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14Überlegt: Was mögen ihre Motive gewesen sein, was konnte sie zu einem solchen Verhalten gegenüber den Offenbarern der Schönheit des Allherrlichen bewogen haben? Führt doch alles, was in vergangenen Tagen die Ablehnung und den Widerstand der Menschen verursachte, auch zur Verstocktheit der Menschen von heute. Zu behaupten, das Zeugnis der Vorsehung sei unvollständig und dies habe zur Ablehnung geführt, wäre offene Gotteslästerung. Wie fern liegt es der Gnade des Allgütigen, wie fern Seiner liebevollen Vorsehung und Seiner milden Barmherzigkeit, unter allen Menschen eine Seele zur Führung Seiner Geschöpfe zu erwählen, ihr einerseits das volle Maß Seines göttlichen Zeugnisses zu versagen, andererseits über Sein Menschenvolk schwere Vergeltung zu verhängen, weil es sich von Seinem Erwählten abwendet! Nein, die vielfachen Gnadengaben des Herrn aller Geschöpfe haben allezeit durch die Manifestationen Seines göttlichen Wesens die Erde und alle, die auf ihr wohnen, umfangen. Nicht einen Augenblick hat sich Seine Gnade versagt, noch haben die Schauer Seiner Güte aufgehört, auf die Menschheit niederzuregnen. Folglich ist ein solches Verhalten nichts anderem zuzuschreiben als der Kleingeistigkeit der Seelen, die durch das Tal der Anmaßung und der Hoffart schreiten, in der Wildnis der Gottferne umherirren, auf den Wegen ihres eitlen Wahns wandeln und den Befehlen ihrer Geistlichen folgen. Es geht ihnen vor allem um Widerspruch, und ihr einziges Begehren ist, der Wahrheit nicht ins Auge sehen zu müssen. Jedem Einsichtigen ist es offenbar: Hätten diese Menschen in den Tagen früherer Manifestationen der Sonne der Wahrheit ihre Augen, Ohren und Herzen von allem, was sie zuvor sahen, hörten und fühlten, geheiligt, so wären sie sicherlich weder des Anblicks der Schönheit Gottes beraubt worden noch so weit von den Stätten der Herrlichkeit abgeirrt. Doch weil sie dem Zeugnis Gottes das Maß ihres eigenen Wissens anlegten, das sie aus den Lehren ihrer Geistlichkeit aufgelesen hatten, und fanden, dass es ihrem beschränkten Verständnis widersprach, ließen sie sich zu solchen Untaten hinreißen.15Zu allen Zeiten hat die Geistlichkeit ihr Volk daran gehindert, die Küsten des Meeres ewigen Heils zu erreichen, denn sie hält die Zügel der Autorität über die Menschen in ihrem mächtigen Griff. Einige wurden aus Verlangen nach Führerschaft, andere aus Mangel an Erkenntnis und Verständnis zur Ursache der Unmündigkeit des Volkes. Mit ihrer Zustimmung und unter ihrer Amtsgewalt mussten alle Propheten Gottes vom Kelche des Opfers trinken und ihren Flug zu den Höhen der Herrlichkeit nehmen. Wie schlimm sind die Grausamkeiten, mit denen jene, die auf den Stühlen der Autorität und Gelehrsamkeit saßen, die wahren Könige der Welt, die Edelsteine göttlicher Tugend, heimgesucht haben! Mit vergänglicher Herrschaft zufrieden, haben sie sich der ewigen Herrschaft beraubt. So haben ihre Augen nicht das Licht vom Antlitz des Vielgeliebten geschaut, noch ihre Ohren den süßen Weisen der Nachtigall der Sehnsucht gelauscht. Darum sprechen alle heiligen Schriften von den Geistlichen der jeweiligen Zeit. So spricht Er: »O Volk des Buches! Warum glaubt ihr nicht den Zeichen Gottes, deren ihr doch selbst Zeuge wart?«Qur’án, 3:70.
Q Und wiederum spricht Er: »O Volk des Buches! Warum kleidet ihr die Wahrheit in Lüge und verbergt die Wahrheit wider besseres Wissen?«Qur’án, 3:71.
Q Und abermals spricht Er: »Sprecht, o Volk des Buches, warum treibt ihr die Gläubigen vom Pfade Gottes?«Qur’án 3:99.
Q Es ist offenbar, dass mit dem »Volk des Buches«, das seine Zeitgenossen von Gottes geradem Pfad zurückgetrieben hat, niemand anderes als die Geistlichkeit jener Zeit gemeint ist, deren Namen und Wesensart in den heiligen Büchern enthüllt sind; auf sie wird in den darin verzeichneten Versen und Überlieferungen angespielt – o würdet ihr doch mit dem Auge Gottes schauen!16So prüfet denn mit festem, standhaftem, dem unbeirrbaren Auge Gottes entsprungenem Blick den Horizont göttlichen Wissens und sinnet über diese vollkommenen Worte nach, die der Ewige offenbart hat, damit euch die Geheimnisse göttlicher Weisheit, die bis heute hinter dem Schleier der Herrlichkeit verborgen und im HeiligtumSurádiq – Anm. d. Hrsg.A Seiner Gnade verschlossen sind, offenbar werden. Die Geistlichen haben die neue Offenbarung hauptsächlich deshalb abgelehnt und sich ihr entgegengestellt, weil es ihnen an Erkenntnis und Verständnis gebrach. Sie haben jene Worte aus dem Munde der Offenbarer der Schönheit des einen wahren Gottes, welche die Zeichen der künftigen Manifestation nannten, weder verstanden noch zu ergründen versucht. Darum erhoben sie das Banner der Empörung und entfachten Unheil und Aufruhr. Es leuchtet ein, dass die wahre Bedeutung dessen, was die Tauben der Ewigkeit kündeten, allen verhüllt bleibt, außer denen, die das ewige Wesen offenbaren, und dass die Melodien der Nachtigall der Heiligkeit kein anderes Ohr erreichen als das der Bewohner des unvergänglichen Reiches. Der gewalttätige Kopte kann niemals von dem Kelche trinken, den die Lippen des gerechten Juden berührt haben, und der Pharao des Unglaubens kann niemals hoffen, die Hand des Mose der Wahrheit zu erkennen. So spricht Er: »Niemand kennt seine Bedeutung außer Gott und jenen, welche im Wissen fest gegründet sind.«Qur’án 3:7.
Q Aber dennoch haben sie die Auslegung des Buches bei denen gesucht, die in Schleiern verhüllt sind, und es verschmäht, die Belehrung beim Urquell des Wissens zu finden.17Als die Tage Mose zu Ende gingen und das Licht Jesu, aus der Morgendämmerung des Geistes aufleuchtend, die Welt umfing, stand das ganze Volk Israel wider Ihn auf. Sie schrien, dass der, den die Bibel verheißt, das Gesetz Mose verbreiten und erfüllen müsse, während dieser junge Nazarener, der sich die Stufe des göttlichen Messias anmaße, die Gesetze der Ehescheidung und des Sabbats, die wichtigsten Gesetze Mose, abgeschafft habe. Wie stehe es außerdem um die Zeichen der Manifestation, die noch erscheinen soll? Das Volk Israel harrt bis auf den heutigen Tag der in der Bibel verheißenen Manifestation. Wie viele Manifestationen der Heiligkeit, wie viele Offenbarer des ewigen Lichtes sind seit Mose Zeiten schon erschienen, und doch erwartet Israel, in dichteste Schleier satanischen Trugs und eitlen Wahns gehüllt, dass das Idol, das es selbst geschaffen, mit Zeichen erscheine, die es selbst ersonnen. So hat Gott um ihrer Sünden willen Hand an die Juden gelegt, so hat Er den Geist des Glaubens in ihnen ausgelöscht und sie mit den Flammen der Höllentiefe gepeinigt, weil sie den Sinn der Verse nicht verstehen wollten, die über die Zeichen der künftigen Offenbarung in der Bibel enthüllt sind. Da sie deren wahre Bedeutung nicht erfassten und jene Ereignisse, äußerlich gesehen, nie eingetroffen sind, blieb es ihnen versagt, die Schönheit Jesu zu erkennen und das Antlitz Gottes zu schauen. Noch immer harren sie Seines Erscheinens! Seit unvordenklicher Zeit bis zum heutigen Tag haben die Völker auf Erden solchen wunderlichen, unziemlichen Gedanken nachgehangen und sich damit selbst der klaren Wasser beraubt, die den Quellen der Reinheit und Heiligkeit entströmen.18Diese Geheimnisse enthüllend, haben Wir in Unseren früheren, an einen Freund in der wohlklingenden Sprache des Ḥijáz gerichteten Schriften einige Verse der alten Propheten angeführt. Nun wollen Wir, deiner Bitte entsprechend, auf diesen Seiten nochmals die gleichen Verse anführen, diesmal in der wundervollen Sprache des ‘Iráqgemeint ist hier Persisch – Anm. d. Hrsg.A, dass so die Schmachtenden aus der Wildnis der Gottferne zum Meere der göttlichen Gegenwart gelangen und die in den Wüsten der Trennung Darbenden zu der Heimstatt ewiger Wiedervereinigung geleitet werden. So mögen die Nebel des Irrtums zerstreut werden und das alles erhellende Licht göttlicher Führung über dem Horizonte der Menschenherzen aufdämmern. Auf Gott setzen Wir Unser Vertrauen, Ihn rufen Wir um Hilfe an, dass vielleicht dieser Feder entströme, was die Menschenseelen belebt, auf dass sie sich alle von den Lagern der Achtlosigkeit erheben und dem Blättersäuseln des Paradieses lauschen, in dem Baume, den die Hand göttlicher Macht mit Gottes Erlaubnis im Riḍván des Allherrlichen gepflanzt hat.19Wem Einsicht gegeben, der weiß, dass zu der Zeit, da das Feuer der Liebe Jesu die Schleier jüdischer Enge verzehrt hatte und Seine Machtvollkommenheit sichtbar und allmählich anerkannt wurde, Er, der Offenbarer der unsichtbaren Schönheit, an Seine Jünger gewandt, auf Sein Scheiden hinwies, in ihren Herzen das Feuer der Verwaisung entfachte und sprach: »Ich gehe von hinnen und komme wieder zu euch.«Joh. 14:28 – Anm. d. Hrsg.
Q Und an anderer Stelle sprach Er: »Ich gehe hin und ein anderer wird kommen, der wird euch alles lehren, was Ich euch nicht gesagt habe, und alles erfüllen, was Ich euch gesagt habe.«vgl. Joh. 14:26, 16:13 – Anm. d. Hrsg.
Q Diese beiden Verse haben nur eine Bedeutung, wolltet ihr doch mit göttlicher Einsicht über die Manifestationen der Einheit Gottes nachdenken!20Wer dies mit Verständnis betrachtet, wird erkennen, dass in der Sendung des Qur’án sowohl das Buch als auch die heilige Sache Jesu bestätigt wurden. Was die Namen anbelangt, so erklärt Muḥammad selbst: »Ich bin Jesus.«
Er anerkannte die Wahrheit der Zeichen, Prophezeiungen und Worte Jesu und bezeugte, dass sie alle von Gott sind. In diesem Sinne haben sich weder die Gestalt Jesu noch Seine Schrift von der Muḥammads und Seinem heiligen Buche unterschieden, denn beide sind für die Sache Gottes eingetreten, haben Sein Lob verkündet und Seine Gebote offenbart. Darum hat Jesus gesprochen: »Ich gehe hin und komme wieder zu euch.«vgl. Joh. 14:28 – Anm. d. Hrsg.
Q Betrachtet die Sonne! Wenn sie sagte: »Ich bin die Sonne von gestern«, so spräche sie die Wahrheit. Und sollte sie im Hinblick auf den Zeitablauf behaupten, sie sei eine andere als jene Sonne, so spräche sie gleichwohl die Wahrheit. Ebenso wahr ist es, wenn gesagt wird, alle Tage seien ein und derselbe. Und wenn im Hinblick auf ihre besonderen Namen und Bezeichnungen gesagt wird, sie seien verschieden, so ist dies wiederum wahr, denn wenn sie auch die gleichen sind, so lässt sich doch an jedem eine andere Bezeichnung, eine besondere Eigenschaft, ein eigener Wesenszug erkennen. Begreife nun dementsprechend die Individualität, die Verschiedenheit und die Einheit der Manifestationen der Heiligkeit, damit du die Andeutungen verstehst, die der Schöpfer aller Namen und Attribute über diese Mysterien der Verschiedenheit und Einheit machte, und entdecke die Antwort auf deine Frage, warum jene ewige Schönheit sich zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Namen und Titeln bezeichnet hat.21Später fragten die Gefährten und Jünger Jesu nach den Zeichen, welche die Wiederkunft Seiner Manifestation ankündigen würden. Wann, so forschten sie, werden diese Dinge geschehen? Mehrmals fragten sie diese unvergleichliche Schönheit, und jedes Mal, wenn Er antwortete, wies Er auf ein besonderes Zeichen hin, welches den Anbruch der verheißenen Sendung ankündigen sollte. Dies bezeugen die Berichte der vier Evangelien.22Dieser Unterdrückte will nur eine dieser Stellen anführen und damit der Menschheit aus Liebe zu Gott Gnadengaben vermitteln, die noch bei den Schätzen des verborgenen und geheiligten Baumes verwahrt sind, auf dass die Sterblichen nicht ihres Anteils an der unsterblichen Frucht beraubt bleiben, sondern einen Tautropfen von den Wassern ewigen Lebens erlangen, die sich von Baghdád, der »Stätte des Friedens«vgl. Qur’án 6:127, 10:25 – Anm. d. Hrsg..A, über die Menschheit ergießen. Wir verlangen weder Preis noch Lohn dafür: »Wir nähren eure Seelen um Gottes willen. Wir suchen weder Lohn noch Dank von euch.«Qur’án 76:9.
Q Dies ist die Speise, die den im Herzen Reinen und im Geist Erleuchteten ewiges Leben bringt. Dies ist das Manna, von dem gesagt ist: »Herr, sende Dein Brot vom Himmel auf uns herab.«Qur’án 5:117; [vgl. auch Joh. 6:32–35, 41, 50, 58 – Anm. d. Hrsg.].
Q Dieses Brot wird denen, die es verdient haben, niemals vorenthalten, noch kann es jemals aufgezehrt werden. Es wächst ewiglich am Baume der Gnade. Es kommt zu allen Zeiten aus den Himmeln der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. So spricht Er: »Siehest du nicht, womit Gott ein gutes Wort verglichen hat? Mit einem guten Baum, dessen Wurzeln fest gewachsen sind, dessen Zweige zum Himmel reichen, der Früchte bringt zu allen Zeiten.«Qur’án 14:24–25.
Q23Wie schade, wenn der Mensch sich selbst dieser schönen Gnade beraubt, dieses unvergänglichen Gnadengeschenkes, des ewigen Lebens. Er sollte diese Himmelsspeise hoch achten, damit vielleicht durch die wundersame Gunst der Sonne der Wahrheit die Toten ins Leben gerufen und die erschöpften Seelen durch den unendlichen Geist erquickt werden. Beeile dich, o mein Bruder, auf dass unsere Lippen, solange es noch Zeit ist, den unsterblichen Trank kosten; denn nicht ewig wird der Hauch des Lebens aus der Stadt des Vielgeliebten wehen, nicht ewig fließen die Ströme der heiligen Sprache, und nicht ewig werden die Tore des Riḍváns offenstehen. Einst wird kommen der Tag, da die Nachtigall des Paradieses ihren Flug von ihrer Wohnstatt hienieden zum göttlichen Neste nehmen wird. Dann wird ihr Gesang nicht mehr vernommen werden, und die Schönheit der Rose wird nicht mehr leuchten. Darum nütze die Stunde, solange der göttliche Frühling noch seine Pracht verschwendet und die Taube der Unsterblichkeit ihre Melodien jubelt, damit dein inneres Ohr nicht vom Lauschen auf ihren Ruf abgehalten werde. Dies ist Mein Rat für dich und die Geliebten Gottes. Wer will, der mag sich ihm zuwenden; wer will, der mag sich abwenden. Gott wahrlich, ist unabhängig von ihm und allem, was er sehen und bezeugen mag.24Dies sind die Weisen, die Jesus, der Sohn Marias, in majestätisch kraftvollen Klängen im Riḍván des Evangeliums anstimmte, die Zeichen enthüllend, welche die Manifestation nach Ihm ankündigen. Im Evangelium des Matthäus steht geschrieben: Als sie Jesus nach den Zeichen Seiner Wiederkunft fragten, sprach Er zu ihnen: »Bald aber nach der Trübsaldas griechische Wort (Thlipsis) hat zwei Bedeutungen: ›Druck‹ und ›Bedrängnis‹.A derselben Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden sich bewegen. Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und Er wird senden Seine Engel mit hellen Posaunen.«Mt. 24:29–31.
Q Ins Persische übertragendie Stelle wird von Bahá’u’lláh in Arabisch zitiert und auf Persisch erklärt.A ist der Sinn dieser Worte folgender: Wenn die Drangsal und Trübsal, die der Menschheit widerfahren müssen, eintreffen, dann werden sich der Glanz der Sonne und das Licht des Mondes verfinstern, und die Sterne des Himmels werden auf die Erde fallen, und die Grundpfeiler der Erde werden erbeben. Zu jener Zeit werden die Zeichen des Menschensohnes am Himmel offenbar werden, das heißt, die verheißene Schönheit, der Wesenskern allen Lebens, wird nach dem Erscheinen dieser Zeichen aus dem Reiche des Unsichtbaren in die Welt des Sichtbaren treten. Und Er spricht: Alsdann werden alle Völker und Geschlechter, die auf Erden wohnen, wehklagen und jammern, und sie werden die göttliche Schönheit vom Himmel kommen sehen, auf den Wolken schwebend mit Macht, Größe und Herrlichkeit, und Er wird Seine Engel senden mit starkem Posaunenschall. Ähnliche Hinweise finden sich in den Evangelien von Lukas, Markus und Johannes. Da Wir ausführlich darauf in Unseren arabisch offenbarten Schriften eingegangen sind, haben Wir sie auf diesen Seiten nicht besonders erwähnt und Uns auf ein Zitat beschränkt.25Weil die christlichen Geistlichen die Bedeutung dieser Worte nicht erfassten und ihren Zweck nicht erkannten, sich vielmehr an eine buchstäbliche Auslegung der Worte Jesu hielten, wurden sie des Gnadenstromes der Offenbarung Muḥammads und der Regenschauer ihrer Gnade beraubt. Damit war auch den Unwissenden in der christlichen Gemeinde, die ihren Geistlichen folgten, der Anblick der Schönheit des Königs der Herrlichkeit versagt, da jene Zeichen, die das Aufdämmern der Sonne der Sendung Muḥammads begleiten sollten, tatsächlich nicht eintrafen. So sind wiederum Jahrhunderte vergangen, und jener reinste Geist hat sich in die Stätten Seiner altehrwürdigen Herrschaft zurückgezogen. Aufs Neue hat nun der ewige Geist in die göttliche Posaune gestoßen und die Toten aus ihren Gräbern der Achtlosigkeit und des Irrtums hervoreilen lassen zum Reiche der Führung und Gnade. Doch immer noch ruft die wartende Gemeinde: Wann werden diese Zeichen geschehen? Wann wird die Gestalt des Verheißenen, das Ziel unseres Harrens, offenbar werden, damit wir uns für den Triumph Seiner heiligen Sache erheben, damit wir unser Hab und Gut für Ihn opfern, damit wir unser Leben auf Seinem Pfade hingeben können? Falsche Vorstellungen wie diese ließen auch andere Gemeinden vom Kawthar der unendlich barmherzigen Vorsehung abirren und sich in müßigen Gedanken verlieren.26Neben dieser Stelle gibt es im Evangelium noch einen Vers, wo Er sagt: »Himmel und Erde werden vergehen, aber Meine Worte werden nicht vergehen.«Lk. 21:33; [Bahá’u’lláh schließt an diesen arabisch zitierten Text noch die wörtliche Übersetzung in das Persische an. Dies wird in der deutschen wie in der englischen Übersetzung weggelassen – Anm. d. Hrsg.].
Q Darum verfechten die Christen die Auffassung, das Gesetz des Evangeliums werde niemals aufgehoben, und wenn die verheißene Schönheit mit allen Zeichen offenbar werde, müsse Er auch das im Evangelium verkündete Gesetz bestätigen, so dass es in der Welt keinen Glauben mehr gebe als den Seinen. Dies ist ihre unumstößliche Meinung. Sie sind zutiefst davon überzeugt, dass, wenn ein Mensch erschiene mit allen verheißenen Zeichen und verkündete, was dem Buchstaben des Gesetzes im Evangelium entgegenstünde, sie ihn sicherlich abwiesen, sich seinem Gesetz nicht unterwürfen, ihn für ungläubig erklärten und verspotteten. Dies bestätigen die Geschehnisse der Zeit, da die Sonne der Offenbarung Muḥammads sich enthüllte. Hätten sie in den vergangenen Sendungen bei den Manifestationen Gottes demütigen Sinnes nach dem wahren Sinn der in den heiligen Büchern offenbarten Verse gesucht – Worte, deren Missverständnis den Menschen das Erkennen des Sadratu’l-Muntahá, des letzten Zieles, verschloss – so wären sie sicherlich zum Lichte der Sonne der Wahrheit geleitet worden und hätten die Mysterien göttlicher Erkenntnis und Weisheit entdeckt.27Dieser Diener will dir nun einen Tropfen aus dem unermesslichen Meer der Wahrheiten vermitteln, die in diesen heiligen Worten verwahrt sind. Vielleicht, dass einsichtsvolle Herzen alle Andeutungen und den tieferen Sinn der Verse der Manifestationen der Heiligkeit erfassen, so dass die überwältigende Majestät des Wortes Gottes sie nicht abhalte, das Meer Seiner Namen und Zeichen zu erreichen, noch sie der Erkenntnis des Lichtes Gottes beraube, das der Sitz der Offenbarung Seines verherrlichten Wesens ist.28Was nun die Worte betrifft: »Bald aber nach der Trübsal derselben Zeit«Mt. 24:29 – Anm. d. Hrsg.
Q – so beziehen sie sich auf die Zeit, da die Menschen bedrängt und gepeinigt werden, die Zeit, da die letzten Spuren der Sonne der Wahrheit und die Früchte des Baumes der Erkenntnis und Weisheit aus der Mitte der Menschen entschwunden und die Zügel der Menschheit in die Hände von Narren und Unwissenden geraten sein werden, da die Tore zur göttlichen Einheit und Erkenntnis – der Schöpfung wesentlichstes und höchstes Ziel – verschlossen sind, das klare Wissen von eitlem Wahn verdrängt ist und Verderbtheit sich den Platz der Rechtschaffenheit angemaßt hat. Ein solcher Zustand ist heute zu erkennen, da in allen Gemeinden die Zügel in die Hände törichter Führer geraten sind, die nach ihren Launen und Wünschen führen. Auf ihrer Zunge ist das Gedenken Gottes ein leerer Name geworden, in ihrer Mitte Sein heiliges Wort ein toter Buchstabe. So heftig rast der Sturm ihrer Begierden, dass die Lampe des Gewissens und der Vernunft in ihren Herzen verlöscht ist. Dabei haben die Finger göttlicher Macht die Tore der Erkenntnis Gottes aufgetan. Das Licht göttlicher Erkenntnis und himmlischer Gnade hat alles Erschaffene so in seinem Wesenskern erleuchtet und erweckt, dass in jedem Ding sich ein Tor der Erkenntnis auftat und in jedem Atom Zeichen der Sonne sichtbar wurden. Und doch, ungeachtet all der mannigfachen Offenbarungen göttlicher Erkenntnis, die die Welt umfangen, leben sie immer noch im eitlen Wahn, die Pforte der Erkenntnis sei verschlossen und die Regenschauer der Barmherzigkeit seien versiegt. Sie hängen sich an leeren Trug und sind weit abgeirrt vom ‘Urvatu’l-Vuthqá
›der sichere Griff‹, vgl. Qur’án 2:257; 31:22 – Anm. d. Hrsg.
A göttlicher Erkenntnis. Es scheint, dass ihre Herzen sich weder nach dem Tor der Erkenntnis sehnen noch an ihre Offenbarungen denken, da sie in leerem Wahn das Tor gefunden haben, das zu irdischem Reichtum führt, wogegen sie in dem Erscheinen des Offenbarers des Wissens nichts fanden als den Ruf zur Selbstaufopferung. Darum sind sie vor dem einen geflohen und haben sich, ihrer Natur folgend, an das andere gehalten. Obgleich sie im Innersten wissen, dass Gottes Gesetz seinem Wesen nach unveränderlich ist, hört man sie alle Tage aus allen Ecken neue Gesetze erlassen. Nicht zwei von ihnen sind zu finden, die sich über ein und dasselbe Gesetz einig wären, denn sie suchen keinen Gott außer ihrem eigenen Begehren und wandeln auf keinem Pfad als auf dem Pfade des Irrtums. Führer zu sein ist das letzte Ziel ihres Strebens, und in Stolz und Hochmut sehen sie die höchste Erfüllung ihres Herzenswunsches. Ihre schmutzigen Ränke haben sie über den göttlichen Ratschluss gestellt und die Ergebung in Gottes Willen aufgekündigt. Selbstsüchtigen Plänen gewidmet, sind sie den Weg des Heuchlers gegangen. Mit aller Macht sind sie bestrebt, sich durch ihre kleinlichen Schliche abzusichern, ängstlich darauf bedacht, dass nicht das geringste Misstrauen ihre Autorität untergrabe oder ihr großartiges Gehabe störe. Wäre das Auge mit dem Balsam der Gotteserkenntnis gesalbt und erleuchtet, so würde es sicherlich entdecken, dass sich ein Rudel gefräßiger Bestien zusammengeschart hat, um sich am Aas der Menschenseelen zu laben.29Welche »Trübsal« ist größer als die geschilderte? Welche »Trübsal« ist schmerzlicher als die, dass eine nach Wahrheit suchende, sich nach Gotteserkenntnis sehnende Seele nicht weiß, wohin sie sich wenden und wo sie suchen soll? Denn die Meinungen sind weit auseinandergegangen, und die Wege zu Gott hin haben sich vervielfacht. Diese »Trübsal« ist der eigentliche Wesenszug jeder Offenbarung; denn ohne sie würde die Sonne der Wahrheit nicht offenbar werden. Die Morgendämmerung göttlicher Führung muss der finsteren Nacht des Irrtums folgen. Darum finden sich in allen Chroniken und Überlieferungen Hinweise darauf, dass Unrecht das Antlitz der Erde bedecken und Finsternis die Menschheit umfangen werde. Diese Überlieferungen sind wohlbekannt. Da dieser Diener sich kurz fassen will, sieht Er davon ab, aus dem Text dieser Traditionen zu zitieren.30Wollte man diese »Trübsal« (die wörtlich ›Druck‹ bedeutet) so auslegen, dass die Erde sich zusammenziehen wird, oder wollten eitle Hirngespinste ähnliches Unheil für die Menschheit ausmalen, so ist demgegenüber offenkundig, dass solche Dinge sich niemals ereignen können. Sicherlich wird man entgegenhalten, dass diese Vorbedingung göttlicher Offenbarung noch nicht eingetreten ist. Das waren und sind heute noch ihre Argumente. Doch ist mit »Trübsal« die Unfähigkeit gemeint, geistige Erkenntnis zu erlangen und das Wort Gottes zu begreifen. Dies bedeutet: Wenn die Sonne der Wahrheit untergegangen ist und die Spiegel, die Sein Licht widerstrahlen, verschwunden sind, werden »Trübsal« und Ungemach über die Menschen kommen, weil sie nicht mehr wissen werden, wohin sie sich um Führung wenden sollen. Also lehren Wir dich die Auslegung der Überlieferungen und vermitteln dir die Geheimnisse göttlicher Weisheit, auf dass du ihre Bedeutung erfassest und zu denen gehörst, die vom Kelche göttlichen Wissens und Verstehens getrunken haben.31Und nun, was Seine Worte betrifft »… werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen«Mt. 24:29 – Anm. d. Hrsg.
Q. Die Worte »Sonne« und »Mond« aus dem Munde der Propheten bedeuten nicht nur Sonne und Mond der sichtbaren Welt. Nein, vielerlei Sinn haben sie diesen Begriffen zugrunde gelegt; jedem haben sie eine besondere Bedeutung zugewiesen. So sind mit »Sonne« in einer Hinsicht jene Sonnen der Wahrheit gemeint, die vom Morgen altehrwürdiger Herrlichkeit aufsteigen und die ganze Welt mit weithin strömender Gnade aus der Höhe erfüllen. Diese Sonnen der Wahrheit sind die alles umfassenden Manifestationen Gottes in den Welten Seiner Zeichen und Namen. Wie die sichtbare Sonne, die nach dem Ratschluss Gottes, des Wahren, des Angebeteten, der Entwicklung alles Irdischen dient: den Bäumen, ihren Früchten und Farben, den Gesteinen auf der Erde und all dem, was in der Welt der Schöpfung sich zeigt – ebenso rufen die göttlichen Sonnen durch ihre liebende Fürsorge und ihren erzieherischen Einfluss die Bäume göttlicher Einheit, die Früchte Seiner Einzigkeit, die Blätter der Loslösung, die Blüten der Erkenntnis und der Gewissheit und die Myrten der Weisheit und der Rede ins Dasein und machen sie offenbar. So geschieht es, dass durch den Aufgang dieser göttlichen Sonnen die Welt erneuert wird, die Wasser ewigen Lebens strömen, die Wogen göttlicher Gnade steigen, die Wolken der Barmherzigkeit sich sammeln und der Windhauch der Gnade über alle erschaffenen Dinge weht. Die Wärme, die diese Sonnen Gottes ausstrahlen, und die unauslöschlichen Feuer, die sie entfachen, lassen das Licht der Gottesliebe in den Herzen der Menschen mächtig entbrennen. Durch die Gnadenfülle dieser Urbilder der Loslösung wird der Geist ewigen Lebens in die Leiber der Toten gehaucht. Wahrlich, die sichtbare Sonne ist nur ein Zeichen des Glanzes jenes Tagesgestirns der Wahrheit, jener Sonne, für die nie ein Ebenbürtiger, ein Abbild oder einer, der sich mit ihr messen könnte, zu finden ist. Durch Ihn leben alle Dinge, durch Ihn werden sie bewegt und haben sie ihr Sein. Durch Seine Gnade sind sie offenbar gemacht, und zu Ihm kehren sie alle zurück. Ihm sind alle Dinge entsprungen, und alle haben sie in den Schatzkammern Seiner Offenbarung Zuflucht gefunden. Aus Ihm gingen alle erschaffenen Dinge hervor, und in die Verwahrungsorte Seines Gesetzes kehrten sie zurück.32Dass diese göttlichen Sonnen, wie ihr seht, gelegentlich auf besondere Bezeichnungen und Merkmale begrenzt erscheinen, ist einzig dem unvollkommenen, beschränkten Verständnis gewisser Geister zuzuschreiben. Im Gegenteil, sie waren zu allen Zeiten erhaben über alle Namen, mit denen man sie preist, und geheiligt über alle Attribute, die man ihnen zuschreibt, und werden dies in Ewigkeit sein. Die Quintessenz aller Namen darf niemals auf Zutritt zu ihrem Hof der Heiligkeit hoffen, und die höchsten und reinsten aller Attribute können sich nie ihrem Reiche der Herrlichkeit nähern. Unermesslich hoch erhaben stehen die Propheten Gottes über der Fassungskraft des Menschen, der sie nicht anders erkennen kann als durch sie selbst. Weit entfernt wäre es von Gottes Herrlichkeit, dass Seine Erwählten durch einen anderen erhöht werden sollten als durch ihre eigene Person. Verherrlicht sind sie über allen Lobpreis der Menschen. Erhaben sind sie über alles menschliche Begreifen.33In den Schriften der »unbefleckten Seelen« wurde das Wort »Sonnen« oftmals auf die Propheten Gottes, jene leuchtenden Sinnbilder der Loslösung, angewandt. Zu diesen Schriften gehört das Nudbih-Gebet
, dem Zwölften Imám zugeschrieben.
A, in dem die folgenden Worte stehen: »Wohin sind die strahlenden Sonnen gegangen? Wohin sind jene leuchtenden Monde, jene funkelnden Sterne entschwunden?«
Daher ist es offenkundig, dass die Worte »Sonne«, »Mond« und »Sterne« in erster Linie die Propheten Gottes bedeuten, die Heiligen und ihre Gefährten, jene Leuchten, die den Glanz ihrer Erkenntnis auf die Welt des Sichtbaren und des Unsichtbaren ergossen haben.34In einem anderen Sinne sind mit diesen Worten die Geistlichen früherer Sendungen gemeint, die in den Tagen der neuen Offenbarung leben und die Zügel der Religion des Volkes in Händen halten. Wenn diese Geistlichen durch das Licht der neuen Offenbarung erleuchtet sind, werden sie bei Gott gnädige Annahme finden und in ewigem Lichte leuchten. Andernfalls aber werden sie zu den Verfinsterten gerechnet, auch wenn sie äußerlich als Führer der Menschen erscheinen, da Glaube und Unglaube, Führung und Irrtum, Glück und Elend, Licht und Finsternis allesamt von der Billigung Dessen abhängen, der die Sonne der Wahrheit ist. Wem immer unter den Geistlichen eines Zeitalters am Tage des Gerichts die Bestätigung des Glaubens aus dem Quell wahrer Erkenntnis zuteilwird, der wird wahrlich zum Empfänger des Wissens, der göttlichen Gunst und des Lichtes wahren Begreifens. Andernfalls ist er gebrandmarkt durch Torheit, Verleugnung, Gotteslästerung und Unterdrückung.35Es leuchtet jedem scharfsinnigen Betrachter ein, dass so, wie das Sternenlicht vor dem Strahlenglanz der Sonne verblasst, auch die Leuchten irdischen Wissens, der Weisheit und der Erkenntnis zu nichts dahinschwinden, wenn sie Auge in Auge der Sonne der Wahrheit, dem Tagesgestirn göttlicher Erleuchtung, in seiner ganzen Herrlichkeit gegenübergestellt werden.36Dass der Begriff »Sonne« auf die Geistlichkeit angewandt wird, ist ihrem erhabenen Rang zuzuschreiben, ihrem Ruhm und Ansehen. Es sind überall und zu allen Zeiten die anerkannten Geistlichen, die, mit der Würde ihres Amtes bekleidet, mit Autorität sprechen und sich eines fest begründeten Rufes erfreuen. So sie Ebenbilder der Sonne der Wahrheit sind, werden sie wahrlich zu den erhabensten aller Leuchten gezählt, andernfalls sieht man in ihnen die Brennpunkte des Höllenfeuers. So spricht Er: »Wahrlich, Sonne und Mond sind beide zur Qual des Höllenfeuers verdammt.«vgl. Qur’án 55:5. [Der Vers wird unterschiedlich übersetzt, z.B.: »Sonne und Mond laufen nach Berechnung«; →Ḥusbán (›Rechnen‹, ›Berechnen‹) kann auch ›Pein‹, ›Strafe‹ bedeuten – Anm. d. Hrsg.].
Q Ich bin sicher, ihr versteht die Worte »Sonne« und »Mond« in diesem Vers, weshalb es nicht nötig ist, dabei zu verweilen. Und wer immer dieser »Sonne« und diesem »Mond« gleicht, das heißt, wer dem Beispiel dieser Führer folgt, wer sein Angesicht der Falschheit zuwendet und sich von der Wahrheit abkehrt, der ist gewisslich der höllischen Finsternis entstiegen und kehrt dahin zurück.37Wir sollten uns nun, o Sucher, fest an den ‘Urvatu’l-Vuthqásiehe Abs. 28, Anm. 40.A halten, so dass wir vielleicht die dunkle Nacht des Irrtums hinter uns lassen und uns dem Morgenlicht göttlicher Führung zuwenden. Sollten wir nicht die Fratze der Verneinung fliehen und im Schatten der Gewissheit Schutz suchen? Sollten wir uns nicht vom Schrecken der Höllennacht befreien und zum aufsteigenden Licht der himmlischen Schönheit eilen? Also schenken Wir dir Früchte vom Baume göttlicher Erkenntnis, auf dass du freudevoll beglückt im Riḍván göttlicher Weisheit wohnest.38In anderem Sinne sind mit den Begriffen »Sonne«, »Mond« und »Sterne« Gesetze und Lehren gemeint, wie sie in allen Sendungen eingeführt und verkündet wurden: so die Gesetze über Gebet und Fasten. Nachdem die Schönheit des Propheten Muḥammad hinter dem Schleier entschwunden war, wurden sie nach dem Gesetz des Qur’án als das fundamentale, unumstößliche Gesetz Seiner Sendung angesehen. Dies bezeugen die Texte der Traditionen und Chroniken, die allgemein bekannt sind und darum nicht angeführt zu werden brauchen. In jeder Sendung wird das Gesetz über das Gebet betont und allgemein zur Geltung gebracht. Dies bezeugen die aufgezeichneten Traditionen, die den Lichtstrahlen zugeschrieben werden, welche aus der Sonne der Wahrheit, dem Wesen des Propheten Muḥammad, hervorstrahlten.39Die Traditionen bestätigen demnach, dass in allen Sendungen das Gesetz des Gebetes ein Grundelement der Offenbarung der Propheten Gottes ist, ein Gesetz, dessen Form und Art jedoch den unterschiedlichen Erfordernissen der jeweiligen Zeit angepasst ist. Da nun jede neue Offenbarung die Sitten, Gebräuche und Lehren, die klar, fest umrissen und festgefügt in der früheren Sendung niedergelegt waren, aufgehoben hat, so ist dies sinnbildlich durch die Worte »Sonne« und »Mond« zum Ausdruck gebracht. »Dass Er euch prüfen möge, wer von euch durch seine Werke hervorrage.«Qur’án 67:2.
Q40Überdies werden in den Traditionen die Worte »Sonne« und »Mond« auf Fasten und Beten angewandt, wie ja gesagt ist: »Fasten ist Erleuchtung, Beten ist Licht.«
Eines Tages besuchte Uns ein bekannter Geistlicher. Im Laufe des Gespräches erwähnte er diese Überlieferung. Er sagte: »Weil das Fasten die Wärme des Leibes steigert, wird es mit dem Lichte der Sonne verglichen; und weil das Beten zur Nachtzeit den Menschen erfrischt, wird es mit dem Glanz des Mondes verglichen.« Wir erkannten daraus, dass der arme Mensch mit keinem einzigen Tropfen aus dem Meere wahrer Einsicht begnadet und weit von dem Feuerbusch göttlicher Weisheit abgeirrt war. So bemerkten Wir höflich: »Die Auslegung, die Euer Ehrwürden dieser Überlieferung gegeben haben, ist die im Volke übliche. Könnte es nicht noch eine ganz andere geben?« Er fragte: »Welche sollte dies sein?« Wir erwiderten: »Muḥammad, das Siegel der Propheten und der Vorzüglichste unter Gottes Erwählten, hat die Sendung des Qur’án wegen ihrer Erhabenheit, ihres überragenden Einflusses, ihrer Majestät und der Tatsache, dass sie alle Religionen umfasst, mit dem Himmel verglichen. Und da Sonne und Mond die hellsten Leuchten am Himmel sind, so wurden auch für den Himmel der Religion gleichsam zwei Leuchten verordnet: Fasten und Beten. ›Der Islám ist der Himmel, das Fasten seine Sonne, das Beten sein Mond.‹«41Dies ist der den symbolischen Worten der Manifestationen Gottes zugrundeliegende Sinn. Die Anwendung der Begriffe »Sonne« und »Mond« auf die schon erwähnten Gegenstände wird somit durch den Text der heiligen Verse und aufgezeichneten Überlieferungen bewiesen. Es leuchtet deshalb ein, dass durch die Worte: »…werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen«Mt. 24:29 – Anm. d. Hrsg.
Q die Verstocktheit der Geistlichen und die Aufhebung der durch die Offenbarung festbegründeten Gesetze bezeichnet werden soll. Dies alles ist in symbolischer Sprache von der Manifestation Gottes vorausgesagt. Nur die Gerechten sollen von diesem Kelche genießen, nur die Gottesfürchtigen können an ihm teilhaben. »Die Gerechten sollen von einem Kelche trinken, der an der Kampferquelle bereitet ward.«Qur’án 76:5.
Q42Ohne Frage haben jeweils in den aufeinanderfolgenden Offenbarungen »Sonne« und »Mond« der Lehren, Gesetze, Gebote und Verbote, die in der vorangegangenen Sendung galten und das Volk jener Zeit beschirmten, ihren Schein verloren, das heißt, sie haben sich erschöpft und ihre prägende Kraft allmählich verloren. Bedenke nun: Hätte das Volk des Evangeliums die Bedeutung der symbolischen Begriffe »Sonne« und »Mond« erkannt, hätte es, statt eigensinnig und verstockt zu sein, die Erleuchtung von Ihm, dem Offenbarer göttlicher Erkenntnis, gesucht, dann hätte es sicherlich den Sinn dieser Worte verstanden und wäre nicht von der Finsternis eigensüchtiger Wünsche befallen und verdunkelt worden. Fürwahr, weil sie säumten, dieses wahre Wissen aus seiner ursprünglichen Quelle zu erwerben, sind sie im gefahrvollen Tale des Eigensinns und des Unglaubens gescheitert. Noch heute sind sie nicht zu der Erkenntnis erwacht, dass alle geweissagten Zeichen offenbar geworden sind, dass die verheißene Sonne über den Horizont göttlicher Offenbarung aufgestiegen ist und dass die »Sonne« und der »Mond« der Lehren, der Gesetze und der Gelehrsamkeit einer früheren Sendung sich verfinstert haben und untergegangen sind.43Nun mache dich mit festem Blick und starken Flügeln auf den Weg der Gewissheit und der Wahrheit. »Sprich: Dies ist Gott. Alsdann überlasse sie ihren Spitzfindigkeiten.«Qur’án 6:91.
Q So wirst du zu jenen Gefährten zählen, von denen Er spricht: »Auf solche, welche sagen ›unser Herr ist Gott‹ und standhaft auf Seinem Pfade verharren, werden wahrlich die Engel herabsteigen.«Qur’án 41:30.
Q Dann wirst du alle diese Mysterien mit eigenen Augen erkennen.44O mein Bruder! Schreite aus mit dem Schritt des Geistes, dann vermagst du in einem Augenblick durch die Wildnis der Gottferne und Verlassenheit dahinzueilen, den Riḍván ewiger Vereinigung zu erreichen und in einem Atemzug in Gemeinschaft mit den himmlischen Wesen zu sein. Denn mit menschlichen Füßen kannst du niemals hoffen, diese unermesslichen Wegstrecken zu überwinden oder dein Ziel zu erreichen. Friede sei mit dem, den das Licht der Wahrheit in alle Wahrheit leitet und der im Namen Gottes auf dem Pfade Seiner Sache steht, am Ufer wahren Verstehens.45Dies ist die Bedeutung des heiligen Verses: »Nein, fürwahr! Ich schwöre bei dem Herrn der Osten und der Westen«Qur’án 70:40.
Q, dass eine jede dieser »Sonnen«, von denen Wir gesprochen haben, ihren besonderen Ort des Aufgangs und des Untergangs hat. Da die Kommentatoren des Qur’án den symbolischen Sinn dieser »Sonne« nicht erfassten, hatten sie große Mühe bei der Auslegung des genannten Verses. Einige von ihnen vertraten die Auffassung, die Worte »Osten« und »Westen« seien in die Mehrzahl gesetzt worden, weil die Sonne täglich an einem anderen Punkt aufgeht. Andere wieder schrieben, mit diesem Vers seien die vier Jahreszeiten gemeint, da ja die Aufgangs- und Untergangsorte der Sonne mit dem Wechsel der Jahreszeiten sich verändern. So flach ist ihr Verständnis! Gleichwohl unterstellen sie jenen Edelsteinen des Wissens, jenen feinsten und reinsten Sinnbildern der Weisheit, hartnäckig Irrtum und Torheit.46Nun bemühe dich ebenso, aus diesen klaren, kraftvollen, schlüssigen und unzweideutigen Erklärungen die Bedeutung der »Spaltung des Himmels« zu erfassen – eines der Zeichen, welche das Kommen der letzten Stunde, den Tag der Auferstehung ankündigen werden. So hat Er gesprochen: »Wenn der Himmel sich spaltet.«Qur’án 82:1.
Q »Himmel« ist hier der Himmel der göttlichen Offenbarung, welcher mit jeder Manifestation aufgerichtet und mit jeder folgenden wieder gespalten wird. »Gespalten« bedeutet, dass die vorangegangene Sendung nunmehr abgelöst ist. Ich schwöre bei Gott! Das Spalten dieses Himmels ist für den Verständigen eine größere Tat als das Spalten des sichtbaren Himmelsgewölbes. Denke eine Weile darüber nach: Eine göttliche Offenbarung, welche seit langem sicher begründet war, in deren Schatten die Gläubigen aufwuchsen und erzogen wurden, deren erleuchtete Gesetze Generationen in Zucht hielten, deren erhabenes Wort sie von ihren Vätern vernommen hatten, so dass das menschliche Auge nichts als das alles durchdringende Wirken ihrer Gnade geschaut und das sterbliche Ohr nichts als den erhabenen Widerhall ihrer Gebote gehört hatte – welches Geschehen ist gewaltiger, als wenn durch Gottes Macht eine solche Offenbarung mit dem Erscheinen einer einzigen Seele »gespalten« und aufgehoben wird? Bedenke, ist dies nicht ein gewaltigeres Geschehen als das, was diese elenden Toren sich unter der »Spaltung des Himmels« vorstellen?47Sieh außerdem die Trübsal und Bitternis im Leben dieser Offenbarer göttlicher Schönheit. Bedenke, wie sie so ganz allein der Welt und ihren Völkern gegenüberstanden, wenn sie Gottes Gesetz verkündeten! Wie hart auch die Verfolgungen waren, von denen diese heiligen, edlen und feinfühligen Seelen heimgesucht wurden, so blieben sie trotz der Fülle ihrer Macht geduldig; bei all ihrer Überlegenheit litten sie und harrten aus.48Versuche ebenso, den Sinn der »Wandlung der Erde« zu erfassen. Wisse, dass die Erde all der Herzen, auf welche die Güte freigebiger Regenschauer der Barmherzigkeit vom »Himmel« göttlicher Offenbarung niedergeht, sich wahrlich in die Erde göttlicher Erkenntnis und Weisheit verwandelt. Welche Myrten der Einheit hat der Blumengarten dieser Herzen sprießen lassen! Welche Blüten wahrer Erkenntnis und Weisheit hat ihr erleuchtetes Herz uns geschenkt! Wäre die Erde ihres Herzens nicht verwandelt worden, wie hätten dann solche Seelen, denen nicht ein Buchstabe gelehrt worden war, die keinen Lehrer gesehen hatten und in keine Schule gegangen waren, solche Worte verkünden und solche Erkenntnis an den Tag legen können, die niemand begreifen kann? Mich dünkt, sie sind aus dem Ton unendlichen Wissens gestaltet und mit dem Wasser göttlicher Weisheit geformt worden. Darum ist gesagt: »Wissen ist ein Licht, das Gott ins Herz wirft, wem Er will.« Diese Art Erkenntnis ist seit je zu rühmen, nicht aber das beschränkte Wissen, das einem verschleierten, umwölkten Denken entspringt; dieses beschränkte Wissen haben sie sogar heimlich voneinander geborgt, und vergebens brüsten sie sich damit.49Ach, dass doch die Menschenherzen von diesen allzu menschlichen Beschränkungen und dunklen Gedanken geläutert würden, die auf ihnen lasten! Vielleicht werden sie, vom Licht der Sonne wahrer Erkenntnis erleuchtet, die Mysterien göttlicher Weisheit erfassen! Überlege: Bliebe die dürre, unfruchtbare Erde dieser Herzen unverwandelt, wie könnten sie je zu Empfängern der Offenbarung der Gottesgeheimnisse werden, zu Offenbarern des göttlichen Wesens? Darum sprach Er: »Am Tage, da die Erde in eine andere Erde verwandelt wird …«Qur’án 14:48.
Q50Der Windhauch der Großmut des Königs der Schöpfung hat sogar die sichtbare Erde verwandelt – o würdet ihr doch über die Mysterien göttlicher Offenbarung in euren Herzen nachsinnen!51Und nun begreife den Sinn dieses Verses: »Die ganze Erde wird Ihm nur eine Handvoll sein am Tag der Auferstehung, und die Himmel werden zusammengerollt sein in Seiner Rechten. Preis sei Ihm! Und erhaben ist Er ob dem, was sie Ihm beigesellen.«Qur’án 39:67; [vgl. Abs. 24, Anm. 38].
Q Urteile gerecht: Hätten diese Verse den Sinn, den die Menschen ihnen beimessen, von welchem Nutzen, so muss man fragen, könnte dies für den Menschen sein? Überdies ist es offensichtlich, dass keine Hand, die Menschenaugen schauen können, so etwas vollbringen könnte, geschweige denn, dass dies der erhabenen Wesenheit des einen wahren Gottes zugeschrieben werden kann. Nein, dies anzunehmen, wäre reine Gotteslästerung und die völlige Entstellung der Wahrheit. Wenn du sagst, mit diesem Vers seien die Manifestationen Gottes gemeint, die am Tage des Gerichts aufgerufen würden, ein solches Werk zu vollbringen, so ist auch dies weit entfernt von der Wahrheit und wahrlich ohne Nutzen. Hingegen ist mit dem Worte »Erde« die Erde der Einsicht und Erkenntnis gemeint und mit »Himmel« die Himmel göttlicher Offenbarung. Bedenke sodann, wie die einstens ausgebreitete Erde der Erkenntnis und Einsicht im mächtigen Griff Seiner einen Hand zu einer Handvoll wurde und wie Er mit der anderen Hand in den Menschenherzen eine neue, hoch erhabene Erde ausgebreitet hat und damit die frischesten, lieblichsten Blumen und die mächtigsten, hochragenden Bäume aus der erleuchteten Brust des Menschen aufsprießen lässt.52Ebenso sinne darüber nach, wie die erhabenen Himmel der Religionen der Vergangenheit in der Rechten Seiner Macht aufgerollt wurden und wie die Himmel göttlicher Offenbarung auf Gottes Befehl erhöht und durch die Sonne, den Mond und die Sterne Seiner neuen, wundervollen Gebote geschmückt wurden. Das sind die Mysterien der Worte Gottes, die enthüllt und offenbar sind, damit du das Morgenlicht göttlicher Führung erkennst und die Lampe eitlen Wahns und leeren Trugs, des Zauderns und Zweifels mit der Kraft des Vertrauens und der Entsagung löschst, so dass in der innersten Kammer deines Herzens das neugeborene Licht göttlicher Erkenntnis und Gewissheit entzündet wird.53Wisse wahrlich, dass die auf die Offenbarer der heiligen Gottessache zurückgehenden symbolischen Begriffe und dunklen Andeutungen die Völker der Welt prüfen sollen, so dass so die Erde der reinen, erleuchteten Herzen geschieden werde vom vergänglichen, öden Boden. Seit unvordenklicher Zeit war dies der Weg Gottes inmitten Seiner Geschöpfe, wie dies die Berichte der heiligen Bücher bezeugen.
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