Bahá’u’lláh | Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs
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111
111:1
O ihr streitenden Völker und Geschlechter der Erde! Richtet euer Angesicht auf die Einheit und laßt den Glanz ihres Lichtes auf euch scheinen. Versammelt euch und beschließt um Gottes willen, alles zu tilgen, was zum Streit unter euch führt. Dann werden die Strahlen dieser erhabenen Sonne die ganze Erde umhüllen. Ihre Bewohner werden zu Bürgern einer Stadt werden und auf demselben Thron sitzen. Dieser Unterdrückte hatte seit den frühen Tagen Seines Lebens kein anderes Verlangen als dieses und wird auch weiterhin keinen anderen Wunsch hegen. Ohne Zweifel verdanken die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle. Sie sind einem einzigen Gott untertan. Unterschiede der Regeln und Riten, denen sie folgen, müssen den wechselnden Erfordernissen und Bedürfnissen der Zeitalter zugeschrieben werden, in denen sie offenbart wurden. Alle bis auf wenige, die aus menschlichen Launen entstanden, wurden von Gott verfügt und sind eine Widerspiegelung Seines Willens und Zieles. Erhebt euch und schlagt, bewaffnet mit der Kraft des Glaubens, die Götzen eures leeren Wahns in Stücke, die Zwietracht unter euch säen. Haltet euch an das, was euch zusammenführt und eint. Dies ist wahrlich das erhabenste Wort, das vom Mutterbuch herabgesandt und euch offenbart ward. So bezeugt es die Zunge der Größe an ihrer Stätte der Herrlichkeit.
112
112:1
Seht den Aufruhr, der die Welt seit vielen langen Jahren heimsucht, und die Verwirrung, die ihre Völker ergriffen hat. Entweder ist sie durch Krieg verwüstet oder von plötzlichem, unerwartetem Unheil gepeinigt worden. Obwohl Not und Elend die Welt umhüllen, hat doch kein Mensch innegehalten und darüber nachgedacht, was der Grund und Ursprung sei. Wann immer der Wahre Ratgeber ein Mahnwort sprach, siehe, da beschuldigten Ihn alle, Er sei ein Unheilstifter, und wiesen Seinen Anspruch zurück. Wie bestürzend, wie verwirrend ist ihr Verhalten! Keine zwei Menschen sind zu finden, von denen man sagen könnte, daß sie äußerlich und innerlich einig seien. Überall sind die Zeichen des Zwiespalts und der Bosheit sichtbar, obwohl alle zu Harmonie und Einigkeit erschaffen wurden. Das Erhabene Wesen spricht: O ihr Vielgeliebten! Das Heiligtum der Einheit ist errichtet; betrachtet einander nicht als Fremde. Ihr seid die Früchte eines Baumes, die Blätter eines Zweiges. Wir hegen die Hoffnung, daß das Licht der Gerechtigkeit über die Welt scheine und sie von aller Tyrannei heilige. Wenn die Herrscher und Könige der Erde, die Sinnbilder der Macht Gottes – gepriesen sei Seine Herrlichkeit – sich erheben und beschließen, sich dem zu weihen, was das höchste Wohl der ganzen Menschheit fördert, dann wird die Herrschaft der Gerechtigkeit sicherlich unter den Menschenkindern errichtet, und ihre Lichtstrahlen werden die ganze Erde umhüllen. Das Erhabene Wesen spricht: Das Bauwerk der Beständigkeit und Ordnung dieser Welt ist auf den beiden Pfeilern von Lohn und Strafe errichtet und wird weiterhin von ihnen getragen werden… An anderer Stelle hat Er geschrieben: Hüte dich, o Schar der Herrscher in der Welt! Es gibt keine Macht auf Erden, die an sieghafter Gewalt der Macht der Gerechtigkeit und Weisheit gleichkäme… Selig der König, der das Banner der Weisheit vor sich entfaltet und voranschreitet, die Heere der Gerechtigkeit hinter sich scharend. Er ist wahrlich der Schmuck, der die Stirn des Friedens und das Antlitz der Sicherheit ziert. Zweifellos würde das Antlitz der Erde völlig verwandelt, wenn die von den Wolken der Tyrannei verdunkelte Sonne der Gerechtigkeit ihr Licht über die Menschen ergösse.
113
113:1
Bildest du dir ein, o Gesandter des Sháh in der Stadt,Konstantinopel. A Ich hätte das endgültige Schicksal der Sache Gottes in der Hand? Denkst du, Meine Gefangenschaft oder die Schmach, die Ich erdulde, oder selbst Mein Tod und Meine völlige Vernichtung könnten ihren Lauf ändern? Erbärmlich ist, was du dir in deinem Herzen einbildest! Du gehörst wahrlich zu denen, die dem leeren Wahn ihres Herzens folgen. Es ist kein Gott außer Ihm. Mächtig, ist Er, Seine Sache zu offenbaren, Sein Zeugnis zu erhöhen, aufzurichten, was immer Sein Wille ist, und es zu einem so erhabenen Rang emporzuheben, daß weder deine Hände noch die Hände derer, die sich von Ihm abgewandt haben, es je berühren oder schädigen können.
113:2
Glaubst du, du hättest die Macht, Seinen Willen zu durchkreuzen, Ihn zu hindern, Sein Gericht zu vollziehen, oder Ihn davon abzuhalten, Seine Herrschaft auszuüben? Meinst du, irgend etwas in den Himmeln und auf Erden könne Seinem Glauben widerstehen? Nein, bei Ihm, der die Ewige Wahrheit ist! Nichts in der ganzen Schöpfung kann Seine Absicht vereiteln, wirf darum den leeren Trug, dem du folgst, hinweg, denn leerer Trug kann niemals die Wahrheit ersetzen. Gehöre zu denen, die wahrhaft bereuen und zu Gott zurückkehren, dem Gott, der dich erschaffen, dich ernährt und dich zum Amtsträger gemacht hat unter denen, die deinen Glauben bekennen.
113:3
Wisse ferner, daß Er es ist, der durch Seinen eigenen Befehl alles erschaffen hat, was in den Himmeln und auf Erden ist. Wie kann sich da ein Ding, das durch Sein Gebot erschaffen ist, gegen Ihn durchsetzen? Hoch erhaben ist Gott über das, was ihr euch von Ihm vorstellt, ihr Volk der Bosheit. Wenn diese Sache von Gott ist, kommt kein Mensch gegen sie auf, und wenn sie nicht von Gott ist, werden die Geistlichen unter euch und die, die ihren Lastern und Begierden folgen, und jene, die sich gegen Ihn auflehnen, zweifellos hinreichen, sie zu überwältigen.
113:4
Hast du nicht gehört, was ehedem ein Mann aus der Familie des Pharao, ein Glaubender, sagte, und was Gott Seinem Gesandten berichtete, den Er vor allen menschlichen Wesen auserwählt, mit Seiner Botschaft betraut und zum Quell Seiner Barmherzigkeit gemacht hat für alle, die auf Erden wohnen? Er sagte, und Er, wahrlich, spricht die Wahrheit: »Wollt ihr einen Menschen erschlagen, weil er sagt: Mein Herr ist Gott, wenn er schon mit Beweisen seiner Sendung vor euch steht? Wenn er ein Lügner ist, wird seine Lüge auf ihn zurückfallen; aber wenn er wahrhaftig ist, wird zumindest ein Teil dessen, was er androht, über euch kommen.«Qur’án 40:28 – Anm. d. Hrsg.Q Dies ist es, was Gott Seinem Vielgeliebten in Seinem untrüglichen Buche offenbart hat.
113:5
Und doch habt ihr versäumt, auf Sein Gebot zu hören, habt Sein Gesetz mißachtet, habt Seinen Rat, wie er in Seinem Buche verzeichnet ist, verworfen und gehört zu denen, die weit von Ihm abgeirrt sind. Wieviele sind euretwegen jedes Jahr und jeden Monat getötet worden! Wie vielfältig ist das Unrecht, das ihr begangen habt – Unrecht, desgleichen das Auge der Schöpfung nie gesehen, kein Geschichtsschreiber je verzeichnet hat! Wieviele Kinder und Säuglinge wurden zu Waisen gemacht, wieviele Väter verloren ihre Söhne durch euere Grausamkeit, o ihr Übeltäter! Wie oft hat eine Schwester, von Gram verzehrt, um ihren Bruder getrauert! Wie oft hat ein Weib um den Gatten und einzigen Ernährer geklagt!
113:6
Euer Unrecht wuchs und wuchs, bis ihr Ihn erschluget, der Seine Augen nie vom Antlitz Gottes, des Erhabensten, des Größten, abgewendet hat. Hättet ihr Ihn nur umgebracht, wie Menschen einander umzubringen pflegen! Ihr aber habt Ihn unter solchen Umständen erschlagen, wie kein Mensch sie je erlebt hat. Die Himmel haben Ihn bitter beweint, und die Seelen derer, die Gott nahe sind, klagten über Sein Leid. War Er nicht ein Sproß aus dem ehrwürdigen Geschlecht eueres Propheten? War nicht Sein Ruhm als eines direkten Nachkommen des Gottgesandten weit verbreitet unter euch? Warum habt ihr Ihm dann zugefügt, was kein Mensch, wie weit ihr auch zurückdenket, je einem anderen zugefügt hat? Bei Gott – das Auge der Schöpfung hat nie euresgleichen gesehen! Ihr erschlaget Ihn, den Sproß aus dem Hause eueres Propheten, und freuet euch und sitzt behaglich auf eueren Ehrensitzen! Ihr sprecht euere Verwünschungen gegen die aus, die vor euch waren und begangen haben, was ihr begangen habt, und die ganze Zeit seid ihr euerer eigenen Greuel nicht gewahr!
113:7
Seid gerecht in eurem Urteil! Haben die, die ihr verdammt und auf die ihr Unheil herabruft, anders gehandelt als ihr selbst? Haben sie nicht den Nachkommen ihres Propheten erschlagen, wie ihr den Nachkommen des eurigen erschlugt? Ist euer Verhalten nicht dem ihren ähnlich? Warum behauptet ihr dann, anders zu sein als sie, o ihr, die ihr Zwietracht sät unter den Menschen?
113:8
Als ihr Ihm das Leben nahmt, erhob sich einer Seiner Anhänger, Seinen Tod zu rächen. Die Menschen kannten ihn nicht, und des Planes, den er gefaßt hatte, war niemand gewahr. Schließlich tat er, was vorausbestimmt war. Es geziemt euch darum, niemanden außer euch selbst zu tadeln für das, was ihr begangen habt, wenn ihr nur gerecht urteilen wolltet! Wer auf der ganzen Erde hat getan, was ihr getan habt? Niemand, bei Ihm, dem Herrn aller Welten!
113:9
Alle Herrscher und Könige der Erde achten und ehren die Nachkommen ihrer Propheten und Heiligen – könntet ihr es doch erkennen! Ihr dagegen seid verantwortlich für Taten, wie kein Mensch sie je begangen hat. Euere Missetaten haben jedes verstehende Herz mit Kummer erfüllt, und doch bliebt ihr in euere Unachtsamkeit versunken und vermochtet die Bosheit euerer Taten nicht zu erkennen.
113:10
Ihr verharrtet in euerer Widerspenstigkeit, bis ihr euch gegen Uns erhobt, obwohl Wir nichts getan haben, was euere Feindschaft rechtfertigen könnte. Fürchtet ihr euch nicht vor Gott, der euch erschuf und bildete, der euch euere Kraft erlangen ließ und euch mit denen vereinigte, die sich Ihm ergeben haben?den Muslimen. A Wie lange noch wollt ihr in euerer Widerspenstigkeit verharren? Wie lange noch wollt ihr euch weigern nachzudenken? Wie lange soll es noch dauern, bis ihr eueren Schlaf abschüttelt und aus euerer Achtlosigkeit erwacht? Wie lange noch werdet ihr die Wahrheit unbeachtet lassen?
113:11
Denke nach in deinem Herzen! Vermochtet ihr durch euer Verhalten und all das, was euere Hände gewirkt haben, das Feuer Gottes zu ersticken oder das Licht Seiner Offenbarung auszulöschen – ein Licht, das mit seinem Glanz jene umhüllt, die in die wogenden Meere der Unsterblichkeit versunken sind, und die Seelen derer anzieht, die wahrhaft an die Einheit Gottes glauben und an ihr festhalten? Wißt ihr nicht, daß die Hand Gottes über eueren Händen ist, daß Sein unwiderruflicher Ratschluß all euere List übersteigt, daß Er erhaben ist über Seine Diener, daß Er und Seine Absicht eins sind, daß Er tut, was Er will, daß Er nicht um Seinen Willen befragt werden darf, daß Er verordnet, was Ihm gefällt, daß Er der Machtvollste, der Allmächtige ist? Wenn ihr glaubt, daß dies die Wahrheit ist, warum wollt ihr dann nicht aufhören, Unruhe zu stiften, und in Frieden mit euch selbst sein?
113:12
Ihr begeht jeden Tag ein neues Unrecht und behandelt Mich, wie ihr Mich in vergangenen Zeiten behandelt habt, obwohl Ich niemals versuchte, Mich in euere Angelegenheiten zu mischen. Nie habe ich Mich euch widersetzt noch Mich gegen euere Gesetze aufgelehnt. Seht, wie ihr Mich schließlich zum Gefangenen in diesem entlegenen Lande gemacht habt! Wißt jedoch gewiß, daß all das, was euere Hände oder die Hände der Ungläubigen bewirken, niemals – wie es auch früher niemals geschah – die Sache Gottes wandeln oder Seine Wege ändern wird.
113:13
Achte auf Meine Warnung, o Volk Persiens! Sollte ich von euerer Hand erschlagen werden, so wird Gott gewiß einen erwecken, der den durch Meinen Tod leergewordenen Platz einnehmen wird. Denn so ist Gottes Handeln seit alters gewesen, und keine Veränderung könnt ihr in Gottes Handeln finden. Sucht ihr Gottes Licht auszulöschen, das auf Seine Erde scheint? Zuwider ist Gott, was ihr wünscht. Er wird Sein Licht zum Strahlen bringen, wenn ihr es auch im Dunkel eueres Herzens verabscheut.
113:14
Halte nur ein wenig inne, o Gesandter, denke nach und sei gerecht in deinem Urteil! Was haben Wir begangen, das dir ein Recht gäbe, Uns bei den Ministern des Königs zu schmähen, deinen Begierden zu folgen, die Wahrheit zu verdrehen und deine Verleumdungen gegen Uns auszusprechen? Wir sind uns nur einmal begegnet, als Wir dich im Hause deines Vaters trafen, in den Tagen, da des Märtyrertodes des Imám Ḥusayn gedacht wurde. Bei solchen Anlässen hat niemand die Möglichkeit, durch Unterhaltung oder Vortrag andere mit seinen Ansichten und Glaubensanschauungen bekanntzumachen. Du wirst die Wahrheit Meiner Worte bezeugen, wenn du zu den Wahrhaftigen gehörst. Ich habe keine anderen Versammlungen besucht, in denen du Meine Gesinnung hättest erfahren können, oder in denen irgendein anderer dies hätte tun können. Wie also fälltest du dein Urteil über Mich, wenn du Mein Zeugnis nicht von Mir selbst gehört hast? Hast du nicht gehört, was Gott – gepriesen sei Seine Herrlichkeit – gesprochen hat: »Saget nicht zu jedem, der euch mit einem Gruß begegnet: ›Du bist kein Gläubiger.‹«Qur’án 4:94 – Anm. d. Hrsg.Q »Verstoße die nicht, die am Morgen und am Abend zu ihrem Herrn rufen und sich sehnen, Sein Antlitz zu erblicken.«Qur’án 6:52 – Anm. d. Hrsg.Q Du hast in der Tat außer acht gelassen, was das Buch Gottes vorschreibt, und hältst dich dennoch für einen Gläubigen!
113:15
Trotz allem, was du tatest, hege Ich – Gott ist Mein Zeuge – keinen Groll gegen dich noch gegen sonst jemanden, obwohl du und andere Uns solchen Schaden zufügten, wie es keiner, der an die Einheit Gottes glaubt, ertragen kann. Meine Sache liegt allein in Gottes Hand, und Mein Vertrauen ruht nur in Ihm. Bald werden euere Tage dahingehen, wie die Tage derer, die jetzt in offenkundigem Hochmut vor ihrem Nächsten prahlen. Bald werdet ihr in der Gegenwart Gottes versammelt und nach eueren Taten gefragt, und es wird euch für das, was euere Hände bewirkt haben, vergolten, und elend ist die Wohnstatt der Übeltäter!
113:16
Bei Gott! Würdest du erkennen, was du getan hast, du würdest gewiß bitterlich über dich weinen und schutzsuchend zu Gott fliehen, würdest vor Gram vergehen und alle Tage deines Lebens trauern, bis Gott dir vergeben hat, denn Er, wahrlich, ist der Großmütigste, der Allgütige. Du aber wirst bis zur Stunde deines Todes in deiner Achtlosigkeit verharren, weil du dich mit Herz, Leib und Seele und mit deinem innersten Sein den Nichtigkeiten der Welt ergeben hast. Nach deinem Hinscheiden wirst du entdecken, was wir dir offenbart haben, und wirst alle deine Taten verzeichnet finden in dem Buche, das die Werke aller, die auf Erden wohnen, verzeichnet, sei ihr Gewicht größer oder geringer als das eines Atoms. Achte darum auf Meinen Rat und lausche Meiner Rede mit dem Gehör deines Herzens; sei nicht gleichgültig gegen Meine Worte und gehöre nicht zu denen, die Meine Wahrheit verwerfen. Rühme dich nicht dessen, was dir gegeben wurde. Halte dir vor Augen, was im Buche Gottes, des Helfers in Gefahr, des Allherrlichen, offenbart ist: »Und als sie ihre eigenen Warnungen vergessen hatten, öffneten Wir ihnen die Tore zu allen Dingen«vgl. Qur’án 6:44 – Anm. d. Hrsg.Q, wie Wir dir und deinesgleichen die Tore dieser Welt mit ihrem Schmuck geöffnet haben. Darum warte auf das, was im letzten Teil dieses heiligen Verses verheißen wurde von ihm, dem Allmächtigen, dem Allweisen – eine Verheißung, die sich nicht als unwahr erweisen wird.
113:17
Ich kenne den Weg nicht, den ihr erwählt habt und beschreitet, o Versammlung der Mir Übelwollenden! Wir rufen euch zu Gott, Wir erinnern euch an Seinen Tag, Wir verkünden euch die Botschaft euerer Wiedervereinigung mit Ihm, Wir holen euch an Seinen Hof und senden Zeichen Seiner wundersamen Weisheit auf euch nieder – und dennoch, seht, wie ihr Uns zurückweist, wie ihr Uns durch das, was euer lügenhafter Mund äußert, als einen Ungläubigen verdammt, wie ihr euere Anschläge gegen Uns schmiedet! Und wenn Wir euch kundtun, was Gott Uns in Seiner Güte und Großmut verliehen hat, so sagt ihr: »Das ist nichts als Zauberei!«Qur’án 27:13 – Anm. d. Hrsg.Q Die gleichen Worte sprachen die Geschlechter, die vor euch lebten und waren wie ihr – könntet ihr es doch erkennen! Dadurch habt ihr euch der Großmut Gottes und Seiner Gnade beraubt, und ihr werdet sie niemals erlangen bis zu dem Tage, da Gott zwischen Uns und euch gerichtet haben wird, und Er, wahrlich, ist der beste der Richter.
113:18
Einige unter euch haben gesagt: »Er hat den Anspruch erhoben, Gott zu sein.« Bei Gott! Das ist eine grobe Verleumdung. Ich bin nur ein Diener Gottes, der an Ihn und Seine Zeichen, an Seine Propheten und an Seine Engel glaubt. Meine Zunge, Mein Herz, Mein inneres und äußeres Sein bezeugen, daß kein Gott ist außer Ihm, daß alle anderen durch Seinen Befehl erschaffen und durch das Wirken Seines Willens gestaltet sind. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Schöpfer, dem Erwecker vom Tode, dem Belebenden, dem Tötenden. Ich bin Er, der zu allen von den Gunstbezeugungen spricht, mit denen Gott in Seiner Großmut Mich ausgezeichnet hat. Wenn dies Meine Übertretung ist, dann bin Ich wahrlich der erste der Übertreter. Ich bin mit Meiner Verwandtschaft euerer Willkür ausgeliefert. Tut, was euch gefällt, und gehört nicht zu den Zauderern, damit Ich zu Gott, Meinem Herrn, zurückkehre und die Stätte erreiche, wo Ich euere Gesichter nicht mehr sehe. Das ist fürwahr Mein größter Wunsch, Mein glühendstes Verlangen. Gott ist wahrlich über Meine Lage zur Genüge unterrichtet, und Er ist wachsam.
113:19
Bedenke, daß du vor Gottes Angesicht stehst, o Gesandter. Wenn du Ihn auch nicht siehst, Er, wahrlich, sieht dich deutlich. Beobachte und richte Unsere Sache gerecht. Was haben Wir begangen, das dich veranlaßt haben könnte, dich gegen Uns zu erheben und Uns bei den Menschen zu verleumden? Gehörtest du doch zu denen, die gerecht sind! Wir verließen Ṭihrán auf Befehl des Königs und legten mit seiner Erlaubnis Unseren Wohnsitz in den ‘Iráq. Wenn ich Mich gegen ihn vergangen hätte, warum gab er Mich dann frei? Und wenn Ich schuldlos war, warum habt ihr Uns dann mit solchen Leiden gepeinigt, wie niemand unter denen, die sich zu deinem Glauben bekennen, sie erduldet hat? War irgendeine Meiner Handlungen nach Meiner Ankunft im ‘Iráq angetan, die Autorität der Regierung zu untergraben? Von wem kann gesagt werden, er habe in Unserem Verhalten etwas Tadelnswertes entdeckt? Frage du selbst das Volk des ‘Iráq, damit du zu denen gehörest, die die Wahrheit erkennen.
113:20
Elf Jahre lang lebten wir in jenem Land, bis der Gesandte kam, der deine Regierung vertrat und dessen Namen zu erwähnen Unsere Feder sich sträubt, der dem Trunk ergeben war, seinen Begierden folgte und Schlechtigkeiten beging, der verderbt war und den ‘Iráq verdarb. Die meisten Einwohner Baghdáds werden dies bezeugen, wenn du sie danach fragst und zu denen gehörst, die die Wahrheit suchen. Er war es, der das Gut seiner Mitmenschen unrechtmäßig an sich nahm, der alle Gebote Gottes mißachtete und alles beging, was Gott verboten hat. Seinen Begierden folgend, erhob er sich schließlich gegen Uns und wandelte auf den Wegen der Ungerechten. Er beschuldigte Uns in seinem Brief an dich, und du glaubtest ihm und folgtest seinem Wege, ohne irgendeinen Beweis oder ein zuverlässiges Zeugnis von ihm zu verlangen. Du fragtest nach keiner Erklärung, noch versuchtest du, die Angelegenheit zu untersuchen oder festzustellen, auf daß die Wahrheit von der Falschheit in deinen Augen unterschieden werde und du zu klarer Einsicht gelangest. Finde selbst heraus, was für ein Mensch er war, und frage die Gesandten, die damals im ‘Iráq waren, wie auch den Gouverneur der StadtBaghdád. A und ihren hohen Rat, damit dir die Wahrheit offenbar werde und du zu den Wohlunterrichteten zählest.
113:21
Gott ist Unser Zeuge! Wir haben weder ihm noch anderen jemals Widerstand geleistet. Wir haben unter allen Bedingungen die Gebote Gottes beachtet und waren niemals unter denen, die Unordnung schaffen. Das bezeugt er selbst. Seine Absicht war, Uns in die Gewalt zu bekommen und Uns nach Persien zurückzuschicken, um dadurch seinen Ruf und sein Ansehen zu erhöhen. Du hast dasselbe Verbrechen begangen, zu genau dem gleichen Zweck. Ihr steht beide auf der gleichen Stufe vor Gott, dem höchsten Herrn von allem, dem Allwissenden.
113:22
Wenn Wir diese Worte an dich richten, bewegt Uns nicht die Absicht, die Bürde Unseres Elends zu erleichtern oder dich zu veranlassen, irgend jemanden um Fürsprache für Uns zu bitten. Nein, bei Ihm, dem Herrn aller Welten! Wir haben die ganze Angelegenheit vor dich gebracht, damit du vielleicht erkennst, was du getan, und davon abstehst, anderen das Leid zuzufügen, das du Uns zugefügt hast, damit du zu denen gehörest, die vor Gott, der dich und alle Dinge schuf, wahrhaft bereuen, und damit du in Zukunft mit Einsicht handelst. Das ist besser für dich als alles, was du besitzest, und besser als dein Staatsamt, dessen Tage gezählt sind.
113:23
Hüte dich, daß du nicht dazu verleitet wirst, Unrecht stillschweigend zu übersehen. Richte dein Herz fest auf die Gerechtigkeit, verdrehe die Sache Gottes nicht und gehöre zu denen, deren Augen auf dem ruhen, was in Seinem Buche offenbart wurde. Folge unter keinen Umständen den Eingebungen deiner üblen Wünsche. Befolge das Gesetz Gottes, deines Herrn, des Wohltätigen, des Altehrwürdigen der Tage. Ganz gewiß wirst du zum Staube zurückkehren und vergehen wie alle Dinge, an denen du Freude hast. So spricht die Zunge der Wahrheit und Herrlichkeit.
113:24
Erinnerst du dich nicht der Warnungen Gottes, die Er in vergangenen Zeiten aussprach, auf daß du zu denen gehörest, die Seine Warnung beachten? Er sagte, und Er spricht wahrlich die Wahrheit: »Aus ihr der Erde. A haben Wir euch erschaffen, und Wir lassen euch in sie zurückkehren, und aus ihr werden Wir euch ein zweites Mal hervorbringen.«Qur’án 20:55; vgl. dazu auch Gen. 3:19 – Anm. d. Hrsg.Q Dies hat Gott für alle, die auf Erden wohnen, hoch und niedrig, verordnet. Dem, der aus Staub erschaffen wurde, der zu ihm zurückkehren und wieder aus ihm hervorgehen wird, geziemt es somit nicht, sich überheblich vor Gott und Seinen Geliebten aufzublähen, sie stolz zu verachten und voll hochmütiger Anmaßung zu sein. Nein, vielmehr geziemt es dir und deinesgleichen, euch denen zu unterwerfen, die die Manifestationen der Einheit Gottes sind, und euch demütig vor den Gläubigen zu neigen, die um Gottes willen allem entsagten und sich von allem loslösten, was die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zieht und sie ablenkt vom Pfade Gottes, des Allherrlichen, des Allgepriesenen. Darum senden Wir das auf euch hernieder, was euch und jene fördern soll, die ihr ganzes Vertrauen und ihre Zuversicht auf ihren Herrn gesetzt haben.
114
114:1
Höre, o KönigSulṭán ‘Abdu’l-‘Azíz. A auf die Rede dessen, der die Wahrheit spricht, der nicht von dir verlangt, daß du Ihn mit den Dingen belohnest, die Gott dir zu verleihen beliebte, Ihn, der unbeirrbar auf dem geraden Pfade wandelt. Er lädt dich vor Gott, deinen Herrn, Er weist dir die rechte Bahn, den Weg, der zur wahren Glückseligkeit führt, auf daß du zu denen gehörest, um die es gut steht.
114:2
Hüte dich, o König, daß du nicht solche Minister um dich sammelst, die den Wünschen einer verderbten Neigung folgen, die fortwerfen, was ihren Händen anvertraut ist, und offenkundig das ihnen geschenkte Vertrauen mißbrauchen. Sei freigebig gegen andere, wie Gott freigebig war gegen dich, und überlasse das Wohl deines Volkes nicht der Willkür von Ministern wie diesen. Vergiß nicht die Gottesfurcht und gehöre zu denen, die rechtschaffen handeln. Sammle Minister um dich, von denen du den Duft des Glaubens und der Gerechtigkeit verspüren kannst, hole dir Rat bei ihnen, wähle, was in deinen Augen das Beste ist, und gehöre zu denen, die großmütig handeln.
114:3
Wisse und sei dir gewiß: Wer nicht an Gott glaubt, ist nicht vertrauenswürdig und nicht wahrhaftig. Dies ist in der Tat die Wahrheit, die unbezweifelbare Wahrheit. Wer treulos gegen Gott handelt, wird auch treulos gegen seinen König handeln. Nichts kann einen solchen Menschen vom Bösen abhalten, nichts kann ihn hindern, seinen Nächsten zu verraten, nichts kann ihn dazu bringen, aufrecht seinen Weg zu gehen.
114:4
Hab acht, daß du in den Angelegenheiten deines Staates die Zügel nicht den Händen anderer überlässest, setze dein Vertrauen nicht auf Minister, die deines Vertrauens unwürdig sind, und gehöre nicht zu denen, die in Achtlosigkeit dahinleben. Meide die, deren Herzen sich von dir abgewandt haben, setze nicht dein Vertrauen in sie, und betraue sie nicht mit deinen Angelegenheiten und den Angelegenheiten derer, die sich zu deinem Glauben bekennen. Hüte dich, dem Wolf zu erlauben, Hirte der Herde Gottes zu werden, und überlasse das Schicksal Seiner Geliebten nicht der Willkür der Bösen. Erwarte nicht von denen, die Gottes Gesetze brechen, daß sie vertrauenswürdig oder aufrichtig sein werden in dem Glauben, den sie bekennen. Meide sie und wache streng über dich selbst, damit ihre List und Tücke dir nicht schaden. Wende dich ab von ihnen und richte deinen Blick auf Gott, deinen Herrn, den Allherrlichen, den Freigebigsten. Gott wird gewißlich mit dem sein, der sich ganz Ihm hingibt, und Er wird wahrlich den, der sein ganzes Vertrauen in Ihn setzt, vor allem behüten, was ihm schaden könnte, und ihn vor der Schlechtigkeit jedes bösen Verschwörers beschirmen.
114:5
Würdest du dein Ohr Meiner Rede neigen und Meinen Rat befolgen, so würde Gott dich zu einer so hohen Stellung erheben, daß auf der ganzen Erde keines Menschen Anschlag dich jemals erreichen oder dir schaden könnte. O König, befolge aus tiefstem Herzen und mit ganzem Sein die Gebote Gottes, und wandle nicht auf den Wegen des Unterdrückers. Ergreife die Angelegenheiten deines Volkes bei den Zügeln, halte sie fest im Griff deiner Macht und prüfe persönlich alle seine Belange. Lasse dir nichts entgehen, denn darin liegt das höchste Wohl.
114:6
Danke Gott, daß Er dich vor der ganzen Welt auserwählt und dich zum König über die gemacht hat, die deinen Glauben bekennen. Es ziemt dir wohl, die wunderbaren Gunstbeweise zu würdigen, mit denen Gott dich ausgezeichnet hat, und unablässig Seinen Namen zu verherrlichen. Du kannst Ihn am besten preisen, wenn du Seine Geliebten liebst und Seine Diener vor dem Unheil der Treulosen schirmst und schützest, damit niemand sie länger unterdrücke. Mehr noch, du solltest dich erheben, das Gesetz Gottes unter ihnen durchzusetzen, damit du zu denen gehörest, die in Seinem Gesetz fest gegründet sind.
114:7
Solltest du bewirken, daß Ströme der Gerechtigkeit ihre Wasserfluten über deine Untertanen ergießen, so wird Gott dir sicherlich mit den Scharen des Unsichtbaren und des Sichtbaren helfen und dich in deinen Angelegenheiten stärken. Kein Gott ist außer Ihm. Die ganze Schöpfung und ihre Herrschaft sind Sein. Zu Ihm kehren die Werke der Gläubigen zurück.
114:8
Verlasse dich nicht auf deine Schätze. Setze dein ganzes Vertrauen in die Gnade Gottes, deines Herrn. Laß Ihn deine Zuversicht sein in allem, was du tust, und gehöre zu denen, die Seinem Willen ergeben sind. Laß Ihn dein Helfer sein und schmücke dich mit Seinen Schätzen, denn bei Ihm sind die Schatzkammern der Himmel und der Erde. Er schenkt daraus, wem Er will, und vorenthält sie, wem Er will. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Allbesitzenden, dem Allgepriesenen. Alle sind nur Almosenempfänger am Tore Seiner Barmherzigkeit, alle sind hilflos vor der Offenbarung Seiner Herrschaft und flehen um Seine Gunst.
114:9
Überschreite nicht die Grenzen der Mäßigung und verfahre gerecht mit denen, die dir dienen. Gib ihnen nach ihren Bedürfnissen, aber nicht in einem Maße, das ihnen erlaubt, Reichtümer für sich zu sammeln, ihr Äußeres zu zieren, ihr Heim auszuschmücken, Dinge zu erwerben, die ihnen nichts nützen, und zu den Verschwendern zu zählen. Handle an ihnen mit unbeirrbarer Gerechtigkeit, so daß keiner unter ihnen Mangel leide oder durch Überfluß verwöhnt werde. Das ist offenbare Gerechtigkeit.
114:10
Erlaube den Verworfenen nicht, über die Edlen und Ehrenwerten zu bestimmen und sie zu beherrschen, und lasse nicht zu, daß die Hochgesinnten der Willkür der Unwürdigen und Wertlosen ausgeliefert werden – denn dies haben Wir bei Unserer Ankunft in der StadtKonstantinopel. A wahrgenommen, und dafür legen Wir Zeugnis ab. Wir fanden unter ihren Einwohnern einige, die Vermögen im Überfluß hatten und in übermäßigem Reichtum lebten, während andere sich in bitterer Not und tiefster Armut befanden. Dies steht deiner Herrschaft übel an und ist deines Ranges unwürdig.
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