‘Abdu’l-Bahá | Briefe und Botschaften
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82:1
O du, der du fest im Bündnis stehst! Dein Brief ist angekommen. Du hast dir um jenen Gefangenen große Mühe gemacht, vielleicht trägt das Früchte. Sage ihm aber: »Die Bewohner dieser Welt sind eingesperrt im Gefängnis der Natur – einem Gefängnis, das immer währt und ewig ist. Wenn du derzeit in einem vergänglichen Gefängnis festgehalten wirst, sei nicht bekümmert. Es ist meine Hoffnung, dass du aus dem Gefängnis der Natur befreit werdest und zum Hofe des ewigen Lebens gelangest. Bete Tag und Nacht zu Gott, bitte um Vergebung und Verzeihung. Die Allmacht Gottes wird jede Schwierigkeit lösen.«
83
83:1
Übermittle im Namen ‘Abdu’l-Bahás deiner verehrten Frau meine Abhá-Grüße und sage ihr: »Güte, Ausbildung und Erziehung für die Gefangenen sind äußerst wichtig. Du hast dich bemüht, hast einige von ihnen erweckt und veranlasst, ihr Angesicht dem Reiche Gottes zuzuwenden. Diese edle Tat ist höchst annehmbar. Fahre voller Zuversicht damit fort. Übermittle den beiden Gefangenen in San Quentin meine freundlichsten Grüße und sage ihnen: ›Dieses Gefängnis ist in den Augen weiser Seelen eine Schule der Übung und der Entwicklung. Ihr müsst mit Herz und Seele danach streben, dass ihr für euren Charakter und eure Erkenntnis berühmt werdet.‹«
84
84:1
O du geliebte Magd Gottes! Dein Brief kam an und sein Inhalt wurde zur Kenntnis genommen.
84:2
Für die Masse des Volkes ist die Ehe ein leibliches Band, und diese Verbindung kann nur vorübergehend sein, weil sie von vornherein dazu verurteilt ist, in einer körperlichen Trennung zu enden.
84:3
Unter dem Volk Bahás jedoch muss die Ehe sowohl eine leibliche als auch eine geistige Verbindung sein, da Mann und Frau vom selben Weine berauscht sind. Beide sind vom selben unvergleichlichen Antlitz bezaubert, beide leben und entwickeln sich durch den gleichen Geist, beide werden von der gleichen Herrlichkeit erleuchtet. Diese Verbindung ist geistiger Natur, und darum wird dieser Bund ewig bestehen. Ebenso werden sie sich in der stofflichen Welt einer starken, dauerhaften Verbindung erfreuen; denn wenn die Ehe auf Geist und Leib gegründet ist, ist sie eine echte Vereinigung, die überdauern wird. Ist die Verbindung jedoch nur eine leibliche, so ist sie gewiss nur vorübergehend und muss unvermeidlich zur Trennung führen.
84:4
Wenn daher das Volk Bahás zu heiraten gedenkt, muss dieser Bund eine echte Beziehung, ein geistiges wie körperliches Zusammenfinden sein, so dass diese Verbindung in allen Lebensabschnitten und Welten Gottes fortdauert, denn diese wahre Einheit ist ein Lichtstrahl der Liebe Gottes.
84:5
Ebenso werden die Seelen, wenn sie zu wahren Gläubigen heranwachsen, geistige Verwandtschaft erlangen und eine Zartheit aufweisen, die nicht von dieser Welt ist. Alle werden sie durch einen Hauch der göttlichen Liebe erhoben, und ihre Vereinigung, ihre Verbindung wird ebenfalls ewig bestehen. Seelen, die ihr Selbst dem Vergessen preisgeben, die menschliche Schwächen ablegen und sich von irdischen Bindungen lösen, werden zweifellos mit dem himmlischen Glanz der Einheit erleuchtet und in der unvergänglichen Welt alle zur wahren Vereinigung gelangen.
85
85:1
Was die Frage der Heirat im Einklang mit dem Gesetz Gottes betrifft: Zunächst musst du jemanden finden, der dir gefällt, und dann unterliegt die Sache der Zustimmung von Vater und Mutter. Ehe du nicht gewählt hast, haben sie kein Recht, sich einzumischen.
86
86:1
Bahá’í-Ehe bedeutet die Bindung zweier Partner aneinander, ihre gegenseitige Zuneigung mit Kopf und Herz. Jeder von beiden muss sich jedoch voller Sorgfalt bemühen, mit der Wesensart des anderen gründlich vertraut zu werden, so dass der feste Bund zwischen ihnen eine ewige Bindung werde. Ihr Bestreben muss sein, liebevolle Gefährten und für immer und ewig miteinander eins zu sein…
86:2
Die wahre Bahá’í-Ehe bedeutet, dass Mann und Frau leiblich und geistig eins sein sollen, dass sie einander ständig in ihrem geistigen Leben vervollkommnen und sich in allen Welten Gottes ewiger Einheit erfreuen. Dies ist die Bahá’í-Ehe.
87
87:1
O du Zeichen der Erinnerung an den, der für die Gesegnete Schönheit starb! Kürzlich kam die glückliche Nachricht deiner Vermählung mit jenem leuchtenden Blatt und hat die Herzen des Volkes Gottes ungemein erfreut. Voller Bescheidenheit wurden Fürbitten an der Heiligen Schwelle dargebracht, dass diese Ehe den Freunden ein Freudenbote sei, dass sie ein Liebesband werde für alle Ewigkeit, dass sie ewigwährende Gaben und Früchte hervorbringe.
87:2
Aus der Trennung kommt alle Art Schaden und Leid, aber die Vereinigung von Erschaffenem führt zu höchst löblichen Ergebnissen. In der Paarung selbst der kleinsten Teilchen aus der Welt des Seins offenbart sich Gottes Güte und Gnade, und je höher die Stufe, umso bedeutender ist die Vereinigung. »Ehre sei Ihm, der alle Paare erschaffen hat aus den Dingen, welche die Erde hervorbringt, aus den Menschen selbst und aus den Dingen jenseits ihres Gesichtskreises.«Qur’án 36:36; vgl. 51:49.Q Und erhaben über jede andere Verbindung ist die Verbindung der Menschen miteinander, besonders wenn sie in der Liebe Gottes zustande kommt. So wird die Ureinheit sichtbar, so wird die Grundlage der Liebe im Geiste gelegt. Es ist gewiss, dass eine Heirat wie die eure zur Offenbarung göttlichen Segens führt. So wünschen wir euch Glück und himmlischen Segen und bitten Ihn, die Gesegnete Schönheit, durch Seine Hilfe und Gnade dieses Hochzeitsfest zu einer großen Freude für alle zu machen und es mit der Harmonie des Himmels zu schmücken.
87:3
O mein Herr, o mein Herr! Diese beiden hellen Gestirne sind in Deiner Liebe vermählt, vereint in der Dienstbarkeit an Deiner heiligen Schwelle, in der Arbeit für Deine Sache. Mache diese Ehe zum Leitstern Deiner überreichen Gnade, o mein Herr, Du Allbarmherziger, und zum leuchtenden Strahl Deines Segens, Du Wohltäter, Du Immergebender, auf dass von diesem großen Baum Zweige sprießen, die grünen und blühen durch die Gaben, die wie der Regen aus den Wolken Deiner Gnade fallen.
87:4
Wahrlich, Du bist der Freigebige, wahrlich, Du bist der Allmächtige, wahrlich, Du bist der Mitleidvolle, der Allbarmherzige.
88
88:1
O meine beiden geliebten Kinder! Als mich die Nachricht eurer Verbindung erreichte, brachte sie mir große Freude und Dankbarkeit. Preis sei Gott, diese beiden treuen Vögel suchen Schutz im gleichen Nest. Ich flehe zu Gott, dass Er sie befähige, eine ehrbare Familie zu gründen, denn die Bedeutung der Ehe liegt darin, eine reich gesegnete Familie aufzuziehen, damit sie voller Freude wie Kerzen die Welt erleuchte. Denn die Erleuchtung der Welt hängt von des Menschen Dasein ab. Gäbe es in dieser Welt den Menschen nicht, so wäre sie ein Baum ohne Frucht. Ich hoffe, dass ihr beide wie ein Baum werdet, anmutig frisch durch den Regen aus der Wolke der Güte, blühend und fruchtbar, so dass euer Geschlecht ewig fortdauert.
88:2
Auf euch sei die Herrlichkeit des Allherrlichen.
89
89:1
O du, der du standhaft im Bündnis bist! Dein Brief vom 2. Mai 1919 ist eingetroffen. Danke Gott, dass du in Prüfungen fest und standhaft bist und dich an das Reich Abhá hältst. Keine Betrübnis kann dich wankend machen, kein Unheil dich verwirren. Erst wenn der Mensch geprüft wird, trennt sich das reine Gold deutlich von der Schlacke. Schmerzenspein ist das Feuer der Prüfung, darin das reine Gold prächtig glänzt, alles Unreine jedoch schwarz wird und verbrennt. Du bist jetzt, Dank sei Gott, fest und standhaft in Prüfungen und Heimsuchungen. Sie erschüttern dich nicht.
89:2
Deine Frau ist nicht im Einklang mit dir, doch – Gott sei gelobt – die Gesegnete Schönheit ist zufrieden mit dir und verleiht dir reiche Segensgaben. Bemühe dich aber auch weiterhin, geduldig mit deiner Frau zu sein; vielleicht wird sie verwandelt und ihr Herz erleuchtet. Dein Beitrag für die Lehrarbeit ist hoch anzuerkennen. Er wird im Reich Gottes ewig erwähnt werden; denn er führt zur Verbreitung der Düfte und zur Erhöhung von Gottes Wort.
90
90:1
O Gott, mein Gott! Deine Magd ruft Dich an, wendet vertrauensvoll ihr Angesicht Dir zu mit Bitten und Flehen: Ergieße über sie Deine himmlischen Gnadengaben, enthülle ihr Deine geistigen Geheimnisse und wirf auf sie das Licht Deiner Göttlichkeit.
90:2
O mein Herr! Mache die Augen meines Gemahls sehend, erfreue sein Herz mit dem Lichte Deiner Erkenntnis, ziehe sein Gemüt hin zu Deiner strahlenden Schönheit und erheitere seinen Geist mit der Enthüllung Deiner offenbaren Herrlichkeit.
90:3
O mein Herr! Nimm den Schleier von seinen Augen, lasse Deine reichen Gnadengaben auf ihn herabregnen, berausche ihn mit dem Wein der Liebe zu Dir, mache ihn zu einem Deiner Engel, deren Füße über die Erde wandeln, während ihre Seelen sich in die höchsten Himmel aufschwingen. Mache ihn zu einer strahlenden Lampe, die mit dem Licht Deiner Weisheit inmitten Deines Volkes scheint.
90:4
Wahrlich, Du bist der Kostbare, der Immergewährende, der Freigebige.
91
91:1
O du, der du dich im Gebet vor dem Reiche Gottes niederbeugst. Selig bist du, denn die Schönheit des göttlichen Antlitzes hat dein Herz entzückt, das Licht innerer Weisheit hat es ganz erfüllt, und der Glanz des Gottesreiches leuchtet darin. Wisse, dass Gott in allen Lebenslagen mit dir ist, dass Er dich schützt vor den Wechselfällen dieser Welt und dich zu einer Dienerin in Seinem großen Weinberg gemacht hat…
91:2
Was deinen verehrten Gemahl betrifft, so musst du ihn voller Güte behandeln, auf seine Wünsche Rücksicht nehmen und stets auf Ausgleich bedacht sein, bis er sieht, dass deine Zuneigung zu ihm, deine Liebe zu Gott und auch deine Rücksicht auf seine Wünsche in allen Lebenslagen nur zugenommen haben, weil du dich dem Reiche Gottes zugewandt hast.
91:3
Ich bitte den Allmächtigen, dich fest in Seiner Liebe zu bewahren und dich immerdar die süßen Düfte der Heiligkeit in alle jene Bereiche verströmen zu lassen.
92
92:1
O ihr, die ihr beide an Gott glaubt! Der Herr, einzig ist Er, hat Mann und Frau erschaffen, damit sie in engster Gemeinschaft miteinander leben und wie eine einzige Seele seien. Sie sind zwei Gefährten, zwei nahe Freunde, die gegenseitig auf ihr Wohl bedacht sein sollten.
92:2
Wenn sie so leben, werden sie diese Welt vollkommen zufrieden, glückselig und heiteren Gemüts durchschreiten, um im Himmelreich zum Ziel göttlicher Gnade und Gunst zu werden. Aber wenn sie sich anders verhalten, wird sich ihr Leben in großer Bitterkeit verzehren, jeden Augenblick werden sie den Tod herbeisehnen, und im Himmelreich werden sie beschämt sein.
92:3
Seid daher bemüht, mit Leib und Seele wie zwei Tauben in einem Nest miteinander zu wohnen, denn dies bedeutet Segen in beiden Welten.
93
93:1
O du Dienerin Gottes! Jede Frau, die Gottes Dienerin wird, überstrahlt in ihrer Herrlichkeit die Kaiserinnen der Welt, denn sie ist Gott verbunden, und ihre Souveränität währt ewiglich. Dagegen wird eine Handvoll Staub Namen und Ruf jener Kaiserinnen auslöschen. Mit anderen Worten: Sobald sie ins Grab sinken, werden sie zunichte. Die Dienerinnen des Königreichs Gottes dagegen genießen ewige Souveränität, unangetastet von der Vergänglichkeit der Jahrhunderte und der Geschlechterfolgen.
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