‘Abdu’l-Bahá | Briefe und Botschaften
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1:3
Deshalb müssen alle Menschen sich gegenseitig äußerst wirksam unterstützen, alle müssen nach dem ewigen Leben trachten; und aus demselben Grunde müssen die, die Gott lieben, in dieser Welt des Zufalls zu Gnadengaben und Segnungen werden, die durch den milden König der sichtbaren und unsichtbaren Reiche ausgestrahlt wurden. Sie sollten ihren Blick läutern und die ganze Menschheit als Blätter, Blüten und Früchte am Baume des Seins erkennen. Sie sollten zu allen Zeiten danach trachten, eine gute Tat für einen Mitmenschen zu tun und ihm Liebe, Beachtung und fürsorgliche Hilfe zu erweisen. Niemanden sollten sie als ihren Feind betrachten noch jemandem etwas Böses wünschen, sondern in jedem Menschen den Freund sehen, den Fremden als Vertrauten, den Unbekannten als Weggefährten betrachten, frei von Vorurteil und ohne Grenzen.
1:4
Heute ist der ein Begünstigter an der Schwelle des Herrn, der den Becher der Treue weiterreicht, der den Edelstein der Freigebigkeit sogar seinen Feinden gewährt und selbst seinem gestrauchelten Unterdrücker eine helfende Hand reicht. Er ist selbst seinem erbittertsten Feind ein liebevoller Freund. Dies sind die Lehren der Gesegneten Schönheit, dies die Ratschläge des Größten Namens.
1:5
O ihr geliebten Freunde! In der Welt herrscht Krieg, das Menschengeschlecht liegt in Wehen und tödlichem Kampf. Die finstere Nacht des Hasses hat die Überhand gewonnen, das Licht der Vertrauenswürdigkeit ist erloschen. Die Völker und Geschlechter der Erde haben ihre Klauen geschärft und stürzen sich im Kampf aufeinander. Die Menschheit zerstört ihre eigenen Lebensgrundlagen. Tausende von Familien sind ihrer Habe beraubt und irren umher, und jedes Jahr sieht Tausende und Abertausende von Menschen sich auf staubigen Schlachtfeldern in ihrem Blute wälzen. Die Zelte des Lebens und der Freude sind abgebrochen. Generäle üben sich in ihrer Feldherrnkunst, rühmen sich des Blutes, das sie vergießen, und wetteifern miteinander im Anstacheln zu Gewalttaten. »Mit diesem Schwert«, sagt einer von ihnen, »habe ich ein Volk enthauptet!« Und ein anderer sagt: »Ich stürzte eine Nation zu Boden!« Und ein weiterer: »Ich habe eine Regierung zu Fall gebracht!« Solcher Dinge rühmen sich die Menschen, auf solche Dinge sind sie stolz! Liebe – Rechtschaffenheit – überall werden sie gerügt, und Eintracht und Hingabe an die Wahrheit werden verachtet.
1:6
Der Glaube der Gesegneten Schönheit ruft die Menschheit auf zu Sicherheit und Liebe, zu Freundschaft und Frieden. Er hat seine Stiftshütte auf den Höhen der Erde errichtet und lässt seinen Ruf an alle Völker ergehen. Seid euch daher des Wertes dieses kostbaren Glaubens bewusst, o ihr, die ihr Gott liebt. Gehorcht seinen Geboten, wandelt auf seinen Wegen, die gerade sind, und weist die Menschheit darauf hin. Erhebt eure Stimme und singt das Lied des Königreiches. Verbreitet die Lehren und Gebote des liebenden Herrn in allen Landen, auf dass diese Welt in eine andere verwandelt und diese dunkle Erde mit Licht überflutet werde und der tote Leib der Menschheit auferstehe und lebe, auf dass jede Seele nach Unsterblichkeit trachte durch den heiligen Odem Gottes.
1:7
Bald werden eure schnell dahinfliegenden Tage vergangen sein, und Ruf und Reichtum, Bequemlichkeit und Freude, die dieser Schutthaufen von Welt bereitet hat, werden spurlos verschwunden sein. Ruft deshalb die Menschheit vor Gott und ladet sie ein, dem Beispiel der himmlischen Heerscharen zu folgen. Seid der Waise ein liebevoller Vater, eine Zuflucht dem Hilflosen, ein Schatz dem Armen, dem Kranken Heilung. Seid jedem Opfer der Unterdrückung ein Helfer, ein Beschützer dem Beladenen. Denkt zu allen Zeiten daran, wie ihr jedem Glied der Menschheit einen Dienst erweisen könnt. Schenkt Abneigung und Zurückweisung, Geringschätzung, Feindseligkeit und Ungerechtigkeit keine Beachtung: Tut das Gegenteil. Seid aufrichtig freundlich, nicht nur dem Anschein nach. Jeder der Geliebten Gottes sollte seine Aufmerksamkeit auf das Folgende richten: des Herrn Segen für die Menschen, des Herrn Gnade zu sein. Er sollte jedem, dem er begegnet, einen guten Dienst erweisen und ihm von Nutzen sein. Er sollte jedermanns Charakter veredeln und den Gedanken der Menschen eine neue Richtung geben. So wird das Licht der göttlichen Führung leuchten und der Segen Gottes die ganze Menschheit umfangen, denn Liebe ist Licht, wo immer sie wohnt, und Hass ist Finsternis, wo immer er nistet. O Freunde Gottes! Möge das verborgene Mysterium offenbart und das geheime Wesen aller Dinge enthüllt werden. Strebet danach, das Dunkel auf immer und ewig zu bannen.
2
2:1
O mein Herr! Dir habe ich mich zugewandt, mitten in dieser finsteren Nacht, und Dir vertraue ich mich an mit der Sprache meines Herzens; ich erbebe vor Freude bei den süßen Düften, die aus Deinem allherrlichen Reich her wehen; ich rufe Dich an und spreche:
2:2
O mein Herr, ich finde keine Worte, Dich zu verherrlichen; ich sehe keinen Weg für den Vogel meines Geistes, in Dein Königreich der Heiligkeit aufzusteigen; denn Du bist in Deinem innersten Sein geheiligt über alle Huldigung, Du bist in Deinem innersten Wesen unerreichbar für allen Lobpreis, Dir dargebracht von dem Volke, das Du erschaffen hast. In Deines Wesens Heiligkeit warst Du immer erhaben über das Verständnis der Gelehrten aus den himmlischen Heerscharen, und ewig wirst Du verhüllt bleiben in der Heiligkeit Deiner eigenen Wirklichkeit, unerreicht vom Wissen derer, die in Deinem hehren Königreich wohnen und Deinen Namen verherrlichen.
2:3
O Gott, mein Gott! Wie kann ich Dich verherrlichen, wie Dich beschreiben, der Du unerreichbar bist? Unermesslich erhaben und geheiligt bist Du über Beschreibung und Lobpreis.
2:4
O Gott, mein Gott! So habe denn Erbarmen mit meiner Hilflosigkeit, meiner Armut, meiner Not, meiner Erniedrigung! Gib mir zu trinken aus dem vollen Kelch Deiner Gnade und Vergebung, erwecke mich mit den süßen Düften Deiner Liebe, weite mir die Brust mit dem Lichte Deiner Erkenntnis, läutere meine Seele mit den Mysterien Deiner Einheit, rufe mich zum Leben mit der sanften Brise aus dem Garten Deiner Barmherzigkeit – bis ich mich löse von allem außer Dir, mich festhalte am Saum des Gewandes Deiner Erhabenheit, bis ich alles, was Du nicht bist, vergesse, ganz umgeben von dem süßen Odem, der Deine Tage durchweht, bis ich Treue erwerbe an der Schwelle Deiner Heiligkeit, bis ich mich erhebe, Deiner Sache zu dienen, bescheiden vor Deinen Geliebten und in der Gegenwart Deiner Begünstigten ein völliges Nichts.
2:5
Du wahrlich bist der Helfer, der Erhalter, der Erhabene, der Freigebigste.
2:6
O Gott, mein Gott! Ich flehe Dich an beim Morgenlicht Deiner Schönheit, das die ganze Erde erleuchtet, beim Augenlicht Deines göttlichen Erbarmens, das auf allen Dingen ruht, bei der brandenden See Deiner Gnadengaben, in die alle Dinge eingetaucht sind, bei Deinen strömenden Wolken der Großmut, die auf das Wesen alles Erschaffenen ihren Segen herabregnen, und beim Strahlenglanz Deiner Barmherzigkeit, die da war, ehe denn die Welt war: Hilf Deinen Erwählten, treu zu sein, stehe Deinen Geliebten bei, an Deiner erhabenen Schwelle zu dienen, lasse sie siegen durch die Bataillone Deiner alles überwindenden Macht und stärke sie durch zahllose Kämpfer aus den himmlischen Heerscharen.
2:7
O mein Herr! Sie sind schwache Seelen vor Deiner Tür, Bettler an Deinem Hof, die nach Deiner Gnade dürsten, verzweifelt Deiner Hilfe bedürfen, ihr Angesicht dem Reiche Deiner Einheit zuwenden und nach Deinen Gnadengaben schmachten. O mein Herr! Gieße Dein heiliges Licht über ihre Seelen aus, läutere ihre Herzen mit der Gunst Deiner Hilfe; weite ihnen die Brust mit dem Duft des Entzückens, der heranweht von Deinen Himmelsscharen; lasse ihre Augen leuchten, wenn sie auf die Zeichen und Beweise Deiner Macht blicken; lasse sie Standarten der Reinheit sein, Banner der Heiligkeit, die hoch über allen Geschöpfen auf den Gipfeln der Erde wehen; lasse ihre Worte Herzen, so hart wie Stein, bewegen. Lasse sie sich erheben, Dir zu dienen, hingegeben an das Königreich Deiner Göttlichkeit; lasse sie ihr Angesicht auf die Höhen Deines Selbstbestehens richten und Deine Zeichen überallhin verbreiten; erleuchte sie mit Deiner Lichtflut; lasse sie Deine verborgenen Geheimnisse enthüllen. Gib, dass sie Deine Diener zu sanften Wassern führen, zum Springquell Deiner Barmherzigkeit, der mitten im Himmel Deiner Einheit wallt und sprudelt. Gib, dass sie auf der Arche des Heils das Segel der Loslösung setzen und über das Meer Deiner Erkenntnis fahren; gib, dass sie die Schwingen der Einigkeit ausbreiten und aufsteigen in das Königreich Deiner Einzigkeit, um Diener zu werden, die das Lob der himmlischen Heerscharen und den Preis der Bewohner Deines allherrlichen Reiches erwerben; lasse sie den Boten der unsichtbaren Welt lauschen, wenn sie den Ruf der mächtigsten frohen Botschaft erheben; gib, dass sie in ihrer Sehnsucht, Dir zu begegnen, zu Dir rufen und flehen, wundersame Gebete im Morgenlicht auf den Lippen – o mein Herr, der Du alle Dinge lenkst – unter Tränen am Morgen und am Abend, voll Verlangen, unter den Schatten Deiner unendlichen Barmherzigkeit zu treten.
2:8
Hilf ihnen unter allen Umständen, o mein Herr; stehe ihnen jederzeit bei mit Deinen Engeln der Heiligkeit, die Deine unsichtbaren Heerscharen sind, Deine himmlischen Bataillone, welche die vereinte Streitmacht dieser niederen Welt besiegen.
2:9
Wahrlich, Du bist der Mächtige, der Kraftvolle, der Starke, der Allumfassende, der höchste Herr über alles, was ist.
2:10
O heiliger Herr! O Herr liebender Gnade! Wir irren um Deinen Wohnsitz, sehnen uns, Deine Schönheit zu schauen, voll Liebe zu all Deinen Wegen. Wir sind unglücklich, gering und bedeutungslos. Wir sind arm; erweise uns Barmherzigkeit und Großmut; sieh nicht auf unsere Verfehlungen, verbirg unsere fortgesetzten Sünden. Was wir auch sind, wir sind immer Dein; was wir sprechen und hören, ist Dein Lobpreis; Dein Antlitz suchen wir, Deinem Pfad folgen wir. Du bist der Herr liebender Gnade, wir sind verirrte Sünder fern unserer Heimat. So spende uns ein paar Regentropfen, Du Wolke der Barmherzigkeit. Sende uns Deinen duftenden Windhauch, Du Blumenbeet der Gnade. Überflute uns mit einer mächtigen Woge, Du Meer aller Güte. Sende einen Lichtstrahl auf uns hernieder, Du Sonne der Freigebigkeit. Hab Erbarmen mit uns, gewähre uns Gnade. Bei Deiner Schönheit, wir kommen mit nichts als unseren Sünden, mit keinen nennenswerten guten Taten, nur Hoffnungen. Wenn Dein verhüllender Schleier uns nicht bedeckt, Dein Schutz uns nicht schirmt und hegt, welche Kraft haben wir hilflosen Seelen, uns zu erheben und Dir zu dienen; wie können wir Elenden uns tapfer erweisen? Du, der Du der Mächtige bist, der Allgewaltige, hilf uns, begünstige uns. Wir sind verdorrt; belebe uns mit Regenschauern aus Deinen Wolken der Gnade. Gering sind wir; erleuchte uns mit den hellen Sonnenstrahlen Deiner Einheit. Wirf diesen dürstenden Fisch in das Meer Deiner Barmherzigkeit, führe diese verlorene Karawane unter das Obdach Deiner Einzigkeit. Zum Brunnquell der Führung leite Du die verirrten Wanderer und gewähre denen, die den Pfad verfehlten, Zuflucht in der Freistatt Deiner Macht. Setze an diese ausgedörrten Lippen die reichen, sanftfließenden Wasser des Himmels, erwecke diese Toten zu ewigem Leben. Gib den Blinden sehende Augen. Lasse die Tauben hören, die Stummen sprechen. Entflamme die Entmutigten, mache die Unbekümmerten achtsam, warne die Hochmütigen, erwecke die Schläfer.
2:11
Du bist der Mächtige, Du bist der Schenkende, Du bist der Liebende. Wahrlich, Du bist der Wohltätige, der Erhabenste.
2:12
O ihr Geliebten Gottes, ihr Helfer dieses dahinschwindenden Dieners! Als die Sonne der Wirklichkeit ihre unendlichen Gaben vom Aufgangsort aller Sehnsucht ausströmte, als dieses heilige Licht die Welt des Seins von Pol zu Pol erleuchtete, da warf diese Sonne ihre Strahlen mit solcher Kraft hernieder, dass sie das schauerliche Dunkel für alle Zeit tilgte. So wurde unsere Welt des Staubes zum Neid der himmlischen Sphären; dieser niedrige Ort nahm die Pracht und den Schmuck des überirdischen Reiches an. Der Heiligkeit sanfte Lüfte wehten darüber hin und verbreiteten süßen Duft. Die himmlischen Frühlingswinde umfächelten sie. Aus dem Quell aller Segensgaben strömten befruchtende Brisen und brachten grenzenlose Gnade. Dann brach der strahlende Morgen an, und mit ihm kam die Botschaft großer Freude. Die göttliche Frühlingszeit errichtete ihre Zelte in dieser bedingten Welt, so dass alle Schöpfung hüpfte und tanzte. Die welke Erde brachte unsterbliche Blüten hervor. Der tote Staub erwachte zu ewigem Leben. Der Erde entsprossen Blumen mystischer Gelehrsamkeit und frisches Grün voll der Erkenntnis Gottes. Die bedingte Welt offenbarte Gottes großmütige Gaben, die sichtbare Welt spiegelte die ganze Herrlichkeit der Reiche, die den Augen verborgen sind. Gottes Ruf ward verkündet, die Tafel des Ewigen Bündnisses bereitet; der Kelch des Testamentes ging von Hand zu Hand, die Ladung an alle war verkündet. Da ließen sich einige aus dem Volk vom himmlischen Wein entflammen; andere hatten keinen Anteil an diesem größten Geschenk. Sicht und Einsicht einiger wurden erleuchtet vom Licht der Gnade; manche hörten die Hymnen der Einheit und hüpften vor Freude. Vögel stimmten in den Gärten der Heiligkeit ihr Jubellied an, und Nachtigallen sangen in den himmlischen Rosenzweigen ihre wehmütigen Lieder. Sowohl das Reich der Höhe als auch die Erde hienieden waren aufs Schönste geschmückt, und der hohe Himmel beneidete diese Welt. Aber ach, noch immer verharren die Achtlosen unbekümmert in festem Schlaf, und die Narren weisen diesen heiligsten Segen von sich. Die Blinden bleiben in ihre Schleier gehüllt, die Tauben haben keinen Anteil an dem, was vorgegangen ist. Die Toten sind ohne Hoffnung, etwas davon zu erlangen, wie Er sagt: »Sie verzweifeln an dem zukünftigen Leben ebenso, wie die Ungläubigen an der Auferstehung derer verzweifeln, die in den Gräbern liegen.«Qur’án 60:13.Q
2:13
Zu euch, o ihr Geliebten Gottes! Löst eure Zunge und bringt Ihm Dank dar, preist und verherrlicht die Schönheit des Angebeteten; denn ihr habt aus diesem reinsten Kelch getrunken, ihr seid begeistert und entflammt von diesem Wein. Ihr habt den süßen Duft der Heiligkeit entdeckt, ihr atmet den Moschus der Treue aus Josefs Gewand. Ihr nährt euch vom Honigtau der Ergebenheit aus der Hand des Einziggeliebten, ihr labt euch an unsterblicher Speise von der üppigen Festtafel des Herrn. Dieser Überfluss ist eine besondere Gunst, die ein liebender Gott euch schenkt; das sind Segnungen und seltene Gaben, die aus Seiner Gnade kommen. Im Evangelium sagt Er: »Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.«Mt. 22:14.Q Das bedeutet: Vielen wurde es angetragen, aber nur wenige Seelen sind erwählt, die große Gabe der Führung zu empfangen. »So ist Gottes Großmut: Wem Er geben will, dem gibt Er, und Gott ist von unermesslicher Großmut.«Qur’án 57:21.Q
2:14
O ihr Geliebten Gottes! Von den Völkern der Welt stürmen die Winde der Uneinigkeit gegen die Kerze des Bündnisses. Raben des Hasses gleich, setzen Abtrünnige der Nachtigall der Treue zu. Hart bedrängen geistlose Nachtvögel die Taube des Gottesgedenkens, und beutegierige Bestien hetzen die Gazelle, die in den Auen der Gottesliebe wohnt. Tödlich ist die Gefahr, qualvoll der Schmerz.
2:15
Die Geliebten des Herrn müssen fest wie Berge sein, standhaft wie unüberwindliche Festungsmauern. Unerschütterlich müssen sie auch in bitterer Not bleiben, unbekümmert auch im schlimmsten Unheil: Lasst sie festhalten am Saum des allmächtigen Gottes, verankert im Glauben an die Schönheit des Allerhöchsten; lasst sie auf die unfehlbare Hilfe aus dem Urewigen Königreich bauen und sich stützen auf die schützende Fürsorge des großmütigen Herrn. Lasst sie allezeit sich erfrischen mit den Tautropfen himmlischer Gnade und sich durch den Odem des Heiligen Geistes in jedem Augenblick wiederbeleben. Lasst sie aufstehen zum Dienste an ihrem Herrn und alles in ihrer Macht Stehende tun, Seine Düfte der Heiligkeit allüberall zu verbreiten. Lasst sie ein mächtiges Bollwerk sein, Seinen Glauben zu verteidigen, eine uneinnehmbare Feste für die Heerscharen der Urewigen Schönheit. Lasst sie über den Bau der Sache Gottes von allen Seiten sorgsam wachen; lasst sie strahlende Sterne werden an Seinen leuchtenden Himmeln. Denn die Horden der Finsternis bestürmen diese Sache von allen Seiten, und die Völker der Erde wollen dieses offenbare Licht ersticken. Und wenn alle Geschlechter der Welt zum Angriff rüsten, wie können wir da unsere Aufmerksamkeit auch nur für einen Augenblick schweifen lassen? Wisst um diese Dinge mit Sicherheit, seid wachsam und beschützt die Sache Gottes.
2:16
Eure wichtigste Pflicht ist heute, euren Charakter zu veredeln, eure Sitten zu bessern und euer Verhalten zu ordnen. Die Geliebten Gottes müssen unter Seinen Geschöpfen mit einem Charakter und einem Verhalten hervortreten, dass der Duft ihrer Heiligkeit die ganze Welt umfängt und den toten Seelen das Leben wiedergibt, hat doch die Manifestation Gottes, das grenzenlose Morgenlicht aus dem Unsichtbaren, den Zweck, jeden lebenden Menschen seelisch zu erziehen und seinen Charakter zu läutern – so dass gesegnete Wesen erstehen, losgelöst vom Dunkel der tierischen Welt, mit Eigenschaften, die des Menschen Wirklichkeit zieren. Ziel ist, die Erdenmenschen in das Volk des Himmels zu verwandeln, die Wanderer aus der Finsternis ins Licht zu führen, die Ausgestoßenen in den innersten Kreis des Königreiches treten zu lassen, die Nichtswürdigen zu Vertrauten der ewigen Herrlichkeit zu machen. Die Mittellosen sollen ihren Anteil an der endlosen See erhalten, die Unwissenden sich satt trinken am Lebensquell der Erkenntnis, die Blutdürstigen ihre Barbarei aufgeben. Alle, die ihre Klauen zeigen, sollen freundlich und nachsichtig werden; alle, die den Krieg lieben, sollen wahre Versöhnung suchen; die Unmenschlichen mit messerscharfen Krallen sollen sich der Wohltat dauerhaften Friedens erfreuen; die Unreinen sollen erfahren, dass es ein Reich der Reinheit gibt, die Verderbten ihren Weg finden zu den Strömen der Heiligkeit.
2:17
Ehe sich dieser Gottessegen nicht im Wesenskern der Menschlichkeit offenbart, erweist sich die Gabenfülle der Manifestation Gottes als unfruchtbar, und die Sonne der Wahrheit mit all ihrem Strahlenglanz bleibt wirkungslos.
2:18
Deshalb bemüht euch mit ganzem Herzen und ganzer Seele, o ihr Geliebten des Herrn, an Seinen himmlischen Eigenschaften teilzuhaben und an den Wohltaten Seiner Heiligkeit euren Anteil zu empfangen, damit ihr Merkmale der Einigkeit und Banner der Einzigkeit werdet, damit ihr die Bedeutung der Einheit erforscht, im Garten Gottes eure Stimme erhebt und selige Hymnen des Geistes singt. Werdet wie die Vögel, die Ihm ihren Dank darbringen, und singt in den blühenden Lauben des Lebens Lieder, welche die Gemüter der Wissenden berücken. Hisst auf den höchsten Gipfeln der Welt die Fahne der Gunst Gottes, damit sie hoch in den Lüften Seiner Gnade flattere und wehe; pflanzt auf dem Felde des Lebens, inmitten der Rosen der sichtbaren Welt, einen Baum, der frische, süße Früchte hervorbringt.
2:19
Ich schwöre bei dem wahren Lehrer: Wenn ihr nach den Ermahnungen Gottes handelt, wie sie in Seinen erleuchteten Sendschreiben offenbart sind, dann wird dieser dunkle Staub das Himmelreich widerspiegeln, diese niedere Welt das Reich des Allherrlichen.
2:20
O ihr Geliebten des Herrn! Preis sei Ihm, dem Unsichtbaren! Die Sonne der Wahrheit umfängt euch mit überströmenden Gnadengaben, und die Tore Seiner Barmherzigkeit stehen auf allen Seiten offen. Jetzt ist es an der Zeit, diesen Segen anzuwenden und zu nutzen. Seid euch des Wertes dieser Zeit bewusst, lasst euch die Gelegenheit nicht entgehen. Bleibt völlig frei von den Belangen dieser dunklen Welt, zeichnet euch durch solche Wesenszüge aus, die dem Reiche Gottes innewohnen. Dann werdet ihr sehen, wie herrlich das himmlische Tagesgestirn strahlt, wie blendend hell die Zeichen der Großmut sind, die aus dem unsichtbaren Reich erscheinen.
3
3:1
O ihr Geliebten Gottes! O ihr Kinder Seines Königreiches! Wahrlich, wahrlich, der neue Himmel und die neue Erde sind erschienen. Die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, ist aus der Höhe herniedergestiegen in Gestalt einer himmlischen Jungfrau, verschleiert, wunderschön, einzigartig und bereit, sich mit ihren Liebenden auf Erden zu vereinen. Die Engel der himmlischen Heerscharen stimmen ein in den Ruf, der durch das ganze Weltall schallt. Alle künden laut und machtvoll: »Dies ist die Stadt Gottes und Seine Stätte, darin die Reinen und Heiligen unter Seinen Dienern wohnen sollen. Er wird mit ihnen leben, denn sie sind Sein Volk, und Er ist ihr Herr.«
3:2
Er trocknet ihre Tränen, entzündet ihr Licht, erfreut ihre Herzen und entflammt ihre Seelen. Der Tod wird ihnen nichts mehr anhaben, noch werden Kummer, Tränen oder Leid sie betrüben. Gott, der Herr, der Allmächtige hat in Seinem Reich den Thron bestiegen und macht alles neu. Dies ist die Wahrheit, und welche Wahrheit kann größer sein als die Wahrheit, die der heilige Johannes in seiner Offenbarung kündete?
3:3
Er ist Alpha und Omega. Er reicht dem Dürstenden das Wasser des Lebens, dem Kranken die Arznei wahrer Erlösung. Wem solche Gnade zuteil wird, der empfängt wahrlich das herrlichste Vermächtnis von Gottes Propheten und Heiligen. Der Herr wird sein Gott sein, und er Sein zärtlich geliebter Sohn.
3:4
Frohlocket, o ihr Geliebten des Herrn, ihr Seine Erwählten, ihr Kinder Gottes und Sein Volk. Erhebt eure Stimmen, den höchsten Herrn zu preisen und zu verherrlichen; denn Sein Licht erstrahlt, Seine Zeichen sind offenbar und die Wogen Seiner brandenden See tragen jedem Ufer kostbare Perlen zu.
4
4:1
Gelobt sei Er, der die Welt des Daseins erschuf und allem Gestalt gab, Er, der die Aufrichtigen zu einer Stufe der Ehre erhobQur’án 17:79.A und die unsichtbare Welt auf der Ebene der sichtbaren erscheinen ließ. – Doch noch immer wandeln die Menschen in trunkenem StumpfsinnQur’án 15:72.A und gehen in die Irre.
4:2
Er legt die Grundmauern für die hohe Burg, Er leitet den Zyklus der Herrlichkeit ein, Er lässt eine neue Schöpfung erstehen an diesem Tag, der eindeutig der Tag des Gerichts ist – und noch immer verharren die Achtlosen in trunkenem Schlaf.
4:3
Die PosauneQur’án 39:68; Bahá’u’lláh, in: Botschaften aus ‘Akká 8:37; Brief an den Sohn des Wolfes 192, S. 117.A ertönt, die TrompeteQur’án 74:8.A wird geblasen, der Ausrufer lässt seinen Ruf erschallen, allen auf Erden schwinden die Sinne – aber noch immer schlafen die Toten in den Gräbern ihrer Leiber.
4:4
Und der zweite TrompetenschallQur’án 39:68.A ertönt, der zweite Posaunenstoß folgt dem erstenQur’án 79:6–7.A, das gefürchtete Weh tritt ein, jede stillende Mutter vergisst das Kind an ihrer BrustQur’án 22:2.A – und dennoch achten die Menschen in ihrer Verwirrung nicht darauf.
4:5
Der Tag der Auferstehung ist angebrochen, die Stunde hat geschlagen, der Pfad ist geebnet, die Waage ist aufgestellt und alle auf Erden sind versammeltQur’án 34:40.A – aber noch immer sehen die Menschen vom Weg keine Spur.
4:6
Das Licht scheint hell, Strahlenglanz umflutet den Berg Sinai, ein zarter Wind weht aus den Gärten des immervergebenden Herrn, der sanfte Hauch des Geistes streift vorbei und die Toten stehen aus ihren Gräbern auf – doch immer noch schlummern die Achtlosen in ihrer Gruft.
4:7
Die Flammen der Hölle sind angefacht, der Himmel ist nahe, die Himmelsgärten stehen in Blüte, frische Wasser quellen über, das Paradies erstrahlt in voller Schönheit – aber die Unwissenden sind noch immer versunken im Sumpf ihrer leeren Träume.
4:8
Der Schleier ist gefallen, der Vorhang gehoben, die Wolken sind zerteilt, der Herr der Herren ist offenbar – doch den Sündern ist alles entgangen.
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