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Das Universale Haus der Gerechtigkeit

14. Oktober 2016

An die in Santiago, Chile, anlässlich der Einweihung des Muttertempels von Südamerika versammelten Freunde

Innig geliebte Freunde,

1wir begrüßen Sie mit unermesslicher Freude zu diesem einzigartigen Ereignis, einem Höhepunkt dessen, was die Bahá’í-Welt nach viel ernstem Streben erreicht hat: Der Prozess der Errichtung von Bahá’í-Häusern der Andacht, ein Unterfangen, dessen Ursprünge bis zu den Tagen der Gesegneten Schönheit Selbst zurückverfolgt werden können, ist so weit gediehen, dass heute ein Muttertempel auf dem Boden eines jeden Kontinents steht. Drei solche Tempel liegen nun auf einer panamerikanischen Achse, zu deren südlichem Pol Sie alle hingezogen wurden. Wie vom Hüter vorausgeschaut, wurde die chilenische Hauptstadt zum Ort der Errichtung des ersten Mashriqu’l-Adhkár von Südamerika. Mit seiner ausgewogenen Verbindung von Eleganz und Erhabenheit ruft dieser Aufgangsort der Erwähnung Gottes nun alle Besucher auf, den Einen, Der ihr Schöpfer ist, anzubeten, ihren unumschränkten Herrscher, dem Lichtbringer der Welt.

2Die gewichtigen Aussagen im Kitáb-i-Aqdas, die an die Präsidenten der Republiken des amerikanischen Kontinents gerichtet sind, verleihen – zusätzlich zu dem durch den Báb allen „Völkern des Westens“ verliehenen Mandat, Seine Sache zu unterstützen – diesen Ländern, im Norden wie im Süden, unvergängliche Ehre und Verpflichtungen. Jene inhaltsschweren Worte ließen bereits die enge Verbindung Südamerikas mit dem Glauben vorausahnen. Wir erinnern uns mit tiefer Bewunderung der heroischen und aufopferungsvollen Taten jener Gläubigen, die als Erste auf diesem Kontinent den Namen Bahá’u’lláhs bekannt machten. Mit ihrer Entschlossenheit, geweckt durch den Aufruf des Meisters in Seinen Sendschreiben, in denen Er den Göttlichen Plan umrissen hatte, und angespornt von Shoghi Effendi in den Anweisungen, die er eine nach der anderen für die Durchführung des Plans gab, reisten Pioniere in die Länder Lateinamerikas und begannen, Gemeinden zu fördern, die örtliche und schließlich Nationale Geistige Räte aufrecht erhalten konnten – Gemeinden, die vom Hüter als „Mitarbeiter der Hauptausführenden des von ‘Abdu’l-Bahá hinterlassenen Plans“ bezeichnet wurden. Der Erfolg der Lehrbemühungen in großem Maßstab offenbarte die Reinheit und Aufgeschlossenheit der Bewohner des Kontinents in ihrer ganzen Vielfalt sowie ihre offensichtliche Empfänglichkeit für den göttlichen Impuls. Eines der auffälligsten Merkmale dieser Zeitspanne war die Begeisterung, mit der indigene Völker die Vision Bahá’u’lláhs und Seinen Glauben annahmen, da sie die Macht Seines Wortes erkannten, die Seele zu befreien und die Gesellschaft zu wandeln. Nachdem derartige Fortschritte gemacht waren, nahmen die Freunde die Herausforderung an zu lernen, wie sich ein Prozess rascher Verbreitung und Festigung aufrechterhalten lässt. Erkenntnisse, die aus den in dieser Region gesammelten Erfahrungen erwuchsen, sind der gesamten Bahá’í-Welt zugutegekommen, und die gegenwärtigen Bemühungen der südamerikanischen Gläubigen, den Glauben zu verbreiten und Gemeinden auf geistigen Grundlagen aufzubauen, sind eine ständige Quelle der Inspiration. Wie passend also, dass in einer Zeit, da die Völker und Nationen der westlichen Hemisphäre wie noch nie die Erleuchtung benötigen, die durch die Lehren von Gottes universellem Boten gebracht wurde, ein mächtiges geistiges Leuchtfeuer nun mit heller Flamme am Fuße der Anden brennt.

3Der Mashriqu’l-Adhkár ist „eine der wichtigsten Institutionen auf der Welt“. Ein Tempel und die mit ihm verbundenen Nebengebäude verkörpern zwei wesentliche und untrennbare Aspekte des Bahá’í-Lebens: Andacht und Dienst. Als machtvolles Symbol und integraler Bestandteil der göttlichen Zivilisation, zu der Bahá’u’lláhs Offenbarung alle Völker einlädt, wird das Haus der Andacht zum Mittelpunkt der Gemeinde, in deren Schoß es entstanden ist. „Die heiligen Düfte des Mashriqu’l-Adhkár“, erklärt ‘Abdu’l-Bahá, „beleben die Seelen der Gerechten, und seine erquickenden Brisen verleihen denen, die reinen Herzens sind, Leben.“ Tatsächlich ist ihr Einfluss derart, dass er ein ganzes Volk dafür begeistern kann, nach einem tieferen Gefühl einer gemeinsamen Zielsetzung zu streben. Der Blick der Bahá’í-Welt ist zu dieser Stunde fest auf ihren neu eingeweihten Tempel gerichtet, und wir sind sicher, dass dieser langersehnte Sieg die Freunde überall jubeln lassen wird. Doch werden sie sicherlich nicht damit zufrieden sein, sich einfach nur untereinander daran zu erfreuen. Inspiriert von allem, wofür dieses erhabene Bauwerk steht, sollten sie andere dazu einladen, die bleibende Freude zu entdecken, die dem Lob Gottes und dem Dienst an der Menschheit entspringt.

4Während wir unsere Häupter an der Schwelle der Altehrwürdigen Schönheit beugen, danken wir dafür, dass Er es Seinen ergebenen Anhängern ermöglicht hat, einen so erstaunlichen Tempel zu erbauen, erbaut aus Glas, Stein und Licht und ein Hingezogensein zum Heiligen bewirkend. Die Dankbarkeit, die wir empfinden, mehrt unsere Sehnsucht nach jenem herrlichen Tag, an dem jede Stadt und jedes Dorf mit einem Mashriqu’l-Adhkár gesegnet sein wird, und unser Blick richtet sich zuerst voll Erwartung auf jene Länder, in denen bereits nationale und örtliche Häuser der Andacht im Entstehen begriffen sind. Möge der strahlende Anblick dessen, was die Gemeinschaft des Größten Namens nun in Santiago erreicht hat, überall die Gläubigen dazu anspornen, ihren Dienst – mag er noch so bescheiden sein – zu intensivieren, einen Dienst, geleistet zur Besserung der Welt und der Herrlichkeit Gottes dargebracht.

[gezeichnet: Das Universale Haus der Gerechtigkeit]

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