‘Abdu’l-Bahá | Beantwortete Fragen
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4:4
Diese Verbannung wurde zur Ursache für den Fortschritt der Nachkommen Abrahams. Diese Verbannung führte dazu, dass ihnen das Heilige Land gegeben wurde. Diese Verbannung führte zur Verbreitung der Lehre Abrahams. Diese Verbannung führte zum Erscheinen Jakobs aus Abrahams Nachkommenschaft und Josefs, dem die Herrschaft über Ägypten übertragen wurde. Diese Verbannung führte zum Erscheinen Mose aus demselben Geschlecht. Diese Verbannung führte dazu, dass aus Seiner Abstammungslinie Christus erschien. Diese Verbannung führte dazu, dass sich Hagar fand, die Ismael gebar, von dem wiederum Muḥammad abstammte. Diese Verbannung führte dazu, dass aus der Nachkommenschaft Abrahams der Báb erschien. Diese Verbannung führte dazu, dass die Propheten Israels aus dem Geschlecht Abrahams hervorgingen – und so wird es für alle Zeit weitergehen. Diese Verbannung führte dazu, dass ganz Europa und der größte Teil Asiens in den Schatten des Gottes Israels trat. Seht, welche Macht es war, die es einem Auswanderer ermöglichte, eine solche Familie zu gründen, ein solches Volk hervorzubringen und eine solche Lehre zu verbreiten. Kann nun jemand behaupten, dass das alles Zufall war? Wir sollten uns unvoreingenommen fragen: War dieser Mann ein Erzieher oder nicht?
4:5
Wir sollten einmal über Folgendes nachdenken: Wenn die Auswanderung Abrahams von Ur nach Aleppo in Syrien zu solchen Ergebnissen geführt hat, wie wird sich die Verbannung Bahá’u’lláhs von Ṭihrán nach Baghdád und von dort nach Konstantinopel, nach Rumelien und ins Heilige Land auswirken!
4:6
Nun sieh, welch ein vollendeter Erzieher Abraham war!
Kapitel 5Mose
5:1
Mose war lange Zeit ein Hirte in der Wildnis. Dem äußeren Anschein nach war Er ein Mann, der im Schoß der Tyrannei aufgewachsen war, als Mörder galt, Hirte wurde und grenzenlosem Hass und Zorn von Volk und Regierung des Pharaos ausgesetzt war. Ein solcher Mensch befreite ein großes Volk von den Fesseln der Gefangenschaft und überzeugte es davon, Ägypten zu verlassen und ins Heilige Land zu ziehen.
5:2
Die Angehörigen dieses Volkes waren in tiefste Erniedrigung gesunken und wurden zum Gipfel der Herrlichkeit erhoben. Sie waren Gefangene und wurden befreit. Sie waren unter allen Völkern durch völlige Unwissenheit gekennzeichnet und erlangten dann höchste Gelehrsamkeit. Dank der Grundlagen, die Er schuf, machten sie solche Fortschritte, dass sie sich unter allen Völkern auszeichneten. Ihr Ruhm breitete sich in allen Landen derart aus, dass die Bewohner der Nachbarländer, wenn sie jemanden loben wollten, sagten: »Das ist bestimmt ein Israelit!« Mose verfügte Gesetze und Gebote, die dem Volk Israel neues Leben verliehen, und führte es zum Gipfel der Zivilisation in jener Zeit.
5:3
Ihr Fortschritt war so groß, dass die Philosophen Griechenlands bei den Gelehrten Israels nach Wissen suchten. Unter ihnen war Sokrates, der nach Syrien kam und von den Israeliten die Lehre von der Einheit Gottes und der Unsterblichkeit der Seele übernahm. Er kehrte dann nach Griechenland zurück und verbreitete diese Lehren, woraufhin die Bevölkerung sich gegen ihn auflehnte, ihn der Gottlosigkeit bezichtigte, ihn vor Gericht anklagte und zum Tode durch Gift verurteilte.
5:4
Wie konnte nun so ein Mann, ein Stotterer, aufgewachsen im Hause des Pharaos, als Mörder bekannt, der sich aus Furcht lange Zeit verborgen hielt und sein Dasein als Hirte fristete, eine so gewaltige Sache ins Leben rufen, von der die weisesten Philosophen der Erde nicht einmal einen Bruchteil hätten hervorbringen können? Dass das außergewöhnlich ist, liegt auf der Hand.
5:5
Ein Mensch, der stottert oder stammelt, wird kaum ein gewöhnliches Gespräch führen können, geschweige denn das erreichen, was Er vollbrachte. Nein, hätte keine göttliche Macht hinter Ihm gestanden, wäre Er nicht dazu in der Lage gewesen, solch eine gewaltige Aufgabe zu erfüllen. Das sind Argumente, die niemand leugnen kann. Die materialistischen Denker, die griechischen Philosophen und die großen Männer Roms, die in der ganzen Welt zu Ruhm gelangten, waren alle in nur einem Wissensgebiet bewandert. Galen und Hippokrates wurden für ihre Heilkunst, Aristoteles für logisches und spekulatives Denken und Plato für Ethik und göttliche Philosophie gerühmt. Wie kann ein einfacher Hirte das Fundament für all diese Wissenszweige legen? Es besteht kein Zweifel, dass eine außergewöhnliche Macht hinter Ihm stand.
5:6
Sieh, wie die Menschen mit Prüfungen und Schwierigkeiten konfrontiert werden. Mose streckte einen Ägypter nieder, um einen Drangsalierten zu schützen und ward fortan als Mörder verrufen, zumal das Opfer der Herrscherklasse angehörte, musste fliehen und wurde nach all dem doch zum Propheten erhoben. Sieh, wie Er trotz Seines schlechten Rufs von einer außergewöhnlichen Macht darin unterstützt wurde, großartige Einrichtungen ins Leben zu rufen und mächtige Vorhaben in die Wege zu leiten!
Kapitel 6Christus
6:1
Danach erschien Christus und sprach: »Ich bin aus dem Heiligen Geist geboren.« Es fällt heute den Christen zwar leicht, diesen Anspruch anzuerkennen, damals war das aber sehr schwierig. So fragten die Pharisäer dem Evangelium zufolge: »Ist das nicht der Sohn von Josef aus Nazareth, den wir kennen? Wie kann er denn sagen: ›Ich bin vom Himmel gekommen‹?«Vergleiche: Johannes 6:42A
6:2
Kurz, dieser in aller Augen unbedeutende Mann erhob sich dennoch mit der Macht, ein fünfzehnhundert Jahre altes religiöses Gesetz abzuschaffen, obgleich man schon durch die geringste Übertretung in ernste Gefahr geriet und dem sicheren Tod entgegensah. Zudem waren die allgemeinen Sitten und die Verhaltensweisen der Israeliten zur Zeit Christi gänzlich verdorben und Israel war in einen Zustand äußerster Erniedrigung, in Elend und Knechtschaft gesunken. Einmal fielen sie in die Hände der Chaldäer und Perser, ein andermal wurden sie von den Assyrern unterjocht. Das eine Mal wurden sie Untertanen und Vasallen der Griechen, ein anderes Mal wurden sie von den Römern bezwungen und gedemütigt.
6:3
Obschon jung an Jahren, hob Christus mit einer außergewöhnlichen Macht das altehrwürdige mosaische Gesetz auf und begab sich daran, die allgemeinen Sitten zu erneuern. Er legte erneut die Grundlagen ewigen Ruhms für die Israeliten – mehr noch, Er stellte sich der Aufgabe, das Wohl der ganzen Menschheit wiederherzustellen – und verbreitete Lehren, die nicht allein Israel vorbehalten waren, sondern die Grundlage für das allgemeine Glück der menschlichen Gesellschaft bildeten.
6:4
Die ersten, die sich erhoben Ihn zu vernichten, waren die Israeliten – Sein eigenes Volk und Seine eigene Sippe. Dem äußeren Anschein nach bezwangen sie Ihn tatsächlich und stürzten Ihn in äußerste Erniedrigung, bis sie Ihm schließlich die Dornenkrone aufs Haupt setzten und Ihn kreuzigten. Doch während Er äußerlich zutiefst erniedrigt war, verkündete Er: »Diese Sonne wird aufgehen, dieses Licht wird erstrahlen, Meine Gnade wird die Welt umfangen und alle Meine Feinde werden besiegt sein.« Und es geschah so, wie Er es gesagt hatte, denn kein König auf Erden konnte sich Ihm widersetzen. Mehr noch, all ihre Standarten wurden niedergerissen, während die Standarte dieses Unterdrückten zu höchsten Höhen emporgehoben ward.
6:5
Ist dies nach menschlichem Ermessen überhaupt möglich? Nein, bei Gott! Man sieht also, dass dieses erhabene Wesen wirklich ein Erzieher der Menschheit war und eine göttliche Macht Ihn unterstützte.
Kapitel 7Muḥammad
7:1
Was nun Muḥammad betrifft, so haben die Menschen in Europa und Amerika gewisse Geschichten über den Propheten gehört und für wahr gehalten, auch wenn solche Schilderungen oftmals von christlichen Geistlichen verbreitet wurden, die teils unwissend oder gar böswillig waren. Auch einige unwissende Muslime verbreiteten haltlose Geschichten über Muḥammad, die Ihm ihrer Ansicht nach zum Ruhme gereichten. So wurde die Vielzahl Seiner Frauen von einigen einfältigen Muslimen aufs Höchste gelobt und als Zeichen für Seine wundersamen Kräfte angesehen, denn für diese Unwissenden grenzte das an ein Wunder. Die Berichte europäischer Historiker beruhen zum größten Teil auf den Aussagen solcher Ignoranten.
7:2
Zum Beispiel erzählte einmal ein törichter Mensch einem christlichen Priester, dass der Beweis für wahre Größe in überragender Tapferkeit und im Blutvergießen läge und dass einer der Anhänger Muḥammads an einem einzigen Tag hundert Männer auf dem Schlachtfeld enthauptet habe! Daraufhin mutmaßte der Priester, dass der Wahrheitsbeweis der Religion Muḥammads im Töten bestand, was nichts als reine Einbildung ist. Im Gegenteil, Muḥammads Kriegszüge dienten stets Verteidigungszwecken. Der deutliche Beweis dafür ist: Dreizehn Jahre lang haben Er und Seine Gefährten in Mekka die heftigsten Verfolgungen erduldet und waren immerzu das Ziel für die Pfeile des Hasses. Einige Seiner Gefährten wurden getötet und ihres Besitzes beraubt; andere ließen ihre Heimat zurück und flohen in fremde Lande. Muḥammad Selbst wurde aufs Schwerste verfolgt und als Seine Feinde den Entschluss fassten Ihn zu töten, war Er gezwungen mitten in der Nacht aus Mekka zu fliehen und nach Medina auszuwandern. Doch selbst dann ließen Seine Feinde nicht von ihrem Vorhaben ab und verfolgten die Muslime bis nach Medina und nach Abessinien.
7:3
Die arabischen Stämme waren äußerst barbarisch und raubgierig und im Vergleich zu ihnen waren die wilden und streitbaren Ureinwohner Amerikas die Platoniker ihrer Zeit, denn sie begruben nicht ihre Töchter bei lebendigem Leib, wie die Araber, die das mit ihren Töchtern machten und noch behaupteten, es sei eine ehrenvolle Tat, derer sie sich brüsteten. So bedrohten viele Männer ihre Frauen und sagten: »Wenn dir eine Tochter geboren wird, töte ich dich.« Sogar heute noch schrecken viele Araber vor dem Gedanken zurück, eine Tochter zu haben.
7:4
Ein Mann konnte tausend Frauen nehmen, und die meisten Männer hatten mehr als zehn Frauen in ihrem Haushalt. Wenn diese Stämme Krieg gegeneinander führten, nahmen die Sieger die Frauen und Kinder der Besiegten gefangen und betrachteten sie als Sklaven, mit denen sie Handel trieben.
7:5
Wenn ein Mann starb und zehn Frauen hinterließ, dann eilten die Söhne dieser Frauen zu den anderen Müttern, und sobald einer von ihnen seinen Umhang über das Haupt einer der Frauen seines Vaters warf und sie als sein rechtmäßiges Eigentum beanspruchte, so wurde diese unglückliche Frau zur Gefangenen und Sklavin ihres Stiefsohnes, der mit ihr verfahren konnte, wie es ihm beliebte. Er konnte sie töten, in ein Kellerloch sperren, sie Tag für Tag schlagen, verfluchen und misshandeln, bis sie langsam zugrunde ging. In Übereinstimmung mit den Gesetzen und Gebräuchen der Araber stand es ihm bei all dem frei zu tun, was ihm beliebte. Dass Verbitterung und Eifersucht, Hass und Feindseligkeit zwischen den Ehefrauen mitsamt ihren Kindern herrschten, ist vollkommen klar und bedarf keiner weiteren Darlegung. Stell dir vor, unter welchen Bedingungen diese unterdrückten Frauen leben mussten!
7:6
Darüber hinaus lebten diese arabischen Stämme von Raub- und Beutezügen, die sie gegeneinander führten, wodurch sie sich in ständigem Streit und Krieg befanden, einander töteten, sich gegenseitig ausplünderten, sich der Frauen und Kinder bemächtigten und sie an Fremde verkauften. Wie oft verbrachten die Söhne und Töchter eines Stammesfürsten den Tag unbeschwert in Luxus, doch schon zur Abenddämmerung fanden sie sich in völliger Erniedrigung, in Elend und Gefangenschaft wieder. Gestern noch waren sie Fürsten, heute schon sind sie Gefangene; gestern noch waren sie angesehene Damen, heute schon sind sie Sklavinnen.
7:7
Solcherart waren die Stämme, zu denen Muḥammad entsandt wurde. Dreizehn Jahre lang fügten sie Ihm alles erdenkliche Leid zu, bis Er schließlich aus der Stadt floh und nach Medina auswanderte. Doch es kam ihnen nicht in den Sinn nachzulassen, vielmehr verbündeten sie sich, stellten eine Armee auf und griffen an, um all Seine Gefährten, Männer, Frauen und Kinder zu vernichten. Unter diesen Umständen und gegen ein solches Volk war Muḥammad gezwungen, zu den Waffen zu greifen. Das sind die wahren Umstände: Wir wollen nicht fanatisch an etwas festhalten, noch blind nach einer Rechtfertigung suchen, vielmehr prüfen wir und schildern den Sachverhalt unvoreingenommen. Sie sollten ebenfalls Folgendes unvoreingenommen abwägen: Wenn Christus Selbst in ähnlicher Weise unter solch gesetzlose und barbarische Stämme geraten wäre; wenn Er und Seine Jünger dreizehn Jahre lang jede ihnen zugefügte Grausamkeit geduldig ertragen hätten; wenn sie durch diese Unterdrückung gezwungen worden wären, ihre Heimat zu verlassen und Zuflucht in der Wüste zu suchen; und wenn diese gesetzlosen Stämme auch weiterhin das Ziel verfolgt hätten, die Männer niederzumetzeln, ihre Besitztümer zu entwenden und sich ihrer Frauen und Kinder zu bemächtigen – wie wäre Christus mit ihnen umgegangen? Hätte diese gewaltsame Unterdrückung nur Ihm gegolten, dann hätte Er ihnen vergeben und eine solche Vergebung hätte Lob und höchste Anerkennung verdient; aber hätte Er gesehen, dass grausame und blutrünstige Mörder darauf bedacht waren zu töten, zu plündern, viele wehrlose Menschen zu quälen und sich der Frauen und Kinder zu bemächtigen, so ist sicher, dass Er die Unterdrückten verteidigt und sich den Unterdrückern entgegengestellt hätte.
7:8
Was kann man da Muḥammad zum Vorwurf machen? Etwa, dass Er sich nicht mit Seinen Gefährten, ihren Frauen und Kindern diesen gesetzlosen Stämmen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert hatte? Zudem war es ein Geschenk des Himmels, diese Stämme von ihrer Blutgier zu befreien; sie im Zaum zu halten und in ihre Schranken zu verweisen war reine Gnade. Es ist, wie wenn ein Mann einen Giftbecher hält und im Begriff ist, ihn zu leeren. Ein wahrer Freund würde ihm gewiss den Becher aus der Hand schlagen und ihn am Trinken hindern. Christus hätte in so einer Situation zweifellos mit allbezwingender Macht die Männer, Frauen und Kinder aus den Klauen solch gieriger Wölfe befreit.
7:9
Muḥammad kämpfte niemals gegen die Christen; im Gegenteil, Er behandelte sie mit Respekt und gewährte ihnen vollkommene Freiheit. In Najrán lebte eine christliche Gemeinde unter Seinem Schutz. Muḥammad sprach: »Sollte jemand ihre Rechte verletzen, so wird er in mir einen Feind finden, der ihn vor Gott anklagt.« In Seinen Erlassen heißt es ganz klar, dass Leben, Eigentum und Ehre von Juden und Christen unter dem Schutz Gottes stehen; dass ein muslimischer Gatte seine christliche Frau nicht daran hindern darf, zur Kirche zu gehen, noch von ihr verlangen darf, einen Schleier zu tragen; dass er nach ihrem Tod ihre sterblichen Überreste einem Priester anzuvertrauen hat; und dass, wenn die Christen eine Kirche bauen wollen, die Muslime sie darin unterstützen müssen. Ferner waren in Zeiten des Krieges zwischen dem islamischen Reich und seinen Feinden die Christen vom Kriegsdienst befreit, es sei denn, sie wünschten in Anbetracht des Schutzes, den sie genossen, sich aus freien Stücken den Muslimen anzuschließen und sie bei der Schlacht zu unterstützen. Zum Ausgleich für diese Freistellung hatten sie jedes Jahr einen kleinen Betrag zu zahlen. Kurz gesagt, es gibt sieben umfangreiche Erlasse zu diesen Themen und einige Abschriften davon sind bis heute in Jerusalem erhalten.Vergleiche: Jurjí Zaydán, Umayyads and ‘Abbásids: Being the Fourth Part of Jurjí Zaydán’s History of Islamic Civilization, translation D. S. Margoliouth, London 1987, S. 125ff.A Dies ist eine Tatsache und nicht nur meine eigene Behauptung: Der Erlass des zweiten Kalifen‘UmarA ist immer noch in der Obhut des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, das steht außer Zweifel. Doch nach einer Weile regte sich Missgunst und Hass zwischen Muslimen und Christen, da sich beide Seiten Übergriffe zu Schulden kommen ließen.
7:10
Abgesehen von dieser Wahrheit ist alles, was auch immer Muslime, Christen oder andere sagen mögen, reine Erfindung, die aus Fanatismus, Unwissenheit und erbitterter Feindschaft entsteht. Zum Beispiel behaupten Muslime, der Mond sei von Muḥammad gespalten worden und auf den Berg von Mekka gefallen. Sie stellen sich den Mond als ein kleines Gebilde vor, das Muḥammad entzweischlug, davon einen Teil auf einen Berg und den zweiten auf einen anderen warf! Solche Geschichten entstehen aus purem Fanatismus. Ebenso sind die Darstellungen der christlichen Geistlichen und ihre Anschuldigungen immer übertrieben und oft haltlos.
7:11
Kurz, Muḥammad erschien in der Wüste Ḥijáz auf der Arabischen Halbinsel, einer baumlosen und unfruchtbaren Einöde, die sandig, ausgesprochen trostlos und an einigen Orten, wie Mekka und Medina, überaus heiß war. Die dort lebenden Nomaden folgten den Sitten und Verhaltensweisen von Wüstenbewohnern und waren bar jeder Bildung und Gelehrsamkeit. Selbst Muḥammad war des Lesens und Schreibens unkundig, und der Qur’án wurde ursprünglich auf Schulterknochen von Schafen oder auf Palmblätter geschrieben. Daraus kannst du schließen, welche Verhältnisse unter den Menschen herrschten, zu denen Muḥammad gesandt wurde!
7:12
Als erstes warf Er ihnen vor: »Warum lehnt ihr die Thora und das Evangelium ab und warum weigert ihr euch, an Christus und Mose zu glauben?« Diese Aussage traf sie wirklich hart, denn sie fragten: »Was ist denn dann mit unseren Vätern und Vorvätern, die nicht an die Thora und das Evangelium geglaubt haben?« Er antwortete: »Sie waren auf Abwege geraten und ihr müsst euch von denen lossagen, die nicht an die Thora und das Evangelium glauben, auch wenn es eure eigenen Vorfahren sind.«
7:13
In solch einem Land, unter solch barbarischen Stämmen, brachte ein ungebildeter Mensch ein Buch hervor, in dem die Attribute und die Vollkommenheit Gottes, die prophetische Stufe Seiner Gesandten, die Gebote Seiner Religion und bestimmte Wissensgebiete sowie wissenschaftliche Fragestellungen höchst vollkommen und eloquent dargelegt wurden.
7:14
Wie du weißt, war es beispielsweise vor den Beobachtungen des bekannten Astronomen aus jüngerer Vergangenheit,KopernikusA das heißt von den ersten Jahrhunderten bis hin zum fünfzehnten Jahrhundert christlicher Zeitrechnung, bei allen Mathematikern der Welt Konsens, dass die Erde im Mittelpunkt steht und die Sonne sie umkreist. Auf diesen Astronomen geht die neue Theorie zurück, nach der die Erde sich bewegt und die Sonne ein Fixstern ist. Bis zu seiner Zeit hielten alle Mathematiker und Philosophen der Welt am ptolemäischen System fest und wer nur ein Wort dagegen sprach, galt als unwissend. Es stimmt schon, dass Pythagoras und Plato in der zweiten Hälfte ihres Lebens die Vorstellung entwickelten, dass die Bewegung der Sonne im Jahresverlauf entlang des Tierkreises nicht von ihr selbst herrührt, sondern von der sie umkreisenden Erde. Diese Theorie geriet jedoch völlig in Vergessenheit und die ptolemäische Theorie wurde allgemein von sämtlichen Mathematikern angenommen. Im Qur’án jedoch wurden einige Verse offenbart, die dem ptolemäischen System widersprachen. In einem davon heißt es: »Und die Sonne bewegt sich an einem festen Ort«Qur’án 36:38A, was auf die feste Position der Sonne und ihre Bewegung um eine Achse hinweist. Auch in einem anderen Vers, »Sie alle schweben auf einer Himmelsbahn«Qur’án 36:40A, wird die Bewegung der Sonne, des Mondes, der Erde und der anderen Himmelskörper beschrieben. Als der Qur’án nun über die Landesgrenzen hinaus verbreitet wurde, spotteten alle Mathematiker darüber und führten diese Sichtweise auf Unwissenheit zurück. Selbst die muslimischen Geistlichen, die feststellten, dass diese Verse dem ptolemäischen System widersprachen, sahen sich genötigt, sie bildhaft auszulegen, denn Letzteres wurde als unumstößliche Tatsache angesehen, obwohl der Qur’án dem ausdrücklich widersprach.
7:15
Erst ab dem fünfzehnten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung, fast neunhundert Jahre nach Muḥammad, kam es zu neuen Beobachtungen eines berühmten Mathematikers;GalileoA das Teleskop wurde erfunden, es kam zu wichtigen Entdeckungen, die Rotation der Erde und die Fixposition der Sonne wurden nachgewiesen und deren Bewegung um eine Achse wurde ebenfalls entdeckt. Dann wurde klar, dass der Wortlaut des Qur’án vollkommen mit der Wirklichkeit übereinstimmte und das ptolemäische System reine Einbildung war.
7:16
Kurz gesagt: Eine Vielzahl östlicher Völker wurde seit dreizehn Jahrhunderten im Schatten des Glaubens Muḥammads erzogen. Im Mittelalter, als Europa in den tiefsten Abgründen der Barbarei versunken war, übertrafen die Araber alle anderen Völker der Erde in Wissenschaften und Handwerkskunst, in Mathematik, Kultur, Staatsführung und anderen Künsten. Erzieher und Triebfeder für die Entwicklung der Stämme auf der arabischen Halbinsel und Stifter einer auf menschliche Vervollkommnung aufbauenden Kultur unter den rivalisierenden Stämmen war ein ungelehrter Mann, Muḥammad. War dieser hoch geschätzte Mann ein universeller Erzieher oder nicht? Lasst uns unvoreingenommen urteilen.
Kapitel 8Der Báb
8:1
Der Báb‘Abdu’l-Bahá bezieht sich auf den Báb mit Dessen Titel Ḥaḍrat-i-A‘lá – Seine Heiligkeit der Erhabene –, aber Er wird hier mit dem Namen bezeichnet, unter dem Er im Westen bekannt ist.A – möge meine Seele ein Opfer für Ihn sein – erhob sich in jungen Jahren, das heißt im fünfundzwanzigsten Jahr Seines gesegneten Lebens, um Seine Sache zu verkünden. Unter den Schiiten ist allseits bekannt, dass Er nie in einer Schule studiert oder bei einem Lehrer Wissen erworben hat. Jedermann in Shíráz wird das bezeugen. Und dennoch trat Er plötzlich mit vollendetem Wissen vor den Menschen auf und – obschon nur ein Kaufmann – verblüffte Er alle Geistlichen Persiens. Ganz auf sich gestellt übernahm Er eine nahezu aussichtslose Aufgabe; denn die Perser sind in der ganzen Welt für ihren religiösen Fanatismus bekannt. Dieses erhabene Wesen erhob sich mit solcher Macht, dass die Grundlagen der religiösen Gesetze, Bräuche und Verhaltensweisen, der Sitten und Gewohnheiten in Persien erschüttert wurden und stiftete ein neues Gesetz, einen neuen Glauben und eine neue Religion. Obwohl die bedeutenden Staatsmänner, der Großteil des Volkes und die Religionsführer sich geschlossen erhoben, Ihn auszulöschen und zu vernichten, bot Er ihnen völlig auf Sich gestellt die Stirn und versetzte ganz Persien in Aufruhr. Wie zahlreich die Geistlichen, die führenden Persönlichkeiten und Bewohner dieses Landes, die ihr Leben in vollkommener Freude und Glückseligkeit auf Seinem Pfade opferten und auf das Feld des Martyriums eilten!
8:2
Die Regierung, das Volk, der Klerus und führende Persönlichkeiten versuchten Sein Licht auszulöschen, jedoch vergeblich. Schließlich ging Sein Mond auf, Sein Stern erstrahlte, der Grundstein war gelegt und der Horizont Seines Erscheinens lichtüberflutet. Er ließ einer Vielzahl von Menschen göttliche Erziehung angedeihen und übte wundervollen Einfluss auf Gedanken, Bräuche, Moral und Verhaltensweisen der Perser aus. Er verkündete all Seinen Anhängern die Frohe Botschaft vom Erscheinen der Sonne Bahás und machte sie für Glauben und Gewissheit empfänglich.
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