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19:2Frage: Warum bedurfte Christus angesichts Seiner angeborenen Vollkommenheit der Taufe und was war die Weisheit dahinter?19:3Antwort: Das Wesen der Taufe ist die Reinigung durch Reue. Johannes warnte und ermahnte die Menschen, sorgte dafür, dass sie bereuen und taufte sie dann. So ist diese Reinigung offensichtlich ein Symbol der Abkehr von jeglicher Sünde, als ob man sagte: »O Gott! So wie mein Körper von Schmutz gesäubert und gereinigt worden ist, so reinige und heilige auch meinen Geist von den Verunreinigungen der Welt der Natur, die Deiner göttlichen Schwelle unwürdig sind.« Reue ist die Rückkehr von der Widerspenstigkeit zum Gehorsam. Erst nachdem der Mensch Entfremdung und Entbehrung von Gott erlebt hat, bereut er und reinigt sich. Diese Reinigung ist somit ein Symbol, das besagt: »O Gott! Mache mein Herz gut und rein, reinige und heilige es von allem außer Deiner Liebe.«19:4Da Christus wünschte, dass dieser von Johannes eingeführte Brauch zu jener Zeit von allen praktiziert werde, unterwarf Er sich ihm, auf dass Menschen erweckt und das aus der früheren Religion hervorgegangene Gesetz erfüllt würde. Denn obwohl dieser Brauch von Johannes eingeführt wurde, stellte er in Wirklichkeit die Reinigung durch Reue dar, die in allen göttlichen Religionen praktiziert wurde.19:5Christus bedurfte der Taufe nicht, aber Er unterzog sich ihr, weil diese Handlung damals vor Gott lobenswert und annehmbar war und die frohe Botschaft des Gottesreiches ankündigte. Später verkündete Er jedoch, dass die wahre Taufe nicht mit stofflichem Wasser, sondern mit Geist und Wasser erfolgen müsse, und an anderer Stelle sprach Er von Geist und Feuer.Vergleiche: Matthäus 3:11, Markus 1:8, Lukas 3:16, Johannes 1:33A Was hier mit »Wasser« gemeint ist, ist kein stoffliches Wasser, denn an anderer Stelle wird ausdrücklich gesagt, dass die Taufe durch Geist und Feuer erfolgen muss, und Letzteres macht deutlich, dass es sich nicht um stoffliches Feuer und Wasser handelt, da eine Taufe mit Feuer unmöglich ist.19:6Mit »Geist« ist göttliche Gnade gemeint, mit »Wasser« Wissen und Leben und mit »Feuer« die Liebe Gottes. Stoffliches Wasser reinigt nämlich nicht das Herz des Menschen, sondern seinen Körper. Das Herz des Menschen aber wird durch himmlisches Wasser und Geist, das für Wissen und Leben steht, geläutert und gereinigt. Mit anderen Worten, das Herz, das an der ausströmenden Gnade des Heiligen Geistes teilhat und geheiligt wird, wird gut und rein. Die menschliche Wirklichkeit soll so von Verunreinigungen durch die Welt der Natur – von schändlichen Eigenschaften wie Zorn, Lust, Weltlichkeit, Stolz, Unehrlichkeit, Heuchelei, Betrug, Eigenliebe und vielem mehr – gereinigt und geheiligt werden.19:7Der Mensch kann sich ohne die bestätigende Gnade des Heiligen Geistes nicht selbst vom Ansturm eitler und selbstsüchtiger Wünsche befreien. Deshalb heißt es, dass die Taufe mit dem Geist, mit Wasser und Feuer erfolgen muss, das heißt mit dem Geist der göttlichen Gnade, mit dem Wasser des Wissens und des Lebens und mit dem Feuer der Liebe Gottes. Mit diesem Geist, diesem Wasser und diesem Feuer muss der Mensch getauft werden, damit er der ewigen Gnade teilhaftig werden kann. Denn welcher Nutzen liegt darin, mit stofflichem Wasser getauft zu werden? Nein, diese Taufe mit Wasser stand in Wirklichkeit für Reue und für den Wunsch nach Vergebung der Sünden.19:8In der Sendung Bahá’u’lláhs jedoch ist diese symbolische Handlung nicht mehr nötig, denn ihre Wirklichkeit – mit dem Geist und der Liebe Gottes getauft zu werden – ist erwiesen und als wahr erkannt.Kapitel 20Die Taufe und der Wandel des göttlichen Gesetzes20:1Frage: Ist die Reinigung durch Taufe nützlich und notwendig, oder ist sie nutzlos und unnötig? Wenn Ersteres gilt, warum wurde sie trotz ihrer Notwendigkeit aufgehoben? Und wenn Letzteres gilt, warum hat Johannes sie praktiziert, obwohl sie unnötig ist?20:2Antwort: Wechsel und Wandel der Verhältnisse sowie Abfolge und Umwälzung von Zeitaltern gehören zu den notwendigen Wesensmerkmalen der bedingten Welt, und diese notwendigen Wesensmerkmale können nicht von der Wirklichkeit der Dinge getrennt werden. So ist es unmöglich, Hitze von Feuer, Nässe von Wasser oder Strahlen von der Sonne zu trennen, denn das sind notwendige Wesensmerkmale. Und da Wechsel und Wandel zu den Erfordernissen von allem Bedingten gehören, ändern sich auch die Gebote Gottes entsprechend dem Wandel der Zeit. Zum Beispiel war in den Tagen Mose Sein Gesetz notwendig und stimmte mit den damals herrschenden Verhältnissen überein. Doch in den Tagen Christi hatten sich die Verhältnisse so geändert, dass das mosaische Gesetz nicht mehr angemessen war und den Bedürfnissen der Menschheit nicht mehr gerecht wurde, und deshalb wurde es aufgehoben. So brach Christus den Sabbat und verbot die Scheidung. Nach Ihm erlaubten vier Jünger, darunter Petrus und Paulus, den Verzehr tierischer Speisen, die in der Thora verboten waren, ausgenommen davon war der Verzehr von Fleisch strangulierter Tiere, von Opfergaben für Götzen und von Blut. Sie verboten auch die Unzucht.Vergleiche: Apostelgeschichte 15:20A Demnach behielten sie diese vier Gebote bei. Später erlaubte Paulus das Essen von strangulierten Tieren, von Tieren, die Götzen geopfert wurden und von Blut, aber er behielt das Verbot der Unzucht bei. So schreibt er in Römer 14:14: »Ich weiß und bin gewiss in dem Herrn Jesus, dass nichts unrein ist an sich selbst; nur für den, der es für unrein hält, für den ist es unrein.« Außerdem steht in Titus 1:15 geschrieben: »Den Reinen ist alles rein; den Unreinen aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist beides, ihr Sinn und ihr Gewissen.«20:3Nun war dieser Wandel, diese Veränderung und Aufhebung darauf zurückzuführen, dass das Zeitalter Christi mit dem des Mose nicht vergleichbar war. Die Verhältnisse und Anforderungen hatten sich völlig geändert und deshalb wurden die früheren Gebote aufgehoben.20:4Der Körper der Welt kann mit dem eines Menschen verglichen werden, und die Propheten und Gesandten Gottes mit fähigen Ärzten. Ein Mensch bleibt nicht immer im gleichen Zustand. Es treten unterschiedliche Beschwerden auf, die jeweils ein bestimmtes Heilmittel erfordern. So behandelt ein fähiger Arzt nicht alle Beschwerden auf gleiche Weise, sondern er passt Behandlung und Heilmittel den verschiedenen Beschwerden und dem jeweiligen Zustand an. Eine Person kann schwer an einer Erkrankung leiden, die durch Überhitzung hervorgerufen wird. Der fähige Arzt wird dann zwangsläufig kühlende Medikamente verabreichen.‘Abdu’l-Bahá bezieht sich hier auf das Konzept von Hitze und Kälte, das in der traditionellen islamischen Medizin eine wichtige Rolle spielt.A Wenn sich zu einem anderen Zeitpunkt der Zustand dieser Person ändert und die Hitze einem Übermaß an Kälte weicht, wird der Arzt natürlich die kühlende Arznei beiseitelassen und eine wärmende verschreiben. Dieser Wechsel und Wandel hängt vom Zustand des Patienten ab und beweist offenkundig das Geschick des Arztes.20:5Betrachte folgendes Beispiel: Könnte das Gesetz der Thora in der heutigen Zeit umgesetzt werden? Nein, bei Gott! Das wäre völlig unmöglich, und aus diesem Grund war es notwendig, dass Gott zur Zeit Christi das Gesetz der Thora aufgehoben hat. Bedenken Sie, dass auch in den Tagen Johannes des Täufers die Reinigung durch die Taufe dazu diente, die Menschen zu erwecken, zu ermahnen und sie dazu zu bewegen, alle Sünden zu bereuen und das Kommen des Reiches Christi zu erwarten. Aber heutzutage tauchen Katholiken und Orthodoxe in Asien Säuglinge in eine Mischung aus Wasser und Olivenöl, so dass einige durch diese Strapaze krank werden und während der Taufe zittern und sich wehren. Andernorts sprenkelt der Priester das Taufwasser auf die Stirn. Aber in keinem der beiden Fälle führt das bei diesen Kindern zu irgendwelchen geistigen Empfindungen. Wozu soll es also gut sein? Andere Völker fragen sich, warum das Kind ins Wasser getaucht wird, da dies weder geistiges Bewusstsein noch Glauben noch Erweckung verleiht, sondern lediglich ein Brauch ist, der befolgt wird. In der Zeit von Johannes dem Täufer war es aber nicht so: Johannes ermahnte zuerst die Menschen, brachte sie dazu, ihre Sünden zu bereuen und rief sie auf, das Kommen Christi zu erwarten. Alle durch die Taufe Geläuterten bereuten sodann mit größter Bescheidenheit und Demut ihre Sünden, säuberten und reinigten auch ihren Leib von äußeren Verunreinigungen und erwarteten voller Sehnsucht Tag und Nacht und jeden Augenblick das Kommen Christi und die Aufnahme in Sein Reich.20:6Kurz gesagt, gemeint ist hier, dass Wechsel und Wandel in den Bedingungen und Erfordernissen der Zeit die Ursache für die Aufhebung religiöser Gesetze ist, denn die Zeit kommt, da diese früheren Gebote nicht mehr den herrschenden Bedingungen entsprechen. Bedenke, wie sehr sich die Anforderungen der Neuzeit von denen der Antike und des Mittelalters unterscheiden! Könnten die Gebote früherer Jahrhunderte in dieser jüngeren Zeit erlassen werden? Ganz offensichtlich wäre dies völlig unmöglich. Ebenso wird das, was heute notwendig ist, nach Ablauf vieler Jahrhunderte nicht mehr den Bedürfnissen jenes künftigen Zeitalters entsprechen und Änderung und Wandel werden unvermeidlich sein.20:7In Europa werden die Gesetze laufend verändert und angepasst. Wie zahlreich sind die Gesetze, die einst in den europäischen Rechtssystemen und Regelwerken existierten und die inzwischen außer Kraft gesetzt wurden! Diese Veränderungen sind auf den Wandel des Denkens, der Gepflogenheiten und der Lebensbedingungen zurückzuführen, und ohne sie wäre das Wohlergehen der Menschenwelt gestört.20:8Zum Beispiel verhängt die Thora das Todesurteil für den, der den Sabbat bricht. Die Thora sieht sogar in zehn Fällen die Todesstrafe vor. Könnten diese Gebote in unserer Zeit angewandt werden? Es liegt auf der Hand, dass dies völlig unmöglich wäre. So wurden sie geändert und abgewandelt, und allein dieser Wechsel und Wandel der Gesetze stellt einen hinreichenden Beweis für die vollendete Weisheit Gottes dar.20:9Über dieses Thema muss man tief nachdenken, und der Grund dafür ist klar und deutlich. Gut steht es um die, die nachdenken!Kapitel 21Brot und Wein21:1Frage: Christus sagte: »Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird leben in Ewigkeit.«Johannes 6:51A Was bedeutet diese Äußerung?21:2Antwort: Mit diesem Brot ist die himmlische Nahrung göttlicher Vollkommenheit gemeint. Mit anderen Worten, wem diese Nahrung zuteilwird – das heißt, wer die göttliche Gnadenfülle erlangt, wer Erleuchtung aus Seinem Licht zieht und seinen Anteil an der Vollkommenheit Christi erhält, der wird ewiges Leben erlangen. Mit Blut ist wiederum der Geist des Lebens gemeint, der aus göttlicher Vollkommenheit, himmlischem Glanz und ewiger Gnade besteht. Denn jeder Teil des Körpers erhält seine Lebenskraft aus dem Blutkreislauf.21:3In Johannes 6:26 heißt es: »Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.« Offensichtlich waren die Brotlaibe, von denen die Jünger aßen und satt wurden, die himmlische Gnade, denn in Vers 33 desselben Kapitels heißt es: »Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben.« Offensichtlich kam der Leib Christi nicht vom Himmel herab, sondern wurde aus dem Schoß Marias geboren: Was vom Himmel Gottes herabkam, war der Geist Christi. In der Annahme, dass Christus von Seinem Leib sprach, brachten die Juden den Einwand, wie in Vers 42 desselben Kapitels geschrieben steht: »Ist dieser nicht Jesus, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel gekommen?«21:4Bedenke, wie eindeutig es ist, dass Christus mit dem himmlischen Brot Seinen Geist, Seine vielfältige Gunst, Seine Vollkommenheit und Seine Lehren meinte; denn in Vers 63 des besagten Kapitels heißt es: »Der Geist ist’s, der da lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze.«21:5Somit ist klar geworden, dass der Geist Christi eine göttliche Gabe war, die vom Himmel herabkam, und dass jeder, der die Ausgießungen dieses Geistes empfängt, also dessen himmlische Lehren annimmt, ewiges Leben erlangt. So heißt es in Vers 35: »Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.«21:6Beachte, dass Er »zu Ihm kommen« als Essen und »an Ihn glauben« als Trinken bezeichnet. Somit ist klar erwiesen, dass die himmlische Nahrung aus göttlichen Gaben, geistigem Strahlenglanz, himmlischen Lehren und allumfassenden Wahrheiten Christi besteht, und essen bedeutet, Ihm näher zu kommen und trinken bedeutet, an Ihn zu glauben. Denn Christus hatte sowohl einen stofflichen als auch einen himmlischen Körper. Der stoffliche Körper wurde gekreuzigt, aber der himmlische ist lebendig, ewig und die Quelle unvergänglichen Lebens. Der stoffliche Körper war Seine menschliche Natur und der himmlische Körper Seine göttliche Natur. Gütiger Gott! Manche wähnen, das Brot des Abendmahls sei die Wirklichkeit Christi, und das Göttliche und der Heilige Geist seien darin verkörpert und gegenwärtig, obwohl das Abendmahl, nachdem es eingenommen wurde, sich in wenigen Minuten völlig auflöst und verwandelt. Wie kann man zu solch einem Fehlschluss gelangen? Ich bitte Gott um Vergebung für einen solch groben Irrtum!21:7Diese Worte besagen, dass durch die Manifestation Christi die heiligen Lehren – diese immerwährende Gnade – weithin verbreitet wurden, das Licht der Führung erstrahlte und der Geist des Lebens den Menschen verliehen wurde. Wer recht geleitet wurde, fand Leben und wer auf dem Irrweg blieb, fiel dem endgültigen Tod anheim. Der himmlische Leib Christi und das, woraus Seine Geistigkeit bestand, war das Brot, das vom Himmel herabkam, wovon die Jünger aßen und wodurch sie ewiges Leben erlangten.21:8Die Jünger hatten so oft Speisen aus der Hand Christi erhalten; warum wurde dann das letzte Abendmahl hervorgehoben? Mit dem himmlischen Brot ist also offensichtlich nicht dieses stoffliche Brot gemeint, sondern die göttliche Speise des geistigen Leibes Christi, das heißt, die göttliche Gnade und die himmlische Vollkommenheit, an denen Seine Jünger teilhatten und die sie erfüllte.21:9Bedenke auch, dass Christus, als Er das Brot segnete und es Seinen Jüngern gab und sagte: »Das ist Mein Leib«Matthäus 26:26A, deutlich sichtbar persönlich und körperlich unter ihnen anwesend war und nicht in Brot und Wein verwandelt wurde. Wäre Er selbst zu Brot und Wein geworden, so hätte Er nicht deutlich sichtbar körperlich und persönlich unter ihnen anwesend bleiben können.21:10Daher ist klar, dass Brot und Wein Symbole waren, die bedeuteten: Meine Gunst und Meine Vollkommenheit wurden euch gegeben, und da ihr dieser vielfältigen Gunst teilhaftig wurdet, habt ihr immerwährendes Leben erlangt und euren Anteil an der himmlischen Speise empfangen.Kapitel 22Die Wunder Christi22:1Frage: Christus wurden gewisse Wunder zugeschrieben. Sind diese Berichte wörtlich zu verstehen oder haben sie andere Bedeutungen? Denn durch gründliche Forschungen ist belegt, dass sich das innere Wesen der Dinge nicht wandelt, dass alles Erschaffene einem universellen Gesetz und Ordnungsgefüge unterliegt, von dem es unmöglich abweichen kann, und dass demzufolge nichts gegen dieses universelle Gesetz verstoßen kann.22:2Antwort: Die Manifestationen Gottes sind Ursprung erstaunlicher Zeichen und Wunder. Was schwierig oder ausgeschlossen scheint, ist für sie machbar und zulässig. Denn Sie vollbringen außergewöhnliche Taten durch eine außergewöhnliche Macht und beeinflussen die Natur durch Kräfte, die über die Natur hinausgehen. Jede von Ihnen hat Wunder bewirkt.22:3In den Heiligen Schriften wird indessen eine besondere Ausdrucksweise verwendet, und in den Augen der Manifestationen Gottes sind diese Zeichen und Wunder ohne Bedeutung – sodass Sie deren Erwähnung nicht einmal als wünschenswert erachten. Denn selbst wenn diese Wunder als unschlagbare Beweise gelten würden, so wären sie doch nur für Augenzeugen ein gültiger Beweis, nicht für die Abwesenden.22:4Wenn zum Beispiel einem nicht gläubigen Fragesteller von den Wundern Mose und Christi berichtet würde, so würde er sie abstreiten und sagen: »Wunder wurden seit ewigen Zeiten auch bestimmten Götzen durch das Zeugnis einer Vielzahl von Menschen zugeschrieben und in Büchern festgehalten. So haben die Brahmanen ein ganzes Buch über die Wunder Brahmas zusammengestellt.« Der Fragesteller würde dann sagen: »Wie können wir wissen, dass die Juden und Christen die Wahrheit sagen und die Brahmanen lügen? Beide Berichte beruhen auf Überlieferungen, beide werden weithin akzeptiert und beide sind in einem Buch festgehalten. Jeder kann als glaubwürdig oder als unglaubwürdig angesehen werden. Wie bei jedem anderen Bericht gilt: Wenn einer wahr ist, müssen beide wahr sein; wenn einer angenommen wird, müssen beide angenommen werden.« Wunder können daher kein schlüssiger Beweis sein, denn selbst wenn sie gültige Beweise für die Augenzeugen sind, können sie jene nicht überzeugen, die nicht dabei waren.22:5Doch am Tag der Offenbarung Gottes werden die Einsichtigen alles, was mit dem Offenbarer zusammenhängt, als Wunder ansehen. Denn all dies hebt sich von allem anderen ab, und diese Besonderheit ist an sich schon ein wahres Wunder. Überlege, wie Christus allein und eigenständig, ohne Helfer oder Beschützer, ohne Legionen oder Streitkräfte und mit äußerster Sanftmut das Banner Gottes vor allen Völkern der Welt hisste, wie Er ihnen widerstand und wie Er sie schließlich alle unterwarf, auch wenn Er augenscheinlich gekreuzigt wurde. Nun, dies ist ein wahres Wunder, das keineswegs geleugnet werden kann. Tatsächlich bedarf die Wahrheit Christi keines weiteren Beweises.22:6Die sichtbaren Wunder sind für die Anhänger der Wahrheit bedeutungslos. Ein Blinder zum Beispiel, der zum Sehen gebracht wird, wird am Ende wiederum sein Augenlicht verlieren, denn er wird sterben und seiner Sinne und Fähigkeiten beraubt sein. Es ist also nicht von bleibender Bedeutung, Blinde zum Sehen zu bringen, da die Sehkraft am Ende zwangsläufig wieder schwindet. Und wenn ein Leichnam wiederbelebt wird, was wird dadurch gewonnen, da er am Ende wieder sterben muss? Wichtig ist, wahre Erkenntnis und immerwährendes Leben zu verleihen, d.h. ein geistiges und göttliches Leben; denn dieses stoffliche Leben wird nicht bestehen bleiben und sein Dasein ist gleichbedeutend mit Nichtsein. Wie Christus einem Seiner Jünger zur Antwort gab: »Lass die Toten ihre Toten begraben!«, denn »Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.«Matthäus 8:22, Johannes 3:6A22:7Bedenke, dass Christus jene für tot erachtete, die doch augenscheinlich körperlich lebendig waren; denn das wahre Leben ist das ewige Leben und die wahre Existenz ist die geistige Existenz. Wenn also in den Heiligen Schriften von der Auferweckung der Toten die Rede ist, dann bedeutet das, dass sie das immerwährende Leben erlangt haben; wenn es heißt, dass ein Blinder sehend wurde, dann ist die Bedeutung dieser Sehkraft die wahre Erkenntnis; wenn es heißt, dass ein Gehörloser hörend wurde, dann bedeutet das, dass er ein inneres Ohr und geistiges Hörvermögen erlangt hat. Dies geht aus dem Text des Evangeliums hervor, wo Christus sagt, sie seien wie jene, über die Jesaja einst bemerkte, sie haben Augen und sehen nicht, sie haben Ohren und hören nicht; und Er heile sie.Vergleiche: Matthäus 13:14–15, Johannes 12:39–40A22:8Das soll nicht heißen, dass die Manifestationen Gottes keine Wunder vollbringen können, denn das liegt sehr wohl in Ihrer Macht. Aber in Ihren Augen ist allein das innere Sehen, das geistige Hören und das ewige Leben von Bedeutung. Wo immer also in den Heiligen Schriften berichtet wird, dass jemand blind war und sehend wurde, bedeutet das, dass er innerlich blind war und geistige Einsicht gewann oder dass er unwissend war und zur Erkenntnis gelangte oder achtlos war und aufmerksam wurde oder der Welt verhaftet war und seinen Sinn auf das Himmlische richtete.
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