‘Abdu’l-Bahá | Briefe und Botschaften
weiter nach oben ...
182:1
O ihr, die ihr euch fest an den Bund und das Testament haltet! An diesem Tage richten die himmlischen Heerscharen den Blick auf euch aus den Gefilden des Allherrlichen, aus dem Reich der Heiligkeit, von dem Lobgesänge der Verherrlichung und des Lobpreises aufsteigen. Wann immer ihr Blick auf die Zusammenkünfte der Standhaften im Bund und Testament fällt, erschallt ihr Ruf: »Frohe Botschaft! Frohe Botschaft!« Triumphierend erheben sie ihre Stimmen und rufen: »O du geistige Gemeinde! O du Versammlung Gottes! Selig seid ihr! Frohe Botschaften seien euch! Hell sei euer Angesicht! Seid guten Mutes, denn ihr seid dem Bündnis des Geliebten aller Welten treu, ihr seid entflammt vom Wein Seines Testamentes. Ihr habt euch dem Altehrwürdigen der Tage verschrieben, habt tief aus dem Kelch der Treue getrunken. Ihr habt die Sache Gottes behütet und verteidigt; ihr wurdet nicht zur Ursache für die Spaltung Seines Wortes; ihr habt Seinen Glauben nicht erniedrigt, sondern strebt danach, Seinen Heiligen Namen zu verherrlichen, ihr habt nicht gestattet, dass die Gesegnete Sache dem Gespött der Leute ausgesetzt sei. Ihr habt nicht zugelassen, dass die Auserwählte Stufe erniedrigt werde, noch seid ihr willens, den Mittelpunkt der Amtsgewalt in einen schlechten Ruf gebracht oder Hohn und Verfolgung ausgesetzt zu sehen. Ihr seid bemüht, das Wort Gottes vollständig und ganz zu bewahren. Ihr habt die Tore der Barmherzigkeit durchschritten. Ihr ließet die Gesegnete Schönheit nicht eurem Gedächtnis entschwinden, vergangen und vergessen.«
182:2
Die Herrlichkeit ruhe auf euch.
183
183:1
O du Tochter des Königreiches! Dein Brief ist angekommen. Er war wie das Lied der göttlichen Nachtigall, die mit ihrem Gesang das Herz entzückt; denn sein Inhalt zeigt Glauben, Zuversicht und Standhaftigkeit im Bund und Testament. Heutzutage ist die treibende Kraft in der Welt des Seins die Macht des Bündnisses, die der bedingten Welt wie eine Schlagader im Leibe pocht und den Bahá’í die Einheit sichert.
183:2
Die Bahá’í stehen unter dem Befehl, die Einheit der Menschheit zu errichten. Wenn sie sich nicht um einen Mittelpunkt vereinigen können, wie sind sie dann fähig, die Einheit der Menschheit zustandezubringen?
183:3
Als die Gesegnete Schönheit dieses Bündnis und Testament besiegelte, hatte Sie das Ziel, alle Lebewesen um einen Punkt zu sammeln, damit die gedankenlosen Seelen, die in jedem Zeit- und Menschenalter Zwietracht bewirken, die Sache Gottes nicht zugrunderichten können. Er hat deshalb befohlen, dass alles, was vom Mittelpunkt des Bündnisses ausgeht, rechtens ist und unter Seinem Schutz und Seiner Gnade steht, während alles andere Irrtum ist.
183:4
Preis sei Gott! Du bist fest im Bund und Testament.
184
184:1
O ihr gesegneten Seelen! Obwohl ihr ständigen Feuerproben ausgesetzt seid, da einige wiederholt und ausdauernd versuchen, den Glauben der Freunde in Los Angeles zu erschüttern, steht ihr dabei doch unter dem wachsamen Auge der Großmut Bahá’u’lláhs, und Legionen von Engeln kommen euch zu Hilfe.
184:2
Geht deshalb sicheren Schritts voran und befasst euch voll Vertrauen und Zuversicht damit, Gottes Düfte zu verbreiten, Sein Wort zu verherrlichen und im Bündnis standhaft zu sein. Seid versichert, dass eine Seele, die sich in äußerster Standhaftigkeit erhebt, den Ruf zum Gottesreich anstimmt und entschlossen vom Bündnis kündet, befähigt wird, selbst als winzige Ameise den gewaltigen Elefanten aus dem Feld zu jagen und als zarter Nachtfalter das Gefieder des räuberischen Geiers zu zerfetzen.
184:3
Bemüht euch deshalb, dass ihr das Heer des Zweifels und des Irrtums mit der Macht des heiligen Wortes versprengt und auseinandertreibt. Das ist meine Ermahnung und mein Rat. Streitet mit niemandem, meidet Wortgefechte aller Art. Sprecht das Wort Gottes. Nimmt es der Hörer an, ist das ersehnte Ziel erreicht; wendet er sich ab, so überlasst ihn sich selbst und vertraut auf Gott.
184:4
Das sind die Eigenschaften derer, die fest im Bündnis stehen.
185
185:1
O ihr Freunde und Dienerinnen des Barmherzigen! Ein Brief des Geistigen Rates von Los Angeles ist angekommen. Er war ein Beweis dafür, dass die gesegneten Seelen in Kalifornien einem unerschütterlichen Berge gleich dem Sturm des Bündnisbruchs widerstehen und wie gesegnete Bäume fest und unverrückbar im Boden des Bündnisses verwurzelt sind. Das berechtigt zu der Hoffnung, dass sie durch die Segnungen der Sonne der Wahrheit täglich an Festigkeit und Standhaftigkeit zunehmen. In jeder Sendung stehen die Prüfungen im direkten Verhältnis zur Größe der Sache, und da in der Vergangenheit solch ein offenbares Bündnis, wie es die Erhabenste Feder geschrieben hat, noch nie geschlossen wurde, sind die Prüfungen heute entsprechend heftiger. Diese Prüfungen lassen die schwachen Seelen erzittern, die festen Seelen aber bleiben unberührt. Die Machenschaften der Bündnisbrecher sind nicht mehr als Wellenschaum, eine vom Meer untrennbare Erscheinung. Das Meer des Bündnisses wird branden und die Leiber der Toten an den Strand werfen; denn es kann sie nicht halten. So sehen wir, dass das Meer des Bündnisses wogte und wogte, bis es die Leichen an Land warf, Seelen, die des Geistes Gottes beraubt sind, verloren in Leidenschaft und Selbstsucht, nach Führerschaft dürstend. Dieser Gischt ist nicht von Dauer. Bald wird er zerflattern und verschwinden, während das Meer des Bündnisses ewiglich brandet und tost…
185:2
Seit Anbeginn der Schöpfung bis auf den heutigen Tag wurde in keiner göttlichen Sendung solch ein fester, klarer Bund geschlossen. Kann angesichts dieser Tatsache der Gischt überhaupt auf der Meeresoberfläche des Bündnisses verbleiben? Nein, bei Gott! Die Bündnisbrecher treten ihr Ansehen mit Füßen, sie reißen ihre eigenen Grundmauern aus und sind stolz darauf, von Schmeichlern gestützt zu werden, die mit großer Mühe den Glauben schwacher Seelen ins Wanken bringen. Aber ihr Tun bewirkt nichts; es ist ein Dunstbild und kein Wasser, Gischt und kein Meer, Nebel und keine Wolke, Wahn und keine Wirklichkeit. Das alles werdet ihr bald erkennen.
185:3
Preis sei Gott, ihr seid fest und standhaft. Seid dankbar, dass ihr wie gesegnete Bäume fest in den Boden des Bündnisses hineingepflanzt seid. Gewiss wird jeder fest Verwurzelte wachsen, neue Früchte hervorbringen und Tag für Tag an Frische und Anmut gewinnen. Denkt nach über alle Schriften Bahá’u’lláhs, ob Sendschreiben oder Gebete: Ihr werdet sicher tausend Stellen finden, in denen Bahá’u’lláh betet: »O Gott! Bringe die Bündnisbrecher zum Scheitern, besiege die Unterdrücker des Testaments.« »Wer Bund und Testament leugnet, ist von Gott verworfen, und wer fest und standhaft darin bleibt, ist an der Schwelle der Einheit begnadet.« Solche Aussprüche und Gebete gibt es zuhauf. Befasst euch damit, dann werdet ihr es erkennen.
185:4
Seid niemals niedergeschlagen. Je mehr euch der Bündnisbruch erregt, desto mehr vertieft euch in Festigkeit und Standhaftigkeit. Seid sicher, dass die göttlichen Heerscharen siegen werden, denn ihnen ist der Triumph des Reiches Abhá verheißen. Überall wird das Banner der Festigkeit und Standhaftigkeit gehisst, die Fahne des Bündnisbruchs jedoch gesenkt; denn nur eine Handvoll schwacher Seelen ließ sich von den Schmeicheleien und Scheinargumenten der Bündnisbrecher verführen, die nach außen hin mit aller Sorgfalt ihre Festigkeit zeigen, im Innern aber darauf aus sind, die Seelen ins Wanken zu bringen. Nur einige wenige, nämlich die Anführer der Unruhestifter, sind auch nach außen hin als Bündnisbrecher bekannt. Der Rest aber täuscht die Seelen durch Hinterlist; denn nach außen beteuern sie ihre Festigkeit und Standhaftigkeit im Bündnis, aber wenn sie auf offene Ohren stoßen, säen sie heimlich die Saat des Misstrauens. Ihr Fall gleicht dem Bündnisbruch durch Judas Ischariot und seinen Anhang. Bedenket: Blieb von ihnen irgendein Erfolg oder die geringste Spur? Nicht mal ein Name blieb von seinen Nachfolgern, und obwohl eine Reihe von Juden zu ihm hielten, war es, als hätte er keinerlei Gefolgsleute gehabt. Dieser Judas Ischariot war der Führer, der Apostel, und doch verriet er Christus für dreißig Silberlinge. Hüte dich, o Volk der Einsicht!
185:5
Dieses Mal werden jene bedeutungslosen Bündnisbrecher den Mittelpunkt des Bündnisses sicherlich für die große Summe verraten, die sie durch Hinterlist aller Art erbettelt haben. Es sind nun dreißig Jahre seit Bahá’u’lláhs Hinscheiden vergangen, und während dieser ganzen Zeit haben sich diese Verräter mit aller Kraft angestrengt. Was haben sie erreicht? Die Standhaften im Bündnis haben unter allen Bedingungen gesiegt, während die Bündnisbrecher Niederlagen, Enttäuschungen und Trübsinn erfahren haben. Nach dem Heimgang ‘Abdu’l-Bahás wird keine Spur von ihnen übrig bleiben. Diese Seelen wissen nicht, was kommen wird, und brüsten sich in ihrem Wahn.
185:6
Kurz gesagt, o ihr Freunde Gottes und Dienerinnen des Barmherzigen, die Hand der göttlichen Freigebigkeit hat euch eine juwelengeschmückte Krone aufs Haupt gesetzt; ihre Edelsteine strahlen ewig über die ganze Welt. Schätzt diese Gnadengabe, löst eure Zungen in Preis und Danksagung und setzt euch ein für die Verbreitung der göttlichen Lehren, denn dies ist der Geist des Lebens und das Mittel der Erlösung.
186
186:1
O du, der du fest im Bündnis stehst! Drei aufeinanderfolgende Briefe von dir sind hier eingegangen. Ihr Inhalt zeigt, dass in Cleveland der schwarze Odem der Bündnisbrecher die Herzen heimsucht und der Einklang zwischen den Freunden gelitten hat. Gnädiger Gott! Hundert Mal wurde vorhergesagt, dass die Bündnisbrecher auf der Lauer liegen und mit allen Mitteln Zwietracht unter den Freunden säen wollen, damit diese Zwietracht schließlich zum Bündnisbruch führt. Wie kommt es, dass die Freunde, allen Warnungen zum Trotz, diese ausdrückliche Erklärung nicht beachtet haben?
186:2
Der Streitpunkt ist klar, kurz und bündig: Entweder war Bahá’u’lláh weise, allwissend und vorausschauend, oder Er war unwissend und irrte sich. Er schloss durch Seine erhabene Feder ein festes Bündnis und Testament mit allen Bahá’í; allen voran mit den Aghṣán, den Afnán und Seinen Verwandten. Ihnen befahl Er, Ihm zu gehorchen und sich Ihm zuzuwenden. Durch Seine erhabene Feder hat Er ausdrücklich erklärt, dass das Objekt des folgenden Verses aus dem Kitáb-i-Aqdas der Größte Zweig ist:
186:3
»Wenn das Meer Meiner Gegenwart verebbt und das Buch Meiner Offenbarung geschlossen ist, so wendet euer Angesicht Ihm zu, den Gott bestimmt hat, Ihm, der aus dieser Urewigen Wurzel kam.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-‘Ahd, in: Botschaften aus ‘Akká 15:9 – Anm. d. Hrsg.Q Die Bedeutung ist kurz folgende: Nach Meinem Hinscheiden obliegt es den Aghṣán, den Afnán, den Verwandten und allen Freunden Gottes, ihr Antlitz Ihm zuzuwenden, der aus der Altehrwürdigen Wurzel entsproß.
186:4
Er sagte auch klar im Kitáb-i-Aqdas: »O Volk der Welt! Wenn sich die Mystische Taube auf ihrem Tempel des Lobpreises emporgeschwungen und ihr fernes Ziel, ihre verborgene Wohnstatt, erreicht hat, dann legt alles, was ihr im Buche nicht versteht, Ihm vor, der diesem mächtigen Stamm entsproß.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:174 – Anm. d. Hrsg.Q Er wendet sich an alle Menschen der Welt und sagt: Wenn die Mystische Taube aus dem Garten des Lobpreises zu der höchsterhabenen, unsichtbaren Stufe emporfliegt, das heißt, wenn die Gesegnete Schönheit aus der bedingten Welt zu den unsichtbaren Gefilden aufsteigt, dann wendet euch in allem, was ihr im Buch nicht versteht, an Ihn, der als Zweig aus der Urewigen Wurzel entsprang. Das heißt, alles was Er sagt, ist die volle Wahrheit.
186:5
Und im Buch des Bundes sagt Er ausdrücklich, dass der Vers »Der aus der Urewigen Wurzel kam«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:121 – Anm. d. Hrsg.Q sich auf den Mächtigsten Zweig bezieht. Er befiehlt allen Aghṣán, Afnán, Verwandten und Bahá’í, sich Ihm zuzuwenden. Nun muss man entweder sagen, Er, die Gesegnete Schönheit, habe einen Fehler gemacht, oder man muss Ihm gehorchen. ‘Abdu’l-Bahá bringt dem Volk kein Gebot, dem es gehorchen muss, außer der Verbreitung der Düfte Gottes, der Erhöhung Seines Wortes, der Verkündung der Einheit der Menschenwelt, der Errichtung des Weltfriedens und anderen Geboten Gottes. Das sind göttliche Gebote; sie haben mit ‘Abdu’l-Bahá nichts zu tun. Wer immer es wünscht, der nehme sie an, und wer sie ablehnt, soll tun, was er will.
186:6
Nun trachten manche Unheilstifter mit allerlei Kunstgriffen nach der Führerschaft, und um diese Stellung zu erreichen, flößen sie den Freunden Zweifel ein. Die sollen Streit bewirken, und dieser Streit soll dazu führen, dass sie selbst eine Gruppe an sich ziehen. Aber die Freunde Gottes müssen wachsam sein; sie müssen erkennen, dass die Beweggründe für die Aussaat dieser Zweifel persönliche Wünsche und das Verlangen nach Führerschaft sind.
186:7
Zerreißt nicht die Bahá’í-Einheit und wisst, dass diese Einheit nicht anders erhalten werden kann als durch den Glauben an den Bund Gottes.
186:8
Du möchtest gerne reisen, um die Düfte Gottes zu verbreiten. Das ist höchst willkommen. Göttliche Bestätigungen werden dir gewisslich helfen. Die Macht des Bunds und Testaments wird dir den Triumph und den Sieg sichern.
187
187:1
O du, der du fest im Bündnis stehst! Dein Brief kam an. Du drückst darin deine Zufriedenheit mit der Nationaltagung aus; durch diese Zusammenkunft sei die Sache Gottes erhöht, die Macht Seines Wortes sichtbar geworden. Die Größe der Sache wird die bestehenden Meinungsverschiedenheiten wegräumen. Man kann sie mit der Gesundheit im Menschenleib vergleichen. Ist sie erlangt, heilt sie alle Krankheiten und Schwächen. Wir hoffen, dass keine Spur von Gegnerschaft zurückbleiben wird. Aber einige der amerikanischen Freunde sind ruhelos in ihrem neugeweckten Ehrgeiz; sie mühen sich und suchen unter der Oberfläche und in der Luft etwas zu entdecken, was Zwietracht stiften könnte.
187:2
Preis sei Gott, alle diese Türen sind in der Sache Bahá’u’lláhs verschlossen, denn ein Mittelpunkt der Amtsgewalt wurde eigens ernannt – ein Mittelpunkt, der alle Schwierigkeiten löst und alle Streitigkeiten abwendet. Auch das Universale Haus der Gerechtigkeit wird alle Streitigkeiten abwenden. Was immer es vorschreibt, muss angenommen werden, und wer dagegen verstößt, ist verworfen. Aber dieses Universale Haus der Gerechtigkeit, das die Gesetze gibt, wurde noch nicht errichtet.
187:3
Es zeigt sich also, dass keine Waffe der Zwietracht geblieben ist; aber fleischliche Begierden führen zu Meinungsverschiedenheiten, wie das bei den Bündnisbrechern der Fall ist. Sie zweifeln nicht an der Gültigkeit des Bündnisses, aber selbstsüchtige Beweggründe haben sie in diese Lage gebracht. Es ist nicht so, dass sie nicht wüssten, was sie tun – sie wissen es ganz genau, und trotzdem lehnen sie sich auf.
187:4
Kurz gesagt, das Meer des Bündnisses ist stürmisch und weit. Es wirft den Gischt des Bündnisbruchs an die Küsten. Bleibe darum ruhig und sicher. Arbeite für den Bau des Mashriqu’l-Adhkár und ebne den Weg, die göttlichen Düfte zu verbreiten. Kümmere dich um nichts anderes; denn sonst verzettelst du dich, und die Arbeit schreitet nicht voran.
188
188:1
O ihr innig Geliebten ‘Abdu’l-Bahás! Es ist schon lange her, dass mein inneres Ohr eine süße Melodie aus gewissen Landen hörte oder mein Herz erfreut ward – trotz der Tatsache, dass ihr in meinen Gedanken immer gegenwärtig seid und mir deutlich sichtbar vor Augen steht. Meines Herzens Kelch ist zum Überfließen gefüllt mit dem Wein der Liebe, die ich für euch hege, und mein Verlangen, die Augen auf euch zu richten, pulst wie der Geist durch meine Adern. Daran seht ihr, wie groß mein Kummer ist. In dieser Zeit, in diesem Sturm der Trübsale, der seine Wogen hoch in den Himmel wirft, schießt man von allen Seiten unablässig spitze Pfeile gegen mich; in jedem Augenblick gehen hier im Heiligen Land Schreckensnachrichten ein, und jeder neue Tag bringt sein Teil an Greueln. Der Mittelpunkt des Aufruhrs wähnte, seine anmaßende Auflehnung genüge, das Bündnis und Testament zugrundezurichten; es brauchte weiter nichts, dachte er, um die Gerechten von dem Heiligen Willen abzubringen. So sandte er seine Flugblätter des Zweifels überall hin und dachte sich allerhand Ränke aus. Einmal klagt er, das Haus Gottes sei erschüttert, Seine göttlichen Gebote aufgehoben; demnach sei auch das Bündnis und Testament abgeschafft. Dann wieder verlegt er sich aufs Seufzen und Stöhnen, er werde als Gefangener gehalten, müsse Tag und Nacht hungern und dürsten. Ein andermal erhebt er ein Geschrei, die Einheit Gottes sei verleugnet worden, weil vor Ablauf von tausend Jahren eine neue Manifestation verkündet worden sei.
188:2
Als er sah, dass seine Verleumdungen keinen Erfolg hatten, entwickelte er Schritt für Schritt den Plan, zum Aufruhr aufzuwiegeln. Er begann, Zwietracht zu säen und klopfte an jede Tür. Er fing an, den Beamten der Regierung gegenüber falsche Anschuldigungen zu machen. Er machte sich an einige Ausländer heran, schmeichelte sich bei ihnen ein, und setzte mit ihnen ein Dokument auf, das er der Hohen Pforte vorlegte, wo es die Behörden in Bestürzung versetzte. Unter den vielen verleumderischen Beschuldigungen war die, ich Unglücklicher hätte das Banner des Aufruhrs gehisst, eine Flagge mit den Worten Yá Bahá’u’l-Abhá. Ich sei damit durchs ganze Land gezogen, in jede Stadt, in jedes Dorf, selbst unter die Wüstenstämme, und hätte alle Bewohner aufgerufen, sich unter dieser Flagge zu vereinen.
188:3
O mein Herr! Wahrlich, ich suche Zuflucht bei Dir vor dem bloßen Gedanken an eine solche Tat, die im Gegensatz zu allen Geboten Bahá’u’lláhs steht und fürwahr ein großes Unrecht wäre, das nur ein arger Sünder beginge, hast Du uns doch die Pflicht auferlegt, den Herrschern und Königen zu gehorchen.
188:4
Eine weitere Verleumdung von ihm war, dass der Schrein am Berg Karmel eine Festung sei, die ich gewaltig und uneinnehmbar erbaut hätte – und das, als der Rohbau ganze sechs Räume umfasste – und dass ich den Schrein Medina, die Prächtige, genannt hätte, während ich das Heilige Grabin Bahjí.A als Mekka, das Herrliche, bezeichnet hätte. Eine andere seiner Verleumdungen war, ich hätte eine unabhängige Staatsgewalt errichtet und – Gott behüte! Gott behüte! Gott behüte! – alle Gläubigen aufgerufen, bei dieser schweren Sünde mitzuwirken. Wie grauenhaft, o mein Herr, ist seine Verleumdung!
188:5
Und weiter behauptet er, da der Heilige Schrein zu einem Ort wurde, den Pilger aus aller Welt besuchen, erwachse dieser Regierung und ihrem Volk großer Schaden. Er, der Mittelpunkt des Aufruhrs, versichert, er selbst habe bei all diesen Dingen niemals die Hand im Spiel gehabt, er sei ein Sunnit unter Sunniten, ergebener Anhänger von Abú-Bakr und ‘Umar; er sehe in Bahá’u’lláh nur einen frommen Mann und Mystiker. Alles Erwähnte, sagt er, sei nur durch mich Unterdrückten in Gang gesetzt worden.
188:6
Um es kurz zu machen: Der Sulṭán – möge der Glanz seiner Regentschaft dauern – ernannte eine Untersuchungskommission. Diese Kommission reiste hierher und begab sich nach der Ankunft sogleich zum Hause eines der Ankläger. Dann rief man die Gruppe zusammen, die mit meinem Bruder die Anklageschrift verfasst hatte, und fragten sie, ob diese Anzeige stimme. Die Gruppe erläuterte den Inhalt des Dokuments, behauptete, alles Aufgeführte sei nichts als die Wahrheit und fügte weitere Anschuldigungen hinzu. So waren sie zur gleichen Zeit Ankläger, Zeugen und Richter.
weiter nach unten ...