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1.4:25Doch selbst in Ketten und aus Seiner Gefängniszelle heraus gelang es Ihm, Seine Sache zu verbreiten und das Banner der Einheit der Menschheit aufzupflanzen.
1.4:26Gelobt sei Gott! Jetzt sehen wir das Licht der Liebe im Osten wie im Westen leuchten, und das Zelt der Brüderlichkeit ist inmitten aller Völker errichtet worden, auf dass alle Herzen und Seelen sich darin versammeln mögen.
1.4:27Der Ruf des Gottesreiches ist erschallt, und die Kunde, dass die Welt den universalen Frieden dringend nötig hat, brachte das Weltgewissen zur Einsicht.
1.4:28Ich hoffe, dass durch die inbrünstige Hingabe derer, die reinen Herzens sind, die Finsternis aus Hass und Streit gänzlich getilgt und der Liebe und Einheit Licht leuchten werde. Diese Welt soll eine neue Welt werden. Materielles soll zum Spiegel des Göttlichen werden. Menschenherzen sollen einander begegnen und einander bereitwillig annehmen. Die ganze Welt soll zum Heimatland des Menschen werden und die verschiedenen Rassen als eine einzige gelten.
1.4:29Wortstreit und Uneinigkeit werden dann dahinschwinden und der göttliche Geliebte wird auf dieser Erde offenbar werden.
1.4:30Wie Ost und West von einer Sonne erleuchtet werden, so wird man alle Rassen, Nationen und Glaubensbekenntnisse als die Diener des einen Gottes ansehen. Die ganze Erde ist eine Heimat, und alle Völker sind in die Einheit der Gnade Gottes eingetaucht – würden sie es nur erkennen. Gott hat sie alle erschaffen. Er sorgt für alle. Er leitet und erzieht alle unter der Obhut Seiner Gnadenfülle. Wir müssen dem Beispiel folgen, das Gott selbst uns gibt, und allen Hader und Wortstreit aus der Welt schaffen.
1.4:31Gelobt sei Gott! Die Zeichen der Freundschaft mehren sich, und als Beweis dafür habe ich heute, vom Osten kommend, in diesem westlichen London in höchstem Maße Wohlwollen, Achtung und Liebe erfahren. Ich bin zutiefst dankbar und glücklich. Die mit Ihnen gemeinsam verbrachten Stunden werde ich niemals vergessen.
1.4:32Vierzig Jahre habe ich in einem türkischen Gefängnis verbracht. Dann rüttelte 1908 das Komitee für Einheit und Fortschritt der Jungtürken an den Toren der Tyrannei und ließ alle Gefangenen frei, auch mich. Gott möge alle segnen, die für Einheit und Fortschritt arbeiten. Darum bete ich.
1.4:33In Zukunft wird man unwahre Berichte über Bahá’u’lláh ausstreuen, um die Verbreitung der Wahrheit zu verhindern. Ich sage Ihnen das, damit Sie wachsam und vorbereitet sind.
1.4:34Ich nehme von Ihnen Abschied mit dem Gebet, dass Sie die Schönheit des Gottesreichs in ihrer ganzen Fülle empfangen mögen. In tiefem Bedauern darüber, dass wir uns trennen müssen, sage ich Ihnen Lebewohl.«
1.4:35Nachdem Professor Sadler die Übersetzung der Abschiedsrede verlesen hatte, spendete ‘Abdu’l-Bahá zum Abschluss der Zusammenkunft mit melodischer und rhythmisch bewegter Stimme allen Seinen Segen.1.4:36Wenn diese Zeilen erscheinen, wird ‘Abdu’l-Bahá unsere Küsten bereits verlassen haben. Die Erinnerung an Seine gütige Persönlichkeit ist jedoch ein bleibender Schatz. Sein Einfluss wird noch in künftigen Zeiten zu spüren sein. Bereits jetzt hat Er sehr viel dazu beigetragen, die von vielen seit langem ersehnte Einigung von Ost und West voranzubringen.London W., 10 Cheniston Gardens1.5:0_5Die nachfolgenden Aufzeichnungen wurden The Quarterly Record of ›Higher Thought‹ Work (Zentrum für Höheres Denken) vom November 1911 entnommen.1.5:1Eine der interessantesten und bedeutendsten Veranstaltungen, die stattfanden, war der Besuch ‘Abdu’l-Bahás in London. Der persische Weise hat Sein im Gefängnis verbrachtes Leben in den Dienst der Förderung von Frieden und Einheit gestellt und verfolgt dabei die einzig zielführende Methode, nämlich die Förderung der geistigen Entwicklung des Einzelmenschen. Er muss im wahrsten Sinne des Wortes »viel ertragen«
, und »das Licht geschaut«vgl. Jes. 53:11; siehe besonders die Luther-Übersetzung (Anm. d. Übers.).
Q haben. Er wurde nicht nur privat von fast jedem ernsthaften Wahrheitssucher und wegweisenden Denker in London besucht. Seine Botschaft wurde auch Tausenden vermittelt, die Seinen Namen zuvor kaum je gehört hatten.1.5:2‘Abdu’l-Bahá kannte das Higher Thought Centre gut als den Ort, an dem die Bahá’í ihre wöchentlichen Versammlungen unter der Leitung von Miss Rosenberg abhielten, und erst zwei Tage vor Seiner Abreise nahm Er eine Einladung in das Zentrum an. ‘Abdu’l-Bahá ließ durch Seinen Übersetzer Grußworte übermitteln und hielt eine kurze, eindrucksvolle Ansprache, in der Er hervorhob, welch ein Segen auf einer solchen Versammlung ruhe, die in einer Atmosphäre von Einheit und geistigem Streben zusammenkam. Er schloss mit einem demütig gesprochenen Gebet in Seiner Muttersprache und einem Segenswunsch, den alle Anwesenden als sehr aufrichtig empfanden.1.5:3Am nächsten Tag traf im Zentrum eine Botschaft ‘Abdu’l-Bahás ein, in der Er Seine große Dankbarkeit für all das Wohlwollen ausdrückt, das den Bahá’í erwiesen wird, und die mit den Worten endet: »Es kommt nicht darauf an, wie sich jemand nennt – es gibt nur eine große Aufgabe!«
1.5:4»Christus ist stets gegenwärtig in der Welt des Seins. Er hat sie nie verlassen … Seid gewiss, dass Christus anwesend ist. Die geistige Schönheit, die wir heute um uns wahrnehmen, entstammt dem Lebenshauch Christi.«
Botschaft von ‘Abdu’l-Bahá, verfasst für The Christian Commonwealth1.6:0_6veröffentlicht am 29. September 19111.6:1»Gott sendet Propheten, damit sie die Menschen erziehen und die Menschheit Fortschritte macht. Jede dieser Manifestationen Gottes hat die Menschheit vorangebracht. Durch Gottes Gnade dienen sie der ganzen Welt. Den sicheren Beweis, dass sie Offenbarer Gottes sind, erbringt die Erziehung und Weiterentwicklung der Menschen. Die Juden waren in einem Zustand tiefster Unwissenheit und Gefangene des Pharao, als Moses erschien und sie auf eine hohe Kulturstufe führte. So kam das Reich Salomos zustande und die Menschheit lernte Wissenschaft und Kunst kennen. Selbst griechische Philosophen studierten die Lehren Salomos. Damit wurde die Prophetenschaft Mose unter Beweis gestellt.
1.6:2Im Laufe der Zeit sind die Israeliten moralisch verkommen und wurden von den Römern und den Griechen unterworfen. Da erhob sich am Horizont über den Israeliten der strahlende Stern Jesu und erleuchtete die Welt, bis allen Sekten, Bekenntnissen und Völkern das an der Einheit so Wunderbare kundgetan war. Es gibt keinen besseren Beweis als diesen für die Tatsache, dass Jesus das Wort Gottes war.
1.6:3Ebenso verhielt es sich mit den Völkern Arabiens, die als unzivilisiert galten und von den Persern und Griechen unterdrückt wurden. Als das Licht Muḥammads zu leuchten begann, erstrahlte ganz Arabien. Diese unterdrückten und gering geschätzten Völker wurden aufgeklärt und kultiviert und zwar in solchem Maße, dass andere Völker die arabische Zivilisation übernahmen. Das war der Beweis für Muḥammads göttliche Sendung.
1.6:4Alle Lehren der Propheten sind wesenseins. So gibt es nur eine Religion, ein die Welt erleuchtendes göttliches Licht. Unter dem Banner der Einheit der Menschheit sollten nun alle Menschen jedweden Bekenntnisses ihre Vorurteile ablegen, Freunde werden und an alle Propheten glauben. Wie die Christen an Moses, so sollten die Juden an Christus glauben. Wie die Muslime an Christus und Moses, so sollten die Juden und Christen gleichfalls an Muḥammad glauben. Dann gäbe es keinen Streit mehr, so wären alle vereint. Genau zu diesem Zweck erschien Bahá’u’lláh. Er machte aus den drei Religionen eine. Er hob inmitten der Welt das Banner der Glaubenseinheit und der Ehre der Menschheit empor. Um dieses müssen wir uns heute scharen und mit Herz und Seele versuchen, die Einigung der Menschheit zuwege zu bringen.«
Ansprache, gehalten beim Einigkeitstreffen im Heim von Miss E. J. Rosenberg1.7:0_7am 8. September 19111.7:1»Preis sei Gott, dass in London eine solche Versammlung der Reinheit und Standhaftigkeit stattfindet. Die Herzen der Anwesenden sind makellos und dem Reiche Gottes zugewandt. Ich hoffe, dass alles, was die Heiligen Bücher Gottes beinhalten und als Wahrheit verkünden, in euch zum Tragen kommt. Die Boten Gottes sind die wichtigsten und besten Lehrer. Wann immer diese Welt sich verfinstert, gleichgültig wird und die Meinungen auseinandergehen, schickt Gott einen Seiner heiligen Boten.
1.7:2Moses erschien in einer solch dunklen Zeit, in der die Menschen vielerorts unwissend, naiv und wankelmütig waren. Moses war der von Gott gesandte Lehrer. Er lehrte Heiligkeit und erzog die Israeliten. Er holte das Volk aus seinem unwürdigen Zustand heraus und brachte es dazu, sich hohes Ansehen zu erwerben. Er lehrte sie Wissenschaft und Kunst, schulte sie in Kultur und vermehrte ihre menschlichen Tugenden. Nach einiger Zeit ging das, was sie von Gott erhalten hatten, wieder verloren. Der Rückkehr schlechter Eigenschaften wurde der Weg geebnet und Tyrannei unterdrückte die Welt.
1.7:3Da kündigte sich erneut das Licht der Wirklichkeit an und der Odem des Heiligen Geistes war zu spüren. Die Wolke himmlischer Gnade spendete Regen, der Führung Licht leuchtete über die Erde. Die Welt legte ein neues Gewand an, die Menschen wurden neue Menschen, die Einheit der Menschheit wurde verkündet. Die wunderbare Einheit im Denken verwandelte die Menschheit und schuf eine neue Welt. Doch wiederum haben die Menschen nach einiger Zeit alles vergessen. Die Lehren Gottes beeinflussten ihr Leben nicht mehr. Seine Weissagungen und Gebote verblassten und die Menschen verbannten sie aus ihren Herzen. Wieder herrschten Gewalt und Achtlosigkeit.
1.7:4Dann erschien Bahá’u’lláh und erneuerte wiederum das Fundament des Glaubens. Er rief die Lehren Gottes und die Werke der Menschlichkeit in der Zeit Christi ins Leben zurück. Er löschte den Durst der Dürstenden, rüttelte die Achtlosen wach und lenkte die Aufmerksamkeit der Nachlässigen auf die göttlichen Geheimnisse. Er verkündete die Einheit der Menschheit und verbreitete die Lehre von der Gleichwertigkeit aller Menschen.
1.7:5Deshalb solltet ihr alle mit Herz und Seele danach streben, die Menschen durch Wohlwollen zu gewinnen, auf dass diese wunderbare Einheit fest gegründet, kindischer Aberglaube überwunden und alle eins werden mögen.«
Ansprache im Hause Thornburgh-Cropper1.8:0_8am 13. September 19111.8:1‘Abdu’l-Bahá sagte:1.8:2»Dank sei Gott! Dies ist ein schönes Treffen. Es ist wirklich erleuchtet, es ist vergeistigt.
1.8:3Ein persischer Dichter schrieb einmal: ›Das Himmelsall wurde so geformt, dass die irdische Welt die höhere Welt widerspiegelt.‹ Das soll bedeuten, dass alles im Himmel Vorhandene in dieser Erscheinungswelt sein Spiegelbild hat. Nun, gelobt sei Gott, dieses unser Treffen ist ein Widerschein der himmlischen Versammlung, es ist, als ob wir einen Spiegel genommen und hineingeschaut hätten. Dieses Spiegelbild der himmlischen Versammlung kennen wir als Liebe.
1.8:4Die unter den himmlischen Heerscharen herrschende Liebe findet sich hier wieder. Die himmlischen Heerscharen sind von der Sehnsucht nach Gott erfüllt, und dieses Sehnen ist – Gott sei Dank – auch hier zu spüren.
1.8:5Wenn wir also sagen, diese Zusammenkunft sei himmlisch, entspricht es der Wahrheit. Warum? Weil wir nichts anderes begehren als was von Gott kommt. Allein Gottes zu gedenken, ist unser Sinn.
1.8:6Manche Menschen auf dieser Erde trachten nach Herrschaft über andere. Einige sehnen sich nach Ruhe und Bequemlichkeit, andere erstreben eine hohe Stellung, manche möchten gerne berühmt werden – Gott sei Dank sehnen wir uns nach Geistigkeit und Gemeinschaft mit Gott.
1.8:7Wir, die wir hier versammelt sind, möchten das Banner der Einheit Gottes hissen, Gottes Licht verbreiten und die Menschenherzen dazu bringen, sich dem Reiche Gottes zuzuwenden. Ich danke darum Gott, dass Er uns dieses große Werk vollbringen lässt.
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