‘Abdu’l-Bahá | Beantwortete Fragen
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14:10
Der Winter bricht herein; das heißt, die Kälte der Torheit und Unwissenheit umhüllt die Welt und es herrscht die Dunkelheit eigensinniger und selbstsüchtiger Wünsche. Darauf folgt Gleichgültigkeit und Widerspenstigkeit, Trägheit und Torheit, Niedertracht und tierische Merkmale, Kälte und Versteinerung, genau wie zur Winterzeit, wenn der Erdball ohne den Einfluss der Sonnenstrahlen wüst und leer wird. Wenn das Reich von Geist und Verstand dieses Stadium erreicht, verbleibt nichts als der unabänderliche Tod und endloses Nichtsein.
14:11
Wenn jedoch die Winterzeit zu Ende geht, kehrt der geistige Frühling wieder zurück und ein neuer Zyklus offenbart seinen Glanz. Die Brisen des Geistes wehen, der strahlende Morgen bricht an, die Wolken des Barmherzigen regnen herab, die Strahlen der Sonne der Wahrheit leuchten, und die Welt des Seins wird mit neuem Leben erfüllt und in ein wundersames Gewand gekleidet. In dieser neuen Jahreszeit erscheinen alle Zeichen und Gaben des vorangegangenen Frühlings wieder, vielleicht sogar in noch größerem Maße.
14:12
Die geistigen Zyklen der Sonne der Wahrheit befinden sich wie die Zyklen der physischen Sonne in einem Zustand ständiger Bewegung und Erneuerung. Die Sonne der Wahrheit kann mit der materiellen Sonne verglichen werden, die an vielen verschiedenen Orten aufgeht. Einmal erhebt sie sich im Zeichen des Krebses und einmal im Zeichen der Waage; einmal erstrahlt sie im Zeichen des Wassermanns und ein andermal im Zeichen des Widders. Doch die Sonne ist nur eine Sonne und eine einzige Wirklichkeit. Die wahres Wissen besitzen, lieben die Sonne und sind nicht ihren Aufgangsorten verhaftet. Wer mit Einsicht begabt ist, sucht die Wahrheit selbst, nicht ihre Stellvertreter oder ihre Verkörperungen. So beugen sie sich in Anbetung vor der Sonne, in welchem Zeichen und über welchem Horizont sie auch immer aufgehen mag, und suchen die Wahrheit bei jeder geheiligten Seele, die sie offenbaren könnte. Solche Menschen entdecken unweigerlich die Wahrheit und sind nicht durch Schleier vom Licht der Sonne des göttlichen Himmels getrennt. Wer die Strahlen liebt und das Licht sucht, wird sich stets der Sonne zuwenden, ob sie nun im Zeichen des Widders scheint, ob sie ihre Gunst im Zeichen des Krebses gewährt oder ihre Strahlen im Zeichen des Zwillings aussendet.
14:13
Aber die Törichten und Unwissenden sind nur von den Tierkreiszeichen angetan und von den Aufgangsorten verzaubert, nicht von der Sonne selbst. Als sie im Krebs stand, wandten sie sich ihr zu, aber als sie in die Waage überging, fuhren sie – an das frühere Zeichen gefesselt – fort ihren Blick auf dieses Zeichen zu richten und daran festzuhalten. So beraubten sie sich der Strahlen der Sonne, sobald sie sich bewegt hatte. So erstrahlte einst die Sonne der Wahrheit im Zeichen Abrahams, später erhob sie sich im Zeichen Mose und erleuchtete den Horizont und noch später schien sie mit größter Kraft, Wärme und Ausstrahlung im Zeichen Christi. Die nach der Wahrheit suchten, beteten sie an, wo immer sie sie sahen, aber sobald die Sonne ihre Strahlen auf den Sinai warf und die Wirklichkeit Mose erleuchtete, wurden diejenigen, die sich weiter an Abraham hielten, ihrer beraubt. Und die sich an Mose klammerten, waren ebenso wie durch Schleier von Gott getrennt, als die Sonne der Wahrheit die Strahlenfülle ihres himmlischen Glanzes vom Aufgangsort Christi aus verbreitet hatte und so setzte es sich immer weiter fort.
14:14
Deshalb muss man nach der Wahrheit suchen, sich von jeder geheiligten Seele, in der man sie findet, verzücken und verzaubern lassen und sich ganz und gar von den Gnadengaben Gottes anziehen lassen. Wie ein Nachtfalter muss man das Licht lieben, in welcher Lampe es auch immer leuchtet; und wie eine Nachtigall muss man von der Rose bezaubert sein, in welcher Laube sie auch immer blüht.
14:15
Würde die Sonne im Westen aufgehen, so wäre es immer noch die Sonne. Ja, wo auch immer die Sonne aufgehen mag, es ist stets dieselbe Sonne. Man darf nicht annehmen, dass ihr Aufgang sich auf einen einzigen Ort beschränkt und dass die anderen Orte daran keinen Anteil haben. Man darf sich nicht von ihrem Aufgang im Osten täuschen lassen und den Westen als Ort ihres Untergangs betrachten. Man muss nach der mannigfachen Gunst Gottes suchen, nach dem göttlichen Strahlenglanz Ausschau halten und sich von jeder Wirklichkeit, in der sie klar und deutlich zu finden sind, verzücken und verzaubern lassen. Bedenke: Hätten sich die Juden nicht an den Horizont Mose geklammert, sondern ihren Blick auf die Sonne der Wahrheit gerichtet, dann hätten sie gewiss die Sonne in ihrer göttlichen Strahlenfülle in diesem wahren Aufgangsort, in Christus, wahrgenommen. Aber ach, tausendmal ach! Sie klammerten sich an den Namen Mose und beraubten sich dieser himmlischen Gnade und dieses göttlichen Glanzes.
Kapitel 15Wahres Glück
15:1
Ehre und Erhabenheit alles Existierenden hängt von bestimmten Ursachen und Bedingungen ab.
15:2
Die Vortrefflichkeit, Zierde und Vollkommenheit der Erde liegen darin, dass sie durch die Frühlingsschauer grün und fruchtbar wird, Pflanzen aus ihr hervorsprießen, Blumen und Kräuter wachsen, blühende Bäume reichen Ertrag und frische und saftige Früchte hervorbringen, Gärten entstehen, Wiesen erblühen, Ebenen und Berge in smaragdgrünem Gewand erscheinen und Felder, Lauben, Dörfer und Städte geschmückt sind. Das ist das GlückDas Wort ›Sa‘ádat‹, das hier als ›Glück‹ wiedergegeben wird, hat weitere Bedeutungen wie Wohlstand, Freude und Wohlbefinden.A des Mineralreichs.
15:3
Der Gipfel der Erhabenheit und Vollkommenheit für die Pflanzenwelt liegt darin, dass ein Baum an einem Fluss frischen Wassers steht, eine sanfte Brise weht und die Sonne ihm ihre Wärme spendet, ein Gärtner ihn pflegt und er von Tag zu Tag wächst und Früchte trägt. Aber ihr wahres Glück liegt darin, in die Welt der Tiere und Menschen überzugehen und zu ersetzen, was in den Körpern der Tiere und Menschen verbraucht wurde.
15:4
Die Erhabenheit der Tierwelt liegt darin, vollkommene Glieder, Organe und Kräfte zu besitzen und alle Bedürfnisse decken zu können. Das ist der Gipfel ihrer Herrlichkeit, Ehre und Erhabenheit. So liegt das größte Glück für ein Tier in einer grünen fruchtbaren Wiese, in einem Fluss mit kristallklarem Wasser oder in einem belebten Wald. Wenn all diese Dinge bereit stehen, kann man sich kein größeres Glück für das Tier vorstellen. Sollte zum Beispiel ein Vogel sein Nest in einem grünen fruchtbaren Wald, in angenehmer Höhe, auf einem mächtigen Baum, in den höchsten Zweigen bauen, und sollte er so viel Körner und Wasser haben wie er braucht, dann wäre das sein vollkommenes Glück.
15:5
Aber wahres Glück liegt für das Tier darin, aus der Tierwelt ins Menschenreich zu gelangen, wie die mikroskopisch kleinen Lebewesen, die durch Luft und Wasser in den Körper des Menschen gelangen, aufgenommen werden und ersetzen, was von ihm verbraucht wurde. Das ist die größte Ehre und das größte Glück für die Tierwelt, und keine größere Ehre ist für sie vorstellbar.
15:6
Solch materielle Unbeschwertheit, Bequemlichkeit und Fülle stellt also offensichtlich das höchste Glück für Mineralien, Pflanzen und Tiere dar. Kein Reichtum, kein Wohlstand, keine Behaglichkeit und keine Unbeschwertheit in unserer materiellen Welt kann dem Reichtum eines Vogels gleichkommen, denn er hat die ganze Weite der Felder und Berge als Heimstatt; alle Samenkörner und Ernten sind sein Reichtum und seine Nahrung; und alle Ländereien, Dörfer, Wiesen, Weiden, Wälder und jede Wildnis sein Besitz. Wer ist nun reicher – dieser Vogel oder der Reichste unter den Menschen? Ganz gleich, wie viele Körner der Vogel auch sammeln oder verschenken mag, sein Reichtum wird nicht geschmälert.
15:7
Somit ist klar, dass Ehre und Erhabenheit des Menschen nicht nur in materiellen Freuden und irdischen Vorteilen liegen kann. Das materielle Glück ist zweitrangig, während die Erhabenheit des Menschen in erster Linie in solchen Tugenden und Errungenschaften liegt, die die menschliche Wirklichkeit schmücken. Diese bestehen in göttlichen Segnungen, himmlischen Gaben, aufrichtigen Gefühlen, Liebe und Erkenntnis Gottes, Bildung, Verstandeswahrnehmungen und wissenschaftlichen Entdeckungen. Sie bestehen in Gerechtigkeit und Unparteilichkeit, Wahrhaftigkeit und Güte, innerem Mut und natürlicher Menschlichkeit, dem Schutz der Rechte anderer und der Wahrung der Unantastbarkeit von Verträgen und Vereinbarungen. Sie bedeuten rechtschaffenes Verhalten unter allen Umständen, bedingungslose Liebe zur Wahrheit, Aufopferung für das Wohl aller Menschen, Güte und Mitgefühl für alle Völker, Gehorsam gegenüber den Lehren Gottes, Dienst für das himmlische Königreich, Führung für die gesamte Menschheit und Bildung für alle Völker und Nationen. Das ist das Glück der Menschenwelt! Das ist die Erhabenheit des Menschen in der bedingten Welt! Das ist ewiges Leben und himmlische Ehre!
15:8
Diese Gaben erscheinen jedoch in der Wirklichkeit des Menschen allein durch eine heilige und göttliche Macht, und durch die himmlischen Lehren, denn sie bedürfen einer übernatürlichen Macht. Ansatzweise mag diese Vollkommenheit zwar in der Natur auftauchen, aber sie ist so flüchtig und kurzlebig wie Sonnenstrahlen auf einer Wand.
15:9
Da der barmherzige Herr das Haupt des Menschen mit einem solch strahlenden Diadem gekrönt hat, müssen wir danach streben, dass seine leuchtenden Edelsteine ihr Licht auf die ganze Welt werfen.
Teil 2 – Einige christliche ThemenKapitel 16Intelligible Wirklichkeiten und ihr mit den Sinnen wahrnehmbarer Ausdruck
16:1
Es gibt einen Gesichtspunkt, der ausschlaggebend für das tiefere Verständnis der Fragen ist, die wir bereits erörtert haben und noch erörtern werden, dass nämlich menschliche Erkenntnis auf zweierlei Wegen erfolgt.
16:2
Ein Weg ist die Erkenntnis über die Sinne. Was das Auge, das Ohr, der Geruchs-, Geschmacks- oder Tastsinn erfassen kann, nennt man ›mit den Sinnen wahrnehmbar‹. Zum Beispiel ist die Sonne wahrnehmbar, da man sie sehen kann. Ebenso sind Töne wahrnehmbar, da das Ohr sie hören kann; Gerüche, da sie eingeatmet und durch den Geruchssinn wahrgenommen werden können; Speisen, da der Gaumen ihren süßen, sauren, bitteren oder salzigen Geschmack wahrnehmen kann; Hitze und Kälte, da sie durch den Tastsinn wahrgenommen werden können. Dies nennen wir mit den Sinnen wahrnehmbare Wirklichkeiten.
16:3
Der andere Weg zur Erkenntnis geht über das verstandesmäßig Fassbare; das sind die intelligiblen Wirklichkeiten, die nicht an Form und Raum gebunden und nicht mit den Sinnen wahrnehmbar sind. Beispielsweise ist weder die Kraft des Verstandes noch irgendeine menschliche Eigenschaft mit den Sinnen wahrnehmbar: Es sind intelligible Wirklichkeiten. Auch Liebe ist eine intelligible und keine mit den Sinnen wahrnehmbare Wirklichkeit. Denn das Ohr hört diese Wirklichkeiten nicht, das Auge sieht sie nicht, der Geruchssinn kann sie nicht wahrnehmen, der Geschmacksinn sie nicht feststellen, der Tastsinn sie nicht spüren. Selbst der Äther, dessen Kräfte in der Naturphilosophie mit Wärme, Licht, Elektrizität und Magnetismus beschrieben werden, ist eine intelligible und keine mit den Sinnen wahrnehmbare Wirklichkeit. Auch das Wesen der Natur ist eine intelligible und keine mit den Sinnen wahrnehmbare Wirklichkeit; der menschliche Geist ist eine intelligible und keine mit den Sinnen wahrnehmbare Wirklichkeit.
16:4
Wenn du aber versuchst, diese intelligiblen Wirklichkeiten zu erklären, dann bist zu gezwungen, sie in eine mit den Sinnen wahrnehmbare Form zu gießen, da es in der Außenwelt nichts gibt, das über die Sinneswahrnehmung hinaus geht. Wenn du also die Wirklichkeit des Geistes, seinen Zustand und seine Stufen darstellen möchtest, musst du sie zwangsläufig wie etwas beschreiben, das mit den Sinnen wahrnehmbar ist, denn in der Außenwelt gibt es nur das mit den Sinnen Wahrnehmbare. Kummer und Freude sind zum Beispiel intelligible Zustände. Wenn man diese geistigen Befindlichkeiten jedoch beschreiben möchte, sagt man: »Mir wurde schwer ums Herz« oder »Mir wurde leicht ums Herz«, obwohl das Herz nicht wirklich schwerer oder leichter wird. Vielmehr handelt es sich um einen geistigen, intelligiblen Zustand, der nur mit Analogien aus der Sinneswahrnehmung beschrieben werden kann. Ein anderes Beispiel wäre die Aussage: »Ein gewisser Soundso ist weit voran gekommen«, obgleich er an Ort und Stelle geblieben ist, oder: »Soundso hat eine hohe Stellung«, obwohl er, wie jeder andere auch, weiterhin auf der Erde einhergeht. Aufstieg und Fortschritt bezeichnen geistige Zustände und intelligible Wirklichkeiten; um sie jedoch darzustellen, muss man sie mit Begriffen der Sinneswelt beschreiben, da es in der Außenwelt nichts gibt, das über die Sinneswahrnehmung hinaus geht.
16:5
Um ein weiteres Beispiel zu nennen: Wissen wird bildhaft als Licht und Unwissen als Dunkelheit beschrieben. Aber denke darüber nach: Ist Wissen wahrnehmbares Licht oder Unwissen wahrnehmbare Dunkelheit? Natürlich nicht. Es sind nur intelligible Zustände. Wenn man sie jedoch anschaulich beschreiben möchte, bezeichnet man Wissen als Licht und Unwissen als Dunkelheit und sagt: »Mein Herz war finster und es wurde erleuchtet.« Da das Licht des Wissens und die Dunkelheit des Unwissens intelligible und keine sinnlich wahrnehmbaren Wirklichkeiten sind, müssen wir sie als Sinneswahrnehmung beschreiben, um sie in der Außenwelt zum Ausdruck bringen zu können.
16:6
Desgleichen ist offensichtlich, dass die Taube, die auf Christus herniederkam,Vergleiche: Matthäus 3:16–17, Markus 1:10–11, Lukas 3:22A keine leibhaftige Taube war, sondern ein Geisteszustand, der für ein besseres Verständnis so versinnbildlicht wurde. Beispielsweise heißt es im Alten Testament, dass Gott als Feuersäule erschienVergleiche: Exodus 13:21–22A. Gemeint ist hier kein mit den Sinnen wahrnehmbares Phänomen, sondern eine intelligible Wirklichkeit, die auf diese Weise veranschaulicht wird.
16:7
Christus sagt: »Wisst, dass der Vater in mir ist und ich im Vater.«Vergleiche: Johannes 10:38A Ist denn nun Christus in Gott oder Gott in Christus? Nein, bei Gott! Dies ist ein intelligibler Zustand, der in einer mit den Sinnen fassbaren Weise ausgedrückt wurde.
16:8
Wir kommen nun zur Erklärung der Worte Bahá’u’lláhs: »O König! Ich war nur ein Mensch wie andere und lag schlafend auf Meinem Lager. Siehe, da wehten die Lüfte des Allherrlichen über Mich hin und lehrten Mich die Erkenntnis all dessen, was war. Dies ist nicht von Mir, sondern von Einem, der allmächtig und allwissend ist.«Aus Bahá’u’lláhs Sendschreiben an Náṣiri’d-Dín Sháh, in Súriy-i-Haykal, in: Brief an den Sohn des Wolfes 12A Das ist die Stufe göttlicher Offenbarung. Es ist keine mit den Sinnen wahrnehmbare, sondern eine intelligible Wirklichkeit. Sie ist geheiligt über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und transzendiert diese. Es handelt sich um einen Vergleich, eine Analogie, eine Metapher und nicht um die Wahrheit im wortwörtlichen Sinn. Wenn hier davon die Rede ist, dass jemand schlief und dann erwachte, so ist damit nicht das gängige Verständnis gemeint, sondern es bezeichnet den Übergang eines Zustands in einen anderen. Schlafen ist zum Beispiel der Zustand der Ruhe und Wachsein der Zustand der Bewegung. Schlafen ist der Zustand der Stille und Wachsein der Zustand der Äußerung. Schlafen ist der Zustand der Verborgenseins und Wachsein der Zustand Sichtbarwerdens.
16:9
So heißt es etwa im Persischen und Arabischen, dass die Erde schlief, dann der Frühling kam und die Erde erwachte, oder dass die Erde tot war, der Frühling kam und sie wieder lebendig wurde. Diese Ausdrucksweisen sind Vergleiche, Analogien und bildhafte Auslegungen und beziehen sich auf die innere Bedeutung.
16:10
Kurz gesagt, die Manifestationen Gottes waren immer leuchtende Wirklichkeiten und werden es immer sein, und in ihrem Wesen gibt es weder Wandel noch Veränderung. Sie sind allenfalls vor Ihrer Offenbarung ruhig und schweigsam, wie jemand, der schläft, und nach Ihrer Offenbarung sind sie beredt und strahlend, wie jemand, der wach ist.
Kapitel 17Die Geburt Christi
17:1
Frage: Wie wurde Christus aus dem Heiligen Geist geboren?
17:2
Antwort: In dieser Frage widersprechen sich die geistig gesinnten und die materialistischen Philosophen. Die einen glauben, Christus sei aus dem Heiligen Geist geboren, während die anderen so etwas für unmöglich und unhaltbar erachten und der Auffassung sind, Er habe notwendigerweise einen menschlichen Vater gehabt.
17:3
Im Qur’án heißt es: »… da sandten Wir Unseren Geist zu ihr, und Er erschien ihr in Gestalt eines vollkommenen Menschen«Qur’án 19:17; vergleiche auch Lukas 1:26–28A, was bedeutet, dass der Heilige Geist menschliche Gestalt annahm, etwa wie ein Bild im Spiegel erscheint, und dann zu Maria sprach.
17:4
Die materialistischen Philosophen halten Paarung für unabdingbar und sagen, dass ein lebendiger Körper keinesfalls von einem leblosen Körper ins Dasein gebracht werden könne und ohne Vereinigung von Mann und Frau nicht entstehen könne. Sie sind der Ansicht, dass dies nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Tieren und darüber hinaus sogar bei Pflanzen unmöglich sei. Denn eine Paarung von männlich und weiblich gebe es bei allen Tieren und Pflanzen. Sie argumentieren sogar, dass auch der Qur’án diese Paarung aller Dinge bestätige: »Preis sei dem, der all die Paare erschaffen hat: bei dem, was die Erde wachsen lässt, bei den Menschen selbst und bei dem, was sie nicht wissen!«Qur’án 36:36A; das heißt, Menschen, Tiere und Pflanzen existieren alle in Paaren. »Und von allem haben Wir ein Paar erschaffen«Vergleiche Qur’án 13:3A; das heißt, Wir haben alles Existierende in Paaren erschaffen.
17:5
Kurz, sie sagen, ein Mensch sei ohne menschlichen Vater undenkbar. Die geistig gesinnten Philosophen halten jedoch dagegen, so etwas sei nicht ausgeschlossen, nur weil es niemand beobachtet habe, und es gebe einen Unterschied zwischen dem Unmöglichen und dem, was lediglich nicht beobachtet wurde. Vor der Erfindung des Telegrafen, beispielsweise, war ein unmittelbarer Nachrichtenaustausch zwischen Ost und West unbekannt, aber nicht unmöglich; ebenso waren Fotografie und Tonaufzeichnung noch unbekannt, aber nicht unmöglich.
17:6
Die materialistischen Philosophen beharren auf ihrer Überzeugung, und die geistig gesinnten Philosophen antworten: »Besteht dieser Erdball ewig oder ist er entstanden?« Die materialistischen Philosophen antworten, dass er gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge entstanden ist; dass er anfangs eine geschmolzene Kugel war, die allmählich abkühlte; dass sich eine Kruste darum gebildet hat; und dass auf dieser Erdkruste Pflanzen entstanden, dann Tiere und schließlich Menschen.
17:7
Die geistig gesinnten Philosophen sagen: »Aus Ihrer Aussage geht klar hervor, dass die menschliche Gattung auf dem Erdball entstanden und nicht ewig ist. Somit hatte der erste Mensch sicherlich weder Vater noch Mutter, denn die Existenz der Gattung Mensch hat einen zeitlichen Beginn. Was ist nun fraglicher: dass der Mensch, wenn auch allmählich, ohne Vater und Mutter entsteht, oder dass er ohne Vater ins Dasein tritt? Wenn du zugibst, dass der erste Mensch ohne Vater und ohne Mutter entstanden ist, sei es allmählich oder in kurzer Zeit, kann es keinen Zweifel daran geben, dass auch ein Mensch ohne menschlichen Vater möglich und logisch nachvollziehbar ist. Man kann dies also nicht einfach als unmöglich zurückweisen und täte man es, so würde dies einen Mangel an Unvoreingenommenheit verraten. Wenn man zum Beispiel sagt, diese Lampe sei ohne Docht und ohne Öl angezündet worden, und dann sagt, dass es unmöglich sei, sie ohne Docht anzuzünden, dann verrät dies einen Mangel an Unvoreingenommenheit.« Christus hatte eine Mutter, aber der erste Mensch hatte nach den materialistischen Philosophen weder Vater noch Mutter.
Kapitel 18
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