‘Abdu’l-Bahá | Briefe und Botschaften
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42:1
O ihr Mitarbeiter, gestützt von Heerscharen aus dem Reich des Allherrlichen! Selig seid ihr, denn ihr seid im schützenden Schatten des Wortes Gottes zusammengekommen und habt Zuflucht gefunden in der Grotte Seines Bundes; ihr habt euren Herzen Frieden gebracht, indem ihr euch im Paradiese Abhá eingerichtet habt und von den sanften Winden aus dem Quell Seiner Güte wiegen lasset. Ihr habt euch erhoben, der Sache Gottes zu dienen, Seinen Glauben nah und fern zu verbreiten, Sein Wort zu künden und hoch die Banner der Heiligkeit aufzurichten in allen jenen Landen.
42:2
Beim Leben Bahás! Wahrlich, die vollkommene Kraft der Göttlichen Wirklichkeit wird euch die Segnungen des Heiligen Geistes einhauchen und euch helfen, eine Heldentat zu vollbringen, wie sie das Auge der Schöpfung noch nie geschaut hat.
42:3
O Gemeinschaft des Bundes! Wahrlich, die Schönheit Abhá gab den im Bündnis standhaften Geliebten das Versprechen, dass Er ihre Bestrebungen stärke mit dem stärksten Beistand und ihnen helfe mit Seiner siegreichen Macht. In kurzer Zeit werdet ihr sehen, wie eure erleuchtete Versammlung deutliche Zeichen und Merkmale in die Herzen und Seelen der Menschen prägt. Fasst Gottes Gewand fest am Saum und lenkt all euren Eifer darauf, Seinen Bund zu fördern und im Feuer Seiner Liebe immer heller zu lodern, auf dass eure Herzen vor Freude tanzen im Odem der Dienstbarkeit, der ‘Abdu’l-Bahás Brust entströmt. Sammelt eure Herzen, macht eure Schritte fest, vertraut auf die nie endenden Segensgaben, die eine nach der anderen aus dem Reich Abhá über euch kommen. Wann immer ihr in dieser strahlenden Versammlung zusammenkommt, seid gewiss, dass Bahás Strahlenglanz über euch leuchtet. Ihr müsst Übereinstimmung suchen und einig sein; ihr müsst in enger Verbindung zueinander stehen, eins sein mit Leib und Seele, bis ihr den Plejaden gleicht oder einer Kette glänzender Perlen. So werdet ihr fest stehen, so wird euer Wort gelten, euer Stern wird strahlen, und eure Herzen werden getröstet sein…
42:4
Wenn ihr den Beratungsraum betretet, sprecht dieses Gebet mit einem Herzen, das pocht aus Liebe zu Gott, und mit einer Zunge, die geläutert ist von allem außer Seinem Gedenken, auf dass der Allmächtige euch gnädiglich helfe, den höchsten Sieg zu erringen:
42:5
O Gott, mein Gott! Wir sind Deine Diener, die sich in Ergebenheit Deinem heiligen Antlitz zuwenden und sich an diesem herrlichen Tag von allem außer Dir loslösen. Wir sind zusammengekommen in diesem Geistigen Rat, einig in unseren Ansichten und Gedanken, und wir stimmen überein in dem Vorsatz, Dein Wort vor aller Menschheit zu erhöhen. O Herr, unser Gott! Mache uns zu Zeichen Deiner göttlichen Führung, zu Bannern Deines erhabenen Glaubens unter den Menschen, zu Dienern Deines mächtigen Bündnisses, o Du unser höchster Herr, zu Offenbarungen Deiner göttlichen Einheit in Deinem Reich Abhá und zu strahlenden Sternen, die über alle Regionen scheinen. Herr, hilf uns, dass wir Meeren gleichen, die in den Wogen Deiner wundersamen Gnade branden, Wassern, die von Deinen allherrlichen Höhen fließen, guten Früchten am Baume Deiner himmlischen Sache, Bäumen, die der Windhauch Deiner Großmut in Deinem himmlischen Weinberg bewegt. O Gott, lasse unsere Seelen dürsten nach den Versen Deiner göttlichen Einheit, unsere Herzen fröhlich sein durch den Strom Deiner Gnade, damit wir zusammenfließen wie die Wellen eines Meeres und ineinanderschmelzen wie die Strahlen Deines glänzenden Lichtes, bis unsere Gedanken, unsere Ansichten, unsere Gefühle eine Wirklichkeit werden, die den Geist der Eintracht über die ganze Welt hin kündet! Du bist der Gnädige, der Gütige, der Schenkende, der Allmächtige, der Barmherzige, der Mitleidvolle.
43
43:1
Die Haupterfordernisse für jene, die miteinander beraten, sind Reinheit des Beweggrundes, strahlender Geist, Loslösung von allem außer Gott, Hingezogensein zu Seinen göttlichen Düften, Bescheidenheit und Demut vor Seinen Geliebten, Geduld und Langmut in Schwierigkeiten, Dienstbarkeit an Seiner erhabenen Schwelle. Wenn sie mit gnädigem Beistand diese Eigenschaften erlangen, wird ihnen vom unsichtbaren Reiche Bahás der Sieg gewährt.
44
44:1
Seine Mitgliederdes Geistigen Rats.A müssen so miteinander beraten, dass sich kein Anlass für Unmut oder Zwietracht ergibt. Dies ist erreichbar, wenn jedes Mitglied in vollkommener Freiheit seine Meinung äußert und seine Argumente vorbringt. Es darf sich, sollte jemand widersprechen, auf keinen Fall verletzt fühlen; denn erst wenn eine Angelegenheit vollständig erörtert ist, kann sich der richtige Weg zeigen. Der zündende Funke der Wahrheit erscheint erst nach dem Zusammenprall verschiedener Meinungen. Wenn nach der Beratung ein Beschluss einstimmig gefasst wird, ist dies schön und gut; sollten aber, was der Herr verhüten möge, voneinander abweichende Meinungen bestehen bleiben, muss die Stimmenmehrheit gelten.
45
45:1
Die erste Bedingung ist vollkommene Liebe und Harmonie unter den Mitgliedern des Rates. Sie müssen völlig frei sein von Entfremdung und in sich selbst Gottes Einheit offenbaren, denn sie sind die Wellen eines Meeres, die Tropfen eines Stromes, die Sterne eines Himmels, die Strahlen einer Sonne, die Bäume eines Obsthains, die Blumen eines Gartens. So keine Harmonie im Denken, keine vollkommene Einheit herrschen, wird jene Versammlung sich auflösen und jener Rat scheitern. Die zweite Bedingung ist, dass die Mitglieder des Rates vereint einen Vorsitzenden wählen und Richtlinien sowie eine Satzung für ihre Zusammenkünfte und Beratungen aufstellen. Der Vorsitzende soll für die Beachtung solcher Regeln und Bestimmungen sorgen, sie schützen und durchsetzen. Die anderen Mitglieder sollten ihnen Gehorsam leisten; sie sollten es unterlassen, sich über nebensächliche, nicht zur Sache gehörende Dinge zu unterhalten. Sie müssen, wenn sie zusammenkommen, ihr Angesicht dem Königreich der Höhe zuwenden und Hilfe erbitten aus dem Reiche der Herrlichkeit. Dann müssen sie mit höchster Hingabe, Höflichkeit, Würde, Sorgfalt und Mäßigung ihre Ansichten vortragen. Sie müssen in jeder Angelegenheit die Wahrheit erforschen und dürfen nicht auf ihrer eigenen Meinung bestehen; denn Starrsinn und Beharren auf der eigenen Ansicht führen schließlich zu Zank und Streit; die Wahrheit aber bleibt verborgen. Die verehrten Mitglieder müssen in aller Freiheit ihre eigenen Gedanken ausdrücken; es ist in keiner Weise erlaubt, dass einer die Gedanken des anderen herabsetzt. Nein, er muss die Wahrheit mit Augenmaß darlegen, und sollten sich Meinungsverschiedenheiten ergeben, so muss die Stimmenmehrheit gelten; alle müssen dann gehorchen und sich der Mehrheit fügen. Es ist auch nicht erlaubt, dass eines der verehrten Mitglieder innerhalb oder außerhalb der Sitzung gegen eine zuvor getroffene Entscheidung Einwände erhebt oder sie tadelt, selbst wenn die Entscheidung falsch wäre; denn solche Kritik würde verhindern, dass irgendeine Entscheidung in Kraft tritt. Kurz gesagt, was immer in Harmonie, Liebe und reiner Absicht getan wird, bewirkt Licht; wenn aber die geringste Spur von Entfremdung herrscht, wird das in schwarzes Dunkel führen… Wird dies beachtet, so ist jener Rat von Gott; andernfalls führt er zu Kälte und Entfremdung, die vom Bösen ausgehen… Wenn sie sich bemühen, diese Bedingungen zu erfüllen, wird ihnen die Gnade des Heiligen Geistes gewährt, und jener Rat wird zum Mittelpunkt göttlichen Segens. Die Heerscharen göttlicher Bestätigung werden seinen Mitgliedern zu Hilfe kommen, und Tag für Tag werden sie eine neue Ausgießung des Geistes erfahren.
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46:1
O ihr, die ihr fest im Bündnis steht! ‘Abdu’l-Bahá ist ständig in gedanklicher Verbindung mit jedem Geistigen Rat, der durch die göttliche Großmut errichtet ward, dessen Mitglieder sich in völliger Hingabe zum göttlichen Königreich wenden und fest im Bündnis sind. Ihnen ist er aus ganzem Herzen zugetan, verbunden durch unvergängliche Bande. So ist der Austausch mit jener Versammlung aufrichtig, dauerhaft und ununterbrochen.
46:2
In jedem Augenblick bitte ich für euch um Hilfe, Gnade, neue Gunst und neuen Segen, damit Bahá’u’lláhs Bestätigungen wie ein Meer immerfort branden, das Sonnenlicht der Wahrheit über euch leuchte und ihr, gefestigt in eurem Dienst, Offenbarungen göttlicher Gabenfülle werdet, jeder zur Morgendämmerung dem Heiligen Lande zugewandt, zutiefst bewegt durch geistige Erfahrung.
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47:1
O ihr wahren Freunde! Euer Brief kam an und brachte große Freude. Preis sei Gott, ihr habt Freunde bewirtet und das Fest eingeführt, das alle neunzehn Tage abgehalten werden soll. Wenn eine Versammlung mit größter Liebe vorbereitet wird, wenn die Anwesenden ihr Angesicht dem Reiche Gottes zuwenden, wenn das Gespräch die Lehren Gottes betrifft und die Anwesenden Fortschritte machen lässt – dann ist dies eine Versammlung des Herrn, und die festliche Tafel kommt vom Himmel hernieder.
47:2
Ich hoffe, dieses Fest wird alle neunzehn Tage gefeiert, denn es bringt euch enger zusammen; es ist der wahre Quell der Einheit und der Herzensgüte.
47:3
Ihr seht, in welchem Maße die Welt ständigen Unruhen und Kämpfen ausgesetzt ist und wie sich die Lage ihrer Völker zuspitzt. Hoffentlich gelingt es den Geliebten Gottes, das Banner menschlicher Einheit zu hissen, so dass das einfarbige Thronzelt des Himmelreichs seine schützenden Schatten über die ganze Erde wirft, dass die Missverständnisse zwischen den Völkern der Erde verschwinden, dass alle Nationen sich vermischen und einander behandeln wie Liebende.
47:4
Es ist eure Pflicht, zu jedem menschlichen Wesen überaus freundlich zu sein und jedem Gutes zu wünschen, für die geistige Erneuerung der Gesellschaft zu arbeiten, den Toten den Odem des Lebens einzuhauchen, nach den Geboten Bahá’u’lláhs zu handeln und auf Seinem Pfade zu wandeln – bis ihr die Welt des Menschen in die Welt Gottes verwandelt habt.
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48:1
O ihr getreuen Diener der Urewigen Schönheit! In jedem Zyklus, in jeder Sendung war das Fest etwas Hochgeschätztes und Geliebtes. Denen, die Gott lieben, den Tisch zu bereiten, galt als löblich. Heute, in dieser unvergleichlichen Sendung, diesem Zeitalter der Großmut, trifft dies besonders zu. Heute wird ein Fest jubelnd begrüßt, denn es gehört wahrlich zu den Versammlungen, die dem Lobe Gottes und Seiner Verherrlichung dienen. Hier werden die heiligen Verse, die himmlischen Oden und Lobgesänge angestimmt, das Herz wird belebt und über sich selbst emporgehoben.
48:2
Die vornehmste Absicht ist, diese geistigen Regungen zu entflammen; aber zugleich ergibt es sich ganz natürlich, dass die Anwesenden zusammen etwas essen, so dass die Welt des Leibes die geistige Welt widerspiegelt und das Fleisch die Merkmale der Seele annimmt. Wie es hier geistige Freuden in Fülle gibt, so gibt es auch stoffliche Freuden.
48:3
Glücklich seid ihr, die ihr dieser Regel mit all ihrer mystischen Bedeutung folgt. So haltet ihr die Freunde Gottes munter und achtsam; ihr bringt ihnen Seelenfrieden und Freude.
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49:1
Dein Brief ist eingetroffen. Du schreibst über das Neunzehntagefest, und das erfreut mein Herz. Diese Versammlungen lassen die göttliche Tafel vom Himmel herniederkommen und ziehen die Bestätigungen des Allerbarmers an. Ich hoffe, der Odem des Heiligen Geistes weht über sie hin, und jeder Anwesende schickt sich an, in großen Versammlungen mit beredter Zunge, mit einem vor Gottesliebe überströmenden Herzen den Sonnenaufgang der Wahrheit, das Morgenlicht des die ganze Welt erleuchtenden Tagesgestirns zu verkünden.
50
50:1
Ihr habt nach dem Fest in jedem Bahá’í-Monat gefragt. Dieses Fest wird gefeiert, Freundschaft und Liebe zu fördern, Gottes zu gedenken, Ihn mit bußfertigem Herzen anzuflehen und wohltätige Unternehmungen anzuregen.
50:2
Das heißt, die Freunde sollten dort bei Gott verweilen und Ihn verherrlichen, die Gebete und heiligen Verse lesen und einander in äußerster Zuneigung und Liebe begegnen.
51
51:1
Was das Neunzehntagefest betrifft, so erfreut es Geist und Herz. Wird dieses Fest angemessen gefeiert, so werden sich die Freunde alle neunzehn Tage einmal geistig erneuert finden, begabt mit einer Macht, die nicht von dieser Welt ist.
52
52:1
O Diener des einen wahren Gottes! Gepriesen sei der Herr! In jedem Land gibt es die Geliebten Gottes, und allesamt stehen sie im Schatten des Lebensbaumes, im Schutze Seiner Vorsehung. Seine Fürsorge und Gnade branden wie die ewigen Wogen der See, Seine Segnungen regnen ohne Unterlass aus Seinem ewigen Reich.
52:2
Wir sollten darum beten, dass Sein Segen uns in noch größerem Überfluss gewährt wird, und uns an den Mitteln festhalten, die eine noch mächtigere Ausgießung Seiner Gnade, ein noch volleres Maß Seines göttlichen Beistandes sichern.
52:3
Eines der wichtigsten Mittel ist der Geist wahrer Zusammengehörigkeit und liebevoller Gemeinschaft unter den Freunden. Erinnert euch des Wortes: »Von allen Pilgerfahrten die größte ist, ein sorgenbeladenes Herz zu erleichtern.«
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53:1
Wahrlich, ‘Abdu’l-Bahá atmet den Duft der Liebe Gottes von jedem Versammlungsort, wo das Wort Gottes verkündet und schlüssige Beweise vorgebracht werden, die ihre Strahlen über die ganze Welt verbreiten, und wo über ‘Abdu’l-Bahás Not und Leid in den bösen Händen der Bündnisbrecher berichtet wird.
53:2
O Dienerin des Herrn! Sprich kein Wort über Politik; deine Aufgabe betrifft das Leben der Seele; denn dies führt wahrlich zur Freude des Menschen in Gottes Welt. Erwähne die Könige der Erde und die weltlichen Regierungen nur, um Gutes über sie zu sagen. Beschränke deine Rede darauf, die frohe Botschaft vom Reiche Gottes zu verbreiten, den Einfluss des Wortes Gottes und die Heiligkeit der Sache Gottes darzutun. Sprich über ewige Freude, geistiges Ergötzen und göttliche Eigenschaften; sprich darüber, wie die Sonne der Wahrheit über den Horizonten der Erde aufstrahlt und wie dem Körper der Welt der Geist des Lebens eingehaucht wird.
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54:1
Ihr schreibt über die Zusammenkünfte der Freunde, und wie sie voll Friede und Freude sind. Natürlich ist das so, denn wo sich die geistig Gesinnten auch versammeln, regiert Bahá’u’lláh in all Seiner Schönheit. Deshalb bringen solche Begegnungen gewisslich grenzenloses Glück und Frieden hervor.
54:2
Heute ziemt es allen, nichts anderes mehr zu erwähnen und alle Dinge außer Acht zu lassen. Ihre Rede, ihr innerer Zustand seien zusammengefasst in den Worten: »Lasse alle meine Worte des Gebetes und des Lobpreises auf einen einzigen Kehrreim beschränkt sein; lasse mein ganzes Leben nur Dienst an Dir sein.« Das bedeutet: Lasst sie alle ihre Gedanken und Worte darauf konzentrieren, dass sie die Sache Gottes lehren, den Glauben Gottes verbreiten und alle dafür begeistern, sich mit den Eigenschaften Gottes auszuzeichnen; dass sie die Menschheit lieben, dass sie in jeder Hinsicht rein und heilig seien, makellos in ihrem öffentlichen und privaten Leben; dass sie aufrecht und losgelöst seien, voller Inbrunst und Glut. Alles muss aufgegeben werden außer dem Gedenken Gottes. Alles muss gering geachtet werden außer Seinem Lobpreis. Zu dieser Melodie der himmlischen Heerscharen will die Welt heute springen und tanzen: »Herrlichkeit sei meinem Herrn, dem Allherrlichen!« Aber wisset: Außer diesem Gesang Gottes wird kein Gesang die Welt aufrütteln, außer diesem Nachtigallenruf der Wahrheit aus dem Garten Gottes wird keine Melodie das Herz bezaubern. »Woher kommt dieser Sänger, der den Geliebten beim Namen nennt?«
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