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169:3Ich hoffe, dass ihr höchste Geduld, Gelassenheit und Ergebenheit erlanget, und an der Schwelle der Einheit bitte ich flehentlich um Vergebung und Verzeihung. Von Gottes ewigen Gnadengaben erhoffe ich, dass Er diese Taube aus dem Garten des Glaubens beschütze und sie auf dem Zweig der himmlischen Heerscharen herberge, damit sie zum Ruhm und Preis des Herrn der Namen und Tugenden ihr schönstes Lied singe.170170:1O du Sucherin nach dem Reich Gottes! Dein Brief traf ein. Du schreibst über den großen Kummer, der dich getroffen hat – den Tod deines verehrten Gatten. Dieser ehrenhafte Mann unterlag dem Druck und der Spannung dieser Welt derart, dass es sein größter Wunsch war, daraus befreit zu werden. Das ist die sterbliche Wohnstatt: ein Vorratslager voll Kummer und Leid. Was den Menschen daran bindet, ist Unwissenheit; denn keine Seele vom Monarchen bis hinunter zum einfachsten Untertanen kann in dieser Welt Genüge finden. So dieses Leben dem Menschen einmal einen süßen Becher reicht, werden sicher hundert bittere folgen. Das ist der Zustand dieser Welt. Der Weise bindet sich deshalb nicht an dieses vergängliche Leben und macht sich nicht davon abhängig. Manchmal wünscht er sich sogar sehnsüchtig den Tod, damit er frei werde von diesen Leiden und Heimsuchungen. So kommt es auch, dass manche unter starker Seelenqual Selbstmord verüben.170:2Was deinen Gatten angeht, so sei ganz sicher. Er wird in das Meer der Vergebung getaucht; er wird Gnade und Gunst empfangen. Bemühe dich sehr, seinem Kind eine Bahá’í-Erziehung zu geben, damit es als Erwachsener barmherzig, erleuchtet und himmlisch sei.171171:1O du geliebte Dienerin Gottes! Der Verlust eines Sohnes bricht einem Menschen das Herz und ist unerträglich. Wer aber Erkenntnis und Verständnis hat, ist sicher, dass der Sohn nicht verloren ging, vielmehr aus dieser Welt in eine andere ging und im Reich Gottes wiederzufinden ist. Die Wiedervereinigung wird für die Ewigkeit sein; nur in dieser Welt ist die Trennung unvermeidlich und bringt brennenden Schmerz.171:2Preis sei Gott, dass du Gewissheit hast, dein Angesicht dem ewigen Königreich zuwendest und an die Existenz einer himmlischen Welt glaubst. Sei deshalb nicht verzweifelt, lass dich nicht niederdrücken, seufze nicht, wehklage und weine nicht; denn aufbegehrendes Klagen beeinträchtigt seine Seele im himmlischen Reich zutiefst.171:3Aus der verborgenen Welt spricht dieses geliebte Kind zu dir: »O du liebe Mutter, danke der göttlichen Vorsehung, dass ich befreit wurde aus einem engen, dunklen Käfig und mich wie die Vögel auf den Feldern aufgeschwungen habe in die göttliche Welt – eine Welt, die weit, erleuchtet, allzeit froh und jauchzend ist. Deshalb, o Mutter, wehklage nicht und sei nicht traurig. Ich bin weder verloren, noch bin ich zuschanden und ausgelöscht. Ich habe meine sterbliche Gestalt abgeschüttelt und mein Banner in dieser geistigen Welt gehisst. Dieser Trennung folgt ewige Vereinigung. Du wirst mich im Himmel des Herrn wiederfinden, versunken in einem Meer von Licht.«172172:1Gelobt sei Gott! Dein Herz ist mit dem Gedenken Gottes befasst, deine Seele ist erfreut durch die frohen Botschaften Gottes, und du bist im Gebet versunken. Die Gebetshaltung ist der beste Zustand, denn da hat der Mensch Verbindung mit Gott. Wahrlich, das Gebet verleiht Leben, besonders wenn man es allein und zurückgezogen darbringt, zu Zeiten wie um Mitternacht, wenn man der täglichen Pflichten ledig ist.173173:1Die Seelen, die an diesem Tage in das Reich Gottes eintreten und ewiges Leben erlangen, schweben, obwohl körperlich auf Erden, in Wirklichkeit in himmlischen Gefilden. Ihr Leib mag auf Erden weilen, aber ihr Geist schweift in der Unendlichkeit des Raumes. Denn wenn die Gedanken sich weiten und erleuchtet sind, werden sie beflügelt und tragen den Menschen in das Reich Gottes.174174:1O ihr geistigen Freunde ‘Abdu’l-Bahás. Euer Brief ist angekommen. Sein Inhalt brachte große Freude, zeigt er doch eure Festigkeit und Standhaftigkeit in der Sache Gottes.174:2Der dortige Rat steht im schützenden Schatten des Herrn aller Segnungen, und ich hoffe, dass er, wie es einer solchen Körperschaft zukommt, vom Odem des Heiligen Geistes begünstigt und bestärkt werde, dass ihr alle Gott jeden Tag in noch größerem Maße liebt und noch fester verbunden werdet mit Ihm, der ewigwährenden Schönheit, dem Licht der Welt. Denn Gottesliebe und geistige Anziehung reinigen und heiligen des Menschen Herz; sie kleiden und schmücken es mit dem makellosen Gewand der Heiligkeit. Und wenn das Herz ganz dem Herrn zugewandt ist, wenn es der Gesegneten Vollkommenheit verpflichtet ist, dann wird die Gnade Gottes offenbar.174:3Diese Liebe kommt nicht vom Leibe, sondern ganz aus der Seele. Und Seelen, deren inneres Sein von der Liebe Gottes erleuchtet ist, breiten sich aus wie Lichtstrahlen, leuchten wie Sterne der Heiligkeit an einem reinen, kristallklaren Himmel. Denn die wahre, die wirkliche Liebe ist die Liebe zu Gott; sie ist geheiligt über menschliche Begriffe und Einbildungen.174:4Lasst die Geliebten Gottes allesamt das Wesen der Reinheit verkörpern, das Leben wahrer Heiligkeit, so dass sie überall für ihre Lauterkeit, ihre geistige Unabhängigkeit und ihre Sanftmut bekannt werden. Lasst sie ermuntert sein durch den Trunk aus dem ewigen Kelch der Liebe Gottes und fröhlich werden, wenn sie aus den Weinkellern des Himmels trinken. Lasst sie die Gesegnete Schönheit schauen, die flammende Begeisterung dieser Zusammenkunft spüren, stumm vor Ehrfurcht und Staunen. Das ist die Stufe der Aufrichtigen; das ist der Weg der treu Ergebenen; das ist der Strahlenglanz im Antlitz derer, die Gott nahe sind.174:5Deshalb müssen sich die Freunde Gottes hochheilig und einhellig im Geiste erheben, eins miteinander in solchem Maße, dass sie ein Wesen und eine Seele werden. Auf dieser Ebene spielen die stofflichen Leiber keine Rolle mehr, vielmehr übernimmt der Geist die Führung und regiert; wenn seine Macht alle umschließt, ist die geistige Vereinigung erreicht. Strebt Tag und Nacht danach, eure Einheit voll zu veredeln. Lenkt eure Gedanken auf eure geistige Entwicklung, schließt eure Augen vor den Fehlern anderer Seelen. Handelt so, dass andere durch euch erweckt werden; bringt reine und gute Taten hervor, zeigt Bescheidenheit und Demut!174:6Niemals ist es der Wunsch ‘Abdu’l-Bahás, ein Wesen verletzt zu sehen, noch will er jemandem Kummer bereiten; denn kein größeres Geschenk kann der Mensch empfangen, als eines anderen Herz zu erfreuen. Ich bitte Gott, dass ihr Freudenspender werdet wie die Engel im Himmel.175175:1Sterblicher Liebreiz schwindet, die Rosen weichen den Dornen; Schönheit und Jugend haben ihre Zeit und gehen dahin. Was aber ewig währt, ist die Schönheit des Einen Wahren, denn ihr Glanz vergeht nie, ihre Herrlichkeit dauert ewig; ihr Liebreiz ist allmächtig, ihre Anziehung grenzenlos. Gut ist es um das Antlitz bestellt, das den Lichtglanz des Geliebten widerspiegelt. Der Herr sei gelobt, du bist von diesem Licht erleuchtet, du hast die Perle wahrer Erkenntnis erworben und das Wort der Wahrheit ausgesprochen.176176:1O du, der du vom Reiche Gottes angezogen bist! Jede Seele sucht etwas, hegt einen bestimmten Wunsch und müht sich Tag und Nacht, ihr Ziel zu erreichen. Der eine sehnt sich nach Reichtum, ein anderer dürstet nach Ehre, wieder andere schmachten nach Ruhm, Kunst, Wohlstand und so weiter. Am Ende jedoch sind Verlust und Enttäuschung ihr Los. Alle lassen sie zurück, was ihnen gehört; mit leeren Händen eilen sie in das jenseitige Reich, und all ihre Mühe war vergebens. Alle kehren sie zum Staub zurück, entblößt, erniedrigt, entmutigt und voller Verzweiflung.176:2Du aber, gelobt sei der Herr, befassest dich mit dem, was dir ewigen Nutzen bringt, und das ist nichts anderes als dein Hingezogensein zum Reiche Gottes, es ist dein Glaube, deine Erkenntnis, die Erleuchtung deines Herzens und dein ernstes Bemühen, Gottes Lehren zu verbreiten.176:3Wahrlich, diese Gabe ist unvergänglich, dieser Reichtum ist ein Schatz aus der Höhe.177177:1O du lebendige Flamme himmlischer Liebe! Dein Herz brennt in Gottes Liebe so lichterloh, dass seine Wärme und sein Glanz zehntausend Meilen weit zu fühlen und zu sehen sind. Das Feuer, das sterbliche Hände entfachen, spendet nur einem kleinen Raum Licht und Wärme; aber die heilige Flamme, die Gottes Hand entzündet hat, setzt den Westen in Flammen, auch wenn sie im Osten brennt, und Nord und Süd spendet sie ihre Wärme. Mehr noch, sie erhebt sich von dieser Welt, glüht mit heißester Flamme in den Gefilden der Höhe, und überflutet mit ihrem Licht das Reich ewiger Herrlichkeit.177:2Glücklich bist du, dass du ein so himmlisches Geschenk empfangen hast. Selig bist du, begnadet mit Seinen göttlichen Gaben.177:3Die Herrlichkeit Gottes sei mit dir und allen, die sich fest an den sicheren Griff Seines Willens und an das heilige Bündnis halten.178178:1O Magd Gottes! Dein Brief vom 9. Dezember 1918 ist eingetroffen; sein Inhalt wurde zur Kenntnis genommen. Verliere niemals dein Vertrauen in Gott. Sei immer voller Hoffnung; denn unablässig strömen Gottes Segnungen auf den Menschen herab. Aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet, scheinen sie schwächer zu werden, aber aus einem anderen sind sie reich und vollendet. Der Mensch ist unter allen Lebensbedingungen in ein Meer göttlichen Segens getaucht. Deshalb sei unter keinen Umständen mutlos, sondern sei fest in deinem Hoffen.178:2Anwesenheit bei Zusammenkünften der Freunde ist wichtig, damit sie bereit und wachsam bleiben, liebevoll und zum himmlischen Königreich hingezogen.178:3Wenn du unbedingt sehnsüchtig danach verlangst, nach Phillsburg in Montana zu reisen, so sei dir das erlaubt. Vielleicht kannst du in dieser Gruppe von Bergleuten eine Kerze entzünden, sie erwecken und wachsam machen, so dass sie sich Gott zuwenden und einen Anteil an den Gnadengaben des himmlischen Reiches empfangen.179179:1Strebt, so sehr ihr könnt, euch ganz dem Reich Gottes zuzuwenden, damit ihr aus eurem innersten Wesen heraus mutig werdet und geistige Macht erlangt.180180:1Ich hoffe, dass du in dieser niederen Welt zum himmlischen Licht gelangst, die Seelen aus dem Dunkel der Natur, dem Tierreich, befreist und sie zu hohen Stufen im Reich des Menschen führst. Heutzutage sind alle Menschen in der Welt der Natur versunken. So siehst du Neid, Habsucht, Kampf ums Dasein, Betrug, Heuchelei, Gewaltherrschaft, Unterdrückung, Zank, Streit, Blutvergießen, Raub und Plünderung: All dies kommt aus der Welt der Natur. Nur wenige sind aus diesem Dunkel befreit und steigen aus der Welt der Natur in die Welt des Menschen empor, den göttlichen Lehren folgend, der Menschheit dienend, strahlend, barmherzig, erleuchtet, einem Rosengarten gleich. Bemühe dich bis zum äußersten, Gott ähnlich zu werden, Seine Eigenschaften in deinem Charakter zu verwirklichen, erleuchtet und barmherzig zu sein, so dass du frei werdest von jeder Bindung, im Herzen hingezogen zum Reich des unvergleichlichen Herrn. Das ist die Bahá’í-Gnadengabe, das ist himmlisches Licht.181181:1Was die Aussage in den Verborgenen Worten betrifft, dass der Mensch seinem Selbst entsagen muss, so bedeutet dies, dass er seine zügellosen Wünsche, seine selbstsüchtigen Ziele und die Einflüsterungen seines menschlichen Ichs aufgeben, des Geistes heiligen Odem suchen, den Sehnsüchten seines höheren Ichs folgen und in das Meer des Opfers tauchen soll, das Herz ganz auf die Schönheit des Allherrlichen gerichtet.181:2Die Anspielung in den Verborgenen Worten auf den Bund vom Berge PáránBahá’u’lláh, Verborgene Worte, pers. 71 – Anm. d. Hrsg.A bedeutet, dass in Gottes Augen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein und dasselbe sind, aber in Bezug auf den Menschen ist die Vergangenheit vorüber und vergessen, die Gegenwart flüchtig, und die Zukunft liegt im Reich der Hoffnung. Und es ist ein Hauptgrundsatz im Gesetz Gottes, dass Er in jeder prophetischen Sendung mit allen Gläubigen einen Bund schließt, der bis ans Ende dieser Sendung währt, bis zu dem verheißenen Tag, da die bereits zu Anbeginn der Sendung vorherbestimmte Persönlichkeit offenbar wird. Denke an Moses, der mit Gott Zwiesprache hielt. Wahrlich, auf dem Berg Sinai schloss Moses ein Bündnis, den Messias betreffend, mit allen Seelen, die am Tage des Messias leben würden. Diese Seelen, die erst viele Jahrhunderte nach Moses erschienen, waren dennoch dort mit Moses zusammen, was das über die Zeit erhabene Bündnis anbelangt. Die Juden allerdings achteten nicht darauf; sie erinnerten sich nicht daran, und so erlitten sie einen schweren, deutlichen Verlust.
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