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7373:1Es ist klar und einleuchtend: Wenn die hüllenden Schleier um die Wirklichkeiten der Offenbarungen der Namen und Eigenschaften Gottes, ja alles Erschaffenen, sichtbar und unsichtbar, zerrissen worden sind, wird nichts bleiben als das Zeichen Gottes, – ein Zeichen, das Er selbst in diese Wirklichkeiten gelegt hat. Dieses Zeichen wird so lange bestehen, wie es der Herr, dein Gott, Herr der Himmel und der Erde, wünscht. Wenn die Segnungen, die allem Erschaffenen zuteil wurden, so groß sind, wie hoch überlegen muß da das Schicksal des wahren Gläubigen sein, dessen Sein und Leben als ursächlicher Zweck aller Schöpfung anzusehen ist. Wie der Begriff des Glaubens seit dem Anfang, der keinen Anfang hat, bestand und bis zum Ende, das kein Ende hat, dauern wird, so wird der wahre Gläubige gleichfalls ewig leben und bestehen. Sein Geist wird ewiglich den Willen Gottes umkreisen. Er wird so lange bestehen, wie Gott selbst bestehen wird. Er ist offenbart durch die Offenbarung Gottes und ist verborgen auf Sein Geheiß. Es ist klar, daß die hehrsten Wohnungen im Reiche der Unsterblichkeit denen zur Stätte bestimmt sind, die wahrhaft an Gott und Seine Zeichen geglaubt haben. Der Tod kann niemals zu dieser heiligen Stätte dringen. So haben Wir dir die Zeichen deines Herrn anvertraut, damit du in der Liebe zu Ihm ausharrest und zu denen gehörest, die diese Wahrheit begreifen.
7474:1Ein jegliches Wort, das aus dem Munde Gottes hervorgeht, ist mit solcher Kraft versehen, daß es jeder menschlichen Gestalt neues Leben einflößen kann – gehörtet ihr doch zu denen, die diese Wahrheit begreifen! Alle wunderbaren Werke, die ihr in dieser Welt seht, sind durch das Wirken Seines höchsten, erhabensten Willens, Seines wunderbaren, unerschütterlichen Planes offenbart. Durch die bloße Offenbarung des Wortes ›Gestalter‹, das aus Seinem Munde hervorgeht und der Menschheit Seine Eigenschaft verkündet, hat Er eine Kraft entfesselt, die über die Zeitalter hindurch all die mannigfaltigen Künste erzeugt, derer des Menschen Hände fähig sind. Dies ist wahrlich eine unumstößliche Wahrheit. Kaum wird dieses strahlende Wort geäußert, da bringen seine belebenden, in allem Erschaffenen wirkenden Kräfte die Mittel hervor, die solche Künste schaffen und zur Vollendung bringen. Alle wundersamen Errungenschaften, die ihr jetzt seht, sind die direkte Folge der Offenbarung dieses Namens. In künftigen Tagen werdet ihr wahrlich Dinge sehen, von denen ihr nie zuvor gehört habt. So ist es auf den Tafeln Gottes verfügt, aber niemand kann es verstehen bis auf jene, die durchdringende Sehkraft haben. Ebenso erhält in dem Augenblick, da das Wort für Mein Attribut ›Der Allwissende‹ aus Meinem Munde hervorgeht, alles Erschaffene je nach seiner Fähigkeit die Kraft, die Kenntnis der erstaunlichsten Wissenschaften zu entfalten, und die Macht, sie im Laufe der Zeit auf Geheiß des Allmächtigen, des Allwissenden, zu offenbaren. Wisse fürwahr, daß die Offenbarung eines jeden anderen Namens von einer ähnlichen Manifestation göttlicher Macht begleitet ist. Jeder Buchstabe, der aus dem Munde Gottes hervorgeht, ist in Wahrheit ein Urbuchstabe, jedes von Ihm, dem Urquell göttlicher Offenbarung, gesprochene Wort ist ein Urwort und Seine Tafel eine Urtafel. Wohl steht es um jene, die diese Wahrheit begreifen.
7575:1Zerreißt in Meinem Namen die Schleier, die euere Sicht so schwer behindern, und zerschlagt durch die Macht, die aus eurem Glauben an Gottes Einheit geboren ist, die Götzen leerer Nachahmung. Dann tretet ein in das heilige Paradies des Wohlgefallens des Allerbarmers. Heiligt euere Seelen von allem, was nicht von Gott ist, und genießet die süße Ruhe im Schoße Seiner weiten, machtvollen Offenbarung, im Schatten Seiner höchsten, unfehlbaren Befehlsgewalt. Bleibet nicht in den dichten Schleiern euerer selbstsüchtigen Wünsche verhüllt, denn in jedem von euch habe Ich Meine Schöpfung vollendet, damit die Vortrefflichkeit Meines Werkes den Menschen völlig offenbar werde. Daraus folgt, daß jeder Mensch aus sich selbst heraus fähig ist und weiter fähig sein wird, die Schönheit Gottes, des Verherrlichten, wahrzunehmen. Wäre ihm keine solche Fähigkeit verliehen, wie könnte er dann für sein Versagen zur Rechenschaft gezogen werden? Wenn an dem Tage, da alle Völker der Erde versammelt werden, ein Mensch vor Gott stünde und gefragt würde: »Warum hast du nicht an Meine Schönheit geglaubt und dich von Mir abgewandt?« und wenn ein solcher Mensch dann antwortete und spräche: »Weil alle Menschen geirrt haben, weil keiner willens war, sein Angesicht der Wahrheit zuzuwenden, habe auch ich nach dem Beispiel der anderen leider versäumt, die Schönheit des Ewigen zu erkennen«, so würde eine solche Ausflucht gewißlich zurückgewiesen. Denn der Glaube eines Menschen kann nur von ihm selbst abhängen.
75:2Dies ist eine der Wahrheiten, die in Meiner Offenbarung verwahrt sind, eine Wahrheit, die Ich in all den himmlischen Büchern, welche Ich die Zunge der Größe aussprechen und die Feder der Macht niederschreiben ließ, offenbart habe. Denkt eine Zeit darüber nach, damit ihr mit euerem inneren wie äußeren Auge die Feinheiten göttlicher Weisheit wahrnehmt und die Edelsteine himmlischen Wissens entdeckt, die Ich in klarer, bedeutungsschwerer Sprache auf dieser erhabenen, unverfälschlichen Tafel offenbart habe, und damit ihr nicht abirrt von dem Throne des Allhöchsten, von dem Baume, über den es kein Hinausgehen gibt, von der Wohnstatt ewiger Macht und Herrlichkeit.
75:3Die Zeichen Gottes leuchten inmitten der Werke Seiner Geschöpfe so offenbar und strahlend wie die Sonne. Was von Ihm ausgeht, ist von dem, was Menschengeist ersinnt, verschieden und wird immer davon unterschieden bleiben. Dem Quell Seines Wissens sind zahllose Leuchten der Gelehrsamkeit und Weisheit entstiegen, und aus dem Paradiese Seiner Feder weht der Odem des Allbarmherzigen unaufhörlich zu den Herzen und Seelen der Menschen hin. Glücklich, wer diese Wahrheit erkennt.
7676:1Höre, o Mein Diener, auf das, was vom Throne deines Herrn, des Unerreichbaren, des Größten, zu dir herabgesandt wird. Es ist kein Gott außer Ihm. Er hat Seine Geschöpfe ins Dasein gerufen, damit sie Ihn erkennen, den Mitleidigen, den Allerbarmer. In die Städte aller Völker hat Er Seine Boten gesandt und ihnen aufgetragen, den Menschen Botschaft vom Paradiese Seines Wohlgefallens zu bringen und sie zum Hafen bleibender Sicherheit, zum Sitze ewiger Heiligkeit und überragender Herrlichkeit zu führen.
76:2Die einen wurden vom Lichte Gottes geleitet, gewannen Zutritt zum Hofe Seiner Gegenwart, tranken aus der Hand der Ergebung die Wasser ewigen Lebens und wurden zu denen gezählt, die Ihn wahrhaft anerkennen und an Ihn glauben. Andere lehnten sich gegen Ihn auf und verwarfen die Zeichen Gottes, des Machtvollsten, des Allmächtigen, des Allweisen.
76:3Zeitalter liefen ab, bis sie Vollendung fanden an diesem, dem Herrn der Tage, dem Tag, da die Sonne des Bayán sich hoch über dem Horizont der Gnade offenbarte, dem Tag, da die Schönheit des Allherrlichen in der erhabenen Gestalt von ‘Alí-Muḥammad, dem Báb, aufleuchtete. Kaum hatte Er sich offenbart, da erhob sich alles Volk gegen Ihn. Einige verleumdeten Ihn als Lästerer Gottes, des Allmächtigen, des Altehrwürdigen der Tage. Andere hielten Ihn für einen Wahnsinnigen, eine Behauptung, die Ich selbst aus dem Munde eines Geistlichen gehört habe. Wieder andere bestritten Seinen Anspruch, das Sprachrohr Gottes zu sein, und brandmarkten Ihn als einen, der die Worte des Allmächtigen gestohlen, sie als die eigenen ausgegeben, ihren Sinn verdreht und sie mit eigenem vermengt habe. Das Auge der Größe weint bitterlich über das, was ihr Mund geredet hat, während sie sich weiter auf ihren Sitzen erfreuen.
76:4»Gott ist Mein Zeuge«
, sprach Er, »O Volk! Ich bin zu euch gekommen mit einer Offenbarung von dem Herrn, euerem Gott, dem Herrn euerer Väter von alters her. Seht nicht auf das, was ihr besitzet, o Menschen! Seht vielmehr auf das, was Gott euch herabgesandt hat. Dies wird sicherlich besser für euch sein als die ganze Schöpfung, könntet ihr es doch begreifen! Blickt von neuem auf, o Menschen, betrachtet das Zeugnis Gottes und Seinen Beweis, wie ihr sie schon besitzet, und vergleicht sie mit der an diesem Tage zu euch herabgesandten Offenbarung, damit die Wahrheit, die untrügliche Wahrheit, euch unbezweifelbar offenkundig werde. O Menschen, folget nicht den Fußstapfen des Bösen, folget dem Glauben des Allbarmherzigen und gehöret zu denen, die wahrhaft glauben. Was nützte es dem Menschen, wenn er verfehlte, die Wahrheit Gottes anzuerkennen? Nichts, was es auch sei. Dies will Ich selbst, der Allmächtige, der Allwissende, der Allweise, bezeugen«.
76:5Je mehr Er sie ermahnte, desto grimmiger wurde ihre Feindschaft, bis sie Ihn zuletzt mit schmählicher Grausamkeit hinrichteten. Der Fluch Gottes treffe die Unterdrücker!
76:6Einige glaubten an Ihn, nur wenige Unserer Diener sind die Dankbaren. Sie ermahnte Er auf allen Seinen Tafeln, ja in jedem Abschnitt Seiner wunderbaren Schriften, sich am Tage der verheißenen Offenbarung nicht an irgend etwas im Himmel oder auf Erden zu verlieren. »O Menschen!«
sprach Er, »Ich habe Mich für Seine Manifestation offenbart und Mein Buch, den Bayán, nur mit der Absicht, die Wahrheit Seiner Sache zu beweisen, auf euch herniederkommen lassen. Fürchtet Gott und hadert nicht mit Ihm, wie das Volk des Qur’án mit Mir gehadert hat. Wenn ihr von Ihm hört, eilt Ihm entgegen und haltet Euch fest an alles, was Er euch offenbart. Nichts außer Ihm kann euch nützen, selbst wenn ihr vom ersten bis zum letzten die Zeugnisse all derer vorbrächtet, die vor euch waren.«
76:7Und als nach Ablauf weniger Jahre der Himmel des göttlichen Ratschlusses gespalten wurde, als die Schönheit des Báb in neuem Gewande in den Wolken der Namen Gottes erschien, erhob sich dieses gleiche Volk boshaft gegen Ihn, dessen Licht alles Erschaffene umschließt. Sie brachen Seinen Bund, verwarfen Seine Wahrheit, haderten mit Ihm, nörgelten an Seinen Zeichen, stellten Sein Zeugnis als Lüge hin und gesellten sich zu den Ungläubigen. Zuletzt beschlossen sie, Ihm das Leben zu nehmen. So ist der Zustand derer, die sich tief im Irrtum befinden!
76:8Und als sie ihre Ohnmacht erkannten, ihren Plan auszuführen, erhoben sie sich zur Verschwörung gegen Ihn. Siehe, wie sie jeden Augenblick neue Schliche ersinnen, um Ihm zu schaden, um die Sache Gottes zu verletzen und zu entehren. Sprich: Wehe über euch! Bei Gott! Euere Ränke bedecken euch mit Schande. Euer Herr, der Gott des Erbarmens, kann auf alle Geschöpfe wohl verzichten. Nichts kann mehren oder mindern, was Er besitzt. Wenn ihr glaubt, so glaubt ihr zu euerem eigenen Vorteil, und wenn ihr nicht glaubt, so werdet ihr selbst darunter leiden. Nie kann die Hand des Ungläubigen den Saum Seines Gewandes entheiligen.
76:9O Mein Diener, der du an Gott glaubst! Bei der Gerechtigkeit des Allmächtigen! Wollte Ich dir aufzählen, was über Mich gekommen ist, so wären Seele und Verstand der Menschen unfähig, dessen Gewicht zu ertragen. Gott selbst ist Mein Zeuge. Wache über dich selbst und folge nicht den Fußstapfen dieser Leute! Denke sorgfältig nach über die Sache deines Herrn. Strebe danach, Ihn durch Sein eigenes Selbst und nicht durch andere zu erkennen. Denn keiner außer Ihm kann dir jemals nützen. Alles Erschaffene wird dies bezeugen, könntest du es doch fassen!
76:10Komm hervor hinter dem Schleier mit deines Herrn, des Allherrlichen, des Allmächtigen, Erlaubnis, ergreife vor den Augen derer, die in den Himmeln und auf Erden sind, den Kelch der Unsterblichkeit im Namen deines Herrn, des Unerreichbaren, des Höchsten, trinke dich satt und gehöre nicht zu den Zaudernden. Ich schwöre bei Gott! Im Augenblick, da du den Becher mit den Lippen berührst, werden dir die himmlischen Heerscharen Beifall spenden und sprechen: »Trink mit gesundem Behagen, o Mensch, der du wahrhaft an Gott glaubst!« Und die Bewohner der Städte der Unsterblichkeit werden ausrufen: »Freude sei dir, der du den Becher Seiner Liebe leerst!« Und die Zunge der Größe wird dich grüßen: »Groß ist die Seligkeit, die dich erwartet, o Mein Diener, denn du hast erreicht, was keiner erreicht hat bis auf jene, die sich von allem in den Himmeln und auf Erden losgelöst haben und die Sinnbilder wahrer Loslösung sind.«
7777:1Und nun zu deiner Frage nach der Erschaffung des Menschen. Wisse, daß alle Menschen in der von Gott, dem Bewahrer, dem Selbstbestehenden, bestimmten Art erschaffen sind. Jedem ist, wie auf Gottes mächtigen, wohlverwahrten Tafeln verfügt, ein vorbestimmtes Maß zugewiesen. Alles, was ihr an Anlagen besitzt, kann jedoch nur als Ergebnis eueres eigenen Wollens offenbar werden. Euere Taten bezeugen diese Wahrheit. Seht zum Beispiel, was im Bayán den Menschen verboten wurde. Gott hat in jenem Buche nach Seinem Geheiß für rechtmäßig erklärt, was immer Ihm zu erklären gefiel, und Er hat kraft Seiner höchsten Macht verboten, was immer Er zu verbieten beschloß. Dies bekundet der Text jenes Buches. Wollt ihr es nicht bezeugen? Die Menschen aber haben wissentlich Sein Gesetz gebrochen. Ist solches Verhalten ihnen selbst oder Gott zuzuschreiben? Seid gerecht in euerem Urteil! Alles Gute ist von Gott und alles Böse von euch selbst. Wollt ihr es nicht begreifen? In allen Schriften ist diese Wahrheit offenbart, so ihr zu denen gehörtet, die verstehen. Jede Tat, die ihr im Sinne habt, ist Ihm so offenbar wie jene, die ihr schon ausgeführt habt. Es ist kein Gott außer Ihm. Sein ist die ganze Schöpfung und die Herrschaft darüber. Alles ist vor Ihm enthüllt, alles auf Seinen heiligen, verborgenen Tafeln aufgezeichnet. Dieses Vorauswissen Gottes bedeutet jedoch nicht, daß es die Taten der Menschen verursacht hätte, ebensowenig, wie euer Vorherwissen vom Kommen eines bestimmten Ereignisses oder euer Wunsch, daß es eintrete, die Ursache für sein Eintreffen ist oder jemals sein kann.
7878:1Nun zu deiner Frage über den Ursprung der Schöpfung. Wisse sicher, daß Gottes Schöpfung von Ewigkeit her besteht und immer bestehen wird. Ihr Anfang war ohne Anfang und ihr Ende kennt kein Ende. Sein Name ›Schöpfer‹ setzt eine Schöpfung voraus, wie Sein Titel ›Herr der Menschen‹ das Dasein eines Dieners bedingt.
78:2Was jene Sprüche betrifft, die den alten Propheten zugeschrieben werden, wie: »Am Anfang war Gott, kein Geschöpf war da, Ihn zu erkennen«, und: »Der Herr war allein, ohne jemanden, Ihn anzubeten«, so ist der Sinn dieser und ähnlicher Sprüche klar und einleuchtend, er sollte nie mißverstanden werden. Die gleiche Wahrheit bezeugen die Worte, die Er offenbart hat: »Gott war allein, es war keiner außer Ihm. Er wird immer bleiben, was Er immer war.« Jedes scharfe Auge wird bereitwillig wahrnehmen, daß der Herr nunmehr offenbar ist; doch keiner ist da, Seine Herrlichkeit zu erkennen. Damit ist gemeint, daß die Stätte, wo das Wesen Gottes wohnt, hoch über Reichweite und Fassungskraft eines jeden außer Ihm erhaben ist. Was immer in der bedingten Welt aussagbar oder begreiflich ist, kann niemals die ihm durch seine Natur gegebenen Grenzen überschreiten. Gott allein übersteigt derartige Grenzen. Er, wahrlich, ist von Ewigkeit her. Keiner Seinesgleichen, kein Gefährte war Ihm je zugesellt oder kann Ihm jemals zugesellt werden. Kein Name ist mit Seinem Namen vergleichbar. Keine Feder kann Sein Wesen beschreiben, keine Zunge Seine Herrlichkeit schildern. Er bleibt immer über alle außer Ihm selbst unermeßlich erhaben.
78:3Sieh die Stunde, da die höchste Manifestation Gottes sich den Menschen enthüllt. Ehe diese Stunde kommt, ist das Altehrwürdige Sein, das den Menschen noch unbekannt ist und das Wort Gottes noch nicht ausgesprochen hat, selbst der Allwissende in einer Welt ohne Menschen, die Ihn erkannt hätten. Er ist wahrlich Schöpfer ohne Schöpfung. Denn in dem Augenblick, der Seiner Offenbarung vorausgeht, wird alles Erschaffene veranlaßt, seine Seele zu Gott aufzugeben. Dies ist wahrlich der Tag, von dem geschrieben steht: »Wessen soll das Reich an diesem Tage sein?«Qur’án 40:16 – Anm. d. Hrsg.
Q Und niemand ist bereit, darauf zu antworten!
7979:1Nun zu deiner Frage über die Welten Gottes. Wisse wahrlich, daß die Welten Gottes zahllos und unendlich weit sind. Keiner kann sie zählen oder erfassen außer Gott, dem Allwissenden, dem Allweisen. Denke an deinen Zustand im Schlafe. Wahrlich, Ich sage, diese Erscheinung ist das geheimnisvollste der Zeichen Gottes unter den Menschen, wollten sie doch im Herzen darüber nachsinnen. Siehe, wie das, was du im Traume geschaut hast, nach langer Zeit voll verwirklicht wird. Wäre die Welt, wo du dich im Traum befunden hast, dieselbe wie die Welt, in der du lebst, dann hätte die Begebenheit jenes Traumes im Augenblick ihres Geschehens zwangsläufig in dieser Welt bekannt werden müssen. Wäre es so, dann wärest du selbst dessen Zeuge. Da dies jedoch nicht der Fall ist, muß notwendigerweise daraus folgen, daß die Welt, in der du lebst, von jener, die du im Traum erlebt hast, verschieden und gesondert ist. Diese letztere Welt hat weder Anfang noch Ende. Es wäre wahr, wenn du behaupten wolltest, daß diese Traumwelt nach dem Ratschluß des allherrlichen und allmächtigen Gottes in deinem eigenen Selbst liegt und ganz in dir aufgeht. Es wäre ebenso wahr zu sagen, daß dein Geist, wenn er die Grenzen des Schlafes überschritten und sich von allen irdischen Bindungen befreit hat, durch Gottes Ratschluß ein Reich durchwandert, das in der innersten Wirklichkeit dieser Welt verborgen liegt. Wahrlich, Ich sage, die Schöpfung Gottes umfaßt Welten neben dieser Welt und Geschöpfe außer diesen Geschöpfen. In jeder dieser Welten hat Er Dinge verordnet, die niemand erforschen kann außer Ihm, dem Allerforschenden, dem Allweisen. Denke nach über das, was Wir dir enthüllt haben, damit du die Absicht Gottes, deines Herrn und des Herrn aller Welten, erkennest. In diesen Worten sind die Geheimnisse göttlicher Weisheit verwahrt. Wir wollen nicht bei diesem Thema verweilen, weil der Kummer über die Taten derer, die durch Unsere Worte erschaffen worden sind, Uns umgibt, wäret ihr doch unter denen, die auf Unsere Stimme hören.
8080:1Du hast Mich gefragt, ob der Mensch, abgesehen von Gottes Propheten und Seinen Auserwählten, nach dem körperlichen Tode dieselbe Eigenart und Persönlichkeit, dasselbe Bewußtsein, denselben Verstand beibehalte, die sein Leben in dieser Welt auszeichnen. Wäre dies der Fall, wie kommt es dann, so wendest du ein, daß leichte Schädigungen der geistigen Fähigkeiten wie Ohnmacht und schwere Krankheit dem Menschen Verstand und Bewußtsein rauben, während sein Tod, der den Zerfall seines Leibes und die Auflösung seiner Bestandteile mit sich bringt, machtlos ist, diesen Verstand zu zerstören und dieses Bewußtsein auszulöschen? Wie kann man sich vorstellen, daß Bewußtsein und Persönlichkeit des Menschen erhalten bleiben, wenn gerade die für ihr Bestehen und Wirken notwendigen Werkzeuge völlig aufgelöst sein werden?
80:2Wisse, daß die Seele des Menschen über alle Gebrechlichkeit des Leibes und des Verstandes erhaben und davon unabhängig ist. Daß ein Kranker Zeichen der Schwäche aufweist, ist den Hindernissen zuzuschreiben, die sich bei ihm zwischen Seele und Leib legen; denn die Seele selbst bleibt unberührt von jedem körperlichen Leiden. Denke an das Licht der Lampe. Wenn auch ein Gegenstand von außen ihr Strahlen beeinträchtigen kann, so scheint das Licht selbst doch mit unverminderter Stärke weiter. Ebenso ist jedes Gebrechen des menschlichen Leibes ein Hindernis für die Seele, das sie davon abhält, ihre innere Kraft und Stärke zu zeigen. Wenn sie jedoch den Leib verläßt, wird sie solche Überlegenheit beweisen, solchen Einfluß entfalten, daß keine Macht der Erde dem gleichkommen kann. Jede reine, jede geläuterte und geheiligte Seele wird mit gewaltiger Macht begabt sein und in überschäumender Freude jubeln.
80:3Denke an die Lampe, die unter einem Scheffel verborgen ist. Wenn auch ihr Licht leuchtet, ihr Schein dringt nicht zu den Menschen. Denke ebenso an die Sonne, die von Wolken verdunkelt wird. Beachte, wie ihr Glanz scheinbar abnimmt, während die Quelle jenes Lichtes in Wirklichkeit unverändert bleibt. Die Seele des Menschen gleicht dieser Sonne und alle Dinge auf Erden entsprechen seinem Leib. Solange kein äußeres Hindernis sie trennt, wird der Leib in seiner Gesamtheit das Licht der Seele widerspiegeln und von ihrer Kraft unterstützt werden. Aber sobald sich ein Schleier zwischen beide legt, scheint die Helligkeit des Lichtes abzunehmen.
80:4Denke wiederum an die Sonne, wenn sie völlig hinter Wolken verborgen ist. Obwohl die Erde noch von ihrem Licht erhellt wird, ist doch die Menge Lichtes, die sie empfängt, viel geringer geworden. Erst wenn sich die Wolken verzogen haben, kann die Sonne wieder in voller Pracht erstrahlen. Die natürliche Leuchtkraft der Sonne wird jedoch nicht davon berührt, ob nun Wolken da sind oder nicht. Die Seele des Menschen ist die Sonne, die seinen Leib erleuchtet und ihm Nahrung spendet, und sollte auch dafür angesehen werden.
80:5Bedenke ferner, wie die Frucht, ehe sie Gestalt annimmt, als Anlage im Baume liegt. Würde der Baum in Stücke gehauen, so könnte man doch kein Anzeichen und nicht das kleinste Teilchen einer Frucht darin finden. Sobald sie aber hervortritt, wird sie, wie du selber feststellst, in wunderbarer Schönheit und herrlicher Vollkommenheit sichtbar. Manche Früchte erreichen ihre volle Reife freilich erst, nachdem sie vom Baume gepflückt worden sind.
8181:1Nun zu deiner Frage über die Seele des Menschen und ihr Fortleben nach dem Tode. Wisse wahrlich, daß die Seele nach ihrer Trennung vom Leibe weiter fortschreitet, bis sie die Gegenwart Gottes erreicht, in einem Zustand und einer Beschaffenheit, die weder der Lauf der Zeiten und Jahrhunderte noch der Wechsel und Wandel dieser Welt ändern können. Sie wird so lange bestehen, wie das Reich Gottes, Seine Allgewalt, Seine Herrschaft und Macht bestehen werden. Sie wird die Zeichen Gottes und Seine Eigenschaften offenbaren, Seine Gnade und Huld enthüllen. Meine Feder stockt, wenn sie die Höhe und Herrlichkeit einer so erhabenen Stufe gebührend zu beschreiben sucht. Mit solcher Ehre wird die Hand der Barmherzigkeit die Seele bekleiden, daß keine Zunge es gebührend schildern noch ein anderes irdisches Mittel es beschreiben kann. Gesegnet die Seele, die zur Stunde ihrer Trennung vom Leibe über die eitlen Vorstellungen der Völker dieser Welt geheiligt ist. Eine solche Seele lebt und wirkt im Einklang mit dem Willen ihres Schöpfers und geht in das allhöchste Paradies ein. Die Himmelsdienerinnen, Bewohnerinnen der erhabensten Stätten, werden sie umschreiten, und die Propheten Gottes und Seine Auserwählten werden ihre Gesellschaft suchen. Mit ihnen wird die Seele frei verkehren und ihnen berichten, was sie auf ihrem Wege zu Gott, dem Herrn aller Welten, erdulden mußte. Erführe ein Mensch, was einer solchen Seele in den Welten Gottes, des Herrn des Thrones in der Höhe und auf Erden hienieden, verordnet ist, er entflammte sogleich mit seinem ganzen Wesen im überwältigenden Verlangen, diese erhabenste, diese geheiligte, strahlende Stufe zu erreichen… Das Wesen der Seele nach dem Tode läßt sich niemals beschreiben, noch ist es angemessen und erlaubt, ihre ganze Beschaffenheit den Augen der Menschen zu enthüllen. Die Propheten und Boten Gottes wurden zu dem einzigen Zweck herabgesandt, die Menschheit auf den geraden Pfad der Wahrheit zu führen. Ihre Offenbarung hat den Zweck, alle Menschen zu erziehen, damit sie zur Todesstunde in größter Reinheit und Heiligkeit, in völliger Loslösung zum Throne des Höchsten aufsteigen. Das Licht, das diese Seelen ausstrahlen, bewirkt den Fortschritt der Welt und den Aufstieg ihrer Völker. Sie sind wie Sauerteig, der die Welt des Seins durchdringt, und bilden die Lebenskraft, welche die Künste und Wunder der Welt zustande bringt. Durch sie regnen die Wolken ihre Segensgaben auf die Menschen nieder, bringt die Erde ihre Früchte hervor. Alle Dinge haben zwangsläufig eine Ursache, eine treibende Kraft, einen belebenden Grund. Diese Seelen, Sinnbilder der Loslösung, haben der Welt des Daseins den höchsten belebenden Antrieb gegeben und werden ihn auch weiterhin geben. Das Jenseits ist so verschieden vom Diesseits wie diese Welt von der des Kindes, das noch im Mutterleib ist. Wenn die Seele in die Gegenwart Gottes gelangt, wird sie die Gestalt annehmen, die ihrer Unsterblichkeit am besten ansteht und ihrer himmlischen Wohnstatt würdig ist. Solches Dasein ist ein bedingtes, kein absolutes Dasein, insofern als ersterem eine Ursache zugrunde liegt, während letzteres unabhängig davon ist. Absolutes Dasein kommt nur Gott zu, gepriesen sei Seine Herrlichkeit! Wohl denen, die diese Wahrheit erfassen. Wolltest du im Herzen über das Verhalten der Propheten Gottes nachdenken, du würdest sicherlich bereitwillig bezeugen, daß es außer dieser Welt unbedingt andere Welten geben muß. Die meisten der wahrhaft Weisen und Gelehrten haben alle Zeitalter hindurch, wie es die Feder der Herrlichkeit in der Tafel der Weisheit aufgezeichnet hat, die Wahrheit dessen bezeugt, was Gottes heilige Schrift offenbart hat. Selbst die Materialisten haben in ihren Schriften die Weisheit dieser gottberufenen Boten bezeugt und die Hinweise der Propheten auf Paradies, Höllenfeuer, künftige Belohnung und Bestrafung dem Wunsche zugeschrieben, die Seelen der Menschen zu erziehen und zu erheben. Beachte darum, wie die Menschheit allgemein, was immer ihr Glaube oder Weltbild sei, die Vortrefflichkeit der Propheten Gottes erkannt und ihre Überlegenheit zugegeben hat. Diese Perlen der Loslösung werden von den einen als Verkörperungen der Weisheit begrüßt, während andere sie für das Sprachrohr Gottes selbst halten. Wie hätten diese Seelen sich ihren Feinden ausliefern lassen, wenn sie geglaubt hätten, daß alle Welten Gottes auf dieses irdische Leben beschränkt seien? Würden sie freiwillig solche Not und Qual ertragen haben, wie kein Mensch sie je erlitten oder erlebt hat?
8282:1Du hast Mich nach dem Wesen der Seele gefragt. Wisse wahrlich, daß die Seele ein Zeichen Gottes ist, ein himmlischer Edelstein, dessen Wirklichkeit die gelehrtesten Menschen nicht zu begreifen vermögen, und dessen Geheimnis kein noch so scharfer Verstand je zu enträtseln hoffen kann. Sie ist von allen erschaffenen Dingen das erste, das die Vollkommenheit des Schöpfers verkündet, Seine Herrlichkeit anerkennt, sich an Seine Wahrheit hält und sich in Anbetung vor Ihm niederbeugt. Wenn sie Gott treu ist, wird sie Sein Licht widerstrahlen und schließlich zu Ihm zurückkehren. Wenn sie jedoch die Treuepflicht gegenüber ihrem Schöpfer vergißt, wird sie ein Opfer des Selbstes und der Leidenschaften werden und am Ende in deren Abgründen versinken.
82:2Wer immer an diesem Tage den Zweifeln und Einbildungen der Menschen verwehrt, ihn von der Wahrheit des Urewigen abzuhalten, wer dem Aufruhr durch geistliche und weltliche Mächte nicht verstattet, ihn von der Anerkennung Seiner Botschaft abzulenken, der wird von Gott, dem Herrn aller Menschen, als eines Seiner mächtigen Zeichen betrachtet und zu denen gezählt, deren Namen die Feder des Höchsten in Seinem Buche verzeichnet hat. Gesegnet ist, wer die wahre Gestalt einer solchen Seele sieht, ihre Stufe anerkennt und ihre Tugenden entdeckt.
82:3In den alten Büchern steht vieles über die verschiedenen Zustände in der Entwicklung der Seele, wie Fleischeslust, Jähzorn, Eingebung, Wohlwollen, Genügsamkeit, göttliches Wohlgefallen und dergleichen; die Feder des Höchsten will jedoch nicht dabei verweilen. Jede Seele, die an diesem Tage demütig mit ihrem Gott wandelt und sich an Ihn hält, wird sich mit der Ehre und Herrlichkeit aller schönen Namen und Stufen begabt finden.
82:4Wenn ein Mensch schläft, kann man von seiner Seele keinesfalls behaupten, sie sei in ihrem Wesen von äußeren Dingen beeinflußt. Sie neigt von sich aus zu keinem Wechsel ihres ursprünglichen Zustandes oder ihrer Beschaffenheit. Jede Änderung in ihren Funktionen muß äußeren Ursachen zugeschrieben werden. Diese äußeren Einflüsse sind es, auf die alle Veränderungen in ihrer Umwelt, ihrem Verständnis und Wahrnehmungsvermögen zurückgeführt werden sollten.
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