‘Abdu’l-Bahá | Briefe und Botschaften
weiter nach oben ...
61:1
O Herr, der Du alle segnest, die fest im Bündnis stehen, indem Du sie fähig machst, aus Liebe zum Licht der Welt all ihren Besitz als Opfer hinzugeben für den Mashriqu’l-Adhkár, den Tagesanbruch Deines weitreichenden Lichtes und Verkünder Deiner Zeugnisse! Hilf Du diesen Gerechten, diesen Aufrichtigen und Gottesfürchtigen in dieser und der künftigen Welt, dass sie Deiner heiligen Schwelle immer näher kommen, und erleuchte ihre Angesichter mit Deinem Strahlenglanz.
61:2
Wahrlich, Du bist der Großmütige, der Ewig-Schenkende.
62
62:1
O meine inniggeliebte Tochter im Königreich! Dr. Esslemont hat deinen Brief an ihn ins Land der Sehnsuchtdas Heilige Land.A weitergereicht. Ich las ihn mit größter Aufmerksamkeit vom Anfang bis zum Ende. Einerseits war ich zutiefst gerührt, weil du deine schönen Locken abgeschnitten hast mit der Schere der Loslösung von dieser Welt und der Selbstopferung auf dem Pfade des Königreiches. Andererseits war ich hoch erfreut; denn diese inniggeliebte Tochter hat einen solchen Geist der Selbsthingabe bewiesen, dass sie einen so teuren Teil ihres Leibes auf dem Pfade der Sache Gottes darbrachte. Hättest du mich gefragt, so wäre ich auf keinen Fall damit einverstanden gewesen, dass du auch nur ein einziges Haar deiner anmutigen Lockenpracht abgeschnitten hättest; nein, ich selbst hätte in deinem Namen für den Mashriqu’l-Adhkár gespendet. Deine Tat ist jedoch ein beredtes Zeugnis für deinen hehren Geist der Selbsthingabe. Du hast wahrlich dein Leben geopfert, und groß werden die geistigen Wirkungen für dich selber sein. Vertraue allezeit darauf, dass du Tag für Tag fortschreiten und weiter an Festigkeit und Beständigkeit wachsen wirst. Bahá’u’lláhs Gnadengaben werden dich umfangen, die frohe Botschaft aus der Höhe wird dir immer neu zuteil werden. Ist es auch dein Haar, das du geopfert hast, so wirst du doch vom Geist erfüllt sein, und ist es auch dieses vergängliche Stück deines Leibes, das du auf dem Pfade Gottes hingegeben hast, so wirst du doch die Gottesgabe entdecken, die himmlische Schönheit schauen, unvergängliche Herrlichkeit erwerben und ewiges Leben erlangen.
63
63:1
O ihr gesegneten Seelen!die Bahá’í von Najaf-Ábád.A Euer Brief an Raḥmatu’lláh wurde zur Kenntnis genommen. Er enthielt vielerlei frohe Botschaften, vor allem die, dass durch die Kraft des Glaubens und die Beständigkeit im Bündnis zahlreiche Zusammenkünfte einberufen wurden und dass die Geliebten überall rege und aktiv sind.
63:2
Es war immer ‘Abdu’l-Bahás brennender Wunsch, dass die Gefilde jenes geheiligten Ortes, bereits in den frühesten Tagen der Sache Gottes neu belebt und grünend unter den Frühlingsschauern der Gnade, immerfort so leuchten und blühen, dass jedes Herz sich mit Freude füllt.
63:3
Gepriesen sei der Herr! Überall in Ost und West wurde Gottes Sache so verkündet und vorangetragen, dass sich niemand je vorstellen konnte, wie rasch der süße Duft des Herrn alle Bereiche durchdringt. Dies geschah wahrlich nur durch die vollendeten Gnadengaben der ewiggesegneten Schönheit, deren Gunst und siegreiche Macht immer wieder in überreichem Maß empfangen ward.
63:4
Eines der wunderbaren Ereignisse, das erst kürzlich eintrat, ist die Errichtung des Mashriqu’l-Adhkár im Herzen des amerikanischen Kontinents sowie die Tatsache, dass zahllose Seelen im Umkreis für die Errichtung dieses heiligen Tempels spenden. Unter ihnen ist eine hochgeschätzte Dame aus der Stadt Manchester, die auch gerne ihren Beitrag leisten wollte.
63:5
Da sie weder Gut noch Geld besaß, schnitt sie mit eigener Hand die schönen, langen, kostbaren Locken ab, die ihr Haupt anmutig zierten, und bot sie zum Verkauf an, um mit dem Erlös das Vorhaben des Mashriqu’l-Adhkár zu unterstützen.
63:6
Bedenkt: Obwohl in den Augen der Frauen nichts kostbarer ist als volles, langes, lockiges Haar, hat diese hochverehrte Dame dessen ungeachtet einen so seltenen, wundervollen Geist der Selbstaufopferung bekundet.
63:7
Und obgleich diese Tat nicht verlangt war und ‘Abdu’l-Bahá ihr nicht zugestimmt hätte, zeigt sie doch einen so hehren, edlen Geist der Hingabe, dass er zutiefst gerührt war. Wie kostbar das Haar in den Augen westlicher Frauen auch sei, kostbarer selbst als das Leben, gab sie es hin als ein Opfer für die Sache des Mashriqu’l-Adhkár!
63:8
Wie berichtet wird, tat einst der Gesandte GottesMuhammad.A Seinen Wunsch kund, dass eine Streitmacht in eine bestimmte Richtung vorstoßen solle. Den Gläubigen wurde die Erlaubnis gewährt, für den heiligen Krieg Beiträge einzuziehen. Unter den vielen Spendern war ein Mann, der tausend Kamele gab, jedes beladen mit Getreide, ein anderer stiftete die Hälfte seines Vermögens, wieder einer bot alles, was er hatte. Aber eine hochbetagte Frau, deren ganzer Besitz eine Handvoll Datteln war, kam zum Gesandten und legte Ihm ihren bescheidenen Beitrag zu Füßen. Daraufhin befahl der Prophet Gottes – möge mein Leben ein Opfer für Ihn sein –, dass diese Handvoll Datteln zuoberst auf alle gesammelten Spenden gelegt werde, damit ihr Wert und Vorrang vor allem anderen zum Ausdruck komme. Dies geschah, weil die alte Frau keinen anderen irdischen Besitz hatte.
63:9
In ähnlicher Weise hatte diese geschätzte Dame nichts zu geben als ihre kostbaren Locken, die sie ruhmreich für die Sache des Mashriqu’l-Adhkár opferte.
63:10
Denkt darüber nach, wie mächtig und stark die Sache Gottes geworden ist! Eine Frau aus dem Westen gibt ihr Haar für die Herrlichkeit des Mashriqu’l-Adhkár.
63:11
Das ist wahrlich eine Lektion für diejenigen, die begreifen.
63:12
Ich möchte noch sagen, ich bin sehr zufrieden mit den Geliebten in Najaf-Ábád; denn sie haben vom ersten Dämmerlicht der Sache Gottes bis zum heutigen Tage ausnahmslos unter allen Bedingungen einen großartigen Geist der Selbsthingabe bewiesen.
63:13
Zaynu’l-Muqarrabín hat sein Leben lang mit der ganzen Aufrichtigkeit seiner makellosen Seele für die Gläubigen in Najaf-Ábád gebetet und Gottes Gnade und Seine göttliche Bestätigung für sie erfleht.
63:14
Dem Herrn sei Dank, dass die Gebete dieser gütigen Seele erhört wurden; die Wirkungen sind überall offenkundig.
64
64:1
Der Mashriqu’l-Adhkár ist eine der wichtigsten Institutionen auf der Welt. Er hat viele ergänzende Einrichtungen. Zwar ist er ein Haus der Andacht, ihm sind aber ein Krankenhaus, eine Apotheke, ein Hospiz für Reisende, eine Schule für Waisen und eine Universität für fortgeschrittene Studien angeschlossen. Zu jedem Mashriqu’l-Adhkár gehören diese fünf Dinge. Es ist meine Hoffnung, dass in Amerika jetzt der Mashriqu’l-Adhkár errichtet werde und dass dann allmählich das Krankenhaus, die Schule, die Universität, die Apotheke und das Hospiz folgen werden, alle nach dem wirksamsten, zweckmäßigsten Verfahren arbeitend. Macht dies alles unter den Geliebten des Herrn bekannt, so dass sie verstehen, wie überragend groß die Bedeutung dieses ›Aufgangsortes des Gedenkens Gottes‹ ist. Der Tempel ist nicht nur ein Ort der Anbetung. Er ist vielmehr in jeder Hinsicht ein umfassendes Ganzes.
64:2
O du liebe Magd Gottes! Wenn du nur erkennen könntest, welch hohe Stufe denjenigen Seelen bestimmt ist, die sich von der Welt lösen, mit aller Macht zum Glauben hingezogen sind und unter dem schützenden Schatten Bahá’u’lláhs lehren! Wie würdest du jubeln, wie würdest du voll Begeisterung und Entzücken die Flügel breiten und himmelwärts steigen – weil du ein Jünger auf diesem Pfad, ein Wanderer zu diesem Königreich bist.
64:3
Die Bedeutung der Worte, die ich in meinem Brief gebrauchte, als ich dich hieß, dich dem Dienst an der Sache Gottes zu weihen, ist: Richte deine Gedanken allein auf das Lehren des Glaubens. Handle Tag und Nacht nach den Lehren, Ratschlägen und Ermahnungen Bahá’u’lláhs. Das schließt eine Ehe nicht aus. Du kannst dir einen Mann nehmen und zugleich der Sache Gottes dienen; das eine schließt das andere nicht aus. Erkenne den Wert dieser Tage; lasse diese Gelegenheit nicht verstreichen. Bitte Gott, dich zu einer leuchtenden Kerze zu machen, damit du eine große Schar durch diese dunkle Welt führest.
65
65:1
O du begünstigte Magd des Himmelreiches! Dein Brief ist eingetroffen. Er zeigt hohes Streben und edle Ziele, denn du möchtest eine Reise in den Fernen Osten unternehmen und bist bereit, große Mühsal auf dich zu laden, um die Seelen zu führen und weit und breit die frohe Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden. Dieses Vorhaben zeigt, dass du, liebe Magd Gottes, das edelste aller Ziele im Herzen trägst.
65:2
Wenn du die frohe Botschaft überbringst, sprich gerade heraus und sage: Der Verheißene aller Völker der Welt ist jetzt offenbar. Denn alle Völker und Religionen erwarten einen Verheißenen, und Bahá’u’lláh ist der Eine, den alle erwarten; deshalb wird die Sache Bahá’u’lláhs die Einheit der Menschheit zustande bringen. Das Thronzelt der Einheit wird auf den Höhen der Welt errichtet werden, die Fahnen der einen Menschheit werden auf den Gipfeln der Erde gehisst. Wenn du deine Zunge lösest, diese große, frohe Botschaft zu künden, ist dies das Mittel, die Menschen zu lehren.
65:3
Deine geplante Reise geht allerdings in ein sehr fernes Land, und wenn nicht eine ganze Gruppe Menschen zur Verfügung steht, werden die frohen Botschaften dort nicht viel bewirken. Wenn du es für das beste hältst, reise stattdessen nach Persien und nimm den Rückweg über Japan und China. Dies scheint viel besser zu sein und weit vergnüglicher. In jedem Fall tu, was möglich erscheint, und es wird gutgeheißen.
66
66:1
O du, der du Erleuchtung suchst beim Licht der Führung! Preise Gott, dass Er dich zum Licht der Wahrheit leitet und dich einlädt, das Reich Abhá zu betreten. Dein Blick ward erleuchtet, dein Herz in einen Rosengarten verwandelt. Ich bete für dich, dass du immerdar an Glauben und Gewissheit wachsest, einer Fackel gleich in den Versammlungen strahlest und ihnen das Licht der Führung spendest.
66:2
Sooft die Freunde Gottes zu einer erleuchteten Versammlung zusammentreten, ist ‘Abdu’l-Bahá, obzwar körperlich abwesend, mit Geist und Seele dabei. Ich bin immer auf der Reise nach Amerika und gewisslich mit durchgeistigten, erleuchteten Freunden vereint. Die Entfernung ist aufgehoben. Sie kann die enge, innige Verbindung zweier Seelen, die sich von Herzen nah sind, selbst dann nicht verhindern, wenn sie in zwei verschiedenen Ländern sind. So bin ich dein enger Gefährte, ganz auf dich eingestimmt und im Einklang mit deiner Seele.
67
67:1
O du Herrin des Königreiches! Dein Brief aus New York ist angekommen. Sein Inhalt schenkt Freude und Glück, denn er zeigt, dass du mit festem Sinn und reiner Absicht entschlossen bist, nach Paris zu reisen, damit du in dieser stummen Stadt das Feuer der Liebe Gottes entzündest und mitten im Dunkel der stofflichen Welt wie eine strahlende Kerze leuchtest. Diese Reise ist sehr lobenswert und angebracht. Wenn du Paris erreichst, musst du dich bemühen, wie klein die Anzahl der Freunde auch sei, die Versammlung des Bündnisses zu errichten und die Seelen durch die Macht des Bündnisses zu beleben.
67:2
Paris ist tief entmutigt, in einem Zustand der Starre und bis jetzt nicht entflammt, obwohl die französische Nation aktiv und lebhaft ist. Die Stoffwelt hat Paris mit ihrem großen Zelt zugedeckt und religiöse Empfindungen beseitigt. Aber die Kraft des Bündnisses wird jede fröstelnde Seele erwärmen, wird auf alles Dunkle Licht verströmen und dem Gefangenen in den Klauen der stofflichen Welt Gottes Reich mit seiner wahren Freiheit bringen.
67:3
Erhebe dich jetzt in Paris mit der Kraft des Königreiches, mit göttlicher Bestätigung, mit echtem Eifer und Inbrunst, mit der Flamme der Liebe Gottes. Brülle wie eine Löwin, zeige solche Begeisterung und Liebe unter diesen wenigen Seelen, dass dir der Preis und Ruhm aus dem Gottesreich ständig zufließe und machtvolle Bestätigung auf dich herniederkomme. Bleibe gewiss! Wenn du entsprechend handelst und das Banner des Bündnisses hissest, wird Paris in Flammen stehen. Halte dich ständig an die Bestätigungen Bahá’u’lláhs und suche sie immerdar; denn sie verwandeln den Tropfen in ein Meer, die Mücke in einen Adler.
68
68:1
O ihr, die ihr fest seid im Bund und Testament! Euer Brief kam an, und jeder eurer gesegneter Namen wurde zur Kenntnis genommen. Dieser Brief hatte göttliche Eingebungen und offenbare Gnadengaben zum Inhalt, denn er zeigte die Einheit der Freunde und den Einklang aller Herzen.
68:2
Heute kreist Gottes ganz besondere Gunst um Einheit und Einklang unter den Freunden, auf dass diese Einheit und dieser Einklang die Einheit der Menschenwelt verkünden, die Erde aus dem tiefen Dunkel des Hasses und der Feindschaft befreien und die Sonne der Wahrheit in hellem, vollkommenem Mittagsglanz erstrahlen lassen.
68:3
Alle Völker der Welt geben sich heute dem Eigennutz hin und bieten alles auf, ihre materiellen Interessen voranzutreiben. Sie beten sich selbst an, statt die göttliche Wirklichkeit und die Welt der Menschheit anzubeten. Mit Bedacht suchen sie ihren eigenen Vorteil und nicht das Gemeinwohl; denn sie sind Gefangene der stofflichen Welt, ohne Bewusstsein für die göttlichen Lehren, die Gaben des Königreiches und die Sonne der Wahrheit. Ihr aber, Preis sei Gott, seid derzeit mit dieser Gabenfülle besonders gesegnet: Ihr seid unter die Erwählten aufgenommen, ihr seid über den himmlischen Befehl im Bilde, ihr habt Einlass ins Reich Gottes erlangt, ihr wurdet Empfänger grenzenlosen Segens, getauft mit dem Wasser des Lebens, dem Feuer der Liebe Gottes und dem Heiligen Geist.
68:4
Strebet deshalb mit Herz und Seele danach, brennende Kerzen in der Versammlung der Welt zu werden, funkelnde Sterne am Horizont der Wahrheit, Sprachrohre für die Verkündigung des strahlenden Gottesreiches, damit die Menschenwelt verwandelt werde in ein Reich des Himmels, die niedere Welt in die Welt der Höhe, damit die Liebe Gottes und die Gnade des Herrn ihren Baldachin hoch über der Welt aufrichten, die Menschenseelen zu Meereswellen der Wahrheit werden, die Welt der Menschheit zu einem gesegneten Baum zusammenwachse, die Verse der Einheit erklingen und die Lieder der Heiligkeit bis zu den himmlischen Heerscharen aufsteigen.
68:5
Tag und Nacht flehe ich demütig zum Reiche Gottes und erbitte für euch grenzenlosen Beistand und Bestätigung. Schaut nicht auf eure eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, sondern richtet euren Blick auf die vollendete Gnade, die göttlichen Segnungen und die Macht des Heiligen Geistes – die Macht, die den Tropfen zur See, den Stern zur Sonne werden lässt.
weiter nach unten ...