‘Abdu’l-Bahá | Beantwortete Fragen
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33:5
Nun hatten sie Johannes den Täufer gefragt: »Bist du Elias?« und er hatte geantwortet: »Ich bin es nicht«, während im Evangelium gesagt wird, dass Johannes der verheißene Elias selbst war, und Christus das auch klar zum Ausdruck gebracht hatte. Wenn Johannes Elias war, warum hat er gesagt, dass er es nicht war, und wenn er nicht Elias war, warum hat Christus gesagt, dass er es war?
33:6
Der Grund dafür ist, dass wir hier nicht die individuelle Persönlichkeit, sondern die Wirklichkeit seiner Vollkommenheit betrachten, das heißt, die gleiche Vollkommenheit, die Elias besaß, zeigte sich auch in Johannes dem Täufer. So gesehen war Johannes der Täufer der verheißene Elias. Was hier betrachtet wird, ist nicht das WesenDas heißt, die Individualität von Johannes.A, sondern die Eigenschaften.
33:7
Letztes Jahr gab es hier zum Beispiel eine Blume und in diesem Jahr ist hier auch eine Blume erschienen. Wenn ich sage, dass die Blume des letzten Jahres zurückgekehrt ist, dann meine ich nicht, dass die Blume mit derselben Identität zurückgekehrt ist. Aber da diese Blume mit denselben Attributen ausgestattet ist wie die Blume des letzten Jahres – sie besitzt ja denselben Duft, dieselbe Zartheit, Farbe und Form – heißt es, dass die Blume des letzten Jahres zurückgekehrt ist und dass es genau dieselbe Blume ist. Ebenso sagen wir, wenn der Frühling kommt, dass der Frühling des letzten Jahres zurückgekehrt ist, denn alles, was es im vorherigen Frühling gab, gibt es im darauffolgenden wieder. Deshalb sagte Christus: »Ihr werdet selbst alles sehen, was in den Tagen der früheren Propheten geschehen ist.«Vergleiche Matthäus 23:34–36A
33:8
Nehmen wir noch ein weiteres Beispiel: Im letzten Jahr wurde ein Samen gesät, Zweige und Blätter erschienen, Blüten und Früchte bildeten sich aus, und schließlich wurde ein neuer Samen hervorgebracht. Wenn dieser zweite Samen gepflanzt wird, wird er zu einem Baum heranwachsen, wieder werden Blätter, Blüten, Zweige und Früchte zurückkehren und der frühere Baum wird wieder zum Vorschein kommen. Da es am Anfang ein Samenkorn gab und am Ende ebenfalls, sagen wir, dass der Samen zurückgekehrt ist. Wenn wir die stoffliche Substanz des Baumes betrachten, ist sie eine andere, aber wenn wir die Blüten, Blätter und Früchte betrachten, werden der gleiche Duft, der gleiche Geschmack und die gleiche Köstlichkeit hervorgebracht. Somit ist die Vollkommenheit des Baumes erneut zurückgekehrt.
33:9
Wenn wir desgleichen das Individuum betrachten, ist es ein anderes, aber wenn wir die Eigenschaften und Vollkommenheit betrachten, sind genau dieselben zurückgekehrt. Als Christus also sagte: »Das ist Elias«, meinte Er: In diesem Menschen zeigen sich die Gnade, die Vollkommenheit, die Qualitäten, die Eigenschaften und die Tugenden des Elias. Und als Johannes der Täufer sagte: »Ich bin nicht Elias«, meinte er: »Ich bin nicht dieselbe Person wie Elias.« Christus betrachtete ihre Attribute, Vollkommenheit, Qualitäten und Tugenden, und Johannes bezog sich auf sein physisches Dasein und seine Individualität. Es ist wie bei dieser Lampe: Gestern Abend war sie hier, heute Abend wird sie wieder angezündet, und auch morgen Abend wird sie wieder leuchten. Wenn wir sagen, dass die Lampe von heute Abend dieselbe ist wie die von gestern Abend und dass sie zurückgekehrt ist, meinen wir das Licht und nicht das Öl, den Docht oder den Halter.
33:10
Diese Aspekte wurden ausführlich im Kitáb-i-Íqán erläutert.
Kapitel 34Petrus und das Papsttum
34:1
Frage: Im Matthäusevangelium sagt Christus zu Petrus: »Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen«Matthäus 16:18A. Was bedeutet dieser Vers?
34:2
Antwort: Diese Äußerung Christi ist eine Bestätigung der Antwort von Petrus als Christus fragte: »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?«, worauf Petrus antwortete: »Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!« Dann sagte Christus zu ihm: »Du bist Petrus«Der Vorname von Petrus war Simon, aber Christus nannte ihn Kephas, was den griechischen Wörtern ›Petros‹ oder ›Petra‹ entspricht und ›Fels‹ bedeutet.A – denn »Kephas« bedeutet auf Hebräisch ›Fels‹ – »und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.« Denn andere hatten Christus geantwortet, Er sei Elias, oder Johannes der Täufer, oder Jeremia, oder einer der Propheten.Vergleiche: Matthäus 16:14–18A
34:3
Christus wollte durch diesen bildlichen Ausdruck und die Anspielung Petri Worte bestätigen. Und da dessen Name ›Fels‹ bedeutete, sagte er: »Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.« Das heißt, dein Glaube, dass Christus der Sohn des lebendigen Gottes ist, wird das Fundament der Religion Gottes werden, und auf diesem Glauben wird das Fundament der Kirche Gottes – also das Gesetz Gottes – errichtet werden.
34:4
Hinsichtlich der Grabstätte des Petrus ist es fraglich und umstritten, ob sie sich in Rom befindet, manche vermuten sie in Antiochia.
34:5
Außerdem sollten wir die Taten mancher Päpste an der Religion Christi messen. Christus, der Hunger litt und mittellos war, ernährte sich von den Kräutern der Wildnis und hätte es nicht zugelassen, dass irgendein Herz betrübt wird. Der Papst fährt in einer goldenen Kutsche, verbringt seine Tage in größtem Luxus und umgibt sich mit Annehmlichkeiten und Vergnügungen, die sogar den Überfluss und die Selbstgefälligkeit aller Könige der Erde übertrifft.
34:6
Christus hat niemandem Schaden zugefügt, manche Päpste aber haben viele unschuldige Menschen getötet. Schlag nach in den Geschichtsbüchern. Wie viel Blut haben die Päpste vergossen, nur um ihre vergängliche Herrschaft zu sichern! Wie viele Tausende von Dienern der Menschheit, darunter gelehrte Männer, die die Geheimnisse des Universums entdeckt hatten, haben sie gefoltert, eingesperrt und getötet, alles nur wegen Meinungsverschiedenheiten! Wie nachdrücklich haben sie sich der Wahrheit entgegengestellt!
34:7
Betrachte die Ermahnungen Christi und untersuche die Gepflogenheiten und Verhaltensweisen der Päpste: Stimmen die Ermahnungen des einen mit der Amtsführung der anderen in irgendeiner Weise überein? Wir suchen nicht gern nach Fehlern, doch die Chroniken des Vatikans sind wirklich erstaunlich. Damit soll gesagt sein, dass die Anweisungen Christi eine Sache sind und das Verhalten der päpstlichen Regierung eine ganz andere: Sie stimmen nicht im Geringsten überein. Schau, wie viele Protestanten auf Befehl der Päpste ermordet wurden, welche Missstände und Grausamkeiten gutgeheißen und welche Foltern und Strafen verhängt wurden! Können die süßen Düfte Christi in irgendeiner Weise in diesen Taten wahrgenommen werden? Nein, bei der Gerechtigkeit Gottes! Dergleichen Menschen haben nicht auf Christus gehört, während die heilige Barbara, deren Bild wir hier haben, Ihm gehorchte, auf Seinem Pfad wandelte und sich an Seine Ermahnungen hielt.
34:8
Tatsächlich gab es besonders in den frühen Jahrhunderten der christlichen Ära, als irdische Mittel knapp und Prüfungen, die der Himmel schickte, heftig waren, unter den Päpsten einige gesegnete Seelen, die den Fußspuren Christi folgten. Aber als die Mittel für eine irdische Herrschaft geschaffen und weltliche Ehre und Wohlstand erzielt worden waren, vernachlässigte die päpstliche Regierung Christus völlig und befasste sich nur noch mit irdischer Herrschaft und Größe, mit materiellen Annehmlichkeiten und Luxus. Sie brachte Menschen zu Tode, wandte sich gegen die Verbreitung von Bildung, verfolgte Wissenschaftler, verbarg das Licht der Erkenntnis und erteilte Befehle zu morden und zu plündern. Tausende von Menschen, Wissenschaftler und Gelehrte sowie Unschuldige, gingen in den Gefängnissen Roms zugrunde. Wie kann man bei solch einem Verhalten und solchen Taten den Anspruch auf das Stellvertreteramt Christi anerkennen?
34:9
Der Heilige Stuhl hat konsequent die Ausweitung von Wissen bekämpft; das ging so weit, dass in Europa die Auffassung vertreten wird, Religion sei der Feind der Wissenschaft und Wissenschaft zerstöre die Grundlage der Religion. Die Religion Gottes hingegen verficht die Wahrheit, schafft die Grundlage für Wissenschaft und Lernen, unterstützt das Wissen, sorgt für die Kultivierung der Menschheit, deckt die Geheimnisse des Daseins auf und erleuchtet die Horizonte der Welt. Wie könnte sie sich dann dem Wissen entgegenstellen? Gott bewahre! Im Gegenteil, vor Gott ist Wissen die bedeutsamste menschliche Tugend und die edelste menschliche Vollkommenheit. Wissen abzulehnen ist reine Unwissenheit, und wer die Künste und Wissenschaften verabscheut, ist kein Mensch, sondern wie ein Tier ohne Verstand. Denn Wissen ist Licht, Leben, Glückseligkeit, Vollkommenheit und Schönheit und bewirkt, dass die Seele sich der göttlichen Schwelle nähert. Es ist Ruhm und Ehre in der Menschenwelt und die größte aller Gaben Gottes. Wissen ist identisch mit Rechtleitung, Unwissenheit hingegen der Inbegriff des Irrtums.
34:10
Glücklich, wer seine Tage mit der Suche nach Wissen, der Entdeckung von Geheimnissen des Universums und der sorgfältigen Erforschung der Wahrheit verbringt! Und wehe denen, die sich mit Unwissenheit begnügen, sich an gedankenloser Nachahmung erfreuen, in den Abgrund von Unwissenheit und Achtlosigkeit gefallen sind und damit ihr Leben vergeudet haben!
Kapitel 35Freier Wille und Vorherbestimmung
35:1
Frage: Wenn Gott um die zukünftige Tat einer Person weiß und diese auf der ›Verwahrten Tafel‹ des Schicksals aufgezeichnet wird, ist es dann möglich, sich dem zu widersetzen?
35:2
Antwort: Das Wissen um etwas ist nicht die Ursache dafür, dass es geschieht, denn das wesenhafte Wissen Gottes umfasst die Wirklichkeit aller Dinge bevor und nachdem sie ins Dasein treten, aber es ist nicht die Ursache ihres Daseins. Dies ist ein Ausdruck der Vollkommenheit Gottes.
35:3
Gleiches gilt für die Aussagen der Propheten, die ihnen durch göttliche Offenbarung eingegeben wurden und die das Kommen des in der Thora Verheißenen verkündeten: auch sie waren nicht die Ursache für das Erscheinen Christi. Aber die verborgenen Geheimnisse künftiger Tage wurden den Propheten enthüllt, wodurch sie künftiger Ereignisse gewahr wurden, die sie dann verkündeten. Dieses Wissen und die Verkündigung waren nicht die Ursache für das Eintreten dieser Ereignisse. Zum Beispiel weiß heute Abend jeder, dass in sieben Stunden die Sonne aufgehen wird, aber dass dies jedermann weiß, verursacht nicht den Sonnenaufgang.
35:4
Genauso bringt Gottes Wissen in der bedingten Welt nicht die Form der Dinge hervor. Vielmehr ist dieses Wissen frei davon, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu unterscheiden und es entspricht allem, was geschieht, ohne die Ursache für dessen Verwirklichung zu sein.
35:5
Ebenso wird etwas, das in den Heiligen Schriften verzeichnet ist oder Erwähnung findet, nicht zur Ursache dafür, dass es existiert. Die Propheten Gottes erfuhren durch göttliche Eingebung, dass gewisse Ereignisse sich zutragen würden. Durch göttliche Eingebung wussten sie zum Beispiel, dass Christus als Märtyrer sterben würde, was sie daraufhin verkündeten. Hat nun ihr Wissen und ihre Kenntnis das Martyrium Christi verursacht? Nein: Dieses Wissen ist ein Zeichen ihrer Vollkommenheit und nicht die Ursache Seines Martyriums.
35:6
Durch astronomische Berechnungen können Mathematiker den Zeitpunkt bestimmen, an dem eine Sonnen- oder Mondfinsternis eintreten wird. Sicherlich ist diese Vorhersage nicht der Auslöser der Finsternis. Das ist natürlich nur ein Vergleich und kein exaktes Bild.
Teil 3 – Über die Kräfte und Seinsweisen der Manifestationen GottesKapitel 36Die fünf Arten des Geistes
36:1
Wisse, dass es insgesamt fünf Arten von Geist gibt. Zunächst ist da der Geist der PflanzeAn anderer Stelle umfasst ‘Abdu’l-Bahás Klassifizierung auch den Geist des Minerals, vergleiche Beantwortete Fragen Kapitel 64, Briefe und Botschaften 30:2, und The Promulgation of Universal Peace (2012), S. 95, 264f., 336, 360 und 377f.A, die Kraft, die aus der Zusammensetzung und Verbindung der Elemente gemäß der Weisheit und dem Befehl des Höchsten entsteht und sich sowohl aus ihren Wechselwirkungen als auch aus ihrem Einfluss auf andere erschaffene Dinge und ihrer Verknüpfung mit ihnen ergibt. Wenn diese Bestandteile und Elemente voneinander getrennt werden, verschwindet die damit verbundene Wachstumskraft ebenfalls. Um einen Vergleich zu ziehen: Wenn bestimmte Bauteile zusammengefügt werden, kann elektrischer Strom fließen, aber sobald diese Teile voneinander getrennt werden, wird die elektrische Kraft sofort unterbrochen und verschwindet. So ist es auch mit dem Geist der Pflanze.
36:2
Als Nächstes kommt der Geist des Tieres: auch er entsteht, wenn Elemente in einer einzigartigen Weise miteinander verbunden werden. Aber diese Zusammensetzung ist vollendeter, und wenn sie durch den Ratschluss des allmächtigen Herrn eine größere Vollkommenheit der Verbindung erreicht, entsteht der Geist des Tieres, der auf der Kraft der Sinne beruht. Diese Kraft nimmt die den Sinnen zugängliche Wirklichkeit wahr – alles, was man sehen, hören, schmecken, riechen oder berühren kann. Nach Trennung und Auflösung dieser zusammengesetzten Bestandteile wird auch dieser Geist naturgemäß aufhören zu existieren. Es ist wie die Lampe, die du hier siehst: Wenn Öl, Docht und Flamme zusammengebracht werden, wird Licht erzeugt; aber wenn das Öl verbraucht ist und der Docht abgebrannt ist, wird auch das Licht verlöschen.
36:3
Mit dem menschlichen Geist verhält es sich ähnlich wie mit den Gaben der Sonne bezogen auf ein Glas. Das heißt, der Körper des Menschen, der sich aus Elementen zusammensetzt, ist die vollendetste Form der Zusammensetzung und Verbindung, die beste Anordnung, die edelste Zusammensetzung und das vollkommenste aller existierenden Dinge. Er wächst und entwickelt sich durch den Geist des Tieres. Dieser vollkommene Körper ist vergleichbar mit einem Spiegel und der menschliche Geist mit der Sonne: Wenn das Glas zersplittert oder der Spiegel zerbricht, dann ändert das nichts an der Gnade, die der Sonne unbeeinträchtigt weiter entströmt.
36:4
Dieser Geist ist die Kraft der Entdeckung, die alle Dinge umfasst. Alle wundersamen Zeichen, alle Handwerke und Entdeckungen, all die mächtigen Unternehmungen und bedeutsamen historischen Ereignisse, die dir bekannt sind, wurden von diesem Geist entdeckt und durch seine geistige Kraft aus dem unsichtbaren Reich auf die Ebene des Sichtbaren gebracht. So wohnt er auf der Erde und macht doch Entdeckungen am Himmel und erschließt sich Unbekanntes aus bekannten und sichtbaren Wirklichkeiten. Zum Beispiel befindet sich der Mensch auf dieser Hemisphäre, aber durch die Kraft des Verstandes entdeckt er, genau wie Kolumbus, den amerikanischen Kontinent, der bis dahin unbekannt war. Er hat einen schweren Körper, aber er fliegt am Himmel mit Vehikeln, die er selbst erfunden hat. Seine Bewegung ist langsam, aber er reist in hoher Geschwindigkeit durch Ost und West mit Hilfe von Fahrzeugen, die er entwickelt hat. Kurz gesagt, diese Kraft umfasst alle Dinge.
36:5
Aber dieser menschliche Geist hat zwei Seiten: eine himmlische und eine satanische – das heißt, er ist sowohl zur höchsten Vollkommenheit als auch zur größten Unvollkommenheit fähig. Wenn er sich Tugenden aneignet, ist er von allem Erschaffenen das Edelste und wenn er sich Laster aneignet, dann ist er an Abscheulichkeit nicht zu überbieten.
36:6
Was die vierte Art des Geistes betrifft, so ist es der himmlische Geist, das heißt der Geist des Glaubens und die Gnadenfülle des Allbarmherzigen. Dieser Geist geht aus dem Odem des Heiligen Geistes hervor und wird durch die Kraft Gottes zur Ursache ewigen Lebens. Diese Kraft macht die irdische Seele himmlisch und den unvollkommenen Menschen vollkommen. Sie reinigt die Unreinen, löst die Zunge der Schweigsamen, heiligt die Sklaven der Leidenschaft und Begierde und verleiht den Unwissenden Wissen.
36:7
Die fünfte Art des Geistes ist der Heilige Geist, der Mittler zwischen Gott und Seiner Schöpfung. Er ist wie ein Spiegel, der der Sonne zugewandt ist: So wie ein makelloser Spiegel die Strahlen der Sonne aufnimmt und ihre Gaben anderen spiegelt, so ist auch der Heilige Geist der Mittler für das Licht der Heiligkeit, das er von der Sonne der Wahrheit an geheiligte Seelen weitergibt. Dieser Geist ist mit jeglicher göttlichen Vollkommenheit geschmückt. Wann immer er erscheint, wird die Welt wiederbelebt, wird ein neuer Zyklus eingeleitet und der Körper der Menschheit in ein neues Gewand gekleidet. Es ist wie der Frühling: Wenn er anbricht, versetzt er die Welt von einem Zustand in einen anderen. Denn mit dem Frühlingsbeginn werden die dunkle Erde, die Felder und die Wiesen grün und fruchtbar; Blumen und süß duftende Kräuter aller Art treiben aus; Bäume erwachen zu neuem Leben; wunderbare Früchte gedeihen; und ein neuer Zyklus wird eröffnet.
36:8
Genauso ist es mit der Manifestation des Heiligen Geistes: Wann immer Er erscheint, verleiht Er der Menschheit neues Leben und der menschlichen Wirklichkeit einen neuen Geist. Er kleidet alles Sein in ein prächtiges Gewand, vertreibt die Dunkelheit der Unwissenheit und lässt das Licht menschlicher Vollkommenheit erstrahlen. Mit eben dieser Kraft erneuerte Christus diesen Zyklus – woraufhin die göttliche Frühlingszeit mit höchster Frische und Anmut in der Menschenwelt ihr Zelt aufschlug und die Sinne der erleuchteten Seelen mit ihren lebensspendenden, duftenden Brisen erfüllte.
36:9
Ebenso glich die Offenbarung Bahá’u’lláhs einer neuen Frühlingszeit, die mit den süßen Düften der Heiligkeit, mit den Heerscharen ewigen Lebens und mit der Kraft des himmlischen Königreichs erschien. Er errichtete mitten im Herzen der Welt den Thron der Herrschaft Gottes, erweckte durch die Kraft des Heiligen Geistes die Seelen zu neuem Leben und läutete einen neuen Zyklus ein.
Kapitel 37Die Verbindung zwischen Gott und Seinen Manifestationen
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