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Bahá’u’lláh

Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs

1

1:1Gepriesen und verherrlicht bist Du, o Herr, mein Gott! Wie kann ich Deiner gedenken, da ich doch weiß, daß keine Zunge, und wäre ihre Weisheit noch so tief, Deinen Namen gebührend rühmen kann und daß der Vogel des Menschenherzens, so sehr er sich auch sehne, niemals hoffen darf, zum Himmel Deiner Erhabenheit und Deines Wissens aufzusteigen.

1:2Wenn ich Dich, o mein Gott, als den All-Wahrnehmenden beschreibe, muß ich zugeben, daß Sie, die höchsten Verkörperungen der Wahrnehmung, auf Dein Geheiß erschaffen wurden. Und wenn ich Dich als den Allweisen preise, muß ich zugleich anerkennen, daß die Urquellen der Weisheit selbst durch das Wirken Deines Willens entstanden. Und wenn ich Dich als den Unvergleichlichen verkünde, erkenne ich bald, daß Sie, die der Inbegriff der Einheit sind, durch Dich herabgesandt wurden und nur Beweise Deines Werkes sind. Und wenn ich Dich als den Allwissenden begrüße, muß ich bekennen, daß Sie, die der Inbegriff des Wissens sind, nur Schöpfung und Werkzeug Deiner Absicht sind.

1:3Erhaben, unermeßlich erhaben bist Du über das Bemühen der Sterblichen, Dein Geheimnis zu enträtseln, Deine Herrlichkeit zu schildern oder die Art Deines Wesens auch nur anzudeuten. Denn was immer solches Bemühen erreichen mag, – nie darf es hoffen, jene Grenzen zu überschreiten, die Deinen Geschöpfen gesetzt sind, ist dieses Streben doch durch Dein Gebot bewirkt und durch Dein Ersinnen gezeugt. Die erhabensten Gefühle, die die Heiligsten der Heiligen zu Deinem Lobe bezeigen können, und die tiefste Weisheit, die die gelehrtesten Menschen bei dem Versuch, Dein Wesen zu begreifen, zu äußern vermögen, kreisen alle um jenen Mittelpunkt, der Deiner Herrschaft völlig untertan ist, Deine Schönheit verehrt und durch die Bewegung Deiner Feder Antrieb findet.

1:4Nein, verhüte, o mein Gott, daß ich jemals Worte äußere, die zwangsläufig eine unmittelbare Beziehung zwischen der Feder Deiner Offenbarung und dem Wesen alles Erschaffenen andeuten. Weit stehen jene, die Dir verbunden sind, über der Vorstellung einer solchen Beziehung. Alle Vergleiche und Ähnlichkeiten vermögen dem Baum Deiner Offenbarung nicht gerecht zu werden, und jeder Weg zum Verständnis der Manifestation Deiner selbst und des Tagesanbruchs Deiner Schönheit ist verschlossen.

1:5Fern, fern von Deiner Herrlichkeit sei, was der sterbliche Mensch von Dir aussagen oder Dir zuschreiben kann, oder der Lobpreis, mit dem er Dich zu verherrlichen vermag! Was immer Du Deinen Dienern geboten hast, damit sie Deine Majestät und Herrlichkeit aufs höchste preisen, ist nur ein Zeichen Deiner Gnade für sie, auf daß sie fähig werden, zu der Stufe aufzusteigen, die ihrem innersten Wesen verliehen wurde, der Stufe der Erkenntnis ihres eigenen Selbstes.

1:6Niemand außer Dir war jemals fähig, Dein Geheimnis zu ergründen oder Deine Größe angemessen zu preisen. Unerforschlich, hoch erhaben über das Lob der Menschen wirst Du immerdar bleiben. Es ist kein Gott außer Dir, dem Unerreichbaren, dem Allmächtigen, dem Allwissenden, dem Heiligen der Heiligen.

2

2:1Aller Dinge Anfang ist die Erkenntnis Gottes, und aller Dinge Ziel ist die strikte Beachtung dessen, was herabgesandt ist vom Lichthimmel des göttlichen Willens, der alles durchdringt, was in den Himmeln, und alles, was auf Erden ist.

3

3:1Die Offenbarung, die seit unvordenklichen Zeiten als das Ziel und die Verheißung aller Propheten Gottes gepriesen worden ist und das höchste Verlangen Seiner Boten war, ist nun nach dem alldurchdringenden Willen des Allmächtigen und auf Sein unwiderstehliches Geheiß den Menschen enthüllt worden. In allen heiligen Schriften ist das Kommen einer solchen Offenbarung angekündigt worden. Seht nun, wie die Menschheit trotz solcher Ankündigung von ihrem Weg abgeirrt ist und sich selbst ihrer Herrlichkeit verschlossen hat.

3:2Sprich: O ihr Liebenden des einen, wahren Gottes! Strebt danach, Ihn wahrhaft anzunehmen und zu erkennen, und folgt Seinen Geboten, wie es euch ziemt. Dies ist eine Offenbarung, in der Myriaden von Meeren der Lohn für den sein werden, der um ihretwillen auch nur einen Tropfen seines Bluts opfert. Hütet euch, o Freunde, daß ihr eine so unschätzbare Wohltat nicht verwirkt oder ihre überragende Stufe gering achtet. Denkt an die vielen Leben, die geopfert wurden und noch geopfert werden in einer Welt, die durch ein bloßes Hirngespinst irregeführt ist, erdacht aus dem eitlen Wahn ihrer Völker. Danket Gott, daß euer Herzenswunsch Erfüllung fand und ihr mit Ihm vereint wurdet, der der Verheißene aller Völker ist. Bewahrt euch mit der Hilfe des einen, wahren Gottes – gepriesen sei Seine Herrlichkeit – die Unversehrtheit der Stufe, die ihr erreicht habt, und haltet fest an dem, was Seine Sache fördert. Er, fürwahr, gebietet euch, was recht ist und des Menschen Stufe erhöht. Verherrlicht sei der Allbarmherzige, der Offenbarer dieser wundersamen Tafeln.

4

4:1Dies ist der Tag, da Gottes erhabenste Segnungen den Menschen zugeströmt sind, der Tag, da alles Erschaffene mit Seiner mächtigsten Gnade erfüllt wurde. Alle Völker haben die Pflicht, ihre Gegensätze auszugleichen und in größter Eintracht und in Frieden im Schatten des Baumes Seiner Obhut und Gnade zu wohnen. Sie müssen sich an das halten, was an diesem Tage der Erhöhung ihrer Stufe und der Förderung ihrer wahren Interessen am besten dient. Glücklich die, zu deren Gedenken die allherrliche Feder bewegt ward, und gesegnet die Menschen, deren Namen Wir nach Unserem unerforschlichen Ratschluß zu verschweigen vorzogen.

4:2Bittet den einen, wahren Gott, daß Er allen Menschen gnädig beistehe, das zu erfüllen, was in Unseren Augen annehmbar ist. Bald wird die heutige Ordnung aufgerollt und eine neue an ihrer Statt entfaltet werden. Wahrlich, dein Herr spricht die Wahrheit, und Er weiß um das Ungeschaute.

5

5:1Dies ist der Tag, da das Meer göttlicher Gnade den Menschen offenbart ist, der Tag, da die Sonne Seiner Güte ihren Strahlenglanz über sie ergießt, der Tag, da die Wolken Seiner reichen Gaben die ganze Menschheit überschatten. Jetzt ist die Zeit, die Niedergeschlagenen mit dem belebenden Hauch der Liebe und Verbundenheit und den Lebenswassern des Wohlwollens und der Barmherzigkeit zu trösten und zu erquicken.

5:2Wo immer die Geliebten Gottes sich versammeln und wem immer sie begegnen, sie müssen in ihrer Haltung vor Gott und beim Lobpreis Seines Ruhmes und Seiner Ehre solche Demut und Ergebenheit zeigen, daß jedes Staubatom unter ihren Füßen die Tiefe ihrer Hingabe bezeugt. Das Gespräch, das diese heiligen Seelen führen, sollte von solcher Kraft erfüllt sein, daß diese Staubatome unter seinem Einfluß erbeben. Sie sollten sich so verhalten, daß die Erde, auf die sie treten, niemals Worte zu ihnen sprechen kann wie diese: »Ich bin euch vorzuziehen, denn seht, wie geduldig ich die Bürde trage, die mir der Landmann auferlegt. Ich bin das Mittel, das unablässig allen Wesen die Segnungen spendet, mit denen Er, der Ursprung aller Gnade, mich betraut hat. Trotz der mir erwiesenen Ehre und der zahllosen Beweise meines Reichtums, – eines Reichtums, der den Bedarf der ganzen Schöpfung deckt – seht das Maß meiner Demut und bezeugt, wie ich mich in voller Ergebenheit von den Menschen mit Füßen treten lasse.«

5:3Erweist einander Langmut, Wohlwollen und Liebe. So jemand unter euch eine bestimmte Wahrheit nicht zu erfassen vermag oder sich um ihr Verständnis bemüht, so sprecht mit ihm voller Güte und in bester Absicht. Helft ihm, die Wahrheit zu sehen und zu erkennen, ohne euch im geringsten über ihn erhaben zu fühlen oder im Besitz größerer Gaben zu wähnen.

5:4Die ganze Pflicht des Menschen liegt an diesem Tage darin, seinen Teil an der Gnadenfülle zu erlangen, die Gott für ihn strömen läßt. Deshalb soll niemand der Größe des Gefäßes achten. Der Anteil der einen mag in einer Handvoll liegen, der Anteil anderer mag einen Becher füllen, der wieder anderer gar das Maß eines Scheffels.

5:5Jedes Auge sollte an diesem Tage suchen, was die Sache Gottes am besten fördert. Er, die Ewige Wahrheit, ist Mein Zeuge! Nichts, was es auch sei, kann an diesem Tage der Sache Gottes größeren Schaden zufügen als Zwietracht und Hader, Wortstreit, Entfremdung und Gleichgültigkeit unter den Geliebten Gottes. Flieht sie durch die Macht Gottes und Seine unumschränkte Hilfe und trachtet danach, die Herzen der Menschen zu verbinden in Seinem Namen, der Vereiner, der Allwissende, der Allweise.

5:6Bittet den einen, wahren Gott, Er möge euch den Geschmack solcher Werke kosten lassen, wie sie auf Seinem Pfade vollbracht werden, und an der Süße solcher Demut und Ergebenheit teilhaben lassen, wie sie um Seinetwillen erzeigt werden. Vergeßt euer eigenes Selbst und wendet eure Augen eurem Nächsten zu. Widmet eure Kräfte allem, was die Erziehung der Menschen fördert. Nichts ist vor Gott verborgen oder könnte es jemals sein. So ihr Seinem Wege folgt, werden Seine unermeßlichen, unvergänglichen Segnungen auf euch herniederströmen. Dies ist die leuchtende Tafel, deren Verse aus der eilenden Feder dessen strömten, der der Herr aller Welten ist. Bedenkt es im Herzen und gehört zu denen, die Seine Gebote halten.

6

6:1Seht, wie die verschiedenen Völker und Geschlechter der Erde das Kommen des Verheißenen erwartet haben. Doch kaum war Er, die Sonne der Wahrheit, erschienen, siehe, da wandten sich alle von Ihm ab, außer denen, die Gott zu führen beliebte. Wir wagen nicht, an diesem Tage den Schleier vor jener erhabenen Stufe zu lüften, die jeder wahre Gläubige erreichen kann, denn die Freude, die eine solche Offenbarung erregen muß, könnte bei manchen bewirken, daß sie ohnmächtig werden und sterben.

6:2Er, das Herz und der Mittelpunkt des Bayán, hat geschrieben: »Der Keim, der die Möglichkeiten der kommenden Offenbarung in sich birgt, ist mit einer Macht begabt, die stärker ist als die vereinten Kräfte aller, die Mir folgen.« Und weiter sagt Er: »Von allen Huldigungen, die Ich Ihm, der nach Mir kommen wird, dargebracht habe, ist die höchste Mein schriftliches Bekenntnis, daß keines Meiner Worte Ihn angemessen beschreiben kann und kein Hinweis auf Ihn in Meinem Buche, dem Bayán, Seiner Sache gerecht zu werden vermag.«

6:3Wer die Tiefen der Meere, die diese erhabenen Worte bergen, durchforscht und ihren Sinn ergründet, von dem kann gesagt werden, daß er einen Schimmer der unaussprechlichen Herrlichkeit entdeckt, die dieser mächtigen, dieser erhabenen, heiligsten Offenbarung verliehen ist. Aus der überragenden Bedeutung einer so großen Offenbarung kann die Ehre, die ihre getreuen Anhänger schmückt, wohl ermessen werden. Bei der Gerechtigkeit des einen, wahren Gottes! Der bloße Atem dieser Seelen ist kostbarer als alle Schätze der Erde. Glücklich der Mensch, der dies erreicht, und wehe den Achtlosen!

7

7:1Wahrlich, Ich sage, dies ist der Tag, an dem die Menschheit das Angesicht des Verheißenen schauen und Seine Stimme hören kann. Gottes Ruf ist erhoben, und das Licht Seines Antlitzes ist über den Menschen aufgegangen. Ein jeder sollte die Spuren jedes eitlen Wortes von der Tafel seines Herzens löschen und mit offenem, unvoreingenommenem Sinn fest auf die Zeichen Seiner Offenbarung, die Beweise Seiner Sendung und die Zeichen Seiner Herrlichkeit schauen.

7:2Groß fürwahr ist dieser Tag! Die Hinweise in allen heiligen Schriften auf ihn als den »Tag Gottes« bezeugen seine Größe. Die Seele jedes Propheten Gottes und jedes göttlichen Boten hat nach diesem wundersamen Tag gedürstet, und alle Geschlechter der Erde haben sich danach gesehnt, ihn zu erleben. Doch kaum hatte sich die Sonne Seiner Offenbarung am Himmel des Willens Gottes kundgetan, da wurden alle für sprachlos und achtlos befunden – außer jenen, die der Allmächtige zu führen beliebte.

7:3O du, der du Meiner gedenkst! Der schlimmste Schleier hat die Völker der Erde von Seiner Herrlichkeit ausgeschlossen und gehindert, auf Seinen Ruf zu hören. Gebe Gott, daß das Licht der Einheit die ganze Erde umfange und das Siegel »Das Reich ist Gottes« allen ihren Völkern auf die Stirn gedrückt werde.

8

8:1Bei der Gerechtigkeit Gottes! Dies sind die Tage, da Gott die Herzen der gesamten Schar Seiner Boten und Propheten und darüber hinaus diejenigen geprüft hat, die Sein geweihtes, unverletzliches Heiligtum bewachen, die das Himmelszelt bewohnen und im Hort der Herrlichkeit verweilen. Wie streng ist darum die Prüfung, die unvermeidlich derer harrt, die Gott Gefährten beigesellen.

9

9:1O Ḥusayn! Bedenke das heftige Verlangen, mit dem bestimmte Völker und Nationen die Wiederkehr des Imám Ḥusayn erwartet haben, dessen Kommen nach dem Erscheinen des Qá’im die Erwählten Gottes – gepriesen sei Seine Herrlichkeit – in vergangenen Tagen vorausgesagt hatten. Diese Heiligen haben weiter verkündet, wenn Er, der der Tagesanbruch der vielfältigen Gnade Gottes ist, sich offenbare, werden alle Propheten und Boten und mit ihnen der Qá’im sich im Schatten des heiligen Banners sammeln, das der Verheißene hissen wird. Diese Stunde ist nun gekommen. Die Welt ist erleuchtet von der strahlenden Herrlichkeit Seines Angesichts. Und doch, siehe, wie weit ihre Völker von Seinem Pfade abgeirrt sind! Niemand hat an Ihn geglaubt, ausgenommen jene, die durch die Macht des Herrn der Namen die Götzen ihrer eitlen Einbildungen und verderbten Wünsche zerschlagen und die Stadt der Gewißheit betreten haben. Der erlesene Wein Seiner Offenbarung ist an diesem Tage und in Seinem Namen, der Selbstgenügende, entsiegelt. Seine Gnadenfülle ergießt sich über die Menschen. Fülle deinen Becher und trinke daraus in Seinem Namen, der Heiligste, der Allgepriesene.

10

10:1Die den Völkern und Geschlechtern der Erde vorherbestimmte Zeit ist nun gekommen. Die Verheißungen Gottes, wie sie die heiligen Schriften überliefert haben, sind alle erfüllt. Von Zion ist Gottes Gesetz ausgegangen, und Jerusalem mit seinen Hügeln und seinem Land ist voll der Herrlichkeit Seiner Offenbarung. Glücklich, wer in seinem Herzen bewegt, was in den Büchern Gottes, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden, offenbart ward. Sinnt darüber nach, o ihr Geliebten Gottes, und lauscht Seinem Wort, damit ihr euch durch Seine Gunst und Gnade aus den kristallenen Wassern der Beständigkeit satt trinkt und in Seiner Sache so standhaft und unerschütterlich werdet wie ein Berg.

10:2Im Buch Jesaja steht geschrieben: »Geh in die Felsen und verbirg dich in der Erde vor der Furcht des Herrn und vor Seiner herrlichen Majestät.« Niemand, der über diesen Vers nachdenkt, kann umhin, die Größe dieser Sache anzuerkennen, noch kann er die Erhabenheit dieses Tages, des Tages Gottes selbst, bezweifeln. Diesem Vers folgen die Worte: »Der Herr allein aber wird hoch sein an jenem Tage.« Dies ist der Tag, den die Feder des Höchsten in allen heiligen Schriften verherrlicht hat. Kein Vers ist darin zu finden, der nicht den Ruhm Seines heiligen Namens bekundet, und kein Buch, das nicht für die Erhabenheit dieses höchsten Themas zeugt. Wollten Wir alles erwähnen, was in jenen himmlischen Büchern und heiligen Schriften über diese Offenbarung enthüllt ward, so würde diese Tafel unvertretbaren Umfang annehmen. Es obliegt an diesem Tage einem jeden, sein ganzes Vertrauen auf die mannigfaltigen Segnungen Gottes zu setzen und sich zu erheben, um mit größter Klugheit die Wahrheiten Seiner Sache zu verbreiten. Dann, und nur dann wird die ganze Erde in das Morgenlicht Seiner Offenbarung gehüllt sein.

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