‘Abdu’l-Bahá | Die Verkündigung des Weltfriedens
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Dies ist ein Beweis, den die Sinne wahrnehmen können, den die Vernunft annehmen kann, der übereinstimmt mit den Traditionen und Lehren der Heiligen Bücher und durch die Eingebungen der menschlichen Herzen selbst bestätigt ist. Es ist ein Beweis, auf den wir uns absolut verlassen und den wir als vollständig erklären können. Aber dies sind nur Ausprägungen der Liebe, die in der natürlichen oder physischen Welt existieren. Ihr Ausdruck entspricht immer den Anforderungen natürlicher Gegebenheiten und Vorgaben.
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Wirkliche Liebe ist die Liebe, die zwischen Gott und Seinen Dienern besteht, die Liebe, die die heiligen Seelen verbindet. Dies ist die Liebe der geistigen Welt, nicht die Liebe der physischen Körper und Organismen. Betrachten wir, wie die Gnadengaben Gottes nach und nach auf die Menschen herabkommen, wie der göttliche Strahlenglanz ewig über der Menschenwelt scheint. Es kann keinen Zweifel geben, dass diese Gaben, diese Güte, dieser Strahlenglanz von der Liebe ausgehen. Wenn nicht Liebe der göttliche Beweggrund wäre, wäre es dem Menschenherzen unmöglich, die göttlichen Gnadengaben zu erlangen und zu empfangen. Wenn die Liebe nicht wäre, könnte der göttliche Segen auf nichts und niemanden, was es auch sei, herniederkommen. Wenn es keine Liebe gäbe, könnte das, was den göttlichen Strahlenglanz aufnimmt, nicht strahlen und diesen Strahlenglanz auch nicht anderen vermitteln. Wenn wir aufmerksam sind, bemerken wir, dass die Gaben Gottes sich fortwährend zeigen, so wie die Strahlen der Sonne unaufhörlich dem Zentralgestirn entströmen. Der Strahlenglanz der Sonne macht die Erscheinungswelt leuchtend und hell. So wird auch das Reich des Herzens und Geistes durch die Strahlen der Sonne der Wahrheit und die Segnungen der Liebe Gottes erleuchtet und belebt. Dadurch wird die Welt des Seins, das Reich des Herzens und Geistes, dauerhaft zum Leben erweckt. Ohne die Liebe Gottes wäre das Herz leblos, der Geist würde verkümmern und die Wirklichkeit des Menschen wäre der ewigen Gaben beraubt.
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Schaut, in welchem Ausmaß sich die Liebe Gottes offenbart. Zu den Zeichen Seiner Liebe, die in der Welt erscheinen, gehören die Aufgangsorte Seiner Manifestationen. Welch unendliches Maß an Liebe wird der Menschheit durch die göttlichen Manifestationen zuteil! Um der Führung der Menschen willen, um die Herzen der Menschen wiederzubeleben, haben Sie bereitwillig Ihr Leben hingegeben. Sie haben das Kreuz auf Sich genommen. Um den Menschen den größtmöglichen Fortschritt zu ermöglichen, haben Sie in Ihrer begrenzten Lebenszeit unvorstellbare Prüfungen und Schwierigkeiten erduldet. Wenn Jesus Christus keine Liebe zur Menschheit besessen hätte, hätte Er das Kreuz gewiss nicht angenommen. Er ließ Sich aus Liebe zur Menschheit kreuzigen. Seht das unendliche Maß dieser Liebe. Ohne Liebe zur Menschheit hätte Johannes der Täufer sein Leben nicht hingegeben. Und so war es bei allen Propheten und Heiligen Seelen. Hätte der Báb keine Liebe zur Menschheit empfunden, so hätte Er gewiss Seine Brust nicht den tausend Kugeln dargeboten. Wenn Bahá’u’lláh nicht von der Liebe zur Menschheit entflammt gewesen wäre, hätte Er nicht bereitwillig eine vierzigjährige Gefangenschaft auf Sich genommen.
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Schaut, wie selten die Menschen ihr Vergnügen und ihren Komfort für andere opfern, wie unwahrscheinlich es ist, dass ein Mensch zugunsten eines anderen ein Auge oder ein Körperteil hingibt. Und doch haben alle göttlichen Manifestationen gelitten, Ihr Leben und Blut hingegeben, Ihre ganze Existenz, Ihr Wohlergehen und all Ihren Besitz um der Menschheit willen geopfert. Deshalb sollten wir uns vor Augen halten, welch große Liebe Sie hegen. Ohne Ihre Liebe zur Menschheit wäre geistige Liebe nur eine Worthülse. Ohne Ihre Erleuchtung könnten Menschenseelen nicht strahlen. Wie viel Ihre Liebe bewirkt! Dies ist ein Zeichen der Liebe Gottes, ein Strahl der Sonne der Wahrheit.
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Darum müssen wir Gott preisen, denn das Licht Seiner Großmut schien auf uns durch Seine ewig währende Liebe. Seine göttlichen Manifestationen haben Ihr Leben aus Liebe zu uns hingegeben. Sodann denkt über die Bedeutung der Liebe Gottes nach. Gäbe es die Liebe Gottes nicht, bliebe jeder Geist leblos. Damit ist nicht der körperliche Tod gemeint; nein, es ist vielmehr dieser Zustand, über den Christus sagte: »Lass die Toten ihre Toten begraben«, denn »Was aus dem Fleisch geboren wird, ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren wird, ist Geist.« Gäbe es die Liebe Gottes nicht, wären die Herzen nicht erleuchtet. Gäbe es die Liebe Gottes nicht, stünde der Weg zu Seinem Reich nicht offen. Gäbe es die Liebe Gottes nicht, wären die Heiligen Bücher nicht offenbart worden. Gäbe es die Liebe Gottes nicht, wären die göttlichen Propheten nicht in die Welt gesandt worden. Die Grundlage all dieser Gaben ist die Liebe Gottes. Deshalb gibt es in der Menschenwelt keine größere Macht als die Liebe Gottes. Es ist die Liebe Gottes, die uns heute Abend hier zusammengeführt hat. Es ist die Liebe Gottes, die den Osten und den Westen zusammenbringt. Es ist die Liebe Gottes, die die Welt auferweckt hat. Jetzt müssen wir Gott dafür danken, dass uns eine so große Gabe, ein solches Strahlen offenbart worden ist.
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Wir kommen jetzt zu einem anderen Aspekt unseres Themas: Sind die Taten und die Wirkungen der Liebe auf diese Welt begrenzt, oder erstrecken sie sich auch auf eine andere Form der Existenz? Wirkt ihr Einfluss nur hier auf unser Dasein, oder erstreckt er sich auf das ewige Leben? Wenn wir auf das Menschenreich schauen, stellen wir leicht fest, dass es allen anderen Reichen übergeordnet ist. Bei der Einteilung des Lebens in der Welt des Daseins gibt es vier Stufen oder Reiche, das Mineralreich, das Pflanzenreich, das Tierreich und das Menschenreich. Das Mineralreich besitzt eine bestimmte Eigenschaft, die wir Anziehung nennen. Das Pflanzenreich besitzt die Eigenschaft der Anziehung und dazu die Kräfte von Wachstum und Vermehrung. Das Tierreich besitzt die Eigenschaften des Mineralreiches und des Pflanzenreiches und zusätzlich die Kraft der Sinne. Aber obwohl das Tier über Empfindungen verfügt, fehlt ihm jegliches Bewusstsein, es hat keine Berührung mit der Welt von Bewusstsein und Geist. Das Tier besitzt keine Kräfte, mit denen es Entdeckungen machen kann, die über das Reich der Sinne hinausgehen. Es kann nichts Intellektuelles hervorbringen. Ein Tier, das in Europa lebt, kann z.B. nicht den amerikanischen Kontinent entdecken. Es versteht nur Erscheinungen, die in den Bereich seiner Sinne und seines Instinkts gelangen. Es kann nichts abstrakt durchdenken. Das Tier kann sich nicht vorstellen, dass die Erde kugelförmig ist oder sich um ihre Achse dreht. Es kann nicht begreifen, dass die kleinen Sterne am Himmel gewaltige Welten sind, weit größer als die Erde. Das Tier kann nicht abstrakt den Intellekt erfassen. Diese Fähigkeiten besitzt es nicht. Diese Kräfte sind also typisch für den Menschen, und es ist offensichtlich, dass es im Menschenreich eine Wirklichkeit gibt, die dem Tier fehlt. Was ist diese Wirklichkeit? Es ist der Geist des Menschen. Durch ihn ragt der Mensch über alle anderen Erscheinungswelten heraus. Obwohl er bereits alle Vorzüge der niederen Reiche besitzt, ist er zudem mit der Fähigkeit des Geistes, der himmlischen Gabe des Bewusstseins begabt.
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Alle materiellen Erscheinungen sind der Natur unterworfen. Alle materiellen Organismen sind Gefangene der Natur. Nichts davon kann im Geringsten von den Naturgesetzen abweichen. Diese Erde, diese hohen Berge, die Tiere mit ihren wunderbaren Kräften und Instinkten können die natürlichen Begrenzungen nicht überschreiten. Alle sind Gefangene der Natur – außer dem Menschen. Der Mensch ist der Gebieter der Natur. Er setzt sich über die Gesetze der Natur hinweg. Obwohl er von Natur aus dazu ausgerüstet ist, auf der Erdoberfläche zu wohnen, fliegt er in die Luft wie ein Vogel, segelt über das Meer und taucht in Unterseebooten tief in seine Wellen hinab. Der Mensch ist mit einer Kraft begabt, durch die er in die Naturgesetze eindringt, sie entdeckt und aus der Verborgenheit auf die Ebene der Sichtbarkeit bringt. Die Elektrizität war einmal eine verborgene Naturkraft. Gemäß den Naturgesetzen hätte sie ein verborgenes Geheimnis bleiben sollen, aber der Geist des Menschen hat sie entdeckt, aus der Verborgenheit geholt und ihre Erscheinungen sichtbar gemacht. Es ist offensichtlich und klar, dass der Mensch fähig ist, sich über die Gesetze der Natur hinwegzusetzen. Wie bewerkstelligt er das? Durch den Geist, mit dem Gott ihn erschaffen hat. Dies ist ein Beweis dafür, dass sich der Mensch durch seinen Geist von allen niederen Reichen unterscheidet und hervorhebt. Es ist dieser Geist, auf den sich im Alten Testament ein Vers bezieht, in dem es heißt: »Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.« Nur der Geist des Menschen durchdringt die Wahrheiten Gottes und hat an den göttlichen Gnadengaben teil.
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Diese große Macht muss offensichtlich unterschieden werden vom physischen Leib, dem Tempel, in dem sie offenbar wird. Schaut genau hin und seht, wie dieser menschliche Leib sich ändert. Dennoch bleibt der Geist des Menschen immer im selben Zustand. So wächst der Körper manchmal schwach heran, wird stark oder korpulent, manchmal wächst er kleiner heran oder verkrüppelt, aber das hat keine Wirkung auf den Geist. Das Auge mag erblinden, der Fuß kann amputiert werden, aber der Geist wird von keiner Unvollkommenheit beeinträchtigt. Das zeigt, dass sich der Geist des Menschen von seinem Körper unterscheidet. Schäden am Leib oder seinen Gliedmaßen verursachen keine Schäden am Geist. Daraus ergibt sich zutreffend die Schlussfolgerung, dass der Geist überleben wird, selbst wenn der gesamte Körper einer radikalen Veränderung unterzogen werden sollte. Selbst wenn der Körper des Menschen zerstört wird und nicht mehr existiert, bleibt der Geist des Menschen unberührt. Denn der Geist des Menschen besteht ewig. Manchmal schläft der Körper, die Augen sehen nicht, die Ohren hören nicht, die Gliedmaßen bewegen sich nicht mehr, jede Körperfunktion ruht wie im Tode. Trotzdem sieht und hört der Geist und schwebt in die Höhe. Denn er besitzt diese Fähigkeiten, die ohne Zutun des Körpers wirken. In der Gedankenwelt sieht er ohne Augen, hört ohne Ohren und reist, ohne die Füße zu bewegen. Ohne körperliche Kraft übt er jede Funktion aus. Dies macht deutlich, dass der Geist im Schlaf lebt, obwohl der Körper wie tot ist. In der Traumwelt wird der Körper völlig passiv, aber der Geist funktioniert immer noch aktiv und besitzt alle Gefühle. Dies führt zu der Schlussfolgerung, dass das Leben des Geistes weder das Leben des Körpers voraussetzt noch davon abhängig ist. Man kann allenfalls sagen, dass der Körper ein bloßes Kleidungsstück ist, das vom Geist benutzt wird. Wenn dieses Kleidungsstück zerstört wird, ist der Träger nicht davon betroffen, er bleibt vielmehr unversehrt.
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Alle Erscheinungen sind einem stetigen Wandel von einem Zustand in einen anderen unterworfen, und dieser Wandel führt zu einer Art Nichtexistenz. Wenn zum Beispiel ein Mensch aus dem menschlichen Reich in das Mineralreich eintritt, sagen wir, er sei tot, denn dann hat er die physische Gestalt des Menschen abgelegt und den Zustand mineralischer Stoffe angenommen. Diese Transformation oder Umgestaltung wird als Tod bezeichnet. Daraus folgt also, dass kein Organismus der Erscheinungswelt gleichzeitig zwei Gestalten haben kann. Wenn ein Objekt die Gestalt eines Dreiecks hat, kann es nicht gleichzeitig die Gestalt eines Quadrats haben. Wenn es kugelförmig ist, kann es nicht gleichzeitig fünf- oder sechseckig sein. Um eine bestimmte Figur oder Form anzunehmen, muss es die vorherige Form aufgeben. Somit muss die Gestalt des Dreiecks aufgegeben werden, um ein Quadrat zu werden; das Quadrat muss sich ändern, um ein Fünfeck zu werden. Diese Transformationen oder Veränderungen von einem Zustand zum anderen sind gleichbedeutend mit dem Tod. Aber die Wirklichkeit des Menschen, der menschliche Geist, besitzt gleichzeitig jede Form und Gestalt, ohne eine von ihnen zu verlieren. Es erfordert keine Transformation von einem Konzept zum anderen. Würde er eine oder alle Gestalten verlieren, würden wir sagen, er sei in eine andere Gestalt überführt worden, und dies wäre gleichbedeutend mit dem Tod. Aber da der menschliche Geist alle Formen gleichzeitig besitzt, gibt es für ihn weder Transformation noch Tod.
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Gemäß der Naturphilosophie ist es eine Tatsache, dass einzelne oder einfache Elemente unzerstörbar sind. Da die Natur unzerstörbar ist, ist jedes Grundelement der Natur beständig und dauerhaft. Tod und Vernichtung betreffen nur Verbindungen und Zusammensetzungen. Das heißt, Zusammensetzungen können zerstört werden. Wenn eine Zersetzung stattfindet, tritt der Tod ein. Zum Beispiel bildet die Verbindung bestimmter einzelner Bestandteile diese Blume. Wenn diese Verbindung aufgelöst wird, wenn diese Zusammensetzung zerfällt, stirbt die Blume als Organismus des Pflanzenreiches. Aber die einzelnen Elemente, aus denen diese Blume besteht, erleiden keinen Tod, denn alle einzelnen Elemente sind dauerhaft, ewig und unterliegen nicht der Zerstörung. Sie sind unzerstörbar, weil sie Einzelteile sind und nicht zusammengesetzt. Sie können sich also weder auflösen noch in Atome zerlegt werden, sondern sie sind einzeln, einfach und daher ewig.
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Wenn schon eine elementare Substanz Unsterblichkeit besitzt, wie kann der menschliche Geist, die menschliche Wirklichkeit, die gänzlich über Verbindung und Zusammensetzung erhaben ist, zerstört werden? Nein, vielmehr ist dieser Geist ein Ganzes, eine Einheit und keine Verbindung. Seine Zerstörung ist daher nicht möglich. Der Geist des Menschen überschreitet die Eigenschaften und Attribute jedes Elementes der Natur. Seine Eigenschaften überragen die von Gold, Silber oder Eisen, die einzelne Elemente sind und deshalb unzerstörbar. Da schon sie unzerstörbar sind und mit Dauerhaftigkeit ausgezeichnet, um wie viel mehr ist der menschliche Geist frei und unsterblich. Wie kann er jemals zerstört werden? Dies ist ein Thema von großer Bedeutung. Zahllose Beweise gibt es dazu. Ich hoffe, wir können dieses Thema zu einem anderen Zeitpunkt fortsetzen.
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Bevor wir auseinandergehen, möchte ich ein Gebet für Miss Farmer sprechen; denn sie ist die Begründerin dieser Einrichtung, der Ursprung dieser liebevollen Gemeinschaft und unseres Zusammentreffens.
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O Du gütiger Gott! Umgib diese Diener mit Deiner strahlenden Vorsehung. Lass die Herzen der hier Versammelten im Feuer Deiner Liebe erglühen. Erhelle diese Gesichter mit dem Licht des Himmels. Erleuchte diese Herzen mit dem Licht der größten Führung.
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O Gott! Die Wolken des Aberglaubens verdecken die Horizonte der Herzen. O Herr! Vertreibe diese Wolken, damit das Licht der Sonne der Wahrheit scheinen kann. O Herr! Erleuchte unsere Augen, damit wir Dein Licht erblicken. O Herr! Schärfe unser Gehör, damit wir auf den Ruf der Höchsten Heerscharen hören. O Herr! Mache unsere Zungen beredt, damit wir zu Deinem Gedenken beitragen können. O Herr! Heilige und reinige die Herzen, damit der Glanz Deiner Liebe in ihnen erstrahle.
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O Du gütiger Herr! Gewähre der Gründerin dieser Vereinigung durch Deine Kraft und Deine Gaben eine rasche Genesung. O Herr! Diese Frau hat Dir gedient, hat ihr Antlitz Deinem Reiche zugewandt und hat diese Konferenzen ins Leben gerufen, damit die Wahrheit erforscht werde und das Licht der Wahrheit scheine.
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O Herr! Sei Du ihr Beistand allezeit. O Herr! Sei Du ihr Tröster allezeit. O Herr! Schenke ihr rasche Heilung. Wahrlich, Du bist der Gnädige. Wahrlich, Du bist der Barmherzige. Wahrlich, Du bist der Freigebige.
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17. August 1912
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Ansprache in Green Acre
Eliot, Maine
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Aufzeichnungen von Edna McKinney
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Die natürliche Schönheit dieses Ortes ist einfach wunderbar. Wir hoffen, dass ein geistiger Liebreiz ihn wie eine Aura umgibt, dann wird seine Schönheit vollkommen sein. Hier zeigt sich eine geistige Atmosphäre, besonders bei Sonnenuntergang.
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In Städten wie New York sind die Menschen im Meer des Materialismus versunken. Ihre Empfindungen sind auf materielle Kräfte ausgerichtet, ihre Wahrnehmung rein körperlich. Tierische Triebe überwiegen in ihrem Handeln, all ihre Gedanken sind auf materielle Dinge gerichtet. Tag und Nacht ergeben sie sich den Verlockungen dieser Welt, ohne jegliches Streben nach dem, was hinausgeht über dieses vergängliche Leben und diese sterbliche Welt. In Schulen und Tempeln des Lernens basieren die erworbenen wissenschaftlichen Kenntnisse allein auf Beobachtungen im materiellen Bereich. Es gibt keinen Hinweis auf das Göttliche in ihren Methoden und Schlussfolgerungen – alles dreht sich um die Welt der Materie. Sie sind nicht daran interessiert, Einblick in die Mysterien Gottes zu erlangen oder die Geheimnisse des himmlischen Reiches zu verstehen. Was sie an Wissen erwerben, beruht allein auf sichtbaren und greifbaren Beweisen. Jenseits dieser Beweise sind sie unempfänglich. Sie ahnen nichts von der Welt der inneren Bedeutungen, haben keinerlei Verbindung zu Gott und halten dies für ein Zeichen einer vernünftigen Haltung und eines philosophischen Urteilsvermögens, was sie selbstgefällig und stolz macht.
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Tatsächlich besitzen die Tiere am meisten von diesen vortrefflichen Eigenschaften. Die Tiere haben keine Kenntnis von Gott. Sie sind sozusagen Leugner des Göttlichen und verstehen nichts vom himmlischen Königreich und seinen Mysterien. Als Leugner des Königreichs Gottes kennen sie geistige Dinge überhaupt nicht und wissen nichts von der übernatürlichen Welt. Wenn es eine Vortrefflichkeit und Tugend wäre, nichts von Gott und Seinem Reich zu wissen, hätten darum die Tiere den höchsten Grad an Vortrefflichkeit und Tüchtigkeit erlangt. Dann wäre der Esel der größte Wissenschaftler und die Kuh ein erfolgreicher Naturforscher, denn sie haben das, was sie wissen, ohne Schulbildung und jahrelanges mühsames Studium an Colleges erhalten, vertrauen ohne Weiteres auf die Beweise der Sinne und verlassen sich ausschließlich auf ihre Intuition. Die Kuh zum Beispiel liebt das Sichtbare und glaubt an das Greifbare. Sie ist zufrieden und glücklich, wenn es genug Weideland gibt, völlig heiter, ein glückseliger Vertreter der transzendentalen Schule der Philosophie. So steht es um die materialistischen Philosophen, die sich der gleichen Ansichten rühmen, die auch die Kuh hat, und sich einbilden, auf einer hohen Stufe zu stehen. Denken Sie über ihre Unwissenheit und Blindheit nach.
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Der Vorzug des Menschen hingegen ist vielmehr, dass er die Ideale des Gottesreiches erforschen und Kenntnisse erlangen kann, die dem Tier in seiner Begrenztheit versagt bleiben. Die Stufe des Menschen ist diese: Er hat die Kraft, sich zu dieser geistigen Wirklichkeit aufzuschwingen und sich dadurch bewusst unendlich über die unter ihm liegenden Reiche des Seins zu erheben.
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Die Stufe des Menschen ist hoch, sehr hoch. Gott hat den Menschen nach Seinem Ebenbild erschaffen. Er hat ihn mit einer mächtigen Kraft ausgestattet, die in der Lage ist, die Geheimnisse der Erscheinungswelt zu entdecken. Durch die Verwendung dieser Kraft kann der Mensch zu Schlussfolgerungen gelangen, die auf Idealen beruhen, anstatt sich auf die bloße Ebene der Sinneseindrücke zu beschränken. Da er die gleichen Sinne wie die Tiere besitzt, ist es offensichtlich, dass er sich vor ihnen auszeichnet durch seine bewusste Kraft, abstrakte Wahrheiten zu durchdringen. Er erlangt göttliche Weisheit, er erforscht die Geheimnisse der Schöpfung, er erlebt den Glanz der Allmacht, er erlangt die zweite Geburt – das heißt, er wird aus der materiellen Welt heraus geboren, wie er von der Mutter geboren wird. Er erlangt das ewige Leben, er nähert sich Gott, sein Herz ist erfüllt von der Liebe Gottes. Das bildet die Grundlage der Menschenwelt, das ist das Ebenbild Gottes, das ist die Wirklichkeit des Menschen. Ohne das ist er nur ein Tier. Wahrlich, Gott hat das Tier nach dem Ebenbild des Menschen geschaffen, denn obwohl der Mensch äußerlich menschlich ist, besitzt er in seinem Inneren tierische Neigungen.
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Ihr müsst euch bemühen, die Geheimnisse Gottes zu verstehen, vollendetes Wissen zu erlangen und die Stufe der Einsicht zu erreichen, Erkenntnis direkt von der Sonne der Wahrheit zu erhalten und den euch bestimmten Teil der urewigen Gaben Gottes zu empfangen.
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17. August 1912
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Ansprache in Green Acre
Eliot, Maine
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Aufzeichnungen von Edna McKinney
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Obwohl der Körper schwach war und den Anforderungen einer Atlantiküberquerung nicht gewachsen schien, half uns die Liebe und wir kamen hierher. Es gibt Zeiten, in denen der Geist den Körper unterstützen muss. Wirklich Großes können wir nicht allein durch physische Kraft vollbringen; der Geist muss unsere körperliche Stärke ergänzen. Der Körper des Menschen mag beispielsweise in der Lage sein, die Qualen einer Haft zehn oder fünfzehn Jahre lang unter gemäßigten Klimabedingungen und ruhiger körperlicher Routine zu ertragen. Während unserer Gefangenschaft in ‘Akká fehlte jeglicher Komfort; Schwierigkeiten und Verfolgungen aller Art umgaben uns, aber trotz solch qualvoller Umstände konnten wir diese Prüfungen vierzig Jahre lang ertragen. Das Klima war extrem schlecht, die notwendigsten Dinge und Annehmlichkeiten des Lebens wurden uns verweigert, und doch ertrugen wir diese harte Gefangenschaft vierzig Jahre lang. Was war der Grund? Der Geist stärkte und belebte den Körper die ganze Zeit. Wir durchlitten diese lange, schwierige Zeit in äußerster Liebe und himmlischer Dienstbarkeit. Unter bestimmten Bedingungen, die uns umgeben, muss der Geist den Körper unterstützen, weil der Körper allein derartig extreme Strapazen nicht ertragen kann.
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Der menschliche Körper ist tatsächlich sehr schwach. Es gibt keinen zerbrechlicheren physischen Körper. Eine Mücke quält ihn, die kleinste Menge Gift zerstört ihn. Wenn die Atmung für einen Moment aussetzt, stirbt er. Welches Instrument könnte schwächer und empfindlicher sein? Ein von der Wurzel abgetrennter Grashalm kann eine Stunde lang überleben, während ein menschlicher Körper, dem seine Kräfte entzogen sind, in einer Minute sterben kann. Im Verhältnis zur Schwäche des menschlichen Körpers ist der Geist des Menschen stark. Er kann natürliche Phänomene kontrollieren; er ist eine übernatürliche Kraft, die über alle bedingten Wesen hinausgeht. Sein Leben ist unvergänglich und nichts kann es zerstören oder verderben. Wenn alle Lebensreiche sich gegen den unsterblichen Menschengeist erheben, um ihn zu zerstören, dann kann dieser unsterbliche Geist allein und auf sich gestellt ihren Angriffen in furchtloser Festigkeit und Entschlossenheit trotzen, denn er ist unzerstörbar und mit höchsten natürlichen Kräften ausgestattet. Aus diesem Grund sagen wir, dass der Geist des Menschen die Wirklichkeit aller Dinge durchdringen und entdecken kann, die Geheimnisse und Mysterien alles Erschaffenen enthüllen kann. Während er auf der Erde lebt, entdeckt er die Sterne und ihre Satelliten; er begibt sich unter Tage, findet die Metalle in ihren verborgenen Tiefen und enthüllt die Geheimnisse geologischer Zeitalter. Er kann die unendlichen Weiten des interstellaren Raumes überwinden und die Bewegung unvorstellbar weit entfernter Sonnen entdecken. Wie wunderbar ist er! Er kann zum Reich Gottes gelangen. Er kann die Geheimnisse des göttlichen Königreichs durchdringen und zum ewigen Leben gelangen. Er empfängt Erleuchtung vom Licht Gottes und spiegelt es dem gesamten Universum wider. Wie wunderbar ist er! Wie mächtig ist der Geist des Menschen, obwohl sein Körper so schwach ist! Wenn die Empfänglichkeit des Geistes ihn kontrolliert, gibt es kein erschaffenes Wesen, das heldenhafter und unerschrockener ist als der Mensch. Doch wenn physische Kräfte dominieren, könnt ihr kein feigeres oder ängstlicheres Wesen finden, weil der Körper so schwach und unfähig ist. Daher ist die Absicht Gottes, dass die geistige Empfänglichkeit des Menschen Vorrang vor seinen körperlichen Kräften erlangen und sie beherrschen soll. Auf diese Weise wird es dem Menschen gelingen, die Menschenwelt durch seinen geistigen Adel zu beherrschen und furchtlos und frei hervorzutreten – ausgestattet mit den Merkmalen des ewigen Lebens.
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17. August 1912
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Ansprache in Green Acre
Eliot, Maine
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Aufzeichnungen von Edna McKinney
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Geht es euch allen gut und seid ihr glücklich? Dies ist ein herrlicher Ort. Die Landschaft ist wunderschön und eine Atmosphäre der Geistigkeit umgibt alles. So Gott will, wird Green Acre in Zukunft ein großartiges Zentrum werden, die Ursache der Einheit der Menschenwelt, der Eintracht der Herzen und der Verbindung des Ostens mit dem Westen. Das ist meine Hoffnung.
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Heute Abend möchte ich über die Einheit der Menschheit sprechen. Dies ist eines der wichtigen Themen der Gegenwart. Wenn die Einheit der Menschheit verwirklicht würde, würden alle Differenzen, die die Menschen trennen, beseitigt werden. Streit und Krieg würden aufhören, und die Menschheit fände Ruhe. Der Weltfrieden würde vorangebracht, und ein starkes Band würde Ost und West miteinander verbinden. Alle Menschen fänden Schutz unter einem Dach. Herkunftsländer würden eins und Hautfarbe und Religion würden vereint. Die Völker der Welt würden in Harmonie zusammenleben und ihr Wohlergehen wäre gesichert.
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Seit Beginn der Menschheitsgeschichte bis in die Gegenwart haben sich die verschiedenen Religionen der Welt gegenseitig verteufelt und der Falschheit beschuldigt. Jede Religion erachtete die anderen als des Antlitzes Gottes und Seiner Barmherzigkeit beraubt und dem göttlichen Zorn ausgeliefert. Daher haben sie sich strikt voneinander ferngehalten und sich gegenseitig Feindseligkeit und Groll entgegengebracht. Denkt an die Berichte über Glaubenskriege, die Schlachten zwischen Nationen, das Blutvergießen und die Zerstörung im Namen der Religion. Einer der größten Religionskriege, die Kreuzzüge, erstreckte sich über einen Zeitraum von zweihundert Jahren. Während dieser aufeinanderfolgenden großen Feldzüge drangen westliche Kreuzfahrer immer wieder in den Orient ein, um die Heilige Stadt aus den Händen des islamischen Volkes zu retten. Armee um Armee wurde in Europa aufgestellt und drängte mit ihren fanatischen Legionen in den Osten. Die Könige der europäischen Nationen führten persönlich diese Kreuzzüge an, töteten und vergossen das Blut der Orientalen. Zwei Jahrhunderte lang befanden sich Ost und West in einem Zustand von Gewalt und Aufruhr. Manchmal waren die Kreuzfahrer erfolgreich, töteten, plünderten und nahmen das muslimische Volk gefangen; manchmal siegten dagegen die Muslime und brachten unter den Invasoren Blutvergießen, Tod und Verderben. So vergingen zwei Jahrhunderte, in denen sich erbitterte Kämpfe mit Erholung von der Erschöpfung abwechselten. Schließlich zogen sich die europäischen Glaubenskämpfer aus dem Osten zurück. Sie hinterließen Schutt und Asche und fanden ihre eigenen Nationen in einem Zustand der Umwälzung und des Aufruhrs vor. In diesen nutzlosen Glaubenskriegen wurden hunderttausende von Menschen getötet und unermesslicher Reichtum verschwendet. Wie viele Väter trauerten um ihre Söhne! Wie viele Mütter und Ehefrauen beklagten den Verlust ihrer Lieben! Und dies war nur einer unter den ›heiligen‹ Kriegen. Sinnt darüber nach und überlegt wohl.
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Es gab zahlreiche weitere Religionskriege. Neunhunderttausend Märtyrer für die Sache der Protestanten waren die Folge von Kämpfen und Streitigkeiten zwischen dieser christlichen Konfession und den Katholiken. Historische Aufzeichnungen bestätigen dies. Wie viele mussten in Gefängnissen schmachten! Wie gnadenlos wurden die Gefangenen behandelt! Und das alles im Namen der Religion! Überlegt, wie auch andere Kriege zwischen den Völkern und Angehörigen religiöser Glaubensrichtungen ausgegangen sind.
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