Bahá’u’lláh | Die Verborgenen Worte
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2.15:0_89
O Sohn des Geistes!
2.15:1
Es kommt die Zeit, da die Nachtigall der Heiligkeit die inneren Geheimnisse nicht mehr enthüllt und ihr der himmlischen Weise und der göttlichen Stimme beraubt sein werdet.
16
2.16:0_90
O du Wesen der Achtlosigkeit!
2.16:1
Tausend mystische Zungen sprechen in einer Sprache, und tausend verborgene Geheimnisse werden in einem Lied offenbar; aber ach, kein Ohr ist da, welches hört, und kein Herz, das versteht.
17
2.17:0_91
O Gefährten!
2.17:1
Die Tore zum Raumlosen stehen offen, und die Wohnstatt des Geliebten ist geschmückt mit der Liebenden Blut, doch bis auf wenige sind alle von dieser himmlischen Stadt ausgeschlossen, und selbst von diesen ward nur eine winzige Handvoll als reinen Herzens und geheiligten Geistes befunden.
18
2.18:0_92
O ihr Bewohner des höchsten Paradieses!
2.18:1
Verkündet den Kindern der Gewissheit, dass in den Reichen der Heiligkeit, nahe dem himmlischen Paradiese, ein neuer Garten erschien, den die Bewohner des Reiches der Höhe umkreisen und die Unsterblichen, die im erhabenen Paradiese wohnen. So mühet euch, zu diesem Orte zu gelangen, um aus seinen Anemonen Mysterien der Liebe zu enträtseln und aus seinen ewigen Früchten das Geheimnis göttlicher, vollendeter Weisheit zu erkennen. Getröstet sind die Augen derer, die eintreten und darinnen wohnen!
19
2.19:0_93
O Meine Freunde!
2.19:1
Habt ihr den wahren, strahlenden Morgen vergessen, da ihr alle im heiligen, seligen Gefilde um Mich versammelt wart, unter dem Schatten des Lebensbaumes Anísá, der ›göttliche Lotosbaum‹, der ›Baum des Lebens‹ – Anm. d. Hrsg. A, gepflanzt im allherrlichen Paradiese? Ehrfurchtsvoll lauschtet ihr, als Ich diese drei hochheiligen Verse sprach: O Freunde! Zieht euren Willen nicht dem Meinen vor, begehrt nichts, was Ich nicht für euch wünsche, und naht Mir nicht mit leblosem Herzen, besudelt mit weltlichen Wünschen und Begierden. Wolltet ihr nur eure Seelen heiligen, ihr würdet euch sogleich dieses Ortes und Gefildes erinnern; die Wahrheit Meiner Rede wäre dann euch allen offenbar.
20
2.20:1
Auf der achten der heiligsten Zeilen, auf der fünften Tafel des Paradieses, sagt Er:
2.20:1_94
O ihr, die ihr Toten gleich auf dem Lager der Achtlosigkeit liegt!
2.20:2
Zeitalter sind vergangen, euer kostbares Leben naht sich dem Ende, doch kein reiner Hauch gelangte von euch zu Unserem Hof der Heiligkeit. Im Meer des Unglaubens versunken, bekennt ihr doch mit den Lippen den einen, wahren Glauben an Gott. Den Ich verabscheue, liebt ihr, und Meinen Feind habt ihr euch zum Freund genommen. Gleichwohl wandelt ihr eitel und selbstzufrieden auf Meiner Erde, nicht gewahr, wie überdrüssig sie eurer ist und alles darinnen euch flieht. Wolltet ihr nur die Augen öffnen, fürwahr, ihr zöget tausend Trübsale dieser Freude vor und hieltet selbst den Tod für besser als solches Leben.
21
2.21:0_95
O wandelnde Gestalt aus Staub!
2.21:1
Ich wünsche Gemeinschaft mit dir, du aber hast kein Vertrauen zu Mir. Mit dem Schwerte deiner Empörung hast du den Baum deiner Hoffnung gefällt. Allezeit bin Ich dir nahe, doch du bist Mir immer fern. Unvergängliche Herrlichkeit habe Ich dir zugedacht, doch maßlose Schmach hast du dir gewählt. Kehre um, da noch Zeit ist, und nutze die Stunde!
22
2.22:0_96
O Sohn der Leidenschaft!
2.22:1
Gelehrte und Weise haben lange Jahre vergebens versucht, die Gegenwart des Allherrlichen zu erlangen. Sie verbrachten ihr Leben auf der Suche nach Ihm, und doch haben sie die Schönheit Seines Antlitzes nicht geschaut. Du aber gelangtest ohne Mühe zum Ziel; ohne zu suchen, fandest du das Ziel deiner Sehnsucht. Und doch bliebest du vom Schleier deines Selbstes so verhüllt, dass deine Augen des Geliebten Schönheit nicht sahen und deine Hand den Saum Seines Gewandes nicht berührte. Wer Augen hat, der schaue und wundere sich!
23
2.23:0_97
O Bewohner der Stadt der Liebe!
2.23:1
Tödliche Stürme bedrängen die ewig leuchtende Kerze, und schwarzer Staub verhüllt die Schönheit des himmlischen Jünglings. Der höchste König der Liebe wird unterdrückt vom Volk der Tyrannei, und der Heiligkeit Taube liegt gefangen in den Krallen von Eulen. Die Bewohner des Zeltes der Herrlichkeit und die himmlischen Heerscharen weinen und klagen, während ihr im Lande der Nachlässigkeit ruht und euch dennoch zu den aufrichtigen Freunden zählt. Wie leer ist euer Wahn!
24
2.24:0_98
O ihr Toren, die ihr für weise geltet!
2.24:1
Warum verkleidet ihr euch als Hirten, da ihr doch innerlich zu Wölfen wurdet, die nach Meiner Herde trachten? Ihr gleicht dem Stern, der scheinbar hell und strahlend vor des Morgens Dämmern aufgeht und die Pilger zu Meiner Stadt in die Irre und auf den Pfad des Verderbens leitet.
25
2.25:0_99
O ihr scheinbar Untadeligen, doch innerlich Verderbten!
2.25:1
Ihr gleicht reinem, bitterem Wasser, das äußerlich kristallklar scheint, von dem aber bei der Probe durch den göttlichen Prüfer nicht ein Tropfen angenommen wird. Ja, der Sonnenstrahl fällt gleicherweise auf den Staub wie auf den Spiegel, doch in ihrem Widerschein unterscheiden sie sich wie der Stern von der Erde – nein, unermesslich ist der Unterschied!
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2.26:0_100
O Mein Freund dem Worte nach! Denke ein wenig nach! Hast du jemals gehört, dass Freund und Feind im selben Herzen wohnen? So vertreibe den Fremdling, dass der Freund in Seine Wohnung Einzug halte.
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2.27:0_101
O Sohn des Staubes!
2.27:1
Alles im Himmel und auf Erden habe Ich dir bestimmt außer dem Menschenherzen, das Ich Meiner Schönheit und Herrlichkeit zur Wohnstatt bereitete. Du aber hast Meine Wohnung und Mein Heim einem anderen überlassen. Wann immer der Offenbarer Meiner Heiligkeit Seine Wohnstatt suchte, fand Er da einen Fremden; heimatlos eilte Er zurück zu des Geliebten Heiligtum. Dennoch verbarg Ich dein Geheimnis und wünschte nicht deine Schande.
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2.28:0_102
O Wesen der Leidenschaft!
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