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162:2Bahá’u’lláhs Segnungen sind ein uferloses Meer, und selbst ewiges Leben ist nur ein Tautropfen daraus. Die Wogen dieser See branden ohne Unterlass gegen die Herzen der Freunde, und aus diesen Wellen rühren die Eingebungen des Geistes und die inbrünstigen Pulsschläge der Seele, bis das Herz nachgibt und, ob es will oder nicht, sich demütig im Gebet dem Königreich des Herrn zuwendet. Deshalb tut, was ihr könnt, und befreit euer innerstes Selbst, damit ihr jeden Augenblick neuen Strahlenglanz von der Sonne der Wahrheit widerspiegelt.162:3Ihr wohnt allesamt im Herzen ‘Abdu’l-Bahás; mit jedem Atemzug wende ich mein Angesicht der Schwelle der Einheit zu und rufe Segnungen auf jeden einzelnen von euch hernieder.163163:1O ihr beiden Wahrheitssucher! Euer Brief ist angekommen; sein Inhalt wurde zur Kenntnis genommen. Die früheren Briefe sind nicht alle eingetroffen. Einige kamen an, als die Grausamkeit der Unterdrücker so überhandnahm, dass es unmöglich war, eine Antwort abzusenden. Jetzt ist dieser Brief hier, und wir können ihn beantworten. Trotz dringender Geschäfte schreibe ich euch jetzt, damit ihr wisst, dass ihr von uns allen geliebt werdet und im Reich Gottes angenommen seid.163:2Eure Fragen können allerdings nur kurz behandelt werden; für eine ausführliche Antwort fehlt die Zeit. Zur ersten Frage: Die Seelen der Kinder des Königreiches erheben sich nach ihrer Trennung vom Leib in das Reich ewigen Lebens. Aber wenn ihr nach dem Ort fragt, so wisst, dass die Welt des Seins eine einzige Welt ist, wenn auch ihre Stufen verschiedenartig und voneinander getrennt sind. Zum Beispiel nimmt das mineralische Leben seine eigene Stufe ein; aber mineralisches Dasein ist sich des Pflanzenreiches in keiner Weise bewusst. Ja, es leugnet mit seiner inwendigen Zunge, dass es überhaupt so ein Reich gibt. Genauso weiß pflanzliches Dasein nichts über die tierische Welt. Es kümmert sich nicht um sie, und sie bleibt ihm verborgen; denn die Stufe des Tieres ist höher als die der Pflanze. Vor der Pflanze ist die Tierwelt verschleiert, und inwendig leugnet sie das Dasein jener Welt – das alles, obwohl Tier, Pflanze und Mineral in derselben Welt wohnen. Völlig unbewusst bleibt auch dem Tier die Macht des menschlichen Verstandes, der weltumfassende Ideen aufnimmt und die Geheimnisse der Schöpfung enthüllt, so dass ein Mensch, der im Osten lebt, Pläne und Vorkehrungen für den Westen entwickeln und Geheimnisse enträtseln kann. Er kann Amerika entdecken und befindet sich doch auf dem europäischen Kontinent; er kann die innersten Wirklichkeiten der Himmelssterne erfassen und ist doch auf der Erde. Diese dem menschlichen Verstand eigene Entdeckerkraft, diese Macht, abstrakte, weltumfassende Ideen aufzunehmen, bleibt dem Tier völlig verborgen; das Tier leugnet in der Tat ihr Vorhandensein.163:3Genauso können die Erdenbewohner die Welt des Reiches Gottes nicht erkennen und leugnen ihr Vorhandensein. Sie fragen zum Beispiel: »Wo ist das Königreich? Wo ist der Herr des Königreiches?« Diese Menschen sind wie das Mineral und die Pflanze, die über das Tierreich und das Menschenreich nichts wissen. Sie sehen es nicht, sie finden es nicht. Und doch leben sie alle, das Mineral und die Pflanze, das Tier und der Mensch, zusammen in dieser Welt des Seins.163:4Zur zweiten Frage: Prüfungen und Heimsuchungen von Gott finden auf dieser Welt statt, nicht in der Welt des Gottesreichs.163:5Die Antwort auf die dritte Frage lautet, dass des Menschen Wirklichkeit in der anderen Welt keine leibliche Gestalt anlegt; vielmehr nimmt sie eine himmlische Gestalt an, die aus Elementen jenes himmlischen Reiches gemacht ist.163:6Und die Antwort auf die vierte Frage: Die Sonne der Wahrheit hat ihren Mittelpunkt in der überirdischen Welt, im Reich Gottes. Reine, makellose Seelen eilen bei der Auflösung ihrer stofflichen Gestalt hin zur Welt Gottes, und jene Welt ist inmitten dieser Welt. Nur sind sich die Menschen dieser Welt nicht bewusst. Sie sind wie das Mineral und die Pflanze, die über die Tierwelt und die Menschenwelt nichts wissen.163:7Die Antwort auf die fünfte Frage lautet: Bahá’u’lláh hat das Königszelt der Einheit der Menschheit errichtet. Wer immer unter diesem Dach Schutz sucht, wird gewiss aus anderen Behausungen herauskommen.163:8Zur sechsten Frage: Ergeben sich zu irgendwelchen Fragen Meinungsunterschiede zwischen zwei widerstreitenden Gruppen, so mögen sie sich zur Lösung des Problems an den Mittelpunkt des Bündnisses wenden.163:9Und zur siebten Frage: Bahá’u’lláh ist der ganzen Menschheit offenbart. Er lädt alle an Gottes Tafel, zum Festmahl göttlicher Großmut. Heute gehören jedoch die meisten, die an dieser Tafel sitzen, zu den Armen, und darum sagte Christus: »Selig sind die Armen«; denn die Reichen hält der Reichtum davon ab, das Königreich zu betreten. Und wiederum sagte Er: »Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.«Mt. 19:24; Mk. 10:25.
Q Wenn jedoch der Reichtum dieser Welt, irdischer Ruhm und Ansehen den Reichen nicht am Eintritt in das Gottesreich hindern, wird er an der Heiligen Schwelle begünstigt und vom Herrn des Königreiches angenommen.163:10Kurz gesagt, Bahá’u’lláh wurde offenbar, um alle Völker der Welt zu erziehen. Er ist der weltumfassende Erzieher, für Reiche und Arme, Schwarze und Weiße, für die Völker des Ostens wie des Westens, des Nordens wie des Südens.163:11Einige von denen, die ‘Akká besucht haben, machen große Fortschritte. Sie waren erloschene Kerzen und wurden entzündet; sie waren verwelkt und begannen zu blühen, sie waren tot, wurden zum Leben erweckt und kehrten heim mit der Botschaft großer Freude. Andere jedoch, das ist wahr, gingen, wie sie gekommen waren. Es war nur ein Ausflug für sie.163:12O ihr beiden, die ihr euch so stark vom Gottesreich angezogen fühlt. Danket Gott, dass ihr euer Heim zu einem Bahá’í-Zentrum und zum Versammlungsort für die Freunde macht.164164:1O ihr beiden gläubigen, überzeugten Seelen! Der Brief ist angekommen. Gelobt sei Gott, er brachte gute Nachrichten. Kalifornien ist bereit für die Verkündigung der Lehren Gottes. Ich hoffe, ihr müht euch mit Herz und Seele, damit der süße Duft den Menschen in die Nase steige…164:2Überbringt Frau Chase meine ergebenen Grüße und sagt ihr: »Herr Chase ist ein funkelnder Stern am Horizont der Wahrheit; aber derzeit noch hinter den Wolken verborgen. Bald werden diese Wolken vertrieben, und der Strahlenglanz jenes Sterns wird das Land Kalifornien erleuchten. Würdige die Gnadengabe, dass du seine Frau und Lebensgefährtin warst.«164:3Jedes Jahr müssen die Freunde im Namen ‘Abdu’l-Bahás am Todestag30. September 1912.A das Grabmal dieser gesegneten Seele besuchen, in tiefster Demut und Bescheidenheit voll Ehrerbietung Blumengebinde auf ihr Grab legen, den ganzen Tag in stillem Gebet verbringen, das Antlitz dem Königreich der Zeichen zugewandt, die Tugenden dieser ruhmreichen Persönlichkeit lobpreisend.165165:1O mein Gott! O mein Gott! Wahrlich, Dein Diener, der demütig vor der Majestät Deiner höchsten, göttlichen Gewalt und bescheiden am Tor Deiner Einzigartigkeit steht, hat an Dich und Deine Verse geglaubt. Er hat für Dein Wort gezeugt und war entflammt vom Feuer Deiner Liebe. Tief war er in das Meer Deiner Erkenntnis eingetaucht und angezogen von Deinem Windhauch. Auf Dich hat er sich verlassen, Dir sein Angesicht zugewandt und Dir seine Gebete dargebracht, Deiner Vergebung und Verzeihung gewiss. Nun hat er dieses vergängliche Leben verlassen und sich emporgeschwungen ins Reich der Unsterblichkeit, voll Sehnsucht nach der Gnade, Dir zu begegnen.165:2O Herr, verherrliche seine Stufe, beherberge ihn unter dem Thronzelt Deines höchsten Erbarmens, gewähre ihm Einlass in Dein herrliches Paradies und lass ihn immerdar leben in Deinem erhabenen Rosengarten, eingetaucht in die Welt der Mysterien wie in ein Lichtermeer.165:3Wahrlich, Du bist der Freigebige, der Gewaltige, der Vergebende und der Schenkende.165:4O du überzeugte Seele, du Dienerin Gottes…! Sei nicht traurig über den Tod deines verehrten Gatten. Er hat wahrlich die Begegnung mit seinem Herrn an der Stätte der Wahrheit in des mächtigen Königs Gegenwart erlangt. Wähne nicht, du hättest ihn verloren. Der Schleier wird hinweggetan, und du wirst sein Antlitz inmitten der höchsten Heerscharen leuchten sehen, wie Gott, der Erhabene, spricht: »Wir werden ihn gewiss zu einem glücklichen Leben erwecken.«Qur’án 16:97 – Anm. d. Hrsg.
Q Höchste Bedeutung ist deshalb nicht dieser ersten Erschaffung beizumessen, sondern dem künftigen Leben.166166:1O Diener Bahás! Opfere dich auf dem Pfade Gottes, nimm deinen Flug zum Himmel der Liebe zur Schönheit Abhá; denn von Liebe beseelte Bewegung zielt vom Umkreis zum Mittelpunkt hin, aus dem Raum zur Sonne des Alls. Vielleicht hältst du das für schwierig; aber ich sage dir, dass dem nicht so ist, denn wenn die bewegende, führende Kraft die göttliche Kraft der Anziehung ist, kann man mit ihrer Hilfe Zeit und Raum leicht und schnell durchmessen. Ruhm sei dem Volk Bahás.167167:1Du fragst nach Schicksal, Vorherbestimmung und Willen. Schicksal und Vorherbestimmung bestehen aus den zwangsläufigen, unumgänglichen Beziehungen in den Wirklichkeiten der Dinge. Diese Beziehungen sind durch die Schöpferkraft in die Wirklichkeiten der bestehenden Wesen hineingelegt, und jedes Geschehnis ist eine Folge der zwangsläufigen Beziehung. Zum Beispiel hat Gott eine Beziehung zwischen der Sonne und der Erdkugel geschaffen, nach der die Sonnenstrahlen scheinen und der Erdboden Frucht tragen soll. Diese Beziehungen bedeuten Vorherbestimmung; ihre Offenbarung auf der Ebene des Daseins ist Schicksal. Der Wille ist die Wirkkraft, die diese Beziehungen und diese Geschehnisse überwacht. Das ist die kurze Erklärung des Schicksals und der Vorherbestimmung. Ich habe keine Zeit für eine ausführliche Erklärung. Denke darüber nach; der Zusammenhang von Schicksal, Vorherbestimmung und Willen wird dann offenbar werden.168168:1O du hohe Dame im Königreich! Preise Gott, dass du in diesem Zeitalter, im Zeitalter der Sendung Bahá’u’lláhs, erweckt und des Herrn der Heerscharen in Seiner Offenbarung bewusst wurdest. Alle Bewohner der Welt liegen in den Gräbern der Natur oder schlummern, achtlos und unbewusst, wie Christus sagte: »Ich werde kommen, wenn ihr es nicht gewahr seid. Der Menschensohn kommt, wie ein Dieb ins Haus kommt, und der Eigentümer ist sich dessen nicht bewusst.«168:2Kurz, ich hoffe, du schreitest durch Bahá’u’lláhs Gnadengaben täglich im Gottesreich voran und wirst ein himmlischer Engel, bestätigt vom Odem des Heiligen Geistes, ein Bauwerk errichtend, das ewig fest und unerschüttert steht…168:3Diese Tage sind überaus kostbar; ergreife die Gelegenheit und entzünde eine Kerze, die nie verlöscht und ihr Licht ewig auf die Menschenwelt ergießt.169169:1O ihr beiden geduldigen Seelen! Euer Brief traf ein. Der Tod dieses jungen Menschen und seine Trennung von euch haben Kummer und große Trauer über euch gebracht; denn in der Blüte seiner Jugend nahm er seinen Flug zum himmlischen Nest. Aber er wurde befreit aus dieser kummervollen Stätte und wandte sein Antlitz seinem ewigen Nest im Königreich zu. Befreit aus einer dunklen, engen Welt, eilte er ins geheiligte Reich des Lichtes. Darin liegt der Trost für unsere Herzen.169:2Solche herzzerreißenden Geschehnisse unterliegen Gottes unerforschlicher Weisheit. Es ist, als pflanze ein liebevoller Gärtner einen jungen, zarten Busch von einem engen Platz weg in ein weites, offenes Feld. Diese Verpflanzung bedeutet nicht, dass der Busch welkt, schrumpft oder eingeht. Im Gegenteil, sie lässt ihn wachsen und gedeihen, verleiht ihm köstliche Frische, lässt ihn ergrünen und Frucht tragen. Dieses verborgene Geheimnis ist dem Gärtner wohlbekannt; nur Seelen, die solcher Gnadengaben unbewusst sind, wähnen, der Gärtner entwurzele den Busch aus Ärger und Zorn. Allen Verständigen jedoch ist die verborgene Tatsache offenkundig; der vorherbestimmte Ratschluss gilt ihnen als ein Segen. Seid darum nicht traurig und verzweifelt über den Aufstieg dieses Vogels der Treue; nein, betet unter allen Umständen für diesen jungen Menschen. Bittet, dass er Vergebung finde und seine Stufe erhöht werde.169:3Ich hoffe, dass ihr höchste Geduld, Gelassenheit und Ergebenheit erlanget, und an der Schwelle der Einheit bitte ich flehentlich um Vergebung und Verzeihung. Von Gottes ewigen Gnadengaben erhoffe ich, dass Er diese Taube aus dem Garten des Glaubens beschütze und sie auf dem Zweig der himmlischen Heerscharen herberge, damit sie zum Ruhm und Preis des Herrn der Namen und Tugenden ihr schönstes Lied singe.170170:1O du Sucherin nach dem Reich Gottes! Dein Brief traf ein. Du schreibst über den großen Kummer, der dich getroffen hat – den Tod deines verehrten Gatten. Dieser ehrenhafte Mann unterlag dem Druck und der Spannung dieser Welt derart, dass es sein größter Wunsch war, daraus befreit zu werden. Das ist die sterbliche Wohnstatt: ein Vorratslager voll Kummer und Leid. Was den Menschen daran bindet, ist Unwissenheit; denn keine Seele vom Monarchen bis hinunter zum einfachsten Untertanen kann in dieser Welt Genüge finden. So dieses Leben dem Menschen einmal einen süßen Becher reicht, werden sicher hundert bittere folgen. Das ist der Zustand dieser Welt. Der Weise bindet sich deshalb nicht an dieses vergängliche Leben und macht sich nicht davon abhängig. Manchmal wünscht er sich sogar sehnsüchtig den Tod, damit er frei werde von diesen Leiden und Heimsuchungen. So kommt es auch, dass manche unter starker Seelenqual Selbstmord verüben.170:2Was deinen Gatten angeht, so sei ganz sicher. Er wird in das Meer der Vergebung getaucht; er wird Gnade und Gunst empfangen. Bemühe dich sehr, seinem Kind eine Bahá’í-Erziehung zu geben, damit es als Erwachsener barmherzig, erleuchtet und himmlisch sei.171
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