‘Abdu’l-Bahá | Briefe und Botschaften
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4:11
Und zu Seinen Zeichen gehört Sein Strahlenglanz über dem Horizont der Einheit, Sein Licht vom Tagesanbruch der Macht, die Verkündigung der größten frohen Botschaften durch Seinen Herold, den Einen, den Unvergleichlichen. Wahrlich, darin liegt ein leuchtender Beweis für die Schar der Wissenden.
4:12
Zu Seinen Zeichen gehört Sein Offenbarsein, Seine Sichtbarkeit für alle, Sein Beweis durch sich selbst, Sein Auftreten vor Zeugen allüberall, unter Völkern, die wie Wölfe über Ihn herfielen und Ihn von allen Seiten umringten.
4:13
Zu Seinen Zeichen gehört Sein Widerstand gegen mächtige Nationen und siegreiche Staaten, gegen ein Heer von Feinden, die nach Seinem Blute lechzten und Ihn unablässig zu vernichten suchten, wo immer Er auch weilte. Wahrlich, diese Tatsache verdient die genaue Prüfung derer, die über die Zeichen und Beweise Gottes nachdenken.
4:14
Ein weiteres Seiner Zeichen ist das Wunder Seiner Abhandlungen, der Fluss Seiner Rede, die Schnelligkeit, mit der Seine Schriften offenbart wurden, Seine Worte der Weisheit, Seine Verse, Seine Sendschreiben, Seine Andachten, Seine Auslegungen des Qur’áns, der schwerverständlichen wie der klaren Verse. Bei deinem Leben! Das alles ist klar wie der helle Tag für jeden, der es mit dem Auge der Gerechtigkeit betrachtet.
4:15
Ferner gehört zu Seinen Zeichen die Morgensonne Seines Wissens, der aufsteigende Mond Seiner Künste und Fähigkeiten, die Art, wie Er auf allen Seinen Wegen Vollkommenheit zeigt. Das wird von den Gelehrten und Gebildeten vieler Nationen bezeugt.
4:16
Und weiterhin gehört zu Seinen Zeichen die Tatsache, dass Seine Schönheit unversehrt blieb und Sein menschlicher Tempel geschützt war, da Er Seinen Strahlenglanz offenbarte, trotz der massiven Angriffe Seiner Feinde, die zu Tausenden mit ihren spitzen Pfeilen, Speeren und Schwertern auf Ihn einstürmten. Das ist wahrlich ein Wunder und eine Mahnung für alle, die gerecht urteilen.
4:17
Und zu Seinen Zeichen gehört Seine Langmut, Seine Leiden und Schmerzen, Seine Pein in Ketten und Banden, und Sein Ruf zu jeder Stunde: »Kommt zu Mir, kommt zu Mir, ihr Rechtschaffenen! Kommt zu Mir, kommt zu Mir, die ihr das Gute liebt! Kommt zu Mir, kommt zu Mir, ihr Aufgangsorte des Lichtes!« Wahrlich, die Tore des Mysteriums sind weit geöffnet – aber immer noch ergötzen sich die Frevler an ihren sinnlosen Kritteleien.Qur’án 6:91; 52:12.A
4:18
Ein anderes Seiner Zeichen ist die Verkündigung Seines Buches, Sein eindeutiger heiliger Text, darin Er die Könige tadelt, und Seine unheilverkündende Warnung an denNapoleon III.A, dessen mächtige Herrschaft in aller Welt zu spüren war – und dessen hochragender Thron in wenigen Tagen stürzte. Diese Tatsache ist eindeutig bewiesen und weithin bekannt.
4:19
Und zu Seinen Zeichen gehören Seine hehre Würde, Seine hohe Stufe, Seine alles überragende Herrlichkeit und die Ausstrahlung Seiner Schönheit hoch über das Gefängnis hinaus, so dass sich die Häupter vor Ihm beugten, die Stimmen sich senkten und nur demütige Gesichter Seinen Weg kreuzten. Das ist ein Beweis, wie er in vorangegangenen Zeitaltern niemals erbracht wurde.
4:20
Und weiter gehören zu Seinen Zeichen die fortwährenden, außergewöhnlichen Taten, die vollbrachten Wunder, die Wundertaten, die ohne Unterbrechung von Ihm ausgingen, wie der Regen aus Seinen Wolken fällt – und die Bestätigung Seines gewaltigen Lichtes selbst durch Ungläubige. Bei Seinem Leben! Das ist eindeutig nachgewiesen. Es zeigte sich den Angehörigen jedweder Überzeugung, die in die Gegenwart des lebendigen, des selbstbestehenden Herrn gelangten.
4:21
Und schließlich gehören zu Seinen Zeichen die Sonne Seiner Ära mit ihren weitreichenden Strahlen, der aufgehende Mond Seiner Epoche am Himmel aller Zeitalter; Sein Tag, der im Zenit aller Tage steht, was Rang und Macht, allumfassende Wissenschaften und Künste anbelangt, welche die Welt verblüffen und den Geist der Menschen in Erstaunen versetzen.
4:22
Wahrlich, dies ist eine Tatsache, die für alle Zeiten unumstößlich feststeht.
5
5:1
Das große Licht der Welt, das die ganze Menschheit erhellte, ist untergegangen, um ewig vom Horizont Abhá, Seinem Reich unvergänglicher Herrlichkeit, zu strahlen, Seine Pracht aus der Höhe über Seine Geliebten zu ergießen und ihren Herzen und Seelen den Odem ewigen Lebens einzuflößen.
5:2
Denket nach in Eurem Herzen über das, was Er in Seinem weltweit verbreiteten Sendbrief von der göttlichen Schau vorausgesagt hat. Er spricht darin: »Daraufhin klagte sie und rief: ›Möge die Welt mit allem darin ein Lösegeld sein für Deine Leiden. O Du Herrscher über Himmel und Erde! Warum hast Du Dich den Bewohnern dieser Gefängnisstadt ‘Akká in die Hände gegeben? Eile in andere Herrschaftsgebiete, zu Deinen überirdischen Zufluchtsorten, die das Volk der Namen noch nie geschaut hat.‹ Wir lächelten und schwiegen. Denke nach über diese höchsterhabenen Worte und begreife den Sinn dieses verborgenen, heiligen Mysteriums.«
5:3
O ihr Geliebten des Herrn! Hütet euch, hütet euch, dass ihr weder zögert noch schwankt. Lasst nicht zu, dass Furcht euch ergreift, Unruhe oder Verzweiflung über euch kommt. Nehmt euch in Acht, dass dieser verhängnisvolle Tag nicht die Flammen eurer Begeisterung lösche und eure zarten Hoffnungen ersticke. Heute ist der Tag der Standhaftigkeit und der Treue. Selig sind, die fest und unerschütterlich bleiben wie der Fels, die dem Sturm und Druck dieser aufwühlenden Stunde mutig entgegentreten. Sie werden wahrlich Gottes Gnade empfangen; sie werden wahrlich Seinen göttlichen Beistand erlangen und wahrhaft siegreich sein. Sie werden unter den Menschen mit solchem Glanz aufleuchten, dass die Bewohner des Zeltes der Herrlichkeit sie preisen und rühmen. Ihnen ward dieser himmlische Ruf verkündet, der in Seinem Heiligsten BuchKitáb-i-Aqdas – Anm. d. Hrsg.A offenbart ist: »Seid nicht verstört im Herzen, o Menschen, wenn die Herrlichkeit Meiner Gegenwart entschwunden und das Meer Meiner Äußerung verebbt sein wird. In Meiner Gegenwart unter euch liegt eine Weisheit, und in Meinem Fernsein liegt eine andere, unergründlich für alle außer Gott, dem Unvergleichlichen, dem Allwissenden. Wahrlich, von Unserem Reiche der Herrlichkeit aus schauen Wir auf euch und werden jedem, der sich für den Sieg Unserer Sache erhebt, mit den himmlischen Heerscharen und einer Schar Unserer begünstigten Engel beistehen.«Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 72:1 – Anm. d. Hrsg.Q
5:4
Die Sonne der Wahrheit, dieses Größte Licht, ging am Horizont der Welt unter, um mit unsterblichem Glanz über dem Reich des Grenzenlosen aufzugehen. In Seinem Heiligsten Buch ruft Er den Festen und Standhaften unter Seinen Freunden zu: »Seid nicht verzagt, o Völker der Welt, wenn die Sonne Meiner Schönheit untergegangen und der Himmel Meines Heiligtums vor eueren Augen verhüllt sein wird. Erhebt euch, um Meine Sache weiterzutragen und Mein Wort unter den Menschen zu erhöhen.«Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 71:1 – Anm. d. Hrsg.Q
6
6:1
O ihr Völker des Königreiches! Wie viele Seelen verbrachten ihr ganzes Leben in Anbetung, ertrugen die Kasteiung des Fleisches, sehnten sich nach Zutritt zum Reich Gottes und scheiterten dennoch. Ihr aber habt dieses Ziel ohne Mühe, Qual oder Selbstverleugnung erreicht und das Reich betreten.
6:2
Es ist wie zur Zeit des Messias, als die Pharisäer und die Frommen leer ausgingen, während Petrus, Johannes und Andreas, die sich weder der frommen Anbetung noch der Askese hingaben, den Sieg davontrugen. Darum danket Gott, dass Er euch die Krone ewiger Herrlichkeit aufs Haupt drückte und euch diese unermessliche Gnade gewährte.
6:3
Es ist an der Zeit, dass ihr aus Dankbarkeit für diese Gnadengabe Tag für Tag an Glauben und Standhaftigkeit wachset. Ihr solltet dem Herrn, eurem Gott, immer näher kommen und in solchem Maße angezogen und entflammt werden, dass eure heiligen Melodien zum Lobe des Geliebten die Scharen der Höhe erreichen, dass jeder von euch gleich einer Nachtigall in diesem Rosengarten Gottes den Herrn der Heerscharen verherrliche und zum Lehrer werde für alle, die auf Erden wohnen.
7
7:1
O ihr geistigen Freunde ‘Abdu’l-Bahás! Ein vertrauter Bote ist angekommen und hat in der Welt des Geistes eine Botschaft von Gottes Geliebten überbracht. Dieser glückverheißende Bote trägt den Duft der Inbrunst und Begeisterung, den Lebenshauch der Liebe Gottes. Er lässt die Herzen vor Freude tanzen und erfüllt die Seelen mit Entzücken und mit überströmender Liebe. So stark hat die Herrlichkeit göttlicher Einheit Herzen und Seelen durchdrungen, dass sie nun alle durch himmlische Bande verbunden sind, ein Herz und eine Seele. So spiegeln sie jetzt aus tiefem Herzensgrund klar und deutlich den Abglanz des Geistigen und den Eindruck des Göttlichen. Ich erbitte von Gott, dass Er diese geistigen Bande Tag für Tag festige und diese mystische Einheit immer heller strahlen lasse, bis schließlich alle zu Heerscharen werden, gesammelt unter dem Banner des Bündnisses, unter dem Schutz und Schirm des Wortes Gottes; dass sie mit ganzer Kraft nach allumfassender, enger, herzlicher Freundschaft streben, und dass echte Liebe und geistige Verbundenheit alle Herzen in der Welt zusammenschmieden. Dann wird die ganze Menschheit durch diese neue hellstrahlende Gnadengabe in einem einzigen Heimatland versammelt. Dann werden Kampf und Streit von der Erdoberfläche verschwinden; dann wird die Menschheit in der Liebe zur Schönheit des Allherrlichen geborgen sein. Missklang wird sich in Einklang wandeln, Streit in Übereinstimmung. Die Wurzeln aller Bosheit werden ausgerissen, die Grundlagen der Angriffswut vernichtet werden. Die hellen Strahlen der Vereinigung werden das Dunkel der Grenzen verscheuchen, und himmlischer Glanz wird das menschliche Herz zu einem Schatzberg machen, der von der Liebe Gottes wie von Goldadern durchzogen ist.
7:2
O ihr Geliebten des Herrn! Dies ist die Stunde, da ihr euch mit allen Völkern der Erde in höchster Güte und Liebe verbinden sollt, da ihr die Zeichen und Merkmale von Gottes unermesslicher Barmherzigkeit für sie sein sollt. Ihr müsst die wahre Seele der Welt werden, der Lebenshauch im Leib der Menschenkinder. In diesem wundervollen Zeitalter, da die Urewige Schönheit, der Größte Name mit zahllosen Gaben am Horizont der Welt erschienen ist, flößt Gott durch Sein Wort dem innersten Wesenskern der Menschheit solche erstaunlichen Kräfte ein, dass Er menschlichen Eigenschaften alle Wirkung nimmt und die Völker mit Seiner allbezwingenden Macht in einem weiten Meer der Einheit zusammenführt.
7:3
Jetzt ist es Zeit für die Geliebten Gottes, das Banner der Einheit hochzurecken, in den Versammlungen der Welt die Lieder der Liebe und Freundschaft anzustimmen und allen zu zeigen, dass Gottes Gnade einzig ist. Dann werden die Tabernakel der Heiligkeit auf den Gipfeln der Erde errichtet, und alle Völker werden im schützenden Schatten des Wortes der Einheit versammelt. Dieser große Segen wird über der Welt aufgehen, wenn die Geliebten Gottes sich erheben, Seine Lehren auszuführen und den frischen, süßen Duft weltumspannender Liebe nah und fern zu verbreiten.
7:4
Das Gebot der Liebe und Freundschaft galt in jeder Sendung; aber dieses Gebot war begrenzt auf die Gemeinschaft derer, die miteinander einig waren. Es galt nicht gegenüber andersdenkenden Feinden. Gelobt sei Gott, denn in diesem wundervollen Zeitalter sind Gottes Gebote nicht abgegrenzt oder auf eine bestimmte Gruppe beschränkt. Vielmehr ist allen Freunden zur Pflicht gemacht, jeder Gemeinschaft auf Erden Liebe und Freundschaft, Rücksicht, Großmut und Wohlwollen entgegenzubringen. Jetzt müssen sich die Geliebten Gottes erheben, Seine Gebote in die Tat umzusetzen: Lasst sie den Menschenkindern gütige Väter sein, der Jugend mitfühlende Brüder, den vom Alter Gebeugten selbstlose Nachkommen. Das bedeutet, dass ihr jedem menschlichen Wesen zarte Liebe erzeigt, selbst euren Feinden, und dass ihr sie alle mit ungetrübter Freundschaft, mit Frohsinn und Güte willkommen heißt. Sollte euch jemand grausam verfolgen, so haltet ihm die Treue. Sollte Bosheit euren Weg kreuzen, so antwortet mit freundlichem Herzen. Wenn Speere und Pfeile auf euch regnen, so bietet eure Brust als spiegelblanke Zielscheibe; und als Antwort auf Fluch, Spott und böse Worte erzeigt überströmende Liebe. So werden alle Völker die Kraft des Größten Namens bezeugen; jedes Volk wird die Macht der Urewigen Schönheit anerkennen und sehen, wie Er die Mauern der Zwietracht niederreißt, wie sicher Er alle Völker auf Erden zur Einheit führt, wie Er die Menschenwelt erleuchtet und diese staubige Erde Lichtströme ausstrahlen lässt.
7:5
Diese menschlichen Wesen sind wie Kinder: frech und unbekümmert. Solche Kinder müssen erzogen werden mit grenzenloser Liebe und Fürsorge; sie müssen gütig gehegt werden in den Armen der Gnade, so dass sie die Liebe Gottes in ihrer geistigen Honigsüße kosten, dass sie zu Kerzen werden, die ihre Strahlen in diese finstere Welt ergießen, und deutlich erkennen, welche Flammenkronen der Herrlichkeit Er, der Größte Name, die Urewige Schönheit, Seinen Geliebten auf die Stirne setzt, welche reichen Gaben Er denen, die Er liebt, ins Herz legt, welche Liebe Er der Menschheit in die Brust pflanzt und welche Schätze an Freundschaft Er unter allen Menschen zum Vorschein bringt.
7:6
O Gott, mein Gott! Stehe Deinen vertrauten Dienern bei, dass sie liebevolle, empfindsame Herzen haben. Hilf ihnen, der Führung Licht, das von den himmlischen Heerscharen ausgeht, unter allen Erdenvölkern zu verbreiten. Wahrlich, Du bist der Starke, der Gewaltige, der Mächtige, der Allunterwerfende, der Immervergebende. Wahrlich, Du bist der Freigebige, der Sanfte, der Empfindsame, der Großmütigste.
8
8:1
O ihr Geliebten ‘Abdu’l-Bahás und ihr Dienerinnen des Barmherzigen! Es ist früh am Morgen, die belebenden Winde des Paradieses Abhá wehen über die ganze Schöpfung. Aber sie können nur jene bewegen, die reinen Herzens sind; nur der reine Sinn kann ihren Duft wahrnehmen. Nur das erkennende Auge erblickt die Sonnenstrahlen; nur das hörende Ohr kann dem Gesang der himmlischen Heerscharen lauschen. Zwar ergießt sich ergiebiger Frühlingsregen, der Segen des Himmels, auf alle Dinge; doch nur gute Erde kann er fruchtbar machen; den versalzenen Boden, auf dem alle Freigebigkeit keine Wirkung hervorbringen kann, den liebt er nicht.
8:2
Heute weht der sanfte, heilige Lufthauch des Reiches Abhá über alle Lande, aber nur, die reinen Herzens sind, kommen ihm nahe und können ihn nutzen. Diese unrecht behandelte Seele hofft, dass die Gnade des Selbstbestehenden und die offenbare Kraft des Wortes Gottes die Köpfe der Gedankenlosen freimachen, so dass sie den süßen Duft wahrnehmen, der aus den verborgenen Rosenbeeten des Geistes weht.
8:3
O ihr Freunde Gottes! Wahre Freunde sind wie erfahrene Ärzte, und Gottes Lehren sind wie heilender Balsam für das Bewusstsein des Menschen. Sie machen den Kopf klar, so dass der Mensch sie einatmen und sich an ihrem süßen Duft erfreuen kann. Sie erwecken die Schläfer. Sie machen die Achtlosen bewusst, schenken den Ausgestoßenen ihren Anteil und den Entmutigten Hoffnung.
8:4
Wenn an diesem Tag ein Mensch in Übereinstimmung mit Gottes Geboten und Ratschlägen handelt, wird er der Menschheit als göttlicher Arzt dienen, und wie die Posaune IsráfílsIsráfíl ist der Engel, der nach der Überlieferung am Tag der Auferstehung in die Posaune stößt, um auf Befehl des Herrn die Toten zu erwecken.A wird er die Toten dieser bedingten Welt zum Leben rufen. Denn die Bestätigungen des Reiches Abhá strömen ununterbrochen, und eine Seele von solcher Tugend hat die unfehlbare Hilfe der himmlischen Heerscharen zum Beistand. So wird eine winzige Mücke zum machtvollen Adler, ein armseliger Spatz wandelt sich zu einem königlichen Falken in den Höhen urewiger Herrlichkeit.
8:5
Schaut deshalb nicht auf eure beschränkten Fähigkeiten, fragt nicht, ob ihr der Aufgabe würdig seid: Setzt eure Hoffnungen auf die Hilfe und Güte, die Gaben und Segnungen Bahá’u’lláhs – möge meine Seele ein Opfer für Seine Freunde sein! Jagt auf dem Kampfross hehren Strebens über das Schlachtfeld des Opfers, traget aus dieser weiten Kampfbahn den Preis göttlicher Güte von dannen.
8:6
O ihr Dienerinnen des barmherzigen Herrn! Wieviele Königinnen dieser Welt legten ihr Haupt auf ein Kissen aus Staub und schwanden dahin. Keine Frucht, keine Spur, kein Zeichen, nicht einmal ihre Namen ließen sie zurück. Für sie gibt es keinen Segen, ja kein Leben mehr. Nicht so die Dienerinnen an der Schwelle Gottes! Hell wie glitzernde Sterne leuchten sie an den Himmeln urewiger Herrlichkeit und verströmen ihren Glanz über alle Zeit. Sie haben ihre tiefsten Hoffnungen im Paradies Abhá erfüllt, sie haben den Honig der Wiedervereinigung in der Gemeinde des Herrn gekostet. Seelen wie diese nutzten ihr Erdendasein: Sie pflückten die Frucht des Lebens. Und die anderen? »Über sie brach wahrlich eine Zeit herein, da sie vergessen waren.«
8:7
O ihr Geliebten dieses Unterdrückten! Wischt euch die Augen, dass ihr keinen Menschen anders betrachtet als euch selbst. Seht keine Fremden, seht vielmehr alle Menschen als Freunde; denn Liebe und Einheit fallen schwer, wenn ihr den Blick auf das Andersartige heftet. Und in diesem neuen, wunderbaren Zeitalter lehren uns die heiligen Schriften, dass wir mit jedem Volk eins sein müssen, dass wir weder Grobheit noch Unrecht, weder bösen Willen noch Feindschaft oder Hass beachten dürfen. Vielmehr müssen wir unsere Augen auf den Himmel urewiger Herrlichkeit richten; denn jedes Geschöpf ist ein Zeichen Gottes, es kam durch die Gnade des Herrn und durch Seine Macht in die Welt. Deshalb ist keiner ein Fremder, jeder gehört zur Familie. Keiner ist Ausländer, jeder ein Freund, und jeder muss als Freund behandelt werden.
8:8
So müssen sich die Geliebten Gottes in herzlicher Verbundenheit Fremden wie Freunden gleicherweise zuwenden und allen das höchste Maß an Wohlwollen entgegenbringen. Dabei dürfen sie nicht auf ihre beschränkten Möglichkeiten achten und niemals fragen, ob es die anderen verdienen, geliebt zu werden. Lasst die Freunde in jedem Fall rücksichtsvoll und unendlich gütig sein. Lasst sie nie den Mut verlieren wegen der Bosheit der Leute, ihrer Angriffslust und ihrem Hass, wie schlimm das auch sei. Wenn andere ihre Speere nach euch schleudern, so bietet ihnen Milch und Honig als Gegengabe. Wenn sie euch das Leben vergiften, versüßt ihnen die Seele. Wenn sie euch schaden, lehrt sie, wie man getröstet wird. Wenn sie euch eine Wunde schlagen, seid Balsam für ihre Schmerzen. Wenn sie nach euch stechen, setzt ihnen einen erfrischenden Becher an die Lippen.
8:9
O Gott, mein Gott! Dies sind Deine schwachen Diener, Deine ergebenen Knechte und Mägde, die sich niederbeugen vor Deinem erhabenen Wort, sich demütigen an Deiner strahlenden Schwelle und Deine Einheit bezeugen, welche die Sonne in ihrem Mittagsglanz erstrahlen ließ. Sie lauschen dem Ruf, den Du aus Deinem verborgenen Reich erhebst, und bebenden Herzens, voll Liebe und Entzücken antworten sie darauf.
8:10
O Herr, lasse auf sie alle die Schauer Deines Erbarmens, die Wasser Deiner Gnade herabregnen. Lasse sie zu herrlichen Pflanzen des Himmelsgartens heranwachsen. Gib, dass dieser Garten unter den reichen Wolken Deiner Gnadengaben und aus den tiefen Wassern Deiner unendlichen Güte allezeit frisch und prächtig grüne und blühe.
8:11
Du bist wahrlich der Mächtige, der Erhabene, der Gewaltige, der allein in den Himmeln und auf Erden unverwandelt bleibt. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Herrn offenbarer Zeichen und Beweise.
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