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53:3Gottes Schöpfung ist ein Prozess, der durch Emanation entsteht. Das heißt, die Schöpfung emaniert von Gott; Gott erscheint nicht in ihr. Die Verbindung beruht auf Emanation und nicht auf Manifestation. Das Licht der Sonne emaniert aus der Sonne; es manifestiert sie nicht. Das Erscheinen durch EmanationWie im nächsten Kapitel zu sehen ist, verwendet ‘Abdu’l-Bahá die Begriffe ›In Erscheinung treten durch Emanation‹ und ›Hervorgehen durch Emanation‹ synonym.A ist wie das Erscheinen der Sonnenstrahlen: Das geheiligte Wesen der Sonne der Wahrheit ist unteilbar und steigt nicht auf die Stufe der Schöpfung herab. Ebenso wenig teilt sich die Sonne auf oder steigt auf die Erde herab, sondern ihre Strahlen – die Ausgießungen ihrer Gnade – emanieren aus ihr und erleuchten die dunklen Himmelskörper.53:4Aber das Erscheinen durch Manifestation ist wie die Manifestation der Zweige, Blätter, Blüten und Früchte aus dem Samen; denn der Same selbst wird zu den Zweigen und Früchten, und seine Wirklichkeit geht in sie ein. Dieses Erscheinen durch Manifestation wäre für den Allhöchsten reine Unvollkommenheit und gänzlich unmöglich, denn es würde voraussetzen, dass die unbedingte Präexistenz Attribute des Erschaffenen annehmen müsste, dass absolute Unabhängigkeit sich in extreme Bedürftigkeit verwandelte und der Inbegriff des Seins zu bloßem Nichtsein würde; und das ist schlichtweg unmöglich.53:5Folglich ist alles aus Gott emaniert: das heißt es ist Gott, durch den alle Dinge in die Wirklichkeit treten, und durch Ihn ist die bedingte Welt entstanden. Das erste, was aus Gott emaniert, ist jene universelle Wirklichkeit, die die alten Philosophen ›Erster Intellekt‹ nannten und von dem das Volk Bahás als dem ›Ersten Willen‹ spricht. Diese Emanation ist in Bezug auf ihr Wirken in der Welt Gottes weder zeitlich noch räumlich begrenzt und hat weder Anfang noch Ende, denn bei Gott sind Anfang und Ende ein und dasselbe. Die Präexistenz Gottes bezieht sich sowohl auf das Wesen als auch auf die Zeit, während die Entstehung der bedingten Welt nur das Wesen betrifft, nicht aber die Zeit, wie wir bereits früher einmal beim Essen erläuterten.Vergleiche: Kapitel 80A53:6Obwohl der Erste Intellekt ohne Anfang ist, bedeutet das nicht, dass er an Gottes Präexistenz teilhat, denn im Vergleich zur Existenz Gottes ist die Existenz dieser universellen Realität ein bloßes Nichts – man kann nicht einmal sagen, dass sie existiert, geschweige denn, dass sie an Gottes Präexistenz teilhat. Diese Frage wurde bereits bei einer früheren Gelegenheit erläutert.53:7Für alles Erschaffene gilt, dass Zusammensetzung Leben bedeutet und Zersetzung Tod. Aber die Materie und die universellen Elemente können nicht vollständig zerstört und vernichtet werden. Nein, Ihre Vernichtung ist lediglich eine Umwandlung. Wenn etwa ein Mensch stirbt, zerfällt sein Körper zu Staub, aber er wird nicht zu völligem Nichts: Er behält eine mineralische Existenz, aber es hat eine Veränderung stattgefunden, und das Zusammengesetzte wurde zersetzt. Das Gleiche gilt für die Vernichtung aller anderen Wesen; denn Dasein wird nicht zu völligem Nichtsein, und völliges Nichtsein erlangt kein Dasein.Kapitel 54Das Hervorgehen des menschlichen Geistes aus Gott54:1Frage: Wie geht der menschliche Geist aus Gott hervor? In der Thora wird ja gesagt, Gott habe den Geist in den menschlichen Körper gehaucht.Vergleiche: Genesis 2:7A54:2Antwort: Wisse, dass das Hervorgehen auf zweierlei Art geschieht: Hervorgehen und in Erscheinung treten durch Emanation, und Hervorgehen und in Erscheinung treten durch Manifestation. Das Hervorgehen durch Emanation ist wie das Hervorbringen eines Werkstücks durch dessen Urheber. Ein Schriftstück etwa wird vom Schriftsteller hervorgebracht. Nun, so wie die Schrift aus dem Schriftsteller und die Rede aus dem Redner emaniert, so emaniert auch der menschliche Geist aus Gott. Aber das verkörpert Ihn nicht; das heißt, von der göttlichen Wirklichkeit hat sich kein Teil getrennt, um in den Körper des Menschen einzutreten. Nein, so wie die Sprache aus dem Sprecher emaniert, so emaniert der menschliche Geist und zeigt sich im Körper des Menschen.54:3Mit dem Entstehen durch Manifestation hingegen ist gemeint, dass sich die Wirklichkeit von etwas in anderer Gestalt manifestiert, so wie dieser Baum oder diese Blume aus ihren Samen entsteht, denn es ist der Same selbst, der sich in Form von Zweigen, Blättern und Blumen manifestiert hat. Das nennt man Entstehen durch Manifestation.54:4Der Geist des Menschen geht durch Emanation aus Gott hervor, so wie die Rede vom Redner und die Schrift vom Schreiber; das bedeutet, dass der Redner selbst nicht zur Rede wird, ebenso wenig wie der Schreiber zur Schrift wird: Die Verbindung ist vielmehr ein Hervorgehen durch Emanation. Denn der Sprecher bleibt in seinem Können und seiner Kraft völlig uneingeschränkt während die Rede aus ihm emaniert, so wie eine Handlung aus dem Handelnden. Der wahre Sprecher, die göttliche Wesenheit, bleibt immer im gleichen Zustand und erfährt weder Wechsel noch Wandel, weder Umgestaltung noch Veränderung. Sie hat weder Anfang noch Ende. Das Hervorgehen des Menschengeistes aus Gott ist daher ein Hervorgehen durch Emanation. Dort, wo in der Thora gesagt wird, dass Gott dem Menschen Seinen Geist eingehaucht hat, entspricht dieser Geist der Rede, die aus dem wahren Sprecher emaniert und in der Wirklichkeit des Menschen wirkt.54:5Wenn wir nun das Hervorgehen durch Manifestation als ›in Erscheinung treten‹ und nicht etwa als ›Aufspaltung in Teile‹ verstehen, so ist das, wie bereits gesagt, die Art des Hervorgehens und Erscheinens des Heiligen Geistes und des Wortes, die von Gott kommen. Wie es im Johannesevangelium heißt: »Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott.«Johannes 1:1A Folglich sind der Heilige Geist und das Wort die Erscheinung Gottes und bestehen in der göttlichen Vollkommenheit, die in der Wirklichkeit Christi erstrahlt. Und diese Vollkommenheit war bei Gott, genauso wie die Sonne, die die Fülle ihrer Herrlichkeit in einem Spiegel offenbart. Denn mit dem »Wort« ist nicht der Leib Christi gemeint, sondern die göttliche Vollkommenheit, die sich in Ihm offenbart hat. So war Christus wie ein makelloser Spiegel, der sich der Sonne der Wahrheit zuwandte, und die Vollkommenheit dieser Sonne – das heißt, ihr Licht und ihre Wärme – zeigten sich deutlich in diesem Spiegel. Wenn wir in den Spiegel schauen, sehen wir die Sonne und sagen, es sei die Sonne. Deswegen stellen das Wort und der Heilige Geist, die aus der Vollkommenheit Gottes bestehen, die Erscheinung des Göttlichen dar. Das ist die Bedeutung des Verses im Evangelium, in dem es heißt: »Das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort«Johannes 1:1A, denn die göttliche Vollkommenheit kann nicht vom Wesen Gottes unterschieden werden. Die Vollkommenheit Christi wird als das Wort bezeichnet, denn alle erschaffenen Dinge sind wie einzelne Buchstaben und einzelne Buchstaben vermitteln keine vollständige Bedeutung, während die Vollkommenheit Christi ein ganzes Wort ist, denn aus einem Wort lässt sich eine vollständige Bedeutung ableiten. Da die Wirklichkeit Christi die Manifestation göttlicher Vollkommenheit war, kam sie einem Wort gleich. Warum ist das so? Weil sie eine vollständige Bedeutung umfasste, wurde sie das Wort genannt.54:6Wisse, dass das Hervorgehen des Wortes und des Heiligen Geistes aus Gott ein Hervorgehen und Erscheinen durch Manifestation ist und nicht so zu verstehen ist, dass die Wirklichkeit des Göttlichen geteilt oder vervielfältigt wurde oder von ihren Höhen der Reinheit und Heiligkeit herabgestiegen wäre. Gott bewahre! Wenn ein klarer und makelloser Spiegel vor die Sonne gestellt würde, so würden sich das Licht und die Hitze, die Form und das Bild der Sonne darin so manifestieren, dass ein Betrachter – sollte er sagen: »Das ist die Sonne« – die Wahrheit spräche. Aber der Spiegel ist der Spiegel und die Sonne ist die Sonne. Die Sonne bleibt immer nur die eine Sonne, auch wenn sie in zahlreichen Spiegeln erscheint. Es gibt hier kein Innewohnen, kein Eintreten, keine Vermischung und kein Herabsteigen; denn Eintreten, Austreten, Innewohnen, Abstieg und Vermischung gehören zu den Merkmalen und Erfordernissen des Körpers, nicht zu denen des Geistes – wie viel weniger zu denen der geheiligten und geweihten Wirklichkeit des Göttlichen. Verherrlicht ist Gott über alles, was Seiner Heiligkeit und Reinheit nicht zugehört, und erhaben ist Er in den höchsten Höhen!54:7Die Sonne der Wahrheit ist, wie gesagt, immer im gleichen Zustand geblieben und durchläuft weder Wechsel noch Wandel, weder Umgestaltung noch Veränderung. Sie hat weder Anfang noch Ende. Aber die geheiligte Wirklichkeit des Wortes Gottes ist wie ein klarer, makelloser und glänzender Spiegel, in dem die Hitze und das Licht, die Gestalt und das Bild der Sonne der Wahrheit – also all ihre Vollkommenheit – reflektiert werden. Deshalb sagt Christus im Evangelium: »Der Vater ist im Sohn«Vergleiche: zum Beispiel Johannes 14:10–11 und 17:21A, das heißt, dass Vollkommenheit der Sonne der Wahrheit in diesem Spiegel hell erstrahlt. Preis sei Ihm, Der Seine Pracht auf diese über alles Erschaffene geheiligte Wirklichkeit geworfen hat!Kapitel 55Geist, Seele und Verstand55:1Frage: Was ist der Unterschied zwischen Verstand, Geist und Seele?55:2Antwort: Es wurde bereits erklärt, dass der Geist insgesamt in fünf Kategorien unterteilt ist: der Geist der Pflanze, der Geist des Tieres, der Geist des Menschen, der Geist des Glaubens und der Heilige Geist.Siehe: Kapitel 36A55:3Der Geist der Pflanze ist jene Kraft des Wachstums, die durch den Einfluss anderer erschaffener Dinge im Samenkorn entsteht.55:4Der Geist des Tieres ist jene allumfassende Kraft der Sinne, die durch die Zusammensetzung und Verbindung der Elemente entsteht. Wenn diese Zusammensetzung zerfällt, vergeht auch der Geist und hört auf zu existieren. Er kann mit dieser Lampe verglichen werden: Wenn Öl, Docht und Flamme zusammengebracht und miteinander verbunden werden, leuchtet sie; und wenn sich diese Verbindung löst, das heißt, wenn die Bestandteile voneinander getrennt werden, erlischt auch die Lampe.55:5Der Geist des Menschen, der Mensch und Tier unterscheidet, ist die vernunftbegabte Seele, und diese beiden Begriffe – der Geist des Menschen und die vernunftbegabte Seele – bezeichnen ein und dasselbe. Dieser Geist, der in der Terminologie der Philosophen die vernunftbegabte Seele genannt wird, umfasst alle Dinge, entdeckt – soweit es menschliche Fähigkeiten ermöglichen – deren Wirklichkeit, und wird sich der Eigenschaften und Wirkungen, der Merkmale und Zustände irdischer Dinge bewusst. Aber der Geist des Menschen kann mit den göttlichen Geheimnissen und himmlischen Wirklichkeiten nicht vertraut werden, es sei denn, er wird vom Geist des Glaubens unterstützt. Er ist wie ein Spiegel, der zwar klar, glänzend und poliert ist, aber dennoch des Lichtes bedarf. Erst wenn ein Sonnenstrahl auf ihn fällt, kann er die göttlichen Geheimnisse entdecken.55:6Was den Verstand betrifft: Er ist die Kraft des menschlichen Geistes. Der Geist ist wie die Lampe, und der Verstand ist wie ihr strahlendes Licht. Der Geist ist wie der Baum, der Verstand wie die Frucht. Der Verstand ist die Vollendung des Geistes und ein wesentliches Attribut desselben, so wie die Sonnenstrahlen ein Wesensmerkmal der Sonne sind.55:7Diese Erklärung ist zwar kurz, aber vollständig. Denke darüber nach und du wirst, so Gott will, die Feinheiten darin erfassen.Kapitel 56Die äußeren und inneren Kräfte des Menschen56:1Es gibt fünf nach außen gerichtete physische Kräfte im Menschen, die der Wahrnehmung dienen, das heißt fünf Kräfte, durch die der Mensch das materielle Umfeld wahrnimmt. Das Sehvermögen sieht äußere Formen; das Hörvermögen nimmt Klänge wahr; der Geruchssinn nimmt Gerüche wahr; der Geschmackssinn nimmt essbare Dinge wahr; und der Tastsinn, der auf den ganzen Körper verteilt ist, nimmt Tastbares wahr. Diese fünf Kräfte nehmen äußere Objekte wahr.56:2Der Mensch hat zudem einige geistige Kräfte: die Vorstellungskraft, die ein geistiges Bild von etwas schafft; das Denkvermögen, das über die Wirklichkeit der Dinge nachsinnt; das Verstehen, das diese Wirklichkeit begreift; und das Gedächtnis, das behält, was der Mensch sich vorgestellt, gedacht und verstanden hat. Zwischen diesen fünf nach außen gerichteten Kräften und den inneren Kräften gibt es einen Gemeinsinn, einen vermittelnden Sinn, der den inneren Kräften alles weitergibt, was die nach außen gerichteten Kräfte wahrgenommen haben. Er wird als Gemeinsinn bezeichnet, da er sowohl den nach außen gerichteten als auch den inneren Kräften zugerechnet wird.56:3Die Sehkraft, eine der nach außen gerichteten Kräfte, sieht zum Beispiel diese Blume, nimmt sie wahr und übermittelt diese Wahrnehmung der inneren Kraft des Gemeinsinns; der Gemeinsinn überträgt sie an die Vorstellungskraft, die dieses Bild wiederum empfängt, formt und es an die Kraft des Denkens überträgt; die Kraft des Denkens sinnt darüber nach und gibt es, nachdem sie dessen Wirklichkeit erfasst hat, an die Kraft des Verstehens weiter; und sobald diese Kraft es verstanden hat, übergibt sie das Bild des wahrnehmbaren Objekts dem Gedächtnis, das es in Erinnerung bewahrt.56:4Es gibt fünf äußere Kräfte: das Sehvermögen, das Hörvermögen, den Geschmackssinn, den Geruchssinn und den Tastsinn. Und es gibt auch fünf innere Kräfte: den Gemeinsinn, die Vorstellungskraft, das Denkvermögen, das Verstehen und das Gedächtnis.Kapitel 57Charakterunterschiede unter den Menschen57:1Frage: Wie viele verschiedene Charaktertypen gibt es und woher rühren ihre Unterschiede und ihre Vielfalt?57:2Antwort: Es gibt den angeborenen Charakter, den ererbten Charakter und den erworbenen Charakter, der sich durch Erziehung bildet.57:3Was den angeborenen Charakter betrifft: Obwohl die von Gott verliehene angeborene Natur vollkommen gut ist, so unterscheidet sich dieser Charakter doch durch den Grad, in dem ein Mensch ihn besitzt: Alle Abstufungen sind gut, aber einige sind besser als andere. So besitzt jeder Mensch Intelligenz und Fähigkeiten, aber Intelligenz, Fähigkeiten und Begabung unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Das ist offensichtlich.57:4Nehmen wir zum Beispiel einige Kinder aus demselben Ort und derselben Familie, die dieselbe Schule besuchen und vom selben Lehrer unterrichtet werden, mit der gleichen Nahrung und im selben Klima aufwachsen, die gleiche Kleidung tragen und denselben Unterricht erhalten: Gewiss werden sich einige dieser Kinder in Kunst und Wissenschaft qualifizieren, einige werden durchschnittlich begabt sein und andere werden dumm bleiben. Es ist daher klar, dass es in der angeborenen Natur des Menschen unterschiedliche Abstufungen, Begabungen und Fähigkeiten gibt, aber es ist keine Angelegenheit von Gut oder Böse – es geht lediglich um einen unterschiedlichen Grad. Einer nimmt den höchsten Rang ein, ein weiterer den mittleren und noch ein anderer den niedrigsten. In gleicher Weise existiert der Mensch, das Tier, die Pflanze und das Mineral, aber die Existenz dieser vier Lebensformen ist unterschiedlich. Welch ein Unterschied besteht zwischen der Existenz des Menschen und der des Tieres! Doch sie alle existieren, und es ist offensichtlich, dass es im Dasein Rangunterschiede gibt.57:5Was die Unterschiede im ererbten Charakter betrifft, so ergeben sie sich aus Stärke und Schwäche der Konstitution des Menschen, das heißt, wenn die Eltern eine schwache Konstitution haben, werden auch die Kinder so sein, und wenn sie stark sind, werden auch die Kinder robust sein. Darüber hinaus übt die Vortrefflichkeit der Abstammungslinie großen Einfluss aus; denn ein guter Samen ist so wie der hochwertige Grundstock, der ebenso im Pflanzen- und Tierreich existiert. Zum Beispiel siehst du, dass Kinder von schwachen und kränklichen Eltern von Natur aus eine schwache Konstitution und schwache Nerven haben, es fehlt ihnen an Geduld, Ausdauer, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen, sie sind impulsiv, denn sie haben die Schwäche und Anfälligkeit ihrer Eltern geerbt.57:6Abgesehen davon wurden bestimmte Familien und Abstammungslinien für einen besonderen Segen erwählt. So erhielten die Nachkommen Abrahams den besonderen Segen, dass alle Propheten des Hauses Israel von ihnen abstammten. Dies ist ein Segen, den Gott dieser Abstammungslinie verliehen hat. Mose durch Seinen Vater und Seine Mutter; Christus durch Seine Mutter; Muḥammad, der Báb und alle Propheten und Heiligen Israels gehören zu dieser Abstammungslinie. Auch Bahá’u’lláh ist ein Nachfahre Abrahams, denn Abraham hatte neben Ismael und Isaak noch weitere Söhne, die damals nach Persien und Afghanistan auswanderten, und die Gesegnete Schönheit ist einer ihrer Nachkommen.57:7Das zeigt deutlich, dass es auch ererbten Charakter gibt und zwar in einem Ausmaß, dass jemand, dessen Charakter nicht mit dem der eigenen Vorfahren übereinstimmt, im geistigen Sinne nicht zu dieser Abstammungslinie gezählt wird, selbst wenn er körperlich diesem Geschlecht entstammte. Dies ist der Fall bei Kanaan, der nicht zu den Nachkommen Noahs gerechnet wird.Vergleiche: Genesis 9:22–7A57:8Was die Charakterunterschiede betrifft, die von der Erziehung und Bildung herrühren, so sind sie in der Tat groß, denn Erziehung und Bildung üben einen enormen Einfluss aus. Durch Erziehung und Bildung wird der Unwissende gelehrt, der Feige mutig, der krumme Ast wird gerade, die scharfe und bittere Frucht der Berge und Wälder wird köstlich und süß, und eine Blume mit fünf Blütenblättern bringt hundert Blütenblätter hervor. Durch Erziehung werden barbarische Völker zivilisiert und selbst Tiere nehmen menschenähnliche Verhaltensweisen an. Der Erziehung und Bildung muss die größte Bedeutung beigemessen werden; denn so wie Krankheiten in der körperlichen Welt leicht übertragbar sind, so sind auch Charakterzüge im Bereich von Herz und Geist leicht übertragbar. Die Unterschiede, die durch Erziehung und Bildung geschaffen werden, sind gewaltig und haben einen überragenden Einfluss.57:9Nun mag jemand sagen, solange Fähigkeiten und Begabungen von Menschen unterschiedlich sind, wie kann man den Bösen einen Vorwurf machen, da der Unterschied doch auf ihren Fähigkeiten beruht.Ein solcher Unterschied in den Fähigkeiten muss unweigerlich zu einem Unterschied im Charakter führen.A Aber das ist nicht der Fall, denn Fähigkeiten sind von zweierlei Art: angeboren und erworben. Die angeborenen Fähigkeiten, die Gott erschaffen hat, sind ganz und gar gut – in der angeborenen Natur gibt es nichts Böses. Die erworbenen Fähigkeiten können jedoch zur Ursache des Bösen werden. Zum Beispiel hat Gott alle Menschen in einer solchen Weise mit solchen Fähigkeiten und Veranlagungen erschaffen, dass ihnen Zucker und Honig guttun, sie aber durch Gift geschädigt oder getötet werden. Dies ist eine angeborene Fähigkeit und Veranlagung, die Gott allen Menschen gleichermaßen verliehen hat. Aber der Mensch kann anfangen nach und nach Gift zu sich zu nehmen, indem er jeden Tag eine kleine Menge einnimmt und sie allmählich steigert, bis er so weit kommt, dass er ohne den täglichen Konsum von mehreren Gramm Opium zugrunde gehen würde und seine angeborenen Fähigkeiten vollständig untergraben sind. Schau, wie angeborene Fähigkeiten und Veranlagungen durch eine veränderte Gewohnheit und Erziehung so vollständig umgewandelt werden können, dass sie ins Gegenteil verkehrt werden. Es ist nicht ihre angeborene Fähigkeit und Veranlagung, die man den Frevlern vorwirft, sondern das, was sie selbst aus sich gemacht haben.
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