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193Es war seit jeher offenkundig, dass diese Unterschiede in der Redeweise den Unterschieden in der Stufe zuzuschreiben sind. Vom Standpunkt ihrer Einheit und erhabenen Loslösung aus betrachtet, waren seit je die Attribute Gottheit, Göttlichkeit, höchste Einzigkeit und innerstes Sein auf diese Inbegriffe des Seins anwendbar, da sie alle auf dem Throne göttlicher Offenbarung ruhen und den Sitz göttlicher Verborgenheit einnehmen. Mit ihnen tritt Gottes Offenbarung in Erscheinung, durch ihr Antlitz wird die Schönheit Gottes enthüllt. So wird die Sprache Gottes selbst aus dem Munde dieser Manifestationen des göttlichen Seins vernommen.194Im Lichte ihrer zweiten Stufe betrachtet, der Stufe der Auszeichnung, der Unterscheidung, der zeitlichen Begrenzungen, der Kennzeichen und Maßstäbe, legen sie unbedingte Dienstbarkeit, äußerste Armut und völlige Selbstauslöschung an den Tag. So hat Er gesprochen: »Ich bin der Diener Gottes.Qur’án 19:30.Q Ich bin nur ein Mensch wie ihr.«vgl. Qur’án 18:110; 41:6.
Q195Versuche nun anhand dieser unwiderlegbaren, ausführlichen Erklärungen den Sinn der von dir gestellten Fragen zu begreifen, damit du im Glauben Gottes standhaft wirst und dich nicht von den Abweichungen in den Reden Seiner Propheten und Auserwählten erschüttern lässt.196Sollte eine der allumfassenden Manifestationen Gottes erklären: »Ich bin Gott!«, so spräche sie gewisslich die Wahrheit, und es gäbe daran keinen Zweifel. Denn wiederholt wurde dargetan, dass durch ihre Offenbarung, ihre Attribute und Namen die Offenbarung Gottes, Seine Namen und Seine Attribute in der Welt offenkundig gemacht sind. So hat Er enthüllt: »Jene Pfeile waren von Gott, nicht von Dir!«Qur’án 8:17.
Q Und ebenso spricht Er: »Wahrlich, die Dir Treue gelobten, gelobten sie in Wirklichkeit Gott.«Qur’án 48:10.
Q Würde einer von ihnen sagen: »Ich bin der Gesandte Gottes«Qur’án 7:158 – Anm. d. Hrsg.
Q, so spräche Er gleichfalls die Wahrheit, die unzweifelhafte Wahrheit. So spricht Er: »Muḥammad ist nicht der Vater irgendeines von euren Männern, sondern der Gesandte Gottes.«Qur’án 33:40.
Q In diesem Lichte gesehen, sind sie alle nur Gesandte dieses vollkommenen Königs, dieser unwandelbaren Wesenheit. Würden sie alle verkünden: »Ich bin das Siegel der Propheten«
vgl. Qur’án 33:40 – Anm. d. Hrsg.
A, so sprächen sie gewiss nichts als die Wahrheit, erhaben über den leisesten Schatten eines Zweifels. Denn sie alle sind nur eine Person, eine Seele, ein Geist, ein Wesen, eine Offenbarung. Sie alle sind die Manifestationen des »Anfangs« und des »Endes«, des »Ersten«
und des »Letzten«
, des »Sichtbaren«
und des »Verborgenen«Qur’án 57:3 – Anm. d. Hrsg.
Q – all dies kommt Ihm zu, Ihm, dem Inbegriff allen Geistes und dem ewigen Wesen allen Wesens. Und würden sie sagen: »Wir sind Gottes Diener«
vgl. Qur’án 19:30 – Anm. d. Hrsg.
A, so wäre auch dies eine offenkundige, unbestreitbare Wahrheit. Denn sie haben sich im äußersten Zustand des Dienens offenbart, eines Dienens, wie es kein Mensch je erreichen kann. Darum haben diese Inbegriffe des Seins in Augenblicken, da sie tief in die Meere altehrwürdiger, ewigwährender Heiligkeit eintauchten, oder wenn sie zu den erhabensten Höhen göttlicher Mysterien emporstiegen, den Anspruch erhoben, dass ihre Sprache die Stimme der Gottheit, der Ruf Gottes selbst sei. Wäre das Auge der Einsicht geöffnet, so würde es erkennen, dass sie sich in diesem Zustand als völlig ausgelöscht und nicht existent betrachten vor dem Antlitz Dessen, der der Alldurchdringende, der Unbestechliche ist. Mich dünkt, sie haben sich ganz als ein Nichts angesehen und ihre Erwähnung an jenem heiligen Hof als einen Akt der Gotteslästerung erachtet. Denn die leisesten Einflüsterungen des Selbstes sind an einem solchen Hof ein Beweis für Geltungsbedürfnis und unabhängiges Sein. In den Augen derer, die an diesen Hof gelangen, ist eine solche Regung schon ein schweres Vergehen. Wie viel schwerer wäre es, würde in dieser Gegenwart etwas anderes erwähnt, wären des Menschen Herz, Zunge, Gemüt oder Seele von etwas anderem eingenommen als von dem Vielgeliebten, betrachteten seine Augen ein anderes Antlitz als Seine Schönheit, neigte sich sein Ohr einer anderen Melodie als Seiner Stimme und gingen des Menschen Füße einen anderen Pfad als Seinen Pfad.197An diesem Tage weht Gottes Hauch, und Sein Geist hat alle Dinge durchdrungen. So mächtig ist die Ausgießung Seiner Gnade, dass die Feder ruht und die Zunge schweigt.198Kraft dieser Stufe erheben sie etwa den Anspruch, die Stimme der Gottheit zu sein, während sie kraft ihrer Stufe der Gesandtschaft sich als die Boten Gottes erklären. In jedem Fall sprechen sie, wie es den Gegebenheiten des Augenblicks entspricht, und beziehen alle diese Aussagen auf sich selbst, Aussagen, die sich vom Reich göttlicher Offenbarung bis zum Reich der Schöpfung erstrecken und vom Bereich der Göttlichkeit bis zum Reich irdischen Seins. Damit ist, was immer sie sagen, ob es sich denn auf den Bereich der Gottheit, der Herrschaft des Herrn, des Prophetentums, des Hütertums, des Apostolats oder des Dienens bezieht, ohne den Schatten eines Zweifels wahr. So müssen diese Verse, die Wir für Unseren Beweis angeführt haben, aufmerksam bedacht werden, damit die voneinander abweichenden Aussagen der Manifestationen des Unsichtbaren und Morgenröten der Heiligkeit nicht länger die Seele erregen und den Geist verwirren.199Die von den Sonnen der Wahrheit gesprochenen Worte müssen sorgfältig bedacht werden, und wenn man ihre Bedeutung nicht versteht, sollte Aufklärung bei den Treuhändern der Schatzkammern des Wissens gesucht werden, so dass diese den Sinn der Worte erklären und ihr Geheimnis enträtseln. Denn niemand steht es an, das heilige Wort nach seinem unzulänglichen Verständnis auszulegen, oder es gar zu verwerfen und seine Wahrheit zurückzuweisen, sofern er findet, dass es seinen Neigungen und Wünschen zuwider ist. So verhalten sich heutzutage die Geistlichen und Gelehrten, die auf den Stühlen der Erkenntnis und Gelehrsamkeit sitzen und Unwissen Erkenntnis, Tyrannei Gerechtigkeit nennen. Befragten sie das Licht der Wahrheit über die Gebilde ihrer eitlen Phantasie, und fänden sie dann Seine Antwort unvereinbar mit ihren eigenen Vorstellungen und ihrem Schriftverständnis, so verleumdeten sie Ihn, den Hort und Urquell allen Wissens, gewisslich als die Verneinung des Wissens. So ist dies zu allen Zeiten geschehen.200Als Muḥammad, der Herr des Seins, einst über die neuen Monde befragt wurde, gab Er auf Gottes Geheiß zur Antwort: »Das sind Zeiträume, die den Menschen bestimmt sind.«Qur’án 2:189.
Q Daraufhin brandmarkten Ihn Seine Zuhörer öffentlich als Ignoranten.201So sagt Er auch in dem Vers über den »Geist«: »Und sie werden Dich über den Geist befragen. Sprich: ›Der Geist geht aus Meines Herrn Befehl hervor.‹«Qur’án 17:85.
Q Kaum hatte Muḥammad diese Antwort gegeben, so widersprachen sie lärmend: »Seht! Ein Tor, der nicht weiß, was der Geist ist, nennt sich selbst den Offenbarer göttlichen Wissens!« Nun sieh die Geistlichen unserer Tage: Weil sie durch Seinen Namen geehrt wurden und fanden, dass ihre Väter einst Seine Offenbarung anerkannt hatten, unterwerfen sie sich blindlings Seiner Wahrheit. Bedenke, erhielten sie heute solche Antworten auf ihre Fragen, so würden sie sie ohne Zaudern zurückweisen und öffentlich brandmarken – ja sie nähmen sogar wieder zu denselben Spitzfindigkeiten Zuflucht, wie dies tatsächlich geschehen ist – ungeachtet dessen, dass diese Inbegriffe des Seins über so seltsame Trugbilder unendlich erhaben sind und in ihrer unermesslichen Herrlichkeit hoch über diesen leeren Formeln stehen, und selbst über dem Begreifen jedes einsichtsvollen Herzens. Ihre sogenannte Gelehrsamkeit ist, im Vergleich zu jener Erkenntnis, bloßer Irrtum und all ihre Einsicht nichts als bare Unwissenheit. Nein, was immer aus den Minen göttlicher Weisheit, den Schatzkammern ewigen Wissens hervorgeht, ist Wahrheit und nichts als Wahrheit. Der Spruch: >»Wissen ist ein Punkt, den die Toren vervielfacht haben«Ḥadíth – Anm. in: Call of the Divine Beloved.
Q, ist die Bestätigung für Unser Argument, und die Tradition: »Wissen ist ein Licht, das Gott ins Herz wirft, wem Er will«Ḥadíth – Anm. in: Call of the Divine Beloved.
Q, erweist die Richtigkeit Unserer Darlegung.202Weil sie nicht verstehen, was wahres Wissen bedeutet, und damit die Bilder bezeichnen, die ihnen ihre Phantasie vorgaukelt und deren Urheber die Verkörperungen der Unwissenheit sind, haben sie dem Urquell des Wissens das angetan, was du gehört und gesehen hast.203So hat zum Beispiel ein Mann
Ḥájí Mírzá Karím Khán
A, der für seine Gelehrsamkeit berühmt war und sich selbst für einen der hervorragendsten Führer seines Volkes hielt, in seinem Buch alle Vertreter wahrer Gelehrsamkeit angeklagt und geschmäht, wie dies seine eindeutigen Aussagen, aber auch seine Andeutungen überall in seinem Buch hinlänglich beweisen. Da Wir öfters von ihm gehört hatten, entschlossen Wir Uns, einige seiner Werke zu lesen. Wir sind sonst nicht geneigt, anderer Menschen Schriften zu lesen, doch nun, da Uns einige über ihn befragten, fanden Wir es angezeigt, seine Bücher durchzusehen, um auf diese Fragen mit angemessenem Wissen und Verständnis zu antworten. Seine Werke in arabischer Sprache waren Uns jedoch nicht zugänglich, bis Uns eines Tages jemand mitteilte, dass eine seiner Schriften, Irshádu’l-‘Avám
Führung für die Unwissenden.
A betitelt, in dieser Stadt zu haben sei. Aus diesem Titel verspürten Wir den Geruch des Dünkels und der Eitelkeit; denn er hält sich selbst für einen Gelehrten und den Rest der Menschheit für ›Unwissende‹. Seinen tatsächlichen Wert lässt er gerade durch den Titel erkennen, den er für sein Buch gewählt hat. Es wurde offenbar, dass der Verfasser dem Pfade des Selbstes und des Begehrens folgte und in der Wildnis des Unwissens und der Blindheit verlorengegangen war. Mich dünkt, er hat die wohlbekannte Tradition vergessen, welche sagt: »Wissen umfasst alles, was erkennbar ist; Macht und Gewalt sind Schöpfung.« Dennoch sandten Wir nach dem Buch und behielten es einige Tage. Wir nahmen es wohl zweimal zur Hand. Das zweite Mal stießen Wir zufällig auf die Geschichte des ›Mi‘ráj‹
Himmelfahrt.
A Muḥammads, über den gesagt worden ist: »Wenn nicht für Dich, hätte Ich die Sphären nicht erschaffen.«Ḥadíth-i-Qudsí, ›heilige Tradition‹ – Anm. in: Call of the Divine Beloved.
Q Wir stellten fest, dass der Verfasser etwa zwanzig oder mehr Wissenschaften aufzählte, deren Kenntnis er als wesentlich betrachtete, um das Mysterium des ›Mi‘ráj‹ zu verstehen. Seinen Ausführungen entnahmen Wir, dass, wer nicht in diese Wissenschaften eingedrungen sei, niemals zum richtigen Verständnis dieses überragenden, erhabenen Gegenstandes gelangen könne. Unter den aufgeführten Wissenschaften waren Metaphysik, Alchemie und Naturmagie. Nutzlose, abgestandene Gelehrsamkeit hält dieser Mensch für unerlässlich, wenn man die ewigen, geheiligten Mysterien göttlicher Erkenntnis verstehen will!204Gnädiger Gott! So weit reicht sein Verständnis! Sieh, welch ausgeklügelte Einwände und Verleumdungen er gegen jene Verkörperungen des unendlichen göttlichen Wissens vorbrachte! Wie gut und treffend ist doch gesagt: »Schleuderst du deine Verleumdungen denen ins Gesicht, die der eine wahre Gott zu Treuhändern der Schatzkammern Seines siebenten Himmels gemacht hat?«Vers eines persischen Dichters – Anm. d. Hrsg.A Kein verstehendes Herz und Gemüt, keiner der Weisen und Gelehrten beachtet diese absurden Behauptungen. Und wie klar und einleuchtend ist es doch für jedes einsichtige Herz, dass eine solche Gelehrsamkeit zu allen Zeiten von dem einen wahren Gott zurückgewiesen wird. Wie könnte die Kenntnis von Wissenschaften, die in den Augen der wahrhaft Gelehrten nichts gelten, notwendig sein, um die Mysterien des ›Mi‘ráj‹ zu begreifen, während der Herr des ›Mi‘ráj‹ selbst niemals mit auch nur einem Buchstaben dieser beschränkten, obskuren Wissenschaften belastet war und Sein strahlendes Herz nie mit einem dieser wunderlichen Wahngebilde befleckte? Wie wahr hat er gesprochen: »Alles menschliche Begreifen reitet auf einem lahmen Esel, während die Wahrheit wie ein Pfeil auf dem Winde dahinfliegt.«Vers eines persischen Dichters – Anm. d. Hrsg.A Bei der Gerechtigkeit Gottes! Wer das Geheimnis des ›Mi‘ráj‹ zu ergründen und einen Tropfen aus der Erkenntnis dieses Meeres zu trinken begehrt, der muss den Spiegel seines Herzens, so er noch durch den Staub dieser Wissenschaften getrübt ist, wahrlich reinigen und läutern, ehe das Licht dieses Mysteriums darin widerstrahlen kann.205An diesem Tag verbieten die, welche in das Meer urehrwürdiger Erkenntnis eingetaucht sind und in der Arche göttlicher Weisheit wohnen, dem Volke solche eitlen Studien. Ihre leuchtenden Herzen sind, Gott sei gepriesen, geheiligt von jeder Spur solcher Gelehrsamkeit und erhaben über so schlimme Schleier. Wir haben den dichtesten aller Schleier mit dem Liebesfeuer des Geliebten verbrannt – den Schleier, auf den sich der Spruch bezieht: »Der schlimmste aller Schleier ist der Schleier des Wissens.« Auf seiner Asche haben Wir den SchreinSurádiq – Anm. d. Hrsg.A göttlicher Erkenntnis errichtet. Wir haben, Preis sei Gott, die »Schleier der Herrlichkeit«ḤadíthA mit dem Feuer der Schönheit des Heißgeliebten verbrannt. Wir haben aus dem menschlichen Herzen alles vertrieben außer Ihm, der Sehnsucht der Welt, und freuen Uns dessen. Wir hängen an keinem Wissen als an dem Wissen, das von Ihm kommt, und richten unser Herz nur auf den Strahlenglanz Seines Lichtes.206So waren Wir sehr überrascht, als Wir erkannten, dass die einzige Absicht dieses Mannes war, die Menschen glauben zu machen, dass er sich auf alle diese Wissenschaften verstand. Und doch schwöre Ich bei Gott, dass nicht ein Hauch aus den Gefilden göttlichen Wissens jemals über seine Seele geweht, dass er nicht ein einziges Geheimnis alter Weisheit enträtselt hat. Fürwahr, würde ihm der Sinn des Wissens jemals erklärt, so erfüllte Bestürzung sein Herz und sein ganzes Wesen wäre von Grund auf erschüttert. Sieh, welche Gipfel der Überspanntheit seine Ansprüche trotz seiner haltlosen, unsinnigen Aussagen erreichen!207Gnädiger Gott! Wie groß ist Unser Erstaunen darüber, dass sich um ihn die Leute scharen und seiner Person Gefolgschaft geloben! Mit vergänglichem Staube zufrieden, richten die Menschen ihren Blick nur auf ihn und kehren dem Herrn der Herren den Rücken. Zufrieden mit dem Gekrächze der Krähe und vernarrt in das Gesicht des Raben, verzichten sie auf der Nachtigall süßen Gesang und auf den Liebreiz der Rose. Welch unsagbare Trugschlüsse hat die Durchsicht dieses anmaßenden Buches zutage gebracht! Sie sind nicht wert, dass eine Feder sie beschriebe, und zu dürftig, dass man dabei einen Augenblick verweilte. Wäre indes ein Prüfstein gefunden, so schiede er augenblicklich Wahrheit von Falschheit, Licht von Finsternis und Sonne von Schatten.208Eine der Wissenschaften, die dieser Scharlatan nennt, ist die Kunst der Alchemie. Wir hegen die Hoffnung, dass ein König oder ein Mann von überragender Macht ihn auffordere, diese Wissenschaft aus dem Reich der Einbildung in die Welt der Tatsachen und von der Ebene bloßer Behauptungen auf die der realen Wirklichkeit zu bringen. Dass doch dieser ungelehrte, demütige Diener, der weder auf solche Dinge Anspruch erhob noch sie jemals als Kriterium wahrer Erkenntnis betrachtete, diese Aufgabe übernähme, auf dass so die Wahrheit erkannt und vom Irrtum geschieden werde. Doch welchen Nutzen hätte dies! Alles, was dieses Geschlecht Uns anbieten konnte, waren die Wunden seiner Speere, und der einzige Kelch, den es Unseren Lippen reichte, war der Kelch seines Giftes. Auf Unserem Nacken tragen Wir noch die Narben von Ketten, und Unser Leib ist gezeichnet von den Wundmalen erbarmungsloser Grausamkeit.209Und was dieses Menschen Fähigkeiten anbelangt, seine Unwissenheit, sein Verständnis und seinen Glauben, so sieh, was das Buch, das alle Dinge enthält, offenbart hat: »Wahrlich, der Baum Zaqqúmaz-Zaqqúm: ein Baum, der inmitten der Hölle wächst; [vgl. Qur’án 17:60; 37:62; 37:64; 44:43; 56:52 – Anm. d. Hrsg.].A wird die Speise der ÁthimSünder.A sein.«Qur’án 44:43–44.
Q Und dann lies einige Verse weiter bis dahin, wo Er spricht: »Koste nun davon, denn du bist fürwahr der mächtige KarímKarím‹ bedeutet ›ehrwürdig‹.A!«Qur’án 44:49.
Q Sieh, wie klar und deutlich er in Gottes unvergänglichem Buche beschrieben ist! Dieser Mann, der Demut heuchelt, hat zudem in seinem Buch auf sich selbst verwiesen als auf den »Áthim-Diener«›Dieser sündige Diener‹ – Anm. d. Hrsg.A: »Áthim« im Buche Gottes, mächtig inmitten der allgemeinen Herde – »Karím« dem Namen nach!210Denke über den gesegneten Vers nach: »Es ist nichts Grünes oder Dürres, das nicht im unfehlbaren Buche verzeichnet wäre«Qur’án 6:59.
Q, damit sich die Bedeutung seiner Worte auf der Tafel deines Herzens einpräge. Dennoch schwört eine große Menge diesem Manne Gefolgschaft. Sie verwerfen den Mose des Wissens und der Gerechtigkeit und folgen dem Sámirí
Ein Magier aus der Zeit von Moses
A des Unwissens. Sie wenden ihren Blick von der Sonne der Wahrheit, die am göttlichen, ewig währenden Himmel leuchtet, und schenken ihrem Glanz keine Beachtung.211O mein Bruder! Nur aus einer göttlichen Gesteinsader können die Edelsteine göttlichen Wissens hervorgebracht werden, der Duft der mystischen Myrte ist nur im wahren Garten zu atmen, und die Lilien altehrwürdiger Weisheit können nirgends erblühen außer in der Stadt eines unbefleckten Herzens. »Der guten Erde entsprießen die Pflanzen in Fülle durch die Erlaubnis seines Herrn, doch einem schlechten Boden entsprießen sie nur kärglich.«Qur’án 7:58.
Q212Nun ist klar aufgezeigt, dass nur die, welche in die göttlichen Mysterien eingeweiht sind, die Gesänge des Himmelsvogels verstehen können. Darum ist es jedermanns Pflicht, angesichts der Kompliziertheit des Gottesglaubens und der dunklen Andeutungen in den Versen der Morgenröten der Heiligkeit, bei den im Herzen Erleuchteten und bei den Schatzkammern göttlicher Mysterien Erleuchtung zu suchen. Diese Mysterien werden nicht mit Hilfe erworbenen Wissens enträtselt, sondern einzig durch Gottes Beistand und die Ausgießungen Seiner Gnade. »Fraget daher bei denen, welche die Schriften hüten, wenn ihr es selbst nicht wisst.«Qur’án 16:43.
Q213O mein Bruder! Wenn ein wahrer Sucher sich entschließt, mit forschendem Schritt den Pfad zu betreten, der zur Erkenntnis des Altehrwürdigen der Tage führt, muss er vor allem sein Herz, den Sitz der Offenbarung der inneren Mysterien Gottes, vom trübenden Staub allen erworbenen Wissens und von den Andeutungen der Verkörperungen satanischer Wahngebilde reinigen. Er muss seine Brust, das Heiligtum der immerwährenden Liebe des Geliebten, von jeder Befleckung läutern und seine Seele von allem heiligen, was dem Wasser und dem Lehm zugehört, von allen schattenhaften, flüchtigen Verhaftungen. Er muss sein Herz so läutern, dass kein Rest von Liebe oder Hass darin verbleibt, damit weder Liebe ihn blind zum Irrtum leite noch Hass ihn von der Wahrheit scheuche. Denn wie du an diesem Tage siehst, sind die meisten Menschen solcher Liebe und solchen Hasses wegen des unsterblichen Antlitzes beraubt, sind von den Verkörperungen der göttlichen Mysterien weit abgeirrt und streifen hirtenlos durch die Wildnis des Vergessens und des Irrtums. Der Sucher soll allezeit sein Vertrauen in Gott setzen und sich von den Erdenmenschen abkehren. Er soll sich von der Welt des Staubes lösen und Ihm, dem Herrn der Herren, anhangen. Nie darf er sich über einen anderen erheben wollen, jede Spur von Stolz und Dünkel soll er von der Tafel seines Herzens waschen. Er soll in Geduld und Ergebung harren, Schweigen üben und sich eitler Rede enthalten. Denn die Zunge ist ein schwelend Feuer, und zu viel der Rede ein tödlich Gift. Natürliches Feuer verbrennt den Körper, das Feuer der Zunge aber verzehrt Herz und Seele. Die Kraft des einen währt nur eine Weile, aber die Wirkung des anderen dauert ein Jahrhundert lang.214Auch soll der Sucher üble Nachrede als schweres Vergehen betrachten und sich von ihrem Einfluss fernhalten, denn sie verlöscht das Licht des Herzens und erstickt das Leben der Seele. Er soll sich mit wenigem begnügen und frei sein von allen zügellosen Wünschen. Er soll die Gesellschaft derer schätzen, die der Welt entsagt haben, und es als wertvollen Gewinn betrachten, prahlerische, weltlich gesinnte Menschen zu meiden. In der Morgenfrühe eines jeden Tages soll er sich Gott zuwenden und mit ganzer Seele bei der Suche nach seinem Geliebten verweilen. Er soll jeden eigenwilligen Gedanken mit der Flamme Seines liebevollen Gedenkens verbrennen und mit Blitzesschnelle an allem außer Ihm vorübereilen. Er soll dem Vertriebenen beistehen und dem Notleidenden niemals seine Gunst versagen. Er soll gütig sein zu den Tieren, wie viel mehr zu seinem Nächsten, der mit der Macht der Sprache begabt ist. Er soll nicht zögern, sein Leben für seinen Geliebten hinzugeben, und sich nicht durch das Urteil der Menschen von der Wahrheit abbringen lassen. Für andere soll er nicht wünschen, was er für sich selbst nicht wünscht, und nicht versprechen, was er nicht hält. Aus ganzem Herzen soll er die Gesellschaft der Frevler meiden und um Vergebung ihrer Sünden beten. Er soll dem Sünder verzeihen und niemals dessen niedrigen Zustand verachten, denn niemand weiß, wie sein eigenes Ende sein wird. Wie oft hat ein Sünder in der Todesstunde zum Wesenskern des Glaubens gefunden und, den unsterblichen Trank in Fülle trinkend, seinen Flug zur himmlischen Versammlung genommen! Und wie oft hat sich ein ergebener Gläubiger zur Stunde des Aufstiegs seiner Seele so gewandelt, dass er in das unterste Feuer fiel! Wir wollen mit der Offenbarung dieser überzeugenden, gewichtigen Worte dem Sucher tief einprägen, dass er alles außer Gott als vergänglich ansehen und alles außer Ihm, dem Ziel aller Anbetung, als äußerstes Nichtsein erachten soll.215Dies sind einige Eigenschaften der Hochstehenden und Kennzeichen der Geistiggesinnten. Sie wurden schon bei den Erfordernissen für die Wanderer erwähnt, die auf dem Pfade wirklicher Erkenntnis wandeln. Wenn der losgelöste Wanderer, der aufrichtige Sucher diese Grundbedingungen erfüllt, dann und nur dann kann er ein wahrer Sucher genannt werden. Wann immer er die Bedingungen erfüllt, die in dem Verse liegen: »Wer nach Uns strebt …«Qur’án 29:69.
Q, wird er sich der Segnungen erfreuen, die aus den Worten strömen: »… den werden Wir sicherlich auf Unseren Wegen geleiten.«Qur’án 29:69.
Q216Erst wenn die Lampe des Suchens, des ernsten Strebens, des sehnlichen Verlangens, der leidenschaftlichen Ergebung, der glühenden Liebe, der Verzückung und Ekstase im Herzen des Suchers entzündet ist und der Hauch der Gnade Gottes über seine Seele weht, wird das Dunkel des Irrtums vertrieben, werden die Nebel des Zweifels und der Ängste zerstreut, bis die Lichter der Erkenntnis und Gewissheit sein Wesen einhüllen. Zu dieser Stunde wird der mystische Herold mit der Freudenbotschaft des Geistes strahlend wie der Morgen aus der Stadt Gottes aufleuchten und mit dem Posaunenstoß der Erkenntnis Herz, Seele und Geist aus dem Schlummer der Achtlosigkeit erwecken. Dann werden die mannigfachen Gunstbeweise und die Gnadenströme des heiligen, ewigen Geistes dem Sucher solch neues Leben verleihen, dass er sich mit einem neuen Auge, einem neuen Ohr, einem neuen Herzen und einem neuen Geist beschenkt sieht. Er wird über die offenbaren Zeichen des Weltalls nachsinnen und die verborgenen Geheimnisse der Seele durchdringen. Er wird mit dem Auge Gottes schauen und in jedem Atom ein Tor erblicken, das ihn zu den Stufen völliger Gewissheit führt. In allen Dingen wird er die Mysterien göttlicher Offenbarung und die Beweise ewiger Verkündung entdecken.217Ich schwöre bei Gott! Wer den Pfad der Führung beschreitet, die Höhen der Rechtschaffenheit zu erklimmen sucht und diese hehre, erhabene Stufe erreicht, wird tausend Meilen weit den Duft Gottes verspüren und erleben, wie sich der strahlende Tagesanbruch göttlicher Führung über dem Morgen aller Dinge erhebt. Jedes Ding, und sei es noch so klein, wird ihm eine Offenbarung, die ihn zu seinem Geliebten führt, dem Ziel seines Suchens. So scharf wird des Suchers Urteilskraft werden, dass er Wahres von Falschem zu unterscheiden vermag wie die Sonne vom Schatten. Wenn in den fernsten Winkeln des Ostens Gottes liebliche Düfte wehen, so wird er sie sicherlich erkennen und einatmen, weilte er auch am äußersten Ende des Westens. Desgleichen wird er alle Zeichen Gottes – Seine wundersamen Worte, Seine großen Werke und mächtigen Taten – so klar von den Werken, Worten und Wegen der Menschen unterscheiden, wie der Goldschmied den Edelstein vom Kiesel und jeder Mensch den Frühling vom Herbst, Hitze von Kälte unterscheidet. Wenn die menschliche Seele gleich einem Kanal von allen weltlichen, hemmenden Verhaftungen gereinigt ist, wird sie unfehlbar den Odem des Geliebten über unermessliche Entfernungen hin verspüren und, von seinem Duft geführt, die Stadt der Gewissheit erreichen und betreten. Dort wird der Sucher Gottes Wunder altehrwürdiger Weisheit erfahren und alle verborgenen Lehren aus dem Blätterrauschen des Baumes vernehmen, der in dieser Stadt blüht. Mit seinem inneren und dem äußeren Ohr wird er aus deren Staub die Hymnen der Verherrlichung und des Lobpreises hören, die zum Herrn der Herren emporsteigen, und mit seinem inneren Auge wird er die Geheimnisse der »Wiederkunft« und der »Erweckung« entdecken. Wie unaussprechlich herrlich sind die Zeichen, die Beweise, die Offenbarungen und die Pracht, die Er, der König der Namen und Eigenschaften, für diese Stadt bestimmt hat. Der Eintritt in diese Stadt löscht den Durst ohne Wasser und entzündet die Gottesliebe ohne Feuer. In jedem Grashalm sind die Mysterien unergründlicher Weisheit verwahrt, und in jedem Rosenbusch singen Nachtigallen ohne Zahl in seligem Entzücken ihr Lied. Wundersame Tulpen enthüllen das Mysterium des unverlöschlichen Feuers im Brennenden Busch, und liebliche Wohlgerüche der Heiligkeit verströmen den Duft des messianischen Geistes. Diese Stadt schenkt Reichtum ohne Gold und verleiht Unsterblichkeit ohne Tod. In jedem Blatt sind unaussprechliche Wonnen verwahrt, und in jedem Gemach liegen unzählige Geheimnisse verborgen.218Die sich tapfer auf der Suche nach Gott mühen, werden, sobald sie allem außer Ihm entsagt haben, so mit dieser Stadt verbunden und vermählt sein, dass sie sich nicht mehr vorstellen können, auch nur einen Augenblick von ihr getrennt zu leben. Sie werden auf unfehlbare Beweise von der Hyazinthe jener Gemeinschaft lauschen und die sichersten Zeugnisse von der Schönheit ihrer Rose und dem Lied ihrer Nachtigall empfangen. Etwa alle tausend Jahre einmal wird diese Stadt erneuert und aufs Neue geschmückt.219Darum, o mein Freund, sollten wir mit heißestem Bemühen danach streben, jene Stadt zu erreichen und durch Gottes Gnade und Güte die »Schleier der Herrlichkeit«Ḥadíth – Anm. d. Hrsg.
Q zu zerreißen, so dass wir mit unbeugsamer Festigkeit unsere schmachtenden Seelen auf dem Pfade des neuen Geliebten opfern. Wir sollten mit Tränen in den Augen Ihn immer wieder inbrünstig anflehen, uns die Gunst dieser Gnade zu gewähren. Diese Stadt ist nichts anderes als das Wort Gottes, das in jedem Zeitalter und in jeder Sendung offenbart wird. In den Tagen Mose war sie der Pentateuch, in den Tagen Jesu das Evangelium, in den Tagen Muḥammads, des Gesandten Gottes, der Qur’án, an diesem Tage ist sie der Bayán, und in der Sendung Dessen, den Gott offenbaren wird, wird sie Sein Buch sein – das Buch, auf das alle Bücher der vorangegangenen Sendungen notwendig bezogen werden müssen, das Buch, das überragend und erhaben in ihrer Mitte steht. In diesen Städten ist geistige Nahrung in Fülle bereitet, unvergängliche Wonnen sind darin bestimmt. Die Speise, die sie gewähren, ist das Brot des Himmels, und der Geist, den sie schenken, ist Gottes unvergänglicher Segen. Losgelösten Seelen verleihen sie die Gabe der Einheit; sie machen den Armen reich und bieten den Kelch der Erkenntnis denen, die in der Wildnis des Unwissens wandern. Alle Führung, aller Segen, alles Wissen, alles Erkennen, aller Glaube und alle Gewissheit, die allem im Himmel und auf Erden verliehen wurden, sind in diesen Städten verborgen und verwahrt.220So war der Qur’án für das Volk Muḥammads eine uneinnehmbare Feste. In Seinen Tagen war jeder, der sie betrat, vor teuflischen Anschlägen, drohenden Pfeilen, seelenverzehrenden Zweifeln und gotteslästerlichen Einflüsterungen des Feindes geschützt. Auch war ihm ein Anteil an den göttlichen, guten Früchten verliehen, den Früchten der Weisheit vom göttlichen Baum, und ihm ward ein Trank gereicht von den nie verderbenden Wassern aus dem Strom der Erkenntnis und ein Schluck vom Weine der Geheimnisse göttlicher Einheit.221Alles, was die Menschen über Muḥammads Offenbarung und Sein Gesetz wissen mussten, war in diesem Riḍván strahlender Herrlichkeit enthüllt. Dieses Buch ist ein bleibendes Zeugnis für das Volk nach Muḥammad, denn Seine Gesetze sind unanfechtbar und Seine Verheißungen unverbrüchlich. Allen war befohlen, den Vorschriften dieses Buches bis zum »Jahre sechzig«
Das Jahr 1260 d.H., das Jahr der Verkündigung des Báb.
A zu folgen, dem Jahre des Erscheinens der wundersamen Manifestation Gottes. Dieses Buch ist das Buch, das den Sucher unfehlbar zum Riḍván der göttlichen Gegenwart leitet, welches den, der sein Land verlässt und auf dem Pfade des Suchers wandelt, eintreten lässt in das heilige Zelt
Surádiq
A ewiger Vereinigung. Seine Führung kann niemals irren, kein Zeugnis kann sein Zeugnis übertreffen. Alle Traditionen, alle anderen Bücher und Berichte entbehren einer solchen Auszeichnung, denn die Traditionen und deren Überlieferer erhalten einzig vom Wortlaut dieses Buches ihre Bestätigung. Zudem weisen die Traditionen schmerzliche Unterschiede und eine Fülle von Unklarheiten auf.222Als sich Muḥammads Sendung ihrem Ende neigte, sprach Er folgende Worte: »Wahrlich, Ich hinterlasse euch Meine zwei wichtigsten Zeugnisse: Gottes Buch und Meine Familie.«Ḥadíth – Anm. d. Hrsg.
Q Dieser Quell des Prophetentums, diese Goldader göttlicher Führung, hatte viele der überlieferten Aussprüche offenbart, und doch nannte Er nur dieses Buch, das Er so zum mächtigsten Werkzeug, zum sichersten Zeugnis für die Sucher gemacht hat, zu einem Führer für das Volk bis zum Tage der Auferstehung.223Betrachte aufmerksam, mit unbeirrbarer Schau, mit reinem Herzen und geheiligtem Geist, was Gott Seinem Volk als Zeugnis der Führung bestimmt hat in Seinem Buch, das von hoch und niedrig als authentisch anerkannt wird. An dieses Zeugnis müssen wir beide uns ebenso halten wie die Völker der Welt, auf dass wir durch sein Licht zur Erkenntnis gelangen und Wahrheit von Falschheit, Führung von Irrtum unterscheiden. Da Muḥammad Sein Zeugnis auf Sein Buch und Seine Familie beschränkt hat, die letztere aber dahingegangen ist, bleibt nur Sein Buch als Sein einziges Zeugnis unter Seinem Volk.224Am Anfang Seines Buches spricht Er: »Alif, Lám, Mím. Kein Zweifel besteht über dieses Buch: Es ist eine Führung für die Gottesfürchtigen.«Qur’án 2:1–2.
Q In diesen zusammenhanglosen Buchstaben des Qur’án liegen die Mysterien des göttlichen Seins verschlossen, in ihren Muscheln ruhen die Perlen Seiner Einheit verwahrt. Aus Mangel an Raum wollen Wir jetzt nicht dabei verweilen. Äußerlich betrachtet bedeuten sie Muḥammad selbst, den Gott mit den Worten anspricht: »O Muḥammad, es gibt weder Zweifel noch Ungewissheit an diesem Buche, das vom Himmel göttlicher Einheit herabgesandt ist. In ihm ist Führung für die Gottesfürchtigen.«vgl. Qur’án 2:2 – Anm. d. Hrsg.
Q Bedenke, wie Er dieses Buch, den Qur’án, zur Führung für alle im Himmel und auf Erden bestimmt hat. Er selbst, das göttliche Sein und das unerkennbare Wesen, bezeugt, dass dieses Buch, das hoch erhaben über allen Zweifeln und aller Ungewissheit steht, der Führer der ganzen Menschheit sein soll bis zum Tage der Auferstehung. Nun fragen Wir: Ist es recht, dass das Volk mit Zweifel und Besorgnis auf dieses gewichtigste Zeugnis schaut, dessen göttlichen Ursprung Gott selbst verkündet und zur Verkörperung der Wahrheit erklärt hat? Ist es recht, dass es sich abwendet von dem, was Er zum höchsten Mittel der Führung auf die erhabensten Gipfel der Erkenntnis bestimmt hat, und nach anderem sucht als diesem Buch? Wie können die Menschen es zulassen, dass ihnen ungereimte, dumme Reden die Saaten des Misstrauens ins Herz säen? Wie können sie sich noch länger töricht darauf berufen, jemand habe dieses oder jenes gesagt oder irgendetwas sei nicht eingetroffen? Wenn neben dem Buch Gottes ein tauglicheres Mittel und ein verlässlicherer Führer der Menschheit vorstellbar gewesen wäre, hätte Er dies nicht in jenem Vers enthüllt?225So dürfen wir nicht abweichen von Gottes unwiderstehlichem Befehl und Seinem festgelegten Ratschluss, wie sie in dem genannten Vers enthüllt sind. Wir sollten die wundersamen heiligen Schriften anerkennen, sonst werden wir auch die Wahrheit dieses gesegneten Verses nicht anerkennen. Denn es leuchtet ein, dass wer die Wahrheit des Qur’án leugnet, in Wirklichkeit auch die Wahrheit der vorangegangenen heiligen Schriften leugnet. Dies ist offensichtlich der tiefere Sinn dieses Verses. Wollten Wir seine innere Bedeutung darlegen und seine verborgenen Mysterien enthüllen, so reichte die Ewigkeit nicht aus, ihre Tragweite zu erschöpfen, und das Weltall wäre außerstande, sie zu ertragen. Gott wahrlich ist Zeuge, dass Wir die Wahrheit sprechen!226Ebenso sagt Er an anderer Stelle: »Und wenn ihr in Zweifel seid über das, was Wir auf Unsere Diener herabgesandt haben, dann bringt doch eine Súrah wie diese hervor und ruft eure Zeugen außer Gott zusammen, wenn es euch um die Wahrheit geht.«Qur’án 2:23.
Q Sieh, wie erhaben ist doch die Stufe dieser Verse, wie groß ihre Wirkkraft, wenn Er sie als Sein sicherstes Zeugnis bezeichnet, als Seinen untrüglichen Beweis, als Ausdruck Seiner alles unterwerfenden Macht und als Offenbarung der gestaltenden Macht Seines Willens. Er, der göttliche König, verkündet die unbestreitbare Überlegenheit der Verse Seines Buches über alle Dinge, die Seine Wahrheit bezeugen. Denn, verglichen mit allen anderen Beweisen und Zeichen, leuchten die göttlich offenbarten Verse wie die Sonne, alles andere aber nur wie Sterne. Den Völkern der Welt sind sie ein bleibendes Zeugnis, ein unanfechtbarer Beweis, das strahlende Licht des wahren Königs. Ihr Vorrang und ihre Wirkkraft werden von nichts übertroffen. Sie sind die Schatzkammer göttlicher Perlen, der Verwahrungsort göttlicher Mysterien. Sie bilden das unlösliche Band, das feste Seil, den ‘Urvatu’l-Vuthqá, das unauslöschliche Licht. Sie durchflutet der Strom göttlicher Erkenntnis, sie durchglüht das Feuer Seiner altehrwürdigen, vollendeten Weisheit. Dies ist das Feuer, das im selben Augenblick die Flamme der Liebe in den Herzen der Gläubigen entzündet und den Frost der Achtlosigkeit in die Herzen der Feinde legt.227O mein Freund! Wir dürfen Gottes Befehl nicht unbeachtet lassen; wir müssen uns fügen und dem unterwerfen, was Er als Sein göttliches Zeugnis geboten hat. Dieser Vers ist für diese betrübte Seele zu gewichtig und bedeutungsvoll, als dass er hier erklärt werden könnte. Gott spricht die Wahrheit und führt den Weg. Er, wahrlich, ist hoch erhaben über all Sein Volk. Er ist der Mächtige, der Wohltäter.228Ebenso spricht Er: »Dies sind Gottes Verse, die Wir in voller Wahrheit sprechen. Doch an welche Offenbarung wollen sie denn glauben, wenn sie Gott und Seine Verse verwerfen?«Qur’án 45:6.
Q Wenn du den tieferen Sinn dieses Verses erfassest, so wirst du auch die Wahrheit erkennen, dass niemals eine größere Offenbarung enthüllt wurde als durch die Propheten Gottes und dass kein mächtigeres Zeugnis jemals auf Erden erschienen ist als ihre offenbarten Verse. Nein fürwahr, dieses Zeugnis wird durch kein anderes je übertroffen außer durch das, was der Herr, dein Gott, will.229An einer anderen Stelle spricht Er: »Wehe jedem lügenhaften Sünder, der die Verse Gottes hört, die ihm vorgetragen werden, und alsdann in Hoffart verharrt, als ob er sie nicht hörte. Verkünde ihm eine schmerzliche Strafe.«Qur’án 45:7–8.
Q Was in diesem Vers liegt, genügt allen im Himmel und auf Erden – o würden die Menschen doch nachsinnen über die Verse ihres Herrn! Denn du hörst, wie an diesem Tage das Volk die göttlich offenbarten Verse schmählich missachtet, als wären sie die geringsten aller Dinge. Und doch ist nie etwas Größeres als diese Verse erschienen, und nie wird in der Welt Größeres offenbar werden. Sprich zu ihnen: »O achtloses Volk! Ihr bringt aufs neue all das vor, was schon eure Väter in vergangenen Zeiten gesagt haben. Alle Früchte, die sie vom Baume ihres Unglaubens gesammelt, werdet ihr wiederum sammeln. Binnen kurzem werdet ihr zu euren Vätern abberufen und mit ihnen im Höllenfeuer wohnen. Ein schlimmer Ort – der Wohnort des Volkes der Tyrannei!«230Wieder an anderer Stelle spricht Er: »Und wenn er mit einem Unserer Verse bekannt wird, dann treibt er seinen Spott mit ihm. Eine schmachvolle Strafe harrt ihrer!«Qur’án 45:9.
Q Das Volk spottete: »Schaffe uns ein anderes Wunder und bringe uns einen anderen Beweis!« Einer sagte sogar: »Lass jetzt einen Teil des Himmels auf uns niederfallen.«Qur’án 26:187.
Q Und ein anderer: »Wenn dies Deine ganze Wahrheit ist, dann mögen Steine vom Himmel auf uns regnen.«Qur’án 8:32.
Q So wie das Volk Israel zu Mose Zeiten das Brot des Himmels für ein gemeines Zwiebel- und Knoblauchgericht verschacherte, so suchten auch diese Menschen die göttlich offenbarten Verse gegen ihre unredlichen, verderbten Wünsche einzutauschen. Das Gleiche siehst du auch heutzutage. Wiewohl aus den Wolken Seiner Güte geistige Speise vom Himmel göttlicher Barmherzigkeit herabregnet und die Meere des Lebens auf Geheiß des Schöpfers allen Seins im Riḍván des Herzens wogen, hat sich dieses Volk gierig wie Hunde um ein Aas gerottet und sich mit dem schalen Wasser eines Salztümpels begnügt. Gnädiger Gott! Wie seltsam ist der Weg dieser Menschen! Sie schreien nach Führung, obwohl die Banner Dessen, der alle Dinge führt, schon gehisst sind. Sie widmen sich obskuren, verzwickten Fragen der Erkenntnis, während Er, das Ziel aller Erkenntnis, wie die Sonne strahlt. Sie sehen die Sonne mit eigenen Augen, und dennoch fordern sie von diesem leuchtenden Gestirn den Beweis seines Lichts. Sie sehen Frühlingsschauer auf sich niederregnen, und doch suchen sie nach einem Beweis für diese freigebige Güte. Der Beweis der Sonne ist ihr Licht, das leuchtet und alle Dinge umfängt, der Beweis des Regens seine milde Gabe, welche die Welt erneuert und mit dem Mantel des Lebens bekleidet. Fürwahr, die Blinden können nichts von der Sonne verspüren außer ihrer Wärme, und der dürre Boden hat keinen Anteil an den Regenschauern der Barmherzigkeit. »Wundere dich nicht, wenn der Ungläubige im Qur’án nichts wahrnimmt als eine Reihe toter Buchstaben; erlebt doch der Blinde die Sonne nur als Hitze.«Vers eines persischen Dichters – Anm. d. Hrsg.A231An anderer Stelle spricht Er: »Und wenn ihnen Unsere klaren Verse vorgetragen werden, dann haben sie nichts anderes zu entgegnen, als dass sie sagen: ›Bringe unsere Väter wieder, wenn du die Wahrheit redest!‹«Qur’án 45:25
Q Sieh, welch törichte Zeichen sie forderten von den Verkörperungen einer allumfassenden Barmherzigkeit! Sie spotteten der Verse, in denen ein Buchstabe, der die Toten im Tale des Selbstes und der Begierde mit dem Geiste des Glaubens belebt, größer ist als die Schöpfung der Himmel und der Erde, und schrien: »Mache, dass unsere Väter aus ihren Gräbern eilen.«vgl. Qur’án 45:25 – Anm. d. Hrsg.
Q So groß war die Verderbtheit und Hoffart dieses Volkes. Ein jeder dieser Verse ist den Völkern der Welt ein untrügliches Zeugnis, ein herrlicher Beweis Seiner Wahrheit. Ein jeder von ihnen genügt fürwahr der ganzen Menschheit – o würdest du doch über die Verse Gottes meditieren. In dem vorerwähnten Vers allein liegen Perlen von Mysterien verborgen. Was immer das Leiden sein mag, das Heilmittel, das er bietet, kann nie versagen.232Achte nicht der eitlen Behauptung derer, die vorbringen, das Buch und seine Verse seien niemals ein Zeugnis für das gewöhnliche Volk, da dieses weder ihren Sinn erfassen noch ihren Wert schätzen könne, denn das einzige untrügliche Zeugnis Gottes für den Osten wie den Westen ist der Qur’án. Ginge er über die Fassungskraft der Menschen, wie hätte er dann als allumfassendes Zeugnis allen Menschen verkündet werden können? Wäre ihre Behauptung wahr, so bedürfte man seiner nicht; das Volk brauchte Gott nicht zu erkennen, weil die Erkenntnis des göttlichen Seins die Erkenntnis Seines Buches übersteigt und das gewöhnliche Volk nicht die Fähigkeit hätte, es zu begreifen.
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