Bahá’u’lláh | Die Verborgenen Worte
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2.24:1
Warum verkleidet ihr euch als Hirten, da ihr doch innerlich zu Wölfen wurdet, die nach Meiner Herde trachten? Ihr gleicht dem Stern, der scheinbar hell und strahlend vor des Morgens Dämmern aufgeht und die Pilger zu Meiner Stadt in die Irre und auf den Pfad des Verderbens leitet.
25
2.25:0_99
O ihr scheinbar Untadeligen, doch innerlich Verderbten!
2.25:1
Ihr gleicht reinem, bitterem Wasser, das äußerlich kristallklar scheint, von dem aber bei der Probe durch den göttlichen Prüfer nicht ein Tropfen angenommen wird. Ja, der Sonnenstrahl fällt gleicherweise auf den Staub wie auf den Spiegel, doch in ihrem Widerschein unterscheiden sie sich wie der Stern von der Erde – nein, unermesslich ist der Unterschied!
26
2.26:0_100
O Mein Freund dem Worte nach! Denke ein wenig nach! Hast du jemals gehört, dass Freund und Feind im selben Herzen wohnen? So vertreibe den Fremdling, dass der Freund in Seine Wohnung Einzug halte.
27
2.27:0_101
O Sohn des Staubes!
2.27:1
Alles im Himmel und auf Erden habe Ich dir bestimmt außer dem Menschenherzen, das Ich Meiner Schönheit und Herrlichkeit zur Wohnstatt bereitete. Du aber hast Meine Wohnung und Mein Heim einem anderen überlassen. Wann immer der Offenbarer Meiner Heiligkeit Seine Wohnstatt suchte, fand Er da einen Fremden; heimatlos eilte Er zurück zu des Geliebten Heiligtum. Dennoch verbarg Ich dein Geheimnis und wünschte nicht deine Schande.
28
2.28:0_102
O Wesen der Leidenschaft!
2.28:1
Wie oft kam Ich zur Dämmerstunde aus den Reichen des Raumlosen zu deiner Wohnung und fand dich auf dem Lager der Muße mit anderem beschäftigt als mit Mir. Da kehrte Ich dem Blitzstrahl des Geistes gleich zu den Reichen himmlischer Herrlichkeit zurück. Den Heerscharen der Heiligkeit an Meinem Ruhesitz droben verriet Ich nichts.
29
2.29:0_103
O Sohn der Großmut!
2.29:1
Aus den Wüsten des Nichtseins formte Ich dich durch den Lehm Meines Befehls. Ich befahl allen Atomen des Seins und dem Wesen alles Erschaffenen, dich zu erziehen. Noch ehe du aus deiner Mutter Schoß entbunden warst, bestimmte Ich dir zwei Quellen heller Milch, Augen, über dich zu wachen, und Herzen, dich zu lieben. Voll Güte nährte Ich dich im Schatten Meines Erbarmens und wachte über dir durch das Wesen Meiner Gnade und Gunst. Dies alles tat Ich, damit du in Mein immerwährendes Reich gelangest und Meiner unsichtbaren Gaben würdig werdest. Du aber bliebst achtlos. Herangereift missachtetest du all Meine Gaben, befangen in deinem eitlen Wahn, so dass du alles vergaßest, dich vom Tore des Freundes abwandtest und am Hofe Meines Feindes Wohnung nahmst.
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2.30:0_104
O Sklave dieser Welt!
2.30:1
Zu mancher Morgenstunde wehte der Hauch Meiner Güte über dich hin und fand dich tief schlafend auf dem Lager der Achtlosigkeit. Weinend über deinen Zustand, kehrte er zurück, woher er gekommen.
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2.31:0_105
O Sohn der Erde!
2.31:1
Wenn du Mich begehrst, suche niemanden außer Mir. Willst du Meine Schönheit schauen, so schließe deine Augen vor der Welt und allem, was darinnen ist. Denn Mein Wille und der Wille eines anderen sind wie Feuer und Wasser; sie können nicht im selben Herzen wohnen.
32
2.32:0_106
O Fremdling, dem Freundschaft erwiesen wird!
2.32:1
Die Kerze deines Herzens ist durch die Hand Meiner Macht entzündet. Lösche sie nicht durch die widrigen Winde der Selbstsucht und der Leidenschaft. Meiner zu gedenken, ist dein Heil in allen Gebrechen; vergiss dies nicht. Mache Meine Liebe zu deinem Schatz und hege sie wie dein Augenlicht und dein Leben.
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2.33:0_107
O Mein Bruder!
2.33:1
Horch auf Meiner Zunge sanftes Wort und trinke den mystischen Strom Salsabíl, vgl. Qur’án 76:18 – Anm. d. Hrsg. A von Meinen süßen Lippen. Säe den Samen Meiner göttlichen Weisheit in deines Herzens reinen Grund und begieße ihn mit dem Wasser der Gewissheit, damit in der geheiligten Stadt deines Herzens die Hyazinthen Meiner Erkenntnis und Weisheit frisch und grün emporsprießen.
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2.34:0_108
O ihr Bewohner Meines Paradieses!
2.34:1
In den heiligen Paradiesgarten habe Ich mit gütigen Händen den jungen Baum eurer Liebe und Freundschaft gepflanzt; mit den erquickenden Schauern Meiner zärtlichen Gnade habe Ich ihn begossen. Nun, da er Früchte bringen soll, sehet zu, dass er behütet bleibe und nicht flammende Begierde und Leidenschaft ihn verzehre.
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2.35:0_109
O Meine Freunde!
2.35:1
Löschet die Lampe des Irrtums und entzündet in eurem Herzen die ewig brennende Fackel göttlicher Führung. Denn bald werden die Prüfer der Menschheit in der heiligen Gegenwart des Angebeteten nichts annehmen als reinste Tugend und makellose, heilige Taten.
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2.36:0_110
O Sohn des Staubes!
2.36:1
Die Weisen sind, die nicht reden, ehe sie Gehör finden, gleich wie der Mundschenk seinen Kelch nicht reicht, ehe er einen Dürstenden trifft, und der Liebende nicht aus tiefster Seele ruft, ehe er des Geliebten Schönheit schaut. So säe die Saat der Weisheit und Erkenntnis in des Herzens reine Erde und halte sie verborgen, bis die Hyazinthen göttlicher Weisheit aus dem Herzen aufsprießen und nicht aus Schlamm und Lehm.
37
2.37:0_111
In der ersten Zeile der Tafel ist folgendes aufgezeichnet und niedergeschrieben, im Heiligtum der Stiftshütte Gottes ist es verwahrt:
2.37:1
O Mein Diener!
2.37:2
Tausche die ewige Herrschaft nicht ein für das, was vergeht, und verschleudere nicht die himmlische Souveränität wegen eines weltlichen Wunsches. Hier ist der Strom ewigen Lebens, der aus dem Urquell der Feder des Allbarmherzigen fließt. Wohl denen, die da trinken!
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