Shoghi Effendi | Gott geht vorüber
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Man hörte Ihn oft sagen: »Jeden Stein dieses Bauwerks, jeden Stein auf dem Weg dorthin habe ich unter unermesslichen Tränen und enormen Kosten aufgehoben und an Ort und Stelle gebracht.«‘Abdu’l-Bahá, berichtet in:. Wie ein Augenzeuge berichtet, sagte Er einmal: »Eines Nachts bedrängten mich die Sorgen so sehr, dass ich mir keinen andern Rat wusste, als ein Gebet des Báb, das ich besaß, immer wieder zu sprechen, was mich sehr beruhigte. Am nächsten Morgen kam der Grundbesitzer zu mir, entschuldigte sich und bat mich, das Grundstück zu kaufen.«‘Abdu’l-Bahá, berichtet in:.
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Im selben Jahr, in dem Sein königlicher Gegner seinen Thron verlor, zu der Zeit, als in Chicago die erste amerikanische Bahá’í-Tagung zur Gründung einer dauerhaften nationalen Institution für die Errichtung des Mashriqu’l-Adhkár eröffnet wurde, brachte ‘Abdu’l-Bahá, trotz der unablässigen Machenschaften Seiner inneren und äußeren Feinde, Sein Unternehmen zu einem erfolgreichen Abschluss. Am 28. Ṣafar 1327 d. H.[21. März] 1909.A, dem Tag des ersten Naw-Rúz-Festes nach Seiner Freilassung, ließ ‘Abdu’l-Bahá den Marmorsarkophag unter großer Mühe in die vorbereitete Gruft bringen und legte am Abend beim Schein einer einzigen Lampe unter zugleich feierlichen und ergreifenden Umständen und im Beisein von Gläubigen aus Ost und West den hölzernen Sarg mit den heiligen Überresten des Báb und Seines Gefährten mit eigenen Händen hinein.
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Als alles vollbracht war und die irdischen Überreste des Märtyrerpropheten aus Shíráz endlich im Schoß von Gottes heiligem Berg zur ewigen Ruhe gebettet waren, legte ‘Abdu’l-Bahá Turban, Schuhe und Mantel ab, neigte sich tief über den noch offenen Sarkophag; Sein silbernes Haar um Sein Haupt wallend, Sein Antlitz verklärt und leuchtend, legte Er Seine Stirn auf den Rand des hölzernen Sarges, schluchzte laut und weinte so herzergreifend, dass alle Anwesenden mit Ihm weinten. In dieser Nacht fand er keinen Schlaf, so aufgewühlt war Er.
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»Die freudigste Botschaft ist«, schrieb Er später in einem Brief, in dem Er den Gläubigen diesen ruhmreichen Sieg bekanntgab, »dass der heilige, strahlende Leib des Báb, … der sechzig Jahre lang vor drohenden Feinden und aus Furcht vor Übelwollenden, ohne Rast und Ruhe, von Ort zu Ort gebracht wurde, durch die Gnade der Schönheit Abhá am Naw-Rúz-Tag im heiligen Sarg, im erhabenen Schrein am Karmel, feierlich beigesetzt wurde. … Ein seltsamer Zufall fügte es, dass am selben Naw-Rúz-Tag ein Telegramm aus Chicago eintraf mit der Nachricht, dass die Gläubigen eines jeden amerikanischen Zentrums Abgeordnete gewählt und nach Chicago entsandt … und über die Lage und den Bau des Mashriqu’l-Adhkár endgültig entschieden hätten.«‘Abdu’l-Bahá,.
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Mit der Überführung der Gebeine des Báb zum Karmel – Seine Ankunft stellt die Wiederkehr des Propheten Elias dar – und ihrer Beisetzung auf dem heiligen Berg, unweit der Höhle dieses Propheten, wurde der Plan, den Bahá’u’lláh an Seinem Lebensabend so herrlich vorgesehen hatte, endlich umgesetzt und die harte Arbeit des ernannten Mittelpunkts des Bundes während der ersten stürmischen Jahre Seiner Amtszeit von unsterblichem Erfolg gekrönt. Auf diesem Berg, der seit ewigen Zeiten als heilig galt, war nun durch den Staub, der, wie ‘Abdu’l-Bahá feststellte, Ihn beseelte und der in der Bahá’í-Welt heiliger ist als jeder andere Schrein mit Ausnahme des Grabmals des Stifters der Bahá’í-Offenbarung, ein dauerhafter Brennpunkt göttlicher Erleuchtung und Kraft errichtet worden. Ein Bau, zugleich massiv, einfach und eindrucksvoll; eingebettet im Herzen des Karmel, des »Weinbergs Gottes«Bahá’u’lláh, Epistle to the Son of the Wolf 210 – Anm. d. Hrsg.Q; im Westen von der Höhle des Elias flankiert, im Osten von den Bergen Galiläas; mit der Ebene von Saron im Rücken, und an der Vorderseite die silberne Stadt ‘Akká und dahinter das Heiligste Grab, das Herz und die Qiblih der Bahá’í-Welt; die Kolonie der deutschen Templer überschattend, die in Erwartung des »Kommens des Herrn«1 Thess. 3:13, 4:4, 5:23, Jak. 5:7, 5:8 – Anm. d. Hrsg.Q ihre Heimat verließen und sich exakt im Jahr der Verkündigung Bahá’u’lláhs in Baghdád1863.A am Fuß dieses Berges ansiedelten, war nun das Mausoleum des Báb unter heldenhafter Anstrengung und mit unbezwinglicher Kraft errichtet als »der Ort, den die himmlischen Heerscharen anbetend umkreisen«. Schon zeigen Ereignisse wie die Erweiterung des Gebäudes selbst, die Verschönerung seiner Umgebung, der Erwerb großer Grundstücke in der Nachbarschaft, die Nähe zu den letzten Ruhestätten der Frau, des Sohnes und der Tochter Bahá’u’lláhs, dass es dazu bestimmt ist, im Lauf der Jahre ein Maß an Berühmtheit und Glanz zu erreichen, das dem hohen Zweck gerecht wird, für den es errichtet wurde. Und wenn im Lauf der Jahre allmählich die Einrichtungen um das Verwaltungszentrum der zukünftigen Bahá’í-Weltgemeinde entstehen, wird es nicht aufhören, das Potential, mit dem die unwandelbare Vorsehung es ausgestattet hat, zu enthüllen. Und so heftig sich der Hass seiner zukünftigen Feinde auch zeigen mag, wird diese göttliche Institution unwiderstehlich wachsen und gedeihen, bis das volle Maß ihres Glanzes der gesamten Menschheit offenbar sein wird.
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»Eile, o Karmel«, spricht Bahá’u’lláh eindrucksvoll den heiligen Berg an, »denn siehe, das Licht des Angesichts Gottes … ist auf dich gerichtet.Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Karmil, in: Botschaften aus ‘Akká 1:1 – Anm. d. Hrsg.Q … Frohlocke, denn Gott hat an diesem Tage Seinen Thron auf dir errichtet, hat dich zum Aufgangsort Seiner Zeichen und zum Tagesanbruch der Beweise Seiner Offenbarung gemacht. Wohl dem, der dich umschreitet, der die Offenbarung deiner Herrlichkeit verkündet und berichtet, was die Großmut des Herrn, deines Gottes, über dich ergossen hat.«Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Karmil, in: Botschaften aus ‘Akká 1:3 – Anm. d. Hrsg.Q »Rufe aus gegen Zion, o Karmel«, schreibt Er im selben Sendschreiben, »und künde die frohe Botschaft: Er, der den sterblichen Augen verborgen war, ist gekommen! Seine allbezwingende Herrschaft ist offenbar, Seine allumfassende Herrlichkeit ist enthüllt worden. Hüte dich, dass du nicht zögerst oder schwankst. Eile und umschreite die Stadt Gottes, die vom Himmel herabgekommen ist, die himmlische Ka‘bah, in Anbetung umkreist von den Begünstigten Gottes, den Reinen im Herzen und der Schar der erhabensten Engel.«Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Karmil, in: Botschaften aus ‘Akká 1:4 – Anm. d. Hrsg.Q
Kapitel 19‘Abdu’l-Bahás Reisen in Europa und Amerika
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Die Einführung der Bahá’í-Religion in den westlichen Ländern – die herausragendste Leistung, die auf ewig mit der Amtszeit ‘Abdu’l-Bahás verbunden sein wird – hatte, wie schon früher erwähnt, solch gewaltige Kräfte in Bewegung gesetzt und so weitreichende Ergebnisse gezeitigt, dass es für den Mittelpunkt des Bundes gerechtfertigt war, selbst aktiv zu diesen epochalen Tätigkeiten beizutragen, die die Gläubigen im Westen, von der Macht des Bundes beflügelt, mutig begonnen hatten und energisch verfolgten.
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Die Krise, die durch die Blindheit und Verderbtheit der Bundesbrecher verursacht worden war und die jahrelang die Verwirklichung der Pläne ‘Abdu’l-Bahás so unselig behindert hatte, war nun durch eine glückliche Fügung überwunden. Ein unüberwindliches Hindernis war Ihm plötzlich aus dem Weg geräumt, Seine Fesseln waren gelöst, Gottes rächender Zorn hatte die Ketten von Seinem Nacken genommen und sie Seinem königlichen Gegner ‘Abdu’l-Ḥamíd umgelegt, dem Opfer der Verführung durch Seinen erbittertsten Feind. Die heiligen Gebeine des Báb, die Sein verstorbener Vater Seinen Händen anvertraut hatte, waren unter unermesslichen Schwierigkeiten aus ihrem Versteck im fernen Ṭihrán ins Heilige Land gebracht und von Ihm feierlich und ehrfurchtsvoll im Schoß des Karmel beigesetzt worden.
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‘Abdu’l-Bahá war damals gesundheitlich schwer angeschlagen. Er litt unter verschiedenen Krankheiten, hervorgerufen durch die Belastungen und Entbehrungen eines tragischen Lebens, das Er fast zur Gänze in Verbannung und Gefangenschaft verbracht hatte. Er stand jetzt an der Schwelle zum siebten Jahrzehnt Seines Lebens. Doch kaum war Er aus Seiner vierzigjährigen Haft entlassen, kaum hatte Er den Körper des Báb an einem sicheren und bleibenden Platz zur Ruhe gebettet und war befreit von den schweren Sorgen, die mit der Betreuung dieses kostbaren Schatzes einhergingen, da erhob Er sich mit außerordentlicher Courage, Zuversicht und Entschlossenheit, um die Ihm an Seinem Lebensabend noch verbliebenen schwachen Kräfte einem so heldenhaften Dienst zu weihen, dass es in den Annalen des ersten Bahá’í-Jahrhunderts nichts Vergleichbares gibt.
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Denn Seine dreijährige Reise – zuerst nach Ägypten, dann nach Europa und später nach Amerika – markiert, wenn wir ihre historische Bedeutung richtig einschätzen, einen äußerst bedeutsamen Wendepunkt in der Geschichte dieses Jahrhunderts. Zum ersten Mal seit der Entstehung der Bahá’í-Religion sechsundsechzig Jahre zuvor konnte ihr Oberhaupt und höchster Vertreter die Fesseln sprengen, die während der gesamten Wirkungszeit des Báb und Bahá’u’lláhs Seine Freiheit so schmerzlich eingeschränkt hatten. Im Land ihrer Entstehung wurden die Aktivitäten der meisten ihrer Anhänger zwar immer noch durch Repressalien eingeschränkt, aber ihr anerkanntes Oberhaupt genoss nun eine Handlungsfreiheit, derer Er sich, mit Ausnahme einer kurzen Zeit während des Krieges von 1914–18, bis zu Seinem Lebensende erfreuen konnte, und die seitdem auch den Institutionen des Glaubens am Weltzentrum stets erhalten blieb.
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Eine solch gewaltige Veränderung in den Geschicken des Glaubens war der Auftakt zu einem derartigen Anstieg Seiner Aktivitäten, dass sie die Gläubigen in Ost und West in Staunen und Bewunderung versetzten und einen unvergänglichen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Bahá’í-Geschichte ausübten. Er, der – wie Er selbst sagte – als junger Mann ins Gefängnis kam und es erst als alter Mann wieder verließ, der niemals im Leben vor einem großen Publikum gestanden, nie die Schule besucht, nie in Kreisen westlicher Menschen verkehrt hatte und der mit westlichen Sprachen und Gebräuchen nicht vertraut war, hatte sich aufgemacht, nicht nur um in einigen der wichtigsten Hauptstädten Europas sowie in den bedeutendsten Städten Nordamerikas von Kanzel und Rednerbühne die bezeichnenden Wahrheiten des Glaubens Seines Vaters zu verkünden, sondern auch, um den göttlichen Ursprung der Propheten vor Bahá’u’lláh zu erläutern und das Wesen ihrer Verbindung zu diesem Glauben darzulegen.
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Fest zu dieser anstrengenden Reise entschlossen und ohne Rücksicht auf Seine Kräfte und die Risiken für Sein Leben, segelte Er an einem Septembernachmittag des Jahres 1910 – im Jahr nach dem Sturz ‘Abdu’l-Ḥamíds und der feierlichen Beisetzung der sterblichen Reste des Báb auf dem Karmel – in aller Stille und ohne Vorankündigung nach Ägypten, blieb etwa einen Monat in Port Sa‘íd und schiffte sich dann zur Weiterfahrt nach Europa ein, musste aber einsehen, dass Sein Gesundheitszustand es erforderte, in Alexandria wieder an Land zu gehen und die Reise zu verschieben. Er wohnte zunächst in Ramlih, einem Vorort von Alexandria, und besuchte später Zaytún und Kairo, schiffte sich am 11. August des folgenden Jahres mit vier Begleitern auf der S.S.Corsica nach Marseille ein und reiste von dort nach einem kurzen Aufenthalt in Thonon-les-Bains nach London, wo Er am 4. September 1911 ankam. Er blieb dort ungefähr vier Wochen, fuhr dann weiter nach Paris, wo Er neun Wochen blieb und kehrte im Dezember 1911 nach Ägypten zurück. Wieder wohnte Er in Ramlih, verbrachte dort den Winter und brach am 25. März 1912 mit dem Dampfer Cedric auf zu Seiner zweiten Reise in den Westen, über Neapel direkt nach New York, wo Er am 11. April ankam. Im Verlauf einer ausgedehnten, acht Monate dauernden Reise, die Ihn von einer Küste zur anderen führte, besuchte Er Washington, Chicago, Cleveland, Pittsburgh, Montclair, Boston, Worcester, Brooklyn, Fanwood, Milford, Philadelphia, West Englewood, Jersey City, Cambridge, Medford, Morristown, Dublin, Green Acre, Montreal, Malden, Buffalo, Kenosha, Minneapolis, St. Paul, Omaha, Lincoln, Denver, Glenwood Springs, Salt Lake City, San Francisco, Oakland, Palo Alto, Berkeley, Pasadena, Los Angeles, Sacramento, Cincinnati und Baltimore und segelte am 5. Dezember mit der S.S.Celtic von New York nach Liverpool, und nachdem sie dort angelegt hatten fuhr Er mit der Bahn weiter nach London. Später besuchte Er Oxford, Edinburgh und Bristol, kehrte dann wieder nach London zurück und fuhr am 21. Januar 1913 nach Paris ab. Am 30. März reiste Er nach Stuttgart und von dort aus fuhr Er am 9. April weiter nach Budapest; besuchte neun Tage später Wien und kehrte am 25. April nach Stuttgart und am 1. Mai nach Paris zurück, wo Er bis zum 12. Juni blieb; schiffte sich tags darauf in Marseille auf der S.S.Himalaya nach Ägypten ein, erreichte vier Tage später Port Sa‘íd und kehrte nach kurzen Besuchen in Ismá‘ílíyyih und Abúqír und einem längeren Aufenthalt in Ramlih nach Haifa zurück, wo Er am 5. Dezember 1913 Seine historischen Reisen beendete.
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Im Verlauf dieser epochalen Reisen vor einem großen und repräsentativen Publikum, das manchmal mehr als tausend Menschen umfasste, erläuterte ‘Abdu’l-Bahá zum ersten Mal in Seiner Amtszeit mit brillanter Einfachheit, Überzeugungskraft und Nachdruck die wesentlichen charakteristischen Grundsätze des von Seinem Vater gestifteten Glaubens, die zusammen mit den im Kitáb-i-Aqdas offenbarten Gesetzen und Bestimmungen das Fundament der jüngsten Offenbarung Gottes für die Menschheit bilden. Die selbstständige Suche nach Wahrheit, frei von Aberglauben und Traditionen; die Einheit der ganzen Menschheit – zentrales Prinzip und wesentliche Lehre des Glaubens; die grundlegende Einheit aller Religionen; Verurteilung aller Vorurteile in Bezug auf Religion, Rasse, Gesellschaftsschicht oder Nation; der Einklang von Religion und Wissenschaft; die Gleichstellung von Mann und Frau, den beiden Flügeln, mit denen sich der Vogel der Menschheit aufschwingen kann; die Einführung der Schulpflicht; die Annahme einer Welthilfssprache; die Beseitigung der Extreme von Reichtum und Armut; die Einrichtung eines Weltgerichtshofs zur Schlichtung von Konflikten zwischen Staaten; die Erhebung von Arbeit, die im Geist des Dienstes geleistet wird, in den Rang des Gottesdienstes; die Verherrlichung der Gerechtigkeit als herrschendes Prinzip in der menschlichen Gesellschaft und der Religion als Bollwerk für den Schutz aller Völker und Nationen; die Schaffung eines dauernden und universellen Friedens als vorrangiges Ziel der ganzen Menschheit – das sind die unverzichtbaren Bestandteile dieser göttlichen Ordnung, die Er im Verlauf Seiner Missionsreisen sowohl den Vordenkern als auch der breiten Masse des Volkes verkündete. Die Darlegung dieser lebenspendenden Wahrheiten des Glaubens Bahá’u’lláhs, den Er als den »Geist des Zeitalters«vgl. ‘Abdu’l-Bahá, in: Promulgation of Universal Peace 103:3, 128:1, 130:8 – Anm. d. Hrsg.Q charakterisierte, ergänzte Er wiederholt durch eindringliche Warnungen vor einem drohenden Flächenbrand, der, wenn die Staatsmänner ihn nicht abwendeten, den ganzen europäischen Kontinent in Flammen setzen werde. Im Verlauf dieser Reisen prophezeite Er die radikalen Veränderungen, die auf diesem Kontinent stattfinden würden, deutete die unvermeidlich einsetzende Bewegung zur Dezentralisierung der politischen Macht an, wies auf die Wirren hin, die in der Türkei ausbrechen würden, sah die auf dem europäischen Kontinent einsetzende Judenverfolgung voraus und erklärte entschieden, dass »das Banner der Einheit der Menschheit gehisst werde«, »das Tabernakel des Weltfriedens … errichtet werde« und »diese Welt eine andere Welt werden«vgl. ‘Abdu’l-Bahá, berichtet in: Maḥmúd Zarqání, Badáyi‘u’l-Áthár 1912-04-25:10, Ansprache während eines Abendesssens in Washington DC auf Einladung des türkischen Botschafters – Anm. d. Hrsg.Q wird.
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Während dieser Reisen zeigte ‘Abdu’l-Bahá so viel Lebenskraft, Mut, Zielstrebigkeit und Hingabe an die selbstgestellte Aufgabe, dass Ihn alle bewunderten und verehrten, die das Vorrecht hatten, Sein tägliches Wirken aus nächster Nähe zu erleben. Gleichgültig gegenüber den Sehenswürdigkeiten und Raritäten, die gewöhnlich die Aufmerksamkeit von Reisenden auf sich ziehen und die auch Seine Begleiter Ihm gern gezeigt hätten; weder auf Bequemlichkeit noch auf Seine Gesundheit achtend; Tag für Tag, von früh bis spät mit all Seiner Kraft tätig; stets alle Geschenke und Zuschüsse zu Seinen Reisekosten zurückweisend; unermüdlich in Seiner Sorge um die Kranken, Bekümmerten und Niedergeschlagenen; kompromisslos in Seinem Einsatz für die Menschen aus unterprivilegierten Rassen und Klassen; freigebig wie der Regen in Seiner Großmut gegenüber den Armen; den Attacken wachsamer und fanatischer Fundamentalisten und Sektierer keinerlei Wert beimessend; bewundernswert freimütig in Seiner Darlegung der prophetischen Sendung Jesu Christi auf Kanzel und Rednerbühne vor jüdischen Zuhörern, des göttlichen Ursprungs des Islám in Kirchen und Synagogen und der Wahrheit göttlicher Offenbarung und der Notwendigkeit von Religion vor Materialisten, Atheisten und Agnostikern; uneingeschränkt in Seiner Verherrlichung Bahá’u’lláhs in den Kulträumen verschiedener Sekten und Konfessionen; konsequent in Seiner Weigerung, sich bei den vielen Anlässen bei Leuten von Rang und Reichtum in England und den Vereinigten Staaten einzuschmeicheln; und nicht zuletzt unvergleichlich in Seiner Spontaneität, Aufrichtigkeit, Seinem herzlichen Mitgefühl und Seiner liebenden Güte, die Er allen ohne Unterschied entgegenbrachte, Freunden und Fremden, Gläubigen und Nicht-Gläubigen, Reich und Arm, Hoch und Niedrig, mit wem auch immer Er zusammenkam, in privatem Rahmen oder zufällig, an Bord eines Schiffes oder beim Gang durch die Straßen, in Parks oder auf öffentlichen Plätzen, auf Empfängen oder bei Gastmählern, in Elendsvierteln oder in Villen, in der Runde der Gläubigen oder in der Versammlung der Gelehrten – so verkündetet Er, die Verkörperung jeder Bahá’í-Tugend und der Inbegriff aller Bahá’í-Ideale, unüberhörbar drei ereignisreiche Jahre lang der im Materialismus versunkenen und schon im Schatten des Krieges stehenden Welt die heilenden, gottgegebenen Wahrheiten der Offenbarung Seines Vaters.
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Im Verlauf Seiner vielen Besuche in Ägypten führte er mehrmals Gespräche mit dem Khediven ‘Abbás Ḥilmí Páshá II., wurde Lord Kitchener vorgestellt, kam mit dem Muftí Shaykh Muḥammad Bakhít zusammen sowie mit dem Imám des Khediven, Shaykh Muḥammad Rashíd, und traf sich mit etlichen ‘Ulamá, mit shás, mit namhaften Persern, mit Mitgliedern des türkischen Parlaments, mit Herausgebern führender Zeitungen in Kairo und Alexandria und mit anderen Führungskräften und Vertretern namhafter religiöser und weltlicher Organisationen.
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In England wurde das Haus, das Ihm in Cadogan Gardens zur Verfügung gestellt worden war, zu einem wahren Mekka für alle möglichen Menschen, die sich drängten, um den Gefangenen von ‘Akká aufzusuchen, der ihre große Stadt als ersten Schauplatz Seines Wirkens im Westen gewählt hatte. »O diese Pilger, diese Gäste, diese Besucher!«, schrieb Seine ergebene Londoner Gastgeberin über diese Zeit. »In Erinnerung an diese Tage hallt in unseren Ohren das Geräusch ihrer Fußtritte nach – als sie aus jedem Land der Welt ankamen! Jeden Tag, den ganzen Tag lang, ein ununterbrochener Strom, eine nie endende Prozession! Minister und Missionare, Orientalisten und Studierende des Okkultismus, praktische Geschäftsleute und Mystiker, anglikanische Katholiken und Nonkonformisten, Theosophen und Hindus, Anhänger der Christlichen Wissenschaft und Ärzte, Muslime, Buddhisten und Zoroastrier. Andere, die kamen, waren Politiker, Schriftsteller, Dichter und Heiler, Schneider und elegante Damen, Künstler und Handwerker, arme Arbeitslose und wohlhabende Geschäftsleute, Mitglieder der Theater- und Musikwelt; sie alle kamen, und keiner war zu gering oder zu groß, um die mitfühlende Aufmerksamkeit dieses heiligen Boten zu empfangen, der stets Sein Leben gab für das Wohl anderer.«Lady Blomfield, The Chosen Highway, p. 150–151 – Anm. d. Hrsg.Q
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‘Abdu’l-Bahás erster öffentlicher Auftritt vor einem westlichen Auditorium fand bezeichnenderweise in einer christlichen Kirche statt, als Er am 10. September 1911 von der Kanzel der überfüllten Stadtkirche sprach. Nachdem der Pastor Reverend R. J. Campbell Ihn vorgestellt hatte, verkündete ‘Abdu’l-Bahá mit kraftvoller Stimme in einfachen, zu Herzen gehenden Worten die Einheit Gottes, bekräftigte die grundsätzliche Einheit der Religionen, und erklärte, dass die Stunde der Vereinigung aller Menschenkinder, aller Völker, Religionen und Klassen geschlagen habe. Bei einer anderen Gelegenheit sprach Er am 17. September auf Ersuchen des ehrwürdigen Archidiakons Wilberforce in Westminster nach dem Abendgottesdienst zur Gemeinde von St. John the Divine über das von Ihm gewählte Thema der unfassbaren Größe Gottes, wie sie von Bahá’u’lláh im Kitáb-i-Íqán bezeugt wird. Ein Zeitgenosse berichtet darüber: »Der Archidiakon hatte für Seinen Gast den Ehrensitz des Bischofs auf die Stufen vor der Kanzel gestellt, stand selbst daneben und verlas persönlich die Übersetzung der Ansprache ‘Abdu’l-Bahás. Die Gemeinde war tief bewegt und kniete entsprechend dem Beispiel des Archidiakons nieder, um den Segen des Dieners Gottes zu empfangen, der mit ausgebreiteten Armen dastand, während sich in der Stille seine wundervolle Stimme melodisch hob und senkte.«[author missing]‘Abdu’l-Bahá in London 1:2:1, S. 24 – Anm. d. Hrsg.Q
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Auf Einladung des Oberbürgermeisters von London frühstückte Er mit ihm in dessen Amtssitz; auf Ersuchen ihres Präsidenten sprach Er zur Theosophischen Gesellschaft an ihrem Hauptsitz und auf einer Tagung des Higher Thought-Zentrums in London; wurde von einer Delegation der Brahmo-Samaj-Gesellschaft eingeladen, unter deren Schirmherrschaft einen Vortrag zu halten; besuchte die Moschee in Woking, hielt dort auf Einladung der muslimischen Gemeinde von Großbritannien eine Ansprache über Welteinheit und wurde von persischen Prinzen, Adligen, Exministern und Mitgliedern der Persischen Gesandtschaft in London eingeladen. Er war Gast im Haus von Dr. T. K. Cheyne in Oxford und hielt in dieser Stadt einen Vortrag im Manchester-College vor einem »großen und äußerst interessierten Publikum«‘Abdu’l-Bahá at Oxford, The Christian Commonwealth, January 22, 1913, quoted in: Bahá’í World, vol. I, p. 129 – Anm. d. Hrsg.Q von Akademikern, unter dem Vorsitz von Dr. Estlin Carpenter. Im Londoner East End sprach Er auf Bitte des dortigen Pastors von der Kanzel einer Kongregationskirche, hielt Ansprachen vor Versammlungen in der Caxton Hall und der Westminster Hall, dort unter dem Vorsitz von Sir Thomas Berkeley, und besuchte im Church House in Westminster eine Aufführung von Eager Heart, einem Weihnachtsmysterienspiel, das erste Drama, das Er je sah, und dessen anschauliche Darstellung des Lebens und Leidens Jesu Christi Ihn zu Tränen rührte. Im Saal der Passmore-Edwards-Siedlung am Tavistockplatz sprach Er zu einer bunt gemischten Zuhörerschaft von ungefähr vierhundertsechzig Menschen unter dem Vorsitz von Professor Michael Sadler, redete mit einigen Arbeiterinnen aus dieser Siedlung, die bei Vanners in Byfleet, etwa zwanzig Meilen außerhalb von London, im Urlaub waren, machte dort noch einen zweiten Besuch, bei dem Er die unterschiedlichsten Menschen traf, die eigens dort zusammenkamen, um Ihn zu sehen, darunter »Geistliche verschiedener Bekenntnisse, der Direktor einer staatlichen Jungenschule, ein Mitglied des Parlaments, ein Arzt, ein prominenter politischer Essayist, der Vizerektor einer Universität, mehrere Journalisten, ein bekannter Dichter und ein Richter aus London«[author missing]‘Abdu’l-Bahá in London 2:6:19, S. 96 – Anm. d. Hrsg.Q. Ein Chronist Seines Englandbesuchs schrieb darüber: »Lange wird man daran denken, wie Er in der Nachmittagssonne im Erker saß und Seinen Arm um einen völlig zerlumpten, aber überglücklichen kleinen Jungen gelegt hatte, der gekommen war, um ‘Abdu’l-Bahá um eine Six-Pence-Münze für seine Sparbüchse und für seine kranke Mutter zu bitten – und gleichzeitig unterhielten sich im Zimmer um Ihn herum Männer und Frauen über Erziehung, Sozialismus, das erste Reformgesetz und die Bedeutung von U-Booten und drahtloser Telegraphie für das neue Zeitalter, in das der Mensch nun eintritt.«[author missing]‘Abdu’l-Bahá in London 2:6:20, S. 96–97 – Anm. d. Hrsg.Q
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Unter denen, die Ihn während der unvergesslichen Tage, die Er in England und Schottland verbrachte, aufsuchten, waren Reverend Archidiakon Wilberforce, Reverend R. J. Campbell, Reverend Rhonddha Williams, Reverend Roland Corbet, Lord Lamington, Sir Richard und Lady Stapley, Sir Michael Sadler, der Jalálu’d-Dawlih, Sohn des Ẓillu’s-Sulṭán, Sir Ameer ‘Alí, der kürzlich verstorbene Maharadscha von Jalawar, der Ihn oftmals besuchte und Ihm zu Ehren einen Empfang mit erlesenem Essen gab, ferner der Maharadscha von Rajputana, die Rani von Sarawak, Prinzessin Karadja, Baroness Barnekov, Lady Wemyss und ihre Schwester, Lady Glencomer, Lady Agnew, Miss Constance Maud, Professor E. G. Browne, Professor Patrick Geddes, Mr. Albert Dawson, Herausgeber des Christian Commonwealth, Mr. David Graham Pole, Mrs. Annie Besant, Mrs. Pankhurst sowie Mr. Stead, der mit Ihm lange und tiefe Gespräche führte. Seine Gastgeberin schrieb über die Eindrücke derer, denen Er die Ehre einer Privataudienz gewährte: »Sehr viele baten um dieses einzigartige Erlebnis; wie einzigartig es war, konnte nur ermessen, wer vor dem Meister stand, wir konnten es nur erahnen, wenn wir den Ausdruck ihrer Gesichter sahen, wenn sie herauskamen – eine Mischung aus Ehrfurcht Staunen und einer Art stiller Freude. Bei manchen bemerkten wir, wie sie zögerten, in die äußere Welt zurückzukommen, als ob sie ihre Seligkeit festhalten wollten, damit die Berührung mit den Dingen dieser Welt sie ihnen nicht entreiße.«Lady Blomfield, The Choosen Highway, p. 158 – Anm. d. Hrsg.Q Der oben erwähnte Chronist schreibt zusammenfassend über diese unvergesslichen Besuche: »Ein tiefer Eindruck blieb im Herzen und Gedächtnis all dieser Männer und Frauen zurück. … So begeistert man in London über ‘Abdu’l-Bahás Aufenthalt war, so tief bedauerte man Seine Abreise. Er ließ viele, viele Freunde zurück. Seine Liebe hatte Liebe hervorgerufen. Sein Herz hatte sich dem Westen geöffnet, und die Menschen im Westen hatten diesen Patriarchen aus dem Osten in ihr Herz geschlossen. In Seinen Worten lag etwas, das nicht nur auf die direkten Zuhörer wirkte, sondern auf alle Männer und Frauen.«Lady Blomfield,.Q
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Seine Besuche in Paris, wo Er eine Zeitlang in der Avenue de Camoens wohnte, waren von einer herzlichen Aufnahme geprägt, die nicht weniger bemerkenswert war als der Empfang durch Seine Freunde und die Gläubigen in London. Seine englische Gastgeberin, Lady Blomfield, die Ihm nach Paris gefolgt war, schrieb: »Wie in London, nahmen auch während Seines Besuches in Paris alltägliche Ereignisse die Atmosphäre vergeistigter Veranstaltungen an. … Jeden Morgen pflegte der Meister denen, die sich eifrig und respektvoll um Ihn scharten, Gelehrten und Ungelehrten, die Prinzipien der Lehre Bahá’u’lláhs zu erklären. Sie kamen aus allen Nationalitäten und Glaubensrichtungen, aus Ost und West: Theosophen, Agnostiker, Materialisten, Spiritisten, Anhänger der Christlichen Wissenschaft, Sozialreformer, Hindus, Ṣúfís, Muslime, Buddhisten, Zoroastrier und viele andere.«Lady Blomfield, The Choosen Highway, p. 180 – Anm. d. Hrsg.Q Und weiter: »Gespräch folgte Gespräch. Kirchliche Würdenträger der verschiedenen Zweige des christlichen Baums kamen, einige ehrlich bestrebt, neue Aspekte der Wahrheit zu finden. … Andere hielten sich die Ohren zu, um nicht zu hören und zu verstehenvgl. Mk. 4:12 – Anm. d. Hrsg.QLady Blomfield, The Chosen Highway, p. 182[, Chapter 3, ‘Abdu’l-Bahá in Paris, Abs. 10–11—die Angabe konnte ich nicht überprüfen] – Anm. d. Hrsg.Q
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Zu denen, die die Ehre hatten, von Ihm empfangen zu werden, gehörten Persische Prinzen, Adelige und Exminister, darunter der Ẓillu’s-Sulṭán, der persische Gesandte, der türkische Botschafter in Paris, Rashíd Páshá, ein Ex-Válí von Beirut, türkische shás und Exminister, sowie Viscount Arawaka, japanischer Gesandter am spanischen Hof. Er sprach vor Esperantisten und Theosophen, vor Theologiestudenten und vor großen Versammlungen der Alliance Spiritualiste; in einem besonders armen Stadtviertel sprach Er auf Einladung des Pastors in einem Missionssaal zur Gemeinde, und die mit Seinen Lehren schon vertraut waren, genossen häufig bei zahlreichen Zusammenkünften der Gläubigen das Vorrecht, eine detaillierte Darlegung einzelner Aspekte der Glaubenslehre Seines Vaters von Ihm selbst zu hören.
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Trotz Seiner angegriffenen Gesundheit reiste Er zu einem kurzen aber unvergesslichen Aufenthalt nach Stuttgart, und um zu den Mitgliedern der Gemeinde Seiner begeisterten und innig geliebten deutschen Freunde eine persönliche Verbindung aufzubauen, besuchte Er nicht nur die Versammlungen der ergebenen Gläubigen sondern bedachte auch die Mitglieder der Jugendgruppe, die sich in Esslingen traf, mit Seinem überreichen Segen und sprach auf Einladung von Professor Christaller, dem Präsidenten der Esperantisten von Europa, vor einer großen Versammlung von Esperantisten in deren Klub. Ferner besuchte Er Bad Mergentheim in Württemberg, wo ein dankbarer Gläubiger wenige Jahre später1915.A zur Erinnerung an Seinen Besuch ein Denkmal errichtete. Ein Augenzeuge schrieb: »Die Liebe und Hingabe der deutschen Gläubigen erfreute das Herz ‘Abdu’l-Bahás, und in tiefster Ergebenheit empfingen sie Seinen Segen und Seine ermutigenden Ratschläge. … Von fern und nah kamen Freunde, um den Meister zu sehen. Ständig strömten Besucher zum Hotel Marquardt. ‘Abdu’l-Bahá empfing sie dort mit so viel Liebe und Güte, dass sie vor Freude und Glück strahlten.«Alma Knobloch, The Call to Germany, in: Bahá’í World, vol. VII, p. 740 – Anm. d. Hrsg.Q
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In Wien, wo Er sich einige Tage aufhielt, sprach ‘Abdu’l-Bahá zu einer Versammlung von Theosophen, in Budapest führte Er ein Gespräch mit dem Rektor der Universität, traf mehrmals den berühmten Orientalisten Professor Arminius Vambery, sprach vor der Theosophischen Gesellschaft, erhielt Besuch vom Präsidenten der Turánischen Gesellschaft, von Vertretern der Türkischen Gesellschaft, von Offizieren, von einigen Parlamentsmitgliedern und einer Abordnung der Jungtürken unter Führung von Professor Julius Germanus, der Ihn in der Stadt herzlich willkommen hieß. Dr. Rusztem Vambery schreibt: »Während dieser Zeit war Sein‘Abdu’l-Bahás.A Zimmer im Hotel Dunapalota ein wahres Mekka für alle, die die Mystik des Ostens und die Weisheit ihres Meisters in ihren Bann zog. Unter Seinen Besuchern waren Graf Albert Apponyi, Prälat Alexander Giesswein, der weltweit geachtete Orientalist Professor Ignatius Goldziher und der berühmte Budapester Maler Professor Robert A. Nadler, der auch Vorsitzender der Ungarischen Theosophischen Gesellschaft war.«Rusztem Vambery, An Appreciation, in: Bahá’í World, vol. V, p. 611 – Anm. d. Hrsg.Q
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Es blieb jedoch dem nordamerikanischen Kontinent vorbehalten, die erstaunlichste Ausprägung der unerschöpflichen Tatkraft zu erleben, die ‘Abdu’l-Bahá auf diesen Reisen an den Tag legte. Der bemerkenswerte Fortschritt, den die organisierte Gemeinde der Gläubigen in den Vereinigten Staaten und Kanada machte, die offensichtliche Aufnahmebereitschaft des amerikanischen Publikums für Seine Botschaft, sowie Sein Wissen um die hohe Bestimmung, der die Bevölkerung dieses Erdteils entgegensah, rechtfertigte voll und ganz den Aufwand an Zeit und Kraft, den ‘Abdu’l-Bahá dieser wichtigsten Phase Seiner Reisen widmete. Ein Besuch, der eine Reise von über fünftausend Meilen umfasste, der von April bis Dezember dauerte und Ihn vom Atlantik bis zur Pazifischen Küste und zurück führte, der so viele Reden mit sich brachte, dass sie ganze drei Bände füllen – dieser Besuch war der Höhepunkt Seiner Reisen, und war durch die weitreichenden Erfolge, die Seine Anstrengungen, wie Er wohl wusste, hervorbringen würden, vollauf gerechtfertigt. Als Er die Gläubigen in New York zum ersten Mal traf, sagte Er Ihnen: »Diese lange Reise wird zeigen, wie groß Meine Liebe zu euch ist. Es gab viele Schwierigkeiten und Rückschläge, aber bei dem Gedanken, euch zu treffen, ist das alles verflogen und vergessen.«‘Abdu’l-Bahá, in: Promulgation of Universal Peace 1:3, Ansprache vom 11. April 1912 im Hause von Herrn und Frau Edward B. Kinney 780 West End Avenue, New York – Anm. d. Hrsg.Q
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Aus der Art und Weise Seines Wirkens geht klar hervor, welchen Wert Er diesem Besuch beimaß. Mit eigener Hand legte Er den Grundstein zum Mashriqu’l-Adhkár, auf dem kurz zuvor erworbenen Grundstück bei Chicago am Ufer des Michigansees, im Beisein einer Versammlung von Vertretern der Bahá’í aus Ost und West; in einer Generalversammlung der Gläubigen in New York, das seitdem die »Stadt des Bundes«‘Abdu’l-Bahá, in 1912-06-19, berichtet in: Alan Ward, 239 Days, p. 93, Juliet Thompson, Diary, pp. 311–16[soweit ich das mitbekommen habe sollte es auch eine Tafel dazu geben – außerdem wird die Episode im Tagebuch von Juliet Thompson nicht explizit beschrieben].Q genannt wird, ließ Er die gerade erst ins Englische übersetzte Tafel vom Ast verlesen und erklärte anschließend mit Nachdruck, wozu der von Bahá’u’lláh gestiftete Bund verpflichtet; ein ergreifender Festakt fand in Inglewood in Kalifornien statt, als Er dem Grab von Thornton Chase, des »ersten amerikanischen Gläubigen«, ja des ersten überhaupt, der sich im Westen zur Sache Bahá’u’lláhs bekannt hatte, einen Pilgerbesuch abstattete; in West Englewood in New Jersey veranstaltete Er für eine große Versammlung Seiner Anhänger ein symbolträchtiges Fest unter freiem Himmel, vor der grünen Kulisse eines Junitages; Seine Gunst erwies Er dem offenen Forum in Green Acre in Maine, am Ufer des Piscataqua, wo sich viele Gläubige eingefunden hatten, und das sich in der Folge zu einer der ersten Bahá’í-Sommerschulen der westlichen Welt entwickeln sollte und als eine der ersten Bahá’í-Stiftungen auf dem amerikanischen Kontinent anerkannt werden sollte; bei der Sitzung der kurz zuvor gegründeten Bahá’í-Tempelvereinigung in Chicago sprach Er vor einigen hundert Zuhörern; und in einem beispielhaften Akt traute Er zwei Gläubige verschiedener Nationalität und Hautfarbe, der eine weiß, der andere schwarz – all das gehört zu den herausragenden Taten, die mit Seinem Besuch der Gemeinde der amerikanischen Gläubigen verbunden sind, Taten, die darauf ausgerichtet waren, den Weg für den Bau ihres zentralen Hauses der Andacht zu ebnen, sie für die Prüfungen zu stärken, die sie bald würden erdulden müssen, ihren Zusammenhalt zu festigen und die Anfänge der Gemeindeordnung zu segnen, die sie schon bald aufbauen und verfechten sollten.
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Nicht minder bemerkenswert war auch das Wirken ‘Abdu’l-Bahás in der Öffentlichkeit durch Seinen Umgang mit den vielen Leuten, mit denen Er auf Seiner Reise quer über den Kontinent in Kontakt kam. Ein ausführlicher Bericht über diese vielseitigen Aktivitäten, die Seine Tage volle acht Monate lang restlos ausfüllten, würde den Rahmen dieses Überblicks sprengen. Es genügt zu erwähnen, dass Er allein in New York an nicht weniger als fünfundfünfzig verschiedenen Orten öffentliche Ansprachen hielt oder einen offiziellen Besuch abstattete. Friedensgesellschaften, christliche und jüdische Vereinigungen, Hochschulen und Universitäten, Wohlfahrtseinrichtungen, ethische Kultusgemeinden, Neugeistzentren, Okkultistengruppen, Frauenvereine, wissenschaftliche Interessenverbände, Esperantisten, Theosophen, Mormonen, Agnostiker, Fördereinrichtungen für Afro-Amerikaner, Vertreter der syrischen, armenischen, griechischen, chinesischen und japanischen Gemeinden – sie alle lernten Seine kraftvolle Persönlichkeit kennen und genossen das Vorrecht, aus Seinem eigenen Mund die Botschaft Seines Vaters zu vernehmen. Auch die Presse versäumte nicht, in ihren Leitartikeln und in den Berichten über Seine Reden die Weite Seiner Schau und das Wesen Seiner Aufrufe zu würdigen.
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Seine Rede bei den Friedenskonferenzen in Lake Mohonk; Seine Ansprachen vor großen Versammlungen in den Universitäten von Columbia, Howard und New York; Seine Teilnahme an der vierten Jahreskonferenz der Nationalen Gesellschaft zur Förderung der Afro-Amerikaner; Sein mutiges Bekenntnis zur Gültigkeit der prophetischen Sendungen Jesu und Muḥammads im Tempel Emmanu-El, einer jüdischen Synagoge in San Francisco, wo nicht weniger als zweitausend Menschen versammelt waren; Seine inhaltsschwere Ansprache vor achtzehnhundert Studenten und hundertachtzig Lehrern und Professoren in der Stanford-Universität; Sein unvergesslicher Besuch bei der Bowery-Mission in den Elendsvierteln von New York; der glänzende Empfang, der Ihm zu Ehren in Washington D.C. gegeben wurde, und bei dem Ihm viele herausragende Personen des gesellschaftlichen Lebens dieser Stadt vorgestellt wurden – das waren die Höhepunkte der unvergesslichen Mission, die Er im Dienst an der Sache Seines Vaters auf sich nahm. Staatssekretäre, Gesandte, Kongressabgeordnete, angesehene Rabbiner und Geistliche sowie weitere Menschen von Rang und Namen trafen mit Ihm zusammen, unter ihnen solche Persönlichkeiten wie Dr. D. S. Jordan, Rektor der Stanford-Universität, Prof. Jackson von der Columbia-Universität, Prof. Jack von der Universität Oxford, Rabbi Stephen Wise aus New York, Dr. Martin A. Meyer, Rabbi Joseph L. Levy, Rabbi Abram Simon, Alexander Graham Bell, Rabindranath Tagore, Hon. Franklin K. Lane, Mrs. William Jennings Bryan, Andrew Carnegie, Hon. Franklin MacVeagh, Schatzkanzler der Vereinigten Staaten, Lee McClung, Mr. Roosevelt, Admiral Wain Wright, Admiral Peary, der britische, der niederländische und der Schweizer Gesandte in Washington, der in Washington residierende türkische Botschafter Yúsuf Ḍíyá’ Páshá, Thomas Seaton, Hon. William Sulzer und Prinz Muḥammad-‘Alí von Ägypten, der Bruder des Khediven.
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»Als ‘Abdu’l-Bahá im Jahr 1912 zum ersten Mal in dieses Land kam«, schrieb ein Berichterstatter über Seine Reisen in Amerika, »da stieß Er auf ein großes, aufgeschlossenes Publikum, das darauf wartete, Ihn persönlich begrüßen zu dürfen und Seine liebevolle und geistige Botschaft aus Seinem eigenen Mund zu vernehmen. … Jenseits der gesprochenen Worte war etwas Unbeschreibliches in Seiner Persönlichkeit, das bei allen, die mit Ihm zusammentrafen, einen tiefen Eindruck hinterließ. Die hohe Stirn, der patriarchale Bart, die Augen, die hinter Zeit und Raum geblickt zu haben schienen, die sanfte und doch klare und eindringliche Stimme, die dezente Bescheidenheit, die nie versiegende Liebe – und über allem der Eindruck von Macht, gepaart mit Güte, die Seinem ganzen Wesen eine außergewöhnliche Majestät und geistige Erhabenheit verlieh und Ihn als etwas Besonderes auszeichnete, Ihn aber zugleich den einfachsten Menschen nahe brachte – all das und noch viel mehr, das nicht beschrieben werden kann, hinterließ bei Seinen vielen … Freunden unauslöschliche und unbeschreiblich kostbare Erinnerungen.«
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Ein Überblick über die Reisen ‘Abdu’l-Bahás in Europa und Amerika kann zwar Seinem dortigen vielseitigen und umfangreichen Wirken niemals gerecht werden, muss hier aber noch um einige ungewöhnlicher Begebenheiten ergänzt werden, wie sie sich oft im persönlichen Kontakt mit Ihm zutrugen. Die kühne Entschlossenheit eines unbeugsamen Jungen, der fürchtete, dass ‘Abdu’l-Bahá nicht auch die westlichen Staaten besuchen käme, der aber kein Geld für eine Zugfahrt nach Neu-England besaß und die ganze lange Strecke von Minneapolis bis Maine zurücklegte, indem er sich unter einem Zug auf die Stangen zwischen den Rädern legte; der Wandel im Leben des Sohnes eines englischen Landpfarrers, der sich in seinem Elend und seiner Not während eines Spaziergangs am Themseufer dazu entschlossen hatte, seinem Leben ein Ende zu setzen und der, als er in einem Schaufenster eine Fotografie von ‘Abdu’l-Bahá sah, nach Ihm fragte, zur angegebenen Adresse eilte und sich durch die aufmunternden und tröstlichen Worte ‘Abdu’l-Bahás so neu belebt fühlte, dass er alle Selbstmordgedanken fallen ließ; das außergewöhnliche Erlebnis einer Frau, deren kleine Tochter aufgrund eines Traumes, den sie gehabt hatte, steif und fest behauptete, dass Jesus Christus wieder in der Welt sei und die, als sie in der Auslage einer Zeitschriftenhandlung das Bild von ‘Abdu’l-Bahá sah, in Ihm augenblicklich den Jesus Christus aus ihrem Traum erkannte, worauf ihre Mutter, als sie las, dass ‘Abdu’l-Bahá in Paris sei, das nächste Schiff nach Europa nahm, um so schnell wie möglich zu Ihm zu kommen; der Entschluss des Herausgebers einer in Japan erscheinenden Zeitschrift, seine Reise nach Tokio in Konstantinopel zu unterbrechen und nach London zu fahren, nur um »die Freude zu erleben, einen einzigen Abend in Seiner Gegenwart zu verbringen«Blomfield, The Choosen Highway, p. 175 – Anm. d. Hrsg.Q; die berührende Szene, als ‘Abdu’l-Bahá von einem persischen Freund, der vor kurzem aus ‘Ishqábád nach London gekommen war, ein Baumwolltuch, das um ein Stück vertrocknetes Schwarzbrot und einen verschrumpelten Apfel gewickelt war, erhielt – die Gabe eines armen Bahá’í-Arbeiters aus jener Stadt –, Er das Geschenk vor den versammelten Gästen auspackte, Sein Essen stehenließ, das Brot in Stücke brach, davon aß und es mit den Anwesenden teilte – das sind nur einige wenige Beispiele aus einer Fülle von Begebenheiten, die ein aufschlussreiches Licht auf einige persönliche Aspekte Seiner unvergesslichen Reisen werfen.
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Unvergesslich sind auch bestimmte Szenen, die sich um diese majestätische und patriarchale Gestalt drehen, während Er die Städte Europas und Amerikas bereiste. Das beeindruckende Gespräch mit Archidiakon Wilberforce, bei dem ‘Abdu’l-Bahá seine vielen Fragen beantwortete, während der berühmte Kirchenmann auf einem niedrigen Stuhl an Seiner Seite saß und ‘Abdu’l-Bahás Hand liebevoll auf dessen Haupt ruhte; die noch beeindruckendere Szene, als derselbe Archidiakon, nachdem er mitsamt seiner Gemeinde in der St. John’s-Kirche kniend den Segen seines Gastes empfangen hatte, mit Ihm Hand in Hand durch den Chorgang zur Sakristei schritt, während die ganze Gemeinde stehend ein Kirchenlied sang; der Anblick des Jalálu’d-Dawlih, wie er ‘Abdu’l-Bahá zu Füßen fiel, Ihn vielmals um Entschuldigung bat und Seine Vergebung für seine früheren Frevel erflehte; der begeisterte Empfang, der Ihm von der Stanford-Universität bereitet wurde, wo Er vor fast zweitausend Professoren und Studenten über einige der edelsten Wahrheiten Seiner Botschaft an den Westen sprach; das berührende Bild in der Bowery-Mission, als vierhundert Arme New Yorks einer nach dem anderen an Ihm vorbeizogen und jeder aus Seinen gesegneten Händen eine Silbermünze bekam; die Huldigung einer syrischen Frau in Boston, die sich ihren Weg durch die Ihn umgebende Menschenmenge bahnte, sich Ihm zu Füßen warf und laut rief: »Ich bekenne, dass ich in Dir den Geist Gottes und Jesus Christus erkenne«; als Er dann diese Stadt in Richtung Dublin in New Hampshire verließ, zollten Ihm zwei von Bewunderung erfüllte Araber eine nicht minder leidenschaftliche Anerkennung, indem sie sich vor Ihm niederwarfen und laut schluchzend bekannten, dass Er Gottes eigener Bote an die Menschheit sei; in einer Synagoge in San Francisco lauschte eine große Versammlung von zweitausend Juden aufmerksam Seinen Worten, als Er die Gültigkeit der Ansprüche darlegte, die Jesus Christus und Muḥammad erhoben hatten; bei einer Ansprache eines Nachts in Montreal fiel Ihm während Seiner Rede der Turban vom Kopf, so sehr war Er von Seinem Thema hingerissen; in einem Elendsviertel von Paris sprach er in einem Missionshaus zu einer Versammlung, und auf dem Heimweg gab Ihm eine tobende Menschenmenge, beeindruckt von Seiner Gegenwart, ehrerbietig und schweigend den Weg frei, während Er durch ihre Mitte schritt; am Morgen der Abreise ‘Abdu’l-Bahás aus London kam ein zoroastrischer Arzt atemlos angestürzt, um Ihm Lebewohl zu sagen, und in einer bezeichnenden Geste salbte er Sein Haupt und Seine Brust mit einem wohlriechenden Öl, berührte die Hände aller Anwesenden und legte Ihm eine Girlande aus Rosenknospen und Lilien um Nacken und Schultern; die große Menge an Besuchern, die sich kurz nach Tagesanbruch vor der Tür Seines Hauses in Cadogan Gardens einfanden und geduldig warteten, bis die Tür geöffnet wurde und sie eintreten konnten; unvergessen auch Seine majestätische Gestalt, wenn Er mit kraftvollem Schritt die Rednertribüne betrat oder in Kirchen und Synagogen mit segnend erhobenen Händen vor einer großen Menge ehrfürchtiger Zuhörer stand; die spontane Hochachtung seitens der vornehmen Damen der Londoner Gesellschaft, die unwillkürlich knicksten, wenn sie vor Ihn traten; der ergreifende Anblick, als Er sich auf dem Friedhof von Inglewood tief über das Grab Seines geliebten Schülers Thornton Chase beugte und seinen Grabstein küsste, worauf sich alle beeilten, Seinem Beispiel zu folgen; die achtbare Versammlung von Christen, Juden und Muslimen beiderlei Geschlechts aus Ost und West, die sich in der Moschee von Woking versammelten, um Seine Worte über die Einheit der Welt zu hören – Szenen wie diese behalten viel von ihrer ursprünglichen Eindrücklichkeit und Kraft, auch wenn sie uns nur als kühle Aufzeichnung auf einer gedruckten Seite vorliegen.
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Wer weiß, welche Gedanken ‘Abdu’l-Bahás Herz bewegten, als Er sich in den Mittelpunkt derart denkwürdiger Szenen gerückt sah? Wer weiß, welche Gedanken Ihm in den Sinn kamen, als Er mit dem Oberbürgermeister von London frühstückte, oder als Er vom Khediven selbst in dessen Palast mit außergewöhnlicher Ehrerbietung empfangen wurde, oder als Er die Rufe ›Alláh-u-Abhá‹ und die Lob- und Danklieder hörte, die bei vielen glanzvollen Versammlungen der begeisterten Gläubigen und Freunde in so vielen amerikanischen Städten Sein Kommen ankündigten? Wer weiß, welche Erinnerungen in Ihm wach wurden, als Er vor den tosenden Wassern des Niagara stand und die freie Luft dieses fernen Landes atmete, oder als Er während einer kurzen, dringend nötigen Erholungspause die grünen Wälder und die Landschaft in Glenwood Springs betrachtete, oder als Er mit einem Gefolge orientalischer Gläubiger auf den Wegen des Trocadero-Gartens in Paris wandelte, oder als Er am Abend in New York am majestätischen Hudson River allein die Uferstraße entlangging, oder als Er auf der Terrasse des Parkhotels in Thonon-les-Bains auf und ab schritt und auf den Genfer See hinausblickte, oder als Er in London von der Schlangenbrücke aus die schimmernde Lichterkette betrachtete, die sich unter den Bäumen hinstreckte, soweit das Auge reichte? Gedanken an die Sorgen, die Armut, das schwere Schicksal, das Seine Jugendjahre überschattete; Gedanken an Seine Mutter, die ihre goldenen Knöpfe verkaufte, um für Ihn, Seinen Bruder und Seine Schwester zu sorgen, und die Ihm in ihren schwersten Stunden nur eine Handvoll trockenes Mehl geben konnte, um Seinen Hunger zu stillen; Gedanken an Seine Kindheit, als Er von einem Rudel Gassenjungen in den Straßen von Ṭihrán verfolgt und verhöhnt wurde; an den dumpfen, düsteren Raum, eine frühere Leichenkammer, den Er in der Kaserne von ‘Akká bewohnte, und an Seine Haft im dortigen Gefängnis – solche Erinnerungen werden Ihn sicher bedrängt haben. Sicher musste Er auch an die Gefangenschaft des Báb denken, in den Gebirgsfestungen von Ádhirbáyján, wo Ihm nachts nicht einmal eine Lampe zugestanden wurde, und an Dessen grausame und erschütternde Hinrichtung, bei der hunderte von Kugeln Seine jugendliche Brust zerfetzten. Bestimmt und vor allem aber kreisten Seine Gedanken um Bahá’u’lláh, den Er so leidenschaftlich liebte und Dessen Leid Er von Kindheit an mit angesehen und geteilt hatte. Der von Ungeziefer verseuchte Síyáh-Chál in Ṭihrán; die Bastonade, die Er in Ámul ertragen musste; die armselige Kost, die Seine Almosenschale füllte, als Er zwei Jahre lang in den Bergen von Kurdistán das Leben eines Derwischs führte; die Tage in Baghdád, wo Er so arm war, dass Er nicht einmal Seine Wäsche wechseln konnte und wo die Gläubigen von einer Handvoll Datteln lebten; Seine Gefangenschaft hinter den Kerkermauern von ‘Akká, wo Ihm neun Jahre lang sogar der Anblick von Grün verwehrt wurde; die öffentliche Demütigung, der Er im Verwaltungsgebäude dieser Stadt unterworfen wurde – solche und ähnliche Bilder aus der schrecklichen Vergangenheit müssen Ihn so manches Mal überwältigt haben und Gefühle der Dankbarkeit, gemischt mit Kummer, wachgerufen haben, als Er die zahlreichen Zeichen der Hochachtung, Wertschätzung und Verehrung sah, die Ihm und dem Glauben, den Er vertrat, nun entgegengebracht wurden. »O Bahá’u’lláh, was hast Du getan!«, rief Er – wie der Chronist Seiner Reisen berichtet – eines Abends aus, als Er in Washington eilig zu Seiner dritten Verabredung an diesem Tag aufbrach, »O Bahá’u’lláh! Möge mein Leben ein Opfer für Dich sein! O Bahá’u’lláh! Möge meine Seele um Deinetwillen hingegeben werden! Welch Leid und Kummer haben Deine Tage erfüllt! Welch schwere Qualen hast Du ertragen! Welch sicheres Fundament hast Du schließlich gelegt und welch herrliches Banner hast Du gehisst!«‘Abdu’l-Bahá, berichtet in: Maḥmúd Zarqání, Badáyi‘u’l-Áthár 1912-04-24:6 – Anm. d. Hrsg.Q Der Chronist berichtet weiter: »Eines Tages auf einem Spaziergang rief Er die Tage der Gesegneten Schönheit in Erinnerung und bezog sich dabei voll Trauer auf Seinen Aufenthalt in Sulaymáníyyih, auf Seine Einsamkeit und auf das Unrecht, das Ihm zugefügt wurde. Obwohl Er schon oft darüber gesprochen hatte, überwältigten Ihn an diesem Tag Seine Gefühle doch so sehr, dass Er vor Kummer laut schluchzte. … Alle Begleiter weinten mit Ihm und waren von Schmerz erfüllt, als sie Seine Erzählung von den schmerzlichen Prüfungen vernahmen, die die Gesegnete Schönheit erduldet hatte, und wurden darüber hinaus Zeugen der Zartheit des Herzens, die Sein Sohn zum Ausdruck brachte.«Maḥmúd Zarqání, Badáyi‘u’l-Áthár 1912-10-23:8 – Anm. d. Hrsg.Q
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Eine höchst bedeutsame Szene in einem ein Jahrhundert währenden Drama war vorüber. Ein ruhmvolles Kapitel der Geschichte des ersten Bahá’í-Jahrhunderts war geschrieben. Die Saat ungeahnter Möglichkeiten war durch die Hand des Mittelpunkts des Bundes auf einige der fruchtbaren Felder der westlichen Welt gesät. Nie in der gesamten Religionsgeschichte trat je eine ähnliche Gestalt auf, um ein derart großes und unsterblich wertvolles Werk zu vollbringen. Durch diese schicksalsträchtigen Reisen wurden Kräfte freigesetzt, die wir auch heute aus einer Distanz von fast fünfunddreißig Jahren noch nicht ermessen oder begreifen können. Schon hat eine Königin, angeregt von ‘Abdu’l-Bahás zwingenden Argumenten, mit denen Er im Verlauf Seiner Ansprachen die Göttlichkeit Muḥammads verteidigte, ihren Glauben bekannt und öffentlich den göttlichen Ursprung des Propheten des Islám bestätigt. Schon hat ein Präsident der Vereinigten Staaten einige der von ‘Abdu’l-Bahá in Seinen Gesprächen so klar formulierten Prinzipien so verinnerlicht, dass er sie in ein Friedensprogramm aufnahm, das als kühnster und edelster Vorschlag gilt, der bis heute für das Wohl und die Sicherheit der Menschheit gemacht worden ist. Und ach, schon hat sich die Welt, die für Seine Warnungen taub war und Seinen Ruf zurückgewiesen hat, in zwei Weltkriege von nie dagewesener Härte verstrickt, deren Folgen bis heute niemand auch nur erahnen kann.
Kapitel 20Wachstum und Ausbreitung des Glaubens in Ost und West
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‘Abdu’l-Bahás historische Reisen in den Westen, besonders Seine achtmonatige Reise durch die Vereinigten Staaten von Amerika, können wohl als Höhepunkt Seiner Amtszeit bezeichnet werden, eine Amtszeit, deren unermessliche Segnungen und überwältigende Erfolge erst künftige Generationen gebührend werden würdigen können. Wie die Sonne der Offenbarung Bahá’u’lláhs in Adrianopel, zur Stunde, da Er Seine Botschaft den Herrschern der Welt verkündete, in ihrem Mittagsglanz erstrahlte, so erreichte der Himmelskörper Seines Bundes seinen Zenit und verbreitete sein hellstes Strahlen, als sein erwählter Mittelpunkt sich aufmachte, um den Völkern des Westens die Herrlichkeit und Größe der Religion Seines Vaters zu verkünden.
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Dieser von Gott eingesetzte Bund hatte bereits kurz nach seiner Einführung durch den entscheidenden Triumph über die dunklen Mächte, die sein Erzbundesbrecher ihm so entschlossen entgegenstellte, ohne jeden Zweifel seine unüberwindliche Widerstandskraft bewiesen. Seine belebende Kraft zeigte sich bald darauf in den gewaltigen Siegen, die seine Fackelträger so rasch und mutig in den fernen Städten Westeuropas und der Vereinigten Staaten von Amerika errangen. Durch seine Fähigkeit, die Einheit und Unversehrtheit des Glaubens in Ost und West zu wahren, hatte er seinen hohen Anspruch voll und ganz bewiesen. Einen weiteren Beweis seiner unbezwinglichen Kraft lieferte später ein denkwürdiger Sieg, der Sturz von Sulṭán ‘Abdu’l-Ḥamíd, der die Befreiung des ernannten Mittelpunkts des Bundes aus vierzigjähriger Gefangenschaft zur Folge hatte. Denen, die seinen göttlichen Ursprung immer noch in Zweifel zogen, lieferte das einen weiteren unbestreitbaren Beweis für seine Festigkeit, indem es ‘Abdu’l-Bahá ermöglichte die Gebeine des Báb trotz größter Schwierigkeiten nach Haifa zu überführen und in einem Mausoleum auf dem Karmel beizusetzen. Und er offenbarte vor aller Welt machtvoll und in nie zuvor gekanntem Maße sein Potential, als er Ihn, der seinen Geist und seine Absicht verkörperte, dazu befähigte, sich auf eine dreijährige Missionsreise in den Westen zu begeben – eine so bedeutende Reise, dass sie mit Fug und Recht als die größte Heldentat Seiner Amtszeit bezeichnet werden kann.
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Es waren nicht die einzigen Erfolge, so herausragend sie auch waren, die der Mittelpunkt des Bundes in Seinem unermüdlichen Streben so heldenhaft erzielte. Die Ausbreitung und Weiterentwicklung des Glaubens Seines Vaters im Osten; die Inangriffnahme von Aktivitäten und Unternehmungen, von denen man sagen kann, dass sie den Beginn der künftigen Strukturen einer Gemeindeordnung darstellen; der Bau des ersten Mashriqu’l-Adhkár der Bahá’í-Welt in ‘Ishqábád in Russisch-Turkistán; die Vermehrung der Bahá’í-Literatur; die Offenbarung der Sendschreiben zum göttlichen Plan; und die Einführung der Bahá’í-Religion in Australien – das alles zählt zu den herausragenden Leistungen, die die strahlende Bilanz der einzigartigen Amtszeit ‘Abdu’l-Bahás schmücken.
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In Persien, der Wiege des Glaubens, zeichnete sich trotz der unvermindert gewalttätigen Verfolgungen über all die Jahre dieser Amtszeit ein deutlicher Wandel ab, der das allmähliche Hervortreten der geächteten Gemeinde aus ihrer bisherigen Verborgenheit kennzeichnet. Náṣiri’d-Dín Sháh fand vier Jahre nach Bahá’u’lláhs Hinscheiden, am Vorabend seines Regierungsjubiläums, das eine Wende in der Geschichte seines Landes herbeiführen sollte, den Tod durch die Hand eines Mörders namens Mírzá Riḍá, einem Gefolgsmann des berüchtigten Siyyid Jamáli’d-Dín-i-Afghání, der ein Feind des Glaubens war und einer der Begründer der konstitutionellen Revolution, die unter der Regierung Muẓaffara’d-Díns, des Sohnes und Thronfolgers des Sháhs, immer erfolgreicher wurde und der gejagten und verfolgten Bahá’í-Gemeinde neue Schwierigkeiten bereiten sollte. Sogar die Ermordung des Sháhs hatte man zunächst dieser Gemeinde in die Schuhe geschoben, was deutlich wird durch den grausamen Tod, den der bekannte Lehrer und Dichter Mírzá ‘Alí-Muḥammad, von Bahá’u’lláhVarqáTaube.A genannt, zusammen mit seinem zwölfjährigen Sohn Rúḥu’lláh unmittelbar nach der Ermordung des Herrschers zu erleiden hatte, als sie im Gefängnis von Ṭihrán auf unmenschliche Weise vom brutalen Ḥájibu’d-Dawlih umgebracht wurden, der vor den Augen des Sohnes dem Vater einen Dolch in den Leib stieß und ihn in Stücke schnitt, vom Jungen den Widerruf seines Glaubens verlangte und als er eine klare Absage bekam, ihn mit einem Strick erdrosselte.
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