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220:4Wenn es eine Hoffnung gibt, so liegt sie einzig und allein in Gottes Großmut: dass Seine bestärkende Gnade komme, dass Kampf und Streit aufhören, dass die beißende Schärfe bluttriefenden Stahls in den Honigtau der Freundschaft, der Redlichkeit und des Vertrauens verwandelt werde. Wie süß läge dieser Tag auf der Zunge, wie moschusgleich wäre sein Duft!220:5Gebe Gott, dass das neue Jahr die Verheißung des neuen Friedens bringe. Möge Er diese erlesene Versammlung befähigen, einen gerechten Vertrag zu schließen und ein wahres Bündnis zu errichten, damit ihr für immer gesegnet seid, bis in die fernste Zukunft hinein.221221:1O ihr, die ihr im Bündnis standhaft seid! Der Pilger hat jeden von euch erwähnt; er bat um einen besonderen Brief für jeden von euch, aber tausend Sorgen und Belange hindern diesen Wanderer in der Wildnis der Gottesliebe, und weil aus dem Osten und Westen der Erde eine Sturzflut von Briefen auf ihn herabregnet, wäre es unmöglich, jedem eine besondere Botschaft zu schicken. Deshalb ist dieser eine Brief an jeden von euch gerichtet. Möge er wie versiegelter Wein eure Seelen erfreuen und eure Herzen erwärmen.221:2O ihr standhaften Geliebten! Wie Frühlingsregen geht Gottes Gnade auf die Menschheit nieder. Der Strahlenglanz des offenbaren Lichtes lässt den Himmel die Erde beneiden. Aber ach! Die Blinden erkennen diesen Segen nicht, den Achtlosen ist er verschlossen, die Ausgemergelten verlieren die Hoffnung, die Dahinsiechenden sterben hinweg, so dass dieser endlose Gnadenstrom wie flutendes Wasser zurück zu seinem Ursprung in einem verborgenen Meer fließt. Nur einige wenige empfangen diese Gnade und nehmen ihren Anteil. Deshalb wollen wir unsere Hoffnung auf alles setzen, was der starke Arm des Geliebten hervorbringen kann.221:3Wir vertrauen darauf, dass die Zeit kommen wird, da die Schläfer erwachen, die Achtlosen bewusst und die Ausgeschlossenen in die Geheimnisse eingeweiht werden. Jetzt müssen die Freunde mit Herz und Seele weiterarbeiten. Sie müssen große Anstrengungen unternehmen, bis die Mauern der Zwietracht geschleift sind und die Einheit der Menschheit in ihrer Herrlichkeit alle Menschen zur Einigkeit führt.221:4Die allüberragende Notwendigkeit ist heutzutage Einheit und Eintracht unter den Geliebten des Herrn. Sie müssen untereinander ein Herz und eine Seele sein. Sie müssen, soweit es in ihren Kräften steht, der Feindseligkeit aller Völker der Welt vereint widerstehen. Sie müssen die dummen Vorurteile aller Nationen und Religionen beseitigen und jedem Mitglied der menschlichen Gattung bekannt machen, dass alle die Blätter eines Zweiges, die Früchte eines Astes sind.221:5Wie aber können die Freunde andere zu Eintracht und Frieden rufen, ehe sie selbst untereinander nicht vollkommen einig sind? – Wie kann je hoffen, wer nicht sucht noch strebt, – dass andre im Glauben er neu belebt?221:6Denkt über andere, nichtmenschliche Lebensformen nach und lasst euch ermahnen: Wolken, die auseinanderdriften, können den Segen des Regens nicht erbringen; sie sind bald verloren. Eine verstreute Schafherde fällt dem Wolf zur Beute. Alleinfliegende Vögel fängt schnell der Habicht. Was gibt es für eine bessere Beweisführung, dass Einheit zu blühendem Leben führt, während Uneinigkeit und Abkehr von den anderen nur ins Elend stürzt, denn das ist der sichere Weg zu bitterer Enttäuschung und Vernichtung.221:7Gottes heilige Manifestationen wurden herniedergesandt, die Einheit der Menschheit sichtbar zu machen. Sie erduldeten unzählige Übel und grenzenloses Leid, damit sich eine Gemeinde aus den auseinanderstrebenden Völkern der Menschheit im Schatten des Gotteswortes sammle, als ein Ganzes bestehe und auf Erden voll Freude und Anmut die Einheit der Menschheit vorlebe. Deshalb muss es das Verlangen der Freunde sein, alle Völker zusammenzubringen und zu vereinen, auf dass alle einen tiefen Zug reinen Weines aus dem Kelch tun, der »gekühlt ward an der Kampferquelle«Qur’án 76:5.
Q. Lasst sie die unterschiedlichen Volksgruppen zu einem Ganzen verschmelzen und die feindlichen, mordlustigen Geschlechter auf Erden dazu bringen, dass sie einander lieben. Lasst sie die Sklaven sinnlicher Wünsche aus ihren Fesseln lösen und die Ausgestoßenen mit den Geheimnissen vertraut machen. Lasst sie den Beraubten ihren Anteil an dem Segen dieser Tage geben, lasst sie die Mittellosen zu dem unerschöpflichen Schatz führen. Zustandekommen kann diese Gnade durch Worte, Lebensweisen und Taten, die dem Unsichtbaren Gottesreich zugehören; anders wird nichts daraus.221:8Gottes Bestätigungen sind die Bürgschaft für diesen Segen. Gottes heilige Freigebigkeit schenkt diese großen Gaben. Die Freunde Gottes werden vom Reich der Höhe unterstützt; sie erringen ihre Siege durch die Heeresmacht der höchsten Führung. So wird für sie jede Schwierigkeit erleichtert, jedes Problem einfach zu lösen.221:9Beachtet, wie leicht sich die Angelegenheiten einer Familie regeln lassen, wenn Einheit herrscht, welche Fortschritte die Familienmitglieder dann machen, wie erfolgreich sie in der Welt sind. Ihre Beziehungen sind geordnet, sie erfreuen sich behaglicher Ruhe. Sie sind ohne Sorge, ihre Stellung ist gesichert, sie werden von allen beneidet. Mit jedem Tag festigt eine solche Familie ihre Stellung und mehrt ihre dauernde Ehre. Und wenn wir den Bereich der Einheit ein wenig ausweiten, um die Bewohner eines Dorfes einzubeziehen, die sich bemühen, liebevoll und einig zu sein, die miteinander verkehren und freundlich zueinander sind, was für große Fortschritte werden sie machen, wie sicher und behütet werden sie sein! Dann lasst uns den Kreis noch ein bisschen weiter ziehen, lasst uns die Bewohner einer Stadt nehmen, alle zusammen: Wenn sie untereinander starke Bande der Einheit aufrichten, wie groß werden dann selbst in kurzer Zeit ihre Fortschritte sein! Welche Macht werden sie ausüben! Wird der Bereich der Einheit noch weiter ausgedehnt, stimmen also die Einwohner eines ganzen Landes ihre Herzen friedvoll, sehnen sie sich mit Herz und Seele danach, zusammenzuarbeiten und in Einheit zu leben, werden sie zueinander freundlich und liebevoll, so wird dieses Land unvergängliche Freude und bleibenden Ruhm erlangen. Es wird Frieden haben und Wohlstand im Überfluss.221:10Beachtet: Kämen alle Sippen, Stämme, Gemeinden, Nationen, Länder und Gebiete auf Erden im einfarbigen Zelt der Einheit der Menschheit zusammen, verkündeten sie im blendend hellen Sonnenlicht der Wahrheit die Welteinheit der Menschen, könnten sie alle Nationen und Glaubensgemeinschaften dazu bringen, weit die Arme füreinander zu öffnen, einen Weltrat einzuberufen und dazu überzugehen, die Gesellschaftsmitglieder durch feste gegenseitige Bande aneinanderzubinden, was würde dann geschehen? Ohne jeden Zweifel erschiene dann der göttliche Geliebte in all Seiner liebreizenden Schönheit, in all Seiner Herrlichkeit vor der Versammlung der Welt, und in Seinem Gefolge eine starke Heerschar himmlischer Bestätigungen sowie menschlicher Segnungen und Gnadengaben.221:11Deshalb, o ihr Geliebten des Herrn, strengt euch an, tut alles, was in eurer Macht steht, damit ihr eins seid und jeder mit den anderen in Frieden lebt; denn ihr seid alle Tropfen eines Meeres, Blätter eines Baumes, Perlen einer Muschel, Blumen und Kräuter eines Gartens. Und während ihr das erreicht, bemüht euch, die Herzen der Anhänger anderer Glaubensrichtungen zu vereinen.221:12Selbst das Leben müsst ihr füreinander geben. Zu jedem menschlichen Wesen müsst ihr unendlich freundlich sein. Nennt keinen einen Fremdling, haltet keinen für euren Feind. Verhaltet euch, als wären alle Menschen eure engen Verwandten und verehrten Freunde. Wandelt in einer Weise, dass sich diese vergängliche Welt in Herrlichkeit verklärt, dieser elende Haufen Staub zum Palast der Freude wird. Das ist der Rat ‘Abdu’l-Bahás, des unglücklichen Dieners.222222:1O ihr heimatlosen Wanderer auf dem Pfade Gottes! Wohlstand, Zufriedenheit und Freiheit, so wünschenswert und förderlich sie für das Glück des Menschenherzens auch sind, lassen sich auf keine Weise mit den Prüfungen der Heimatlosigkeit und des Ungemachs auf dem Pfade Gottes vergleichen; denn solche Vertreibung und Verbannung sind mit göttlicher Gnade gesegnet und ziehen sicherlich die Barmherzigkeit der Vorsehung nach sich. Das Wohlbefinden im eigenen Heim und die süße Freiheit von allen Sorgen werden vergehen, aber der Segen der Heimatlosigkeit wird ewig währen; seine weitreichenden Folgen werden eines Tages offenbar.222:2Abrahams Auszug aus Seinem Heimatland offenbarte die segensreichen Gaben des Allherrlichen, und der Untergang von Kanaans hellstem Stern enthüllte Josefs Strahlenglanz vor aller Augen. Die Flucht Mose, des Propheten am Sinai, offenbarte die Feuerflamme des Herrn, und Jesu Aufstieg hauchte der Welt den Odem des Heiligen Geistes ein. Der Aufbruch Muḥammads, des Geliebten Gottes, aus Seiner Geburtsstadt führte zur Erhöhung von Gottes heiligem Wort, und die Verbannung der Geheiligten Schönheit bewirkte, dass das Licht Seiner göttlichen Offenbarung sich allenthalben ausbreitete.222:3Merke auf, o Volk der Einsicht!223223:1O ihr Söhne und Töchter des Königreichs! Euer Brief ist angekommen. Sein Inhalt zeigt, dass eure Herzen – Preis sei Gott – überaus rein sind und eure Seelen sich Gottes froher Botschaft erfreuen. Die Masse des Volkes ist mit ihrem Selbst und mit weltlichen Wünschen beschäftigt, eingetaucht in das Meer der niederen Welt, gefangen in der Welt der Natur. Ausgenommen sind die Seelen, die von den Ketten und Fesseln der stofflichen Welt befreit sind und pfeilschnell wie die Vögel in dieses Reich grenzenloser Weite emporsteigen. Sie sind erweckt und achtsam; sie meiden das Dunkel der Naturwelt. Ihr höchster Wunsch ist darauf gerichtet, den Kampf ums Dasein zwischen den Menschen auszurotten, Geistigkeit und Liebe zum Reich der Höhe auszustrahlen, innigste Zuneigung unter den Völkern zu üben, eine enge, vertraute Verbindung zwischen den Religionen zu verwirklichen und das Ideal der Selbstaufopferung in die Tat umzusetzen. So wird die Menschenwelt in das Reich Gottes verwandelt.223:2O ihr Freunde! Bemüht euch mit ganzer Kraft! Jede Ausgabe setzt eine Einnahme voraus. In der heutigen Menschenwelt machen die Leute unaufhörlich nur Ausgaben; denn Krieg ist nichts als fortwährender Verbrauch an Menschen und Wohlstand. Ihr aber sollt euch mit dem befassen, was der Menschenwelt Gewinn einbringt, damit ihr diesen großen Verlust zu einem Teil ausgleicht. Durch die göttlichen Bestätigungen werdet ihr von ungefähr Beistand erhalten, wenn ihr Freundschaft und Eintracht unter den Menschen verbreitet, Feindschaft durch Liebe ersetzt, dem Weltkrieg den Weltfrieden folgen lasst und Verlust und Hass in Gewinn und Liebe umformt. Dieser Wunsch wird durch die Macht des Gottesreiches verwirklicht werden.224224:1O du Diener Gottes! Dein Brief ist angekommen. Sein Inhalt war edel und erhaben, sein Ziel hochgesteckt und weitreichend. Die Menschenwelt bedarf umfassender Verbesserungen; denn sie ist ein materieller Urwald, in dem Bäume ohne Frucht und nutzlose Unkräuter wuchern. Wenn es darin überhaupt einen fruchtbaren Baum gibt, überschatten ihn die fruchtlosen Bäume, und wenn eine Blume in diesem Urwald wächst, ist sie versteckt und verborgen. Die Welt der Menschheit braucht fachkundige Gärtner, die diese Wälder in herrliche Rosengärten verwandeln, die wilden Bäume durch fruchtbare ersetzen und statt des nutzlosen Unkrauts Rosen und duftende Kräuter pflanzen. Diese tatkräftigen, umsichtigen Seelen ruhen weder bei Tag noch bei Nacht; sie streben danach, eng mit dem Reich Gottes verbunden zu sein. So werden sie für diese Wälder zu Offenbarungen grenzenloser Wohltat und zu idealen Gärtnern. Auf diese Weise wird die Menschenwelt völlig verwandelt, und die segensreichen Gnadengaben werden sichtbar.225225:1O Heerscharen des Reiches Abhá! Zwei Aufrufe zu Erfolg und Wohlfahrt erschallen von den Höhen des Glücks für die Menschheit. Sie erwecken die Schläfer, sie verleihen den Blinden Sehkraft, den Achtlosen Bewusstheit, den Tauben Gehör, sie lösen den Stummen die Zunge und rufen die Toten ins Leben zurück.225:2Der eine ist der Ruf der Zivilisation, des Fortschritts in der stofflichen Welt. Er betrifft die Welt der Erscheinung; er fördert die Grundlagen materieller Errungenschaften und ist der Lehrmeister für die naturwissenschaftlichen Kenntnisse der Menschheit. Er umfasst die Gesetze, Ordnungen, Künste und Wissenschaften, durch die sich die Menschenwelt entwickelt. Diese Gesetze und Ordnungen sind die Folge edler Ideale und das Ergebnis des gesunden Menschenverstands; auf das Feld des Daseins sind sie durch die Bemühungen der Weisen und Gebildeten aus früher und späterer Zeit getreten. Verkünder und Vollstrecker dieses Rufes ist die gerechte Staatsmacht.225:3Das andere ist der seelenbewegende Ruf Gottes, dessen geistige Lehren die ewige Herrlichkeit, das ewige Glück und die ewige Erleuchtung der Menschenwelt sichern und die Eigenschaften der Barmherzigkeit in der Menschenwelt wie auch im jenseitigen Leben offenbaren.225:4Dieser zweite Ruf beruht auf den Lehren und Ermahnungen des Herrn, auf den Warnungen und selbstlosen Empfindungen aus dem Reich der Sittlichkeit, die wie ein helles Licht die Lampe menschlicher Wirklichkeiten zum Strahlen bringen. Seine durchdringende Kraft ist das Wort Gottes.225:5Solange jedoch materielle Errungenschaften, naturwissenschaftliche Kenntnisse und menschliche Tugenden noch nicht durch geistige Vollkommenheiten, strahlende Eigenschaften und Kennzeichen der Barmherzigkeit verstärkt sind, bringen sie keine Frucht und kein Ergebnis; auch bewirken sie nicht der Menschheit Glück, welches doch das letzte Ziel ist. Denn obwohl einerseits die materiellen Errungenschaften und die Entwicklung der stofflichen Welt zu einem Wohlstand führen, der die gesteckten Ziele vorzüglich offenbart, drohen daraus doch andererseits Gefahren, schweres Unheil und gewaltige Not.225:6Wenn du demnach dein Augenmerk auf das geordnete Muster der Königreiche, Städte und Dörfer richtest und siehst, wie reizvoll sie geschmückt sind, wie frisch ihre natürlichen Hilfsquellen sind, wie hoch ihre Technik entwickelt ist, wie leicht ihr Verkehr fließt, welch umfangreiches Wissen über die Welt der Natur verfügbar ist, wie groß die Erfindungen, wie riesig die Unternehmen, wie vortrefflich die Entdeckungen und wissenschaftlichen Forschungen sind, so magst du daraus schließen, dass die Zivilisation der Menschenwelt zu Glück und Fortschritt gereicht. Wendest du die Augen jedoch darauf, dass Höllenmaschinen entwickelt, Zerstörungskräfte entfaltet und Kriegsgeräte erfunden werden, die den Baum des Lebens mit der Wurzel ausreißen, so wird dir klar und offenbar, wie eng die Zivilisation mit der Barbarei verbunden ist. Fortschritt und Barbarei gehen Hand in Hand, es sei denn, die materielle Zivilisation wird bestätigt durch göttliche Führung, durch die Offenbarungen des Allbarmherzigen und durch göttliche Tugenden, verstärkt durch geistiges Verhalten, durch die Ideale des Gottesreiches und die Ausgießungen aus dem Reich der Macht.225:7Überlege, dass heute die fortschrittlichsten, zivilisiertesten Länder der Welt in Pulverfässer, die Kontinente des Erdballs in riesige Heerlager und Schlachtfelder verwandelt sind, dass die Völker der Welt sich zu waffenstarrenden Nationen formiert haben, dass die Regierungen der Welt miteinander wetteifern, wer den ersten Schritt auf das Feld des Gemetzels und Blutvergießens tut und so die Menschheit ins tiefste Elend stürzt.225:8Deshalb müssen Zivilisation und materieller Fortschritt mit der Größten Führung verbunden sein, so dass diese niedere Welt der Schauplatz für die Segnungen des Gottesreiches werde und die stofflichen Errungenschaften sich mit dem Glanz des Barmherzigen vereinigen, damit die Menschenwelt ihre Schönheit und Vollkommenheit enthülle und in hell strahlender Anmut vor allen offenbare. So wird sich immerwährende Herrlichkeit und Glückseligkeit zeigen.225:9Preis sei Gott, im Verlauf vieler Jahrhunderte und Zeitalter wurde der Ruf der Zivilisation erhoben. Die Menschenwelt machte täglich Fortschritte. Manche Länder entwickelten sich in gewaltigen Sprüngen. Materielle Verbesserungen nahmen ständig zu, bis die Welt des Daseins die umfassende Fähigkeit erlangte, die geistigen Lehren aufzunehmen und auf den göttlichen Ruf zu hören. Der Säugling durchläuft verschiedene Entwicklungsstufen. Er wächst und entwickelt sich auf jeder Stufe, bis sein Körper das Reifealter erreicht. Auf dieser Stufe erwirbt er die Fähigkeit, geistige und intellektuelle Vollkommenheiten zu offenbaren. Das Licht des Begreifens, des Verstandes und der Erkenntnis wird an ihm sichtbar; seine Seelenkräfte entfalten sich. So hat in der bedingten Welt auch die Gattung Mensch fortschreitend körperliche Veränderungen durchgemacht und ist in einem langsamen Prozess die Leiter der Zivilisation emporgestiegen. Sie verkörperte somit die Wunder, Vortrefflichkeiten und Gaben des Menschseins in ihrer herrlichsten Gestalt, bis sie die Fähigkeit erlangte, die Pracht geistiger Vollkommenheiten und göttlicher Ideale auszudrücken, und den Ruf Gottes vernehmen konnte. Der Ruf zum Reich Gottes wurde schließlich erhoben, die geistigen Tugenden und Vollkommenheiten wurden offenbart, die Sonne der Wirklichkeit ist aufgegangen, die Lehren über den Größten Frieden, die Einheit der Menschheit und die Allgemeingültigkeit alles Menschlichen wurden verkündet. Wir hoffen, dass diese Strahlen ihren Glanz immer stärker verbreiten, dass vollkommene Tugenden diesen Strahlenglanz immer mehr widerspiegeln, bis das Ziel dieses allumfassenden menschlichen Entwicklungsprozesses erreicht ist, bis die Liebe Gottes in höchster Anmut und Schönheit erscheint und alle Herzen in ihren Bann schlägt.225:10O ihr Geliebten Gottes! Wisst wahrlich, dass der Menschheit ganzes Glück in der Einheit und Eintracht des Menschengeschlechts beschlossen liegt, dass die geistigen wie materiellen Entwicklungen von Liebe und Freundschaft zwischen allen Menschen abhängen. Betrachtet die Lebewesen: die Tiere, die sich auf der Erde fortbewegen und jene, die fliegen; solche, die weiden, und solche, die andere verschlingen. Bei den Raubtieren lebt jede Art getrennt von den anderen Arten ihrer Gattung; sie beobachten einander mit größter Feindseligkeit und Gegnerschaft. Wenn sie aufeinandertreffen, kämpfen sie sofort bis aufs Blut, fletschen die Zähne und zeigen ihre Krallen. So benehmen sich wilde Bestien und blutrünstige Wölfe, fleischfressende Tiere, Einzelgänger, die um ihr Leben kämpfen. Aber die gelehrigen, gutmütigen, freundlichen Tiere, ob sie nun zu den fliegenden oder zu den grasenden Arten gehören, gesellen sich voll Zutrauen zueinander; sie sind vereint in ihren Herden, sie leben froh, glücklich und zufrieden. So etwa die Vögel, die mit ein paar Körnern zufrieden und dafür dankbar sind; sie leben in vollkommener Freude und stimmen herrliche Lieder an, wenn sie sich aufschwingen über Fluren und Steppen, Hügel und Berge. Genauso gesellen sich Weidetiere wie Schafe, Antilopen und Gazellen in größtem Einvernehmen, Vertrautheit und Eintracht zueinander. Sie leben zusammen auf Ebenen, im Zustand völliger Zufriedenheit. Hunde, Wölfe, Tiger, Hyänen und die anderen Raubtiere hingegen wenden sich voneinander ab; denn sie jagen und streifen allein umher. Die Tiere auf dem Felde und die Vögel in den Lüften meiden sich weder noch belästigen sie einander, wenn sie auf ihren Weiden oder Rastplätzen zusammentreffen; sie nehmen sich gegenseitig in Freundlichkeit an, ganz anders als die reißenden Bestien, die sich sofort zerfleischen, wenn einer in des anderen Höhle oder Lager eindringt. Ja, wenn einer nur an der Behausung des anderen vorbeigeht, stürzt dieser sofort heraus, um jenen anzugreifen und möglichst zu töten.225:11Hier wird deutlich, dass auch im Tierreich Liebe und Einvernehmen die Früchte einer freundlichen Gesinnung, eines reinen Wesens und eines lobenswerten Charakters sind, Uneinigkeit und Abgrenzung dagegen Kennzeichen der Raubtiere in der Wildnis.225:12Der Allmächtige hat den Menschen nicht mit den Klauen und Zähnen wilder Tiere erschaffen, vielmehr wurde die menschliche Gestalt mit den anmutigsten Eigenschaften versehen und mit den vollkommensten Tugenden geschmückt. Aus Ehrerbietung vor dieser Schöpfung, aus Wertschätzung für dieses Gewand muss der Mensch Liebe und Zuneigung für seine eigene Art aufbringen, nein, alle Lebewesen muss er gerecht und unparteiisch behandeln.225:13Überlegt, wie Freundschaft und Eintracht bei der Menschheit zu Wohlergehen, Glück, Freude und Behagen führen, wogegen Streit und Missklang fast immer Not, Erniedrigung, Unruhe und Versagen bewirken.225:14Aber wehe, tausendmal wehe! Der Mensch ist gleichgültig und dieser Tatsache unbewusst. Täglich brüstet er sich mit den Merkmalen einer wilden Bestie. Siehe! Plötzlich verwandelt er sich in einen grausamen Tiger; im nächsten Augenblick wird er zur kriechenden Giftschlange! Doch die erhabenen menschlichen Errungenschaften liegen in solchen Tugenden und Eigenschaften, die ausschließlich den Engeln der himmlischen Heerscharen zugehören. So wird der Mensch, wenn lobenswerte Eigenschaften und hohe sittliche Werte von ihm ausgehen, ein himmlisches Wesen, ein Engel des Gottesreichs, eine göttliche Wirklichkeit von überirdischem Glanz. Befasst er sich hingegen mit Kriegsführung, Streit und Blutvergießen, so wird er gemeiner als das grausamste Raubtier; denn ein blutrünstiger Wolf frisst in einer Nacht nur ein Lamm, der Mensch aber mordet Hunderttausende auf dem Schlachtfeld, übersät den Boden mit ihren Leibern und tränkt die Erde mit ihrem Blut.225:15Kurz gesagt, dem Menschen sind zwei Wesensarten gegeben: Die eine strebt nach Verfeinerung der Sitten und geistiger Vollkommenheit, während die andere zu tierischer Erniedrigung und fleischlichen Unvollkommenheiten neigt. Wenn ihr durch die Länder dieses Erdballs reist, seht ihr einerseits die Überreste von Verfall und Zerstörung, andererseits die Zeichen der Kultur und der Entwicklung. Verfall und Zerstörung sind das Ergebnis von Krieg, Zank und Streit, Entwicklung und Fortschritt hingegen die glänzenden Früchte der Tugend, der Zusammenarbeit und der Eintracht.
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