‘Abdu’l-Bahá | Briefe und Botschaften
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29:4
O du Sucher nach dem Königreich! Jede göttliche Manifestation ist das Leben der Welt, der erfahrene Arzt jeder leidenden Seele. Die Menschenwelt ist krank, der tüchtige Arzt kennt das Heilmittel. Er erscheint mit Ratschlägen, Lehren und Ermahnungen – Arznei für jedes Leiden, heilender Balsam für jede Wunde. Gewiss kann der weise Arzt die Nöte seines Patienten zu jeder Jahreszeit erkennen und das Heilverfahren anwenden. Deshalb setze die Lehren der Schönheit Abhá in Beziehung zu den dringenden Bedürfnissen des heutigen Tages. Du wirst sehen, sie bieten das sofort wirkende Heilmittel für den leidenden Körper der Welt. Sie sind wahrlich das Elixier, das ewiges Heil bringt.
29:5
Die weisen Ärzte der Vergangenheit und diejenigen, die ihnen folgten, haben nicht ein und dieselbe Behandlung verordnet. Die Behandlung hängt vielmehr davon ab, was dem Patienten fehlt. Mag auch das Heilmittel anders sein, ist doch das Ziel immer, den Patienten wieder gesunden zu lassen. In den vorangegangenen Sendungen konnte der schwache Körper der Welt keine strenge, gewaltige Kur ertragen. Aus diesem Grund sagte Christus: »Ich habe euch noch viel zu sagen, was gesagt werden muss; aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen. Wenn aber jener Geist der Wahrheit kommt, den der Vater senden wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten.«vgl. Joh. 15:26, 16:12–13.Q
29:6
Deshalb sind in diesem Zeitalter des Strahlenglanzes die Lehren, die früher nur den wenigen galten, allen zugänglich gemacht, damit die Gnade des Herrn Osten und Westen umfange, die Einheit der Menschenwelt in ihrer ganzen Schönheit aufleuchte und die hellen Strahlen der Wirklichkeit das Reich des Verstandes mit Licht überfluten.
29:7
Die Herabkunft des Neuen Jerusalem bezeichnet ein himmlisches Gesetz, das Gesetz, das die Gewähr für menschliches Glück bietet und aus der Welt Gottes hervorleuchtet.
29:8
EmmanuelÜber diesen Sendbrief schrieb Shoghi Effendis Sekretär am 9. Mai 1938 in seinem Auftrag: »… Dies bezieht sich offenkundig, wie der Text deutlich zeigt, auf den Báb und ist keineswegs ein Hinweis auf Swedenborg.«.A war tatsächlich der Vorläufer des zweiten Kommens Christi, ein Rufer zum Pfade des Königreiches. Es ist offenkundig, dass der Buchstabe ein Teil des Wortes ist, und dieser Anteil am Wort bedeutet, dass der Buchstabe in seinem Wert vom Worte abhängt. Das heißt, er bezieht seine Gnade vom Wort; er hat eine geistige Verwandtschaft mit dem Wort und ist als wesentlicher Teil des Wortes anzusehen. Die Apostel waren wie Buchstaben, Christus war das Wesen des Wortes. Die Bedeutung des Wortes, nämlich ewige Gnade, wirft einen Glanz auf jene Buchstaben. Noch einmal: Weil der Buchstabe Teil des Wortes ist, steht er in seiner inneren Bedeutung in Einklang mit dem Wort.
29:9
Wir hoffen, dass du dich an diesem Tage erheben wirst, um das voranzutragen, was Emmanuel vorhersagte. Wisse mit Sicherheit, dass du damit Erfolg haben wirst, denn die Bestätigungen des Heiligen Geistes steigen ständig hernieder, und die Kraft des Wortes übt solchen Einfluss aus, dass der Buchstabe zum Spiegel wird, der die herrliche Sonne – das Wort selbst – widerspiegelt, und die Gnade und Herrlichkeit des Wortes werden die ganze Erde erleuchten.
29:10
Das himmlische Jerusalem aber, das herabkam auf die Gipfel der Welt, und Gottes Allerheiligstes, dessen Banner jetzt hoch in den Lüften schwebt, umfassen alle Vollkommenheiten, alle Erkenntnis der vorangegangenen Sendungen. Darüber hinaus verkündet es die Einheit der Menschenkinder. Es ist das Banner des Weltfriedens, der Geist ewigen Lebens; es ist die Herrlichkeit der Vollkommenheiten Gottes, die umfassende Gnade für alles Sein, der alles Erschaffene zierende Schmuck, der Quell innerer Ruhe für die ganze Menschheit.
29:11
Richte deine Aufmerksamkeit auf die heiligen Sendschreiben. Lies Ishráqát, Tajallíyát, die Worte des Paradieses, die Frohen Botschaften, Ṭarázát, das Heiligste Buch. Dann wirst du sehen, dass diese himmlischen Lehren heutzutage das Heilmittel für eine kranke, leidende Welt, heilender Balsam für die Wunden am Körper der Menschheit sind. Sie sind der Geist des Lebens, die Arche der Erlösung, der Magnet, der ewige Herrlichkeit anzieht, die bewegende Kraft des Ansporns für des Menschen innerstes Wesen.
30
30:1
Das Sein ist von zweierlei Art: Die eine ist das Sein Gottes; es übersteigt des Menschen Verständnis. Ihm, dem Unsichtbaren, Erhabenen, Unfassbaren, geht keine Ursache voraus. Er ist selbst Urheber der Ursache aller Ursachen. Er, der Urewige, hatte keinen Anfang und ist der All-Unabhängige. Die zweite Art des Seins ist das menschliche Sein. Es ist gewöhnliches Sein, dem menschlichen Verstand begreifbar. Es ist nicht urewig, es ist abhängig und hat eine Ursache. Die sterbliche Substanz wird nicht ewig und umgekehrt. Das Menschengeschlecht wird nicht Schöpfer und umgekehrt. Die Wandlung der angeborenen Substanz ist unmöglich.
30:2
In der Welt des Seins – der begreiflichen Welt – gibt es Stufen der Vergänglichkeit: die erste Stufe ist die Mineralwelt, die nächste die Pflanzenwelt. Darin ist das Mineral vorhanden, aber in einer besonderen, den Pflanzen eigenen Art. So ist es auch in der Tierwelt: Die Eigenschaften des Minerals und der Pflanze sind darin vorhanden und darüber hinaus die besonderen Eigenschaften der Tierwelt, die Fähigkeiten des Hörens und des Sehens. In der Menschenwelt sind die Eigenschaften der Mineral-, Pflanzen- und Tierwelt zu finden und darüber hinaus die der menschlichen Gattung, nämlich die Eigenschaft des Verstandes, der die Wirklichkeiten der Dinge entdeckt und allgemeingültige Prinzipien erfasst.
30:3
Der Mensch ist deshalb auf der Ebene der bedingten Welt das vollkommenste Wesen. ›Mensch‹ bedeutet hier das vollkommene Individuum: Es ist wie ein Spiegel, der die göttlichen Vollkommenheiten offenbart und widerspiegelt. Zwar steigt die Sonne von den Höhen ihrer Heiligkeit nicht herab, um in den Spiegel einzutreten. Ist aber der Spiegel gereinigt und der Sonne der Wahrheit zugewandt, so reflektieren und offenbaren sich in diesem Spiegel die Vollkommenheiten der Sonne, Licht und Wärme. Solche Seelen sind die Manifestationen Gottes.
31
31:1
O du geliebter, weiser Freund! Dein Brief vom 27. Mai 1906 ist angekommen. Sein Inhalt hat sehr gefallen und große Freude gebracht.
31:2
Du fragst, ob diese Sache, diese neue, lebensprühende Sache, an die Stelle der toten religiösen Riten und Zeremonien Englands treten könne, ob diese neue Sache jetzt, da vielerlei Gruppen auftreten, zu denen hochstehende Geistliche und Theologen zählen, die weit befähigter sind als in der Vergangenheit, die Mitglieder solcher Gruppen derart beeindrucken könne, dass sie und alle anderen sich in ihrem allbeschützenden Schatten vereinen.
31:3
O du lieber Freund! Wisse, dass Er, die überragende Persönlichkeit, zu allen Zeiten mit den Vollkommenheiten Seines jeweiligen Zeitalters begabt ist. Er stand in vergangenen Zeiten über Seinen Mitmenschen und besaß Gaben entsprechend den Tugenden Seiner Zeit. Aber in diesem Zeitalter des Strahlenglanzes, in dieser Ära Gottes, wird die überragende Persönlichkeit, das leuchtende Gestirn, der Auserwählte, mit solchen Vollkommenheiten und solcher Kraft strahlen, dass der Geist jeder Gemeinschaft und Gruppe am Ende geblendet ist. Und weil Er an geistigen Vollkommenheiten und himmlischen Errungenschaften allen anderen überlegen ist, weil Er fürwahr der Brennpunkt göttlicher Segnungen, die Achse des Lichtkreises ist, wird Er alle anderen umfassen. Ohne jeden Zweifel wird Er mit solcher Macht aufleuchten, dass Er alle Seelen in Seinem schützenden Schatten versammeln wird.
31:4
Wenn du dies alles sorgfältig bedenkst, stellst du fest, dass hier ein allumfassendes Gesetz waltet, das man in allen Dingen vorfindet: Das Ganze zieht den Teil an, und in einem Kreis dreht sich alles um die Achse. Denke über den GeistJesus Christus.A nach: Weil Er der Brennpunkt geistiger Kraft war, der Quell geistiger Gnadengaben, gelang es Ihm, unter dem schützenden Tabernakel des Christentums alle widerstreitenden Sekten zu vereinen, obgleich Er am Anfang nur ein paar Seelen um sich scharte. Das geschah durch die Ihm gegebene allunterwerfende Kraft. Vergleiche Gegenwart und Vergangenheit und beachte den großen Unterschied; so kannst du Wahrheit und Gewissheit erlangen.
31:5
Die Unterschiede zwischen den Religionen der Welt sind auf die unterschiedlichen Geisteshaltungen zurückzuführen. Solange sich die Geisteskräfte unterscheiden, werden mit Sicherheit auch die Urteile und Meinungen der Menschen auseinandergehen. Wird aber eine einzige, allumfassende Wahrnehmungskraft eingebracht, eine Kraft, die alles andere einschließt, so werden diese unterschiedlichen Meinungen verschmelzen; geistige Harmonie und Einheit werden sichtbar werden. Als beispielsweise Christus offenbart wurde, standen die verschiedenen Völker der damaligen Zeit – Römer, Griechen, Syrer, Israeliten und andere – mit ihren Ansichten und Gefühlsregungen im Widerspruch zueinander. Sobald jedoch Seine allumfassende Kraft zum Tragen kam, gelang es ihr im Laufe von dreihundert Jahren allmählich, alle diese auseinanderstrebenden Geister unter dem Schutz und der Herrschaft eines Sammelpunktes zusammenzuführen, und alle hegten die gleichen geistigen Gefühle im Herzen.
31:6
Um mit einem Gleichnis zu sprechen: Wenn eine Armee verschiedenen Befehlshabern unterstellt wird, von denen jeder seinen eigenen Kriegsplan verfolgt, werden diese Befehlshaber sicherlich mit ihren Gefechtslinien und Truppenbewegungen voneinander abweichen. Sobald aber der oberste Heerführer, der die Kriegskunst gründlich beherrscht, die Führung übernimmt, werden die anderen Pläne verschwinden, denn der besonders befähigte Feldmarschall wird die gesamte Armee unter seine Kontrolle bringen. Das soll nur ein Gleichnis sein, kein genaues Abbild. Wolltest du nun sagen, alle anderen Generäle seien in der Kriegskunst ebenfalls bewandert, erprobt und erfahren, und würden sich deshalb nicht der Befehlsgewalt eines einzelnen unterstellen, wie unbeschreiblich groß er auch sei, so ist deine Behauptung unhaltbar; denn was oben geschildert ist, wird genauso geschehen, daran gibt es keinen Zweifel.
31:7
So verhält es sich auch mit den heiligen Manifestationen Gottes, im Besonderen mit der göttlichen Wirklichkeit des Größten Namens, der Schönheit Abhá. Ist Er erst einmal vor den versammelten Völkern der Welt offenbar, erscheint Er mit solcher Schönheit, solchem Zauber, so anziehend wie ein Josef im Ägypten des Geistes, dann schlägt Er alle Liebenden auf Erden in Seinen Bann.
31:8
Wenn Seelen als vergeistigte, strahlende Wesen in dieses Leben geboren werden, dann aber durch Belastungen und Versuchungen wahrhafter Vorzüge verlustig gehen und schließlich die Welt verlassen, ohne ihr Leben ausgeschöpft zu haben, so ist dies wahrlich ein Grund, traurig zu sein. Die allumfassenden Manifestationen Gottes enthüllen dem Menschen ihr Antlitz, nehmen jedes Elend, jede Heimsuchung auf sich und bringen ihr Leben zum Opfer, damit gerade diese vorbereiteten, aufnahmefähigen Menschen zu Aufgangsorten des Lichtes werden und das unvergängliche Leben erlangen. Das ist das wahre Opfer: sich selbst hinzugeben, wie es Christus tat, als ein Lösegeld für das Leben der Welt.
31:9
Der Einfluss heiliger Wesen und die Fortdauer ihrer Gnade für die Menschheit, nachdem sie die menschliche Hülle abgelegt haben, ist für die Bahá’í eine unumstößliche Tatsache, erscheinen doch die überflutenden Gnadengaben, die strömenden Segnungen der heiligen Manifestationen erst nach ihrem Aufstieg aus dieser Welt. Die Erhöhung des Wortes, die Enthüllung der Macht Gottes, die Bekehrung gottesfürchtiger Seelen, die Verleihung ewigen Lebens – all dies wuchs verstärkt nach dem Martyrium des Messias. So mehrten sich auch nach dem Hinscheiden der Gesegneten Schönheit die Gnadengaben, das Licht breitete sich noch strahlender aus, die Zeichen des Herrn und Seiner Macht wurden noch kraftvoller, der Einfluss des Wortes ist viel stärker, und es währt nicht mehr lange, bis die Sonne Seiner Wirklichkeit die ganze Erde mit ihrem Antrieb, ihrer Glut, ihrem Glanz und Segen umfassen wird.
31:10
Sei nicht traurig über den langsamen Fortschritt der Bahá’í-Sache dortzulande. Heute ist erst die frühe Morgendämmerung. Bedenke, wie in der Sache Christi dreihundert Jahre vergehen mussten, ehe ihr großer Einfluss offenkundig wurde. Heute, knapp sechzig Jahre nach seiner Geburt, ist das Licht dieses Glaubens bereits über den Planeten verbreitet.
31:11
Wenn die Gesundheitsorganisation, deren Mitglied du bist, unter den Schutz dieses Glaubens kommt, wird ihr Einfluss hundertfach zunehmen.
31:12
Du siehst, dass die Liebe unter den Bahá’í sehr groß ist, und diese Liebe ist die Hauptsache. Wie die Kraft der Liebe unter den Bahá’í in so hohem Maß entwickelt wurde und viel stärker ist als unter den Angehörigen anderer Religionen, so ist es mit allem anderen; denn die Liebe ist die Grundlage aller Dinge.
31:13
Was die Übersetzung der Bücher und Sendbriefe der Gesegneten Schönheit angeht, werden sie bald in jede Sprache mit Kraft, Klarheit und Anmut übersetzt werden. Sobald sie den Originalen entsprechend übersetzt sind, mit ihrer ganzen Kraft und der Anmut ihres Stils, wird der Strahlenglanz ihrer inneren Bedeutungen sich allenthalben verbreiten und die Augen der ganzen Menschheit erleuchten. Gib dein Bestes, um sicherzustellen, dass die Übersetzung dem Original entspricht.
31:14
Die Gesegnete Schönheit begab sich zu vielen Gelegenheiten nach Haifa. Du hast Ihn dort gesehen, aber du hast Ihn damals noch nicht erkannt. Ich hoffe, du erreichst die wahre Begegnung mit Ihm. Das bedeutet, Ihn mit dem inneren, nicht mit dem äußeren Auge zu sehen.
31:15
Das Wesen der Lehre Bahá’u’lláhs ist allumfassende Liebe; denn die Liebe begreift jede Vortrefflichkeit des Menschengeschlechtes in sich. Sie bewirkt, dass jede Seele voranschreitet. Sie schenkt jedem Menschen als Erbgut das ewige Leben. Bald wirst du Zeuge sein, dass Seine himmlischen Lehren, die Wahrheit in ihrer größten Herrlichkeit, die Himmel dieser Welt erhellen.
31:16
Das kurze Gebet, das du an den Schluss deines Briefes setztest, war in der Tat unverwechselbar, bewegend und schön. Sprich dieses Gebet zu allen Zeiten.
32
32:1
O ihr Dienerinnen des Herrn! In diesem Jahrhundert, dem Jahrhundert des allmächtigen Herrn, scheint die Sonne aus den Reichen der Höhe, das Licht der Wahrheit, in ihrem Mittagsglanz, und ihre Strahlen erleuchten alle Gefilde, denn heute ist das Zeitalter der Urewigen Schönheit, der Tag der Offenbarung des Größten Namens in all seiner Kraft und Macht – möge mein Leben Seinen Geliebten zum Opfer gebracht sein.
32:2
Wenn sich auch die Sache Gottes in den kommenden Zeitaltern entfalten und zur hundertfachen Stärke anwachsen wird, wenn auch der Sadratu’l-Muntaháder »Baum, über den hinaus keiner gehen kann«, ein Symbol für die Manifestation Gottes; vgl. Qur’án 53:8–18, Shoghi Effendi, Gott Geht Vorüber 132 – Anm. d. Hrsg.A der ganzen Menschheit in seinem Schatten Schutz bieten wird, bleibt doch dieses gegenwärtige Jahrhundert unerreicht; denn es war Zeuge, wie dieser Morgen angebrochen und diese Sonne aufgegangen ist. Dieses Jahrhundert ist wahrlich der Quell Seines Lichtes, der Tagesanbruch Seiner Offenbarung. Künftige Zeitalter und Geschlechter werden die Verbreitung seines Glanzes und die Offenbarungen seiner Zeichen schauen.
32:3
Bemüht euch deshalb, dass ihr euren vollen Anteil an Seinen Segnungen erlangt.
33
33:1
O Diener Gottes! Wir haben zur Kenntnis genommen, was du an Jináb-i-ibn-i-Abhar geschrieben hast, ebenso deine Frage zu dem Vers: »Wer vor Ablauf eines vollen Jahrtausends den Anspruch auf eine unmittelbare Offenbarung von Gott erhebt, ist gewiss ein Lügner und Betrüger.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:37, in: Ährenlese 166 – Anm. d. Hrsg.Q
33:2
Dies bedeutet, dass jeder, der vor Ablauf eines vollen Jahrtausends – tausend Jahre wie bekannt, durch allgemeinen Brauch eindeutig festgelegt und keiner Erläuterung bedürftig – den Anspruch auf eine Offenbarung unmittelbar von Gott erhebt, mit Sicherheit falsch und ein Betrüger ist, selbst wenn er bestimmte Zeichen kundtut.
33:3
Dies bezieht sich nicht auf die Universale Manifestation; denn in den Heiligen Schriften ist deutlich dargelegt, dass Jahrhunderte, nein Jahrtausende sich vollenden müssen, ehe eine Manifestation wie diese wieder erscheint.
33:4
Es ist zwar möglich, dass nach Ablauf eines vollen Jahrtausends heilige Wesen ermächtigt werden, eine Offenbarung mitzuteilen; dies wird aber nicht durch eine Universale Manifestation geschehen. Deshalb entspricht jeder Tag im Zyklus der Gesegneten Schönheit in Wirklichkeit einem Jahr und jedes Jahr einem Jahrtausend.
33:5
Betrachte zum Beispiel die Sonne: Ihr Übergang von einem Tierkreiszeichen zum nächsten vollzieht sich in einer kurzen Zeitspanne, doch erst nach einer langen Zeit erreicht sie die ganze Fülle ihres Glanzes, ihrer Hitze und Pracht im Zeichen des Löwen. Sie muss den ganzen Umlauf durch die anderen Sternbilder vollenden, ehe sie wieder ins Zeichen des Löwen eintritt, um in vollem Glanz zu leuchten. In den anderen Häusern zeigt sie nicht die Fülle ihrer Hitze und ihres Lichtes.
33:6
Kern der Aussage ist, dass vor Ablauf von tausend Jahren kein Mensch sich erkühnen kann, auch nur ein Wort davon zu erwähnen. Alle müssen sich zur Klasse der Untertanen rechnen, den Geboten Gottes und den Gesetzen des Hauses der Gerechtigkeit ergeben und gehorsam. Sollte jemand auch nur um Haaresbreite von den Verordnungen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit abweichen oder in seiner Ergebenheit zu ihm schwanken, so gehört er zu den Ausgestoßenen und Verworfenen.
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