Bahá’u’lláh | Die Verborgenen Worte
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2.33:0_107
O Mein Bruder!
2.33:1
Horch auf Meiner Zunge sanftes Wort und trinke den mystischen Strom Salsabíl, vgl. Qur’án 76:18 – Anm. d. Hrsg. A von Meinen süßen Lippen. Säe den Samen Meiner göttlichen Weisheit in deines Herzens reinen Grund und begieße ihn mit dem Wasser der Gewissheit, damit in der geheiligten Stadt deines Herzens die Hyazinthen Meiner Erkenntnis und Weisheit frisch und grün emporsprießen.
34
2.34:0_108
O ihr Bewohner Meines Paradieses!
2.34:1
In den heiligen Paradiesgarten habe Ich mit gütigen Händen den jungen Baum eurer Liebe und Freundschaft gepflanzt; mit den erquickenden Schauern Meiner zärtlichen Gnade habe Ich ihn begossen. Nun, da er Früchte bringen soll, sehet zu, dass er behütet bleibe und nicht flammende Begierde und Leidenschaft ihn verzehre.
35
2.35:0_109
O Meine Freunde!
2.35:1
Löschet die Lampe des Irrtums und entzündet in eurem Herzen die ewig brennende Fackel göttlicher Führung. Denn bald werden die Prüfer der Menschheit in der heiligen Gegenwart des Angebeteten nichts annehmen als reinste Tugend und makellose, heilige Taten.
36
2.36:0_110
O Sohn des Staubes!
2.36:1
Die Weisen sind, die nicht reden, ehe sie Gehör finden, gleich wie der Mundschenk seinen Kelch nicht reicht, ehe er einen Dürstenden trifft, und der Liebende nicht aus tiefster Seele ruft, ehe er des Geliebten Schönheit schaut. So säe die Saat der Weisheit und Erkenntnis in des Herzens reine Erde und halte sie verborgen, bis die Hyazinthen göttlicher Weisheit aus dem Herzen aufsprießen und nicht aus Schlamm und Lehm.
37
2.37:0_111
In der ersten Zeile der Tafel ist folgendes aufgezeichnet und niedergeschrieben, im Heiligtum der Stiftshütte Gottes ist es verwahrt:
2.37:1
O Mein Diener!
2.37:2
Tausche die ewige Herrschaft nicht ein für das, was vergeht, und verschleudere nicht die himmlische Souveränität wegen eines weltlichen Wunsches. Hier ist der Strom ewigen Lebens, der aus dem Urquell der Feder des Allbarmherzigen fließt. Wohl denen, die da trinken!
38
2.38:0_112
O Sohn des Geistes!
2.38:1
Zerbrich den Käfig und dem Phönix der Liebe gleich schwinge dich auf in den Himmel der Heiligkeit. Entsage dem Selbst und ruhe, erfüllt vom Geist der Gnade, im Reiche himmlischer Reinheit.
39
2.39:0_113
O Spross des Staubes!
2.39:1
Sei nicht zufrieden mit der Muße eines schwindenden Tages und beraube dich nicht der ewigen Ruhe. Verschachere nicht den Garten ewiger Freude um das Häuflein Staub einer sterblichen Welt. Erhebe dich aus deinem Gefängnis zu den herrlichen Gefilden der Höhe und nimm deinen Flug aus dem vergänglichen Käfig hin zum Paradies des Raumlosen.
40
2.40:0_114
O Mein Diener!
2.40:1
Befreie dich aus den Banden dieser Welt und löse deine Seele aus dem Gefängnis des Selbstes. Ergreife die Gelegenheit, denn niemals kehrt sie wieder.
41
2.41:0_115
O Sohn Meiner Magd!
2.41:1
Erschautest du das ewige Reich, so strebtest du danach, dieser vergänglichen Welt zu entsagen. Doch dass das eine dir verborgen, die andere dir offenbar ward, ist ein Mysterium, das nur versteht, wer reinen Herzens ist.
42
2.42:0_116
O Mein Diener!
2.42:1
Reinige dein Herz von Bosheit, und frei von Neid tritt ein in der Heiligkeit himmlischen Hof.
43
2.43:0_117
O Meine Freunde!
2.43:1
Auf Pfaden wandelt, die dem Freunde wohlgefallen, und wisst, Sein Wohlgefallen ist das Wohlgefallen Seiner Geschöpfe. Das heißt: Niemand betrete seines Freundes Haus, wenn es dem Freunde nicht wohlgefällt, noch lege er Hand an dessen Schätze oder ziehe den eigenen Willen dem des Freundes vor und versuche, ihn zu übervorteilen. Denket darüber nach, die ihr einsichtig seid!
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2.44:0_118
O Gefährte Meines Thrones!
2.44:1
Höre nichts Schlechtes und sieh nichts Schlechtes, erniedrige dich nicht, seufze und weine nicht! Sprich nichts Schlechtes, auf dass du nichts Schlechtes hörest, und vergrößere die Fehler anderer nicht, damit deine eigenen Fehler nicht groß erscheinen. Wünsche keinem Menschen Erniedrigung, damit deine eigene Niedrigkeit nicht offenkundig werde. Alsdann verbringe deine Lebenstage, die weniger sind als ein flüchtiger Augenblick, mit makellosem Gemüt, unbeflecktem Herzen, reinen Gedanken und geheiligtem Wesen, damit du die irdische Hülle frei und zufrieden ablegen, zum mystischen Paradiese Zuflucht nehmen und im ewigen Königreiche wohnen kannst immerdar.
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2.45:0_119
Wehe, wehe euch, die ihr Irdisches liebt und begehrt!
2.45:1
Schnell wie der Blitz seid ihr am Geliebten vorübergeeilt und habt eure Herzen an teuflischen Trug gehängt. Vor leerem Wahn beugt ihr das Knie und nennt ihn Wahrheit. Auf den Dorn blicket ihr und nennt ihn Blume. Kein reiner Hauch ging von euch aus; kein Duft der Loslösung stieg aus den Auen eurer Herzen. Den liebenden Rat des Geliebten habt ihr in den Wind geschlagen und völlig von der Tafel eures Herzens getilgt. Und wie die Tiere auf dem Felde fristet ihr euer Dasein auf den Weiden der Lust und Leidenschaft.
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