Bahá’u’lláh | Die Verborgenen Worte
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38
2.38:0_112
O Sohn des Geistes!
2.38:1
Zerbrich den Käfig und dem Phönix der Liebe gleich schwinge dich auf in den Himmel der Heiligkeit. Entsage dem Selbst und ruhe, erfüllt vom Geist der Gnade, im Reiche himmlischer Reinheit.
39
2.39:0_113
O Spross des Staubes!
2.39:1
Sei nicht zufrieden mit der Muße eines schwindenden Tages und beraube dich nicht der ewigen Ruhe. Verschachere nicht den Garten ewiger Freude um das Häuflein Staub einer sterblichen Welt. Erhebe dich aus deinem Gefängnis zu den herrlichen Gefilden der Höhe und nimm deinen Flug aus dem vergänglichen Käfig hin zum Paradies des Raumlosen.
40
2.40:0_114
O Mein Diener!
2.40:1
Befreie dich aus den Banden dieser Welt und löse deine Seele aus dem Gefängnis des Selbstes. Ergreife die Gelegenheit, denn niemals kehrt sie wieder.
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2.41:0_115
O Sohn Meiner Magd!
2.41:1
Erschautest du das ewige Reich, so strebtest du danach, dieser vergänglichen Welt zu entsagen. Doch dass das eine dir verborgen, die andere dir offenbar ward, ist ein Mysterium, das nur versteht, wer reinen Herzens ist.
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2.42:0_116
O Mein Diener!
2.42:1
Reinige dein Herz von Bosheit, und frei von Neid tritt ein in der Heiligkeit himmlischen Hof.
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2.43:0_117
O Meine Freunde!
2.43:1
Auf Pfaden wandelt, die dem Freunde wohlgefallen, und wisst, Sein Wohlgefallen ist das Wohlgefallen Seiner Geschöpfe. Das heißt: Niemand betrete seines Freundes Haus, wenn es dem Freunde nicht wohlgefällt, noch lege er Hand an dessen Schätze oder ziehe den eigenen Willen dem des Freundes vor und versuche, ihn zu übervorteilen. Denket darüber nach, die ihr einsichtig seid!
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2.44:0_118
O Gefährte Meines Thrones!
2.44:1
Höre nichts Schlechtes und sieh nichts Schlechtes, erniedrige dich nicht, seufze und weine nicht! Sprich nichts Schlechtes, auf dass du nichts Schlechtes hörest, und vergrößere die Fehler anderer nicht, damit deine eigenen Fehler nicht groß erscheinen. Wünsche keinem Menschen Erniedrigung, damit deine eigene Niedrigkeit nicht offenkundig werde. Alsdann verbringe deine Lebenstage, die weniger sind als ein flüchtiger Augenblick, mit makellosem Gemüt, unbeflecktem Herzen, reinen Gedanken und geheiligtem Wesen, damit du die irdische Hülle frei und zufrieden ablegen, zum mystischen Paradiese Zuflucht nehmen und im ewigen Königreiche wohnen kannst immerdar.
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2.45:0_119
Wehe, wehe euch, die ihr Irdisches liebt und begehrt!
2.45:1
Schnell wie der Blitz seid ihr am Geliebten vorübergeeilt und habt eure Herzen an teuflischen Trug gehängt. Vor leerem Wahn beugt ihr das Knie und nennt ihn Wahrheit. Auf den Dorn blicket ihr und nennt ihn Blume. Kein reiner Hauch ging von euch aus; kein Duft der Loslösung stieg aus den Auen eurer Herzen. Den liebenden Rat des Geliebten habt ihr in den Wind geschlagen und völlig von der Tafel eures Herzens getilgt. Und wie die Tiere auf dem Felde fristet ihr euer Dasein auf den Weiden der Lust und Leidenschaft.
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2.46:0_120
O Brüder auf dem Pfade!
2.46:1
Warum vernachlässigt ihr des Geliebten Gedenken und haltet euch fern Seiner heiligen Gegenwart? Das Wesen der Schönheit thront im unvergleichlichen Zelt auf dem Sitze der Herrlichkeit, und ihr gebt euch ab mit sinnlosem Streit. Der süße Duft der Heiligkeit strömt, der Hauch der Großmut weht, doch ihr seid alle vom Schnupfen befallen und habt nicht daran teil. Wehe euch und denen, die auf euren Wegen wandeln und euren Spuren folgen!
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2.47:0_121
O Kinder der Leidenschaft!
2.47:1
Legt ab der Hoffart Gewand und befreit euch aus dem Kleide des Hochmuts.
48
2.48:0_122
Auf der dritten hochheiligen Zeile, welche die Feder des Unsichtbaren auf der Rubinroten Tafel niederschrieb und aufzeichnete, wurde offenbart:
2.48:1
O Brüder!
2.48:2
Habt Nachsicht miteinander und hängt euer Herz nicht an die Welt. Rühmt euch nicht eurer Herrlichkeit und schämt euch nicht eurer Erniedrigung. Bei Meiner Schönheit! Aus Staub habe Ich alle Dinge erschaffen und dem Staube werde Ich sie wieder zurückgeben.
49
2.49:0_123
O Kinder des Staubes!
2.49:1
Berichte dem Reichen von des Armen Seufzer um Mitternacht, dass Achtlosigkeit ihn nicht auf den Pfad des Verderbens leite und er sich so den Baum wahren Reichtums verscherzt. Freigebigkeit und Großmut sind Meine Zeichen. Wohl dem, der den Schmuck Meiner Tugenden anlegt!
50
2.50:0_124
O du Inbegriff der Leidenschaft!
2.50:1
Leg ab alle Habsucht und strebe nach Genügsamkeit, denn der Gierige bleibt immer fern, der Genügsame aber wird immer geliebt und gelobt.
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