weiter nach oben ...
Kapitel 40Das Wissen der Manifestationen Gottes40:1Frage: Welche Grenzen sind den Kräften der Manifestationen Gottes gesetzt, insbesondere bezüglich Ihres Wissens?40:2Antwort: Wissen ist von zweierlei Art: wesenhaftes Wissen und formales Wissen, das heißt, intuitives Wissen und konzeptionelles Wissen.40:3Das Wissen, das die Menschen haben, gewinnen sie in der Regel durch Verständnis von Zusammenhängen und durch Beobachtung, das heißt, entweder wird das Objekt mit dem Verstand erfasst, oder durch seine Beobachtung wird ein Bild davon im Spiegel des Herzens erzeugt. Dieses Wissen ist recht begrenzt, da man es erst erwerben und sich aneignen muss.40:4Die andere Art von Wissen jedoch, wesenhaftes und intuitives Wissen, ist wie das Wissen und die Kenntnis des Menschen über sein eigenes Selbst.40:5Zum Beispiel sind sich Verstand und Geist des Menschen all seiner Befindlichkeiten und Gegebenheiten, aller Teile und Glieder seines Körpers und all seiner körperlichen Empfindungen sowie seiner geistigen Kräfte, Wahrnehmungen und Zustände bewusst. Dies ist ein wesenhaftes Wissen, durch das der Mensch seinen eigenen Zustand wahrnimmt. Er fühlt und begreift es, weil der Geist den Körper umfasst und sich seiner Empfindungen und Kräfte bewusst ist. Dieses Wissen wird nicht durch Anstrengung erworben: Es ist Teil des Wesens, einfach eine Gabe.40:6Da jene geheiligten Wirklichkeiten, die allumfassenden Manifestationen Gottes, alle erschaffenen Dinge sowohl in ihrem Wesen als auch in ihren Eigenschaften umfassen, da Sie alle existierenden Wirklichkeiten übersteigen und enthüllen; und da Sie um alle Dinge wissen, ist folglich Ihr Wissen göttlich und nicht etwa erworben – das heißt, es ist eine himmlische Gnade und eine göttliche Enthüllung.40:7Nehmen wir ein Beispiel, nur um den Punkt klar zu machen. Das edelste aller irdischen Wesen ist der Mensch. In ihm sind das Tier-, das Pflanzen- und das Mineralreich verwirklicht; das heißt, all diese Ebenen sind in ihm enthalten, so dass er mit ihnen allen ausgestattet ist. Und mit all diesen Ebenen und Stufen betraut, ist er ihrer Mysterien gewahr und kennt die Geheimnisse ihrer Existenz. Dies ist nur ein Beispiel und nicht etwa eine genaue Entsprechung.40:8Kurz gesagt, die allumfassenden Manifestationen Gottes sind sich der Wahrheit, die den Mysterien aller erschaffenen Dinge zugrunde liegt, bewusst und so schaffen Sie eine Religion, die auf dem vorherrschenden Zustand der Menschheit beruht und damit in Einklang steht. Denn Religion beruht auf den notwendigen Beziehungen, die sich aus den Wirklichkeiten der Dinge ableiten. Wenn die Manifestation Gottes – der göttliche Gesetzgeber – nicht über die Wirklichkeiten der Dinge im Bilde wäre, wenn Er die notwendigen Beziehungen, die sich aus diesen Wirklichkeiten ergeben, nicht verstehen würde, könnte Er sicherlich keine Religion schaffen, die zu den Nöten und Bedingungen der Zeit passt. Die Propheten Gottes, die allumfassenden Manifestationen, gleichen fähigen Ärzten; die Welt des Seins ist wie der Körper des Menschen; und die göttlichen Religionen sind wie die Therapie und das Heilmittel. Der Arzt muss über alle Körperteile und Organe, die Konstitution und die Lebensumstände des Patienten Bescheid wissen, damit er ein wirksames Heilmittel verschreiben kann. Tatsächlich leitet der Arzt aus der Krankheit selbst das Heilmittel ab, denn er diagnostiziert zuerst die Erkrankung und behandelt dann deren Ursache. Solange die Krankheit nicht genau diagnostiziert ist, wie kann da eine Therapie oder ein Heilmittel verschrieben werden? Der Arzt muss daher die Konstitution, die Körperteile, Organe und die Lebensumstände des Patienten genau kennen und ebenso mit jeder Krankheit und jedem Heilmittel vertraut sein, um die richtige Behandlung zu verordnen.40:9Religion beruht also auf den notwendigen Beziehungen, die sich aus der Wirklichkeit der Dinge ableiten. Im Bewusstsein der Geheimnisse der Schöpfung sind die allumfassenden Manifestationen Gottes vollkommen über diese notwendigen Beziehungen im Bilde und schaffen damit die Religion Gottes.Kapitel 41Universelle Zyklen41:1Frage: Es wurden universelle Zyklen erwähnt, die in der Welt des Seins auftreten. Bitte erläutern Sie, wie es sich damit in Wirklichkeit verhält.41:2Antwort: Jeder der leuchtenden Himmelskörper dieses grenzenlosen Firmaments hat seinen Umlaufzyklus, der Zeitraum, in dem eine volle Umlaufbahn beendet wird, bevor eine neue beginnt. Die Erde beispielsweise vollzieht alle 365 Tage, fünf Stunden und annähernd achtundvierzig Minuten einen Umlauf und beginnt dann erneut auf derselben Erdumlaufbahn. Ebenso durchläuft das gesamte Universum Zyklen bedeutender Ereignisse und Geschehnisse, sei es im Hinblick auf das Reich der Natur oder des Menschen.41:3Wenn ein Zyklus zum Abschluss kommt, wird ein neuer eröffnet, und der vorhergehende Zyklus schwindet aufgrund folgenschwerer Ereignisse so gänzlich aus der Erinnerung, dass er keine Aufzeichnung oder Spur hinterlässt. Wie du weißt, haben wir keine Aufzeichnungen aus der Zeit vor zwanzigtausend Jahren, obwohl wir vorher durch rationale Argumente festgestellt haben, dass das Leben auf dieser Erde sehr alt ist – nicht ein oder zweihunderttausend, nicht einmal ein oder zwei Millionen Jahre alt: Es ist in der Tat uralt, und die Aufzeichnungen und Spuren der Urzeit wurden vollständig ausgelöscht.41:4Für jeden der Offenbarer Gottes gibt es ebenfalls einen Zyklus, in dem Seine Religion und Sein Gesetz ihre volle Kraft und Wirkung haben. Wenn Sein Zyklus durch das Kommen eines neuen Offenbarers beendet ist, beginnt ein neuer Zyklus. So werden Zyklen eröffnet, abgeschlossen und erneuert, bis ein universeller Zyklus in der Welt des Daseins vollendet ist und folgenschwere Ereignisse eintreten, die jede Aufzeichnung und Spur der Vergangenheit auslöschen; dann beginnt ein neuer universeller Zyklus in der Welt, denn das Reich des Daseins hat keinen Anfang. Wir haben bereits Argumente und Beweise zu diesem Thema dargelegt, und es ist nicht nötig sie zu wiederholen.Siehe: Kapitel 14A41:5Kurz gesagt, wir stellen fest, dass ein universeller Zyklus in der Welt des Daseins einen gewaltigen Zeitraum und unzählige Zeitalter und Epochen umfasst. In einem solchen Zyklus treten die Offenbarer Gottes in der sichtbaren Welt in Erscheinung, bis ein allumfassender und höchster Offenbarer die Welt zum Mittelpunkt göttlichen Glanzes macht und sie durch Seine Offenbarung zur Stufe der Reife führt. Die Dauer Seines Zyklus ist sehr lang. Andere Offenbarer werden sich im Laufe dieses Zyklus in Seinem Schatten erheben und entsprechend den Zeiterfordernissen bestimmte Gesetze in Bezug auf materielle Angelegenheiten und Vorgänge erneuern, aber sie werden in Seinem Schatten bleiben. Wir befinden uns in dem Zyklus, der mit Adam begann und dessen allumfassender Offenbarer Bahá’u’lláh ist.Kapitel 42Die Macht und Vollkommenheit der göttlichen Manifestationen42:1Frage: Wie weit erstrecken sich die Kräfte und die Vollkommenheit der Manifestationen Gottes, jener Throne der Wahrheit, und welche Grenzen hat ihr Einfluss?42:2Antwort: Betrachte die Welt des Daseins, also die stoffliche Schöpfung. Das Sonnensystem ist von Dunkelheit umgeben. Innerhalb seiner Grenzen ist die Sonne der Mittelpunkt allen Lichts, alle zugehörigen Planeten umkreisen sie und werden von ihrer Gabenfülle erleuchtet. Die Sonne ist der Ursprung von Leben und Licht und die Ursache für Wachstum und Entwicklung aller Dinge innerhalb des Sonnensystems. Würde die Gabenfülle der Sonne versiegen, könnte dort kein Lebewesen mehr existieren: Alles würde im Dunkel versinken und zugrunde gehen. Es ist daher klar und offensichtlich, dass die Sonne innerhalb des Sonnensystems das Zentrum allen Lichts und der Ursprung allen Lebens ist.42:3In gleicher Weise sind die heiligen Manifestationen Gottes die Brennpunkte des Lichtes der Wahrheit, die Quellen der verborgenen Geheimnisse und der Ursprung der ausströmenden göttlichen Liebe. Sie werfen ihren Strahlenglanz auf das Reich des Herzens und des Verstandes und gewähren der Welt des Geistes ewige Gnade. Sie verleihen geistiges Leben und erstrahlen im Glanz innerer Wahrheiten und Bedeutungen. Die Erleuchtung der Welt der Gedanken geht aus von jenen Mittelpunkten des Lichts, die die Geheimnisse enthüllen. Ohne die Gnade der Offenbarung und Unterweisung durch diese geheiligten Wesen würde die Welt der Menschen und das Reich der Gedanken in tiefste Finsternis stürzen. Ohne die wohlbegründeten und wahren Lehren dieser Erklärer der Geheimnisse würde die menschliche Welt zum Schauplatz tierischer Merkmale und Eigenschaften, alles Dasein würde zu einer flüchtigen Einbildung und es gäbe kein wahres Leben mehr. Deshalb heißt es im Evangelium: »Im Anfang war das Wort«, das heißt, es war der Ursprung allen Lebens.Johannes 1:1A42:4Betrachte nun den durchdringenden Einfluss der Sonne auf alle irdischen Wesen und welche sichtbaren Wirkungen und Folgen sich aus ihrer Nähe oder Ferne, ihrem Auf- und Untergang ergeben. Zu einer Zeit ist es Herbst, zu einer anderen ist es Frühling. Zu einer Zeit ist es Sommer, zu einer anderen ist es Winter. Wenn die Sonne die Tagundnachtgleiche passiert, erscheint der lebensspendende Frühling in seiner ganzen Pracht, und wenn sie die Sommersonnenwende erreicht, gelangen die Früchte zur vollen Reife, Getreide und Pflanzen bringen ihre Erträge, und alles Irdische erreicht die Fülle seines Wachstums und seiner Entwicklung.42:5Sobald in vergleichbarer Weise die heilige Manifestation Gottes – die Sonne der Welt der Schöpfung – Ihre Pracht auf die Welt der Herzen, des Verstandes und des Geistes wirft, wird ein geistiger Frühling eingeläutet und ein neues Leben enthüllt. Die Kraft der unvergleichlichen Frühlingszeit erscheint und ihre wunderbaren Gaben werden sichtbar. So kannst du beobachten, dass mit dem Kommen jeder der Manifestationen Gottes erstaunliche Fortschritte im Bereich des menschlichen Verstandes, der Gedanken und des Geistes erzielt wurden. Betrachte zum Beispiel den Fortschritt, der in diesem göttlichen Zeitalter in der Welt des Verstandes und der Gedanken erreicht wurde – und das ist erst der Anfang der Morgendämmerung! Bald schon wird sich zeigen, wie diese neuen Gnadengaben und himmlischen Lehren diese düstere Welt mit ihrem Licht durchfluten und dieses mit Kummer erfüllte Reich in das allerhöchste Paradies verwandeln.42:6Würden wir den Einfluss und die Gnadengaben jeder der Manifestationen Gottes ausführlich erläutern, so würde dies sehr lange dauern. Sinne tief darüber nach, um selbst dieser Frage auf den Grund zu gehen und die Wahrheit zu erfassen.Kapitel 43Die zwei Arten von Propheten43:1Frage: Wie viele Arten von Propheten gibt es?43:2Antwort: Man kann von zwei Arten von Propheten sprechen. Einige sind unabhängige Propheten mit Nachfolgern, während andere nicht unabhängig und selbst Nachfolger sind.43:3Jeder der unabhängigen Propheten ist Urheber einer göttlichen Religion und Stifter einer neuen Sendung. Mit Ihrem Kommen wird die Welt in ein neues Gewand gekleidet, es wird eine neue Religion gestiftet und ein neues Buch offenbart. Diese Propheten erlangen ohne einen Vermittler die Gnadenfülle der göttlichen Wirklichkeit. Ihr Strahlen ist ein wesensbedingtes Strahlen, vergleichbar mit der Sonne, die in sich selbst und durch sich selbst leuchtet und deren Leuchtkraft eine wesensbedingte Bestimmung ist und nicht etwa von einem anderen Stern erworben wurde: Somit gleichen sie der Sonne, nicht dem Mond. Diese Morgendämmerungen göttlicher Einheit sind der Urquell göttlicher Gnade und die Spiegel für das Wesen der Wirklichkeit.43:4Die andere Art von Propheten sind Nachfolger und Verkünder, denn sie nehmen eine abhängige, keine unabhängige Stufe ein. Sie erlangen die göttliche Gnade von den unabhängigen Propheten und suchen das Licht der Führung bei der Wirklichkeit des allumfassenden Prophetentums. Sie sind wie der Mond, der nicht aus sich selbst leuchtet und strahlt, sondern sein Licht von der Sonne empfängt.43:5Zu den allumfassenden, unabhängig erschienenen Propheten gehören: Abraham, Mose, Christus, Muḥammad, der Báb und Bahá’u’lláh. Zur anderen Art, die aus Nachfolgern und Verkündern besteht, gehören Salomon, David, Jesaja, Jeremia, Hesekiel. Die unabhängigen Propheten sind Stifter; das bedeutet, Sie errichten eine neue Religion, erschaffen die Seelen neu, erneuern die ethischen Grundlagen der Gesellschaft und verkünden eine neue Lebensweise und einen neuen Verhaltensmaßstab. Durch sie erscheint eine neue Sendung und eine neue Religion wird gestiftet. Ihr Kommen gleicht dem Frühling, wenn alle irdischen Dinge ein neues Gewand anlegen und zu neuem Leben gelangen.43:6Was die zweite Art von Propheten betrifft, die Nachfolger sind, so fördern sie die Religion Gottes, verbreiten Seinen Glauben und verkünden Sein Wort. Sie verfügen über keine eigene Macht und Autorität, sondern leiten die ihrige von den unabhängigen Propheten ab.43:7Frage: Zu welcher Kategorie gehören Buddha und Konfuzius?43:8Antwort: Auch Buddha stiftete eine neue Religion und Konfuzius erneuerte die althergebrachten Verhaltensweisen und Moralvorstellungen, aber die ursprünglichen Grundsätze wurden völlig verändert und ihre Anhänger halten sich nicht mehr an das ursprüngliche Muster des Glaubens und des Gottesdienstes. Der Stifter des Buddhismus war ein kostbares Wesen, der in Seinen Lehren die Einheit Gottes bestätigte; aber später gerieten Seine ursprünglichen Grundsätze in Vergessenheit und wurden durch primitive Bräuche und Rituale verdrängt, was schließlich zur Anbetung von Statuen und Bildern führte.43:9Denke zum Beispiel daran, dass Christus die Menschen immer wieder dazu anhielt, die Zehn Gebote der Thora zu beachten und auf ihrer strikten Einhaltung bestand. Eines der Zehn Gebote verbietet aber die Anbetung von Bildern und Statuen.Vergleiche: Exodus 20:4–5, Deuteronomium 5:8–9A Dennoch gibt es heute in den Kirchen bestimmter christlicher Konfessionen zahllose Bilder und Statuen. Offensichtlich wahrte die Religion Gottes nicht ihre ursprünglichen, Grundsätze sondern wurde allmählich bis zur Unkenntlichkeit verändert und umgestaltet und so erscheint eine neue Manifestation und stiftet eine neue Religion. Denn wenn die frühere Religion nicht verändert und abgewandelt worden wäre, so hätte es keine Notwendigkeit für Erneuerung gegeben.43:10Anfangs war dieser Baum voller Lebenskraft und mit Blüten und Früchten beladen, aber allmählich wurde er alt, verbraucht und unfruchtbar, bis er gänzlich dahinwelkte und verdorrte. Daher wird der Wahre Gärtner erneut einen zarten Ableger vom selben Stamm pflanzen, damit er Tag für Tag wachse und sich entwickle, seinen schützenden Schatten in diesem himmlischen Garten ausbreite und seine wertvollen Früchte hervorbringe. Genauso verhält es sich mit den göttlichen Religionen: Im Laufe der Zeit verändern sich ihre ursprünglichen Grundsätze, ihre zugrundeliegende Wahrheit erlischt völlig, ihr Geist schwindet, Häresien kommen auf und sie werden zu einem seelenlosen Körper. Aus diesem Grunde werden sie erneuert.43:11Damit soll gesagt sein, dass die Anhänger von Buddha und Konfuzius heutzutage Bilder und Statuen anbeten und sich der Einheit Gottes nicht mehr bewusst sind, stattdessen aber wie die alten Griechen an imaginäre Götter glauben. Aber das waren nicht ihre ursprünglichen Grundsätze; in der Tat waren ihre ursprünglichen Grundsätze und ihr Verhalten völlig anders.43:12Bedenke auch, inwieweit die ursprünglichen Grundsätze der christlichen Religion vergessen wurden und wie viele Häresien entstanden sind. Zum Beispiel verbot Christus Gewalt und Rache und forderte stattdessen, Böses und Verletzendes mit Güte und Liebe zu erwidern. Aber bedenke, wie viele blutige Kriege christliche Völker gegeneinander geführt haben und wie viel Unterdrückung, Grausamkeit, Raffgier und Blutrünstigkeit damit verbunden war! Tatsächlich wurden viele dieser Kriege auf Geheiß der Päpste geführt. Es ist daher völlig klar, dass die Religionen im Laufe der Zeit gänzlich verändert und abgewandelt werden, und deshalb werden sie erneuert.
weiter nach unten ...