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206:10Lasst euer ganzes Streben dahin gehen, für jede Menschenseele, bekannt oder fremd, Gegner oder Mitstreiter, der Quell des Lebens und der Unsterblichkeit, des Friedens, des Wohlergehens und der Freude zu werden. Schaut nicht auf die Lauterkeit oder Unlauterkeit des Charakters; schaut auf die allumfassende Barmherzigkeit des Herrn, auf das Licht Seiner Gnade, das die ganze Erde mit allen, die darin wohnen, umschließt, auf die Fülle Seiner Freigebigkeit, in die alle eingetaucht sind, die Weisen wie die Unwissenden. An der Tafel Seiner Gunst sitzen Fremde und Freunde. Wie der Gläubige, so schöpft auch der Leugner, der sich von Gott abwendet, mit beiden Händen den Trank aus dem Meer Seines Segens.206:11Es ziemt den Geliebten des Herrn, Zeichen und Beweise Seiner allumfassenden Barmherzigkeit zu sein, Verkörperungen Seiner alles überragenden Gnade. Wie die Sonne sollen sie ihre Strahlen auf Gärten wie Schutthalden werfen, wie die Frühlingswolken ihren Regenschauer vergießen auf Blumen und Dornen. Lasst sie nur nach Liebe und Treue streben, lasst sie den Pfad der Unfreundlichkeit meiden, lasst ihre Rede beschränkt sein auf die Geheimnisse der Freundschaft und des Friedens. Das sind die Merkmale der Rechtschaffenen, das ist das Erkennungszeichen der Diener an Seiner Schwelle.206:12Die Schönheit Abhá erduldete die qualvollsten Trübsale. Er trug Pein und Unglück ohne Grenzen. Keinen Augenblick lebte Er in Frieden, keinen Atemzug lang fand Er Erleichterung. Heimatlos zog Er durch den Wüstensand und über Berghänge. Er war eingekerkert in einer Festung, einer Gefängniszelle. Aber für Ihn war Seine armselige Strohmatte ein unvergänglicher Thron der Herrlichkeit, Seine schweren Ketten waren Ihm Herrschergeschmeide. Tag und Nacht lebte Er unter einem sausenden Schwert, und jeden Augenblick war Er bereit, den Kreuzestod zu sterben. Er ertrug das alles, um die Welt zu läutern, um sie zu schmücken mit der sanften Gnade Gottes, des Herrn, um sie zu befrieden, um Kampf und Streit zu bannen, die Lanze und das scharfe Schwert gegen liebende Bruderschaft zu tauschen, Bosheit und Krieg in Sicherheit, Sanftmut und Liebe zu verwandeln, bis die Schlachtfelder des Hasses und des Zorns Gärten der Freude werden und dort, wo einst Heere blutig aufeinanderprallten, duftende Lustgärten entstehen, bis alle Kriegsführung als Schande gilt, jede Anwendung von Waffengewalt als widerliche Krankheit, gemieden von jedem Volk, bis der Weltfriede seine Zelte auf den höchsten Bergen errichtet und der Krieg auf ewig von der Erde verschwindet.206:13Deshalb müssen die Geliebten Gottes diesen Baum der Hoffnung mit den Wassern ihres ganzen Strebens fleißig nähren und pflegen. In welchem Land sie auch leben, lasst sie aus ganzem Herzen Freunde und Gefährten sein für alle, die ihnen nahe stehen oder ferne sind. Lasst sie mit himmelsgleichen Eigenschaften die Institutionen Gottes und Seine Religion fördern. Lasst sie nie den Mut verlieren, nie verzweifeln, nie sich niedergeschlagen fühlen. Je mehr Widerstand sie begegnen, desto mehr lasst sie ihren festen Glauben zeigen; je mehr Schmerz und Trübsal auf sie zukommen, desto freigebiger lasst sie allen den Kelch der Großmut reichen. Das ist der Geist, der der Welt neues Leben gibt, das ist das weithin strahlende Licht in seinem Wesenskern. Wer anders ist oder anders handelt, ist es nicht wert, an der Heiligen Schwelle des Herrn zu dienen.206:14O ihr Geliebten Gottes! Die Sonne der Wahrheit scheint aus unsichtbaren Himmeln hernieder. Seid euch des Wertes dieser Tage bewusst. Erhebt das Haupt und wachst, Zypressen gleich, an diesen strömenden Wassern. Freut euch der Narzisse von Najd und ihrer Schönheit; denn die Nacht wird kommen, und sie wird nicht mehr sein…206:15O ihr Geliebten Gottes! Gelobt sei Er, das leuchtende Banner des Bundes weht höher mit jedem Tag, wogegen die Flagge des Verrats niedergeholt wurde und auf Halbmast hängt. Die umnachteten Angreifer wurden bis ins Innerste erschüttert. Sie sind nunmehr wie zerstörte Grabstätten. Wie blinde Kreaturen, die unter der Erde hausen, kriechen und krabbeln sie um eine Ecke des Grabes; von Zeit zu Zeit kläffen und brüllen sie aus ihrem Loch heraus wie wilde Tiere. Ruhm sei Gott! Wie kann die Dunkelheit je das Licht besiegen? Wie kann der Strick des Zauberers »eine Schlange«
binden, »für alle deutlich sichtbar«
? »Sieh da! Sie verschlang ihre verlogenen Wunder.«Qur’án 26:32 … 26:45: Hinweis auf den Stab Mose und auf die Zauberer vor dem Thron des Pharao.
Wehe ihnen! Sie haben sich selbst mit einer Lüge getäuscht, und um ihrer Begierde zu frönen, haben sie ihr Ich aufgegeben. Ewige Herrlichkeit gaben sie preis für menschlichen Hochmut, die Erhabenheit beider Welten opferten sie den Wünschen des beharrenden Selbstes. Davor haben Wir euch gewarnt. Binnen kurzem werdet ihr die Toren in offensichtlichem Verlust sehen.206:16O mein Herr und meine Hoffnung! Hilf Du Deinen Geliebten, standhaft in Deinem mächtigen Bunde zu sein, Deiner offenbaren Sache treu zu bleiben und die Befehle auszuführen, die Du für sie in Deinem Buche der Herrlichkeit verzeichnet hast, damit sie Banner der Führung, Leuchten der himmlischen Heerscharen werden, Quellen Deiner unendlichen Weisheit und Sterne, die den rechten Weg weisen, aus Deinem überirdischen Himmel herniederstrahlend.206:17Du bist wahrlich der Unbesiegbare, der Allmächtige, der Allgewaltige.207207:1O ihr, die ihr euer Antlitz der Erhabenen Schönheit zuwendet! Bei Tag und Nacht, im Morgengrauen und bei Sonnenuntergang, wenn die Dunkelheit hereinbricht und wenn das erste Licht dämmert, gedenke ich wie eh und je in den Reichen meines Geistes und meines Herzens der Geliebten des Herrn. Ich bitte Ihn, Er möge Seine Bestätigungen ergießen über die Geliebten, die in jenem reinen, heiligen Lande wohnen, und ihnen in jeder Hinsicht Erfolg gewähren: Er helfe ihnen, sich mit ihrem Charakter, ihrem Verhalten, ihren Worten, ihrer Lebensweise, mit allem, was sie sind und tun, vor den Menschen auszuzeichnen; Er führe sie in die Weltgemeinde ein, mit Herzen voller Begeisterung, Eifer und sehnsüchtiger Liebe, mit Erkenntnis und Gewissheit, mit Standhaftigkeit und Einigkeit, mit Angesichtern von strahlender Schönheit.207:2O ihr Geliebten des Herrn! Dies ist der Tag der Vereinigung, der Tag der Ernte für die ganze Menschheit. »Wahrlich, Gott liebt die, welche in geschlossener Front für Seine Sache kämpfen, als wären sie ein fester Wall.«Qur’án 61:4.
Q – Beachtet, dass Er sagt: »in geschlossener Front«. Das bedeutet dichtgedrängt, jeder dem anderen untergehakt, jeder seinen Gefährten beistehend. Kämpfen, wie es in dem heiligen Vers heißt, bedeutet in dieser größten aller Sendungen nicht, mit Schwert und Speer, mit Lanze und durchbohrenden Pfeilen voranzustürmen, sondern bewaffnet zu sein mit reiner Absicht, mit rechtschaffenen Motiven, mit hilfreichen, wirksamen Ratschlägen, mit göttlichen Eigenschaften, mit Taten, die dem Allmächtigen wohlgefallen, mit den Tugenden des Himmels. Es bedeutet: die ganze Menschheit erziehen, alle Menschen führen, die süßen Düfte des Geistes weltweit verbreiten, die Beweise Gottes darlegen, schlüssige göttliche Argumente vorbringen sowie barmherzige Taten verüben.207:3Wann immer heilige Seelen, gestärkt von den Kräften des Himmels, sich mit solchen Tugenden des Geistes erheben und Reihe um Reihe geschlossen vorwärtsstreben, wird jede dieser Seelen gleich einem Tausend, und die brausenden Wogen dieses mächtigen Meeres werden den Bataillonen der himmlischen Heerscharen gleich. Was für ein Segen wird das sein – wenn alle zusammenkommen wie vormals getrennte Wildwasser, Flüsse und Bäche, Rinnsale und einzelne Tropfen. Sammeln sie sich an einem Platz, so bilden sie ein mächtiges Meer. In solchem Ausmaß wird sich da die Ureinheit aller Menschen durchsetzen, dass die Überlieferungen, Gewohnheiten, Gebräuche und Verschiedenheiten in dem wunderlichen Leben aller Völkerschaften in den Hintergrund treten und verschwinden, wie einzelne Tropfen vergehen, sobald das große Meer der Einheit braust und wallt und wogt.207:4Ich schwöre bei der Urewigen Schönheit: Überwältigende Gnade wird zu jener Zeit alle umschließen. Das Meer der Herrlichkeit wird so über die Ufer treten, dass die kleinste Pfütze zu einer endlosen See anschwillt und der winzigste Tropfen zur uferlosen Tiefe wächst.207:5O ihr Geliebten Gottes! Bemüht euch und strebt danach, diese hohe Stufe zu erreichen und so viel Glanz über die Erdenreiche zu verbreiten, dass seine Strahlen zurückgeworfen werden von einem Aufgangsort am Horizont der Ewigkeit. Dies ist die wahre Grundlage der Sache Gottes. Dies ist das Mark des Gesetzes Gottes. Dies ist das mächtige Bauwerk, das Gottes Manifestationen errichtet haben. Dafür geht die Sonne der Welt Gottes auf. Dafür setzt sich der Herr selbst auf den Thron Seines Menschenleibs.207:6O ihr Geliebten Gottes! Seht, wie der Erhabeneder Báb.A – mögen die Seelen aller auf Erden ein Lösegeld für Ihn sein – um dieser hehren Absicht willen Sein gesegnetes Herz zur Zielscheibe für die Speere des Leides machte. Und weil es der wahre Vorsatz der Urewigen Schönheit war – mögen die Seelen der himmlischen Heerscharen Opfer für Ihn sein – dieses selbe himmlische Ziel zu erreichen, entblößte der Erhabene Seine heilige Brust als Zielscheibe für eine Myriade Kugeln, die das Volk der Bosheit und des Hasses auf Ihn feuerte, und so starb Er in größter Demut den Märtyrertod. Im Staube dieses Pfades verströmten Tausende und Abertausende geheiligter Seelen ihr heiliges Blut, und unzählige Male ward der gesegnete Leib eines treu Liebenden Gottes am Galgen aufgehängt.207:7Die Schönheit Abhá – möge der Geist allen Seins für Seine Geliebten ein Opfer sein – ertrug alle Arten von Heimsuchungen und nahm schwere Leiden bereitwillig auf sich. Keine Qual, der Seine heilige Gestalt nicht ausgesetzt war, kein Leid, das nicht über Ihn gekommen wäre. Wie viele Nächte verbrachte Er schlaflos, als Er in Ketten lag, unter der Last des eisernen Ringes um Seinen Hals. Wie viele Tage ließ Ihm der brennende Schmerz der Pflöcke und Fesseln keinen Augenblick der Ruhe. Von Níyávarán nach Ṭihrán zwang man Ihn zu laufen – Ihn, den verkörperten Geist, der gewohnt war, auf bestickten Seidenkissen zu ruhen – in Ketten, ohne Schuhe und ohne Kopfbedeckung. Und tief unter der Erde, im undurchdringlichen Dunkel des engen Verlieses, kerkerte man Ihn ein, zusammen mit Mördern, Aufrührern und Dieben. Immer wieder überfiel man Ihn mit einer neuen Folter, und alle waren sicher, dass Er früher oder später den Märtyrertod erleiden würde. Später verbannte man Ihn aus Seiner Heimat und sandte Ihn in ferne, fremde Lande. Viele Jahre lang verging im ‘Iráq kein Augenblick, ohne dass der Pfeil eines neuen Leides Sein heiliges Herz durchbohrte. Mit jedem Atemzug senkte sich ein Schwert auf Seinen heiligen Leib, und keinen Augenblick konnte Er auf Sicherheit und Ruhe hoffen. Von allen Seiten richteten Seine Feinde ihren Angriff mit unstillbarem Hass gegen Ihn. Einsam und allein widerstand Er ihnen. Nach all den Verfolgungen und vernichtenden Schlägen vertrieben sie Ihn aus dem ‘Iráq, von Asien nach Europa, und dort, im bitteren Exil, in elender Not, kamen zu dem ganzen Unrecht, das Ihm das Volk des Qur’án antat, noch die boshaften Verfolgungen, die heftigen Angriffe, die Anschläge, Verleumdungen, ständigen Feindseligkeiten, der Hass und die Bosheit des Volkes des Bayán. Meiner Feder fehlt die Kraft, das alles zu beschreiben; aber ihr seid sicher davon unterrichtet. Und dann, nach vierundzwanzig Jahren im Größten Gefängnis, in großer Pein und schlimmem Leid, gingen Seine Tage zu Ende.207:8Fassen wir zusammen: Er, die Urewige Schönheit, war immer, während Seiner ganzen Tage in dieser vergänglichen Welt, entweder ein Gefangener in Ketten, oder Er lebte unter einem Schwert, war großem Leid und Schmerz ausgesetzt und im Größten Gefängnis eingekerkert. Durch Seine körperliche Schwäche, die Seine Leiden hervorgerufen hatten, war Sein gesegneter Leib nur noch ein Schatten; über dem anhaltenden Kummer war Er leicht geworden wie ein Spinnengewebe. Und der Grund, warum Er diese schwere Last auf sich nahm und all die Qual ertrug, die einem Meere gleich ihre Wellen hoch zum Himmel warf – der Grund, warum Er die schweren Eisenketten anlegte und die Verkörperung völliger Ergebung und Demut wurde, war, jede Seele auf Erden zu Eintracht, Mitgefühl und Einheit zu führen, unter allen Völkern das Zeichen der Einzigkeit Gottes kundzutun, damit endlich die ursprüngliche Einheit im Herzen aller erschaffenen Dinge ihre vorherbestimmte Frucht trage und der Glanz des »Keinen Unterschied kannst du in der Schöpfung des Gottes der Barmherzigkeit erkennen«Qur’án 67:3.
Q seine Strahlen allüberall verbreite.207:9Jetzt ist die Zeit für eifriges Bemühen, o ihr Geliebten des Herrn! Ringt und strebt! Und weil die Urewige Schönheit Tag und Nacht auf dem Felde des Martyriums allen Angriffen ausgesetzt war, lasst auch uns hart arbeiten, auf den Rat Gottes hören und darüber nachdenken; lasst uns das Leben hingeben und unserer kurzen, abgezählten Tage entsagen. Lasst uns den Blick wenden vom leeren Trug der bunten Formen dieser Welt, lasst uns stattdessen diesem überragenden Ziel, diesem großen Plan dienen. Lasst uns nicht unseres eigenen Wahnes wegen den Baum fällen, den die Hand himmlischer Gnade gepflanzt hat. Lasst uns nicht mit den dunklen Wolken unserer Trugbilder, unseren selbstischen Interessen, die Herrlichkeit löschen, die aus dem Reiche Abhá strömt. Lasst uns nicht Hindernisse sein, welche die brandende See des allmächtigen Gottes aufhalten. Lasst uns nicht die reinen, süßen Düfte aus dem Garten der allherrlichen Schönheit hindern, überallhin zu verströmen. Lasst uns nicht an diesem Tag der Wiedervereinigung den Frühlingsregen himmlischer Segnungen fernhalten. Lassen wir es nicht zu, dass der Sonnenglanz der Wahrheit jemals abnehme und verschwinde. So lauten die Ermahnungen Gottes, wie Er sie in Seinen Heiligen Büchern, Schriften und Sendschreiben niedergelegt hat, um Seine Ratschläge den Aufrichtigen bekanntzugeben.207:10Die Herrlichkeit, die Barmherzigkeit Gottes und Sein Segen seien mit euch.208208:1O ihr Diener an der heiligen Schwelle! Die siegreichen Scharen der himmlischen Heere stehen in den Reichen der Höhe bereit zum Streite. Sie warten darauf, dem tapferen Ritter, der sein Streitross voll Vertrauen auf das Feld des Dienens drängt, zum sicheren Sieg zu verhelfen. Wohl dem furchtlosen Kämpen, der, gerüstet mit der Macht wahrer Erkenntnis, auf das Schlachtfeld stürmt, die Heerhaufen der Unwissenheit zerstreut und die Truppen des Irrtums auseinanderjagt, das Banner göttlicher Führung emporhält und den Fanfarenstoß des Sieges erschallen lässt. Bei der Gerechtigkeit des Herrn! Er erringt einen herrlichen Triumph und den wahren Sieg.209209:1O ihr Diener der Gesegneten Schönheit! … Es ist klar, dass an diesem Tag Bestätigungen aus der unsichtbaren Welt alle jene umfangen, welche die göttliche Botschaft weitergeben. Sollte die Lehrarbeit aufhören, würden diese Bestätigungen gänzlich abgeschnitten; denn wenn sie nicht lehren, können die Geliebten Gottes keinen Beistand finden.209:2Unter allen Bedingungen muss die Lehrarbeit vorangetragen werden, aber es muss mit Weisheit sein. Kann die Arbeit nicht öffentlich geschehen, so lehrt privat und bewirkt auf diese Weise Geistigkeit und Bruderschaft unter den Menschenkindern. Wird beispielsweise jeder einzelne Gläubige einem gleichgültigen Menschen zum wahren Freund, indem er sich absolut rechtschaffen benimmt, mit dieser Seele Umgang pflegt, sie mit äußerster Freundlichkeit behandelt und selbst ein Beispiel gibt für die göttlichen Lehren, die guten Eigenschaften und Verhaltensmuster, die er empfangen, handelt er zu jeder Zeit in Übereinstimmung mit den Ermahnungen Gottes, so wird er sicher nach und nach Erfolg haben, diesen vormals achtlosen Menschen erwecken und seine Unwissenheit in die Erkenntnis der Wahrheit verwandeln.209:3Die Seelen neigen zur Entfremdung. Zuerst sollten Schritte unternommen werden, diese Entfremdung zu beseitigen; nur dann wird das Wort wirken. Wenn ein Gläubiger einem Gleichgültigen freundlich begegnet, wenn er ihm mit großer Liebe langsam zum Verständnis der Heiligen Sache und ihrer Gültigkeit verhilft, so dass er allmählich über die Grundlagen des Gottesglaubens und über die Folgerungen daraus Wissen erlangt, so wird sich dieser Mensch bestimmt verändern – ausgenommen einige selten anzutreffende Personen, die wie Asche sind, mit Herzen »hart wie Stein oder noch härter«Qur’án 2:74.
Q.209:4Bemüht sich jeder der Freunde in dieser Weise, eine einzige Seele rechtzuleiten, so verdoppelt sich die Zahl der Gläubigen jedes Jahr. Das kann durch Klugheit und Weisheit vollbracht werden; keinerlei Schaden kann daraus entstehen.209:5Außerdem müssen die Lehrer umherreisen. Sollte die öffentliche Verbreitung der Botschaft zu Unruhen führen, so lasst sie stattdessen die Gläubigen anspornen und schulen, sie begeistern und entzücken, ihre Herzen erfreuen, sie beleben und mit dem süßen Duft der Heiligkeit erquicken.210210:1O ihr Rosen im Garten der Liebe Gottes! O ihr strahlenden Leuchten in der Versammlung Seiner Erkenntnis! Gottes sanfter Atem wehe über euch, Gottes Herrlichkeit erleuchte den Horizont eurer Herzen! Ihr seid die Wogen der tiefen See des Wissens, ihr seid die vereinigte Streitmacht auf dem Schlachtfeld der Gewissheit, ihr seid die Sterne am Himmel göttlichen Erbarmens, ihr seid die Steine, die das Volk der Verdammnis in die Flucht schlagen, ihr seid Regenwolken göttlichen Mitleids über den Gärten des Lebens, ihr seid die unendliche Gnade der Einheit Gottes, die über die Wirklichkeiten alles Erschaffenen verströmt ward.210:2Auf der enthüllten Tafel dieser Welt seid ihr die Verse Seiner Einzigkeit, auf den hohen Zinnen der Paläste seid ihr die Banner des Herrn. In Seinen Lauben seid ihr die Blüten und süßduftenden Kräuter, im Rosengarten des Geistes die Nachtigallen, die ihre Klagelieder flöten. Ihr seid die Vögel, die sich aufschwingen zum Firmament der Erkenntnis, die königlichen Falken auf Gottes Arm.210:3Warum seid ihr da bedrückt und stumm, warum träge und schwerfällig? Ihr müsst aufleuchten wie der Blitz und donnern wie die mächtige See. Wie eine Kerze müsst ihr euer Licht verströmen, wie Gottes sanfte Brise müsst ihr über die Welt wehen. Wie süßer Duft aus himmlischen Gemächern, wie moschusschwere Winde aus den Gärten des Herrn müsst ihr die Atemluft für das Volk der Erkenntnis würzen, wie der Glanz der wahren Sonne müsst ihr der Menschheit Herz erleuchten; denn ihr seid die lebenspendenden Winde, ihr seid der Jasminduft aus den Gärten der Erlösten. So bringt den Toten Leben, erweckt die Schlummernden. Seid leuchtende Flammen im Dunkel der Welt; seid Quellen des Lebenswassers, seid göttliche Führung in der Wüste des Verderbens. Jetzt ist die Zeit des Dienens, jetzt ist die Zeit, entflammt zu sein. Erkennt den Wert dieser Gelegenheit, dieses günstigen Augenblicks, bevor er euch aus den Händen gleitet.210:4Bald wird unsere Handvoll Tage, unser vergängliches Leben, vorüber sein. Mit leeren Händen fahren wir in die Grube, die für die Verstummten ausgehoben wird. Deshalb müssen wir unsere Herzen an die offenbare Schönheit binden und uns klammern an die Rettungsleine, die nie versagt. Wir müssen uns zum Dienste rüsten, die Flamme der Liebe entzünden und in ihrer Glut verbrennen. Wir müssen unsere Zungen lösen, bis wir das Herz der weiten Welt in Brand setzen, mit den leuchtenden Strahlen der Führung die Heere der Nacht vertilgen und um Seinetwillen unser Leben auf dem Feld des Opfers von uns werfen.210:5So lasst uns die Juwelenschätze der Gotterkenntnis über alle Völker ausstreuen, mit der scharfen Klinge der Zunge, mit des Wissens zielsicheren Pfeilen lasst uns die Scharen des Selbstes und der Leidenschaft überwinden und vorwärts stürmen zur Stätte des Martyriums, dem Ort, wo wir für den Herrn sterben. Und mit fliegenden Fahnen, unter Trommelwirbel lasst uns sodann hinüberschreiten ins Reich des Allherrlichen und uns den himmlischen Heerscharen anschließen.210:6Wohl denen, die große Taten vollbringen!211211:1Wenn die Freunde sich nicht bemühen, die Botschaft zu verbreiten, gedenken sie Gottes nicht auf angemessene Weise; sie werden die Zeichen des Beistands und der Bestätigung aus dem Reich Abhá nicht sehen und die göttlichen Geheimnisse nicht verstehen. Wenn jedoch die Zunge lehrt, wird auf natürliche Weise der Lehrer selbst angeregt; er wird zum Magneten für die göttliche Hilfe und die Gnadengaben des Königreiches. Es ergeht ihm wie dem Vogel, der zur Stunde der Morgendämmerung durch seinen eigenen Gesang, sein Trillern und sein Lied hochgestimmt wird.212212:1Bei solchen Gelegenheiten nutzen die Freunde Gottes die Gunst der Stunde, sie erfassen ihre Chance, stürmen vorwärts und gewinnen den Siegespreis. Wird ihre Aufgabe auf gutes Benehmen und Ratschläge beschränkt, so kommt nichts zustande. Sie müssen frei heraus reden, die Beweise darlegen, klare Argumente vorbringen, unwiderlegbare Schlüsse ziehen und damit die Wahrheit untermauern, dass die Sonne der Wirklichkeit sich offenbart hat.213213:1Unter allen Umständen sollten die Gläubigen die Lehrarbeit aktiv vorantreiben, weil die göttlichen Bestätigungen davon abhängen. Wenn sich ein Bahá’í nicht gänzlich, nachhaltig und aus vollem Herzen der Lehrarbeit widmet, bleibt er zweifelsohne des Segens aus dem Reich Abhá beraubt. Allerdings sollte diese Tätigkeit durch Weisheit gezügelt werden – nicht durch jene Weisheit, die verstummen und die hohe Pflicht vergessen lässt, vielmehr durch die Weisheit, welche göttliche Toleranz, Liebe, Güte, Geduld, guten Charakter, und geheiligte Taten darzutun gebietet. Kurz gesagt, ermutigt jeden einzelnen Freund, Gottes Sache zu lehren, und lenkt ihre Aufmerksamkeit auf diese in den Schriften dargelegte Bedeutung der Weisheit; sie ist das Wesen des Lehrens. Aber all das muss mit größter Toleranz geschehen, damit die Freunde himmlischen Beistand und göttliche Bestätigung erfahren.
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