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Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Riḍván 2020

An die Bahá’í der Welt

Innig geliebte Freunde,

1zwei zutage tretende Realitäten haben uns veranlasst, diese Worte an Sie zu richten. Die erste Realität ist das weltweit wachsende Bewusstsein für die drohenden und entsetzlichen Gefahren, die von der Coronavirus-Pandemie ausgehen. In vielen Ländern ist die Lage, trotz tapferer und entschlossener kollektiver Bemühungen zur Abwehr der Katastrophe, bereits sehr ernst, was für Familien und Einzelne zu Tragödien führt und ganze Gesellschaften in eine Krise stürzt. Wellen des Leidens und der Trauer brechen über einen Ort nach dem anderen herein und werden unterschiedliche Nationen, zu unterschiedlichen Zeitpunkten, auf unterschiedliche Weise schwächen.

2Die zweite Realität, die mit jedem Tag sichtbarer wird, ist die Widerstandsfähigkeit und un-gebrochene Vitalität der Bahá’í-Welt angesichts einer Herausforderung, die ihresgleichen sucht, solange wir zurückdenken können. Ihre Antwort darauf ist überragend. Als wir Ihnen vor einem Monat zu Naw-Rúz schrieben, war es uns wichtig, die beeindruckenden Eigenschaften hervorzuheben, die Gemeinden zeigten, deren gewohntes Muster von Aktivitäten unterbrochen wurde. All das, was sich in den dazwischenliegenden Wochen ereignet hat, während derer viele Freunde immer strengere Beschränkungen einhalten mussten, hat unsere Gefühle der Bewunderung nur noch verstärkt. Indem einige Gemeinden von den gewonnenen Erfahrungen in anderen Teilen der Welt lernten, haben sie sichere und kreative Wege gefunden, um die Bevölkerung für die Erfordernisse der öffentlichen Gesundheit zu sensibilisieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt denen, die durch das Virus und die wirtschaftlichen Nöte, die sich aus seiner Verbreitung ergeben, am meisten gefährdet sind. Die Initiativen, über die der Bahá’í World News Service in diesem Zusammenhang berichtet, stellen lediglich eine Handvoll der zahllosen laufenden Projekte dar. Diese werden ergänzt durch Bemühungen, jene geistigen Eigenschaften zu erforschen, zu fördern und zu pflegen, die in dieser Zeit am meisten gebraucht werden. Viele dieser Bemühungen finden notwendigerweise in Familien oder alleine auf sich gestellt statt; aber wo die Bedingungen es erlauben oder die Kommunikationsmittel es ermöglichen, wird ein Gefühl außerordentlicher Solidarität unter Menschen aktiv genährt, die sich in ähnlichen Umständen befinden. Die Dynamik des Gemeindelebens, so wichtig für den kollektiven Fortschritt, wird nicht zurückgedrängt werden.

3Unsere Herzen sind erhoben worden, als wir sahen, wie fähig die Nationalen Geistigen Räte, die unermüdlichen Generäle der Armee des Lichts, ihre Gemeinden führen und deren Reaktion auf die Krise gestalten. Sie werden stark unterstützt von den Beratern und ihren Hilfsämtern, die wie immer das Banner liebevollen Dienstes heldenhaft hochhalten. Wäh-rend sie über die sich oft rasch verändernden Bedingungen in ihren Ländern gut informiert bleiben, haben die Räte die notwendigen Vorkehrungen für die Verwaltung der Angelegen-heiten der Sache getroffen, insbesondere für die Durchführung von Wahlen, wo diese wei-terhin durchführbar sind. Durch regelmäßige Kommunikation haben Institutionen und Agenturen weisen Rat, tröstende Bestärkung und ständige Ermutigung gegeben. In vielen Fällen haben sie auch begonnen, konstruktive Themen zu identifizieren, die aus den sich in ihren Gesellschaften öffnenden Diskursen hervorgehen. Die Erwartung, die wir in unserer Naw-Rúz-Botschaft zum Ausdruck gebracht haben, dass diese Belastungsprobe der Menschheit ihr größere Einsicht gewähren würde, verwirklicht sich bereits. Führende Per-sönlichkeiten, angesehene Denker und Kommentatoren haben begonnen, grundlegende Konzepte und kühne Bestrebungen zu untersuchen, die in jüngster Zeit im öffentlichen Diskurs weitgehend gefehlt haben. Gegenwärtig sind dies nur erste Anzeichen, doch bergen sie die Möglichkeit in sich, dass ein Moment kollektiven Bewusstseins in Sicht sein könnte.

4Das erhebende Gefühl, wenn wir sehen, wie sich die Widerstandsfähigkeit der Bahá’í-Welt in Taten manifestiert, wird gedämpft durch unsere Trauer über die Folgen der Pandemie für die Menschheit. Leider, so ist uns bewusst, sind auch die Gläubigen und ihre Gefährten von diesem Leid betroffen. Die Distanz zu Freunden und Verwandten, die so viele Menschen auf der Welt aufgrund der Erfordernisse der öffentlichen Sicherheit jetzt aufrechterhalten, wird für einige von ihnen zu einer endgültigen Trennung werden. Bei jedem Sonnenaufgang scheint es sicher, dass vor Sonnenuntergang noch mehr Qualen zu ertragen sein werden. Möge das Versprechen der Wiedervereinigung in den Reichen der Ewigkeit denjenigen Trost und Linderung spenden, die geliebte Menschen verlieren. Wir beten für ihre Herzensruhe und darum, dass die Gnade Gottes diejenigen umgeben möge, deren Ausbildung, Lebensunterhalt, Wohnung oder sogar deren unmittelbare Existenzgrundlage in Gefahr sind. Für Sie und für diejenigen, die Ihnen lieb und teuer sind, und für alle Ihre Landsleute beten wir zu Bahá’u’lláh und bitten um Seinen Segen und Seine Gunst.

5Wie lang und beschwerlich der zu beschreitende Weg auch sein mag, wir setzen höchstes Vertrauen in Ihre Standhaftigkeit und Ihre Entschlossenheit, den Weg zu Ende zu gehen. Sie schöpfen aus den Vorräten der Hoffnung, des Glaubens und der Großmut, indem Sie die Bedürfnisse anderer vor Ihre eigenen stellen, so dass diejenigen, die in Not sind, geistig ge-nährt werden können, diejenigen, die zunehmend nach Antworten dürsten, zufriedengestellt werden, und denjenigen, die sich danach sehnen, für die Besserung der Welt zu arbeiten, die Mittel dazu geboten werden. Wie könnten wir weniger von den ergebenen Anhängern der Gesegneten Vollkommenheit erwarten?

[gezeichnet: Das Universale Haus der Gerechtigkeit]

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