Bahá’u’lláh | Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs
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14:2
Mich dünkt, du zögerst und bewegst dich nicht auf Meiner Tafel. Hat dich das göttliche Antlitz mit seinem Glanz verwirrt, oder hat dich das leere Geschwätz der Eigensinnigen mit Kummer erfüllt und deine Bewegung gelähmt? Sei achtsam, daß nichts dich davon ablenke, die Größe dieses Tages zu preisen, des Tages, da der Finger der Erhabenheit und Macht den Wein der Wiedervereinigung entsiegelt und alle gerufen hat, die in den Himmeln, und alle, die auf Erden sind. Willst du zögern, wenn der Windhauch, der den Tag Gottes ankündigt, schon über dich geweht ist, oder gehörst du zu denen, die wie durch einen Schleier von Ihm getrennt sind?
14:3
Keinem Schleier, o Herr aller Namen und Schöpfer der Himmel, habe ich gestattet, mich von der Anerkennung der Herrlichkeit Deines Tages auszuschließen – des Tages, der die Lampe der Führung ist für die ganze Welt und das Zeichen des Altehrwürdigen der Tage für alle, die darin wohnen. Ich schweige wegen der Schleier, welche die Augen Deiner Geschöpfe blind gemacht haben gegen Dich, und mein Stummsein rührt von den Hemmnissen, die Dein Volk gehindert haben, Deine Wahrheit anzuerkennen. Du weißt, was in mir ist, ich jedoch weiß nicht, was in Dir ist. Du bist der Allwissende, der Allunterrichtete. Bei Deinem Namen, der alle anderen Namen überragt! Sollte Dein übermächtiger und allbezwingender Befehl mich erreichen, er würde mir Macht verleihen, die Seelen aller Menschen neu zu beleben durch Dein erhabenes Wort, das ich Deine Zunge der Macht in Deinem Reiche der Herrlichkeit äußern hörte. Er würde mich befähigen, die Enthüllung Deines strahlenden Antlitzes zu verkünden, durch die alles, was vor den Augen der Menschen verborgen war, kundgetan ist in Deinem Namen, der Offenbare, der höchste Beschirmer, der Selbstbestehende.
14:4
Kannst du, o Feder, an diesem Tage einen anderen außer Mir entdecken? Was ist aus der Schöpfung und ihren Offenbarungen geworden? Was aus den Namen und ihrem Reich? Wohin ist alles Erschaffene – Sichtbares oder Unsichtbares – entschwunden? Was ist mit den verborgenen Geheimnissen des Alls und seinen Offenbarungen geschehen? Siehe, die ganze Schöpfung ist vergangen! Nichts ist geblieben außer Meinem Antlitz, dem Ewigbleibenden, dem Strahlenden, dem Allherrlichen.
14:5
Dies ist der Tag, an dem nichts außer dem Glanz des Lichtes wahrgenommen werden kann, das vom Angesicht Deines Herrn ausstrahlt, des Gnädigen, des Gütigen. Wahrlich, Wir haben kraft Unserer unwiderstehlichen, allunterwerfenden Herrschaft jede Seele verhauchen lassen. Dann haben Wir eine neue Schöpfung ins Leben gerufen als Zeichen Unserer Gnade für die Menschen. Ich bin wahrlich der Allgütige, der Altehrwürdige der Tage.
14:6
Dies ist der Tag, da die Welt des Unsichtbaren ausruft: »Groß ist deine Seligkeit, o Erde, denn du wurdest zum Schemel deines Gottes gemacht und zum Sitz Seines mächtigen Thrones auserkoren.« Das Reich der Herrlichkeit verkündet: »Könnte doch mein Leben ein Opfer für dich sein, denn Er, der Geliebte des Allerbarmers, hat auf dir Seine Herrschaft errichtet durch die Macht Seines Namens, der allem Vergangenen und Künftigen verheißen ist.« Dies ist der Tag, da jeder liebliche Duft seinen Wohlgeruch aus dem Duft Meines Gewandes zieht, eines Gewandes, das seinen Duft über die ganze Schöpfung verbreitet. Dies ist der Tag, da sich die rauschenden Wasser ewigen Lebens aus dem Willen des Allbarmherzigen ergießen. Eilt euch mit Herz und Seele und trinkt euch satt, o Scharen der Höhe!
14:7
Sprich: Er ist es, der die Manifestation des Unerkennbaren, des Unsichtbarsten alles Unsichtbaren ist, könntet ihr es doch begreifen. Er ist es, der den verborgenen und verwahrten Edelstein offen vor euch hingelegt hat, wolltet ihr ihn doch suchen. Er ist es, der Einziggeliebte von allem, was vergangen und zukünftig ist, würdet ihr doch Herz und Hoffnung auf Ihn richten!
14:8
Wir haben die Stimme deiner Verteidigung gehört, o Feder, und verzeihen dein Schweigen. Was ist es, das dich so sehr verwirrt hat?
14:9
Vom Rausch Deiner Gegenwart, o Vielgeliebter aller Welten, bin ich ergriffen und besessen.
14:10
Erhebe dich und verkünde der ganzen Schöpfung die Botschaft, daß Er, der Allbarmherzige, Seine Schritte zum Riḍván gelenkt und ihn betreten hat. Führe dann das Volk zum Garten des Entzückens, den Gott zum Thron Seines Paradieses gemacht hat. Wir haben dich zu Unserer mächtigsten Posaune erkoren, auf daß ihr schallender Ruf die Auferstehung der ganzen Menschheit verkünde.
14:11
Sprich: Dies ist das Paradies, auf dessen Blattwerk der Wein der Äußerung das Zeugnis ätzte: »Er, der den Augen der Menschen verborgen war, ist enthüllt, gegürtet mit Herrschaft und Macht!« Dies ist das Paradies, dessen rauschende Blätter künden: »O ihr, die ihr die Himmel und die Erde bewohnt! Erschienen ist, was nie zuvor erschien. Er, der Sein Antlitz seit Ewigkeit vor den Blicken der Schöpfung verborgen hielt, ist nun da!« Aus dem raunenden Wind, der durch des Paradieses Zweige weht, dringt der Ruf: »Er, der höchste Herr aller, ist offenbart. Das Reich ist Gottes«, während aus seinen strömenden Wassern das Murmeln klingt: »Alle Augen sind erfreut, denn Er, den keiner schaute, dessen Geheimnis niemand entdeckte, hat den Schleier der Herrlichkeit gelüftet und das Antlitz der Schönheit enthüllt.«
14:12
In diesem Paradies und aus den Höhen seiner erhabensten Gemächer rufen die Himmelsdienerinnen jubelnd: »Freut euch, ihr Bewohner der Reiche der Höhe, denn die Finger dessen, der der Altehrwürdige der Tage ist, läuten im Namen des Allherrlichen die Größte Glocke mitten im Herzen der Himmel. Die Hände der Güte reichen den Becher des ewigen Lebens dar. Kommt näher und trinkt euch satt! Trinkt mit gesundem Behagen, o ihr, die ihr die fleischgewordene Sehnsucht seid, die ihr das leidenschaftliche Verlangen verkörpert!«
14:13
Dies ist der Tag, da Er, der Offenbarer der Namen Gottes, aus dem Heiligtum der Herrlichkeit hervortrat und allen, die in den Himmeln und auf Erden sind, verkündete: »Stellt die Becher des Paradieses und alles lebenspendende Wasser darin beiseite, denn sehet, das Volk Bahás ist in die selige Wohnstatt der göttlichen Gegenwart eingetreten und trinkt den Wein der Wiedervereinigung aus dem Kelch der Schönheit seines Herrn, des Allbesitzenden, des Höchsten.«
14:14
Vergiß die Welt der Schöpfung, o Feder, und wende dich dem Antlitz deines Herrn zu, des Herrn aller Namen. Schmücke dann die Welt mit dem Schmuck der Gunstbezeugungen deines Herrn, des Königs ewiger Tage. Denn Wir spüren den Duft des Tages, da Er, die Sehnsucht aller Völker, die Lichtfülle Seiner höchst erhabenen Namen auf die Reiche des Sichtbaren und Unsichtbaren ergoß und sie mit dem Strahlenglanz der Leuchten Seiner gnädigsten Gunst umgab – einer Gunst, die keiner außer Ihm, dem allmächtigen Beschirmer der ganzen Schöpfung, zu ermessen vermag.
14:15
Schaue auf Gottes Geschöpfe nur mit dem Auge der Güte und Barmherzigkeit, denn Unsere liebende Vorsehung hat alles Erschaffene durchdrungen und Unsere Gunst hat die Erde und die Himmel umfangen. Dies ist der Tag, da die wahren Diener Gottes an den lebenspendenden Wassern der Wiedervereinigung teilhaben, der Tag, da alle, die Ihm nahe sind, vom sanft fließenden Strom der Unsterblichkeit, und alle, die an Seine Einheit glauben, vom Wein Seiner Gegenwart zu trinken vermögen, indem sie Ihn anerkennen als den, der das höchste und letzte Ziel aller ist, und aus dem die Zunge der Majestät und Herrlichkeit den Ruf erhebt: »Das Reich ist Mein, Ich selbst bin aus Meinem eigenen Recht sein Herrscher.«
14:16
Ziehe die Herzen der Menschen an durch Seinen, des einzig Geliebten Ruf. Sprich: Dies ist die Stimme Gottes, so ihr doch auf sie hörtet! Dies ist der Tagesanbruch der Offenbarung Gottes, so ihr es doch wüßtet! Dies ist der Aufgangsort der Sache Gottes, so ihr es doch erkenntet! Dies ist die Quelle des Gebotes Gottes, so ihr sie doch gerecht beurteiltet! Dies ist das offenbare und verborgene Geheimnis, so ihr es doch erfaßtet! O ihr Völker der Welt! In Meinem Namen, der alle anderen Namen überragt, werft weg, was ihr besitzt, und versenkt euch in dieses Meer, dessen Tiefen die Perlen der Weisheit und der Äußerung bergen, ein Meer, das wogt in Meinem Namen, der Allbarmherzige. So belehrt euch Er, bei dem das Mutterbuch ist.
14:17
Der Meistgeliebte ist erschienen. In Seiner Rechten hält Er den versiegelten Wein Seines Namens. Glücklich der Mensch, der sich Ihm zukehrt, sich satt trinkt und ausruft: »Preis sei Dir, o Offenbarer der Zeichen Gottes!« Bei der Gerechtigkeit des Allmächtigen! Alles Verborgene ist durch die Macht der Wahrheit offenbart. Alle Gunstbeweise Gottes sind als Zeichen Seiner Gnade herabgesandt. Die Wasser ewigen Lebens sind in ihrer ganzen Fülle den Menschen dargeboten. Jeden einzelnen Becher hat die Hand des Vielgeliebten dargereicht. Kommt herbei und zögert nicht, und wäre es auch nur für einen kurzen Augenblick.
14:18
Selig, wer sich mit den Flügeln der Loslösung aufschwingt und die Stufe erreicht, die nach Gottes Befehl die ganze Schöpfung überschattet, wen weder die eitlen Einbildungen der Gelehrten noch die Menge der Erdenscharen von Seiner Sache ablenken können. Wer unter euch, o Volk, ist bereit, der Welt zu entsagen und sich Gott, dem Herrn aller Namen, zu nähern? Wo findet sich der, der durch die Macht Meines Namens, der alles Erschaffene überragt, wegwirft, was Menschen besitzen, und sich mit all seiner Kraft an das hält, was Gott, der Kenner des Unsichtbaren und des Sichtbaren, ihm zu beachten gebot? So ist Seine Güte den Menschen herniedergesandt, Sein Zeugnis erfüllt, und so erstrahlt Sein Beweis über dem Horizont der Gnade. Kostbar ist der Preis, der dem zufallen wird, der glaubt und ausruft: »Gepriesen seist Du, o Geliebter aller Welten! Verherrlicht sei Dein Name, o Du Sehnsucht jedes verstehenden Herzens!«
14:19
Frohlocke in höchster Freude, o Volk Bahás, wenn du dich des Tages höchsten Glücks erinnerst, des Tages, da die Stimme des Altehrwürdigen der Tage sprach, da Er aus Seinem Hause fort zu jenem Orte ging, wo Er den Glanz Seines Namens, der Allbarmherzige, über die ganze Schöpfung ergoß. Gott ist Unser Zeuge. Wollten wir die verborgenen Geheimnisse dieses Tages enthüllen, so würden alle, die auf Erden und in den Himmeln wohnen, bewußtlos werden und sterben, außer jenen, die von Gott, dem Allmächtigen, dem Allwissenden, dem Allweisen, behütet werden.
14:20
So stark ist die berauschende Wirkung der Worte Gottes auf Ihn, den Offenbarer Seiner unzweifelhaften Beweise, daß Seine Feder nicht länger schreiben kann. Er schließt Seine Tafel mit den Worten: »Kein Gott ist außer Mir, dem Höchsterhabenen, dem Machtvollsten, dem Unübertrefflichen, dem Allwissenden.«
15
15:1
Die Feder der Offenbarung ruft aus: »Das Reich ist Gottes an diesem Tage!«Qur’án 22:56 – Anm. d. Hrsg.Q Die Zunge der Macht ruft: »An diesem Tage ist alle Herrschaft wahrhaftig bei Gott!«Qur’án 82:19 – Anm. d. Hrsg.Q Der Phönix in den Reichen der Höhe ruft laut vom unvergänglichen Zweige: »Die Herrlichkeit aller Größe gehört Gott, dem Unvergleichlichen, dem Allbezwingenden!« Die mystische Taube verkündet aus ihrer seligen Laube im ewigen Paradiese: »Die Quelle aller Gnadengaben strömt an diesem Tage aus Gott, dem Einen, dem Vergebenden!« Der Vogel des Thrones schmettert sein Lied in seiner Zufluchtsstätte der Heiligkeit: »Höchste Oberhoheit kommt an diesem Tage keinem anderen zu als Gott, Ihm, der weder Gefährten noch Seinesgleichen hat, dem Allgewaltigen, dem Allüberwinder!« Das innerste Wesen alles Erschaffenen legt in allen Dingen das Zeugnis ab: »Alle Vergebung strömt an diesem Tage von Gott, Ihm, dem sich keiner vergleichen kann, dem keine Gefährten zugesellt werden können, dem unumschränkten Schutzherrn aller Menschen, dem Verberger ihrer Sünden!« Die Quintessenz der Herrlichkeit hat ihre Stimme über Meinem Haupte erhoben und ruft hernieder aus Höhen, die weder Feder noch Zunge zu beschreiben vermag: »Gott ist mein Zeuge! Er, der Altehrwürdige immerwährender Tage, ist gekommen, umgürtet mit Majestät und Macht. Es ist kein anderer Gott außer Ihm, dem Allherrlichen, dem Allmächtigen, dem Allhöchsten, dem Allweisen, dem Alldurchdringenden, dem Allsehenden, dem Allwissenden, dem unumschränkten Schutzherrn, der Quelle ewigen Lichtes!«
15:2
O Mein Diener, der du Gottes Wohlgefallen gesucht und dich an Seine Liebe gehalten hast an dem Tage, da alle außer wenigen mit Einsicht Begabten von Ihm abgefallen sind! Möge es dir Gott durch Seine Gunst mit reichem, unvergänglichem, ewigem Lohn vergelten, weil du Ihn suchtest an dem Tage, da die Augen geblendet waren. Wisse, wenn Wir dir auch nur ein Körnchen der Hagelschläge offenbarten, die nach Gottes Ratschluß aus den Händen der Neider und Übeltäter auf Uns herniederprasseln, du würdest vor Trauer weinen und Tag und Nacht Unsere schlimme Lage beklagen. O daß doch eine einsichtige, aufrichtige Seele sich fände, die Wunder dieser Offenbarung zu erkennen – Wunder, die die Herrschaft Gottes und die Größe ihrer Gewalt verkünden! Daß doch ein solcher Mensch sich erhöbe und ganz um Gottes willen in der Stille und öffentlich das Volk ermahnte, damit es sich erhebe und diesem Unterdrückten, den die Übeltäter so schwer heimgesucht haben, beistehe.
15:3
Mich dünkt, Ich höre die Stimme des Heiligen Geistes hinter Mir rufen und sprechen: Wechsle Dein Thema und wandle Deinen Ton, damit das Herz dessen, der seinen Blick auf Dein Antlitz gerichtet hat, nicht traurig werde. Sprich: Durch Gottes Gnade und Macht habe Ich in der Vergangenheit von niemandem Hilfe erbeten, noch werde Ich in Zukunft bei jemandem Hilfe suchen. Er ist es, der Mir durch die Macht der Wahrheit während Meiner Verbannung im ‘Iráq beistand. Er ist es, der Mich mit Seinem Schutz beschirmte zu einer Zeit, da die Geschlechter der Erde wider Mich stritten. Er ist es, der Mich befähigte, aus der Stadt mit solcher Majestät zu scheiden, daß niemand außer den Leugnern und Übeltätern umhin kann, sie anzuerkennen.
15:4
Sprich: Meine Streitmacht ist Mein Gottvertrauen, Mein Volk die Kraft Meiner Zuversicht in Ihn, Meine Liebe ist Mein Banner und Mein Gefährte ist das Gedenken an Gott, den unumschränkten Herrn über alles, den Allgewaltigen, den Allherrlichen, den Unbedingten.
15:5
Erhebe dich, o Wanderer auf dem Pfade der Gottesliebe, und hilf Seiner Sache. Sprich: Verschachere nicht diesen Jüngling, o Volk, gegen die Nichtigkeiten dieser Welt oder die Wonnen des Himmels. Bei der Gerechtigkeit des einen, wahren Gottes! Ein Haar von Ihm übertrifft alles, was in den Himmeln und auf Erden ist. Hütet euch, o Menschen, daß ihr nicht in Versuchung kommt, Ihn um eures Goldes und Silbers willen aufzugeben. Laßt Seine Liebe eine Schatzkammer für eure Seele sein an dem Tage, da nichts außer Ihm euch nützen wird, dem Tage, da jeder Stützpfeiler erzittert, da die Menschen ein Schauder überläuft, da alle Augen voll Entsetzen erstarren. Sprich: O Volk! Fürchtet Gott und wendet euch nicht verachtungsvoll ab von Seiner Offenbarung. Fallt nieder vor Gott auf euer Angesicht und verherrlicht Seinen Ruhm bei Tag und bei Nacht.
15:6
Laß deine Seele in der Flamme dieses unauslöschlichen Feuers, das im Herzen der Welt brennt, so erglühen, daß die Wasser des Weltalls außerstande sind, seine Glut zu kühlen. Dann erwähne deinen Herrn, damit deine Worte die Achtlosen unter Unseren Dienern ermahnen und die Herzen der Gerechten erfreuen.
16
16:1
Sprich: O ihr Menschen! Dies ist ein unvergleichlicher Tag. Unvergleichlich muß auch die Zunge sein, die den Lobpreis der Sehnsucht aller Völker kündet, und unvergleichlich die Tat, die danach strebt, vor Seinen Augen annehmbar zu sein. Das ganze Menschengeschlecht hat diesen Tag herbeigesehnt, damit es vielleicht erfülle, was seiner Stufe geziemt und seiner Bestimmung würdig ist. Selig der Mensch, den die Geschäfte dieser Welt nicht davon abhalten können, Ihn, den Herrn aller Dinge, anzuerkennen.
16:2
So blind ist das menschliche Herz geworden, daß weder die berstende Stadt noch der Berg, der zu Staub wird, ja, nicht einmal die gespaltene Erde es aus seiner Starre aufrütteln können. Die Anspielungen in den Schriften sind enthüllt, die dort aufgezählten Zeichen sind offenbart, unaufhörlich erschallt der prophetische Ruf. Und doch sind alle bis auf jene, die Gott zu führen beliebte, verwirrt im Rausch ihrer Achtlosigkeit.
16:3
Sei Zeuge, wie die Welt täglich von einem neuen Unheil heimgesucht wird. Ihre Trübsal wird immer tiefer. Seit dem Augenblick, da die Súriy-i-Ra’ís offenbart wurde, bis auf den heutigen Tag ist weder die Welt befriedet worden noch haben die Herzen ihrer Völker Ruhe gefunden. Einmal wurde sie durch Zank und Streit aufgerührt, ein andermal von Kriegen erschüttert; so ist sie hartnäckigen Krankheiten zum Opfer gefallen. Ihr Siechtum nähert sich einem Zustand völliger Hoffnungslosigkeit, weil der wahre Arzt gehindert wird, das Heilmittel zu reichen, während ungeschickte Quacksalber begünstigt werden und volle Handlungsfreiheit genießen… Der Staub des Aufruhrs hat die Herzen der Menschen umwölkt und ihre Augen mit Blindheit geschlagen. Bald werden sie die Folgen dessen spüren, was ihre Hände am Tage Gottes bewirkt haben. So warnt euch der Allunterrichtete, wie es Ihm Er gebot, der der Gewaltigste ist, der Allmächtige.
17
17:1
Bei Ihm, der die Große Verkündigung ist! Der Allbarmherzige ist gekommen, bekleidet mit unzweifelhafter Souveränität. Die Waage vgl. Offb. 6:5; Qur’án 55:8, 57:25, 21:47, 7:8–9, 23:102–103, 101:6–9, 18:105 – Anm. d. Hrsg. A ist ins Lot gebracht, und alle, die auf Erden wohnen, sind versammelt. Der Posaunenruf vgl. Qur’án 6:73, 23:101, 27:87, 50:20 u. a. – Anm. d. Hrsg. A ist erschallt, und siehe, alle Augen sind starr vor Entsetzen, und die Herzen aller in den Himmeln und auf Erden erbeben, ausgenommen jene, die der Hauch der Verse Gottes mit Leben erfüllte und die sich von allem gelöst haben.
17:2
Dies ist der Tag, da die Erde ihre Botschaft kundtut. Die Übeltäter sind ihr zur Last, könntet ihr es doch begreifen. Der Mond eitlen Wahns ist gespalten, und der Himmel hat sich dicht mit Rauch umzogen. Wir sehen das Volk am Boden liegen, eingeschüchtert in Furcht vor deinem Herrn, dem Allmächtigen, dem Machtvollsten. Der Rufer hat gerufen, und die Menschen wurden hinweggerafft, so groß war die Kraft Seines Zornes. Das Volk zur Linken seufzt und jammert. Das Volk zur Rechten weilt in herrlichen Wohnungen; sie trinken den Wein, der in Wahrheit Leben ist, aus den Händen des Allbarmherzigen, und sie sind wahrlich die Glückseligen.
17:3
Die Erde wurde erschüttert und die Gebirge schwanden dahin und die Engel sind Reihe um Reihe vor Uns erschienen. Die meisten Menschen sind in ihrer Trunkenheit verwirrt und tragen auf ihren Gesichtern die Zeichen des Zornes. So haben Wir die Missetäter versammelt. Wir sehen, wie sie zu ihrem Götzen stürmen. Sprich: Niemand wird an diesem Tage vor Gottes Ratschluß sicher sein. Dies ist in der Tat ein Tag der Schmerzen. Wir zeigen ihnen ihre Verführer. Sie sehen sie und erkennen sie doch nicht, denn ihre Augen sind trunken. Sie sind in der Tat ein blindes Volk. Ihre Beweise sind die Verleumdungen, die sie geäußert haben; verdammt sind ihre Verleumdungen durch Gott, den Helfer in Gefahr, den Selbstbestehenden. Der Böse hat in ihren Herzen Unheil aufgerührt. Sie sind von einer Qual befallen, die keiner abwenden kann. Sie eilen zu den Gottlosen mit dem Verzeichnis der Frevler. So sind ihre Taten.
17:4
Sprich: Die Himmel wurden zusammengefaltet, und die Erde ist in Seinem Griff, die Übeltäter wurden bei ihrem Stirnhaar Qur’án 55:41 – Anm. d. Hrsg. A erfaßt, und noch immer verstehen sie nicht. Sie trinken vom verfaulten Wasser und wissen es nicht. Sprich: Der Ruf ist erschallt, und die Menschen sind aus ihren Gräbern hervorgekommen; sie stehen auf und sehen sich um. Einige beeilen sich, an den Hof des Gottes der Gnade zu kommen, andere sind im Feuer der Hölle auf ihr Angesicht niedergefallen, während wieder andere in Verwirrung verloren sind. Die Verse Gottes wurden offenbart, und doch haben sie sich von ihnen abgewendet. Sein Beweis ist erbracht, und doch beachten sie ihn nicht. Und wenn sie das Antlitz des Allbarmherzigen sehen, wird ihr eigenes Gesicht trüb, derweil sie sich sorglos vergnügen. Sie eilen dem Feuer der Hölle zu und halten es für Licht. Fern von Gott sei, was sie sich unwissend einbilden! Sprich: Ob ihr frohlockt oder vor Zorn zerspringt, die Himmel sind gespalten und Gott ist herniedergekommen, bekleidet mit strahlender Herrschaft. Alles Erschaffene hört man rufen: »Das Reich ist Gottes, des Allmächtigen, des Allwissenden, des Allweisen.«
17:5
Wisse ferner, daß Wir in ein qualvolles Gefängnis geworfen wurden und von den Scharen der Tyrannei umringt sind, als Ergebnis dessen, was die Hände der Ungläubigen bewirkt haben. Doch die Freude, die dieser Jüngling gekostet hat, ist so groß, daß keine irdische Freude mit ihr vergleichbar ist. Bei Gott! Das Unrecht, das Ihm von der Hand des Unterdrückers widerfährt, vermag Sein Herz nie zu bekümmern, noch kann Ihn die Überlegenheit derer betrüben, die Seine Wahrheit verworfen haben.
17:6
Sprich: Leid ist ein Horizont für Meine Offenbarung. Die Sonne der Gnade strahlt hoch darüber und verströmt ein Licht, das weder die Wolken eitlen Menschenwahns noch der leere Trug des Angreifers verdunkeln können.
17:7
Folge du den Fußspuren deines Herrn und gedenke Seiner Diener so, wie Er deiner gedenkt, unbeirrt vom Lärm der Achtlosen oder vom Schwert des Feindes… Verbreite weithin die Düfte deines Herrn und zaudere nicht, und wäre es weniger als ein Augenblick, im Dienste Seiner Sache. Es naht der Tag, da der Sieg deines Herrn, des Immervergebenden, des Großmütigsten, kund sein wird.
18
18:1
Sprich: Wir haben die Ströme der göttlichen Rede von Unserem Throne ausgehen lassen, damit die zarten Kräuter der Weisheit und des Verstehens aus dem Grund eurer Herzen sprießen. Wollt ihr nicht dankbar sein? Wer es verschmäht, seinen Herrn anzubeten, soll zu den Verworfenen gehören. So oft auch Unsere Verse wiederholt werden, sie verharren in ihrer hochmütigen Mißachtung und in ihrem groben Verstoß gegen Sein Gesetz, und sie wissen es nicht. Was die betrifft, die Ihn anzweifeln: Schwarzer Rauch soll sie überschatten. »Die Stunde« vgl. Mt. 24:36, 24:42–44, 25:13; Joh. 5:25, 5:28; Apg. 1:7; Offb. 3:3; Qur’án 6:31, 7:187, 12:107, 15:85, 18:21, 20:15, 22:55, 25:11, 30:12–14, 30:55 u. a. – Anm. d. Hrsg. A ist über sie gekommen, während sie sich sorglos vergnügen. Sie wurden bei ihrem Stirnhaar Qur’án 55:41 – Anm. d. Hrsg. A erfaßt, und doch wissen sie es nicht.
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