‘Abdu’l-Bahá | Briefe und Botschaften
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139:8
O Magd Gottes! Die Macht des Heiligen Geistes heilt körperliche wie geistige Gebrechen.
139:9
O Magd Gottes! In der Thora steht geschrieben: Und ich werde dir das Tal Achor als ein Tor der Hoffnung geben. Dieses Tal Achor ist die Stadt ‘Akká, und wer immer dies anders auslegt, gehört zu den Unwissenden.
140
140:1
Du fragst nach der Verklärung Jesu mit Moses, Elias und dem himmlischen Vater auf dem Berg Tabor, wie in der Bibel erwähnt. Dieses Ereignis nahmen die Jünger mit ihrem inneren Auge wahr; deshalb war es ein verborgenes Geheimnis und ihre geistige Entdeckung. Wäre die Bedeutung nämlich, dass sie leibliche Gestalten sahen, das heißt, diese Verklärung mit ihren äußeren Augen wahrnahmen, warum sahen es dann nicht die vielen anderen, die auf dem Berg und in der Ebene zugegen waren? Und warum verlangte dann der Herr von ihnen, niemandem davon zu erzählen? Es ist eindeutig, dass es eine geistige Schau war, ein Aufzug des Gottesreiches. Warum sonst gebot ihnen der Messias, es verborgen zu halten, »bis der Menschensohn von den Toten auferweckt worden ist«Mt. 17:1–19; Mk. 9:2–9; Lk. 9:28–36.Q, – das heißt, bis die Sache Gottes verherrlicht würde, das Wort Gottes sich durchsetzte und die Wirklichkeit Christi sichtbar wäre?
141
141:1
O du sehnsuchtsvolle Flamme, die du in der Liebe zu Gott loderst! Ich habe deinen Brief gelesen; sein beredter, wohlgesetzter Inhalt erfreute mein Herz, weil er deine tiefe Aufrichtigkeit in der Sache Gottes zeigt, deine ausdauernden Schritte auf dem Pfade Seines Königreiches und deine Treue zu Seinem Glauben – und von allen großen Dingen ist dies in Seinen Augen das bedeutendste.
141:2
Wie viele Seelen wandten sich doch dem Herrn zu, betraten Seines Wortes schützenden Schatten und wurden auf der ganzen Welt berühmt – zum Beispiel Judas Ischariot. Doch dann, als die Prüfungen härter und heftiger wurden, glitten ihre Füße auf dem Pfade aus. Sie wandten sich vom Glauben ab, nachdem sie seine Wahrheit anerkannt hatten, und verleugneten ihn; von Einklang und Liebe fielen sie ab in Unheil und Hass. So zeigte sich die Macht der Prüfungen, die starke Pfeiler zittern macht.
141:3
Judas Ischariot war der bedeutendste der Jünger; er rief die Menschen zu Christus. Dann schien es ihm, als ob Jesus dem Apostel Petrus zunehmend mehr Aufmerksamkeit schenkte. Als Jesus sagte: »Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen«Mt. 16:18 – Anm. d. Hrsg.Q, hatten diese an Petrus gerichteten Worte, die Auserwählung des Petrus zu besonderer Ehre, deutliche Wirkung auf den Apostel – und sie entfachten Neid im Herzen des Judas. So wandte sich der einst Nahegekommene ab, der vormals Glaubende verleugnete nun seinen Glauben; seine Liebe wurde zu Hass, bis er die Kreuzigung dieses herrlichen Herrn, dieses offenbarten Lichtes herbeiführte. Solches bewirkt der Neid. Deshalb wenden sich die Menschen vom geraden Pfad ab. So geschah es früher, so wird es auch in dieser großen Sache geschehen. Aber es macht nichts, denn bei den übrigen bewirkt es Treue und lässt Seelen erstehen, die nicht zaudern, die wie Berge so fest und unerschütterlich sind in ihrer Liebe zu dem offenbaren Licht.
141:4
Übermittle den Dienerinnen des Barmherzigen die Botschaft, dass sie standhaft und treu in ihrer Liebe zu Bahá bleiben müssen, wenn eine Prüfung schwer wird. Im Winter kommen die Stürme, heftige Winde blasen. Aber dann folgt der Frühling in all seiner Schönheit, lieblich anzusehen mit geschmückten Hügeln und Tälern, mit duftenden Blumen und roten Anemonen. Dann werden die Vögel in den Zweigen ihre Freudengesänge schmettern und mit beschwingten Weisen von den Kanzeln der Bäume predigen. Bald werdet ihr schauen, wie die Lichter fluten, die Banner des Himmelreichs flattern, die süßen Düfte des Allbarmherzigen sich überallhin verbreiten, die Heerscharen des Königreiches herniederkommen, die Himmelsengel vorwärtsstürmen und der Heilige Geist über alle jene Lande weht. Dann werdet ihr die Zauderer sehen, Männer wie Frauen, enttäuscht in ihren Hoffnungen und in offensichtlichem Verlust. So ist es verordnet vom Herrn, dem Offenbarer der Verse.
141:5
Du aber bist selig, denn du bist standhaft in der Sache Gottes, fest in Seinem Bund. Ich bete zu Ihm, dir eine geistige Seele und das Leben des Gottesreiches zu verleihen und dich als ein grünes Blatt am Baum des Lebens gedeihen zu lassen, damit du vergeistigt und frohgemut den Mägden des Barmherzigen dienst.
141:6
Dein freigebiger Herr wird dir bei der Arbeit in Seinem Weinberg beistehen und dich zum Werkzeug machen, den Geist der Einheit unter Seinen Dienerinnen zu verbreiten. Er wird dein inneres Auge sehend machen mit dem Licht der Erkenntnis, deine Sünden vergeben und sie in gute Taten wandeln. Wahrlich, Er ist der Vergebende, der Mitleidige, der Herr unermesslicher Gnade.
142
142:1
O du liebe Dienerin Gottes! Preise Gott, denn du bist begünstigt an Seiner Heiligen Schwelle, gehegt im Reiche Seiner Macht. Du bist Vorsitzende eines Rates, der geprägt ist von den himmlischen Heerscharen und das allherrliche Reich widerspiegelt. Strebe mit Herz und Seele, in demütigem Gebet und in Selbstauslöschung, Gottes Gesetz zu vertreten und Seine süßen Düfte allenthalben zu verbreiten. Mühe dich, den Versammlungen geistiger Seelen die wahre Vorsitzende zu sein, eine Gefährtin der Engel im Reich des Allbarmherzigen.
142:2
Du fragst nach dem zehnten bis siebzehnten Vers im einundzwanzigsten Kapitel der Johannes-Offenbarung. Wisse, dass das Firmament der strahlenden Sonne über unserer Erde nach mathematischen Regeln in zwölf Sternbilder eingeteilt wird, die man die zwölf Tierkreiszeichen nennt. Genauso scheint und ergießt die Sonne der Wahrheit ihre Gnadengaben in zwölf Stufen der Heiligkeit; mit diesen himmlischen Zeichen sind makellose, unbefleckte Menschen gemeint, Quellen der Heiligkeit, Dämmerorte für die Verkündung der Einheit Gottes.
142:3
Beachte, wie es in den Tagen Dessen, der Zwiesprache hielt,Moses.A zwölf heilige Wesen gab, welche die Führer der zwölf Stämme waren. Ebenso findest du in der Sendung des GeistesJesus.A zwölf Apostel im schirmenden Schatten jenes erhabenen Lichtes versammelt; von diesen leuchtenden Dämmerorten strahlte die Sonne der Wahrheit wie die Sonne am Himmel hervor. Sieh, wie es in den Tagen Muḥammads wieder zwölf Dämmerorte der Heiligkeit gab, Offenbarer der bestätigenden Hilfe Gottes. So geht das zu.
142:4
Demgemäß berichtete der heilige Johannes von zwölf Toren in seiner Vision und von zwölf Grundsteinen. Mit der »großen Stadt, dem heiligen Jerusalem, das aus dem Himmel von Gott herabkommt«Offb. 21:10 – Anm. d. Hrsg.Q ist das heilige Gesetz Gottes gemeint: Dies ist in vielen Tablets erklärt und bei den Propheten der Vergangenheit in den Schriften zu lesen, zum Beispiel, dass Jerusalem gesehen wurde, als es in die Wüste zog.
142:5
Die Bedeutung dieses Abschnitts ist, dass das göttliche Jerusalem zwölf Tore hat, durch welche die Seligen in die Stadt Gottes einziehen. Diese Tore sind Seelen, die Leitsternen gleichen, Tore des Wissens und der Gnade; unter diesen Toren stehen zwölf Engel. Mit ›Engel‹ ist die Macht der Bestätigungen Gottes gemeint – die Kerze der bestätigenden Macht Gottes scheint aus der Lampennische jener Seelen hervor –; es bedeutet, dass jedem dieser Wesen die gewaltigste Bestätigung und Hilfe zuteilwird.
142:6
Diese zwölf Tore umgeben die ganze Welt, das heißt, sie sind eine Zuflucht für alle Geschöpfe. Darüber hinaus sind diese zwölf Tore die Grundsteine der Stadt Gottes, des himmlischen Jerusalems, und auf jedem dieser Grundsteine steht der Name eines Apostels Christi geschrieben. Das bedeutet, jeder offenbart die Vollkommenheiten, die frohe Botschaft und die Vortrefflichkeit jenes heiligen Wesens.
142:7
Kurz, die Schrift sagt: »Und der mit mir redete, hatte ein gülden Rohr, einen Maßstab, dass er die Stadt, ihre Tore und Türme messe.«vgl. Offb. 21:15 – Anm. d. Hrsg.Q Die Bedeutung ist, dass bestimmte Persönlichkeiten das Volk mit einem Stecken, der aus der Erde gewachsen war, führten und sie mit einem Stab gleich dem des Mose hüteten. Andere erzogen und führten das Volk mit einem eisernen Stab wie in der Sendung Muḥammads. Im gegenwärtigen Zyklus wird, da es die mächtigste Sendung ist, der Stab, der aus dem Pflanzenreich wuchs, und der Stab aus Eisen in ein Rohr aus reinstem Gold verwandelt, den unermesslichen Schatzkammern des Reiches Gottes entnommen. Durch dieses Rohr werden die Menschen erzogen.
142:8
Achte auf den Unterschied: Einst waren die Lehren Gottes wie ein Stecken, durch den die Heiligen Schriften überallhin verbreitet, das Gesetz Gottes verkündet und Sein Glaube errichtet wurde. Dann folgte eine Zeit, in der der Stab des wahren Hirten wie aus Eisen war. Heute, in diesem neuen, herrlichen Zeitalter, ist der Stab wie reines Gold. Welcher Unterschied! Erkenne daraus, wie weit das Gesetz Gottes und Seine Lehren in dieser Sendung fortgeschritten sind, wie sie solche Höhen erreicht haben, dass sie die vorangegangenen Sendungen weit überragen. Dieser Stab ist wahrlich aus reinstem Gold, während die Stäbe früherer Tage aus Eisen und Holz waren.
142:9
Das ist eine kurze Antwort, für dich verfasst; für mehr fehlt die Zeit. Sicherlich wirst du mir vergeben. Gottes Dienerinnen müssen sich auf eine solche Stufe erheben, dass sie von selbst und ohne Hilfe diese inneren Bedeutungen begreifen und fähig werden, jedes Wort in allen Einzelheiten zu erläutern – eine Stufe, auf der aus der Wahrheit ihres tiefsten Herzens ein Quell der Weisheit sprudelt, wie sich ein Springbrunnen aus seinem eigenen Urgrund ergießt.
143
143:1
O du, der du im Reiche Gottes dem Geiste Christi nahegekommen bist! Wahrlich, der Leib ist aus stofflichen Elementen zusammengesetzt, und alles Zusammengesetzte muss sich auflösen. Der Geist jedoch ist eine einzige Wesenheit, zart und fein, körperlos, ewig und göttlich. Wer deshalb Christus in Seinem stofflichen Leib erwartet, der hält vergebliche Ausschau und wird wie durch einen Schleier von Ihm ausgeschlossen sein. Wer sich aber sehnt, Ihn im Geiste zu finden, wird Tag für Tag wachsen vor freudigem Verlangen und brennender Liebe, weil er Ihm nahekommt und Ihn klar und deutlich erkennt. An diesem neuen, wundersamen Tag steht dir an, nach Christi Geist zu suchen.
143:2
Wahrlich, der Himmel, in den sich der Messias erhob, war nicht dieses unendliche Firmament; vielmehr war Sein Himmel das Reich Seines gütigen Herrn. So sagt Er selbst: »Ich bin vom Himmel gekommen«Joh. 6:38.Q, und ein andermal: »Des Menschen Sohn ist im Himmel«Joh. 3:13.Q. Daraus erhellt, dass Sein Himmel jenseits aller Himmelsrichtungen ist, das ganze Sein umschließt und für diejenigen errichtet ist, die Gott anbeten. Bete und flehe zu deinem Herrn, dass Er dich in diesen Himmel emporhebe und dir von seiner Nahrung in diesem Zeitalter der Macht und Majestät zu essen gebe.
143:3
Wisse, dass das Volk bis auf den heutigen Tag die Geheimnisse des Buches nicht entwirrt hat. Sie wähnen, Christus sei während Seines Erdenwandels von Seinem Himmel ausgeschlossen gewesen, sei vom Gipfel Seiner Erhabenheit abgefallen und hinterher in die höheren Gefilde des Himmels aufgestiegen, zu dem Himmel, der überhaupt nicht existiert, da er nur Weltraum ist. Sie warten darauf, dass Er von dort auf einer Wolke reitend wiederkomme. Sie bilden sich ein, dass es in diesem unendlichen All Wolken gebe, dass Er auf ihnen reite und so herniederfahre. Die Wahrheit ist indessen, dass eine Wolke nur Dampf ist, der von der Erde aufsteigt; sie kommt nicht vom Himmel herab. Vielmehr ist die Wolke, auf die sich das Evangelium bezieht, der Menschenleib. Er wird so bezeichnet, weil für den Menschen der Körper ein Schleier ist, der ihn wie eine Wolke daran hindert, die Sonne der Wahrheit zu erkennen, die vom Horizonte Christi scheint.
143:4
Ich bitte Gott, deinen Augen die Tore der Entdeckungen und Wahrnehmungen zu öffnen, damit du an diesem offenbarsten Tag Seine Geheimnisse erkennst.
143:5
Ich bin sehr begierig, dich zu treffen, aber die Zeiten sind ungünstig. So Gott will, werden wir dich wissen lassen, wann du zu einer besseren Zeit frohlockend kommen kannst.
144
144:1
O du, der du die Menschen liebst! Dein Brief ist angekommen, und er berichtet, Gott sei gepriesen, über deine Gesundheit und dein Wohlbefinden. Aus deiner Antwort auf einen früheren Brief geht hervor, dass zwischen dir und den Freunden Gefühle der Zuneigung entstanden sind.
144:2
Man darf in jedem menschlichen Wesen nur das sehen, was des Lobes würdig ist. Wenn man so handelt, kann man der ganzen Menschheit Freund sein. Betrachten wir die Menschen jedoch vom Standpunkt ihrer Fehler aus, dann ist es eine äußerst schwierige Aufgabe, mit ihnen Freundschaft zu pflegen.
144:3
Es geschah eines Tages zur Zeit Christi – möge das Leben der ganzen Welt ein Opfer für Ihn sein – dass Er an einem toten Hund vorbeikam, einem übelriechenden Kadaver, widerlich anzusehen, mit faulenden Gliedern. Einer Seiner Begleiter sagte: »Wie faul ist sein Gestank!« Ein anderer meinte: »Wie ekelerregend, wie abscheulich!« Kurzum, jeder hatte etwas hinzuzufügen.
144:4
Aber dann sprach Christus, und Er sagte ihnen: »Sehet die Zähne des Hundes! Wie strahlend weiß sie sind!«
144:5
Der sündenbedeckende Blick des Messias verweilte keinen Augenblick lang auf dem Widerwärtigen des Aases. Der einzige Teil des Kadavers, der keine Abscheu erregte, waren seine Zähne, und Jesus schaute auf ihren Glanz.
144:6
So sollten wir, wenn wir unseren Blick auf andere Menschen richten, das sehen, worin sie sich auszeichnen, und nicht das, worin sie versagen.
144:7
Preis sei Gott! Dein Ziel ist, das Wohlbefinden der Menschheit zu fördern und den Seelen zu helfen, ihre Fehler zu überwinden. Diese gute Absicht wird löbliche Früchte zeitigen.
145
145:1
Du schriebst über die Frage geistiger Entdeckungen. Des Menschen Geist ist eine Kraft, welche alle Dinge umkreist und ihre Wirklichkeiten umfängt. Was immer du um dich her erblickst – wunderbare Ergebnisse menschlicher Kunstfertigkeit, Erfindungen, Entdeckungen und ähnliche Erscheinungen –, all dies war einmal ein Geheimnis, das im Reiche des Unbekannten verborgen lag. Der Menschengeist deckte dieses Geheimnis auf, holte es aus der unsichtbaren in die sichtbare Welt. So steht es zum Beispiel mit der Dampfkraft, der Photographie und dem Phonographen, der drahtlosen Telegraphie und den Fortschritten in der Mathematik: Alles war einst ein Mysterium, ein streng bewachtes Geheimnis; der Menschengeist enthüllte jedoch diese Geheimnisse und brachte sie aus dem Unsichtbaren ans Tageslicht. So ist deutlich, dass der menschliche Geist eine alles umfangende Kraft ist, die ihre Herrschaft über das innere Wesen alles Erschaffenen ausübt und die wohlverwahrten Mysterien der Erscheinungswelt aufdeckt.
145:2
Der göttliche Geist hingegen enthüllt göttliche Wirklichkeiten und allumfassende Geheimnisse, die in der geistigen Welt liegen. Ich hoffe, dass du diesen göttlichen Geist erlangen wirst, so dass du die Geheimnisse der anderen Welt ebenso entdeckst wie die Mysterien der Welt hienieden.
145:3
Du fragst hinsichtlich des 14. Kapitels, Vers 30, des Johannes-Evangeliums, wo Christus, der Herr, sagt: »Ich werde nicht mehr viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst dieser Welt, und hat nichts an Mir.«Joh. 14:30.Q Der Fürst dieser Welt ist die Gesegnete Schönheit; und »hat nichts an Mir« bedeutet: Nach Mir werden alle Gnade von Mir empfangen, aber Er ist von Mir unabhängig und wird keine Gnade von Mir empfangen. Das bedeutet, dass Er reich ist über Meine Gnade hinaus.
145:4
Zu deiner Frage über Entdeckungen, welche die Seele macht, nachdem sie ihre menschliche Hülle abgelegt hat: Sicherlich ist jene Welt eine Welt der Wahrnehmungen und Entdeckungen; denn der dazwischenliegende Schleier wird weggenommen werden, und der menschliche Geist wird auf Seelen schauen, die sich über ihm, unter ihm und auf gleicher Stufe mit ihm befinden. Man kann es mit dem Zustand des Menschen im Mutterleib vergleichen, wo seine Augen verschleiert und alle Dinge vor ihm verborgen sind. Wenn er aus der Welt des Mutterleibs geboren wird und ins Leben tritt, empfindet er dieses Leben, verglichen mit dem im Mutterleib, als einen Ort der Wahrnehmungen und Entdeckungen, nimmt er doch alle Dinge mit seinem äußeren Auge wahr. Genauso wird er, wenn er dieses Leben hinter sich lässt, in jener Welt alles sehen, was ihm hier verborgen war; aber dort wird er alles mit seinem inneren Auge sehen und verstehen. Dort wird er seine Gefährten und Ebenbürtigen schauen und diejenigen, die sich auf den Stufen über und unter ihm befinden. Was die Gleichheit der Seelen in dem allerhöchsten Reich betrifft, so bedeutet sie: Die Seelen der Gläubigen sind zu der Zeit, da sie zuerst in der Welt des Leibes erscheinen, gleich; jede ist heilig und rein. In dieser Welt jedoch fangen sie an, sich voneinander zu unterscheiden. Einige erreichen die höchste Stufe, manche eine mittlere, andere bleiben auf der untersten Stufe des Seins. Ihre Gleichstellung besteht am Anfang ihrer Existenz; die Unterscheidung folgt ihrem Hinscheiden.
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