohne diese Formänderung wären die materiellen Dinge unvergänglich; aber weil die stoffliche Existenz dem Wandel unterliegt, ist sie vergänglich. Die Wirklichkeit des Menschen hingegen weist alle Vorzüge auf; er muss keine Form zugunsten einer anderen aufgeben, wie es bei rein physischen Körpern der Fall ist. Daher gibt es in dieser Wirklichkeit weder Wandel noch Wechsel; sie ist unvergänglich und ewig. Der Leib eines Menschen kann in Amerika sein, während sein Geist im Fernen Osten arbeitet, wirkt, Entdeckungen macht, organisiert und plant. Während er damit beschäftigt ist, in Russland zu regieren, Gesetze zu erlassen oder ein Gebäude zu errichten, ist sein Körper immer noch hier in Amerika. Was ist diese Kraft, die, obwohl sie körperlich in Amerika ist, gleichzeitig im Orient wirkt, organisiert, zerstört oder aufbaut? Es ist der Geist des Menschen. Das ist unwiderlegbar.85:7Wenn Sie über eine Angelegenheit nachdenken oder sie in Erwägung ziehen, befragen Sie etwas in sich. Sie fragen sich: Soll ich es tun oder soll ich es bleiben lassen? Ist es besser, diese Reise zu machen oder nicht? Mit wem berät man sich? Wer in Ihnen entscheidet diese Frage? Sicher gibt es da eine eindeutige Kraft, ein intelligentes Ich. Wäre diese Kraft nicht von Ihrem Ich verschieden, würden Sie sie nicht befragen. Sie ist größer als das Denkvermögen. Es ist Ihr Geist, der Sie lehrt, der rät und diese Dinge entscheidet. Wer ist es, der fragt? Wer ist es, der antwortet? Es besteht kein Zweifel, dass es der Geist ist und dass dieser weder Wandel noch Wechsel unterliegt, denn er ist nicht aus Elementen zusammengesetzt und alles, was nicht aus Elementen zusammengesetzt ist, ist ewig. Wandel und Wechsel sind eine Eigenart der zusammengesetzten Dinge. Beim Geist gibt es weder Wandel noch Wechsel. Bewiesen wird all das durch Folgendes: Die Glieder des Körpers können schwach werden. Der Körper kann verstümmelt sein oder eines seiner Glieder kann seine Funktion einstellen. Der ganze Körper mag gelähmt sein, und doch bleiben Denken und Geist stets dieselben. Der Geist entscheidet, das Denken ist einwandfrei, und doch ist die Hand schlaff, die Füße unbrauchbar, die Wirbelsäule steif, die Muskeln gänzlich unbeweglich – aber der Geist ist im gleichen Zustand wie zuvor. Verstümmelt einen gesunden Menschen: Der Geist bleibt unverstümmelt. Amputiert seine Füße: Sein Geist ist da. Er kann gelähmt sein: Der Geist ist nicht betroffen. Der Geist ist immer derselbe; man merkt weder Wandel noch Wechsel, und weil es weder Wandel noch Wechsel gibt, ist er unvergänglich und von Dauer.85:8Denken Sie an den Menschen, während er schläft. Es ist offensichtlich, dass alle seine Gliedmaßen ruhen und ohne Funktion sind. Sein Auge sieht nicht, sein Ohr hört nicht, seine Füße und Hände sind bewegungslos; aber im Reich seiner Träume sieht er trotzdem, er hört, er spricht, er geht, er kann sogar mit einem Flugzeug fliegen. Es ist also offensichtlich, dass der Geist lebt und bleibt, auch wenn der Körper wie tot ist. Ja, die Wahrnehmungen können sogar schärfer sein, wenn der Leib des Menschen schläft, der Flug höher, das Gehör feiner; all diese Funktionen sind da, und doch ist der Körper in absoluter Ruhe. Damit ist bewiesen, dass dem Menschen Geist innewohnt, und für diesen Geist macht es keinen Unterschied, ob der Körper schläft oder tot und reglos ist. Der Geist wird durch diese Zustände nicht beeinträchtigt; er existiert weiter mit all seiner Vollkommenheit. Dafür gibt es viele, ja unzählige Beweise.85:9Alle diese Beweise entsprechen der Vernunft. Niemand kann sie widerlegen. Da wir gezeigt haben, dass es einen Geist gibt und dass dieser Geist beständig und unvergänglich ist, müssen wir uns bemühen, ihn kennenzulernen. Mögen Sie seine Macht erkennen, ihn antreiben, sich Gott zu weihen, sodass er geheiligt und fromm und zum wahren Licht der Welt wird, das den Osten wie den Westen erleuchtet. – 86 –86:0_25625. Juli 191286:0_257Ansprache im Hotel Victoria
Boston, Massachusetts
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