Bahá’u’lláh | Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs
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123:4
Baut euch Häuser, die Regen und Flut niemals zerstören können und die euch vor dem Wechsel und Wandel dieses Lebens beschützen. Dies ist die Weisung dessen, dem die Welt Unrecht tat und den sie im Stich ließ.
124
124:1
Wie wunderbar ist die Einheit des lebendigen, des immerwährenden Gottes – eine Einheit, die über alle Begrenzungen erhaben ist und die Fassungskraft alles Erschaffenen übersteigt! Seit Ewigkeit hat Er in Seiner unzugänglichen Wohnstätte der Heiligkeit und Herrlichkeit gewohnt und wird weiter bis in Ewigkeit auf den Höhen Seiner unabhängigen Herrschaft und Größe thronen. Wie erhaben ist Sein unzerstörbares Wesen, wie gänzlich unabhängig von der Erkenntnis alles Erschaffenen, und wie unermeßlich erhaben wird es bleiben über den Lobpreis aller, die in den Himmeln und auf Erden wohnen!
124:2
Aus dem erhabenen Quell, aus dem Wesen Seiner Gunst und Güte hat Er alles Erschaffene mit einem Zeichen Seiner Erkenntnis betraut, auf daß keines Seiner Geschöpfe davon ausgeschlossen sei, seinen Anteil von dieser Erkenntnis kundzutun, jedes nach seiner Fähigkeit und nach seinem Rang. Dieses Zeichen ist der Spiegel Seiner Schönheit in der Welt der Schöpfung. Je größer der Eifer ist, der aufgewendet wird, diesen erhabenen, edlen Spiegel zu verfeinern, desto getreuer wird er die Herrlichkeit der Namen und Eigenschaften Gottes widerspiegeln und die Wunder Seiner Zeichen und Seiner Erkenntnis offenbaren können. Jedes erschaffene Ding wird befähigt werden – so groß ist diese Kraft der Widerspiegelung –, die Möglichkeiten seiner vorherbestimmten Stufe zu offenbaren. Es wird seine Fähigkeit und seine Grenzen erkennen, und wird die Wahrheit bezeugen, daß »Er, wahrlich, Gott ist; es ist kein Gott außer Ihm.«
124:3
Es kann keinen Zweifel geben, daß durch die Anstrengungen, die jeder Mensch bewußt unternimmt, und durch den Einsatz seiner geistigen Fähigkeiten dieser Spiegel vom Schmutz irdischer Befleckung so gereinigt und von teuflischem Wahn so befreit werden kann, daß er den Auen ewiger Heiligkeit nahen und die Höfe immerwährender Gemeinschaft erreichen kann. Nach dem Grundsatz jedoch, daß für alles eine Frist gesetzt und für jede Frucht eine Jahreszeit bestimmt ist, können die verborgenen Kräfte einer solchen Güte am besten in den Tagen Gottes entfesselt und die Frühlingsherrlichkeit einer solchen Gabe einzig in diesen Tagen offenbart werden. Mag auch jeder Tag mit seinem vorherbestimmten Anteil an Gottes wundersamer Gnade ausgestattet sein, so haben doch die Tage, die unmittelbar mit der Manifestation Gottes verbunden sind, eine einzigartige Auszeichnung und nehmen einen Rang ein, den kein Verstand jemals begreifen kann. Sie sind von einer solchen Wirksamkeit erfüllt, daß, wenn die Herzen aller, die in den Himmeln und auf Erden wohnen, in diesen Tagen immerwährender Freude dem Tagesgestirn unvergänglicher Herrlichkeit gegenübergestellt und auf Seinen Willen abgestimmt würden, sich jedes von ihnen über alles Irdische erhaben, in Seinem Lichte strahlend und durch Seine Gnade geheiligt fände. Heil sei dieser Gnade, die kein Segen, wie groß er auch sei, übertreffen kann, und Ehre sei dieser Güte, dergleichen das Auge der Schöpfung nie gesehen hat! Erhaben ist Er über alles, was sie Ihm zuschreiben oder über Ihn berichten!
124:4
Aus diesem Grunde soll in diesen Tagen kein Mensch auf seinen Nächsten angewiesen sein. Es wurde schon zur Genüge dargelegt, daß an diesem von Gott bestimmten Tage die Mehrheit derer, die Seinen heiligen Hof gesucht und erreicht haben, eine Erkenntnis und Weisheit enthüllt, von der neben diesen heiligen und geweihten Seelen kein Mensch, wie lange er auch gelehrt oder gelernt haben mag, einen Tropfen begriffen hat oder je erfassen wird. Vermöge dieser Kraft sind die Geliebten Gottes in den Tagen der Manifestation der Sonne der Wahrheit über alle menschliche Gelehrsamkeit erhoben und von ihr unabhängig gemacht. Ja, aus ihren Herzen, aus dem Quell der ihnen innewohnenden Kräfte strömt unaufhörlich das innerste Wesen menschlicher Gelehrsamkeit und Weisheit.
125
125:1
O mein Bruder! Wenn ein wahrer Sucher sich entschließt, mit forschendem Schritt den Pfad zu betreten, der zur Erkenntnis des Altehrwürdigen der Tage führt, muß er vor allem sein Herz, den Sitz der Offenbarung der inneren Mysterien Gottes, vom trübenden Staub allen erworbenen Wissens und von den Andeutungen der Verkörperungen satanischer Wahngebilde reinigen. Er muß seine Brust, das Heiligtum der immerwährenden Liebe des Geliebten, von jeder Befleckung läutern und seine Seele von allem heiligen, was dem Wasser und dem Lehm zugehört, von allen schattenhaften, flüchtigen Verhaftungen. Er muß sein Herz so läutern, daß kein Rest von Liebe oder Haß darin verbleibt, damit weder Liebe ihn blind zum Irrtum leite noch Haß ihn von der Wahrheit scheuche. Denn wie du an diesem Tage siehst, sind die meisten Menschen solcher Liebe und solchen Hasses wegen des unsterblichen Antlitzes beraubt, sind von den Verkörperungen der göttlichen Mysterien weit abgeirrt und streifen hirtenlos durch die Wildnis des Vergessens und des Irrtums.
125:2
Der Sucher soll allezeit sein Vertrauen in Gott setzen und sich von den Erdenmenschen abkehren. Er soll sich von der Welt des Staubes lösen und Ihm, dem Herrn der Herren, anhangen. Nie darf er sich über einen anderen erheben wollen, jede Spur von Stolz und Dünkel soll er von der Tafel seines Herzens waschen. Er soll in Geduld und Ergebung harren, Schweigen üben und sich eitler Rede enthalten. Denn die Zunge ist ein schwelend Feuer, und zuviel der Rede ein tödlich Gift. Natürliches Feuer verbrennt den Körper, das Feuer der Zunge aber verzehrt Herz und Seele. Die Kraft des einen währt nur eine Weile, aber die Wirkung des anderen dauert ein Jahrhundert lang.
125:3
Auch soll der Sucher üble Nachrede als schweres Vergehen betrachten und sich von ihrem Einfluß fernhalten, denn sie verlöscht das Licht des Herzens und erstickt das Leben der Seele. Er soll sich mit wenigem begnügen und frei sein von allen zügellosen Wünschen. Er soll die Gesellschaft derer schätzen, die der Welt entsagt haben, und es als wertvollen Gewinn betrachten, prahlerische, weltlich gesinnte Menschen zu meiden. In der Morgenfrühe eines jeden Tages soll er sich Gott zuwenden und mit ganzer Seele bei der Suche nach seinem Geliebten verweilen. Er soll jeden eigenwilligen Gedanken mit der Flamme Seines liebevollen Gedenkens verbrennen und mit Blitzesschnelle an allem außer Ihm vorübereilen. Er soll dem Vertriebenen beistehen und dem Notleidenden niemals seine Gunst versagen. Er soll gütig sein zu den Tieren, wie viel mehr zu seinem Nächsten, der mit der Macht der Sprache begabt ist. Er soll nicht zögern, sein Leben für seinen Geliebten hinzugeben, und sich nicht durch das Urteil der Menschen von der Wahrheit abbringen lassen. Für andere soll er nicht wünschen, was er für sich selbst nicht wünscht, und nicht versprechen, was er nicht hält. Aus ganzem Herzen soll er die Gesellschaft der Frevler meiden und um Vergebung ihrer Sünden beten. Er soll dem Sünder verzeihen und niemals dessen niedrigen Zustand verachten, denn niemand weiß, wie sein eigenes Ende sein wird. Wie oft hat ein Sünder in der Todesstunde zum Wesenskern des Glaubens gefunden und, den unsterblichen Trank in Fülle trinkend, seinen Flug zur himmlischen Versammlung genommen! Und wie oft hat sich ein ergebener Gläubiger zur Stunde des Aufstiegs seiner Seele so gewandelt, daß er in das unterste Feuer fiel!
125:4
Wir wollen mit der Offenbarung dieser überzeugenden, gewichtigen Worte dem Sucher tief einprägen, daß er alles außer Gott als vergänglich ansehen und alles außer Ihm, dem Ziel aller Anbetung, als äußerstes Nichtsein erachten soll.
125:5
Dies sind einige Eigenschaften der Hochstehenden und Kennzeichen der Geistiggesinnten. Sie wurden schon bei den Erfordernissen für die Wanderer erwähnt, die auf dem Pfade wirklicher Erkenntnis wandeln. Wenn der losgelöste Wanderer, der aufrichtige Sucher diese Grundbedingungen erfüllt, dann und nur dann kann er ein wahrer Sucher genannt werden. Wann immer er die Bedingungen erfüllt, die in dem Verse liegen: »Wer nach Uns strebt …«, wird er sich der Segnungen erfreuen, die aus den Worten strömen: »… den werden Wir sicherlich auf Unseren Wegen geleiten«Qur’án 29:69 – Anm. d. Hrsg.Q.
125:6
Erst wenn die Lampe des Suchens, des ernsten Strebens, des sehnlichen Verlangens, der leidenschaftlichen Ergebung, der glühenden Liebe, der Verzückung und Ekstase im Herzen des Suchers entzündet ist und der Hauch der Gnade Gottes über seine Seele weht, wird das Dunkel des Irrtums vertrieben, werden die Nebel des Zweifels und der Ängste zerstreut, bis die Lichter der Erkenntnis und Gewißheit sein Wesen einhüllen. Zu dieser Stunde wird der mystische Herold mit der Freudenbotschaft des Geistes strahlend wie der Morgen aus der Stadt Gottes aufleuchten und mit dem Posaunenstoß der Erkenntnis Herz, Seele und Geist aus dem Schlummer der Achtlosigkeit erwecken. Dann werden die mannigfachen Gunstbeweise und die Gnadenströme des heiligen, ewigen Geistes dem Sucher solch neues Leben verleihen, daß er sich mit einem neuen Auge, einem neuen Ohr, einem neuen Herzen und einem neuen Geist beschenkt sieht. Er wird über die offenbaren Zeichen des Weltalls nachsinnen und die verborgenen Geheimnisse der Seele durchdringen. Er wird mit dem Auge Gottes schauen und in jedem Atom ein Tor erblicken, das ihn zu den Stufen völliger Gewißheit führt. In allen Dingen wird er die Mysterien göttlicher Offenbarung und die Beweise ewiger Verkündung entdecken.
125:7
Ich schwöre bei Gott! Wer den Pfad der Führung beschreitet, die Höhen der Rechtschaffenheit zu erklimmen sucht und diese hehre, erhabene Stufe erreicht, wird tausend Meilen weit den Duft Gottes verspüren und erleben, wie sich der strahlende Tagesanbruch göttlicher Führung über dem Morgen aller Dinge erhebt. Jedes Ding, und sei es noch so klein, wird ihm eine Offenbarung, die ihn zu seinem Geliebten führt, dem Ziel seines Suchens. So scharf wird des Suchers Urteilskraft werden, daß er Wahres von Falschem zu unterscheiden vermag wie die Sonne vom Schatten. Wenn in den fernsten Winkeln des Ostens Gottes liebliche Düfte wehen, so wird er sie sicherlich erkennen und einatmen, weilte er auch am äußersten Ende des Westens. Desgleichen wird er alle Zeichen Gottes – Seine wundersamen Worte, Seine großen Werke und mächtigen Taten – so klar von den Werken, Worten und Wegen der Menschen unterscheiden, wie der Goldschmied den Edelstein vom Kiesel und jeder Mensch den Frühling vom Herbst, Hitze von Kälte unterscheidet. Wenn die menschliche Seele gleich einem Kanal von allen weltlichen, hemmenden Verhaftungen gereinigt ist, wird sie unfehlbar den Odem des Geliebten über unermeßliche Entfernungen hin verspüren und, von seinem Duft geführt, die Stadt der Gewißheit erreichen und betreten.
125:8
Dort wird der Sucher Gottes Wunder altehrwürdiger Weisheit erfahren und alle verborgenen Lehren aus dem Blätterrauschen des Baumes vernehmen, der in dieser Stadt blüht. Mit seinem inneren und dem äußeren Ohr wird er aus deren Staub die Hymnen der Verherrlichung und des Lobpreises hören, die zum Herrn der Herren emporsteigen, und mit seinem inneren Auge wird er die Geheimnisse der »Wiederkunft« und der »Erweckung« entdecken.
125:9
Wie unaussprechlich herrlich sind die Zeichen, die Beweise, die Offenbarungen und die Pracht, die Er, der König der Namen und Eigenschaften, für diese Stadt bestimmt hat. Der Eintritt in diese Stadt löscht den Durst ohne Wasser und entzündet die Gottesliebe ohne Feuer. In jedem Grashalm sind die Mysterien unergründlicher Weisheit verwahrt, und in jedem Rosenbusch singen Nachtigallen ohne Zahl in seligem Entzücken ihr Lied. Wundersame Tulpen enthüllen das Mysterium des unverlöschlichen Feuers im Brennenden Busch, und liebliche Wohlgerüche der Heiligkeit verströmen den Duft des messianischen Geistes. Diese Stadt schenkt Reichtum ohne Gold und verleiht Unsterblichkeit ohne Tod. In jedem Blatt sind unaussprechliche Wonnen verwahrt, und in jedem Gemach liegen unzählige Geheimnisse verborgen.
125:10
Die sich tapfer auf der Suche nach Gott mühen, werden, sobald sie allem außer Ihm entsagt haben, so mit dieser Stadt verbunden und vermählt sein, daß sie sich nicht mehr vorstellen können, auch nur einen Augenblick von ihr getrennt zu leben. Sie werden auf unfehlbare Beweise von der Hyazinthe jener Gemeinschaft lauschen und die sichersten Zeugnisse von der Schönheit ihrer Rose und dem Lied ihrer Nachtigall empfangen. Etwa alle tausend Jahre einmal wird diese Stadt erneuert und aufs neue geschmückt…
125:11
Diese Stadt ist nichts anderes als das Wort Gottes, das in jedem Zeitalter und in jeder Sendung offenbart wird. In den Tagen Mose war sie der Pentateuch, in den Tagen Jesu das Evangelium, in den Tagen Muḥammads, des Gesandten Gottes, der Qur’án, an diesem Tage ist sie der Bayán, und in der Sendung dessen, den Gott offenbaren wird, wird sie Sein Buch sein – das Buch, auf das alle Bücher der vorangegangenen Sendungen notwendig bezogen werden müssen, das Buch, das überragend und erhaben in ihrer Mitte steht.
126
126:1
An welchen Ort Wir auch verbannt werden, wie groß die Trübsal auch sei, die Wir erdulden – wer zum Volke Gottes gehört, muß mit festem Entschluß und vollkommenem Vertrauen sein Auge auf die Sonne der Herrlichkeit richten und sich dem zuwenden, was zur Besserung der Welt und zur Erziehung ihrer Völker führt. Alles, was Uns in der Vergangenheit widerfahren ist, hat die Belange Unserer Offenbarung gefördert und ihren Ruhm verkündet, und alles, was Uns in Zukunft widerfahren mag, wird das gleiche Ergebnis haben. Haltet euch aus innerstem Herzen fest an die Sache Gottes, eine Sache, die durch Ihn, den Gebieter, den Allweisen, herabgesandt worden ist. Mit größter Güte und Barmherzigkeit haben Wir alle Völker und Stämme aufgerufen und sie zu dem geführt, was ihnen wirklich nützt.
126:2
Die Sonne der Wahrheit, in ihrem Mittagsglanze strahlend, legt Zeugnis ab für Uns! Wer zum Volke Gottes gehört, hat nur den Ehrgeiz, die Welt zu erneuern, ihr Leben zu veredeln und ihre Völker zu beleben. Wahrhaftigkeit und Wohlwollen haben allezeit die Beziehungen dieses Volkes zu allen Menschen gekennzeichnet. Ihr äußeres Verhalten ist nur die Widerspiegelung ihres inneren Lebens und ihr inneres Leben der Spiegel ihres äußeren Verhaltens. Kein Schleier verbirgt oder verdunkelt die Wahrheit, auf die ihr Glaube sich gründet. Vor den Augen aller Menschen ist diese Wahrheit offen dargelegt, sie kann deutlich erkannt werden. Ihre Taten beweisen die Wahrheit dieser Worte.
126:3
Jedes scharfblickende Auge kann an diesem Tage das Morgenlicht der Offenbarung Gottes wahrnehmen, und jedes aufmerksame Ohr die Stimme erkennen, die aus dem Brennenden Busch gehört ward. Die Wasser göttlichen Erbarmens stürzen in solcher Fülle hernieder, daß Er, der Morgen der Zeichen Gottes, der Offenbarer der Beweise Seiner Herrlichkeit, sich unverschleiert und unverhüllt mit den Völkern und Geschlechtern der Erde verbindet und mit ihnen spricht. Wie zahlreich sind jene, die mit böser Absicht im Herzen Unsere Gegenwart aufsuchten und sie als treue, liebevolle Freunde wieder verließen! Die Tore der Gnade stehen vor aller Menschen Angesicht weit offen. In Unserem äußeren Umgang mit ihnen haben Wir den Gerechten und den Sünder gleich behandelt, damit der Frevler das grenzenlose Meer der göttlichen Vergebung erreiche. Unser Name ›Der Verbergende‹ hat solches Licht über die Menschen verbreitet, daß der Widersetzliche wähnt, zu den Frommen gerechnet zu werden. Wir werden keinen Menschen, der Uns sucht, jemals enttäuschen, noch wird dem, der Uns sein Angesicht zugewandt hat, der Zutritt zu Unserem Hofe verweigert werden…
126:4
O Freunde! Helfet dem einen, wahren Gott – gepriesen sei Seine Herrlichkeit – durch euere edlen Werke, durch ein Verhalten und durch einen Charakter, die vor Ihm annehmbar sind. Wer an diesem Tage ein Helfer Gottes sein möchte, der schließe seine Augen vor allem, was er besitzt, und öffne sie dem, was von Gott ist. Er widme sich nicht länger dem, was ihm selbst Nutzen bringt, sondern sorge sich um alles, was den allbezwingenden Namen des Allmächtigen erhöhen wird. Sein Herz reinige er von allen üblen Leidenschaften und verderbten Wünschen; denn die Gottesfurcht ist die Waffe, die ihn siegreich machen kann, das wichtigste Mittel, sein Ziel zu erreichen. Die Gottesfurcht ist der Schutz, der Seine Sache verteidigt, der Schild, der Sein Volk befähigt, den Sieg zu erringen. Sie ist ein Banner, das kein Mensch entwürdigen kann, eine Kraft, der keine Macht gleicht. Mit ihrer Hilfe und mit Seiner, des Herrn der Heerscharen, Erlaubnis wurden die Gott Nahen befähigt, die Festungen der Menschenherzen zu bezwingen und zu erobern.
127
127:1
Wenn es euer Wunsch ist, o ihr Menschen, Gott zu erkennen und die Größe Seiner Macht zu entdecken, dann schaut auf Mich mit Meinen eigenen Augen und nicht mit den Augen eines anderen außer Mir. Nie werdet ihr sonst imstande sein, Mich zu erkennen, selbst wenn ihr über Meine Sache nachdenkt, solange Mein Reich dauert, und über alles Erschaffene nachsinnt durch alle Ewigkeit Gottes, des höchsten Herrn über alle, des Allgewaltigen, des Allewigen, des Allweisen. So haben Wir die Wahrheit Unserer Offenbarung verkündet, damit die Menschen aus ihrer Achtlosigkeit aufgerüttelt werden und zu den Verstehenden gehören.
127:2
Seht den erbärmlichen Zustand dieser Menschen, die sehr wohl wissen, wie Ich Mich selbst und Meine Verwandtschaft auf dem Pfade Gottes und für die Erhaltung ihres Glaubens an Ihn geopfert habe, und die sich wohl bewußt sind, wie Meine Feinde Mich umstellt haben in den Tagen, da die Herzen der Menschen erzitterten und sich fürchteten, den Tagen, da sie sich vor den Augen der Geliebten Gottes und vor Seinen Feinden verbargen und eifrig bemüht waren, ihre eigene Sicherheit und ihren Frieden zu wahren.
127:3
Es gelang Uns schließlich, die Sache Gottes zu verkünden, und Wir erhöhten sie zu einer so erhabenen Stufe, daß alles Volk bis auf jene, die in ihrem Herzen Übelwollen gegen diesen Jüngling hegten und dem Allmächtigen Gefährten beigesellten, die Allgewalt Gottes und Seine mächtige Herrschaft anerkannten. Und dennoch, siehe, wie trotz dieser Offenbarung, deren Einfluß alles Erschaffene durchdrang, und ungeachtet dieses hellen Lichtes, desgleichen keiner von ihnen jemals sah, das Volk des Bayán Mich verleugnet und bekämpft. Einige wandten sich vom Pfade Gottes ab, verwarfen die Amtsgewalt dessen, an den sie geglaubt hatten, und handelten anmaßend gegen Gott, den Machtvollsten, den höchsten Beschützer, den Erhabensten, den Größten. Andere zögerten und stockten auf Seinem Pfade; sie betrachteten die Sache des Schöpfers in ihrem Wahrheitskern als ungültig, solange sie nicht durch die Zustimmung dessen bestätigt ist, der durch das Wirken Meines Willens erschaffen wurde. So sind ihre Werke zunichte geworden, aber sie haben es nicht begriffen. Zu ihnen gehört er, der Gott nach dem Maß seines eigenen Selbstes zu messen versuchte und durch die Namen Gottes so irregeführt war, daß er sich gegen Mich erhob, Mich als einen verurteilte, der getötet zu werden verdiente, und Mir eben die Vergehen zur Last legte, deren er selbst schuldig war.
127:4
Darum trage Ich Meinen Gram und Meinen Schmerz vor Ihn, der Mich erschuf und Mich mit Seiner Botschaft betraute. Ihm danke und Ihn preise Ich für alles, was Er verordnet hat, für Meine Einsamkeit und die Qual, die Ich aus den Händen dieser Menschen erleide, die so weit von Ihm abgeirrt sind. Ich habe die Trübsal, die Mich traf, geduldig getragen; Ich werde sie weiter tragen und Mein ganzes Vertrauen, Meine Zuversicht auf Gott setzen. Ihn werde Ich demütig bitten und sprechen: Führe Deine Diener, o Mein Herr, zum Hofe Deiner Gunst und Großmut und lasse nicht zu, daß sie von den Wundern Deiner mannigfaltigen Gnadengaben ausgeschlossen bleiben. Denn sie wissen nicht, was Du für sie verordnet hast kraft Deiner Barmherzigkeit, die die ganze Schöpfung umfaßt. Äußerlich, o Herr, sind sie schwach und hilflos, und innerlich sind sie nur Waisenkinder. Du bist der Allgütige, der Freigebige, der höchst Erhabene, der Größte. O Mein Gott! Lasse die Heftigkeit Deines Zornes nicht über sie kommen und gib, daß sie auf die Zeit warten, da die Wunder Deiner Barmherzigkeit offenbar sind, damit sie vielleicht zu Dir zurückkehren und Dich für das, was sie gegen Dich verübt haben, um Vergebung bitten. Wahrlich, Du bist der Verzeihende, der Allbarmherzige.
128
128:1
Sprich: Ziemt es sich für einen Menschen, der behauptet, Nachfolger seines Herrn, des Allbarmherzigen, zu sein, in seinem Herzen die schlimmsten Taten des Bösen zu tun? Nein, es steht ihm übel an, und die Schönheit des Allherrlichen wird es Mir bezeugen. Könntet ihr es doch verstehen!
128:2
Macht euer Herz frei von der Liebe zu weltlichen Dingen, euere Zunge von jedem Gedenken außer Seinem Gedenken, euer ganzes Wesen von allem, was euch davon abhält, Ihm ins Angesicht zu blicken, und was euch verführt, den Einflüsterungen euerer bösen, verderbten Neigungen zu folgen. Fürchtet Gott, o Menschen, und gehört zu denen, die den Pfad der Rechtschaffenheit beschreiten.
128:3
Sprich: Wenn euer Betragen, o Menschen, eueren Bekenntnissen widerspricht, wie glaubt ihr euch dann von denen unterscheiden zu können, die ihren Glauben an den Herrn, ihren Gott, bekannten, sich aber dennoch, als Er in der Wolke der Heiligkeit zu ihnen kam, weigerten, Ihn anzuerkennen, und Seine Wahrheit zurückwiesen. Macht euch frei von jeder Bindung an diese Welt und ihre Eitelkeiten. Hütet euch, ihnen zu nahen, denn sie verleiten euch dazu, eueren Gelüsten und euerer Habsucht zu folgen, und hindern euch daran, den geraden, herrlichen Pfad zu betreten.
128:4
Wisset, daß mit der »Welt« euere Unachtsamkeit gegen Ihn, eueren Schöpfer, gemeint ist, euer Erfülltsein von anderem als Ihm. Andererseits bedeutet »das künftige Leben« alles, was euch sicher macht, daß ihr Gott, dem Allherrlichen, dem Unvergleichlichen, nahe kommt. Was euch an diesem Tage abhält, Gott zu lieben, ist nichts anderes als die Welt. Flieht sie, damit ihr zu den Seligen zählt! Möchte ein Mensch sich mit dem Schmuck dieser Erde schmücken, ihre Trachten tragen und die Wohltaten genießen, die sie zu schenken vermag, so kann ihm das nicht schaden, sofern er nichts zwischen sich und Gott treten läßt; denn Gott hat alle guten Dinge, ob sie in den Himmeln oder auf Erden erschaffen sind, für jene Seiner Diener bestimmt, die wahrhaft an ihn glauben. Genießet, o Menschen, die guten Dinge, die Gott euch erlaubt, und beraubt euch nicht selbst Seiner wunderbaren Gaben. Bringet Ihm Dank und Preis, und gehöret zu den wahrhaft Dankbaren.
128:5
O du, der du deinem Heim entflohen bist und die Gegenwart Gottes gesucht hast! Verkünde den Menschen die Botschaft deines Herrn, damit sie sie davon abhalte, den Einflüsterungen ihrer bösen, verderbten Wünsche zu folgen, und sie zum Gedenken Gottes, des Erhabensten, des Größten, führe. Sprich: Fürchtet Gott, ihr Menschen, und vergießet nicht das Blut eines anderen. Streitet nicht mit euerem Nächsten und gehört zu denen, die Gutes tun. Hütet euch, daß ihr die Welt nicht in Unordnung bringt, nachdem sie wohl geordnet ist, und folgt nicht den Spuren derer, die in die Irre gingen.
128:6
Wer immer sich unter euch erhebt, die Sache seines Herrn zu lehren, der lehre vor allem sein eigenes Ich, damit seine Rede die Herzen seiner Hörer anziehe. Ehe er sich nicht selbst lehrt, werden die Worte seines Mundes das Herz des Suchers nicht berühren. Habt acht, o Menschen, daß ihr nicht zu denen gehört, die anderen einen guten Rat geben, aber vergessen, ihn selbst zu befolgen. Ihre eigenen Worte und darüber hinaus die Worte der Wirklichkeiten aller Dinge, und jenseits dieser Wirklichkeiten die Gott nahen Engel klagen solche Menschen der Falschheit an.
128:7
Wenn es einem Menschen gelingt, einen anderen zu beeinflussen, ist dieser Erfolg nicht ihm selbst zuzuschreiben, sondern dem Einfluß der Worte Gottes, wie es von Ihm verordnet ist, dem Allmächtigen, dem Allweisen. Vor Gott wird er als eine Lampe angesehen, die ihr Licht spendet und sich dabei selbst verzehrt.
128:8
Sprich: Begehet nicht, o Menschen, was Schande über euch bringt oder die Sache Gottes in den Augen der Menschen entehrt, und gehört nicht zu den Unheilstiftern. Naht nicht den Dingen, die euere Vernunft verdammt. Meidet jede Art von Schlechtigkeit, denn solches ist euch verboten in dem Buche, das nur die zur Hand nehmen, die Gott von jedem Makel der Schuld gereinigt und zu den Gläubigen gezählt hat.
128:9
Seid aufrichtig gegen euch selbst und gegen andere, damit die Beweise der Gerechtigkeit durch euere Taten unter Unseren getreuen Dienern offenbar werden. Hütet euch, das Eigentum eueres Nächsten anzutasten. Erweist euch seines Vertrauens und seines guten Glaubens würdig, und versagt den Armen nicht die Gaben, die Gottes Gnade euch verliehen hat. Er, wahrlich, wird die Wohltäter belohnen und ihnen ihre Spenden doppelt vergelten. Es ist kein Gott außer Ihm. Die ganze Schöpfung und die Herrschaft über sie sind Sein. Er verleiht Seine Gaben, wem Er will, und Er versagt sie, wem Er will. Er ist der große Geber, der Großmütigste, der Gütige.
128:10
Sprich: Lehre die Sache Gottes, o Volk Bahás, denn Gott hat es jedem zur Pflicht gemacht, Seine Botschaft zu verkünden, und betrachtet dies als die verdienstvollste aller Taten. Eine solche Tat ist nur annehmbar, wenn der Lehrer schon fest im Glauben an Gott steht, den höchsten Beschützer, den Gnädigen, den Allmächtigen. Er hat überdies bestimmt, daß Seine Sache durch die Kraft des menschlichen Wortes gelehrt werde, nicht durch die Anwendung von Gewalt. So wurde Sein Gebot aus dem Reiche dessen herabgesandt, der der Erhabenste, der Allweise ist. Hütet euch, mit jemandem zu streiten, strebt vielmehr danach, ihn freundlich auf die Wahrheit aufmerksam zu machen und ihn überzeugend zu ermahnen. Ist euer Hörer empfänglich, so ist er es zu seinem eigenen Frommen; wenn nicht, wendet euch von ihm ab und richtet euer Angesicht auf Gottes geheiligten Hof, den Sitz strahlender Heiligkeit.
128:11
Streitet mit niemandem über die Dinge dieser Welt und ihre Angelegenheiten, denn Gott hat sie denen überlassen, die ihr Herz daran hängen. Sich selbst hat Er aus der ganzen Welt die Herzen der Menschen erwählt – Herzen, die die Scharen der Offenbarung und der Äußerung bezwingen können. So hat es die Hand Bahás auf der Tafel des unwiderruflichen Ratschlusses Gottes nach dem Befehl des Höchsten Verordners, des Allwissenden, verordnet.
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