‘Abdu’l-Bahá | Briefe und Botschaften
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76:1
O du, der du ein erleuchtetes Herz besitzt! Du bist wie die Pupille des Auges, der wirkliche Quell des Lichtes, denn Gottes Liebe hat ihre Strahlen auf dein innerstes Sein gerichtet, und du hast dein Antlitz dem Reich deines Herrn zugewandt.
76:2
Der Hass zwischen Schwarz und Weiß sitzt in Amerika sehr tief, aber ich hoffe, dass die Macht des Königreiches diese beiden Rassen in Freundschaft verbinden und ihnen als heilender Balsam dienen wird.
76:3
Führt sie dazu, nicht auf die Hautfarbe eines Menschen zu achten, sondern auf sein Herz. Ist des Menschen Herz von Licht erfüllt, so ist er der Schwelle seines Herrn nahe, wenn nicht, ist er seinem Herrn gegenüber gleichgültig, sei er weiß oder schwarz.
77
77:1
O du verehrte Dienerin Gottes! Dein Brief aus Los Angeles ist angekommen. Danke der göttlichen Vorsehung, dass du im Dienen Beistand fandest und die Einheit der Menschenwelt verkünden konntest, so dass die düsteren Unterschiede zwischen den Menschen verschwinden und die Einheit der Nationen wie ein Festzelt alle Bereiche überschattet. Ohne diese Einheit sind Ruhe und Behagen, Frieden und weltweite Aussöhnung unerreichbar. Unser erleuchtetes Jahrhundert braucht diese Erfüllung und verlangt danach. In jedem Jahrhundert wird nach den Bedürfnissen der Zeit ein besonderes, zentrales Thema von Gott bestätigt. In unserem erleuchteten Zeitalter ist es die Einheit der Menschenwelt. Jede Seele, die dieser Einheit dient, wird zweifelsohne unterstützt und bestätigt.
77:2
Ich hoffe, dass du in den Versammlungen mit einer süßen Melodie Lobpreisungen singen und allen damit Glück und Freude bringen wirst.
78
78:1
O du, der du reinen Herzens, geheiligten Geistes, unvergleichlichen Charakters und strahlenden Antlitzes bist! Dein Lichtbild ist angekommen und zeigt deine leibliche Gestalt in höchster Anmut und vollendeter Erscheinung. Du bist dunkel im Angesicht und hell im Charakter. Du bist wie die Pupille des Auges: dunkel an Farbe und doch Urquell des Lichtes und Offenbarer der abhängigen Welt.
78:2
Ich habe dich nicht vergessen, noch werde ich dich je vergessen. Ich flehe zu Gott, Er möge dich in Seiner Gnade zum Zeichen Seiner Gaben unter der Menschheit machen, dein Antlitz erleuchten mit dem Lichte solcher Segnungen, wie sie der barmherzige Herr verleiht, und dich damit für Seine Liebe auswählen in dieser Zeit, die vor allen vergangenen Jahrhunderten und Zeitaltern ausgezeichnet ist.
79
79:1
O verehrte Persönlichkeit! Ich habe Ihr Werk The Gospel of WealthEin Aufsatz aus dem Buch The Gospel of Wealth von Andrew Carnegie (1835–1919) wurde in England im Pall Mall Budget unter der Überschrift The Gospel of Wealth wiedergegeben; vgl. Andrew Carnegie, Autobiography, p. 255, [deutsch Geschichte meines Lebens (1921)].A gelesen und darin sehr zutreffende, vernünftige Empfehlungen gefunden.
79:2
Um es kurz zu fassen: Die Lehren Bahá’u’lláhs empfehlen freiwilliges Teilen, und das bedeutet mehr als den Ausgleich des Wohlstands; denn der Ausgleich muss von außen auferlegt werden, Teilen aber ist Sache der freien Wahl.
79:3
Der Mensch vervollkommnet sich durch gute Taten, die er freiwillig ausführt, nicht durch gute Taten, zu denen er gezwungen wird. Teilen ist ein persönlich gewählter Akt der Gerechtigkeit. Das heißt, die Reichen sollten den Armen Hilfe gewähren, sollten ihre Mittel für die Armen ausgeben, aber aus freien Stücken und nicht deshalb, weil die Armen dieses Ziel durch Gewalt erreichen. Denn die Ernte der Gewalt ist Aufruhr und der Zerfall der Gesellschaftsordnung. Andererseits führt freiwilliges Teilen, die frei gewählte Ausgabe der eigenen Mittel, zu Wohlfahrt und Frieden der Gesellschaft. Es erleuchtet die Welt; es verleiht der Menschheit Ehre.
79:4
Ich habe die edlen Wirkungen Ihrer Menschenfreundlichkeit in Amerika an verschiedenen Universitäten, in Friedensversammlungen und Vereinigungen zur Bildungsförderung gesehen, als ich dort von Stadt zu Stadt reiste. Deshalb bete ich für Sie, dass Sie allezeit von den Gnadengaben und Segnungen des Himmels umfangen sein mögen, um viele menschendienliche Werke in Ost und West zu vollbringen. Mögen Sie wie eine flammende Kerze im Reiche Gottes leuchten, mögen Sie Ehre und ewiges Leben erlangen, strahlend wie ein heller Stern am Horizonte der Ewigkeit.
80
80:1
O du, der du dein Angesicht Gott zuwendest! Dein Brief ist angekommen. Seinem Inhalt entnehme ich, dass du den Armen zu dienen wünschst. Welcher Wunsch könnte edler sein! Seelen, die aus dem Reich Gottes stammen, wünschen sich sehnsüchtig, den Armen dienen zu können, mit ihnen zu fühlen, freundlich zu den Unglücklichen zu sein und ihr Leben fruchtbar zu machen. Glücklich bist du, dass du diesen Wunsch hegst.
80:2
Übermittle deinen beiden Kindern meine innige Liebe und Güte. Ihre Briefe sind angekommen, aber weil ich keine Zeit habe, kann ich keine besonderen Briefe schreiben. Zeige ihnen in meinem Namen höchste Güte.
81
81:1
Die Dienste der Seelen, die während des Krieges für die Armen sorgten und in der Rot-Kreuz-Mission tätig waren, werden im Reiche Gottes angenommen und verhelfen ihnen zu ewigem Leben. Übermittle ihnen diese frohe Botschaft.
82
82:1
O du, der du fest im Bündnis stehst! Dein Brief ist angekommen. Du hast dir um jenen Gefangenen große Mühe gemacht, vielleicht trägt das Früchte. Sage ihm aber: »Die Bewohner dieser Welt sind eingesperrt im Gefängnis der Natur – einem Gefängnis, das immer währt und ewig ist. Wenn du derzeit in einem vergänglichen Gefängnis festgehalten wirst, sei nicht bekümmert. Es ist meine Hoffnung, dass du aus dem Gefängnis der Natur befreit werdest und zum Hofe des ewigen Lebens gelangest. Bete Tag und Nacht zu Gott, bitte um Vergebung und Verzeihung. Die Allmacht Gottes wird jede Schwierigkeit lösen.«
83
83:1
Übermittle im Namen ‘Abdu’l-Bahás deiner verehrten Frau meine Abhá-Grüße und sage ihr: »Güte, Ausbildung und Erziehung für die Gefangenen sind äußerst wichtig. Du hast dich bemüht, hast einige von ihnen erweckt und veranlasst, ihr Angesicht dem Reiche Gottes zuzuwenden. Diese edle Tat ist höchst annehmbar. Fahre voller Zuversicht damit fort. Übermittle den beiden Gefangenen in San Quentin meine freundlichsten Grüße und sage ihnen: ›Dieses Gefängnis ist in den Augen weiser Seelen eine Schule der Übung und der Entwicklung. Ihr müsst mit Herz und Seele danach streben, dass ihr für euren Charakter und eure Erkenntnis berühmt werdet.‹«
84
84:1
O du geliebte Magd Gottes! Dein Brief kam an und sein Inhalt wurde zur Kenntnis genommen.
84:2
Für die Masse des Volkes ist die Ehe ein leibliches Band, und diese Verbindung kann nur vorübergehend sein, weil sie von vornherein dazu verurteilt ist, in einer körperlichen Trennung zu enden.
84:3
Unter dem Volk Bahás jedoch muss die Ehe sowohl eine leibliche als auch eine geistige Verbindung sein, da Mann und Frau vom selben Weine berauscht sind. Beide sind vom selben unvergleichlichen Antlitz bezaubert, beide leben und entwickeln sich durch den gleichen Geist, beide werden von der gleichen Herrlichkeit erleuchtet. Diese Verbindung ist geistiger Natur, und darum wird dieser Bund ewig bestehen. Ebenso werden sie sich in der stofflichen Welt einer starken, dauerhaften Verbindung erfreuen; denn wenn die Ehe auf Geist und Leib gegründet ist, ist sie eine echte Vereinigung, die überdauern wird. Ist die Verbindung jedoch nur eine leibliche, so ist sie gewiss nur vorübergehend und muss unvermeidlich zur Trennung führen.
84:4
Wenn daher das Volk Bahás zu heiraten gedenkt, muss dieser Bund eine echte Beziehung, ein geistiges wie körperliches Zusammenfinden sein, so dass diese Verbindung in allen Lebensabschnitten und Welten Gottes fortdauert, denn diese wahre Einheit ist ein Lichtstrahl der Liebe Gottes.
84:5
Ebenso werden die Seelen, wenn sie zu wahren Gläubigen heranwachsen, geistige Verwandtschaft erlangen und eine Zartheit aufweisen, die nicht von dieser Welt ist. Alle werden sie durch einen Hauch der göttlichen Liebe erhoben, und ihre Vereinigung, ihre Verbindung wird ebenfalls ewig bestehen. Seelen, die ihr Selbst dem Vergessen preisgeben, die menschliche Schwächen ablegen und sich von irdischen Bindungen lösen, werden zweifellos mit dem himmlischen Glanz der Einheit erleuchtet und in der unvergänglichen Welt alle zur wahren Vereinigung gelangen.
85
85:1
Was die Frage der Heirat im Einklang mit dem Gesetz Gottes betrifft: Zunächst musst du jemanden finden, der dir gefällt, und dann unterliegt die Sache der Zustimmung von Vater und Mutter. Ehe du nicht gewählt hast, haben sie kein Recht, sich einzumischen.
86
86:1
Bahá’í-Ehe bedeutet die Bindung zweier Partner aneinander, ihre gegenseitige Zuneigung mit Kopf und Herz. Jeder von beiden muss sich jedoch voller Sorgfalt bemühen, mit der Wesensart des anderen gründlich vertraut zu werden, so dass der feste Bund zwischen ihnen eine ewige Bindung werde. Ihr Bestreben muss sein, liebevolle Gefährten und für immer und ewig miteinander eins zu sein…
86:2
Die wahre Bahá’í-Ehe bedeutet, dass Mann und Frau leiblich und geistig eins sein sollen, dass sie einander ständig in ihrem geistigen Leben vervollkommnen und sich in allen Welten Gottes ewiger Einheit erfreuen. Dies ist die Bahá’í-Ehe.
87
87:1
O du Zeichen der Erinnerung an den, der für die Gesegnete Schönheit starb! Kürzlich kam die glückliche Nachricht deiner Vermählung mit jenem leuchtenden Blatt und hat die Herzen des Volkes Gottes ungemein erfreut. Voller Bescheidenheit wurden Fürbitten an der Heiligen Schwelle dargebracht, dass diese Ehe den Freunden ein Freudenbote sei, dass sie ein Liebesband werde für alle Ewigkeit, dass sie ewigwährende Gaben und Früchte hervorbringe.
87:2
Aus der Trennung kommt alle Art Schaden und Leid, aber die Vereinigung von Erschaffenem führt zu höchst löblichen Ergebnissen. In der Paarung selbst der kleinsten Teilchen aus der Welt des Seins offenbart sich Gottes Güte und Gnade, und je höher die Stufe, umso bedeutender ist die Vereinigung. »Ehre sei Ihm, der alle Paare erschaffen hat aus den Dingen, welche die Erde hervorbringt, aus den Menschen selbst und aus den Dingen jenseits ihres Gesichtskreises.«Qur’án 36:36; vgl. 51:49.Q Und erhaben über jede andere Verbindung ist die Verbindung der Menschen miteinander, besonders wenn sie in der Liebe Gottes zustande kommt. So wird die Ureinheit sichtbar, so wird die Grundlage der Liebe im Geiste gelegt. Es ist gewiss, dass eine Heirat wie die eure zur Offenbarung göttlichen Segens führt. So wünschen wir euch Glück und himmlischen Segen und bitten Ihn, die Gesegnete Schönheit, durch Seine Hilfe und Gnade dieses Hochzeitsfest zu einer großen Freude für alle zu machen und es mit der Harmonie des Himmels zu schmücken.
87:3
O mein Herr, o mein Herr! Diese beiden hellen Gestirne sind in Deiner Liebe vermählt, vereint in der Dienstbarkeit an Deiner heiligen Schwelle, in der Arbeit für Deine Sache. Mache diese Ehe zum Leitstern Deiner überreichen Gnade, o mein Herr, Du Allbarmherziger, und zum leuchtenden Strahl Deines Segens, Du Wohltäter, Du Immergebender, auf dass von diesem großen Baum Zweige sprießen, die grünen und blühen durch die Gaben, die wie der Regen aus den Wolken Deiner Gnade fallen.
87:4
Wahrlich, Du bist der Freigebige, wahrlich, Du bist der Allmächtige, wahrlich, Du bist der Mitleidvolle, der Allbarmherzige.
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