Bahá’u’lláh | Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs
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113:14
Halte nur ein wenig inne, o Gesandter, denke nach und sei gerecht in deinem Urteil! Was haben Wir begangen, das dir ein Recht gäbe, Uns bei den Ministern des Königs zu schmähen, deinen Begierden zu folgen, die Wahrheit zu verdrehen und deine Verleumdungen gegen Uns auszusprechen? Wir sind uns nur einmal begegnet, als Wir dich im Hause deines Vaters trafen, in den Tagen, da des Märtyrertodes des Imám Ḥusayn gedacht wurde. Bei solchen Anlässen hat niemand die Möglichkeit, durch Unterhaltung oder Vortrag andere mit seinen Ansichten und Glaubensanschauungen bekanntzumachen. Du wirst die Wahrheit Meiner Worte bezeugen, wenn du zu den Wahrhaftigen gehörst. Ich habe keine anderen Versammlungen besucht, in denen du Meine Gesinnung hättest erfahren können, oder in denen irgendein anderer dies hätte tun können. Wie also fälltest du dein Urteil über Mich, wenn du Mein Zeugnis nicht von Mir selbst gehört hast? Hast du nicht gehört, was Gott – gepriesen sei Seine Herrlichkeit – gesprochen hat: »Saget nicht zu jedem, der euch mit einem Gruß begegnet: ›Du bist kein Gläubiger.‹«Qur’án 4:94 – Anm. d. Hrsg.Q »Verstoße die nicht, die am Morgen und am Abend zu ihrem Herrn rufen und sich sehnen, Sein Antlitz zu erblicken.«Qur’án 6:52 – Anm. d. Hrsg.Q Du hast in der Tat außer acht gelassen, was das Buch Gottes vorschreibt, und hältst dich dennoch für einen Gläubigen!
113:15
Trotz allem, was du tatest, hege Ich – Gott ist Mein Zeuge – keinen Groll gegen dich noch gegen sonst jemanden, obwohl du und andere Uns solchen Schaden zufügten, wie es keiner, der an die Einheit Gottes glaubt, ertragen kann. Meine Sache liegt allein in Gottes Hand, und Mein Vertrauen ruht nur in Ihm. Bald werden euere Tage dahingehen, wie die Tage derer, die jetzt in offenkundigem Hochmut vor ihrem Nächsten prahlen. Bald werdet ihr in der Gegenwart Gottes versammelt und nach eueren Taten gefragt, und es wird euch für das, was euere Hände bewirkt haben, vergolten, und elend ist die Wohnstatt der Übeltäter!
113:16
Bei Gott! Würdest du erkennen, was du getan hast, du würdest gewiß bitterlich über dich weinen und schutzsuchend zu Gott fliehen, würdest vor Gram vergehen und alle Tage deines Lebens trauern, bis Gott dir vergeben hat, denn Er, wahrlich, ist der Großmütigste, der Allgütige. Du aber wirst bis zur Stunde deines Todes in deiner Achtlosigkeit verharren, weil du dich mit Herz, Leib und Seele und mit deinem innersten Sein den Nichtigkeiten der Welt ergeben hast. Nach deinem Hinscheiden wirst du entdecken, was wir dir offenbart haben, und wirst alle deine Taten verzeichnet finden in dem Buche, das die Werke aller, die auf Erden wohnen, verzeichnet, sei ihr Gewicht größer oder geringer als das eines Atoms. Achte darum auf Meinen Rat und lausche Meiner Rede mit dem Gehör deines Herzens; sei nicht gleichgültig gegen Meine Worte und gehöre nicht zu denen, die Meine Wahrheit verwerfen. Rühme dich nicht dessen, was dir gegeben wurde. Halte dir vor Augen, was im Buche Gottes, des Helfers in Gefahr, des Allherrlichen, offenbart ist: »Und als sie ihre eigenen Warnungen vergessen hatten, öffneten Wir ihnen die Tore zu allen Dingen«vgl. Qur’án 6:44 – Anm. d. Hrsg.Q, wie Wir dir und deinesgleichen die Tore dieser Welt mit ihrem Schmuck geöffnet haben. Darum warte auf das, was im letzten Teil dieses heiligen Verses verheißen wurde von ihm, dem Allmächtigen, dem Allweisen – eine Verheißung, die sich nicht als unwahr erweisen wird.
113:17
Ich kenne den Weg nicht, den ihr erwählt habt und beschreitet, o Versammlung der Mir Übelwollenden! Wir rufen euch zu Gott, Wir erinnern euch an Seinen Tag, Wir verkünden euch die Botschaft euerer Wiedervereinigung mit Ihm, Wir holen euch an Seinen Hof und senden Zeichen Seiner wundersamen Weisheit auf euch nieder – und dennoch, seht, wie ihr Uns zurückweist, wie ihr Uns durch das, was euer lügenhafter Mund äußert, als einen Ungläubigen verdammt, wie ihr euere Anschläge gegen Uns schmiedet! Und wenn Wir euch kundtun, was Gott Uns in Seiner Güte und Großmut verliehen hat, so sagt ihr: »Das ist nichts als Zauberei!«Qur’án 27:13 – Anm. d. Hrsg.Q Die gleichen Worte sprachen die Geschlechter, die vor euch lebten und waren wie ihr – könntet ihr es doch erkennen! Dadurch habt ihr euch der Großmut Gottes und Seiner Gnade beraubt, und ihr werdet sie niemals erlangen bis zu dem Tage, da Gott zwischen Uns und euch gerichtet haben wird, und Er, wahrlich, ist der beste der Richter.
113:18
Einige unter euch haben gesagt: »Er hat den Anspruch erhoben, Gott zu sein.« Bei Gott! Das ist eine grobe Verleumdung. Ich bin nur ein Diener Gottes, der an Ihn und Seine Zeichen, an Seine Propheten und an Seine Engel glaubt. Meine Zunge, Mein Herz, Mein inneres und äußeres Sein bezeugen, daß kein Gott ist außer Ihm, daß alle anderen durch Seinen Befehl erschaffen und durch das Wirken Seines Willens gestaltet sind. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Schöpfer, dem Erwecker vom Tode, dem Belebenden, dem Tötenden. Ich bin Er, der zu allen von den Gunstbezeugungen spricht, mit denen Gott in Seiner Großmut Mich ausgezeichnet hat. Wenn dies Meine Übertretung ist, dann bin Ich wahrlich der erste der Übertreter. Ich bin mit Meiner Verwandtschaft euerer Willkür ausgeliefert. Tut, was euch gefällt, und gehört nicht zu den Zauderern, damit Ich zu Gott, Meinem Herrn, zurückkehre und die Stätte erreiche, wo Ich euere Gesichter nicht mehr sehe. Das ist fürwahr Mein größter Wunsch, Mein glühendstes Verlangen. Gott ist wahrlich über Meine Lage zur Genüge unterrichtet, und Er ist wachsam.
113:19
Bedenke, daß du vor Gottes Angesicht stehst, o Gesandter. Wenn du Ihn auch nicht siehst, Er, wahrlich, sieht dich deutlich. Beobachte und richte Unsere Sache gerecht. Was haben Wir begangen, das dich veranlaßt haben könnte, dich gegen Uns zu erheben und Uns bei den Menschen zu verleumden? Gehörtest du doch zu denen, die gerecht sind! Wir verließen Ṭihrán auf Befehl des Königs und legten mit seiner Erlaubnis Unseren Wohnsitz in den ‘Iráq. Wenn ich Mich gegen ihn vergangen hätte, warum gab er Mich dann frei? Und wenn Ich schuldlos war, warum habt ihr Uns dann mit solchen Leiden gepeinigt, wie niemand unter denen, die sich zu deinem Glauben bekennen, sie erduldet hat? War irgendeine Meiner Handlungen nach Meiner Ankunft im ‘Iráq angetan, die Autorität der Regierung zu untergraben? Von wem kann gesagt werden, er habe in Unserem Verhalten etwas Tadelnswertes entdeckt? Frage du selbst das Volk des ‘Iráq, damit du zu denen gehörest, die die Wahrheit erkennen.
113:20
Elf Jahre lang lebten wir in jenem Land, bis der Gesandte kam, der deine Regierung vertrat und dessen Namen zu erwähnen Unsere Feder sich sträubt, der dem Trunk ergeben war, seinen Begierden folgte und Schlechtigkeiten beging, der verderbt war und den ‘Iráq verdarb. Die meisten Einwohner Baghdáds werden dies bezeugen, wenn du sie danach fragst und zu denen gehörst, die die Wahrheit suchen. Er war es, der das Gut seiner Mitmenschen unrechtmäßig an sich nahm, der alle Gebote Gottes mißachtete und alles beging, was Gott verboten hat. Seinen Begierden folgend, erhob er sich schließlich gegen Uns und wandelte auf den Wegen der Ungerechten. Er beschuldigte Uns in seinem Brief an dich, und du glaubtest ihm und folgtest seinem Wege, ohne irgendeinen Beweis oder ein zuverlässiges Zeugnis von ihm zu verlangen. Du fragtest nach keiner Erklärung, noch versuchtest du, die Angelegenheit zu untersuchen oder festzustellen, auf daß die Wahrheit von der Falschheit in deinen Augen unterschieden werde und du zu klarer Einsicht gelangest. Finde selbst heraus, was für ein Mensch er war, und frage die Gesandten, die damals im ‘Iráq waren, wie auch den Gouverneur der StadtBaghdád. A und ihren hohen Rat, damit dir die Wahrheit offenbar werde und du zu den Wohlunterrichteten zählest.
113:21
Gott ist Unser Zeuge! Wir haben weder ihm noch anderen jemals Widerstand geleistet. Wir haben unter allen Bedingungen die Gebote Gottes beachtet und waren niemals unter denen, die Unordnung schaffen. Das bezeugt er selbst. Seine Absicht war, Uns in die Gewalt zu bekommen und Uns nach Persien zurückzuschicken, um dadurch seinen Ruf und sein Ansehen zu erhöhen. Du hast dasselbe Verbrechen begangen, zu genau dem gleichen Zweck. Ihr steht beide auf der gleichen Stufe vor Gott, dem höchsten Herrn von allem, dem Allwissenden.
113:22
Wenn Wir diese Worte an dich richten, bewegt Uns nicht die Absicht, die Bürde Unseres Elends zu erleichtern oder dich zu veranlassen, irgend jemanden um Fürsprache für Uns zu bitten. Nein, bei Ihm, dem Herrn aller Welten! Wir haben die ganze Angelegenheit vor dich gebracht, damit du vielleicht erkennst, was du getan, und davon abstehst, anderen das Leid zuzufügen, das du Uns zugefügt hast, damit du zu denen gehörest, die vor Gott, der dich und alle Dinge schuf, wahrhaft bereuen, und damit du in Zukunft mit Einsicht handelst. Das ist besser für dich als alles, was du besitzest, und besser als dein Staatsamt, dessen Tage gezählt sind.
113:23
Hüte dich, daß du nicht dazu verleitet wirst, Unrecht stillschweigend zu übersehen. Richte dein Herz fest auf die Gerechtigkeit, verdrehe die Sache Gottes nicht und gehöre zu denen, deren Augen auf dem ruhen, was in Seinem Buche offenbart wurde. Folge unter keinen Umständen den Eingebungen deiner üblen Wünsche. Befolge das Gesetz Gottes, deines Herrn, des Wohltätigen, des Altehrwürdigen der Tage. Ganz gewiß wirst du zum Staube zurückkehren und vergehen wie alle Dinge, an denen du Freude hast. So spricht die Zunge der Wahrheit und Herrlichkeit.
113:24
Erinnerst du dich nicht der Warnungen Gottes, die Er in vergangenen Zeiten aussprach, auf daß du zu denen gehörest, die Seine Warnung beachten? Er sagte, und Er spricht wahrlich die Wahrheit: »Aus ihr der Erde. A haben Wir euch erschaffen, und Wir lassen euch in sie zurückkehren, und aus ihr werden Wir euch ein zweites Mal hervorbringen.«Qur’án 20:55; vgl. dazu auch Gen. 3:19 – Anm. d. Hrsg.Q Dies hat Gott für alle, die auf Erden wohnen, hoch und niedrig, verordnet. Dem, der aus Staub erschaffen wurde, der zu ihm zurückkehren und wieder aus ihm hervorgehen wird, geziemt es somit nicht, sich überheblich vor Gott und Seinen Geliebten aufzublähen, sie stolz zu verachten und voll hochmütiger Anmaßung zu sein. Nein, vielmehr geziemt es dir und deinesgleichen, euch denen zu unterwerfen, die die Manifestationen der Einheit Gottes sind, und euch demütig vor den Gläubigen zu neigen, die um Gottes willen allem entsagten und sich von allem loslösten, was die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zieht und sie ablenkt vom Pfade Gottes, des Allherrlichen, des Allgepriesenen. Darum senden Wir das auf euch hernieder, was euch und jene fördern soll, die ihr ganzes Vertrauen und ihre Zuversicht auf ihren Herrn gesetzt haben.
114
114:1
Höre, o KönigSulṭán ‘Abdu’l-‘Azíz. A auf die Rede dessen, der die Wahrheit spricht, der nicht von dir verlangt, daß du Ihn mit den Dingen belohnest, die Gott dir zu verleihen beliebte, Ihn, der unbeirrbar auf dem geraden Pfade wandelt. Er lädt dich vor Gott, deinen Herrn, Er weist dir die rechte Bahn, den Weg, der zur wahren Glückseligkeit führt, auf daß du zu denen gehörest, um die es gut steht.
114:2
Hüte dich, o König, daß du nicht solche Minister um dich sammelst, die den Wünschen einer verderbten Neigung folgen, die fortwerfen, was ihren Händen anvertraut ist, und offenkundig das ihnen geschenkte Vertrauen mißbrauchen. Sei freigebig gegen andere, wie Gott freigebig war gegen dich, und überlasse das Wohl deines Volkes nicht der Willkür von Ministern wie diesen. Vergiß nicht die Gottesfurcht und gehöre zu denen, die rechtschaffen handeln. Sammle Minister um dich, von denen du den Duft des Glaubens und der Gerechtigkeit verspüren kannst, hole dir Rat bei ihnen, wähle, was in deinen Augen das Beste ist, und gehöre zu denen, die großmütig handeln.
114:3
Wisse und sei dir gewiß: Wer nicht an Gott glaubt, ist nicht vertrauenswürdig und nicht wahrhaftig. Dies ist in der Tat die Wahrheit, die unbezweifelbare Wahrheit. Wer treulos gegen Gott handelt, wird auch treulos gegen seinen König handeln. Nichts kann einen solchen Menschen vom Bösen abhalten, nichts kann ihn hindern, seinen Nächsten zu verraten, nichts kann ihn dazu bringen, aufrecht seinen Weg zu gehen.
114:4
Hab acht, daß du in den Angelegenheiten deines Staates die Zügel nicht den Händen anderer überlässest, setze dein Vertrauen nicht auf Minister, die deines Vertrauens unwürdig sind, und gehöre nicht zu denen, die in Achtlosigkeit dahinleben. Meide die, deren Herzen sich von dir abgewandt haben, setze nicht dein Vertrauen in sie, und betraue sie nicht mit deinen Angelegenheiten und den Angelegenheiten derer, die sich zu deinem Glauben bekennen. Hüte dich, dem Wolf zu erlauben, Hirte der Herde Gottes zu werden, und überlasse das Schicksal Seiner Geliebten nicht der Willkür der Bösen. Erwarte nicht von denen, die Gottes Gesetze brechen, daß sie vertrauenswürdig oder aufrichtig sein werden in dem Glauben, den sie bekennen. Meide sie und wache streng über dich selbst, damit ihre List und Tücke dir nicht schaden. Wende dich ab von ihnen und richte deinen Blick auf Gott, deinen Herrn, den Allherrlichen, den Freigebigsten. Gott wird gewißlich mit dem sein, der sich ganz Ihm hingibt, und Er wird wahrlich den, der sein ganzes Vertrauen in Ihn setzt, vor allem behüten, was ihm schaden könnte, und ihn vor der Schlechtigkeit jedes bösen Verschwörers beschirmen.
114:5
Würdest du dein Ohr Meiner Rede neigen und Meinen Rat befolgen, so würde Gott dich zu einer so hohen Stellung erheben, daß auf der ganzen Erde keines Menschen Anschlag dich jemals erreichen oder dir schaden könnte. O König, befolge aus tiefstem Herzen und mit ganzem Sein die Gebote Gottes, und wandle nicht auf den Wegen des Unterdrückers. Ergreife die Angelegenheiten deines Volkes bei den Zügeln, halte sie fest im Griff deiner Macht und prüfe persönlich alle seine Belange. Lasse dir nichts entgehen, denn darin liegt das höchste Wohl.
114:6
Danke Gott, daß Er dich vor der ganzen Welt auserwählt und dich zum König über die gemacht hat, die deinen Glauben bekennen. Es ziemt dir wohl, die wunderbaren Gunstbeweise zu würdigen, mit denen Gott dich ausgezeichnet hat, und unablässig Seinen Namen zu verherrlichen. Du kannst Ihn am besten preisen, wenn du Seine Geliebten liebst und Seine Diener vor dem Unheil der Treulosen schirmst und schützest, damit niemand sie länger unterdrücke. Mehr noch, du solltest dich erheben, das Gesetz Gottes unter ihnen durchzusetzen, damit du zu denen gehörest, die in Seinem Gesetz fest gegründet sind.
114:7
Solltest du bewirken, daß Ströme der Gerechtigkeit ihre Wasserfluten über deine Untertanen ergießen, so wird Gott dir sicherlich mit den Scharen des Unsichtbaren und des Sichtbaren helfen und dich in deinen Angelegenheiten stärken. Kein Gott ist außer Ihm. Die ganze Schöpfung und ihre Herrschaft sind Sein. Zu Ihm kehren die Werke der Gläubigen zurück.
114:8
Verlasse dich nicht auf deine Schätze. Setze dein ganzes Vertrauen in die Gnade Gottes, deines Herrn. Laß Ihn deine Zuversicht sein in allem, was du tust, und gehöre zu denen, die Seinem Willen ergeben sind. Laß Ihn dein Helfer sein und schmücke dich mit Seinen Schätzen, denn bei Ihm sind die Schatzkammern der Himmel und der Erde. Er schenkt daraus, wem Er will, und vorenthält sie, wem Er will. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Allbesitzenden, dem Allgepriesenen. Alle sind nur Almosenempfänger am Tore Seiner Barmherzigkeit, alle sind hilflos vor der Offenbarung Seiner Herrschaft und flehen um Seine Gunst.
114:9
Überschreite nicht die Grenzen der Mäßigung und verfahre gerecht mit denen, die dir dienen. Gib ihnen nach ihren Bedürfnissen, aber nicht in einem Maße, das ihnen erlaubt, Reichtümer für sich zu sammeln, ihr Äußeres zu zieren, ihr Heim auszuschmücken, Dinge zu erwerben, die ihnen nichts nützen, und zu den Verschwendern zu zählen. Handle an ihnen mit unbeirrbarer Gerechtigkeit, so daß keiner unter ihnen Mangel leide oder durch Überfluß verwöhnt werde. Das ist offenbare Gerechtigkeit.
114:10
Erlaube den Verworfenen nicht, über die Edlen und Ehrenwerten zu bestimmen und sie zu beherrschen, und lasse nicht zu, daß die Hochgesinnten der Willkür der Unwürdigen und Wertlosen ausgeliefert werden – denn dies haben Wir bei Unserer Ankunft in der StadtKonstantinopel. A wahrgenommen, und dafür legen Wir Zeugnis ab. Wir fanden unter ihren Einwohnern einige, die Vermögen im Überfluß hatten und in übermäßigem Reichtum lebten, während andere sich in bitterer Not und tiefster Armut befanden. Dies steht deiner Herrschaft übel an und ist deines Ranges unwürdig.
114:11
Lasse dir Meinen Rat willkommen sein und strebe danach, unparteiisch über die Menschen zu herrschen, damit Gott deinen Namen erhöhe und den Ruf deiner Gerechtigkeit in aller Welt verbreite. Hüte dich, deine Minister auf Kosten deiner Untertanen zu erhöhen. Fürchte die Seufzer der Armen und der Aufrechten im Herzen, die bei jedem Tagesanbruch ihre traurige Lage beklagen, und sei ihnen ein gütiger Herrscher. Wahrlich, sie sind deine Schätze auf Erden. Deshalb ziemt es dir, deine Schätze vor den Angriffen derer zu bewahren, die sie dir rauben wollen. Untersuche ihre Angelegenheiten, erforsche jedes Jahr, nein, jeden Monat ihre Lage, und gehöre nicht zu denen, die nachlässig sind in ihrer Pflicht.
114:12
Halte dir Gottes unfehlbare Waage vor Augen und wäge, als stündest du in Seiner Gegenwart, deine Taten auf dieser Waage jeden Tag, jeden Augenblick deines Lebens. Ziehe dich selbst zur Rechenschaft, ehe du zur Abrechnung gerufen wirst an dem Tage, da aus Furcht vor Gott kein Mensch die Kraft haben wird, aufrecht zu stehen, dem Tage, an dem die Herzen der Achtlosen erzittern werden.
114:13
Es geziemt jedem König, freigebig zu sein wie die Sonne, die das Wachstum aller Geschöpfe fördert und jedem seinen Anteil gibt, – deren Wohltaten nicht in ihr selbst liegen, sondern von Ihm verordnet sind, dem Machtvollsten, dem Allmächtigen. Der König sollte so freimütig, so großzügig sein in seiner Barmherzigkeit wie die Wolken, die ihre überströmende Freigebigkeit über jedes Land ergießen auf Geheiß dessen, der der Höchste Verordner ist, der Allwissende.
114:14
Hüte dich, daß du deine Staatsangelegenheiten nicht ganz den Händen anderer anvertraust. Keiner kann deine Aufgaben besser erfüllen als du selbst. So erklären Wir dir Unsere Worte der Weisheit und senden auf dich hernieder, was dich befähigen kann, von der linken Hand der Unterdrückung zur rechten Hand der Gerechtigkeit überzugehen und dem strahlenden Meere Seiner Gunst zu nahen. Das ist der Pfad, den die Könige, die vor dir waren, gegangen sind, jene, die gerecht gegen ihre Untertanen handelten und die Wege unbeirrbarer Gerechtigkeit beschritten.
114:15
Du bist Gottes Schatten auf Erden. Darum strebe danach, so zu handeln, wie es einer so hervorragenden, einer so erhabenen Stufe entspricht. Wenn du nicht befolgst, was Wir auf dich herabkommen ließen und dich lehrten, wirst du dich sicherlich dieser großen, unschätzbaren Ehre unwürdig erweisen. Darum kehre um, halte dich allein an Gott, mache dein Herz frei von der Welt und allen ihren Nichtigkeiten, und dulde nicht, daß die Liebe zu einem Fremdling hineinkomme und darin wohne. Erst wenn du dein Herz von jeder Spur solcher Liebe läuterst, kann das Licht Gottes seinen Strahlenglanz über dein Herz ausbreiten, denn niemandem hat Gott mehr als ein Herz gegeben. Dies, wahrlich, wurde verordnet und niedergeschrieben in seinem altehrwürdigen Buche. Und weil das menschliche Herz, wie es von Gott gebildet wurde, eins und ungeteilt ist, geziemt es dir, darauf zu achten, daß seine Zuneigung auch eins und ungeteilt sei. Halte dich darum mit der ganzen Zuneigung deines Herzens an Seine Liebe und bewahre dein Herz vor der Liebe eines anderen außer Ihm, damit Er dir helfe, dich in das Meer Seiner Einheit zu versenken, und dich befähige, ein wahrer Verteidiger Seiner Einzigkeit zu werden. Gott ist Mein Zeuge: Ich offenbare dir diese Worte in der alleinigen Absicht, dich von den vergänglichen Dingen der Erde zu heiligen und dir zu helfen, in das Reich ewigwährender Herrlichkeit einzutreten, damit du, so Gott will, unter denen seiest, die darin wohnen und herrschen…
114:16
Ich schwöre bei Gott, o König! Es ist nicht Mein Wunsch, Mich bei dir über die zu beklagen, die Mich verfolgen. Ich bringe Meinen Schmerz und Kummer nur vor Gott, der Mich und sie erschaffen hat, der unsere Lage wohl kennt und über alle Dinge wacht. Mein Wunsch ist, sie vor den Folgen ihrer Taten zu warnen, auf daß sie vielleicht davon abstehen, andere zu behandeln, wie sie Mich behandelt haben, und zu denen gehören, die Meine Warnung beachten.
114:17
Die Heimsuchungen, die Uns betroffen haben, die bittere Not, die Wir leiden, die mannigfachen Übel, die Uns umgeben, werden alle vergehen, wie die Freuden vergehen werden, an denen sie sich ergötzen, und der Überfluß, den sie genießen. Das ist die Wahrheit, die kein Mensch auf Erden verwerfen kann. Die Tage, da Wir im Staube zu leben gezwungen sind, werden bald zu Ende sein wie die Tage, da sie die Ehrenplätze einnehmen. Gott wird wahrlich genau richten zwischen Uns und ihnen, und Er, wahrlich, ist der beste der Richter.
114:18
Wir danken Gott für alles, was Uns befallen hat, und ertragen geduldig, was Er in der Vergangenheit verordnet hat oder in Zukunft verordnen wird. In Ihn habe Ich Mein Vertrauen gesetzt, und in Seine Hände habe Ich Meine Sache gelegt. Er wird sicherlich alle belohnen, die in Geduld ausharren und ihr Vertrauen auf Ihn setzen. Sein ist die Schöpfung und die Herrschaft über sie. Er erhöht, wen Er will, und erniedrigt, wen Er will. Er soll nicht befragt werden über Sein Tun. Er, wahrlich, ist der Allherrliche, der Allmächtige.
114:19
Höre aufmerksam auf die Worte, o König, die Wir an dich richten. Gebiete dem Unterdrücker, von seiner Willkür abzulassen, und sondere die, die Unrecht begehen, von denen ab, die deinen Glauben bekennen. Bei der Gerechtigkeit Gottes! Die Heimsuchungen, die Wir erlitten, sind so groß, daß jede Feder, die sie schildert, unvermeidlich von Schmerz überwältigt wird. Keiner von denen, die wirklich glauben und an der Einheit Gottes festhalten, kann die Last ihres Berichtes ertragen. So groß waren Unsere Leiden, daß selbst die Augen Unserer Feinde und darüber hinaus die eines jeden einsichtsvollen Menschen über Uns geweint haben. Allen diesen Prüfungen wurden Wir unterworfen, obwohl Wir Uns dir näherten und dem Volk geboten, unter deinen Schutz zu treten, damit du eine feste Burg seiest denen, die an die Einheit Gottes glauben und sie hochhalten.
114:20
War Ich dir, o König, jemals ungehorsam? Habe Ich jemals eines deiner Gesetze übertreten? Kann irgendeiner der Amtsträger, die dich im ‘Iráq vertraten, einen Beweis erbringen, der Meine Untreue gegen dich belegen könnte? Nein, bei Ihm, dem Herrn aller Welten! Keinen Augenblick lang lehnten Wir Uns gegen dich oder einen deiner Amtsträger auf. Niemals, so Gott will, werden Wir Uns gegen dich empören, sollten Wir auch noch schwereren Prüfungen ausgesetzt werden, als Wir sie jemals in der Vergangenheit erlitten haben.
114:21
Am Tage und zur Nachtzeit, am Abend und am Morgen beten wir zu Gott um deinetwillen, daß Er dir gnädig helfe, Ihm zu gehorchen und Seine Gebote zu halten, und daß Er dich vor den Scharen der Bösen beschütze. Darum tue, wie es dir gefällt, und behandle Uns, wie es deiner Stufe entspricht und deiner Herrschaft geziemt. Vergiß nicht das Gesetz Gottes bei allem, was du jetzt oder in kommenden Tagen zu erreichen strebst. Sprich: Preis sei Gott, dem Herrn aller Welten!
115
115:1
Die Feder der Offenbarung, o ͯDhabíh, hat in den meisten der göttlich offenbarten Sendschreiben diese Worte verzeichnet: Wir haben alle Geliebten Gottes ermahnt, achtzugeben, daß der Saum Unseres heiligen Gewandes nicht mit dem Schmutz gesetzwidriger Taten beschmiert oder mit dem Staub tadelnswerten Betragens befleckt werde. Wir haben sie weiter ermahnt, ihren Blick auf das zu richten, was in Unseren Sendschreiben offenbart ist. Hätte ihr inneres Ohr auf die göttlichen Ratschläge geachtet, die vom Tagesanbruch der Feder des Allbarmherzigen hervorleuchteten, hätten sie auf Seine Stimme gehört, so wären heute die meisten Völker der Erde mit der Zier Seiner Führung geschmückt. Was vorherbestimmt war, ist jedoch eingetreten.
115:2
Noch einmal offenbart die Zunge des Altehrwürdigen der Tage aus dem Größten Gefängnis diese Worte, die auf der schneeweißen Schriftrolle verzeichnet sind: O ihr Geliebten des einen, wahren Gottes! Tretet hervor aus der Enge euerer bösen, verderbten Lüste, schreitet voran in die Weite des Reiches Gottes und weilet auf den heiligen Auen der Loslösung, damit der Duft euerer Taten die ganze Menschheit zum Meere der unvergänglichen Herrlichkeit Gottes geleite. Laßt ab von den Angelegenheiten dieser Welt und allem, was dazu gehört, und nehmt nicht teil an der Tätigkeit jener, die äußerlich ihre Führer sind.
115:3
Der eine, wahre Gott – gepriesen sei Seine Herrlichkeit – hat die Herrschaft auf Erden den Königen übertragen. Niemand hat das Recht, den wohlerwogenen Absichten derer, die Amtsgewalt besitzen, auch nur im geringsten entgegenzuwirken. Was Er sich vorbehalten hat, sind die Städte der Menschenherzen, und die Geliebten dessen, der die höchste Wahrheit ist, sind an diesem Tage wie die Schlüssel zu ihnen. Gebe Gott, daß sie alle befähigt werden, durch die Macht des Größten Namens die Tore dieser Städte aufzuschließen. Das ist es, was unter »dem einen, wahren Gott helfen«[M6] zu verstehen ist – ein Thema, auf das die Feder dessen, der die Morgendämmerung anbrechen läßt, in allen seinen Büchern und Sendschreiben hingewiesen hat.
115:4
Ebenso geziemt es den Geliebten Gottes, mit ihren Mitmenschen nachsichtig zu sein, von allen Dingen so geheiligt und losgelöst zu sein und solche Aufrichtigkeit und Redlichkeit aufzuweisen, daß alle Völker der Erde sie als die Treuhänder Gottes unter den Menschen anerkennen. Bedenke, zu welch erhabenen Höhen die Befehle des Allmächtigen sich aufschwingen, und wie armselig die Stätte ist, an der diese schwachen Seelen jetzt verweilen. Gesegnet, wer auf den Flügeln der Gewißheit in die Himmel fliegt, welche die Feder deines Herrn, des Allerbarmers, ausbreitet.
115:5
Betrachte die Werke, o Dhabíḥ, die Gott, die allbeherrschende Wahrheit, vollbringt. Sprich: Wie gewaltig, wie überaus gewaltig ist die Kraft Seiner alle Welten umschließenden Macht! Erhaben, unendlich erhaben ist Er in Seiner Losgelöstheit über die Reichweite und den Gesichtskreis der ganzen Schöpfung! Verherrlicht, verherrlicht sei Seine Milde – eine Milde, die die Herzen der Gott Nahegebrachten dahinschmelzen läßt.
115:6
Wir haben trotz zahlloser Trübsale, die Wir von den Händen Unserer Feinde erlitten, allen Herrschern der Erde verkündet, was Gott verkünden wollte, damit alle Völker wissen, daß keinerlei Heimsuchung die Feder des Altehrwürdigen der Tage davon abhalten kann, ihre Absicht zu vollbringen. Seine Feder bewegt sich mit der Erlaubnis Gottes, der dem brüchigen, morschen Gebein Gestalt verleiht.
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