Bahá’u’lláh | Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs
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86:5
Dies ist der Tag, da die Geliebten Gottes ihre Augen auf Seine Manifestation richten und fest auf das blicken sollten, was immer diese Manifestation zu verkünden beliebt. Gewisse Überlieferungen vergangener Zeiten entbehren jeder Grundlage, während die von früheren Geschlechtern gehegten, in ihren Büchern niedergelegten Meinungen zumeist von den Wünschen verderbter Neigung geprägt sind. Du bezeugst, wie die meisten Erläuterungen und Auslegungen der Worte Gottes, die jetzt bei den Menschen in Umlauf sind, der Wahrheit entbehren. In manchen Fällen trat ihre Falschheit zutage, als die trennenden Schleier zerrissen wurden. Sie selbst haben zugegeben, keines der Worte Gottes begriffen zu haben.
86:6
Unsere Absicht ist zu zeigen, daß das Verhalten der Geliebten Gottes vor Gott als höchst verdienstvoll gälte, wenn sie Herz und Ohr von dem nichtigen Gerede früherer Zeiten läuterten und sich mit innerster Seele Ihm, dem Tagesanbruch Seiner Offenbarung, und allem, was Er verkündet hat, zuwendeten…
86:7
Preise Seinen Namen und gehöre zu den Dankbaren. Überbringe Meine Grüße Meinen Geliebten, die Gott für Seine Liebe auserkoren hat und die Er zu ihren Zielen gelangen ließ. Aller Ruhm sei Gott, dem Herrn aller Welten.
87
87:1
Nun zu deiner Frage: »Warum gibt es keine Aufzeichnung über die Propheten vor Adam, dem Vater der Menschheit, oder über die Könige, die zur Zeit dieser Propheten gelebt haben?« Wisse, daß das Fehlen von Hinweisen auf sie nicht beweist, daß sie nicht wirklich gelebt hätten. Daß jetzt keine Urkunden über sie vorhanden sind, ist dem großen Zeitabstand zuzuschreiben und den gewaltigen Veränderungen, die die Erde seither erfahren hat.
87:2
Außerdem waren die jetzt unter den Menschen gebräuchlichen Formen und Arten des Schreibens den Geschlechtern vor Adam unbekannt. Es gab eine Zeit, da die Menschen die Kunst des Schreibens überhaupt nicht kannten und ein Verfahren anwandten, das von dem heutigen ganz abweicht. Um dies richtig darzulegen, wäre eine ausführliche Erläuterung nötig.
87:3
Bedenke die seit den Tagen Adams entstandenen Unterschiede. Die verschiedenen weithin bekannten Sprachen, die jetzt von den Völkern der Erde gesprochen werden, waren anfänglich ebenso unbekannt wie die verschiedenartigen heute unter ihnen herrschenden Regeln und Sitten. Das Volk jener Zeit sprach eine Sprache, die anders war als die jetzt bekannten. Sprachunterschiede traten in späterer Zeit auf, in einem Land, das als Babel bekannt ist. Den Namen Babel hat es erhalten, weil dieses Wort ›der Ort, wo die Sprachenverwirrung begann‹ bedeutet.
87:4
Darauf wurde Syrisch unter den bestehenden Sprachen vorherrschend. Die heiligen Schriften früherer Zeiten wurden in dieser Sprache offenbart. Später erschien Abraham, der Freund Gottes, und strahlte das Licht göttlicher Offenbarung über die Welt. Die Sprache, die Er sprach, als Er den Jordan überschritt, wurde als Hebräisch (‘Ibrání) bekannt, was ›Sprache des Überschreitens‹ bedeutet. Damals wurden die Bücher Gottes und die heiligen Schriften in dieser Sprache offenbart, und erst nach langer Zeit wurde Arabisch die Sprache der Offenbarung…
87:5
Siehe also, wie oft und tiefgehend sich Sprache, Ausdruck und Schrift seit Adams Zeit gewandelt haben. Wieviel größer müssen die Veränderungen vor Ihm gewesen sein!
87:6
Unsere Absicht bei der Offenbarung dieser Worte ist zu zeigen, daß der eine, wahre Gott auf Seiner allhöchsten, allüberragenden Stufe über Lob, Preis und Begreifen aller außer Ihm immer erhaben war und weiter sein wird. Seine Schöpfung hat immer bestanden, und die Manifestationen Seiner göttlichen Herrlichkeit und die Morgenröten ewiger Heiligkeit sind seit unvordenklichen Zeiten herniedergesandt und beauftragt worden, die Menschheit zu dem einen, wahren Gott zu rufen. Daß die Namen einiger von ihnen vergessen und die Urkunden über ihr Leben verloren sind, ist den Wirren und Wechselfällen zuzuschreiben, die über die Welt hinweggegangen sind.
87:7
In einigen Büchern wird von einer Sintflut berichtet, durch die alles, was auf Erden war, geschichtliche Urkunden und anderes, zerstört wurde. Darüber hinaus haben sich viele Umwälzungen ereignet und die Spuren vieler Ereignisse ausgelöscht. Außerdem kann man zwischen den vorhandenen geschichtlichen Überlieferungen Unterschiede feststellen, und jedes der verschiedenen Völker der Welt hat seinen eigenen Bericht über das Alter der Erde und ihre Geschichte. Die einen verfolgen ihre Geschichte achttausend Jahre zurück, andere bis zu zwölftausend Jahren. Wer das Buch Júk gelesen hat, für den ist klar und deutlich, wie sehr die Berichte der verschiedenen Bücher voneinander abweichen.
87:8
So Gott will, wirst du deine Augen der Größten Offenbarung zuwenden und diese widersprüchlichen Geschichten und Überlieferungen völlig übersehen.
88
88:1
Wisse wahrlich, daß das Wesen der Gerechtigkeit und ihr Urquell in den Gesetzen verkörpert sind, die Er, die Manifestation des göttlichen Selbstes unter den Menschen, verordnet hat – gehörtet ihr doch zu denen, die diese Wahrheit erkennen. Er ist wahrlich für die ganze Schöpfung das menschgewordene höchste und unfehlbare Richtmaß der Gerechtigkeit. Wäre Sein Gesetz so, daß es die Herzen aller im Himmel und auf Erden mit Schrecken erfüllte, so wäre es dennoch nur offenbare Gerechtigkeit. Die furchtsame Erregung, die die Offenbarung dieses Gesetzes in den Herzen der Menschen bewirkt, gleicht in der Tat dem Schreien eines Säuglings, der der Muttermilch entwöhnt wird – gehörtet ihr doch zu den Verstehenden. Würden die Menschen den Sinn und Zweck der Offenbarung Gottes entdecken, sie würden sicherlich ihre Furcht ablegen und dankerfüllten Herzens in jubelnder Freude frohlocken.
89
89:1
Wisse und sei gewiß: Wie du fest glaubst, daß das Wort Gottes – gepriesen sei Seine Herrlichkeit – ewig währt, so mußt du auch unerschütterlich glauben, daß der Sinn dieses Wortes niemals auszuschöpfen ist. Die berufenen Ausleger des Wortes Gottes, deren Herzen seine Geheimnisse speichern, sind jedoch die einzigen, die seine mannigfaltige Weisheit verstehen können. Wer immer beim Lesen der heiligen Schriften versucht ist, aus ihnen auszuwählen, was ihm paßt, und damit die Amtsgewalt des Vertreters Gottes unter den Menschen zu bestreiten, gleicht in der Tat einem Toten, mag er auch, äußerlich gesehen, unter seinen Mitmenschen wandeln, mit ihnen reden, Speise und Trank mit ihnen teilen.
89:2
O daß die Welt Mir doch glauben könnte! Würde alles, was im Herzen Bahás verwahrt liegt und was der Herr, Sein Gott, der Herr aller Namen, Ihn gelehrt hat, der Menschheit enthüllt, jeder Mensch auf Erden wäre sprachlos.
89:3
Wie groß ist die Menge der Wahrheiten, die das Gewand der Worte nie fassen kann! Wie groß die Zahl jener Wahrheiten, die kein Ausdruck treffend beschreiben kann, deren Sinn nie enthüllt und die nicht im entferntesten angedeutet werden können! Wie mannigfaltig sind die Wahrheiten, die unausgesprochen bleiben müssen, bis die festgesetzte Zeit gekommen ist! So ist gesagt: »Nicht alles, was ein Mensch weiß, kann enthüllt werden, noch kann alles, was er enthüllen kann, als zeitgemäß angesehen werden, noch kann jede zeitgemäße Äußerung als tauglich für die Fassungskraft der Hörer erachtet werden.«
89:4
Einige dieser Wahrheiten können nur so weit enthüllt werden, wie die Verwahrungsorte des Lichtes Unseres Wissens, die Empfänger Unserer verborgenen Gnade, sie fassen können. Wir flehen zu Gott, daß Er dich mit Seiner Kraft stärke und dich befähige, Ihn, die Quelle allen Wissens, zu erkennen, auf daß du dich von aller menschlichen Gelehrsamkeit loslösest, denn: »Was würde es einem Menschen nützen, nach Gelehrsamkeit zu streben, wenn er Ihn, das Ziel alles Wissens, schon gefunden und erkannt hat?« Halte dich an die Wurzel des Wissens und an Ihn, Seinen Urquell, damit du dich unabhängig siehst von allen, die behaupten, in menschlicher Gelehrsamkeit bewandert zu sein, diesen Anspruch aber weder durch einen klaren Beweis noch das Zeugnis eines erleuchtenden Buches rechtfertigen können.
90
90:1
Alles in den Himmeln und auf Erden ist ein unmittelbarer Beweis dafür, daß sich darin Gottes Attribute und Namen offenbaren, da jedes Atom die Zeichen verwahrt, welche für die Offenbarung des Größten Lichtes beredtes Zeugnis ablegen. Mich dünkt, ohne die Wirkkraft dieser Offenbarung könnte kein Wesen je bestehen. Wie hell strahlen die Sonnen der Erkenntnis in einem Atom, wie weit hin wogen die Meere der Weisheit in einem Tropfen! In höchstem Grade gilt dies für den Menschen, der von allem Erschaffenen mit dem Gewande solcher Gaben bekleidet und für die Herrlichkeit einer solchen Auszeichnung auserkoren wurde! Denn in ihm sind alle Namen und Attribute Gottes potentiell in einem Maße offenbart, das von keinem erschaffenen Wesen übertroffen wird. Alle diese Namen und Eigenschaften treffen auf ihn zu. So hat Er gesagt: »Der Mensch ist Mein Geheimnis, und Ich bin sein Geheimnis.«»Heilige Tradition« Muḥammads – Anm. d. Hrsg.Q Mannigfaltig sind die Verse, die in allen himmlischen Büchern und heiligen Schriften wiederholt zu diesem schwierigsten, erhabensten Thema offenbart worden sind. So hat Er offenbart: »Wir werden ihnen sicherlich Unsere Zeichen zeigen in der Welt und in ihnen selbst.«Qur’án 41:53 – Anm. d. Hrsg.Q Weiter spricht Er: »Und auch in euch selbst, wollt ihr da nicht die Zeichen Gottes schauen?«Qur’án 51:20–21 – Anm. d. Hrsg.Q Und wiederum offenbart Er: »Und seid nicht wie jene, die Gott vergessen und die Er darum ihr eigenes Selbst vergessen ließ«Qur’án 59:19 – Anm. d. Hrsg.Q. In diesem Zusammenhang hat Er, der ewige König – mögen die Seelen aller, die im mystischen Tabernakel wohnen, ein Opfer für Ihn sein – gesprochen: »Wer sich selbst erkannt hat, hat Gott erkannt«Ausspruch des Imám ‘Alí – Anm. d. Hrsg.Q.
90:2
… Aus dem Gesagten wird deutlich, daß alle Dinge in ihrem innersten Wesenskern die Offenbarung der Namen und Attribute Gottes bezeugen. Jedes ist, je nach seiner Fähigkeit, ein Zeichen und Ausdruck der Erkenntnis Gottes. So mächtig und umfassend ist diese Offenbarung, daß sie alles Sichtbare und Unsichtbare umfängt. So hat Er offenbart: »Hat irgend etwas außer Dir eine Kraft der Offenbarung, die Dir fehlt, so daß es Dich hätte sichtbar machen können? Blind ist das Auge, das Dich nicht wahrnimmt«Gebet für den Tag ‘Arafah, offenbart von Imám Ḥusayn – Anm. d. Hrsg.Q. Ebenso hat der ewige König gesprochen: »Kein Ding habe ich geschaut, ich hätte denn Gott in ihm, Gott vor ihm oder Gott hinter ihm geschaut«Ausspruch des Imám ‘Alí – Anm. d. Hrsg.Q. Auch heißt es in der Traditionssammlung des KumaylKumayl Ibn-i-Zíyád-i-Nakha‘i, einer der engsten Vertrauten des Imám ‘Alí – Anm. d. Hrsg. A: »Siehe, ein Licht strahlt auf aus dem Morgen der Ewigkeit, und siehe, seine Wellen sind in die innerste Wirklichkeit aller Menschen eingedrungen.« Der Mensch, das edelste und vollkommenste aller erschaffenen Wesen, übertrifft sie alle an Stärke dieser Offenbarung und ist ein umfassender Ausdruck ihrer Herrlichkeit. Von allen Menschen sind die vollendetsten, die ausgezeichnetsten und vollkommensten die Manifestationen der Sonne der Wahrheit. Ja, alle außer ihnen leben durch das Wirken ihres Willens; sie bewegen sich und verdanken ihr Sein ihrem Gnadenstrom.
91
91:1
Einer der Beweise für die Wahrheit dieser Offenbarung ist, daß in allen Zeitaltern und allen Sendungen, wann immer sich das unsichtbare Wesen in der Gestalt Seiner Manifestation offenbarte, einige unbekannte, von allen weltlichen Bindungen losgelöste Seelen bei der Sonne des Prophetentums und dem Monde göttlicher Führung Erleuchtung suchen und zur göttlichen Gegenwart gelangen. Darum pflegen die Geistlichen und die Reichen dieser Zeit solche Menschen zu schmähen und zu verspotten. So hat Er über diese Irrenden offenbart: »Da sprachen die Oberen Seines Volkes, die nicht glaubten: ›Wir sehen in Dir nur einen Menschen gleich uns, und wir sehen Dir nur die Niedrigsten folgen mit voreiligem Urteil; wir sehen in euch auch keinen Vorzug über uns. Nein, wir halten euch für Lügner.‹«Qur’án 11:27 – Anm. d. Hrsg.Q Sie schmähten die heiligen Manifestationen und redeten wider sie: »Keiner ist euch gefolgt außer dem Gesindel, das keiner Beachtung wert ist.« Damit wollten sie hervorheben, daß keiner von den Gelehrten, den Reichen und Angesehenen an sie glaubte. So und mit ähnlichen Gründen versuchten sie, die Falschheit dessen zu beweisen, der nur die Wahrheit spricht.
91:2
In dieser strahlendsten Sendung jedoch, unter dieser mächtigsten Souveränität sind eine Reihe erleuchteter Geistlicher, Männer von umfassender Bildung, Doktoren von vollendeter Weisheit, an Seinen Hof gelangt. Sie haben aus dem Kelch Seiner göttlichen Gegenwart getrunken und die Ehre Seiner alles überragenden Gunst empfangen. Um des Geliebten willen haben sie der Welt und allem darinnen entsagt…
91:3
Sie alle wurden vom Lichte der Sonne göttlicher Offenbarung geführt, sie haben Seine Wahrheit bekannt und anerkannt. So stark war ihr Glaube, daß die meisten um des Allherrlichen Wohlgefallens willen Heim und Habe aufgaben. Sie weihten ihr Leben dem Vielgeliebten und gaben alles hin auf Seinem Pfade. Ihre Brust ward den Pfeilen des Feindes zur Zielscheibe, ihre Häupter schmückten die Speere der Ungläubigen. Kein Land, das nicht das Blut dieser Verkörperungen der Loslösung getrunken, kein Schwert, das nicht ihren Nacken geschlagen hätte. Allein ihre Taten beweisen die Wahrheit ihrer Worte. Genügt dem Volke dieses Tages das Zeugnis dieser heiligen Seelen nicht, die sich erhoben, das Leben für ihren Geliebten zu opfern, so ruhmvoll, daß alle Welt darob ins Staunen geriet? Ist dies kein genügendes Zeugnis für die Treulosigkeit derer, die ihren Glauben um ein Linsengericht verraten, die Unsterblichkeit um Vergängliches verschachert, den Kawthar göttlicher Gegenwart für Salzquellen aufgegeben haben und deren einziges Lebensziel es ist, sich des Eigentums anderer zu bemächtigen? Du hast ja selbst gesehen, wie sie sich alle mit den Eitelkeiten der Welt abgegeben haben und wie sie weit von Ihm, dem Herrn, dem Höchsten, abgeirrt sind.
91:4
Sei gerecht: Kann man auf das Zeugnis derer bauen, deren Taten mit ihren Worten übereinstimmen und deren äußeres Verhalten ihrem inneren Leben entspricht? Der Geist ist bestürzt über das, was sie vollbrachten, die Seele ergriffen von ihrer Tapferkeit und dem Schmerz, den sie ertrugen. Oder soll man dem Zeugnis jener ungläubigen Seelen folgen, die nichts als den Hauch ihrer selbstsüchtigen Wünsche atmen und im Käfig ihres eitlen Wahns gefangen sind? Wie die Fledermäuse der Finsternis heben sie ihr Haupt vom Lager nur, um den flüchtigen Dingen der Welt nachzujagen, und finden keine Ruhe bei Nacht, es sei denn im Trachten nach ihren schmutzigen Lebenszielen. In ihre selbstsüchtigen Pläne versunken, vergessen sie den göttlichen Befehl. Bei Tag streben sie mit ganzer Seele nach weltlichem Gewinn, und bei Nacht widmen sie sich nur der Befriedigung ihrer Sinneslust. Welches Gesetz, welche Norm könnte die Menschen rechtfertigen, wenn sie, der Ablehnung dieser kleingeistigen Seelen folgend, den Glauben derer verwerfen, die um Gottes Wohlgefallen auf Leib und Gut, Ruhm und Namen, Ansehen und Ehre verzichtet haben? …
91:5
Mit welcher Liebe, welcher Ergebenheit, welchem Jubel und heiligem Entzücken haben sie ihr Leben auf dem Pfade des Allherrlichen geopfert! Diese Wahrheit bezeugen alle. Wie kann man diese Offenbarung dennoch herabsetzen? War je ein Zeitalter Zeuge eines Geschehens von so großer Tragweite? Wenn diese Gefährten nicht wahre Gottsucher waren, wer sollte dann so genannt werden? Haben sie Macht oder Ruhm gesucht? Haben sie je nach Reichtum getrachtet? Haben sie jemals einen Wunsch gehegt außer dem, Gott zu gefallen? Wenn diese Gefährten mit all ihren erstaunlichen Zeugnissen und wunderbaren Werken Lügner waren, wer wäre dann würdig, einen Wahrheitsanspruch zu erheben? Ich schwöre bei Gott! Allein schon ihre Taten sind ein ausreichendes Zeugnis, ein unwiderlegbarer Beweis für alle Völker der Erde, würden die Menschen doch im Herzen über die Mysterien göttlicher Offenbarung nachdenken! »Und die Frevler werden bald erkennen, welches Los ihrer harrt!«Qur’án 26:227 – Anm. d. Hrsg.Q
91:6
Denke nach über diese Märtyrer von unzweifelhafter Aufrichtigkeit, deren Wahrhaftigkeit der klare Text des Buches bezeugt. Sie haben, wie du erlebt hast, alles geopfert, ihr Leben, ihr Vermögen, ihre Frauen und ihre Kinder, und sind zu den erhabensten Gemächern des Paradieses aufgestiegen. Ist es gerecht, das Zeugnis dieser losgelösten, erhabenen Wesen für die Wahrheit dieser alles überragenden, herrlichen Offenbarung zu verwerfen und dem Verdammungsurteil zu folgen, das dieses strahlende Licht von jenem treulosen Volk erfahren hat, das des Goldes wegen seinen Glauben aufgegeben und im Streben nach Führerschaft Ihn, den ersten Führer der ganzen Menschheit, verworfen hat? Ihr wahrer Charakter ist jetzt vor allen offenbar: Sie wurden als Menschen erkannt, die für Gottes heiligen Glauben nicht einmal auf ein Jota, auf einen Deut ihrer irdischen Herrschaft verzichten, geschweige denn auf ihr Leben, Vermögen und dergleichen.
92
92:1
Das Buch Gottes ist weit aufgeschlagen, und Sein Wort ruft die Menschheit vor Ihn; doch nur eine knappe Handvoll hat sich willens gefunden, Seiner Sache zu folgen oder zum Werkzeug ihrer Verbreitung zu werden. Diese wenigen haben das göttliche Elixier erlangt, das allein die Schlacken dieser Welt in lauteres Gold verwandeln kann, und wurden ermächtigt, die unfehlbare Arznei gegen alle Leiden zu reichen, von denen die Menschenkinder heimgesucht werden. Nur der kann das ewige Leben erlangen, der die Wahrheit dieser unschätzbaren, dieser wundersamen und erhabenen Offenbarung annimmt.
92:2
O Freunde Gottes, neigt euer Ohr der Stimme dessen, dem die Welt Unrecht tut, und haltet euch an das, was Seine Sache erhöht. Er, wahrlich, führt, wen immer Er will, auf Seinen geraden Pfad. Dies ist die Offenbarung, die dem Schwachen Kraft einflößt und den Armen mit Reichtum krönt.
92:3
Beratet in größter Freundlichkeit und im Geiste vollkommener Brüderlichkeit, und verbringt die kostbaren Tage eures Lebens damit, die Welt zu bessern und die Sache dessen voranzutragen, der der ewige, höchste Herr über alles ist. Wahrlich, Er befiehlt allen Menschen, was recht ist, und verbietet, was ihre Stufe herabsetzt.
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93:1
Wisse, daß alles Erschaffene ein Zeichen der Offenbarung Gottes ist. Ein jedes ist nach seiner Fähigkeit ein Zeichen des Allmächtigen und wird es immerdar bleiben. Da Er, der souveräne Herr über alles, Seine unumschränkte Herrschaft im Reiche der Namen und Attribute offenbaren wollte, wurde alles Erschaffene kraft göttlichen Willens zum Zeichen Seiner Herrlichkeit. So durchdringend, so umfassend ist diese Offenbarung, daß im ganzen Weltall nichts zu entdecken ist, das nicht Seinen Glanz widerspiegelte. So wird jede Betrachtung über Nähe und Ferne zunichte… Würde die Hand göttlicher Macht alles Erschaffene dieser hohen Gabe entkleiden, so wäre das ganze All wüst und leer.
93:2
Sieh, wie unermeßlich erhaben über alles Erschaffene der Herr, dein Gott ist! Bezeuge die Majestät Seiner Herrschaft, Seine Überlegenheit und höchste Macht. Wenn die Dinge, die durch Ihn – gepriesen sei Seine Herrlichkeit – erschaffen und dazu bestimmt wurden, Seine Namen und Attribute zu offenbaren, kraft der ihnen verliehenen Gnade hoch über aller Nähe und Ferne stehen, wieviel erhabener muß dann jenes göttliche Wesen sein, das sie ins Dasein gerufen hat! …
93:3
Denke nach über das Dichterwort: »Wundere dich nicht, wenn mir mein Geliebter näher steht als ich mir selbst, wundere dich, daß ich trotz dieser Nähe Ihm so ferne bin«… In Anspielung auf das von Gott offenbarte Wort: »Wir sind dem Menschen näher als seine Halsschlagader«1Qur’án 50:16 – Anm. d. Hrsg.Q hat der Dichter gesagt: Obgleich die Offenbarung meines Herzensgeliebten mein Wesen so durchdrungen hat, daß Er mir näher ist als meine Halsschlagader, bin ich trotz meiner Gewißheit von der Wirklichkeit dieser Offenbarung, trotz der Erkenntnis meiner Stufe Ihm noch so ferne. Damit meint er, daß sein Herz, der Sitz des Allbarmherzigen, der Thron, auf dem der Glanz Seiner Offenbarung ruht, seinen Schöpfer vergißt, von Seinem Pfade abirrt, sich selbst von Seiner Herrlichkeit ausschließt und befleckt ist vom Schmutz irdischer Wünsche.
93:4
Dabei sollte man sich dessen erinnern, daß der eine, wahre Gott in sich selbst über Nähe und Ferne hoch erhaben ist. Seine Wirklichkeit übersteigt solche Begrenzungen. Sein Verhältnis zu Seinen Geschöpfen kennt keine Abstufungen. Daß die einen nahe, andere aber ferne sind, ist auf die Manifestationen Gottes zu beziehen.
93:5
Daß das Herz der Thron ist für die Offenbarung Gottes, des Allbarmherzigen, wird von den heiligen Worten bezeugt, die Wir früher offenbart haben. Darunter ist der Spruch: »Erde und Himmel können Mich nicht fassen, Mich fassen kann nur das Herz dessen, der an Mich glaubt und Meiner Sache treu ist.«»Heilige Tradition« Muḥammads – Anm. d. Hrsg.Q Wie oft ist das menschliche Herz, Empfänger des Lichtes Gottes, Sitz der Offenbarung des Allbarmherzigen, abgeirrt von Ihm, der Quelle dieses Lichtes, dem Ursprung dieser Offenbarung. Es ist die Widerspenstigkeit des Herzens, die es weit von Gott wegführt und zum Fernsein von Ihm verdammt. Die Herzen aber, die um Seine Gegenwart wissen, sind Ihm vertraut und als Seinem Throne nahe anzusehen.
93:6
Bedenke überdies, wie oft der Mensch sich selbst vergißt, während Gott in Seinem allumfassenden Wissen stets um Sein Geschöpf weiß und immer den offenbaren Glanz Seiner Herrlichkeit über ihn ausbreitet. Da leuchtet es ein, daß Er dem Menschen näher ist als dessen eigenes Ich. Er wird es wahrlich immer bleiben, denn während der eine, wahre Gott alles weiß, alles wahrnimmt und alles umfaßt, neigt der sterbliche Mensch zum Irrtum, der Geheimnisse unkundig, die in ihm selbst ruhen…
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