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22Diese Hinweise auf den zunehmenden Einfluss eines ungelehrten jungen Mannes auf den Gouverneur und die Bewohner einer Stadt, die zu Recht als eines der Bollwerke des shí‘itischen Islám galt, alarmierten die Geistlichkeit. Sie unterließen offene Feindseligkeiten, weil sie wohl wussten, dass dadurch ihre Absichten vereitelt würden; stattdessen schürten sie die wildesten Gerüchte, um den Großwesir des Sháhs zu bewegen, die Situation zu retten, die sich stündlich zuspitzte und immer bedrohlicher wurde. Die Beliebtheit, deren sich der Báb erfreute, Sein persönliches Ansehen und die Ehren, die Ihm Seine Landsleute erwiesen, hatten ihren Höhepunkt erreicht. Rasch begannen sich die Schatten des drohenden Verhängnisses um Ihn zu verdichten. In schneller Folge jagten sich nun die tragischen Ereignisse, die schließlich in Seinem Tod gipfeln sollten, mit dem der Einfluss Seines Glaubens scheinbar erlosch.23Der anmaßende und gerissene Ḥájí Mírzá Áqásí war aus Furcht, der Báb könnte mit seinem Einfluss auch seinen Landesherrn einwickeln und damit ihm selbst zum Verhängnis werden, aufgebracht wie nie zuvor. Getrieben von dem Verdacht, dass der Báb die heimliche Gunst des Mu‘tamid besitze, dem, wie er wusste, auch der Sháh vertraute, warf er dem Imám-Jum‘ih Vernachlässigung seiner heiligen Pflichten vor. Darüber hinaus überhäufte er die ‘Ulamá von Iṣfahán, die er bis dahin nicht beachtet hatte, in mehreren Briefen mit seinen Gefälligkeiten. Von den Kanzeln der Stadt begann eine aufgestachelte Geistlichkeit, ihre Schmähungen und Verleumdungen gegen den Urheber der in ihren Augen verhassten und gefürchteten Irrlehre zu schleudern. Der Sháh selbst wurde überredet, den Báb in die Hauptstadt zu beordern. Manúchihr Khán, der für Seine Abreise von Iṣfahán sorgen sollte, entschloss sich, Ihn vorübergehend in seinem eigenen Haus wohnen zu lassen. Unterdessen beriefen die Mujtahids und ‘Ulamá, bestürzt über die Anzeichen eines so durchdringenden Einflusses, eine Versammlung ein, bei der eine Schmähschrift verfasst und von den führenden Geistlichen der Stadt unterzeichnet und gesiegelt wurde, in der der Báb als Ketzer gebrandmarkt und zum Tod verurteilt wurde. Sogar der Imám-Jum‘ih wurde gezwungen, ein schriftliches Gutachten anzufügen, dass der Beschuldigte bar jeder Vernunft und Urteilskraft sei. Der Mu‘tamid war in großer Verlegenheit. Um die wachsende Erregung im Volk zu dämpfen, fasste er einen Plan: Die immer unruhiger werdende Bevölkerung sollte glauben, der Báb sei schon nach Ṭihrán abgereist. So konnte er Ihm einen kurzen Aufschub von vier Monaten in der Abgeschiedenheit des ‘Imárat-i-Khurshíd, dem Privatpalast des Gouverneurs in Iṣfahán, sichern. Während dieser Zeit äußerte der Gastgeber den Wunsch, seinen gesamten, von den Zeitgenossen auf mindestens vierzig Millionen Franc geschätzten Besitz der Förderung der Interessen des neuen Glaubens zu weihen, erklärte, er wolle Muḥammad Sháh bekehren, ihn dahin bringen, sich seines schändlichen und ruchlosen Ministers zu entledigen, und ihn um seine königliche Einwilligung zur Vermählung einer seiner Schwestern mit dem Báb bitten. Aber der plötzliche Tod des Mu‘tamids, den der Báb vorausgesagt hatte, beschleunigte den Eintritt der nahen Krise. Gurgín Khán, der skrupellose und habgierige Stellvertreter des Sháhs, veranlasste ihn, eine zweite Vorladung zu erlassen mit der Anweisung, den gefangenen jungen Mann verkleidet und von Reitern eskortiert nach Ṭihrán zu senden. Den schriftlichen Befehl des Herrschers führte der niederträchtige Gurgín Khán, der das Testament des Mu‘tamids, seines Onkels, inzwischen entdeckt, vernichtet und den Besitz an sich gerissen hatte, unverzüglich aus. Doch keine dreißig Meilen vor der Hauptstadt, in der Festung von Kinár-Gird, erhielt Muḥammad Big, der Anführer der Eskorte, durch einen Boten von Ḥájí Mírzá Áqásí den schriftlichen Befehl, nach Kulayn zu gehen und dort weitere Anweisungen abzuwarten. Kurz darauf folgte ein Brief, vom Sháh persönlich an den Báb gerichtet, mit der Datumsangabe Rabí‘u’th-Thání 1263 (19. März – 17. April 1847), der trotz höflicher Redewendungen ganz klar das Ausmaß des vergiftenden Einflusses aufzeigt, den der Großwesir auf den Herrscher hatte. Alle wohlmeinenden Pläne Manúchihr Kháns waren damit zunichte. Die Festung Máh-Kú im entlegensten Winkel des Nordwestens von Ádhirbáyján, nicht weit vom gleichnamigen Dorf entfernt, in dem die Bewohner lange unter dem Patronat des Großwesirs gestanden hatten, wurde vom Sháh auf Anraten des niederträchtigen Ministers zur Kerkerstätte für den Báb bestimmt. Lediglich ein einziger Gefährte und ein Diener aus Seinem Gefolge durften Ihm in dieser trostlosen, unwirtlichen Gegend Gesellschaft leisten. Unter dem Vorwand, ein neuerlicher Aufstand in Khurásán und eine Revolte in Kirmán erforderten jetzt alle Aufmerksamkeit seines Herrn, hatte der einflussreiche und durchtriebene Minister, einen Plan vereitelt, dessen Verwirklichung die schwerwiegendsten Auswirkungen für sein persönliches Geschick wie für das Schicksal der Regierung, des Herrschers und des Volkes gehabt hätte.Kapitel 2Die Gefangenschaft des Báb in Ádhirbáyján24Die Verbannung in den Bergen von Ádhirbáyján, die nicht weniger als drei Jahre währte, war die traurigste, dramatischste, in gewissem Sinn auch fruchtbarste Phase der sechsjährigen Amtszeit des Báb. Dazu gehören neun Monate strenger Festungshaft in Máh-Kú und anschließend Seine Einkerkerung in der Festung Chihríq, lediglich unterbrochen von einem kurzen, denkwürdigen Besuch in Tabríz. Die Zeit war gänzlich überschattet vom unerbittlichen und zunehmenden Hass der beiden mächtigsten Gegner des Glaubens: Ḥájí Mírzá Áqásí, der Großwesir von Muḥammad Sháh, und Amír Niẓám, der Großwesir Náṣiri’d-Dín Sháhs. Sie ist vergleichbar mit der kritischen Zeit in der Sendung Bahá’u’lláhs während Seines Exils in Adrianopel, als Er dem despotischen Sulṭán ‘Abdu’l-‘Azíz und seinen Ministern ‘Álí Páshá und Fu’ád Páshá gegenüber stand, und hat eine Entsprechung in den dunkelsten Tagen der Amtszeit ‘Abdu’l-Bahás im Heiligen Land unter der Gewaltherrschaft des Tyrannen ‘Abdu’l-Ḥamíd und des ebenso tyrannischen Jamál Páshá. Shíráz war der unvergessliche Schauplatz der historischen Verkündigung des Báb; Iṣfahán bot Ihm für kurze Zeit einen verhältnismäßig friedlichen und sicheren Zufluchtsort; Ádhirbáyján jedoch sollte zum Schauplatz Seines Leidens und Martyriums werden. Die letzten Jahre Seines irdischen Lebens werden in die Geschichte eingehen als die Zeit, in der die neue Sendung ihre volle Gestalt annahm, der Anspruch ihres Begründers in vollem Umfang und öffentlich geltend gemacht wurde, ihre Gesetze formuliert wurden, der Bund ihres Urhebers fest begründet wurde, ihre Unabhängigkeit verkündet wurde und das Heldentum ihrer Vorkämpfer in unsterblichem Glanz entbrannte. Zu den Ereignissen in diesen höchst dramatischen, schicksalsschweren Jahren gehört, dass Seinen Jüngern die Stufe des Báb in ihrer ganzen Bedeutung enthüllt und von Ihm selbst offiziell in der Hauptstadt Ádhirbáyjáns in Anwesenheit des Thronerben verkündigt wurde; dass der Persische Bayán, in dem die vom Báb erlassenen Gesetze niedergelegt sind, offenbart wurde; dass Zeitpunkt und Art der Sendung »Dessen, den Gott offenbaren wird« vgl. Báb, Bayán-i-Fársí 6:16, 4:18, 3:12, 3:13, 2:6, 5:8 u. a., in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 3:12:1, 3:16:1, 3:28:1, 3:29:1, 3:30:1, 3:32:1, u. a – Anm. d. Hrsg.
Q unmissverständlich festgelegt wurden, die Aufhebung der alten Ordnung auf der Konferenz von Badasht verkündet wurde und der dreifache Großbrand von Mázindarán, Nayríz und Zanján entfacht wurde.25Dennoch bildete sich der törichte und kurzsichtige Ḥájí Mírzá Áqásí ein, er hätte mit der Vereitelung des Planes des Báb, den Sháh in der Hauptstadt persönlich zu treffen, und durch Dessen Verbannung in den hintersten Winkel des Reiches die Bewegung im Keim erstickt und er würde bald endgültig über ihren Stifter triumphieren. Es kam ihm nicht in den Sinn, dass gerade die Isolation, die er seinem Gefangenen aufzwang, den Báb in die Lage versetzte, das System zu entwickeln, das den Wesenskern Seines Glaubens verkörpern sollte, und Ihm die Gelegenheit bot, diesen vor Auflösung und Spaltung zu bewahren und Seine Sendung in aller Form und uneingeschränkt zu verkünden. Es kam ihm auch nicht in den Sinn, dass gerade diese Gefangenschaft die begeisterten Jünger und Gefährten des Häftlings dazu bewegen würde, die Fesseln der veralteten Theologie abzuwerfen und Ereignisse auszulösen, die bei ihnen so viel Tapferkeit, Mut und Selbstaufgabe hervorriefen, wie sie in der Geschichte des Landes ohne Beispiel sind. Und es kam ihm nicht in den Sinn, dass er sich gerade durch sein Handeln zum Erfüllungsgehilfen der verbürgten Tradition machte, die dem Propheten des Islám zugeschrieben wird und die sich auf die Unabwendbarkeit dessen bezieht, was in Ádhirbáyján geschehen sollte. Er hatte nichts gelernt aus dem Beispiel des Gouverneurs von Shíráz, der bei der ersten Probe von Gottes rächendem Zorn voll Angst und Zittern schändlich floh und die Kontrolle über seinen Gefangenen lockerte. Der Großwesir von Muḥammad Sháh wiederum zog durch seine Anordnungen empfindliche und unausweichliche Rückschläge an und bereitete dadurch seinen endgültigen Untergang vor.26Seine Befehle an ‘Alí Khán, den Festungskommandanten von Máh-Kú, waren strikt und eindeutig. Die Tage auf Seiner Reise zur Festung, die der Báb in Tabríz verbrachte, waren von einer so großen Aufregung im Volk gekennzeichnet dass Ihn mit Ausnahme einiger weniger Personen weder die Bevölkerung noch Seine Anhänger besuchen durften. Als Ihn seine Eskorte durch die Straßen der Stadt führte, erscholl von allen Seiten der Ruf »Alláh-u-Akbar«. Der Tumult schwoll dermaßen an, dass der Stadtausrufer die Einwohner warnen musste, dass jeder, der versuche den Báb zu treffen, verhaftet und sein gesamter Besitz beschlagnahmt werde. In Máh-Kú angekommen, das der Báb Jabal-i-Básiṭder Offene Berg.A nannte, durfte Er in den ersten beiden Wochen mit Ausnahme Seines Sekretärs Siyyid Ḥusayn und dessen Bruder keinen Besuch empfangen. So unerträglich war Seine missliche Lage in der Festung, dass Er im Persischen Bayán schreibt, Er habe in der Nacht nicht einmal eine Lampe und in Seiner einsamen Kammer aus luftgetrockneten Ziegeln gebe es nicht einmal eine Tür; und in Seinem Schreiben an Muḥammad Sháh klagt Er, dass die Mitbewohner in der Festung auf zwei Wächter und vier Hunde beschränkt seien.27Isoliert in den Bergen einer abgelegenen und gefährlichen Grenzregion nahe dem osmanischen und dem russischen Reich, gefangen in den massiven Mauern einer viertürmigen Festung, getrennt von Seiner Familie, Seinen Verwandten und Seinen Jüngern, gezwungen, in der Nähe einer fanatischen und aufgewühlten Gemeinde zu leben, die sich nach Herkunft, Tradition, Sprache und Glaubensüberzeugungen von der großen Mehrheit der Bewohner Persiens unterschied, und bewacht von der Bevölkerung eines Distrikts, den der Großwesir, der dort geboren war, in seiner Verwaltung besonders begünstigte, schien der Gefangene von Máh-Kú in den Augen Seines Feindes dazu verdammt zu sein, in der Blüte Seiner Jugend dahinzusiechen und binnen kurzem Zeuge der Vernichtung all seiner Hoffnungen zu werden. Doch sollte der Feind bald merken, wie gründlich er sich getäuscht hatte – sowohl in seinem Gefangenen, als auch in denen, die er bis dahin mit seiner Gunst überschüttet hatte. Die aufsässige, stolze und unvernünftige Bevölkerung wurde durch die Sanftmut des Báb allmählich gezähmt, wurde durch seine Bescheidenheit gezügelt, wurde aufgebaut durch Seinen Rat und unterwiesen durch Seine Weisheit. Die Menschen waren so hingerissen von ihrer Liebe zu Ihm, dass sie trotz des Protests des tyrannischen ‘Alí Khán und trotz der wiederholten Androhung von Disziplinarmaßnahmen aus Ṭihrán jeden Morgen als erstes einen Platz aufsuchten, von dem aus sie einen flüchtigen Blick auf Sein Gesicht erhaschen und aus der Ferne Seinen Segen für ihr Tagewerk erbitten konnten. Wenn Zwistigkeiten unter ihnen entstanden, pflegten sie an den Fuß der Festung zu eilen, wo sie die Augen auf Seinen Aufenthaltsort richteten, Seinen Namen anriefen und sich gegenseitig beschworen, die Wahrheit zu sagen. Unter dem Einfluss einer befremdlichen Vision fühlte ‘Alí Khán so eine Demütigung, dass er dazu bewogen wurde, als Sühne für sein bisheriges Verhalten die strengen Maßnahmen zu lockern. Er übte solche Nachsicht, dass ein wachsender Strom sehnsüchtiger und ergebener Pilger in die Festung gelassen wurde. Unter ihnen befand sich auch der furchtlose und unermüdliche Mullá Ḥusayn, der den ganzen Weg von Mashhad in Ostpersien bis nach Máh-Kú, dem westlichsten Vorposten des Reiches, zu Fuß zurückgelegt hatte, und dem es nun nach der anstrengenden Reise vergönnt war, das Naw-Rúz-Fest1848.A mit seinem Geliebten zu feiern.28Indessen meldeten Geheimagenten, die mit der Überwachung ‘Alí Kháns beauftragt waren, Ḥájí Mírzá Áqásí, welche Wendung die Ereignisse zu nehmen begannen. Daraufhin beschloss dieser, den Báb sogleichUm den 10. April 1848.A in die Festung Chihríq zu verlegen, vom Báb Jabal-i-Shadídder kummervolle Berg.A genannt. Dort wurde Er Yaḥyá Khán, einem Schwager Muḥammad Sháhs, in Gewahrsam gegeben, der Ihn zunächst äußerst streng behandelte, schließlich aber der Faszination seines Gefangenen erlag. Auch die im Dorf Chihríq lebenden Kurden, deren Hass auf die Shí‘iten den der Bewohner von Máh-Kú noch übertraf, konnten der bezwingenden Kraft des Gefangenen nicht widerstehen. Auch sie konnte man jeden Morgen, ehe sie an ihr Tagewerk gingen, zur Festung kommen und sich in Anbetung vor dem heiligen Insassen niederwerfen sehen. Ein europäischer Augenzeuge schreibt in seinen Erinnerungen über den Báb: »So stark war der Zustrom von Menschen, dass der Hof nicht groß genug war, um alle Zuhörer zu fassen. Die meisten mussten draußen auf der Straße bleiben, wo sie hingerissen den Versen des neuen Qur’án lauschten.«Mochenin, zitiert in: Moojan Momen, The Bábí and Bahá’í Religions, 1844–1944, Some Contemporary Western Accounts, S. 75 – Anm. d. Hrsg.
Q29Das Getümmel in Chihríq stellte selbst die in Máh-Kú erlebten Szenen in den Schatten. Siyyids mit herausragenden Verdiensten, angesehene ‘Ulamá und selbst Regierungsbeamte setzten sich rasch und mutig für die Sache des Gefangenen ein. Die Bekehrung des enthusiastischen und berühmten Mírzá Asadu’lláh, genannt Dayyán, ein namhafter Beamter und eine literarische Autorität, dem der Báb »verborgenes und bewahrtes Wissen«
schenkte und den Er als »Aufbewahrungsort des Glaubens an den einen wahren Gott«Bahá’u’lláh, in: Brief an den Sohn des Wolfes 253, S. 149 – Anm. d. Hrsg.
Q pries, sowie die Ankunft eines Derwischs, eines ehemaligen Navvábs aus Indien, der in einer Vision vom Báb aufgefordert worden war, allem Wohlstand und Besitz zu entsagen, sich aufzumachen und zu Fuß zu Ihm nach Ádhirbáyján zu eilen, brachten die Lage zur Entscheidung. Berichte über diese aufsehenerregenden Ereignisse gelangten nach Tabríz, wurden von dort nach Ṭihrán weitergeleitet und zwangen Ḥájí Mírzá Áqásí erneut zum Eingreifen. Dayyáns Vater, ein enger Freund dieses Ministers, hatte ihm gegenüber bereits seine tiefe Besorgnis ausgedrückt über die Art und Weise, wie fähige Staatsbeamte für den neuen Glauben gewonnen würden. Um die wachsende Erregung zu beschwichtigen, beorderte man den Báb nach Tabríz. Die Wachen, denen Er überantwortet war, beschlossen aus Angst vor der Begeisterung der Ádhirbáyjáner, vom vorgesehenen Weg abzuweichen. Sie vermieden die Stadt Khuy und reisten stattdessen über Urúmíyyih. In dieser Stadt wurde Er bei der Ankunft vom Fürsten Malik Qásim Mírzá feierlich empfangen und man sah den Fürsten sogar eines Freitags, als sein Gast zum öffentlichen Bad ritt, zu Fuß neben Ihm hergehen, während sich sein Gefolge bemühte, die Menschen zurückzuhalten, die sich in überströmender Begeisterung herzudrängten, um einen Blick auf den außergewöhnlichen Gefangenen zu erhaschen. Tabríz wiederum brodelte über vor wilder Erregung und begrüßte freudig Seine Ankunft. Die leidenschaftliche Begeisterung im Volk war so groß, dass man dem Báb einen Platz außerhalb des Stadttores anwies. Doch auch das konnte die vorherrschenden Gefühle nicht besänftigen. Alle Vorkehrungen, Warnungen und Restriktionen verschärften nur die ohnehin schon kritische Lage. Zu diesem Zeitpunkt erließ der Großwesir seinen historischen Befehl an die geistlichen Würdenträger von Tabríz, sofort eine Versammlung einzuberufen, um die wirksamsten Maßnahmen zu beraten, wie die Flammen dieses alles verschlingenden Feuers auf Dauer gelöscht werden könnten.30Die Begleitumstände des Verhörs, dem sich der Báb in der Folge unterziehen musste, gehören wohl zu den wichtigsten Marksteinen Seiner dramatischen Laufbahn. Die erklärte Absicht der Versammlung war, Maßnahmen zur Ausrottung Seiner sogenannten Ketzerei zu beraten und den Gefangenen vor Gericht zu stellen. Stattdessen bot sie ihm die beste Gelegenheit Seiner Amtszeit, den Anspruch Seiner Offenbarung öffentlich, in aller Form und ohne jeden Vorbehalt geltend zu machen. Am Amtssitz und in Anwesenheit des Gouverneurs von Ádhirbáyján – dem damaligen Thronfolger Náṣiri’d-Dín Mírzá – waren die geistlichen Würdenträgern von Tabríz versammelt, ferner die Führer der Shaykhí-Gemeinde, der Shaykhu’l-Islám, der Imám-Jum‘ih sowie der Gouverneur selbst. Den Vorsitz führte der Niẓámu’l-‘Ulamá Ḥájí Mullá Maḥmúd, der Erzieher des Prinzen. Der Báb setzte sich auf den für den Valí-‘Ahd, den Kronprinzen, vorgesehenen Ehrenplatz und mit klangvoller Stimme gab Er Seine berühmte Antwort auf die Frage des Vorsitzenden und rief: »Ich bin, Ich bin, Ich bin der Verheißene! Ich bin Der, Dessen Namen ihr seit tausend Jahren anruft, bei Dessen Erwähnung ihr euch erhebt, Dessen Kommen zu erleben ihr ersehnt und Dessen Offenbarung Stunde ihr Gott anfleht zu beschleunigen. Wahrlich, Ich sage euch, es obliegt den Völkern des Ostens wie des Westens, Meinem Wort zu gehorchen und Mir Treue zu geloben.«Báb, berichtet in: Muḥammad-i-Zarandí, Nabíls Bericht 18:9, Bd. 2, S. 344 – neu übersetzt – Anm. d. Hrsg.
Q31Von Ehrfurcht ergriffen ließen die Anwesenden in stummer Bestürzung vorübergehend die Köpfe sinken. Dann nahm Mullá Muḥammad-i-Mamaqání, dieser einäugige, weißbärtige Überläufer, seinen Mut zusammen und schalt Ihn mit seiner typischen Unverschämtheit einen perversen und verachtenswerten Anhänger des Satans, worauf der unerschrockene junge Mann erwiderte, Er bleibe bei dem, was Er bereits gesagt habe. Auf die anschließende Frage des Niẓámu’l-‘Ulamá versicherte der Báb, Seine Worte seien der unwiderlegliche Beweis für Seine Sendung. Er führte Verse aus dem Qur’án an, um die Wahrheit Seiner Aussage zu belegen, und betonte, dass er innerhalb von zwei Tagen und zwei Nächten Verse im Umfang des ganzen Qur’áns offenbaren könne. Als ein Anwesender kritisierte, Er habe gegen die Regeln der Grammatik verstoßen, zitierte Er einige Stellen aus dem Qur’án, die seine Beweisführung untermauerten. Als Ihm einer der Anwesenden eine belanglose und unsachliche Bemerkung hinwarf, wies er sie würdevoll und entschlossen zurück und hob dann kurzerhand die Sitzung auf, indem Er aufstand und den Raum verließ. Daraufhin löste sich die Versammlung auf. Die Teilnehmer gingen verwirrt und zerstritten auseinander, bitter verärgert und gedemütigt durch das Scheitern ihrer Pläne. Es war ihnen keineswegs gelungen, den Geist des Gefangenen einzuschüchtern oder Ihn gar zum Widerruf oder zur Aufgabe Seiner Sendung zu bewegen. Nach vielem Hin und Her war das einzige Ergebnis der Versammlung der Beschluss, die Bastonade über Ihn zu verhängen, die der herzlose und habgierige Mírzá ‘Alí-Aṣghar, der Shaykhu’l-Islám der Stadt, in seinem Bethaus selbst vollzog. Ḥájí Mírzá Áqásí, dessen Plan durchkreuzt war, sah sich gezwungen, den Báb nach Chihríq zurückbringen zu lassen.32Die dramatische, uneingeschränkte und offizielle Verkündigung der prophetischen Sendung des Báb war nicht die einzige Folge der törichten Maßnahme, die den Urheber einer so bedeutenden Offenbarung zu einer dreijährigen Haft im Bergland von Ádhirbáyján verdammte. Die Zeit der Gefangenschaft in einem entlegenen Winkel des Reiches, weit ab von den Sturmzentren Shíráz, Iṣfahán und Ṭihrán, gab Ihm auch die nötige Muße, sich Seinem gewaltigen Werk zu widmen und sich darüber hinaus mit anderen, ergänzenden Schriften zu befassen, die dazu dienten, den vollen Umfang und die ganze Kraft Seiner kurzen, aber höchst bedeutsamen Sendung zu entfalten. Seine Offenbarung ist sowohl hinsichtlich des Umfangs der Schriften, die Seiner Feder entströmten, als auch der Vielfalt der behandelten Themen ohnegleichen in den Annalen aller früheren Religionen. Er selbst bestätigte während Seiner Gefangenschaft in Máh-Kú, dass der Umfang Seiner Schriften zu unterschiedlichsten Themen bis dahin mehr als fünfhunderttausend Verse betrug. »Die Verse aber, die aus dieser Wolke göttlicher Gnade geströmt sind«
, bezeugt Bahá’u’lláh im Kitáb-i-Íqán, »waren so überreich, dass noch niemand imstande war, ihre Zahl zu schätzen. Wohl zwanzig Bände sind jetzt zur Hand. Doch wie viele bleiben uns noch unerreichbar! Wie viele sind geraubt worden und in die Hände des Feindes gefallen und niemand kennt ihr Schicksal.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 240 – Anm. d. Hrsg.
Q Nicht weniger fesselnd ist die Vielfalt der Themen, die dieses umfangreiche Werk behandelt: Gebete, Predigten, Ansprachen, Besuchstafeln, wissenschaftliche Abhandlungen, theologische Erörterungen, Ermahnungen, Kommentare zum Qur’án und zu verschiedenen Traditionen, Briefe an die höchsten religiösen und kirchlichen Würdenträger des Reiches, Gesetze und Gebote zur Festigung Seines Glaubens und zur Ausrichtung seines Wirkens.33Bereits in Shíráz, im allerersten Abschnitt seiner Amtszeit, hatte Er ein Buch offenbart, das Bahá’u’lláh das »erste, größte und mächtigste aller Bücher«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 258 – Anm. d. Hrsg.
Q der Bábí-Sendung nennt, den berühmten Kommentar zur Súrah Yúsif mit dem Titel Qayyúmu’l-Asmá’. Sein Hauptzweck war, vorherzusagen, was der wahre YúsifBahá’u’lláh [Bezugnahme auf die Geschichte von Joseph in der Bibel und im Qur’án – Anm. d. Hrsg.].A in der nachfolgenden Sendung von der Hand eines Mannes erdulden werde, der Sein leiblicher Bruder und zugleich Sein Erzfeind war. Dieses Werk von über neuntausenddreihundert Versen, unterteilt in hundertelf Kapitel, jedes dieser Kapitel ein Kommentar zu einem Vers der genannten Súrah, beginnt mit dem Weckruf des Báb und mit düsteren Warnungen an die »Schar der Könige und Königssöhne«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’, Kap. 1, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 2:1:2 – Anm. d. Hrsg.
Q; es prophezeit den Untergang Muḥammad Sháhs; befiehlt dem Großwesir Ḥájí Mírzá Áqásí seinem Amt zu entsagen; tadelt die gesamte muslimische Geistlichkeit; warnt insbesondere die Mitglieder der Shí‘ah-Gemeinde; preist die Tugenden Bahá’u’lláhs, als »Den von Gott Bewahrten«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’, Kap. 9, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 2:9:1 – Anm. d. Hrsg.
Q, den »Größten Meister«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’.
Q, dessen Kommen es verheißt und verkündet in unmissverständlicher Sprache die Unabhängigkeit und die Allgemeingültigkeit der Bábí-Offenbarung, enthüllt ihre Bedeutung und beteuert den unausweichlichen Triumph ihres Stifters. Ferner weist es die »Völker des Westens«
an, »aus ihren Städten hervorzukommen und der Sache Gottes beizustehen«vgl. Báb, Qayyúmu’l-Asmá’, Kap. 46, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 2:24:1 – Anm. d. Hrsg.
Q, warnt die Völker der Erde vor der »schrecklichen, der höchst schmerzhaften Vergeltung Gottes«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’, Kap. 53, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 2:53:2 – Anm. d. Hrsg.
Q, droht der gesamten islámischen Welt das »Größte Feuer«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’, Kap. 62, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 2:32:1 – Anm. d. Hrsg.
Q an, falls sie sich vom neu offenbarten Gesetz abwendet, sagt den Märtyrertod ihres Stifters voraus und rühmt die für das Volk Bahás vorherbestimmte hohe Stufe – es nennt sie die »Gefährten der tiefroten Rubinarche«vgl. Báb, Qayyúmu’l-Asmá’, Kap. 57, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 2:27:3 – Anm. d. Hrsg.
Q. Es prophezeit einigen der größten Sternen am Himmel der Bábí-Sendung das Verblassen und ihr völliges Verlöschen und sagt den Usurpatoren des Imámats, die »im Lande des Euphrat gegen ḤusaynImám Ḥusayn.A Krieg führten«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’, Kap. 12, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 2:47:2 – Anm. d. Hrsg.
Q, »schmerzliche Qual«
zur »Stunde Unserer Wiederkehr«
und in der »künftigen Welt«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’, Kap. 21, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 2:12:1 – Anm. d. Hrsg.
Q voraus.34Dieses Buch betrachteten die Bábí während des weitaus größten Teils der Amtszeit des Báb allgemein als den Qur’án des Volkes des Bayán. Sein erstes, herausforderndstes Kapitel wurde von seinem Verfasser in der Nacht Seiner Verkündigung im Beisein Mullá Ḥusayns offenbart und dieser Jünger überbrachte Bahá’u’lláh einige Seiten, als erste Frucht einer Offenbarung, die sofort Dessen begeisterte Zustimmung fand. Der vollständige Text wurde von der genialen und begabten Ṭáhirih ins Persische übersetzt. Sein Inhalt entfachte die Feindschaft Ḥusayn Kháns und löste den ersten Ausbruch der Verfolgungen in Shíráz aus. Eine einzige Seite daraus vermochte Ḥujjats Geist zu fesseln und seine Seele zu entzücken und sein Inhalt entflammte die unerschrockenen Verteidiger der Feste von Shaykh Ṭabarsí und die Helden von Nayríz und von Zanján.35Nach diesem wertvollen Werk von so weitreichendem Einfluss offenbarte der Báb Seinen ersten Sendbrief an Muḥammad Sháh, die Sendschreiben an Sulṭán ‘Abdu’l-Majíd und an Najíb Páshá, den Válí von Baghdád, sowie das Ṣaḥífiy-i-Baynu’l-Ḥaramayn. Letzteres wurde vom Báb zwischen Mekka und Medina offenbart und war eine Antwort auf einige Fragen von Mírzá Muḥíṭ-i-Kirmání. Ferner den Sendbrief an den Sharífen von Mekka; das siebenhundert Suren umfassende Kitábu’r-Rúḥ; die Schrift Khaṣá’il-i-Sab‘ih, die den geänderten Wortlaut des Adhán verbindlich machte; das Werk Risáliy-i-Furú‘-i-‘Adlíyyih, das Mullá Muḥammad-Taqíy-i-Harátí ins Persische übertrug; den Kommentar über die Súrah Kawthar, der in Vaḥíds Seele eine so starke Wandlung bewirkte; den im Hause des Imám-Jum‘ih von Iṣfahán entstandenen Kommentar zur Súrah V’al-‘Aṣr; die auf Manúchihr Kháns Ersuchen geschriebene Abhandlung über die besondere Sendung Muḥammads; das zweite Sendschreiben an Muḥammad Sháh mit der dringenden Bitte um eine Audienz, in der Er ihm die Wahrheit der neuen Offenbarung darlegen und seine Zweifel zerstreuen wollte; und schließlich die Briefe, die Er vom Dorf Síyáh-Dihán aus an die ‘Ulamá von Qazvín schickte, sowie an Ḥájí Mírzá Áqásí, den Er nach dem Grund für die plötzliche Änderung seines Entschlusses fragte.36Der Großteil der Schriften, die dem überaus produktiven Geist des Báb entsprangen, entstand jedoch während Seiner Haftzeit in Máh-Kú und Chihríq. In dieser Zeit entstanden vermutlich die zahllosen Sendschreiben, die der Báb – und das bezeugt kein Geringerer als Bahá’u’lláh – ausdrücklich an die Geistlichen in allen persischen Städten sowie an die Bewohner von Najaf und Karbilá schrieb, in denen Er ausführlich die Irrtümer und Verfehlungen darlegte, die ein jeder begangen hatte. Laut Shaykh Ḥasan-i-Zunúzí, der in diesen neun Monaten die Verse abschrieb, die der Báb Seinem Sekretär diktierte, offenbarte der Báb während Seiner Haft in der Festung von Máh-Kú nicht weniger als neun Kommentare zum gesamten Qur’án. Leider ist über das Schicksal dieser Kommentare nichts bekannt. Über einen von ihnen sagt der Verfasser selbst, dass er in mancher Hinsicht sogar den zu Recht berühmten Qayyúmu’l-Asmá’ übertreffe.37In denselben Festungsmauern wurde auch der BayánDarlegung.A offenbart, dieser großartige Verwahrungsort der Gesetze und Gebote der neuen Sendung, die kostbare Fundstätte der meisten Hinweise und Würdigungen, aber auch Ermahnungen des Báb hinsichtlich »Dessen, den Gott offenbaren wird«49. Das etwa achttausend Verse umfassende, im Mittelpunkt der Bábí-Literatur stehende Buch, nicht zu verwechseln mit dem im gleichen Zeitabschnitt offenbarten kleineren, weniger bedeutsamen Arabischen Bayán, ist unvergleichlich unter den Lehrwerken des Stifters der Bábí-Sendung. Es besteht aus neun VáḥidenEinheiten.A zu je neunzehn – beim letzten Váḥid nur zehn – Kapiteln. Glücklicherweise blieb es völlig frei von Einschüben und Verfälschungen, denen so manches kleinere Werk des Báb zum Opfer fiel, und es muss vor allem als Lobrede auf den Verheißenen betrachtet werden und nicht so sehr als Buch mit Gesetzen und Riten zur fortwährenden Führung künftiger Geschlechter. Es erfüllt die Verheißung Muḥammads, dass »ein junger Mann aus den Baní-Háshim … ein neues Buch enthüllen und ein neues Gesetz verkünden«Ḥadíth, aufgezeichnet in: ‘Aválim, zitiert in: Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 270 – Anm. d. Hrsg.
Q werde. Das Buch hebt die Gesetze und Riten, die der Qur’án bezüglich Gebet, Fasten, Ehe, Scheidung und Erbrecht vorschreibt, auf und bestätigt zugleich voll und ganz den Glauben an die prophetische Sendung Muḥammads, so wie vor dem Báb der Prophet des Islám die Verordnungen des Evangeliums aufhob und zugleich den göttlichen Ursprung des Glaubens Jesu Christi anerkannte. Ferner erläutert es meisterhaft die Bedeutung bestimmter in den heiligen Büchern früherer Sendungen häufig vorkommender Begriffe wie Paradies, Hölle, Tod, Auferstehung, Wiederkunft, die Waage, die Stunde, das Jüngste Gericht und dergleichen. Ausgesprochen streng in den Regeln und Riten, die es einführt, umwälzend in seinen Prinzipien, die darauf ausgelegt sind, Geistlichkeit und Volk aus jahrhundertelanger Lethargie aufzurütteln und den abgenutzten, korrupten Institutionen einen raschen Todesstoß zu versetzen, verkündet es mit seinen rigorosen Bestimmungen das Kommen des verheißenen Tages, des Tages, da »der Bote … zu einem ernsten Werk laden wird«Qur’án 54:6, zitert in: Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 267 – Anm. d. Hrsg.
Q, da Er alles »zerstören wird, was vor Ihm war, so wie der Bote Gottes die Wege derer zerstört hat, die vor Ihm waren«Abú-‘Abdu’lláh, zitiert in: Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 269 – Anm. d. Hrsg.
Q.38In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass sich im dritten Váḥid des Buches eine Stelle findet, die durchaus als eine der bedeutsamsten Aussagen im gesamten Schrifttum des Báb gewertet werden kann, weil sie ausdrücklich auf den Namen des Verheißenen hinweist und die Ordnung vorwegnimmt, die eine spätere Epoche mit Seiner Offenbarung gleichsetzen sollte. »Wohl dem«
, so Seine prophetische Ansage, »der seinen Blick auf die Ordnung Bahá’u’lláhs lenkt und seinem Herrn dankt! Denn Er wird sicherlich offenbar werden. Gott hat es wahrlich unwiderruflich im Bayán verordnet.«Báb, Bayán-i-Fársí, auch zitiert von Shoghi Effendi, in: Die Weltordnung Bahá’u’lláhs 6:100, S. 210 – Anm. d. Hrsg.
Q Zwanzig Jahre später verwendete der Stifter der hier angekündigten Offenbarung im Kitáb-i-Aqdas denselben Begriff und setzte dadurch diese Ordnung mit dem dort vorgestellten System gleich, wobei Er darauf hinwies, dass »diese Größte Ordnung«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:181, 4:2:6.8 – Anm. d. Hrsg.
Q das Gleichgewicht der Welt gestört und das geregelte Leben der Menschheit von Grund auf umgestaltet hat. In einem späteren Entwicklungsstadium des Glaubens umriss der Mittelpunkt des Bundes Bahá’u’lláhs und berufene Ausleger Seiner Lehren die wesentlichen Merkmale dieser Ordnung in den Bestimmungen Seines Testaments. Diese Ordnung ist es auch, deren Überbau nun im Gestaltenden Zeitalter des Glaubens durch die Sachwalter des Bundes und die gewählten Repräsentanten der weltweiten Bahá’í-Gemeinde mit Fleiß und vereinten Kräften errichtet wird. In der Fülle der Zeit wird schließlich das Goldene Zeitalter dieser Sendung den Überbau gerade dieser Ordnung erleben, die mit dem Entstehen der Bahá’í-Weltgemeinschaft ihre vollendete Gestalt erreicht: das Königreich Gottes auf Erden.39Der Báb war noch in Máh-Kú, als Er das ausführlichste und aufschlussreichste Seiner Sendschreiben an Muḥammad Sháh schrieb. Seine Einleitung ist ein Lobpreis auf die Einheit Gottes, auf Seine Boten und auf die zwölf Imáme; unmissverständlich legt es die Göttlichkeit seines Verfassers und die übernatürliche Macht Seiner Offenbarung dar und stützt diesen kühnen Anspruch mit präzisen Zitaten von Versen und Traditionen; über einige Beamte und Vertreter der Regierung des Sháhs fällt es ein hartes Urteil, besonders über den »verruchten und verfluchten«Báb, Brief an Muḥammad Sháh, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 1:4:10 – Anm. d. Hrsg.
Q Ḥusayn Khán; und in bewegenden Worten schildert es die Demütigungen und Härten, denen der Verfasser unterworfen ist. Damit erinnert dieses historische Dokument in vielen Zügen an das Lawḥ-i-Sulṭán – das Sendschreiben, das Bahá’u’lláh unter ähnlichen Umständen aus der Gefängnisfeste ‘Akká an Náṣiri’d-Dín Sháh schrieb; es ist Sein längstes Schreiben an einen einzelnen Herrscher.40Auch das bedeutendste unter den polemischen Sendschreiben des Báb, das Dalá’il-i-Sab‘ih, die Sieben Beweise, wurde zur selben Zeit offenbart. Es ist außerordentlich klar, bewundernswert genau, originell in der Konzeption und unwiderlegbar in seiner Beweisführung; es führt viele verschiedene Beweise Seiner Sendung an und ist vor allem bemerkenswert wegen der Vorwürfe an die »sieben mächtigen Herrscher, die die Welt regieren«Báb, Dalá’il-i-Sab‘ih, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 4:2:1 – Anm. d. Hrsg.
Q an Seinem Tage und wegen der Art, wie es die Verantwortung der christlichen Geistlichen einer vergangenen Zeit unterstreicht und ihr Verhalten tadelt, denn hätten sie, erklärt der Báb, die Wahrheit der Sendung Muḥammads anerkannt, so wäre ihnen die Masse ihrer Mitgläubigen gefolgt.41Während der Gefangenschaft des Báb in der Festung Chihríq, wo Er die letzten beiden Lebensjahre fast zur Gänze zubrachte, wurde das Lawḥ-i-Ḥurúfát, das Sendschreiben über die Buchstaben, zu Ehren Dayyáns offenbart, – es wurde zwar zunächst fälschlich für eine Darstellung der Wahrsagekunst gehalten; später erkannte man jedoch, dass es einerseits das Geheimnis des Mustagháth enthüllt und andererseits vage auf die neunzehn Jahre anspielt, die zwischen der Verkündigung des Báb und derjenigen Bahá’u’lláhs verstreichen müssen. In diesen finsteren Jahren – finster durch die Härten der Haft des Báb, die Ihm zugefügte bittere Schmach und die Nachrichten über die Katastrophen, denen die Helden von Mázindarán und Nayríz zum Opfer fielen – offenbarte Er außerdem, bald nach Seiner Rückkehr aus Tabríz, Seine Anklageschrift gegen Ḥájí Mírzá Áqásí. In kühner, eindringlicher Sprache verfasst und schonungslos in seiner Verurteilung, wurde das Schreiben dem unerschrockenen Ḥujjat übergeben, der es, wie Bahá’u’lláh bestätigt, dem ruchlosen Minister aushändigte.42In diese Zeit der Gefangenschaft in den Festungen Máh-Kú und Chihríq, eine unvergleichlich fruchtbare, wenn auch bitter demütigende und zunehmend leidvolle Zeit, fallen fast alle schriftlichen Hinweise auf den Stifter einer Offenbarung, die bald die Seine ersetzen sollte – Warnungen, Aufrufe und Ermahnungen, die der Báb angesichts der nahen Stunde Seines höchsten Leides für nötig hielt. Er war sich von Anfang an Seiner doppelten Aufgabe als Träger einer unabhängigen Offenbarung und als Herold für einen noch Größeren als Er selbst bewusst und konnte sich darum nicht mit der Vielzahl von Kommentaren, Gebeten, Gesetzen und Verordnungen, Abhandlungen und Sendbriefen, Predigten und Ansprachen, die unaufhörlich Seiner Feder entströmten, begnügen. Der Größere Bund mit der gesamten Menschheit hinsichtlich der soeben entstandenen Offenbarung, für den Gott, wie der Báb in Seinen Schriften bestätigt, seit Urzeiten durch die Propheten aller Zeiten eintrat, war nunmehr erfüllt. Er musste nun ergänzt werden durch einen Kleineren Bund, den Er mit der Gemeinde Seiner Anhänger in Bezug auf den Einen zu errichten hatte, dessen Kommen Er als Frucht und höchstes Ziel Seiner Sendung bezeichnete. Ein solcher Bund kennzeichnete ausnahmslos alle vorangegangenen Religionen. Es gab ihn in verschiedener Form, unterschiedlich stark ausgeprägt, immer in verhüllter Sprache, in geheimnisvollen Prophezeiungen, schwer verständlichen Bildern, unverbrieften Überlieferungen und bruchstückhaften und unklaren Passagen der heiligen Schriften. In der Bábí-Sendung aber sollte er in klarer und eindeutiger Sprache errichtet werden, wenn auch nicht in einem besonderen Dokument. Anders als bei den Propheten vor Ihm, deren Bünde geheimnisumwoben waren, anders auch als bei Bahá’u’lláh, dessen deutlich umrissener Bund in einem eigens niedergeschriebenen Testament enthalten ist, das Er als »das Buch Meines Bundes«
›Kitáb-i-‘Ahdí‹, veröffentlicht in: Botschaften aus ‘Akká, Kap. 15 – Anm. d. Hrsg.A bezeichnete, zog der Báb es vor, in Sein Buch der Gesetze, den Persischen Bayán, unzählige Stellen einzuflechten, von denen einige absichtlich unklar, die meisten aber unzweifelhaft klar und schlüssig sind. In ihnen legte Er den Zeitpunkt der verheißenen Offenbarung fest, pries ihre Vorzüge, verkündete ihr überragendes Wesen, schrieb ihr unbegrenzte Kräfte und absoluten Vorrang zu und riss alle Schranken ein, die ihrer Anerkennung im Wege stehen könnten. Bahá’u’lláh sagt in Seinem Kitáb-i-Badí‘ über den Báb: »Er hat wahrlich nicht Seine Pflicht versäumt, das Volk des Bayán zu ermahnen und ihm Seine Botschaft zu bringen. Zu keiner Zeit und in keiner Sendung hat eine Manifestation so bis ins Einzelne und in so deutlicher Sprache von der Manifestation gesprochen, die nach ihr kommen werde.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Badí‘.
43Einige Seiner Jünger bereitete der Báb gewissenhaft auf die bevorstehende Offenbarung vor. Anderen versicherte Er mündlich, dass sie den Tag dieser Offenbarung erleben werden. Mullá Báqir, einem der Buchstaben des Lebendigen, verhieß Er in einem an ihn gerichteten Sendbrief, er werde dem Verheißenen von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen. Einem anderen Jünger, Sayyáḥ, gab Er eine ähnliche Zusicherung. Mullá Ḥusayn schickte Er nach Ṭihrán mit der Versicherung, dass diese Stadt ein Geheimnis berge, mit dessen Licht weder Ḥijáz noch Shíráz sich messen könnten. Quddús verhieß Er am Vorabend seiner Trennung von Ihm, dass er zu Dem gelangen werde, der das einzige Ziel ihrer Verehrung und Liebe sei. In Máh-Kú verkündigte Er Shaykh Ḥasan-i-Zunúzí, er werde in Karbilá das Antlitz des verheißenen Ḥusayn schauen. Dayyán verlieh Er den Titel des »dritten Buchstabens, der an Ihn glaubt, den Gott offenbaren wird«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 253, S. 149 – Anm. d. Hrsg.
Q und ‘Aẓím enthüllte Er im Kitáb-i-Panj-Sha’n den Namen und die baldige Ankunft Dessen, der Seine eigene Offenbarung vollenden werde.44Einen Nachfolger oder Stellvertreter hat der Báb nie benannt und es auch abgelehnt, einen Ausleger Seiner Lehren zu bestimmen. So klar und deutlich waren Seine Hinweise auf den Verheißenen und so kurz bemessen die Dauer Seiner eigenen Sendung, dass weder das eine noch das andere notwendig erschien. Was Er auf Anraten von Bahá’u’lláh und einem anderen Jünger tat – so schreibt ‘Abdu’l-Bahá in Auf den Pfaden der Gottesliebe – war lediglich, Mírzá Yaḥyá zu ernennen, der in Erwartung der Offenbarung des Verheißenen lediglich als Galionsfigur auftreten sollte, damit Bahá’u’lláh die Möglichkeit erhielt, in verhältnismäßiger Sicherheit diese Ihm so am Herzen liegende Sache voranzubringen.45»Der Bayán«
, versichert der Báb in diesem Buch bezüglich des Verheißenen, »ist von Anfang bis Ende der Aufbewahrungsort aller Seiner Eigenschaften und die Schatzkammer Seines Feuers und Seines Lichtes.«Báb, Bayán-i-Fársí 3:13, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 3:29:1 – Anm. d. Hrsg.
Q »Wenn du zu Seiner Offenbarung findest und Ihm gehorchst«
, stellt Er in einem anderen Zusammenhang fest, »hast du die Frucht des Bayán hervorgebracht; wo nicht, bist du unwürdig, vor Gott erwähnt zu werden.«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 247, S. 147 – Anm. d. Hrsg.
Q »O Volk des Bayán!«
, ermahnt Er im selben Buch die Gemeinde Seiner Anhänger, »Handle nicht wie das Volk des Qur’án gehandelt hat, denn wenn du also tust, werden die Früchte deiner Nacht zunichtewerden.«Báb, Bayán-i-Fársí 2:7, siehe: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 5:1:2 Fn – Anm. d. Hrsg.
Q »Lasst es nicht zu«
, gebietet Er nachdrücklich, »dass euch der Bayán und alles, was darin geoffenbart wurde, von jenem Wesen des Seins, jenem Herrn des Sichtbaren wie des Unsichtbaren fernhält.«Báb zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 246, S. 147 – Anm. d. Hrsg.
Q »Hüte dich, hüte dich«
, lautet Seine eindringliche Warnung an Vaḥíd, »dass dich in den Tagen Seiner Offenbarung der Váḥid des Bayándie achtzehn Buchstaben des Lebendigen und der Báb.A nicht wie ein Schleier von Ihm trenne, ist doch dieser Váḥid ein bloßes Geschöpf in Seinen Augen.«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 222 S. 133 – Anm. d. Hrsg.
Q Und wiederum: »O Gemeinde des Bayán und jeder, der ihr zugehört! Erkennet die euch gesetzten Grenzen, denn der Punkt des Bayán Selbst glaubte an Ihn, den Gott offenbaren wird, bevor alle Dinge erschaffen wurden. Dessen, wahrlich, rühme Ich Mich vor allen im Reiche des Himmels und der Erde.«Báb, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 6:16:3 – Anm. d. Hrsg.
Q46»Im Jahre neun«
, schreibt Er klar und deutlich im Hinblick auf den Beginn der verheißenen Offenbarung, »werdet ihr zu allem Guten gelangen.«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 204, S. 124f – Anm. d. Hrsg.
Q. »Im Jahre neun werdet ihr in die Gegenwart Gottes gelangen.«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 204, S. 125 – Anm. d. Hrsg.
Q Und wiederum: »Nach ḤínDie Zahl 68. [Wörtlich: ›nach einer Weile‹. Dem Abjad-System nach hat das Wort ›Ḥín‹ den Zahlenwert 68 und verweist hier auf das Jahr 1268 d. H. (27. Oktober 1851 – 14. Oktober 1852) – Anm. d. Hrsg.].A wird euch eine Sache gegeben werden, die ihr dann kennenlernen werdet.«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 222, S. 133 – Anm. d. Hrsg.
Q »Ehe nicht neun vom Beginn dieser Sache an vergangen sind«
, führt er noch genauer aus, »wird das Wesen alles Erschaffenen nicht geoffenbart werden. Alles, was du bis jetzt gesehen hast, ist das Wachstum des feuchten Samens bis zu der Zeit, da Wir ihn mit Fleisch umkleideten. Habe Geduld, bis du eine neue Schöpfung schaust. Sprich: ›Gesegnet sei darum Gott, der erhabenste der Schöpfer!‹Qur’án 23:14 – Anm. d. Hrsg.
Q«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 222, S. 133 – Anm. d. Hrsg.
Q »Warte«
, lautet Seine Anweisung an ‘Aẓím, »bis von der Zeit des Bayán neun verflossen sind. Alsdann rufe aus: ›Gesegnet sei Gott hierfür, der erhabenste der Schöpfer!‹
76«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 205, S. 125 – Anm. d. Hrsg.
Q »Achtet auf die Zahl VáḥidDie Zahl 19. [Dem Abjad-System nach hat das Wort ›Váḥid‹ den Zahlenwert 19. Die Mission des Báb beginnt am 23. Mai 1844 (Jamádíyu’l-Avval 5, 1260). Nach heutiger Zählung (das Neujahr wurde von Bahá’u’lláh auf den Frühlingsanfang gesetzt), fällt das Ende des Jahres 19 auf den 20. März 1863, zählt man hingegen von der Offenbarung des Báb an, fällt es auf den 22. Mai 1863. In jedem Fall bezieht sich der Hinweis auf das Frühjar 1863 – Anm. d. Hrsg.].A nach dem Beginn der Offenbarung«Báb,.
Q, mahnt Er in einer beachtenswerten Stelle zum Jahr neunzehn, und noch deutlicher stellt Er fest: »Der Herr des Tages des Gerichts wird am Ende von VáḥidDie Zahl 19. [›Váḥid‹ bezieht sich auf das 19. Jahr der Offenbarung des Báb. Siehe Fußnote 99 – Anm. d. Hrsg.].A und zu Beginn von achtzigDas Jahr 1280 d. H. [18. Juni 1863 – 5. Juni 1864].A offenbart werden.«Báb,.
»Würde Er in diesem Augenblick erscheinen«
, so offenbarte Er im Bestreben sicherzustellen, dass sich niemand durch die Nähe der angekündigten Offenbarung vom Verheißenen abhalten ließe, »Ich wäre der erste, Ihn anzubeten und Mich vor Ihm zu verneigen.«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 246, S. 147 – Anm. d. Hrsg.
Q47»Ich habe zu Seiner Erwähnung diese edelsteingleichen Worte niedergeschrieben:«
, preist Er den Urheber der erwarteten Offenbarung, »›Keine Andeutung von Mir kann Ihn andeuten, noch kann dies irgendetwas, was im Bayán steht.‹
«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 204, S. 124 – Anm. d. Hrsg.
Q »Ich selbst bin nur der erste Diener, der an Ihn und Seine Zeichen glaubt …«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 204, S. 124 – Anm. d. Hrsg.
Q »Der einjährige Spross«
, versichert Er bezeichnenderweise, »der in sich die Kräfte der kommenden Offenbarung trägt, ist mit einer Macht ausgestattet, die den vereinten Kräften des ganzen Bayán überlegen ist.«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 220, S. 132 – Anm. d. Hrsg.
Q Und wiederum: »Der ganze Bayán ist nur ein Blatt unter den Blättern Seines Paradieses.«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 221, S. 132 – Anm. d. Hrsg.
Q »Besser ist es für dich«
, beteuert Er in ähnlicher Weise, »auch nur einen der Verse Dessen zu sprechen, den Gott offenbaren wird, als den ganzen Bayán niederzuschreiben; denn an jenem Tag kann dich dieser eine Vers erlösen, während der ganze Bayán dich nicht erlösen kann.«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 222, S. 133–134 – Anm. d. Hrsg.
Q »Denn heute befindet sich der Bayán im Zustand des Keimes; seine höchste Vollendung erlangt er zu Beginn der Manifestation Dessen, den Gott offenbaren wird.«Báb, Bayán-i-Fársí 2:7, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 3:35:2 – Anm. d. Hrsg.
Q »Der Bayán leitet all seine Herrlichkeit von Ihm her, den Gott offenbaren wird.«Báb, Bayán-i-Fársí, zitiert in: Shoghi Effendi, in: Die Weltordnung Bahá’u’lláhs 6:9, S. 153 – Anm. d. Hrsg.
Q »Denn alles, was im Bayán gepriesen wurde, ist nur wie ein Ring an Meiner Hand, und Ich selbst bin wahrlich nur ein Ring an der Hand Dessen, den Gott offenbaren wird … Er wendet ihn, wie es Ihm gefällt, wozu es Ihm gefällt und wodurch es Ihm gefällt. Er, wahrlich, ist der Helfer in Gefahr, der Höchste.«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 225, S. 134–135 – Anm. d. Hrsg.
Q Als Antwort an Vaḥíd und einen Buchstaben des Lebendigen, die nach dem Verheißenen gefragt hatten, verkündet Er: »Die Gewissheit selbst schämt sich, wenn sie aufgefordert wird, Seine Wahrheit zu bestätigen … und das Zeugnis selbst schämt sich, für Ihn zu zeugen.«Báb,.
Q Zu Vaḥíd sagte Er ferner: »Wäre Ich gewiss, dass du Ihn am Tage Seiner Manifestation verleugnest, Ich würde dich, ohne zu zögern, ausstoßen … Würde Mir andererseits gesagt, dass ein Christ, der nicht Meinem Glauben anhängt, an Ihn glauben wird, Ich würde ihn wie Meinen Augapfel schätzen.«Báb, zitiert in: Shoghi Effendi, in: Die Weltordnung Bahá’u’lláhs 6:10, S. 153 – Anm. d. Hrsg.
Q48Und schließlich Seine ergreifende Anrufung Gottes: »Sei Du mein Zeuge, dass Ich durch dieses Buch mit allen erschaffenen Dingen hinsichtlich der Sendung Dessen, den Du offenbaren wirst, einen Bund geschlossen habe, ehe noch der Bund hinsichtlich Meiner eigenen Sendung errichtet wurde. Du genügst als Zeuge und mit Dir jene, die an Deine Zeichen glauben.«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 232, S. 138–139 – Anm. d. Hrsg.
Q »Ich habe wahrlich Meine Pflicht nicht versäumt, dieses Volk zu ermahnen«
, lautet ein anderes Zeugnis aus Seiner Feder, »… wenn am Tage Seiner Offenbarung alle, so auf Erden sind, Ihm Treue schwören, wird Mein Innerstes jubeln, denn dann haben alle das höchste Ziel ihres Daseins erreicht … Wenn nicht, wird Meine Seele wahrlich trauern. Ich habe wahrhaftig alle Dinge zu diesem Zweck gehegt. Wie kann dann irgendeiner vor Ihm verhüllt sein?«Báb, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 6:6:1 – Anm. d. Hrsg.
Q49Wie die vorhergehenden Seiten zeigen, waren die drei letzten und ereignisreichsten Jahre im Wirken des Báb nicht nur durch die ausdrückliche und öffentliche Verkündigung Seiner Sendung geprägt, sondern auch durch eine beispiellose Flut erleuchteter Schriften, die sowohl die Offenbarung der grundlegenden Gesetze Seiner Sendung umfassen, als auch die Errichtung des Kleineren Bundes, der die Einheit Seiner Anhänger wahren und den Weg für das Kommen einer ungleich machtvolleren Offenbarung bereiten sollte. Zur selben Zeit, in den ersten Tagen Seiner Gefangenschaft in der Festung Chihríq, erkannten Seine Jünger klar die Unabhängigkeit des neu geborenen Glaubens und bekannten sich offen zu ihm. Die Gesetze der neuen Sendung waren durch deren Urheber in einer Gefängnisfestung in den Bergen Ádhirbáyjáns offenbart worden, doch die Sendung selbst sollte nun auf einer Konferenz der versammelten Gläubigen in einer Ebene an der Grenze Mázindaráns feierlich eingeführt werden.50Bahá’u’lláh, der durch regen Schriftverkehr enge Verbindung zum Báb hielt und als lenkende Kraft hinter den mannigfachen Aktivitäten Seiner kämpfenden Glaubensgefährten stand, hatte den Vorsitz der Konferenz und steuerte unaufdringlich, aber wirksam ihren Verlauf. Quddús galt als Vertreter des konservativen Elements. Nach einem vorgefassten Plan – dazu gedacht, die bei einer solchen Konferenz mit Sicherheit zu erwartende Beunruhigung und Bestürzung zu dämpfen – widersetzte er sich den scheinbar radikalen Ansichten, die die ungestüme Ṭáhirih vertrat. Der Hauptzweck der Versammlung war, die Offenbarung des Bayán zu vollenden, mittels eines plötzlichen, vollständigen und dramatischen Bruchs mit der Vergangenheit, mit ihrer Ordnung, der Herrschaft des Klerus, ihren Traditionen und Bräuchen. Außerdem sollte die Konferenz Mittel überlegen, um den Báb aus Seiner grausamen Haft in Chihríq zu befreien. Der erste Zweck wurde vollauf erfüllt, der zweite war von vornherein zum Scheitern verurteilt.51Schauplatz dieser herausfordernden und weitreichenden Proklamation war die Ortschaft Badasht in deren reizvoller Umgebung Bahá’u’lláh drei Gärten gemietet hatte; einen wies Er Quddús zu, einen Ṭáhirih und den dritten behielt Er für sich selbst. Die einundachtzig Gläubigen, die sich aus den verschiedenen Provinzen zusammenfanden, waren vom Tag ihrer Ankunft bis zu ihrer Abreise Seine Gäste. An jedem der zweiundzwanzig Tage Seines dortigen Aufenthalts offenbarte Er ein Sendschreiben, das vor den versammelten Gläubigen gesungen wurde. Jedem Gläubigen wies Er einen neuen Namen zu, ohne jedoch erkennen zu lassen, wer die Namen verlieh. Er selbst wurde von da an mit dem Namen Bahá bezeichnet. Der letzte Buchstabe des Lebendigen empfing den Namen Quddús, Qurratu’l-‘Ayn den Titel Ṭáhirih. In den Sendbriefen, die der Báb danach für jeden von ihnen offenbarte, wurden sie mit diesen Namen angesprochen.52Unmerklich, jedoch stetig und zielsicher steuerte Bahá’u’lláh den Verlauf dieser prägenden Ereignisse, und Bahá’u’lláh war es auch, der die Versammlung schließlich ihrem dramatischen Höhepunkt entgegenführte. Ṭáhirih, die als reines, makelloses Sinnbild der Keuschheit und Verkörperung der heiligen Fáṭimah galt, trat an einem Tag, als eine Erkrankung Bahá’u’lláh ans Bett fesselte, geschmückt und unverschleiert vor Ihn und die versammelten Gefährten und setzte sich zur Rechten des erschrockenen und aufgebrachten Quddús. Mit ihren feurigen Worten zerriss sie die Schleier, die die heiligen Gesetze des Islám schützten, und verkündete gleich einem Fanfarenstoß den Beginn einer neuen Sendung. Die Wirkung schlug ein wie der Blitz. Die makellos Reine, so hoch geachtet, dass auch nur die Betrachtung ihres Schattens als unziemlich galt, schien im ersten Moment in den Augen ihrer empörten Betrachter sich selbst diffamiert, Schande über den von ihr vertretenen Glauben gebracht und das von ihr symbolisierte unvergängliche Antlitz besudelt zu haben. Schreck, Zorn und Fassungslosigkeit durchfuhr das Innerste ihrer Seelen und lähmte sie. ‘Abdu’l-Kháliq-i-Iṣfahání, entsetzt und verstört durch solch einen Anblick, schnitt sich mit eigener Hand in die Kehle. Blutbespritzt und außer sich vor Erregung floh er vor ihrem Antlitz. Einige widerriefen ihren Glauben und verließen die Gefährten. Andere blieben stumm und wie versteinert vor ihr stehen. Wieder andere mögen sich mit pochendem Herzen an die islámische Tradition erinnert haben, die andeutet, dass Fáṭimah selbst unverschleiert erscheinen werde, wenn sie am verheißenen Tag des Gerichts die BrückeṢiráṭ.A überschreitet. Quddús, sprachlos vor Wut, schien nur auf den Augenblick zu warten, sie mit dem Schwert, das er gerade in der Hand hielt, zu erschlagen.53Unerschrocken, gelassen und mit triumphierender Freude erhob sich Ṭáhirih und richtete völlig ungezwungen einen glühenden, sprachgewaltigen Aufruf an die noch verbliebenen Konferenzteilnehmer, in einem Stil, der dem des Qur’án verblüffend ähnlich war. Sie schloss mit der kühnen Bekundung: »Ich bin das Wort, das der Qá’im aussprechen wird, das Wort, das die Oberhäupter und Edelleute der Erde in die Flucht schlagen wird!«Ṭáhirih, berichtet in: Muḥammad-i-Zarandí, Nabíls Bericht 16:19, Bd. 2, S. 326, vgl. auch 1:16, Bd. 1, S. 49 – Anm. d. Hrsg.
Q Dann forderte sie die Anwesenden auf, einander zu umarmen und dieses große Ereignis zu feiern.54An diesem unvergesslichen Tag erscholl das im Qur’án erwähnte »Horn«Qur’án 6:73, 18:99, 20:102, 23:101, 27:87, 36:51, 39:68, 50:20, 69:13, 74:8, 78:18 – Anm. d. Hrsg.
Q, ertönte laut der »betäubende Fanfarenstoß«Qur’án 80:33 – Anm. d. Hrsg.
Q und trat die »Katastrophe«Qur’án Surah 69, Surah 101 – Anm. d. Hrsg.
Q ein. Nach diesem aufsehenerregenden Abrücken von den altehrwürdigen Traditionen des Islám kam es in der unmittelbar folgenden Zeit zu einer wahren Revolution in den Anschauungen, dem Verhalten, den Handlungen und der Art der Gottesverehrung bei diesen bis dahin eifrigen und ergebenen Verfechtern des islámischen Gesetzes. Wie stürmisch auch die Konferenz von Anfang bis Ende verlaufen war, wie beklagenswert die Abspaltung der wenigen war, die die Aufhebung der fundamentalen Gesetze des islámischen Glaubens nicht unterstützen wollten – ihr Zweck war herrlich und zur Gänze erfüllt. Nur vier Jahre zuvor hatte der Stifter der Bábí-Offenbarung in der Privatsphäre Seines Hauses in Shíráz Mullá Ḥusayn gegenüber Seine Sendung verkündet. Drei Jahre nach dieser Verkündigung diktierte Er in den Mauern der Gefängnisfestung Máh-Kú Seinem Sekretär die charakteristischen Grundsätze Seiner Sendung. Ein Jahr darauf setzten im Dörfchen Badasht Seine Anhänger unter der aktiven Führung ihres Mitjüngers Bahá’u’lláh das qur’ánische Gesetz außer Kraft, indem sie sowohl die göttlich verordneten als auch die von Menschen gemachten Regeln des Glaubens Muḥammads verwarfen und die Fesseln seines veralteten Systems abschüttelten. Fast unmittelbar darauf rechtfertigte der Báb, noch immer ein Gefangener, selbst die Handlungsweise Seiner Jünger, indem Er – vor dem Thronerben, den führenden Vertretern der Shaykhí-Gemeinde und den berühmtesten geistlichen Würdenträgern, die in der Hauptstadt Ádhirbáyjáns versammelt waren – in aller Form und unumwunden Seinen Anspruch geltend machte, der verheißene Qá’im zu sein.55Etwas mehr als vier Jahre waren seit der Geburt der Bábí-Offenbarung vergangen, als der Posaunenruf ertönte, der offiziell das Erlöschen der alten und den Beginn der neuen Sendung verkündete. Kein Pomp, kein Prunk kennzeichnete den großen Wendepunkt in der religiösen Geschichte der Welt. Sein bescheidener Rahmen entsprach keineswegs der plötzlichen, aufsehenerregenden und vollständigen Befreiung von den finsteren, kampfentschlossenen Mächten des Fanatismus, der klerikalen Machenschaften, der religiösen Orthodoxie und des Aberglaubens. Die versammelte Schar bestand nur aus einer Frau und einer Handvoll Männern, die größtenteils aus den Reihen derer kamen, die sie angriffen, und die mit wenigen Ausnahmen nicht über Reichtum, Ansehen oder Einfluss verfügten. Das Oberhaupt dieser Schar fehlte, war ein Gefangener in Feindeshand. Schauplatz war eine Ortschaft in der Ebene von Badasht an der Grenze von Mázindarán. Herold war eine einzelne Frau, die edelste Vertreterin ihres Geschlechts in dieser Sendung, die sogar von einigen ihrer Mitgläubigen als Ketzerin bezeichnet wurde. Der Ruf, den sie erschallen ließ, war das Grabgeläut des zwölfhundert Jahre alten islámischen Gesetzes.56Angetrieben durch einen weiteren Posaunenstoß, der zwanzig Jahre später die Gesetze einer weiteren Sendung ankündigte, gewann dieser Auflösungsprozess – zusammen mit dem Niedergang des zwar gottgegebenen, aber überholten Gesetzes – zusätzlichen Schwung, führte später zur Abschaffung des kanonischen Rechts der Sharí‘ah in der Türkei und zur De-facto-Aufgabe desselben Rechts im shí‘itischen Persien, sorgte kürzlich in Ägypten für die Abgrenzung der im Kitáb-i-Aqdas vorgesehenen Ordnung vom sunnítischen Kirchenrecht, bereitete den Weg für die Anerkennung dieser Ordnung im Heiligen Land und ist dazu bestimmt, seinen Höhepunkt in der Säkularisierung der muslimischen Staaten, in der allgemeinen Anerkennung des Gesetzes Bahá’u’lláhs durch alle Nationen der muslimischen Welt und bei seinem Einzug in die Herzen aller muslimischen Völker zu erreichen.Kapitel 3Aufstände in Mázindarán, Nayríz und Zanján57Die Gefangenschaft des Báb in einem entlegenen Winkel von Ádhirbáyján, die durch die Vorgänge bei der Konferenz von Badasht unvergesslich und durch so bemerkenswerte Entwicklungen wie die öffentliche Verkündigung Seines göttlichen Auftrags, die Abfassung der Gesetze Seiner Sendung und die Errichtung Seines Bundes ausgezeichnet wurde, sollte durch die schweren Erschütterungen, die die Handlungen Seiner Gegner wie Seiner Jünger auslösten, noch größere Bedeutung erlangen. Der Aufruhr, der während der letzten Jahre Seiner Haft entstand und in Seinem Märtyrertod gipfelte, löste seitens der Gläubigen ein solches Maß an Heldenmut und bei Seinen Feinden eine derart erbitterte Gegnerschaft aus, wie man sie in den ersten drei Jahren Seiner Amtszeit noch nicht erlebt hatte. Dieser kurze, turbulente Zeitabschnitt mag mit Recht als der blutigste und dramatischste des Heroischen Zeitalters der Bahá’í-Ära gelten.
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