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205205:1O ihr verehrten Seelen! Die fortgesetzte Nachahmung veralteter, überlebter Gewohnheiten machte die Welt finster wie die schwarze Nacht. Die Grundlagen der göttlichen Lehren gingen dem Gedächtnis verloren; ihr Herz und Mark gerieten ganz und gar in Vergessenheit; die Menschen hielten sich an die Schalen. Die Nationen waren in einen jämmerlichen Zustand verfallen, wie zerrissene, längst abgetragene Kleider.205:2Aus dieser schwarzen Finsternis dämmerten die Lehren Bahá’u’lláhs wie der Morgenglanz. Er legte der Welt ein neues, lichtes Gewand an, und dieses neue Gewand sind die Grundsätze, die von Gott herniederkamen.205:3Jetzt ist das neue Zeitalter angebrochen, die Schöpfung wiedergeboren. Die Menschheit ist zu neuem Leben erwacht. Der Herbst ist vorüber, der belebende Frühling ist gekommen. Alles ist neu gemacht. Künste und Gewerbe sind wiedergeboren, es gibt neue Entdeckungen in der Wissenschaft und neue Erfindungen. Selbst Einzelheiten des täglichen Lebens, wie Bekleidung und persönliche Habe – sogar Waffen: Alles dies wurde gleichfalls erneuert. Die Gesetze und Verfahren jeder Regierung wurden überarbeitet. Erneuerung ist an der Tagesordnung.205:4Und all dieses Neue hat seinen Ursprung in den frischen Ausgießungen wundersamer Gunst und Gnade vom Herrn des Gottesreiches. Sie haben die Welt erneuert. Deshalb müssen die Menschen gänzlich frei werden von ihren alten Denkmustern, so dass sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf diese neuen Grundsätze richten können, sind sie doch das Licht des Zeitalters und sein wahrer Geist.205:5Solange diese Lehren nicht wirksam unter den Menschen verbreitet sind, solange die alten Bahnen und Konzepte nicht verlassen und vergessen sind, wird die Welt des Seins keinen Frieden finden, geschweige denn die Vollkommenheiten des Himmelreichs widerspiegeln. Bemüht euch aus ganzem Herzen, die Achtlosen bewusst zu machen, die Schlafenden zu wecken, den Unwissenden Erkenntnis zu bringen, die Blinden sehend, die Tauben hörend zu machen und die Toten dem Leben zurückzugeben.205:6Ihr müsst eine solche Kraft und Beharrlichkeit zeigen, dass alle Beobachter staunen. Die Bestätigungen des Gottesreiches sind mit euch. Auf euch sei die Herrlichkeit des Allherrlichen.206206:1Gepriesen sei Er, der das Dunkel zerrissen und die Nacht vertrieben, die Hüllen beseitigt und die Schleier entfernt hat, dessen Licht daraufhin erstrahlte, dessen Zeichen und Beweise verbreitet und dessen Geheimnisse aufgedeckt sind. Daraufhin teilten sich Seine Wolken, überschütteten die Erde mit Seinen Segnungen und Gnadengaben, machten mit ihrem Regen alle Dinge süß und saftig, ließen das frische Grün der Erkenntnis und die Hyazinthen der Gewissheit sprießen und vor Freude erzittern, bis die ganze Welt vom Duft Seiner Heiligkeit erfüllt war.206:2Gruß und Preis, Segen und Ruhm seien auf den göttlichen Wirklichkeiten, den heiligen Anemonen, die aus dieser höchsten Gnadengabe hervorkamen, dieser überströmenden Gunst, brausend wie ein brandendes Meer der Geschenke und Segnungen, das seine Wogen hoch in den Himmel wirft.206:3O Gott, mein Gott! Preis sei Dir, da Du das Feuer göttlicher Liebe im Heiligen Baum auf den Gipfeln des erhabensten Berges entzündet hast: jenem Baum, der »weder des Ostens noch des Westens ist«Qur’án 24:35.
Q, und jenes Feuer, das lichterloh brannte, bis seine Flamme die himmlischen Heerscharen erreichte, bis jene Wirklichkeiten das Licht der Führung daraus einfingen und ausriefen: »Wahrlich, wir gewahrten ein Feuer am Hang des Berges Sinai.«vgl. Qur’án 28:29.
Q206:4O Gott, mein Gott! Lass dieses Feuer wachsen Tag für Tag, bis seine Glut die ganze Erde bewegt. O Du mein Herr! Entzünde das Licht Deiner Liebe in jedem Herzen, hauche den Geist Deiner Erkenntnis den Menschen in die Seele und weite ihnen die Brust mit den Versen Deiner Einheit. Rufe die ins Leben zurück, die in ihren Gräbern wohnen, warne Du die Hoffärtigen, lass weltweit Glückseligkeit herrschen, sende Deine kristallklaren Wasser hernieder, und in der Versammlung offenbaren Strahlenglanzes lass den Kelch kreisen, der »gemischt ist an der Kampferquelle«Qur’án 76:5.
Q.206:5Wahrlich, Du bist der Gebende, der Verzeihende, der Ewigschenkende. Wahrlich, Du bist der Barmherzige, der Mitleidvolle.206:6O ihr Geliebten Gottes! Der Kelch himmlischen Weines quillt über, der Festsaal des Gottesbundes strahlt in feierlichem Lichterglanz, der Morgen allen Segens bricht an, sanft wehen die Winde der Gnade, und aus der unsichtbaren Welt kommt frohe Botschaft über reiche Gnadengaben. Auf blumengeschmückten Auen hat die göttliche Frühlingszeit ihre Zelte aufgeschlagen, und die geistig Gesinnten atmen die süßen Düfte aus dem Saba des Geistes, die der Ostwind zu ihnen trägt. Da flötet die mystische Nachtigall ihre Lieder, und Knospen tiefer Bedeutung brechen auf zu zarten, anmutigen Blüten. Die Lerchen des Feldes sind die Festmusikanten; hoch heben sie ihre wundersamen Stimmen und singen nach den Weisen der himmlischen Heerscharen: »Selig seid ihr! Frohe Botschaft! Frohe Botschaft!« Und sie drängen alle Zecher im Paradies Abhá, sich satt zu trinken. Auf dem Himmelsbaum halten sie lange Reden und stoßen ihre heiligen Rufe aus, damit die verwelkten Seelen in der Wüste der Achtlosigkeit und die Dahingeschwundenen im Sande der Gleichgültigkeit pulsierendes Leben gewinnen und sich einfinden bei den Festen und Lustbarkeiten Gottes, des Herrn.206:7Gelobt sei Er! Der Ruhm Seiner Sache erreicht Ost und West, die Nachricht von der Schönheit Abhá und ihrer Macht belebt Nord und Süd. Nah und fern ertönt jener Ruf vom amerikanischen Erdteil, ein Chorgesang der Heiligkeit steigt auf zu den Scharen der Höhe: »Yá Bahá’u’l-Abhá!« Jetzt ist der Osten erleuchtet in Herrlichkeit, der Westen duftet süß nach Rosen, die ganze Erde riecht nach Ambra, und die Winde, die über den Heiligen Schrein wehen, sind mit Moschus beladen. Bald werdet ihr sehen, wie die dunkelsten Länder hell erstrahlen, wie die Erdteile Europa und Afrika in Blumengärten, in Haine mit blühenden Bäumen verwandelt sind.206:8Weil aber diese Sonne in Persien aufging und vom Orient aus den Westen beschien, ist es unsere liebste Hoffnung, dass die Flammen der Liebesglut dortzulande noch heftiger lodern und der Strahlenglanz dieses heiligen Glaubens noch stärker leuchte. Möge der Aufruhr um die Sache Gottes dieses Land in seinen Grundmauern erschüttern, möge die geistige Kraft Seines Wortes sich solcherart offenbaren, dass der Írán zum Kern und Brennpunkt der Wohlfahrt und des Friedens wird. Mögen Rechtschaffenheit und Versöhnungsbereitschaft, Liebe und Vertrauen vom Írán ausgehen und allen auf Erden Unsterblichkeit verleihen. Möge der Írán die Banner der Staatsordnung, der reinsten Geistigkeit und des Weltfriedens auf die höchsten Gipfel pflanzen.206:9O ihr Geliebten Gottes! In der Bahá’í-Sendung ist die Sache Gottes reiner, unvermischter Geist. Seine Sache gehört nicht der Welt des Stoffes an. Sie steht nicht für Streit und Krieg, stiftet kein Unheil und bereitet keine Schande. Sie wünscht weder Zank mit anderen Glaubensbekenntnissen noch Hader mit den Nationen. Ihre einzige Heeresmacht ist die Gottesliebe, ihre einzige Freude der klare Wein Seiner Erkenntnis, ihr einziger Kampf die Darlegung der Wahrheit, ihr einziger Kreuzzug geht gegen das beharrende Selbst, die bösen Einflüsterungen des Menschenherzens. Ihr Sieg ist Unterwerfung und Ergebung, und Selbstlosigkeit ist ihre ewige Herrlichkeit. Kurz gesagt, die Sache Gottes ist Geist über Geist: – Nur in der Not – tritt du die Natter tot, – zu jeder Zeit erspar’ dem andern Leid – Sei stets bereit, – die Ameis’ selbst zu schützen; – um wie viel mehr sollst du dem Bruder nützen!206:10Lasst euer ganzes Streben dahin gehen, für jede Menschenseele, bekannt oder fremd, Gegner oder Mitstreiter, der Quell des Lebens und der Unsterblichkeit, des Friedens, des Wohlergehens und der Freude zu werden. Schaut nicht auf die Lauterkeit oder Unlauterkeit des Charakters; schaut auf die allumfassende Barmherzigkeit des Herrn, auf das Licht Seiner Gnade, das die ganze Erde mit allen, die darin wohnen, umschließt, auf die Fülle Seiner Freigebigkeit, in die alle eingetaucht sind, die Weisen wie die Unwissenden. An der Tafel Seiner Gunst sitzen Fremde und Freunde. Wie der Gläubige, so schöpft auch der Leugner, der sich von Gott abwendet, mit beiden Händen den Trank aus dem Meer Seines Segens.206:11Es ziemt den Geliebten des Herrn, Zeichen und Beweise Seiner allumfassenden Barmherzigkeit zu sein, Verkörperungen Seiner alles überragenden Gnade. Wie die Sonne sollen sie ihre Strahlen auf Gärten wie Schutthalden werfen, wie die Frühlingswolken ihren Regenschauer vergießen auf Blumen und Dornen. Lasst sie nur nach Liebe und Treue streben, lasst sie den Pfad der Unfreundlichkeit meiden, lasst ihre Rede beschränkt sein auf die Geheimnisse der Freundschaft und des Friedens. Das sind die Merkmale der Rechtschaffenen, das ist das Erkennungszeichen der Diener an Seiner Schwelle.206:12Die Schönheit Abhá erduldete die qualvollsten Trübsale. Er trug Pein und Unglück ohne Grenzen. Keinen Augenblick lebte Er in Frieden, keinen Atemzug lang fand Er Erleichterung. Heimatlos zog Er durch den Wüstensand und über Berghänge. Er war eingekerkert in einer Festung, einer Gefängniszelle. Aber für Ihn war Seine armselige Strohmatte ein unvergänglicher Thron der Herrlichkeit, Seine schweren Ketten waren Ihm Herrschergeschmeide. Tag und Nacht lebte Er unter einem sausenden Schwert, und jeden Augenblick war Er bereit, den Kreuzestod zu sterben. Er ertrug das alles, um die Welt zu läutern, um sie zu schmücken mit der sanften Gnade Gottes, des Herrn, um sie zu befrieden, um Kampf und Streit zu bannen, die Lanze und das scharfe Schwert gegen liebende Bruderschaft zu tauschen, Bosheit und Krieg in Sicherheit, Sanftmut und Liebe zu verwandeln, bis die Schlachtfelder des Hasses und des Zorns Gärten der Freude werden und dort, wo einst Heere blutig aufeinanderprallten, duftende Lustgärten entstehen, bis alle Kriegsführung als Schande gilt, jede Anwendung von Waffengewalt als widerliche Krankheit, gemieden von jedem Volk, bis der Weltfriede seine Zelte auf den höchsten Bergen errichtet und der Krieg auf ewig von der Erde verschwindet.206:13Deshalb müssen die Geliebten Gottes diesen Baum der Hoffnung mit den Wassern ihres ganzen Strebens fleißig nähren und pflegen. In welchem Land sie auch leben, lasst sie aus ganzem Herzen Freunde und Gefährten sein für alle, die ihnen nahe stehen oder ferne sind. Lasst sie mit himmelsgleichen Eigenschaften die Institutionen Gottes und Seine Religion fördern. Lasst sie nie den Mut verlieren, nie verzweifeln, nie sich niedergeschlagen fühlen. Je mehr Widerstand sie begegnen, desto mehr lasst sie ihren festen Glauben zeigen; je mehr Schmerz und Trübsal auf sie zukommen, desto freigebiger lasst sie allen den Kelch der Großmut reichen. Das ist der Geist, der der Welt neues Leben gibt, das ist das weithin strahlende Licht in seinem Wesenskern. Wer anders ist oder anders handelt, ist es nicht wert, an der Heiligen Schwelle des Herrn zu dienen.206:14O ihr Geliebten Gottes! Die Sonne der Wahrheit scheint aus unsichtbaren Himmeln hernieder. Seid euch des Wertes dieser Tage bewusst. Erhebt das Haupt und wachst, Zypressen gleich, an diesen strömenden Wassern. Freut euch der Narzisse von Najd und ihrer Schönheit; denn die Nacht wird kommen, und sie wird nicht mehr sein…206:15O ihr Geliebten Gottes! Gelobt sei Er, das leuchtende Banner des Bundes weht höher mit jedem Tag, wogegen die Flagge des Verrats niedergeholt wurde und auf Halbmast hängt. Die umnachteten Angreifer wurden bis ins Innerste erschüttert. Sie sind nunmehr wie zerstörte Grabstätten. Wie blinde Kreaturen, die unter der Erde hausen, kriechen und krabbeln sie um eine Ecke des Grabes; von Zeit zu Zeit kläffen und brüllen sie aus ihrem Loch heraus wie wilde Tiere. Ruhm sei Gott! Wie kann die Dunkelheit je das Licht besiegen? Wie kann der Strick des Zauberers »eine Schlange«
binden, »für alle deutlich sichtbar«
? »Sieh da! Sie verschlang ihre verlogenen Wunder.«Qur’án 26:32 … 26:45: Hinweis auf den Stab Mose und auf die Zauberer vor dem Thron des Pharao.
Wehe ihnen! Sie haben sich selbst mit einer Lüge getäuscht, und um ihrer Begierde zu frönen, haben sie ihr Ich aufgegeben. Ewige Herrlichkeit gaben sie preis für menschlichen Hochmut, die Erhabenheit beider Welten opferten sie den Wünschen des beharrenden Selbstes. Davor haben Wir euch gewarnt. Binnen kurzem werdet ihr die Toren in offensichtlichem Verlust sehen.206:16O mein Herr und meine Hoffnung! Hilf Du Deinen Geliebten, standhaft in Deinem mächtigen Bunde zu sein, Deiner offenbaren Sache treu zu bleiben und die Befehle auszuführen, die Du für sie in Deinem Buche der Herrlichkeit verzeichnet hast, damit sie Banner der Führung, Leuchten der himmlischen Heerscharen werden, Quellen Deiner unendlichen Weisheit und Sterne, die den rechten Weg weisen, aus Deinem überirdischen Himmel herniederstrahlend.206:17Du bist wahrlich der Unbesiegbare, der Allmächtige, der Allgewaltige.207207:1O ihr, die ihr euer Antlitz der Erhabenen Schönheit zuwendet! Bei Tag und Nacht, im Morgengrauen und bei Sonnenuntergang, wenn die Dunkelheit hereinbricht und wenn das erste Licht dämmert, gedenke ich wie eh und je in den Reichen meines Geistes und meines Herzens der Geliebten des Herrn. Ich bitte Ihn, Er möge Seine Bestätigungen ergießen über die Geliebten, die in jenem reinen, heiligen Lande wohnen, und ihnen in jeder Hinsicht Erfolg gewähren: Er helfe ihnen, sich mit ihrem Charakter, ihrem Verhalten, ihren Worten, ihrer Lebensweise, mit allem, was sie sind und tun, vor den Menschen auszuzeichnen; Er führe sie in die Weltgemeinde ein, mit Herzen voller Begeisterung, Eifer und sehnsüchtiger Liebe, mit Erkenntnis und Gewissheit, mit Standhaftigkeit und Einigkeit, mit Angesichtern von strahlender Schönheit.207:2O ihr Geliebten des Herrn! Dies ist der Tag der Vereinigung, der Tag der Ernte für die ganze Menschheit. »Wahrlich, Gott liebt die, welche in geschlossener Front für Seine Sache kämpfen, als wären sie ein fester Wall.«Qur’án 61:4.
Q – Beachtet, dass Er sagt: »in geschlossener Front«. Das bedeutet dichtgedrängt, jeder dem anderen untergehakt, jeder seinen Gefährten beistehend. Kämpfen, wie es in dem heiligen Vers heißt, bedeutet in dieser größten aller Sendungen nicht, mit Schwert und Speer, mit Lanze und durchbohrenden Pfeilen voranzustürmen, sondern bewaffnet zu sein mit reiner Absicht, mit rechtschaffenen Motiven, mit hilfreichen, wirksamen Ratschlägen, mit göttlichen Eigenschaften, mit Taten, die dem Allmächtigen wohlgefallen, mit den Tugenden des Himmels. Es bedeutet: die ganze Menschheit erziehen, alle Menschen führen, die süßen Düfte des Geistes weltweit verbreiten, die Beweise Gottes darlegen, schlüssige göttliche Argumente vorbringen sowie barmherzige Taten verüben.207:3Wann immer heilige Seelen, gestärkt von den Kräften des Himmels, sich mit solchen Tugenden des Geistes erheben und Reihe um Reihe geschlossen vorwärtsstreben, wird jede dieser Seelen gleich einem Tausend, und die brausenden Wogen dieses mächtigen Meeres werden den Bataillonen der himmlischen Heerscharen gleich. Was für ein Segen wird das sein – wenn alle zusammenkommen wie vormals getrennte Wildwasser, Flüsse und Bäche, Rinnsale und einzelne Tropfen. Sammeln sie sich an einem Platz, so bilden sie ein mächtiges Meer. In solchem Ausmaß wird sich da die Ureinheit aller Menschen durchsetzen, dass die Überlieferungen, Gewohnheiten, Gebräuche und Verschiedenheiten in dem wunderlichen Leben aller Völkerschaften in den Hintergrund treten und verschwinden, wie einzelne Tropfen vergehen, sobald das große Meer der Einheit braust und wallt und wogt.207:4Ich schwöre bei der Urewigen Schönheit: Überwältigende Gnade wird zu jener Zeit alle umschließen. Das Meer der Herrlichkeit wird so über die Ufer treten, dass die kleinste Pfütze zu einer endlosen See anschwillt und der winzigste Tropfen zur uferlosen Tiefe wächst.207:5O ihr Geliebten Gottes! Bemüht euch und strebt danach, diese hohe Stufe zu erreichen und so viel Glanz über die Erdenreiche zu verbreiten, dass seine Strahlen zurückgeworfen werden von einem Aufgangsort am Horizont der Ewigkeit. Dies ist die wahre Grundlage der Sache Gottes. Dies ist das Mark des Gesetzes Gottes. Dies ist das mächtige Bauwerk, das Gottes Manifestationen errichtet haben. Dafür geht die Sonne der Welt Gottes auf. Dafür setzt sich der Herr selbst auf den Thron Seines Menschenleibs.207:6O ihr Geliebten Gottes! Seht, wie der Erhabeneder Báb.A – mögen die Seelen aller auf Erden ein Lösegeld für Ihn sein – um dieser hehren Absicht willen Sein gesegnetes Herz zur Zielscheibe für die Speere des Leides machte. Und weil es der wahre Vorsatz der Urewigen Schönheit war – mögen die Seelen der himmlischen Heerscharen Opfer für Ihn sein – dieses selbe himmlische Ziel zu erreichen, entblößte der Erhabene Seine heilige Brust als Zielscheibe für eine Myriade Kugeln, die das Volk der Bosheit und des Hasses auf Ihn feuerte, und so starb Er in größter Demut den Märtyrertod. Im Staube dieses Pfades verströmten Tausende und Abertausende geheiligter Seelen ihr heiliges Blut, und unzählige Male ward der gesegnete Leib eines treu Liebenden Gottes am Galgen aufgehängt.207:7Die Schönheit Abhá – möge der Geist allen Seins für Seine Geliebten ein Opfer sein – ertrug alle Arten von Heimsuchungen und nahm schwere Leiden bereitwillig auf sich. Keine Qual, der Seine heilige Gestalt nicht ausgesetzt war, kein Leid, das nicht über Ihn gekommen wäre. Wie viele Nächte verbrachte Er schlaflos, als Er in Ketten lag, unter der Last des eisernen Ringes um Seinen Hals. Wie viele Tage ließ Ihm der brennende Schmerz der Pflöcke und Fesseln keinen Augenblick der Ruhe. Von Níyávarán nach Ṭihrán zwang man Ihn zu laufen – Ihn, den verkörperten Geist, der gewohnt war, auf bestickten Seidenkissen zu ruhen – in Ketten, ohne Schuhe und ohne Kopfbedeckung. Und tief unter der Erde, im undurchdringlichen Dunkel des engen Verlieses, kerkerte man Ihn ein, zusammen mit Mördern, Aufrührern und Dieben. Immer wieder überfiel man Ihn mit einer neuen Folter, und alle waren sicher, dass Er früher oder später den Märtyrertod erleiden würde. Später verbannte man Ihn aus Seiner Heimat und sandte Ihn in ferne, fremde Lande. Viele Jahre lang verging im ‘Iráq kein Augenblick, ohne dass der Pfeil eines neuen Leides Sein heiliges Herz durchbohrte. Mit jedem Atemzug senkte sich ein Schwert auf Seinen heiligen Leib, und keinen Augenblick konnte Er auf Sicherheit und Ruhe hoffen. Von allen Seiten richteten Seine Feinde ihren Angriff mit unstillbarem Hass gegen Ihn. Einsam und allein widerstand Er ihnen. Nach all den Verfolgungen und vernichtenden Schlägen vertrieben sie Ihn aus dem ‘Iráq, von Asien nach Europa, und dort, im bitteren Exil, in elender Not, kamen zu dem ganzen Unrecht, das Ihm das Volk des Qur’án antat, noch die boshaften Verfolgungen, die heftigen Angriffe, die Anschläge, Verleumdungen, ständigen Feindseligkeiten, der Hass und die Bosheit des Volkes des Bayán. Meiner Feder fehlt die Kraft, das alles zu beschreiben; aber ihr seid sicher davon unterrichtet. Und dann, nach vierundzwanzig Jahren im Größten Gefängnis, in großer Pein und schlimmem Leid, gingen Seine Tage zu Ende.207:8Fassen wir zusammen: Er, die Urewige Schönheit, war immer, während Seiner ganzen Tage in dieser vergänglichen Welt, entweder ein Gefangener in Ketten, oder Er lebte unter einem Schwert, war großem Leid und Schmerz ausgesetzt und im Größten Gefängnis eingekerkert. Durch Seine körperliche Schwäche, die Seine Leiden hervorgerufen hatten, war Sein gesegneter Leib nur noch ein Schatten; über dem anhaltenden Kummer war Er leicht geworden wie ein Spinnengewebe. Und der Grund, warum Er diese schwere Last auf sich nahm und all die Qual ertrug, die einem Meere gleich ihre Wellen hoch zum Himmel warf – der Grund, warum Er die schweren Eisenketten anlegte und die Verkörperung völliger Ergebung und Demut wurde, war, jede Seele auf Erden zu Eintracht, Mitgefühl und Einheit zu führen, unter allen Völkern das Zeichen der Einzigkeit Gottes kundzutun, damit endlich die ursprüngliche Einheit im Herzen aller erschaffenen Dinge ihre vorherbestimmte Frucht trage und der Glanz des »Keinen Unterschied kannst du in der Schöpfung des Gottes der Barmherzigkeit erkennen«Qur’án 67:3.
Q seine Strahlen allüberall verbreite.207:9Jetzt ist die Zeit für eifriges Bemühen, o ihr Geliebten des Herrn! Ringt und strebt! Und weil die Urewige Schönheit Tag und Nacht auf dem Felde des Martyriums allen Angriffen ausgesetzt war, lasst auch uns hart arbeiten, auf den Rat Gottes hören und darüber nachdenken; lasst uns das Leben hingeben und unserer kurzen, abgezählten Tage entsagen. Lasst uns den Blick wenden vom leeren Trug der bunten Formen dieser Welt, lasst uns stattdessen diesem überragenden Ziel, diesem großen Plan dienen. Lasst uns nicht unseres eigenen Wahnes wegen den Baum fällen, den die Hand himmlischer Gnade gepflanzt hat. Lasst uns nicht mit den dunklen Wolken unserer Trugbilder, unseren selbstischen Interessen, die Herrlichkeit löschen, die aus dem Reiche Abhá strömt. Lasst uns nicht Hindernisse sein, welche die brandende See des allmächtigen Gottes aufhalten. Lasst uns nicht die reinen, süßen Düfte aus dem Garten der allherrlichen Schönheit hindern, überallhin zu verströmen. Lasst uns nicht an diesem Tag der Wiedervereinigung den Frühlingsregen himmlischer Segnungen fernhalten. Lassen wir es nicht zu, dass der Sonnenglanz der Wahrheit jemals abnehme und verschwinde. So lauten die Ermahnungen Gottes, wie Er sie in Seinen Heiligen Büchern, Schriften und Sendschreiben niedergelegt hat, um Seine Ratschläge den Aufrichtigen bekanntzugeben.207:10Die Herrlichkeit, die Barmherzigkeit Gottes und Sein Segen seien mit euch.208208:1O ihr Diener an der heiligen Schwelle! Die siegreichen Scharen der himmlischen Heere stehen in den Reichen der Höhe bereit zum Streite. Sie warten darauf, dem tapferen Ritter, der sein Streitross voll Vertrauen auf das Feld des Dienens drängt, zum sicheren Sieg zu verhelfen. Wohl dem furchtlosen Kämpen, der, gerüstet mit der Macht wahrer Erkenntnis, auf das Schlachtfeld stürmt, die Heerhaufen der Unwissenheit zerstreut und die Truppen des Irrtums auseinanderjagt, das Banner göttlicher Führung emporhält und den Fanfarenstoß des Sieges erschallen lässt. Bei der Gerechtigkeit des Herrn! Er erringt einen herrlichen Triumph und den wahren Sieg.209209:1O ihr Diener der Gesegneten Schönheit! … Es ist klar, dass an diesem Tag Bestätigungen aus der unsichtbaren Welt alle jene umfangen, welche die göttliche Botschaft weitergeben. Sollte die Lehrarbeit aufhören, würden diese Bestätigungen gänzlich abgeschnitten; denn wenn sie nicht lehren, können die Geliebten Gottes keinen Beistand finden.
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